straße bot. taum ein anderes Bild als sonst an den Wochentagen. Auf dem Flugpla Staaten säumte freilich eine aus mehreren hundert Wagen bestehende Autofette den Parkplag ein, aber immer Hin waren es doch mar vielleicht 10 000 Menschen, die den Weg nach Spandau gefunden hatten. In strömendem Regen harrien Unentwegte schon seit 8 Uhr morgens aus und ihre Geduld sollte belohnt werden. Gegen 49 Uhr ertönte aus den grauen Wolfen, die dicht über dem Boden dahinflogen, das unverkennbare Knattern und Fauchen. Schon im nächsten Augenblick wurde das im Regen grau schimmernde Schiff gesichtet. In hoher Fahrt fam es aus südlicher Richtung, machte dann einen weiten Bogen und verlang jamte die Fahrt. Nur amei Motoren arbeiteten noch. Es schien so, als ob die Führung des Luftschiffes sich vergewiffern wollte, daß alle Landevorbereitungen in Staaten auch getroffen seien.
Die Nachricht, daß Graf Zeppelin " doch seinen Weg durch Nacht und Regen finden würde, hatte in der letzten Stunde in Berlin alarmierend gemirft. Gegen 49 Uhr fegte deshalb eine Jagd auf alle verfügbaren Autodroschten und Privatwagen ein, und nun rollte eine lange Kolonne von Fahrzeugen die Döberiger Heerstraße hinunter. Wer der Landung selbst nicht bei mohnen fonnte, wollte menigstens das an den Anfermaft gefeffelte Luftschiff sehen. Die Kontrollbeamten am Flugplatz hatten gegen 10 Uhr alle Hände voll zu tun, um die ankommenden Besucher
abzufertigen.
Begrüßung in Staaten.
Der Sturm aufs Schlichtungswefen.
Unternehmer enthüllen ihre Absichten.
Was sie wollen.
Gerade an dem Tage, an dem die Ausspernung vollzogen wurde, übersandte die Bereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände dem Reichsarbeitsministerium die in der Besprechung om 16. Oftober angekündigte Dentschrift über die von ihnen gewünschte Reform des Schlichtungswesens". Die ganze bürger berufenen Konferenz über ihren Inhalt unterrichtet, ehe fie dem Empfänger zugegangen war. Und was ftüeühüt tün afadütüeüüe Empfänger zugegangen war. Und was steht in dieser Dentschrift nach der eigenen Angabe des Geschäftsführers der Dentschrift nach der eigenen Angabe des Geschäftsführers der Bereinigung? Nichts anderes als die Uebernahme der Vorschläge der„ DA 3.", die in der Besprechung am 16. Oktober von den Vertretern der Unternehmer audrücklich als ihnen
Es ist nach in aller Erinnerung, daß gleich nach dem Remerden, so mußte es in diesem Augenblid geschelyen; benz jetzt ist gierungswechsel im Reich in einem großen Teil der bürgerlichen verantwortlicher Reichsarbeitsminister ein Sozialdemokrat, Breffe ein Feldzug zur Reform des Schlichtungsmefens" einfegte, so daß die bisherigen Hemmungen der dem Zentrum nahe der von der„ Deutschen Allgemeinen Zeitung" geführt wurde. Man stehenden Großindustriellen gegenüber ihrem Parteifreund begründete die Reformwünsche auf der angeblich allfeitig anDr. Brauns, fortgefallen Jetzt fann man zwei Fliegen mit einer erkannten Minderung des Verantwortlichkeitsgefühls der Beteiligten Klappe schlagen, das verhaßte Schlichtungswesen und die durch die gegenwärtige Form des Schlichtungswesens und stellte noch verhaßtere republikanische Regierung unter moßantwortung der Parteien stärken sollte. eine Reihe von Forderungen für seine Aenderung