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Rr. 595 45. Jahrgang
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2. Beilage des Vorwärts
Dienstag, 18. Dezember 1928
Rampf um die Gaswirtschaft.
Dr. Elsas vom Städetag gegen die Ruhrpläne. Südwestdeutschland ist heute das wichtigste Kampffeld für die Frage, ob die deutsche Gaswirtschaft öffentlich bleiben oder privatifiert werden soll. In Stuttgart , einem ferngaspolitisch wichtigen Zentrum, sprach fürzlich im vollbesetzten Saale des Auslands instituts der Bizepräsident des Deutschen Städtetages Dr. Elfas über das Thema Ferngasversorgungsprobleme". Die Städte Mannheim , Stuttgart , Mainz , Worms , Darmstadt , Biesbaden und eine Reihe weiterer füddeutscher Städte und Gemeinden hatten Bertreter entsandt.
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Vernunft im Luftverkehr.
Die Lehren einer Lufthansa- Statistik.
Zum erstenmal hat die Deutsche Lufthansa Statistiken herausgegeben, die es ermöglichen, Bergleiche über die Ausnußung der einzelnen Linien anzustellen. Da der Luftverkehr eine öffentliche Angelegenheit ist und nur durchgeführt werden fann, meil er mit öffentlichen Mitteln von Reich, Staat und Komunterstützt wird, ist die öffentliche Erörterung dieser Statistiken notwendig. Eine solche Besprechung ist um so dringender, je mehr man die Ueberzeugung gewinnt, daß alle Stellen, die über den Flugplan der Deutschen Lufthansa zu bestimmen haben, aus lauter Rücksicht auf alle möglichen und unmöglichen Dinge nicht die Kraft aufbringen, aus den Ergebnissen der Statistiken die richtige Nuzanwendung zu ziehen.
Die heutige Ruhrgas A.-G., sagte Dr. Elsas, habe bei ihrer Gründung den fühnen Plan gehabt, vom Ruhrgebiet aus durch füni Fernleitungen ganz Deutschland mit Gas zu versorgen. Dieser Plan fand den stärksten Widerstand bei den Städten und der öffentlichen Meinung. Im Jahre 1927 erklärte dann die Ruhrgas A.-G., daß auch die Braunkohle und fämtliche anderen Steinfohlengebiete für Ferngaslieferung herangezogen werden sollen. Zur Die Statistiken umfassen die beste Sommerflugzeit von Mai bis Sicherung der Gasversorgung sollen die Gaswerte der größeren August 1928. Die eine gibt die Zahl der Fluggäste an, die von den Städte weiter arbeiten, während die Fernleitungen Zuschußgas einzelnen Flughäfen mit deutschen Maschinen an und abgeflogen liefern. Bei einer eventuellen Umorganisation fomme es darauf find, die andere stellt die Ausnutzung der geflogenen Linien mit an, ob sich für die Allgemeinheit wirtschaftliche Vorteile bezahlter Rubla ft fest. Die lettere ist die wertvollste, denn ergeben. Dr. Elias erklärt, das Sortenproblem fel nicht so dringend, fie gibt Fingerzeige, wo im deutschen Luftverkehr geroie es von feiten der Zechen hingestellt wird. Die deutschen Gas- ipart werden fann und muß. Ohne Rücksicht auf Städte und werke, welche vorzugsweise Feinkohle in ihren Betrieben vergasen, Bersonen, ohne Rücksicht auf Staatsgrenzen und politische Im können die benötigten Feinkohlen einfach nicht erhalten. Die Gas ponderabilien sollte man vom reinen Ausnugungsprinzip den neuen werfe erzeugen heute einen Rots, der dem Zechentots an Qualität Flugplan für das Rotjahr 1929 festsetzen. feineswegs nachsteht, und geben denselben zu einem Preise ab, welcher beim Zechentots nie erreicht wird. Im Falle der Zechenferngasversorgung müßten die Gemeinden den teuren Zechentots mit in Rechnung feßen.
