7tr.i5* 46. Jahrgang
2. Beilage des Vorwärts
Oonnerstag. 10. Januar 1929
Schweigen bei Siemens. Ltndurcksichiige Bilanzen.— Gestiegene Llmfatze.
Der Siemens- Konzern beschöstigte 1927 in seinen sämtlichen Betrieben Belegs tasten von 110 000 Mann. Im Laufe des letzten Betrisbsjahres 1927/28, für das jetzt Abschwßzisscrn und Geschäftsberichts veröffentlicht werden, erhöhten sich die B e l« g s ch a f t en wnterhtn auf insgesamt 130 U>0 Mann. Mehr als eine halbe Million Menschen sind also einschließlich der Familienmitglieder von diesem Riesenunternehmen abhängig. Man sollte annehmen, daß allein diese Tatsache die Siemene-Aerwalrung veranlassen würde, sich in ihrer Bilanz und dem Verwaltungsbericht mit größter Klarheit über die Entwicklung der Betriebsverhättnisie und der Tätigkeit des Konzerns auszusprechen Uber s« mehr Siemens feine Macht ausdehnt, je umfangreicher sein« Fabrikations- tätigkeit wird,«n so mehr spielt die Verwaltung mit der Oefsent- lichkeit Versteck. Schon in früheren Jahren forderte dl« llndurchsichkigkeik der Gewinnrechnung vielfach zur Kritik heraus, und es war bekannt, daß auf den Bilanz Pressekonferenzen die Verwaltung allen wichtigeren Fragen auszu- weichen pflegte. Diesmal hat Siemens überhaupt kein« Presse. konferenz abgehalten, und Geschäftsbericht wie auch der Zdechnungs- abschluß sind geradezu ein Hohn auf jede öffentlich« Bericht. «rstattung. Die grundlegenden Abschlußzahlen der beiden Siemens-Gruppen sind bereits bekannt. Die Siemens u Halske A.«G. fetzt ihre Dividend« von 12 auf 14 Proz., und Siemens-Echuckert die Dividend« von S auf 10 Proz. herauf. Werdings wollen die ausgewiesenen Dividenden für die tatsächlich erzielten Gewinn« der- artiger Großunternehmen wie Siemens nur sehr wenig be- sage», denn diefe Ziffern stillen in den weitaus meistens Fällen nur ein Rechenexempel dar, das die Derwaltung nach ihrem Gut- dünken löst. Immerhin aber zeigt die Entwicklung der Aktionäre- gewinne der Arbeiterschaft, In welchem Maße das Unternehmen und seine Aktionäre von der guten Clektrokonjunktur der letzten Jahr« wie auch von der Rationalisierung profitiert haben, was auch von Siemens bisher immer abgestritten wurde. Bei Siemen« u. Halske und Siemens-Schuckert zusammen, die ja ein Unter- nehmen bilden, betrugen die an öle Aktionär» ausgezahlten Dividenden:
im Jahre 1921/2? .. 1925 26, .. 1926 27, .. 1927 28.
10,8 Millionen Mark 167 21,7 24.7
Schon■ im Darfahre also hatten sich die Aktionärsgewinn« gegenüber 1924/25 mehr als oerdoppelt und weisen im Berichtsjahr eine weitere Zunahme von 3 Millionen auf. Roch weit schärfer aber stieg die Kurve der Aufsichtsratstantiemen. Bon 66 100 M. im Jahr« 1924/25 erhöhten sie sich über 298 000 M im folgenden, auf 414000 M. im Jahre 1926/27. Aür da» Berichts- jähr werden für die 16 Herren in den Aussichtsräten der beiden ,,�S»nzerngruppen niud 949000 HL ausgeworfen. Die Gewinnrech mmg ist so undurchsichtig, daß sie genaueren Einblick unmöglich macht. Was will es besagen, wenn Siemen» u. ch a l s k e einen Rah gewinn von 27L gegen 28,7 Millionen im Vorjahre ausweist, Siemens-Schuckert umgekehrt einen er» höhte» Rohgewiun von 35,2 gegen 21V Millionen, in denen weder die Fabrikatümsgewmne noch die Erträge aus Beteiii« gungeo und Zinsen angeführt werden und die gesamten Un- koston, ja sogar die Abschreibungen auf Maschine» und Fabrik eiurichturrgen vorweg abgebucht sind. Natürlich werden auch die Umsatzziffern wieder sorgfältig verschwiegen. Immerhin zeigt aber die Zahl der