auf, die die Bergebender Beteiligung der Sozialdemokraten. Schlagworte mie Schlichtungsfrise" und Schlichtungsreform" wurden geprägt und wurden ohne Prüfung ihrer Berechtigung aufgenommen. Da fam etwas den Führern des Kampfes vielleicht unerwartetes: der neue Arbeitsminister lud die Spigenverbände der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer zu sich ein, um von ihnen selbst ihre Klagen und Wünsche zu hören. Die nummehr in der reformhungrigen Breffe in großer Aufliche Bresse wurde in einer besonders von der Vereinigung ein machung als Wendepunkt des deutschen Schlichtungswesens angekündigte Konferenz fand am 16. Oftober d. J. statt. Aber sie verlief mirklich nicht sensationell, wenigstens nicht in dem Sinne dieser Ankündigungen. Es zeigte sich nämlich, daß die Träger des Arbeitslebens teils feine Reformvorschläge machen wollten, teils feine machen tonnten. Die Gewerkschaften erklärten in voller Einmütigkeit, daß sie gewiß mancherlei an einzelnen Schlichtungsergebnissen auszusehen hätten, daß ihnen auch gefühlsfeſt- ſtrebe, daß sie aber gleichwohl anerkennen müßten, daß die mäßig oft genug der Zwang der Verbindlichkeitserklärung wider Schlichtungsgesetzgebung mit ihrem Zweck der Herbeiführung von Tarifverträgen die folgerichtige Ausführung des Artifels 165 der Reichsverfassung sei, der die gleichberechtigte Mitwirkung der Arbeitnehmer- und Arbeitgeberverbände bei der Regelung der Arbeitsbedingungen festgelegt hat. Sie wünschten deshalb keine Aenderung des Schlichtungsrechts, auch keine Abschaffung oder Einschränkung der Verbindlichkeitserklärung, die mir zur Erschütterung des Tarifgedankens führen würde.
"
Die Unternehmer find schweigfam.
Vorschläge jetzt in eine Form gebracht worden sind, die begründete fernstehend bezeichnet worden waren! Nur, daß diese Zweifel an ihrer Ernstlichkeit aufkommen lassen. Denn welche Re gierung kann wohl darauf eingehen, Verbindlichkeitserklärungen
unter ihrer Verantwortung auszusprechen, über deren Zulässigkeit und Angebrachtheit zuvor eine ,, umabhängige Schiedsstelle" bindend
entschieden hat? Die Schiedsstelle sollte also über der Reichsregierung stehen; daß diese zu ihrer Amtsführung nach der Ber fassung des Vertrauens des Parlaments bedarf und deshalb rechtmäßige Vertreterin des deutschen Boltes ist, ficht die Unternehmer wenig an.
In der Nähe des Ankermastes wird das Luftschiff zunächſt gehalten und der Konus an der Spitze des Luftschiffes frei gemacht. Aus der Spize des Konus wird ein Drahtseil herab gelaffen und an diesem das Luftschiff bis zum Ankermast gezogen. Die Berankerung des Luftschiffes dauert über anderthalb Stunden. Die Borderkajute wird dann mit Ballast behängt und an der Schwanzgondel der Radwagen befestigt. Da die Räder dieses Bagens in dem aufgeweichten Boden zu verfinken drohen, werden lange Bohlen herangeschleppt, um den Radwagen zu stützen. Die Geduld der Zuschauer wird aber immer noch auf eine lange Probe gestellt. Von Dr. Edener und seiner Mannschaft ist zunächst nichts zu sehen. Zuerst steigen die Baffagiere aus, darunter auch das zehnjährige Mädchen des ersten Steuermannes, dem die Fahrt gut bekommen ist. Nachdem die Passagiere, darunter auch die amerifanischen Marineoffiziere, das Schiff verlassen