Bluttat eines Geistesfranken.
Die Frau mit der Schere niedergestochen.
In einem Anfall von Geistesgestörtheit stach gestern abend der 54jährige Schneider Paul Gruhn im Hausflur des Grundstückes Brüffeler Straße 51 im Norden Berlins feine 34jährige Frau Alma mit einer Schere nieder. Der Täter brachte sich selbst mehrere tiefe Bruststiche bei. Gruhn, der von seiner Frau getrennt lebte und in der Gartenstraße 34 zur Untermiete wohnte, war längere Zeit in der Heil anstalt in Buch internierf. Vor etwa drei Monaten war
er als geheilt entlassen worden. Mehrmals versuchte er, seine Frau, die in der Brüsseler Straße 51 wohnt, zur Rückkehr zu bewegen, aber immer ohne Erfolg. Auch gestern abend begab er sich wieder in die Wohnung der Frau. Anstatt zu einer Aussöhnung fam es jedoch zu einem heftigen Auftritt, der in Tätlichkeiten ausartete. Plötzlich ergriff Gruhn eine auf dem Tisch liegende Schere und stürzte sich damit auf seine Frau. Es gelang ihr aber noch rechtzeitig die Tür zu erreichen und auf die Treppe zu flüchten. Laut um Hülfe rufend, eilte sie die Treppe hinab. Gruhn, der sich wie rasend gebärdete, stürzte ihr nach und holte fie im Hausflur ein. Mit der Schere, die er noch immer in der Hand hielt, stach er mehrmals auf die Wehrlose ein. Als Haushemohner, die durch die Hilferufe alarmiert morden waren, hinzucilten, stieß sich Gruhn die Schere mehrmals in die Brust. Polizeibeamte sorgten für die Ueberführung der Frau ins Virchow- Krankenhaus. Gruhn wurde als Polizeigefangener ins Staatstrantenhaus gebracht.
3n Cynn, im Staate Massachusetts , ereignete fich in ciner Schuhfabrif eine schwere Explosion, die den Ausbruch cines Großfeuers zur Folge hatte. Das Feuer griff im Handumdrehen auf die benachbarten Häuser über.
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Bis 9 Uhr morgens waren als Opfer der Explosionstatastrophe 12 Leichen geborgen. Die Zahl der Berlegten beträgt über 20. In der allgemeinen Aufregung ist es bisher unmöglich gewesen festzustellen, wie viele Personen in der Schuhfabrit be jchäftigt waren. Die erste Explosion es handelte sich um cine 3elluloidmischung erfolgte um 7 Uhr 35 Minuten. In den nächsten Minuten wurde durch mehrere fleinere Explosionen cine Wand des einstödigen Fabrikgebäudes herausgedrückt. Zwei Leichen wurden auf die Straße geschleudert. Zahlreiche benachbarte Wohnhäuser wurden durch die Flammen in Mitleidenschaft gezogen. Unter den Toten befindet sich eine Mutter mit ihren drei kindern, die in einem benachbarten Wohnhause beim Frühstück von den aus dem Fabrikgebäude durch die Wohnungsfenster schlagenden Flammen getötet wurden, während die übrigen Mitglieder der Familie, der Vater und fünf Kinder, mit leichten Brandwunden davontamen.
Republiffeier des Reichsbanners.
Eine machtvolle Kundgebung am Vorabend des 10. Jahrestages.
Wo vor zehn Jahren die Schüsse der revolutionären Arbeiter und Soldaten durch die Novembernacht peitschten, da erhellte gestern der Feuerschein unzähliger Fadeln das Dunkel des Novemberabends: Das Berliner Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold hatte zu einer Kundgebung auf dem Gendarmenmarkt aufgerufen, um die Geburtsstunde der deutschen Republit zu feiern. Der Blid über das Ganze fing ein prächtiges, erhebendes und unvergeßliches Bild ein.