im Siemens- Konzern Beschäftigten, die im letzten Jahr einen Zuwachs von 2» 000 auf 130 000 erfahren hat, und die voll 182 auf 240 Millionen gestiegene Dohasllmme. daß Siemei« trotz der chochkonjunktur im Dorjahr« sein« Betriebs- tätigkeit im Berichtsjahr 1927/28 ganz bedeutend ausbauen konnte. Bei der immerhin bedeutenden Vermehrung der Belegschaften ist noch zu berücksichtigen, daß die Rational ! sierungsmaßnohmen bei Siemens in großem Umfang Arbeitskräste ausgespart hat. und daß HÄ dem scharfen Antreibersystem, das in d«, Siemens-Betrujben gang und gäbe ist, durch Leistungssteigerungen se Kopf und Schicht die Umsätze in weit höherem Umfang gestiegen sein dürsten. Die günstige Baschästlgungslage muß auch der Bericht der
Verwaltung anerkennen. Zwar wird über einen Auftragsrückgang bei der Reichsbahn und Reichspost geklagt und aus die fehlende Kapitalbildung bei diesen öffentlichen Betrieben bingewiesen— als ob Reichspost und Reichsbahn nur dafür da wäre», groß« Kapi- talien für Siemens-Aufträge anzuhäufen und nicht ihre Tätigkeit auf dos volkswirtschastlich« Gesamtinteressc abzustellen hätten—. doch konnte der Auftrugsausfall der Reichspost auf den anderen Gebieten größtenteils ausgeglichen werden. Im einzelnen führt der Siemens-ir-chalske-Gejchaftibericht aus, daß die Fabrikation der Photomatonmaschinen technisch vervollkommnet würde und bereits jetzt ein großer Auftrag auf diese Maschinen ausgeführt werde. In der Tonfllmproduktion scheint Siemens ein zukunfts- reiches Fabrikationsgebiet zu sehen. Auch der Geschäftsgang bei den wichtigsten Tochtergesellschaften und Beteiligungen, wie der Siemens-Bauunion, der Osram G. m. b. ch. und der Süddeutschen Siemens, Reiniger G. m. b. ch., hat sich durchweg in aufsteigender Linie bewegt. Die Startstrombetriebe bei Siemens-Schuckert verzeichnen gleichfalls ohne nähere Angaben bedeuteiche Umfatzsteigerung. die fast ausschließlich auf Inlandsaufträge entfällt. Besonders find die Auflräge«ruf Großkransformalocell im Berichtsfahr infolge des immer weiter fortschreitenden Zu- sammenschlusses auf dem Gebiete der Energieerzeugung wesent- lich gestiegen. Im Großmaschinenbau sind Projekte mit neuen technischen Rekordleistungen ausgeführt worden. Während von der chemischen Industrie des In- und Auslande» nennenswerte Aufträge hereinkamen, war die deutsche Ersen- und Stahlindustrie bei der Beschaffung von Neuanlagen sehr zurückhaltend. Nach seinen eigenen Angaben hat Siemens im letzten Jahre umfangreich« Neubauten, so den Bau des chochhauses für dos Schaltwerk und weitere große Neubauten ans Raummangel ausgeführt. dazu seinen umfangreichen Maschinenpark in wesentllchen Teilen ergänzt, obwohl die alten Anlagen»och keineswegs ab. genutzt waren. Da in der Bilanz aber weder die Abschreibungen aus die alten Anlagen noch der Wert des neu getauften Maschinen- parke angeführt sind, was lediglich bei den Neubauten geschah, so sehst auch hier die Uebersicht, in welchem Umfang« Siemens seine flüssigen Mittel in den Betrieb gesteckt hat. Wie im letzten Jahr, stehen auch diesmal in bellte» Konzern- bilanzen der gesamte Maschinenpark, Geräte und Werk- zeuge, mit ganzen 6 M.