Eine zentrale Gasversorgung sei einmal gefährdet durch die erhöhte Streifgefahr, zum anderen müffe aber auch die Lage der Kohlenreviere am Rande des Reiches die Sicherheit jeder Zechenfernversorgung start gefährden. Es ist deshalb unerläßlich, unter großen Kosten Reserveanlagen zu unterhalten und neu auszubauen. Diese Unkosten werden den Gaspreis nicht unwesentlich beeinflussen. In der zwischengemeindlichen Ferngasversor: gung( öffentliche Gruppenversorgung) seien in den einzelnen Teilen des Reichsgebietes gute Fortschritte in den letzten Jahren gemacht worden. Ein Anschluß an die Zechenferngasverforgung fomne für Westfalen und vielleicht einen Teil der Rheinproving in Frage. Wie die schwebenden Berhandlungen mit Köln , Düsseldorf und Duisburg ausliefen, sei zurzeit noch nicht zu über fehen. Durch Antauf der Kohlenfelder durch Köln - Frantfurt ist eine gute Verhandlungsbasis für diese Städte geschaffen. Sehr intensiv werden die monopolistischen Tendenzen der Ruhr gas A.- 3. von der Stadt Frankfurt und der Kommunalen Südwest. deutschen Gas-.- G. bekämpft. 3m rhein - mainischen Wirtschaftsgebiet fällt die Entscheidung, ob die Gasferaversorgung in öffentliche oder private Hand fommt. Die Gasferaversorgung darf feinem privaten Monopol ausgeliefert werden. Die Intereffen der Algemeinheit müffen auch von den Behörden aufs stärkste gestützt werden. Die forumunalen Berfe müssen erhalten bleiben, solange sie rationell arbeiten. Südwestdeutschland darf nicht dem Bergbau ausgeliefert werden. Die direkte Gasbelieferung von Konzernwerten unter Ausschluß der Städte sei im Intereffe der Volkswirtschaft bedenklich.
In der Diskussion ergänzte der Reichssektionsleiter DrloppBerlin vom Berband der Gemeinde- und Staatsarbeiter die Ausführungen des Vizepräsidenten Dr. Elfas. Die Gasqualität sei in den vergangenen Jahren bei Zechenferngas minder mertig gemefen. Im Jahre 1921 murden in Essen im Stadtparlament Anträge behandelt, die dieses bestätigen. Auch die jetzt vorliegenden Berträge der Ruhrgas A.-G. sehen eine Gasqualität vor, melche et ma 10 Broz. unter dem Wert des Gases aus Gasanstalten liegt. Bei Stillegung der fommunalen Gaswerte erhalten die Zechen ein Monopol auf Kots und alle anderen Rebenprodukte. Schon heute ist Zechentofs bei gleicher Qualität im Durchschnitt 15 Prog. teurer als Gastofs. Wie bei Zechenferngas die Sicherheitsfrage gelöst sei, habe ber legte nieber fchlesische Bergarbeiterftreit bewiesen. Die Die Stadt Schweidnig und 42 andere Gemeinden sind schon bei diesem Streit zeitweise ohne Gas gewefen.
Betriebsabkommen AEG.- Haniel- Konzern.
Die zur Gutchoffnungshütte- Haniel- Konzern gehörende ma schinenfabrit Eßlingen hat jetzt mit dem AEG. Konzern in Berlin ein Abkommen getroffen, demzufolge am 1. April 1929 die elettrotechnischen Betriebe von Eßlingen an die AEG. übergehen. Das elettrotechnische Produktionsprogramm der Eßlinger A.-G., die mit einem Aktienkapital von 6,4 Millionen arbeitet, ist ziemlich umfangreich. Es umfaßt außer dem Bau ganzer Kraftwerke, Kraftmaschinen, Dynamos und Installationen.
Welche Gegenleistung die AEG. dem Haniel - Konzern für die Uebernahme dieser Betriebe bietet, ist bisher noch nicht bekannt. Da Haniel im Rahmen der Lokomotivfonzentration für seine Lofomotiomerte Hohenzollern in Düsseldorf erst fürzlich den Lofomotivbau der Maschinenfabrik Humboldt erworben hat und Eẞlingen gleichfalls Lokomotiven baut, so ist nicht ausgefchloffen, daß der AEG. Konzern feine Hennigdorfer Lokomotivfabrit als Gegenleistung an Haniel abtritt.
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Die Statistit der Lufthansa zerlegt die Linien in drei Rate: gorien: gut, mittel und schlecht. Da die durchschnittliche Ausnutung der Kabinenpläge auf 45 Brozent liegt, so find diejenigen Linien, die eine Ausmukung von über 45 Broz. haben, in der Rubrif gut" aufgeführt. Unter ,, mittet" find die Linien aufgeführt, deren Rabinenpläge zu 30 bis 45 Broz. ausgenutzt worden sind. Als schlecht" gilt alles, mas unter 30 Broz. Ausmigung hat.