In langen grauen Kolonnen rückten die ehemaligen riegsteilnehmer an und mit ihnen, in gleichem Schritt und Tritt, die Massen der jungen Republitaner. In ihren Fäuften trugen fie lodernde Fackeln und wallende schwarzrotgoldene Fahnen. In ihren Herzen glühte das Bekenntnis zum deutschen Freiheitsstaat, dessen Schützer und Wegbereiter sie sind. und mit ihnen marschierten die unübersehbaren Massen der Bevölkerung, um durch ihre Beteiligung an diesem machtvollen Aufmarsch auch nach außen hin die unzerreißbare Verbundenheit zwischen Volk und Reichsbanner zu dokumentieren. Auf den Anmarschstraßen rüdten die Büge, die ihre Sammelpunfte in den verschiedenen Stadtbezirken hatten, mit flingendem Spiel und wehenden Fahnen heran. Ueber sie braufte das Spiel der Musik kapellen, dröhnte der Trommelwirbel der Tambourkorps und wuchtete der mitreißende Rhythmus aufrüttelnder Kampflieder. Auf dem Gendarmenmarkt, vor dem Staatlichen Schauspielhaus, vereinigten sich die Ströme zum Meer. Der Feuerschein unzähliger Fackeln reichte bis an die Spigen der beiden Dome hinauf, die links und rechts schwarz und maffig emporragten. Auf der großen Frei treppe des Schauspielhauses, von der aus die Redner zu den Massen irachen, hatten die Spielleute des Reichsbanners und die Fahnenabteilungen Aufstellung genommen. Unten auf dem Platz stauten fich die Maffen und verschmolzen, dichter und dichter werdend, zu einer ungeheuren Einheit.
Ein Fanfarenmarsch, mit dem die Feier eröffnet wurde, verwandelte das ewige Brausen, das über der tausendköpfigen Menge lag, in feierliche Stille. Durch eine vom Arbeiterradio bund aufgestellte Lautsprecheranlage wurden die nun folgenden Ansprachen und Darbietungen bis in die entferntesten Winter des riesigen Blakes getragen. Albert Florath vom Staatstheater trat an das Mikrophon und fprach aus einem Sprechchorwert Franz Rothenfelders mit weithinhallender Stimme den packenden Prolog ,, Neunter NoDember 1918". Nach einer furzen, martigen Ansprache des zweiten Borsitzenden des Berliner Reichsbanners, Wilhelm Nowad, der die Menge im Auftrage des Gauporstandes be: grüßte, sprach als erster Redner Reichstagsabgeordneter Genosse Franz Künstler.
haben zuge
seinem Buch„ Gedanken eines Soldaten" erwähnt geben, daß der Eintritt Amerikas , fein Dolchstoß, ben Krieg zu unseren Ungunsten entschied. Wirtschaftlicher Zusammen bruch und Inflation folgten. Biel Leid und Sorge trugen Arbeiter, Angestellte, Beamte und die Angehörigen der freien Berufe unter den Folgeerscheinungen des Krieges. Aber als alles auf und davonlief, maren es die vaterlandslosen Gesellen" Wilhelms. II., die Sozialdemokraten, die im Bunde mit freiheitlich gesinnten bürgerlichen Republikanern an die Arbeit gingen, um von Deutschy land zu retten, was noch zu retten war. Dabei ging die Sozialdemokratie manchmal ohne Rücksicht auf Parteiintereffen bis an die legte Grenze des Tragbaren. Wenn wir aber rüdschauen, so törtnen wir feststellen, daß durch die Arbeit der Republikaner Deutschlands der Weg wieder freigemacht ist, zum Aufstieg.
Daß in den Jahren von 1918 bis. 1923 die deutsche Staatseinheit gerettet war, werden spätere Geschichtschreiber als eine der größten Taten der deutschen Arbeiterschaft und der Re publikaner rühmen.
Was wäre wohl aus der Arbeiterbewegung geworden, wenn aus fändischer Imperialismus und inländischer Separatismus Deutsche land in Stüde geschlagen hätten? Schwerstes Elend wäre gerade über das deutsche Proletariat gekommen. Die Republik gab allen Staatsbürgern, ob Männern ob Frauen, das gleiche, freie, in den Straßen Berlins die Wahlrechtsdemonstranten von der wilhel attive und passive Wahlrecht. Man denke daran, wie minischen Bolizei noch wenige Jahre vor Ausbruch des Weltkrieges zufammengehauen und zusammengeritten wurden. Noch ist gewiß nicht alles erfüllt. Die Republif foll feine Geldjadrepublik sein, sondern ein sozialer Boltsstaat, der auch die Arbeit des Industries und Landarbeiters ausreichend schützt und achtet. Gerade deshalb gedenten wir heute der ausgesperrten Kameraden in Westdeutschland.