(!) zu Buch— jedes Konto ist aus 1 M. abgeschrieben, so daß allein in diesen Posten milllovellhohe Reserve» stecken und auch nennenswerte Gewinne darin verschwunden sein dürften, da sämtliche neue Maschinen gleichfalls aus 1 M. herunter- geschrieben wurden. Der Rückgang der Geldflüssigkeit ist einmal auf die intenstv« Bautätigkeit und zum anderen aus die Finanzierung der gesteigerten Umsatztätigkeit zurückzuführen. So gingen di« Bankguthaben bei chalske von 51,6 auf 27,4 Will. zurück, tauchen jedoch in den von rund 82 auf 104 gestiegenen Forderungen wieder auf. Die laufenden Schulden sind bei cholsk« um 11 auf 86 Will, angewachsen, ungleich höher da- gegen bei Schuckert, wo die Schulden von 117 auf 171 Mill. sich erhöhten. Allerdings sind hier Anzahlungen der Kundschaft mst rund 62 Mill. entHallen. Da andererseits die Forderungen bei Schuckert gleichfalls auf rund 178 Mill. und die Fabrikat« und Vorräte um 35 Mill. wuchsen, zeigt sich, daß der starke Rückgang der Geldflüspgkeit ausschließlich auf die Finanzierung der laufenden großen Aufträge zurückzuführen ist. Die beabsichtigte Kapitalserhöhung um 14 auf 105 Mill.»nd zugleich die Einforderung der Restanzahlungen auf die 6)4 pro- zentige Dolloranlerhe, mit denen dem Konzern etwa 36 Mill. flüssige Mittel zustießen werden, zeigt, daß Siemens sich für noch schwebende große Projekte flnanziell freie chand schaffen will. Zweifellos wird an dem weiteren Ausbau des Konzerns die schnell aufgeblüht« Tonfllmproduktion wesentlichen Anteil haben. Zusammenfassend läßt sich sagen, daß Siemens und mit ihm auch die anderen deutschen Elektra-Großtonzerne auch im letzten Betriebsjahr ein« Entwicklung durchgemacht haben, die der chochkonjunktur des Vorjahres in keiner Weise nachsteht.
Ein schlechter Kauf. Ttener Krach zwischen Mebe und Nonns. Dk« schwedisch « Kugellagersabrik, die Z�?-Normatn Swtt- gart, ist mit dem Kauf der Weißenseer Ri«be-W«rke schön hereingesallen. Man erinnert sich noch, daß bei dem aufsehen- erregenden Werkspionageprozeß Norm« gegen Rieb« bzw. gegen den R-cbebeherrscher Richard Kahn di« streitenden Par- tei«i überraschend hinter den Kulissen sich einigten und di« Riebe- Werke für 7 Millionen in die stände von Normo übergingen. Man konnte sich domots von vornherein darüber klär sein, daß diese Summ« für di« 1,4 Millionen Nennwertaktstn von Rieb« «inen ganz enormen Ueberprels darstellte, den die Normo wohl auch mir aus dem Grund« gezahst hat, weil die Riebe-Werke in Weißens« als Außenseiter zur Kngellagerkonoention zu dem lästigsten Störenfried dar Kartellmitglieder gehörten. Jetzt wird bekannt, daß die neue Verwaltung, also di« Normo, sich gezwungen ficht, das R:ch-°Ka?ital in dem sehr scharfen Der- hällnis 5:1, also von 1,4 auf 0,28 Millionen zusammenzulegen. um di« bei dem Werk entstandenen schweren Verlust« zu til» gen. Di« Verluste für das Geschäftsjahr 1927 seien hauptsächlich dadurch entstanden, daß«in« Anzahl Abschlüsse zu absoluten Derlu st preisen gemacht wurden, nur um den Geschäftsum- fang der Gesellschaft ausspdchnen. Schr interessant aber ist. daß «in großer Teil dieser BerlusteschoninfrllherenZahren «uftanden ist. aber nicht bilanzmäßig ausgewiesen wurde. Die neuen Besitzer der Riebe-Werke haben min gegen Richard Kahn dos Kriegsbeil" wieder ausgegraben und den Kaufvertrag vom Schwer vorigen Jahres angefochten mit der Erklärung, unter irrigen Voraussetzungen den hoben Ueberprels gezahst zu haben. Man darf bei dem m Kürz« folgenden Prozeß wieder— wie schon
in Stuttgart — auf sehr interessant« Enthüllungen gefaßt sein. Wesentlicher aber ist, daß durch die Mißwirtschaft bei Rieb« die Crnährungsbasis von fast 1000 Arbeitern und Angestellten gefährdet ist. Auch heute noch haben Belegschaften für Mänipula- tionen hinter den Kulissen und für Mißwirtschaft im Direktorium immer noch die Zeche zu bezahlen.