haben, erscheint in der Rajütentür Dr. Edener im blauen Mantel und Schirmmüße. Ihm folgen in furzen Abständen seine Steuerleute und dann die Mannschaft, alle in brauner Lederjacke und Schirmmüte. Fortwährend muß Dr. Edener sich den Photographen stellen. Nur langsam tommt er, unterstützt durch eine Schupotette, über den Plaz zur Ehrentribüne, mo er vom Reichsverkehrsminister v. Guérard und vom Handelsminister Dr. Schreiber und vom Reichstagspräsidenten Löbe begrüßt wird. Dr. Edener und feine Mannschaft nehmen auf der Ehrentribüne Aufstellung, wo Minister v. Guérard die ersten Begrüßungsworte spricht. Im Anschluß baran feiert Oberbürgermeister Dr. Böß den Luftschiff führer und dann spricht Dr. Edener selbst zu den Zehntausenden. Er macht tein langes Besen von seinen Erfolgen. Er spricht davon, bab zum Transozeanflugverkehr noch ein weiter Beg ist. Sofort nach diesen Reden nehmen die Ehrengäste in Autos Blaz, die sie segt von Tausenden von Autos, die nur langsam den Weg zurück Gruppe", eine Lohnforderung mit der Kündigung ihrer haben: sie sollen in einem grundsäglichen Falle zeigen, nach Berlin entführen. Das Flugfeld ist noch Stunden nachher be finden tönnen.
Der Empfang im Radio.
Es ist kaum möglich, daß die Besucher in Staaten, selbst die Tribünengäste, besser über die Bandung orientiert worden find als bie Radiohörer. Bor neun Uhr fegt die Berichter stattung ein. Zuerst schildert Braun fnapp und fachlich den Flug bes Zeppelin über die Stadt, und dann beginnen die Schwierigkeiten der Landung. Ueber eine Stunde lang dauern die Bemühungen, und der Hörer wird zum Zeugen dieser schweren und gefährlichen Arbeit. Braun, der ausgezeichnete Improvisator, belebt die Szene außerordentlich dramatisch, weiß zu steigern wie auf dem Theater. Gespannt und atemlos folgt der Hörer den Versuchen, erlebt im Geiste mit das Arbeiten an den Tauen und an dem Antermast, fühlt die Gefahr, in der sich öfters die Arbeiter am Mast befinden, und man empfindet es direkt als eine Befreiung von brüdender Last, wenn die Berankerung endlich gelungen ist. Dazwischen hört man das Brummen der Motore, furz abgerissene Befehle, die Rufe der Be biemungsmannschaften, Befehle der Polizei, entferntes Pfeifen einer Bokomtive und gewissermaßen in Großaufnahme das Wiehern eines Pferdes, dann das Jubeln der Masse, als Edener erscheint, die Begrüßungsreden.
Wie wir am Sonntag mitteilten, hat das Provinzialfchultollegium es abgelehnt, den Schulen anläßlich der Ankunft des Zeppelins frei zu geben. Mit Recht wurde hervorgehoben, daß es für die größte Anzahl aller Schüler nicht möglich sein wird, zur Antunft des Zeppelins nach Staaten zu fahren. Diese Berfügung murde von einer großen Anzahl höherer Schulen umgangen, indem dieser Tag einfach als obligatorischer Ausflugstag angesetzt wurde. Nach den behördlichen Bestimmungen soll der Ausflugstag natürlich in erster Linie dazu dienen, die Schüler auf größeren Wanderungen mit der Umgebung Berlins vertraut zu machen, ihren Sinn für Naturschönheiten zu stärken ufm. Es erscheint unglaublich, Taufende von Schülern einen ganzen Bormittag auf die Straße zu schicken, nur damit sie eventuell einige Minuten lang ein Stückchen des Luftschiffes aus einer grauen Wol
tenmand hervortreten sehen.