Bon den 27 Reichslinien sind 15 mit gut bezeichnet. Bon diesen hat den höchsten Prozentsatz der Ausnutzung die Linie Berlin- Köln- Baris mit 67,5 Bros. erreicht, den geringsten die Linie Frankfurt- Stuttgart- 3ürich mit 46,5 Broz. In der Rubrit mittel" find 7 Reichslinien, movon die beste eine Ausmugung non 36,9 Broz. und die schlechtefte eine solche non 30,4 Broz. aufweist. Es ist dieses die Nachtftrede Berlin- Königsberg. Unter schlecht" find 5 Reichslinien aufgeführt, wovon die befte Berlin- Zürich eine Ausmuzung von 28,9 Proz. aufweist und die schlechtefte Dort mund- Essen- Amsterdam sogar nur 15,3 Proz.!
Bei den Städtelinien, also Linien, zu denen die Kosten von Reich, Staat und Städten gemeinsam aufgebracht werden, ist Das Bild, da sie ofinials unter ganz fadenscheinigen Erwägungen zustande kommen, natürlich noch schlechter. Bon den 43 Linien find mur 15 zu 45 und mehr Prozent ausgenugt morden. Davon ist die befte Linie Berlin- Hamburg mit 72,6 Proz. Ausmuzung. 11 Linien rangieren unter mittel und 17 unter der Rubrit schlecht. Bon diesen hat die Linie Bresle- Neiße eine Ausnutzung von 28,3 Broz.
Staatshilfe gegen Auswanderung?
Die neuefte Arbeitgeber Narretei.
Unsere Industriellen lieben es nun einmal, für die Fehler ihrer eigenen Wirtschaftsführung die amtliche Wirtschafts, und Handelspolitik verantwortlich zu madjen. Das ist man ja nachgerade gee wohnt. Bis zu welchen Ber stiegenheiten aber eine derartige Interessenwahrnehmung gelangen fami, dafür bot diefer Tage ein nordwestdeutscher Arbeitgeberverband ein anschauliches Beispiel, das festgehalten zu werden verdient.
Auf einer Jubiläumstagung des Arbeitgeberverban des der Eisen und Metallindustrie von Remscheib und Umgegend wurden die üblichen Referate gehalten, die die Schwierigteiten der Industrie beweisen sollten nad dem nicht mehr ungewöhnlichen Vers: Lerne Klagen ohne zu leiden. Nun nimmt die Remscheider Industrie in der deutschen Bolkswirtschaft eine Sonderstellung ein. Die von ihr fabrizierten Werkzeuge genießen Beltruf und sind darum ein wichtiger Exportartitel. Nicht ganz fo meltberühmt find aber die 2öhne, obwohl auf der erwähnten Tagung auch über die hohen" Löhne bittere
Stage geführt wurde.
Eine weitere Eigenschaft der Remscheider Industrie ist die, daß fie mrr menige Großbetriebe hat und fich wegen der sehr differen zierten Spezialerzeugung auf viele mittlere und fleinere Betriebe verteilt, die auf gute handwerkliche Qualitätsarbeit angewiesen find. Beide Umstände zusammen, die verhältnismäßig niedrigen Löhne und die Kleinheit der Betriebe bewirken nun, daß es nicht allzu schwer ist, Teile der Industrie nach anderen Gegenden zu ver pflanzen, wenn auch die Industrie als ganzes immer durch den Stamm an besten Arbeitsträften einen Vorsprung vor der Konkurrenz haben wird. Da aber das Ausland gute Werkzeuge zu schäßen weiß, bemüht es sich, durch Anwerbung von Qualitätsarbeitern und Errichtung eigener Betriebe die Fabritation ins eigene Land zu ziehen.
So ist es benn auch gekommen. Jetzt flagt die Remscheider Industrie darüber, daß sich neuerdings eine Abwanderungs. ten dena geltend mache. Es seien bereits ganze Betriebe ins Ausland verlegt worden, insbesondere nach der Tschecho
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1.
bylias
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FILIALEN IN ALLEN STADTTEILEN
und die schlechteste Hannover- Osnabrüd nur eine folche von 9,4 Broz.!