Maschinen— Gam'enmg. Vor der Entscheidung bei Aartmann-Chemnih. DI« Derwaltung der Sächsischen Maschinenfabrik vorm.Richardstartmonn in Chemnitz hat jetzt, reichlich spät, ein« scharfe finanziell« Santerungsaktion des Unternehmens beschlossen. Nach dem Vorschlag der Verwaltung soll das Kapital der Gesellschaft, die eine Belegschaft von mehreren tausend Mann umfaßt, im Verhältnis 6: 1. also von IS auf 3 ML- lionen, zusammengelegt werben. Da dies« sehr scharfe Beschluß die' Aktionär « fünf Sechstel ihre» Aktienoermögens kostet, ist di« Opposition schr stark. so daß die Annahme der Berwaltungsbeschlüsse noch sehr fraglich ist. Auf der Generalossammlung in Ehemnitz bezeichnete der Vorsitzende den Lotomotiobau als den Haupt verkust träger. Seit vier Jahren liege der Betrieb vollkommen danieder, und da bei dem vorgesehenen Auftragsprogramm der Reichsbahn nur soviel Lokomotiven in Bau gegeben würden, daß noch nicht einmal ein einzig«« Werk wie chentschel In Kassel damit voll beschäftigt werden könnte, sei im Lokomotiobau mit weiteren schweren Verlusten zu rechnen. Die Derwaltung habe sich daher entschlossen, den Loko- wotivbau an Schwartzkopsf in Berlin abzutreten, da dl« Gesellschaft sonst zu einer Stillegung des Betriehes hätte schreiten müssen. j Weiterhin seien di« großen Spezialbetrieb« für Textilmaschinen j
durch Modewechsel schwer getroffen worden, und auch die Verlegung dar Dresdener Betriebe zu den Chemnitzer Stammwerken hahe jrosje Summen erfordert. Wenn der Vorsitzende erklärte, daß Hartmann absichtlich mit der finanziellen Gesundungsoktion so lange gewartet Hab«, bis die industrielle und technische Rationalisierung durchgeführt sei, so ist diese Behauptung allerdings sehr angreifbar. Wiederholte Beispiele beweisen, daß durch fehlende aber verspätete finanzielle Sanierung— die natürlich immer mit Kapitalsopfern verbunden ist und darum gern umgangen wird—, die bereits vollzogene Betriebs- Umstellung sich als nutzlos erwiesen hat. Man darf gespannt sein, wie sich die Aktionäre zu den Vor- schlagen der Verwaltung stellen werden und ob es dann möglich sein wird, das schon fest langem mst Verlust arbeitende Unternehmen wieder aus eine rentable Basis zu stellen. Arbeitsmarkt im Reich. Verlangsamtes Tempo der Arbeitslosigkeit. Nach den Berichten der Landesarbeitsämter hat die Zahlder Arbeitslosen in der ersten Januarwoche westerhrn zu« genommen. Im Zusammenhang mit der scharfen F r o st- Periode hat die nach den Feiertagen durch Saijonschluß und durch die Inventuren alljährlich«intretende Geschäftsstill« zur weite- ren Verschlechterung beigetragen. Jedoch ist dt« Zahl der Arbells- losen in der Berlchkswoche nicht mehr tu dem gleichen Tempo wie tu den Dezemberwochea gestiegen. Die Beschäftigung im Ruhrbergbau hat sich fortlausend g« b« s s e r t. so daß ein Rückgang der Feierschichten zu verzeichnen ist. Auch in den anderen Steinkohlenrevieren ist die Lage günstig. Di« Bennittlungstätigkest in der Landwirtschaft hat sich gleichfalls belebt. Da infolge des scharfen Frostes auch die Notstands» arbeiten im Tiefbau eingestellt werden mußten, ist der Andrang von Arbeitslosen im Baugewerbe sehr groß. Den höchsten Zugang an Arbeitsuchenden w«ist im Maschinenbau, in dem sich der Konjunkturrückgang jetzt schärfer ausprägt, di« Landmaschinen- industrie, der Lokomotiv . und Waggonbau und die Fahrrodindustri« auf. Günstige Bericht« kommen aus der Kunstseide-. Jute- und der Papierindustrie. Im Bekleidungsgewerb« ist dagegen ein« neue Ab- fchwachung eingetreten, während die Spinnereien nicht einheitlichen Beschäftigungsgrad aufweisen. 