Sturz vor 1 Uhr fand im Palais des Reichspräsiden ten der Empfang Dr. Edeners und der Besatzung statt. Der Reichspräsident drückte seine lebhafte Freude darüber aus, daß der Doppelflug nach und von Amerika so glücklich gelungen sei, und daß er auch die gesamte Mannschaft des Schiffes begrüßen fönne. Auf der Wilhelmstraße hatte sich eine große Menschenmenge zusammen gefumben, die die Gäste stürmisch begrüßte. Der Reichspräsident ließ sich jeden der Besatzungsmannschaft persönlich vorstellen. Im Anschluß daran fand der Empfang beim Reichstanzler statt.
82. 26L Steglih. Heute, 5. November, 20 1hr, Frauenabend im Südender Hof, Südende, Lichterfelder Str. 1, Ede Stephanstraße. Bezicht über die Bezirksfrauenfonferenz. Weitere wichtige Tages
ordnung.
Städtische Cper. Die Stadt Berlin wird Dr. Edener und die Zeppelin. Befabungbur eine Festborstellung ehren. An Stelle der angefegten Brophet Muführung wird figaros Sochzeit gegeben. Beginn 7 Uhr. Die Abonnements
behalten ihre Gültigfeit.
Die Unternehmer verhielten sich in dieser Besprechung mert würdig diplomatisch". Sie betonten einerseits immer wieder ihre positive Einstellung zu Tarifvertrag und Schlichtung", verlangten aber die Beseitigung der generellen Möglichkeit der Verbindlich lichkeitserklärung". Iroß aller Fragen der Gewerkschaften und auch des Arbeitsministers gelang es nicht, ihnen das Geheimnis zu entloden, was es eigentlich mit dieser Forderung auf fich habe; denn daß es nach dem geltenden Recht keine generelle" Möglichkeit der Verbindlichkeitserklärung gibt, ist allen Kemmern dieses Rechts bekannt. Die Aufnahme der Reform Forderungen der Presse wiesen die Unternehmer weit von sich! Sie würden ihre Wünsche später schriftlich erläutern; offenbar vor dem Zeitraum von zweiundeinenhalben Monat, der zwischen der Einladung und der Besprechung lag, für eine so tiefgründige Abhandlung viel zu kurz.
Zu derselben Zeit aber, als die Besprechung im Reichsarbeitsministerium stattfand, beantworteten die Unternehmer eines nach wirtschaftlicher Bedeutung und Zahl der beschäftigten Arbeitnehmer besonders wichtigen Industriegebiets, die sogenannte„ ,, nordwestliche sämtlichen Arbeitnehmer für den 1. November, um zu diefem Zeitpunkt eine Gesamtaussperrung zu 3weden des Arbeitstampfes durchführen zu können, zu einer Zeit, als die Schlichtungsbehörben sich mit dem Streit über haupt noch nicht beschäftigt hatten. Das war die praf tische Illustration zu der Verantwortungsfreudigkeit" und zur Bejahung des Tarifvertrags- und Schlichtungswesens, wie sie die Unternehmer in der Besprechung immer wieder betonten!
Die Denkschrift zeigt deutlich, was die Unternehmer mollen: die praktische Abschaffung der Berbindlich feitserklärung, deren Bestehen ihnen mit Recht als eine Sicherung des verfassungsmäßigen Anspruchs der Arbeitnehmer auf den Abschluß von Tarifverträgen erscheint. Durch die Aussperrung in der Eisenindustrie soll für diese Abschaffung da durch Stimmung gemacht werden, daß man dem deutschen Spießbürger rechts und links zeigt, daß die Berbindlichkeitserklärung ja im Einzelfall doch keine Wirkung hat. Dann soll der Generalit urm auf Gesetzesänderung, wohlvorbereitet durch das Trommelfeuer der Aussperrung, beginnen. Die Pressevorbereitung hat, mie die Konferenz am 16. Oftober gezeigt hat, versagt, trotz der objektiven" Aufsäge in der„ Deutschen Allgemeinen Zeitung", als deren Berfaffer übrigens in Breffefreifen eine Bersönlichkeit ge nannt wird, die im Reichswirtschaftsministerium be schäftigt ist; jezt fommt schweres Geschütz!