Will man dem deutschen Flugverkehr dienen, dann muß man dafür eintreten, daß zunächst alle, ob Reichs: oder Städtelinien, unter 30 Broz. Ausnutzung geblieben sind, im Jahre 1929 nicht mehr geflogen werden. Sollten aber Städte auf solchen Linien bestehen, dann dürfen Staat und Reich feinen Zuschuß mehr geben, sondern müssen die Finanzierung den Städten allein überlaffen. Ebenso müssen sich Staat und Reich bei neuen Vorschlägen verhalten. Die Streden, die im inneren Deutschland für einen noch) eben tragbaren Luftverkehr in Frage kommen, sind abgegraft, denn Deutschland hatte ja im letzten Sommer das dichteste Flugnez der Welt. Es muß auch endlich den vielen Städten, die immer noch glauben, fie tönnten im Flugverfehr zu spät tommen, flargemacht werden, daß das falsch ist. Im Luftverkehr ist es nicht wie bei der Eisenbahn. Man ist nicht an Schienenstränge gebunden, braucht also feinen Ober- und Unterbau, sondern nur Stationen, Flughäfen, und deren haben wir in Deutschland schon gegen hundert. Bon den 70 deutschen Städten, die in regelmäßigem. Berfehr angeflogen worden sind, haben über die Hälfte nach nicht mal 20 Broz. der ihnen zur Berfügung stehenden Bläge ausgenutzt. Dabei ist fast in allen Fällen die Zahl der Fluggäste, die von diesen Städten abgeflogen sind, noch wesentlich höher als die Zahl der ankommenden Bäfte. Der beste Beweis dafür, daß die Städte vorläufig im Flugverfehr noch feine große Rolle spielen fönnen.
Hebt sich der Luftverkehr so, daß man annehmen kann, daß es, wirtschaftlich gesehen, zu verantworten ist, eine Stadt in das Fing neß aufzunehmen, so wird dem sicherlich lein Mensch widersprechen. Mit den heutigen Flugzeugen ist auch bei einer hundertprozentigen Musnugung immer noch ein erheblicher Zuschus notwendig, und da her müssen Linien, die bisher weit unter dem Durchschnitt gelegen haben, aufgegeben werden. Damit erreicht man auch eine bessere Annäherung des Sommerflugplanes an den zukünftigen Winterflugplan, die ebenfalls im Interesse der Sparsamteit dringend notmendig ist.
In kürzester Zeit müssen sich die Parlamente mit den Etatsmütteln für 1929 befaffen, und es ist notwendig, von diesem Gesichtspunfte die Bewilligung von Mitteln für den Fhugverkehr zu be trachten. Es ist richtiger und auch besser, die Mittel für eine größere Sicherheit auszugeben, als für schlechte Linien. Die Unglüdsfälle in diesem Jahre haben die Frage der Kurbelwellenbrüche und das Inbrandgeraten bei Notlandungen in den Bordergrund gerüdt. In beiden Fällen ist eine eingehende Materialprüfung notwendig, und bei dem Berbrennen bei Notlandungen scheint auch die Art der Motore und die Unterbringung und Anordmung der Benzinbehälter eingehend geprüft werden zu müffen. A. Haas, M. d. L.
Nowakei. Das Ausland begünstige, wie man festgestellt hat, diese Auswanderung.
Das sind in der Tat alarmierende Vorgänge. Mon hat sie auch in anderen Gewerbezmeigen beobachtet, in denen die Spannung zwischen den deutschen und den im Ausland gezahlten Löhnen sehr groß ist. Was aber wollen unsere Arbeitgeber selbst gegen den von ihnen beklagten Mißstand tun?- Natürlich nichts. Jedenfalls denken sie nicht daran, das einzige mirtfame Mittel anzumenden, das gerade für die Qualitätsindustrie mit thren Qualitätsarbeitern in Betracht kommt: Die Löhne so zu er= höhen, daß den Arbeitern die Lust zum Auswandern Bergeht. Dafür aber soll so wollen es die Arbeitgeber die Re= gierung Gegenmaßnahmen erfinnen, um den bedrohten Export zu sichern. Da hat man's: Also Schußzölle, die den Schleuderexport erleichtern, und Ausfuhrprämien follen gutmachen, was die Unfähigkeit der Unternehmer verschuldet hat!
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Wobei noch eine Bemerkung erlaubt jei: Bereitet das Ausland mit niedrigen Löhnen Konkurrenz, so zetert man über das foziale Dumping" und verlangt Abwehrzölle. Lodt aber das Ausland mit hohen Löhnen uns die Qualitätsarbeitskräfte fort, bann soll die staatliche Unterstütung gegen biz. höheren Auslandslöhne eingesetzt werden. Bleibt also die
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