Freie Gewertschaftler stehen zusammen mit chriftlichen und Hirsch Dunderschen Arbeitskollegen im Abwehrkampf gegen brutales Unter nehmertum. Ihnen Gruß und Sympathie! Den Scharfmachern aber fagen wir: Lernt aus dem Schicksal der Machthaber des allemal der Vergangenheit an, die deutsche Zukunft liegt im Gedeihen der Republik . Wir geloben, mit aller Kraft für eine foziale Ause gestaltung der Republik zu fämpfen. Bir rufen allen Republikanern zu: Bolt, gib acht; Brüder, macht!"
Für die Deutsche Demokratische Partei sprach der Reichstagsabgeordnete Georg Bernhard . Weil", fo fagte er, ,, durch die Tat, die am 9. November eingeleitet wurde, die deutsche Einheit trotz aller Stürme und trotz des Bersagens der alten Machthaber erhalten wurde, müßte eigentlich der 9. No vember ein Nationalfeiertag des deutschen Volkes sein. Noch ist die Republik nicht so gesichert, wie man es manchmal an zunehmen versucht wäre. Die monarchistischen Manifefte des Stahlhelms beweisen, daß die Unbelehrbaren noch immer nichts gelernt haben. Es gilt, für die Republif mit dem Arm, für die demokratische Durchsetzung des deutschen Volkes und der Welt mit dem Geist zu fämpfen.
Endfampf um die„ Rotgestempelten". macht, und in Furcht vor dem gerechten Zorn des Volkes flüchteten Dr. Schreiner. Auch er legte für seine Bartei ein Gelöbnis
Winter entlarvt und zu Gefängnis verurteilt.
,, Bor genau zehn Jahren," so führte er aus, ging das kaiserliche Deutschland in Trümmer. Die fürstlichen Machthaber hatten aus Deutschland einen einzigen Schutthaufen gefie bei Nacht und Nebel. Durch den langen Krieg entnervt, durch schlechte Ernährung entfräftet, war das Kriegsinstrument des alten Deutschland innerlich morsch und brüchig, lange bevor die Alliierten zur letzten entscheidenden Augustoffensive des Jahres 1918 übergingen. Die Flucht des Obersten Kriegsherrn nach Holland hatte die einheitliche Führung nicht erst zerbrochen: stops
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Auch unter den Offizieren war schon vorher Disziplin nur noch ein theoretischer Begriff.
In dem Betrugsprozeß gegen den Betriebsanwalt Gustav Winter, der durch seine Angriffe gegen den Reichsbant präsidenten und eine lärmende Aktion für die Aufwertung der Reichsbanknoten von sich reden gemacht hat, wurde der Angeflagte wegen fortgesetzten Betrugs zu 1 Jahr 3 Monaten Gefängnis und 20 000 m. Geldstrafe verurteilt. An Stelle der Geldstrafe treten bei Nichtbeibringung 200 Tage Gefängnis. Auflitischen und militärischen Führer zugrunde. Daran Das faiserliche Deutschland ging an den Fehlern feiner po Antrag des Staatsanwalts wurde Winter megen bestehender Flucht ändern alle Schriften nationalistischer Voltsbeglücker über den Dolch gefahr sofort verhaftet und aus dem Gerichtssaal abgeführt. stoß der Heimat nicht das geringste. Ernite, objektive militärwissenschaftliche Literatur es seien nur die Namen der Generalmajore a. D. Amann und v. Borries, sowie jetzt erst der ehemalige Chef der Reichswehr , Generaloberst v. Seedt, in
In der Urteilsbegründung wurde festgestellt, Saß Winter feine zahlreichen Anhänger jahrelang aufs schwerste betrogen hat. Er hat fich aus dem Opferfinn der von ihm angeführten Massen eine dauernde Einnahmequelle zu verschaffen gewußt. 3war habe er behauptet, daß er für die ihm von seinen Anhängern zugeleiteten Gelder Gegenleistungen gegeben habe. Dem Gericht habe er jedoch nicht die Ueberzeugung beibringen fönnen, daß die Vorträge, Beitungen und Bücher irgend welchen realen Wert für die armen Inflationsgeschädigten darstellten. Die Menge fei für ihn nur das Absatzgebiet für die sonst nicht absehbaren literarischen Leistungen gewesen. Geine Anhänger haben ihm Vermögenszuwen= D'ungen gemacht, die sie nach Kenntnis des wahren Sachverhalts und der wahren Person Winters nie gegeben hätten. Die eingehe: 1 den Gelder hätten Winter und seinen Angehörigen jahrelang ein forgenfreies Dasein ermöglicht und ihm überdies noch die Möglichfeit geschaffen. ein Vermögen von ganz bedeutendem Werte anzufammeln. Wie er seine Anhänger einschäßte, gehe aus seinen eigenen mit annischer Offenheit dargelegten Ausführungen hervor, als er sagte, er müsse den Leuten, die dümmer seien als dumm, mit großen Lügen afs Bluff fommen, sonst liefen sie davon. Straferschwerend war noch, daß er, um sein Ziel zu erreichen, auch nicht vor Handlungen zurückgeschreckt sei, die an sich den Kern für einen zu begehenden Hochperrat gebildet hätten, daß er die führenden Staatsmänner des Deutschen Reiches durch Wort und Schrift in maßlosester Weise beleidigt habe.