Die Arbeitnehmerschaft muß aus diesen Vorgängen erkennen, ,, mas ist". Sie darf sich von ihrer richtigen Haltung zum Tarifvertrags- und Schlichtungswesen nicht abbringen lassen. Die neuvertrags- und Schlichtungswesen nicht abbringen lassen. Die neu geschaffenen Arbeitsgerichtsbehörden werden in dem Streit über die Unrechtmäßigkeit der Aussperrung ihre Feuerprobe zu beſtehen geschaffenen Arbeitsgerichtsbehörden werden in dem Streit über die
daß fie die Schüßer der Reichsverfassung und des neuen Arbeitsrechts sind. Kommt es so, dann wird der Ansturm der Unternehmer auf die Arbeiterrechte der Republik abgeschlagen. Dann ist der Kampf, den heute eine Viertelmillion Arbeiter unter größten Entbehrungen führen müffen, der unsere Wirtfchaft vielleicht um Jahre zurückwirft, ein Kampf um die Zukunft der deutschen Arbeiterklasse.
Die Angestellten erklären sich solidarisch.
Die Disziplin der Gewertschaften, ihr ernster Wille gan Tarifvertrag unter Vermeidung unnötiger Wirtschaftskämpfe, nahm die ungewöhnliche Provokation unbeantwortet hin. Das Gelsenkirchen , 5. November. ( Eigenbericht.) Schlichtungsverfahren nahm seinen Lauf. Ein Schiebsspruch Die Ausfperrung der Metallarbeiterschaft hat inzwischen zu nicht erging und brachte den Arbeitnehmern nicht bie erhoffte unerheblichen Betriebseinschränkungen auch im Ruhrbergbau geführt. 2ohnerhöhung, sondern mur eine faum merkliche Verbesserung nachdem im Gelsenkirchener Bezirk bereits die den Berihrer Lage, zugleich eine Bindung auf anderthalb Jahre einigten Stahlwerken gehörenden Schachtanlagen der Gewerkschaften Trotz des Geschreis der Kommunisten nahmen die Gewerkschaften Bonifatius und Zollverein Feierschichten eingelegt hatten, haben den unzulänglichen Schiedsspruch an, um durch die Tat den Willen zum Tarifvertrag und das Verantwortungsgefühl für die Gesamt jetzt auch die Schachtanlagen 21ma- Rheinelbe, Blutowirtschaft zu bezeugen, von dem auf der anderen Seite sopiel die Thies und Holland mit Feierschichten wegen plötzlicher UbRede war. Die Unternehmer lehnten rundweg ab. Als die Gewerk- faftodungen begonnen. Die Alma- Koferei hat ihre Kofsschaften nunmehr, ohne Rücksicht auf ihr Prestige", nur um den produktion auf ein Mindeffmaß eingeschränkt. In der gesamten schweren Kampf zu vermeiden, die Berbindlichkeitserklärung be. Bergarbeiterschaft hat der Beschluß der Vereinigten Stahlantragten, fam es zu neuen Verhandlungen im Reichsarbeitswerte, auf ihren Bergwerksbetrieben im Gelsenkirchener Bezirk nur noch drei Schichten wöchentlich verfahren zu laffen, beministerium. Alle Bermittlungsvorschläge des Arbeitsministers scheiterten an der Ablehnung greifliche Erregung hervorgerufen. der Unternehmer. So blieb ihm, wenn er ,, berantwortungs. bewußt" einen für die deutsche Wirtschaft gefährlichen Kampf ver meiden wollte, nichts weiter übrig als der 3wangsatt der Berbindlichkeitserklärung, dessen Erforderlichkeit im öffentlichen Interesse in diesem Fall von niemandem geleugnet werden konnte. Nun zeigte sich
das wahre Gesicht der Unternehmer. Obwohl durch die Berbindlichkeitserklärung nach dem geltenden Recht ein Tarifvertrag zustande gekommen war, voll30gen fie die Aussperrung und brachen damit den Bertrag, eine Rechtsverlegung, da sie nach dem Gesetz zum Schadensersag verpflichtet, zu einem Schadensersatz, der nach Lage der Sache in die Millionen gehen muß. In einer fjadenscheinigen Begründung suchten sie ihr Verhalten damit vor der Deffentlichkeit zu erklären, daß die Lohnerhöhung des Schiedsspruchs für sie untragbar und daß der Schiedsspruch auch nicht rechtmäßig zustandegekommen und darum seine Berbindlichkeitserklärung rechtsungültig sei. Der gegen die Gültigkeit des Schiedsspruches angeführten rechtlichen Bedenken widersprechen dem Gesez und den geltenden Rahmentarifvertrag; fie tönnen nicht ernst gemeint sein und werden von niemand ernst genommen. Zudem bestand für die Unternehmer die Möglichkeit sofortiger Klarstellung durch die Arbeitsgerichts behörden ohne daß es dazu eines Arbeitstampfes bedürfte.