10% Dividende Hamburger Hypothekenbank. Starke Ermäßigung der Unkosten. D«r erst« chypoth«kenbank-Abschluß für lg28'wirt». wie in den früheren Jahren, auch diesmal wieder von der ch y p o- thekenbank in Hamburg vorgelegt. Das Institut, dessen Abschluß«ine sehr günstig« Entwicklung zeigt, kann sein« D i v i» dende für 1928 von 8 auf 10 Prozent heraussetzen. Trotz d«r stärkeren Tätigtest im Netsgeschäft konnte durch die fortgeschritten« Abwicklung im Auswertungsgeschäst eme bemerkenswert« Ten- kung der Unkosten erzielt wert»«». In der Gowinnrechnung werben Hypothetenzinfen von 10/» gegen 6L Millionen im Vorjahr ausgewiesen, zu denen noch verschieden« Einnahmen van 0,79 Millionen treten. Gegenüber diesen stark erhöhten Erträgen konnten die Unkosten von 1,4 aus 1.2 Millionen verringert werden. Den gewachsenen Einnahmen an chypothekenzinsen stehen entsprechend erhöhte Zinsleistungen des Institut» für die umlausenden Pfand- bries« in Höhe von 8.0 gegen 5,1 Millionen gegenüber. Der au»- gewiesene Reingewinn von 1,2 Millionen übertrifft den des Vorjahre» umm«hrals40 Prozent. Di« Umsatzstetgerung der Bant wird in den Bilanzposten Gold- Hypotheken ersichtlich, die von 118V«ms 161>1 Millionen angewachsen sind nrid fast den fünffachen Umfang des Geschäfts von 1926 aufweisen. Aus der Gegenseite sind die chypotehetenpfandbries« gleichfalls von 107 auf rund 105 Millionen gestiegen und haben sich gegenüber 1926 gleichfalls veifünfsacht. Im Geschäftsbericht verteidigt die Dernmltung ihr vom Hamburger Senat abgelehntes An- gebot auf die Generalabfüidung, das eine Quotevon 1 7,2 Prozent vorsieht. Es wind betont, daß die Verhältnisse bei der cham- burger chypothskenbank wesentlich anders liegen als bei anderen Hypothekenbanken. Während bei diesem Institut sämtliche Bor- kriogspfandbrief« an der Aufwertung teilnehmen, weil kein« Kündigungen in der Änflationszeit stattfanden, ist bei anderen Institute» durch die erfolgten Kündigungen der Kreis der an der Masse Be« telligten auf Koste » der Ausgeschieden«« erheblich ein- geengt worden. Es sei erheblich gerechter, wenn aus j«de Mark der rund 570 Million«» betragenden Auswertungspfandbriefe eine Quote von 17,2 Prozent verteilt werbe, als wenn nach dem Der- fahre» anderer Banken auf 470 Millionen 20,6 Prozent oder gar auf 370 Millionen 26,2 Prozent ausgeschüttet würden, während andererseits di« Besitzer von 100 bzw. 200 Millionen Mark Pfandbriefen gänzlich leer ausgegangen wären. Dieser Standpunkt der Hamburger chypochekenbank erscheint un» im sozialen Interesse der durch di« Inflation enterbten Pfandbriefbesttzer der richtig« zu sein, wogegen der»am Hamburger Senat eingenommene Standpunkt nicht recht verständlich ist.
Sturm gegen Warenhäuser. Ein Verband gegen die Waren- hau er ist von Einzelhändlern ins Leben gerufen worden. Di« erst» Versammlung dieses Reichsverbandes zur Bekämpfung her Waren- Käufer verlief sehr stürmisch. Anwesende Nationaljvzialisten ver« luchten, dem Ganzen einen antisemitischen Anstrich zu geben. Der Referent Neuseld griff besonder» die Houptgemeinschast des deutschen Einzelhandels stark an. die keineswegs die Interessen der kleinen Einzelhändler vertrete. In der sehr stürmischen Aussprache wurde auch die Ausdehnung des Kampfe» gegen dt« Konsumgenossenschaften und Beamteneinkaufs>Or» gonilationen gefordert. Ein Vertreter der W i r t s ch a f t s p a r tei wurde ausgepfiffen. Die einzig interessierend« Frage, wie sich di« Leiter dieser neuen Bewegung den Kampf gegen die Warenhäuser denken, wurde mit der Bemerkung abgetan, daß der Verband sein« Karten nicht vorzeitig aufdecken wolle. Neusahrshausse an der New V irker Börse. Di« Spekulanten o« der New Aorker Börse, die sin Laus« des letzten halben Jahres durch
die ersten Tage des Januar Retordumsätze am Aktienmarkt, die km Tagesdurchschnitt aus 4.7 MiUimeen Stück gegen 2,7 Millionen Mitte Dezember stiegen. Im Verlaus der Hausse stieg der Durchschnittskurs der Jndustrieakiizn aus 175 Dollar und siegt daont um rund 45 Prozent höher als im Januar 1928.