Der Werfraum der Frau. Eine Ausstellung moderner Küchen.
In der Ausstellung der Arbeitsgemeinschaft für Handwerksfultur" in Charlottenburg.in der deutsche Hardenbergstr. 33 wird eine Sonderausstellung der Architektenvereinigung" Der Ring": Die neue Küche gezeigt. Unter der Mitarbeit von Dr. Erna Meyer und Frau Dr. Grünbaum zeigen zehn Architeften moderne Küchen, in der Absicht, die endgültige Form und Größe der Küche in den Kleinwohnungen zu finden. Alle Wohnungsbaumeister sind zu der lleberzeugung gefommen, daß die Küche teinen Wohnraum, sondern ausschließlich den Wert raum der Frau darstellen soll. Shon vom rein hygienischen Standpunkt haben die Architekten recht. Der Aufenthalt in Räumen, in denen gekocht wird, ist ungesund. Die Grundrisse wurden abgeändert. Für den Werkraum der Frau wurde nur soviel Blak bewilligt, wie unbedingt erforderlich ist. Der so gewonnene Raum wurde verwandt, in die Wohnung noch eine Kammer einzubauen.
Das Zentrum Dertrat der Reichsbannerfamerab ab, stets einzustehen für die republikanische Staatsform und per langte, daß die Linksregierung im Reich eine entschie dene Links politit betreibe, Nachdem er der Toten der Res publit, Eberts, Erzbergers und Rathenaus und der unzähligen Namenlofen gedacht hatte, fchloß er mit einem Hoch auf das freie republikanische Deutschland , in das die Massen b geistert einstimmten.
Der gemeinsame Gesang des Reichsbanner- Bundesliedes bildete den Abschluß der Kundgebung. Unter den Klängen der Marsch musif lehrten die endlosen Züge in ihre Bezirke zurück. Die Feier sowohl wie auch der An- und Abmarsch vollzogen sich in muster. gültiger Ordnung. Die Stimmung wurde durch teinerlei Zwischen fälle gestört und getrübt. In der Erinnerung bleibt der Eindruc einer wuchtigen, monumentalen, von größteni eindringlichen Ernst getragenen Veranstaltung lebendig.
Um den Raum für die Küche fomeit als möglich beschränken zu fönnen, war wesentlich, daß die notwendigen Schränke bereits eine gebaut werden und daß Kochmaschine, Wasserhahn, Vorrats- und Geschirrschrank so zueinander angeordnet sind, daß die Frau bei ihrer Arbeit die geringftmöglichen Handgriffe auszuführen hat. Das Ideal einer Küche wäre, daß die Frau unmittelbar am Fenster, wo es am hellsten ist, ihre Arbeitsplatte hat, links davon ihre Geschirr- und Vorratsschränke und rechts den Kohherd und den Wasserhahn. Dann braucht die Frau feine langen Wege zu machen. Unmittelbar am Arbeitsbisch ist alles erreichbar, was zum Kochen und Geschirrwäschen benötigt wird. Küchen nach diesem Prinzip geordnet, werden auf dieser Ausstellung gezeigt. Bei dieser Ordnung ist es möglich, die Küche erheblich, bis auf 4,5 Quadratmeter, zu verkleinern. Diese Herabjegung zurzeit werden Küchen von 10 und noch mehr Quadratmeter gebaut würde pro Wohnung eine Ersparnis von rund 500 m. bringen. Bei der Berliner Jahresproduktion an Wohnungen würde eine Gefaintersparnis von 12,5 Millionen Marf erzielt werden können. Die I gezeigten Küchen sind zum großen Teil bereits in Siedlungshäufer
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ES IST EIN DORNBUSCH EIN KRAGEN DER IHNEN FREUDE MACHT!
WAZ
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DORNBUSCH KRAGEN