Wie fonnte es unter diesen Umständen so fragt sich jeder Berständige, zu der gewaltigen Aussperrung mit all ihren wirtschaft. lichen und rechtlichen Folgen fommen? Die Lösung dieses. Rätsels ist nach unserer Aufaffung nicht in den Verhältnissen der nordwestdeutschen Eisenindustrie zu finden. Es handelt sich vielmehr, wie von uns bereits mehrfach angedeutet, um einen grundsäglichen Kampf, um den Kampf gegen das ftaatliche Schlichtungswesen, für den ficheren Bernehmen nach schon seit längerer Zeit von der Gesamtunternehmerschaft Riefenfummen zur Berfügung gestellt find. Sollte er einmal durch die Tat geführt
Die Angestellten sollen Notstandsarbeiten ver. richten. Die Unternehmer wollen selbst diese Ar. beiten nicht nach dem neuen Tarif bezahlen.
Effen, 5. November.( Eigenbericht.)
Im ganzen Aussperrungsbezirt folgen die Arbeiter den Bei sungen der Gewerkschaften, die die Berrichtung von Notstands. arbeiten durch Arbeiter von der Anwendung des neuen Tarifs abhängig gemacht haben. Die Angestelltenschaft der Metallindustrie hat sich durchweg geweigert, der Aufforderung zur Verrichtung von Notstandsarbeiten Folge zu leisten. Die Angestelltenorganisationen haben sich in dieser Sache bereits beschwerdeführend an ihre Spizenorganisationen gewandt.
Bochum , 5. November. ( Eigenbericht.)
Die Funktionärtonferenz des AfA.Bundes nahm am Sonntag zu der Lage in der Metallindustrie Stellung. Sie faßte eine Ent schließung, in der sie das Vorgehen des Arbeitgeberverbandes als schwerste Schädigung der Allgemeinheit und unverhüllte Auflehnung gegen die soziale Gejezgebung brandmarkt und das Borgehen des Af- Bezirtstartells begrüßt, bas die Fühlung mit dem Metallarbeiterverband herstellt und es seinen Mitgliedern zur Pflicht macht, nur den Anweisungen der Bezirksleitung Folge zu leisten, besonders da, mo Bertsleitungen von den Angestellten Arbeiten verlangen, die außerhalb ihres Aufgabenkreises liegen.( Notstandsarbeiten.)
Am Rednerpult zusammengebrochen.
Duisburg . 5. November. Während einer vom Christlichen Metallarbeiterverband biet veranstalteten Bersammlung, in der zur Aussperrung in der Nord weftgruppe Stellung genommen wurde, brach der Reichstags abgeordnete Franz Wieber . Duisburg plöglich mährend seiner Ausführungen infolge großer feelismer Erregung bewußtlos am Rednerpult zufammen.