srtm Unterhaltung unö AAjssen
Georg Terescsenyi: SSUti&Tn (Schluß.) Wenn jemand die beiden so gesehen hätte. Janas, mit den zusammengezogenen dichten Augenbrauen, und seine Frau, das magere Weib,— er hätte geglaubt, die lebendigen Statuen der Nnbarmherzigkeit vor sich zu sehen, in deren Herzen jedes warme Mitleid erloschen ist. „So ist der Bauer/ hätte der ins Zimmer Tretende sicherlich gesagt, und er hätte von der eisigen Unbeweglichkeit der sinsteren Gesichter vergebens auf ei« Antwort gewartet... Wenn er ihr knochigen Gesichter betrachtet hätte, die platt- gearbeiteten Handflächen, die Arm« und den festen Nacken, aus welchem die Hars« der Sehnen vibrierte../ „Finstere Bauern.. hätte der Fremd« gesagt, wenn er— sich hierher verirrend— bei ihnen eingetreten wäre. Und er wäre darauf bedacht gewesen, weil wieder davonzukommen, in Angst, sich mit ihnen etwa in ein Gespräch einlassen zu müssen. Bauern... eine fremde Menschenrasse. Ani Boden klebend ond ungebildet, ohne Feinheiten, böse und verschlagen... Wer sollte denn aber in diese Gegend kommen? Wer einen Blick in diese niederen Zimmer tun, wo sie leben, leiden und ohne Klagelaut hinsinken, die Kinder der Erde, die seelenlosen finsteren Völker, die Bauern... „Ja, ja../ ... Und in diesem Augenblick wurden die zwei Menschen dort im Zimmer plötzlich starr wie Stein. Von draußen waren eilige Schritte zu vernehmen... der Hund winselte verzweifelt, ein Schrei und ein dumpfer Fall, als wäre etwas über den Zaun gefallen... Gleichzeitig der dumpfe Knall eines Schuffes... aber ans weiterer Ferne... dann ein tiefes Röcheln... schlurfende Schritte. „Man hat geschossen.. sagt« Janas und er packte fest den Schaft des Messers. Die Frau war schon zur Tür gestürzt, um binauszuschauen. Aber plötzlich wurde die Tür heftig aufgestoßen und der Flüchtling fiel gleichsam in» Zimmer. Rovo, der lahme Flickschuster... Ein ersticktes, schweres Röcheln brach aus seiner Brust hervor und er flehte mit zusammengekrümmtem Körper, mit bittenden, ent- fetzten Augen. Janas sprang zu ihm hin. In der Rechten hielt er das Taschen- messer, in seiner Linken befand sich noch das Stück Schinken und das Brot. „Was hast du gemacht?' fuhr er ihn an. „Erbarmen.. J' brachte jener röchelnd hervor,„sie bringen mich um... die Gendarmen..' Di« Tür stand osfen und draußen durch das Uetne Tor bogen soeben die Gendarmen in den Hof ein. Zwei grimmige Gestalten. mit dicken Schmirrbärten, in der Hand des einen«in Dienstrevoloer. Eine starre Stille herrschte im Zimmer, der Schuster hockte zu- fammengekauert auf dem den Fußboden bedeckenden Papierteppich, er preßte die Hand in die Seite und bog sich hin und her.. Don seiller Brust, durch die Spalten des geöffneten Hemdes quoll dunkel das Blut. Es rann über den zerdrückten Anzug, und einige Tropfen fielen auch auf das Papier, unmittelbar neben die Fiiße des Janas. Das alles geschah unter wenigen Augenblicken... die schweren Tritt« der Gendarmen näherten sich der Tür. Da sprach der neben den Stiefeln des Ianos kauernde Mensch wieder: „Verberget mich... sie bringen mich um...* Der düster« Bauer fuhr ihn an: „Schau, daß du weiter kommst! Sicherlich hast du etwas Schlechtes getan...!' „Kein!" beteuerte jener.„Rur wegen der Frau... sie haben mich dabei ertappt-. Um Janas' Lippen lief ein bitterer Zug, während er wieder zur Tür hinausschaute. Die Gendarmen standen schon drinnen im Hof. der Hund hiett sie mit wildem Gebell in Schach , man sah, daß sie beratschlagen und jener mit dem Revolver in der Hand, deutet« zornig auf das Haus. Schließlich schritten sie über das schmale Ziegelpflaster gerade- wsgs aus die Tür zu. Roch einige Augenblicke und sie treten ins Zimmer... Da sprang Janas plötzlich zur Tür der„schönen" Stube, riß die Tür auf und winkte: „Komm!" Rovo huschte rasch durch die Türspalte. Der stämmige Wachtmeister tauchte jetzt im Türrahmen auf. Janas drehte sich ruhig um, in der Hand hiett er noch immer das Taschemueffer und den Speck. Er begab sich auf seinen früheren Platz. Der Gendarm steckt« den Revolver ein. „Hier muß er sein!" rief er. „Wer?" fragt« Janas nchig. „Rovo, ihn suchen wir." Jetzt sprach auch die Frau, mit gezwungener Ruhe. „Sie haben geschossen?..." Hinter dem Wachtmeister tauchte auch der zweite Gendarm auf, einen Karabiner in der Hand haltend. Die vier Augen der Gen- bannen überflogen rasch das Zimmer. „Antwonen Sie!" schrie der Wachtmeister zornig.„Haben Sie ihn gesehen oder haben Sie ihn nicht gesehen?" „Ich habe keinen Fremden gesehen... außer Ihnen," sagte der Bauer, mit der Achsel zuckend: er schnitt ruhig den Rest des Speckes ob und aß chn zu dem Brot. Er fragt« dennoch: „fjat er vielleicht jemanden umgebracht, daß Sie ihn so ver- folgen?" „Das nicht, aber er bestiehlt fest dem Herbst die Dorfbewohner, wir hoben ihn bei der Tat ertappt" „Deshalb wollen Sie ihn erschießen?" „Ja... und auch, weil er da vongerannt ist, er ist aus dem Arrest entsprungen, der Elend«.. ,�Hm... also deshalb?... nur deshalb." brummte Janas für sich. Unterdessen hatten die Gendarmen dos Zimmer durchsucht, sie hatten auch dl« Tür der„schönen" Stube aufgestoßen... niemand. „Cr ist uns entkommen." sagte der mit dem Karabiner. „Er muß sich hier irgendwo verltcckt hatten." sprach der andere. „eilen wir. sonst flüchtet er noch über die Grenze..." „Na, Sie werden ihn schon finden." meinte Janas, und er hätte die Männer der Ortmung schon gern draußen gesehen. i„Wir habe» wirklich nichts gesehen." bekräftigte auch die Fr«.
Die Gendarmen waren tatsächlich rattos. Der Kleiner« von ihnen hing sich endlich den Karabiner um... sie gingen. Im nächsten Augenblick zögerte er ober, als würde er über etwas nachgrübeln, er schüttelte den vorgeneigten Kopf, sein Blick huschte über den Fußboden... Gehen sie, gehen st« nicht?... eine Totenstille... Jetzt erhob der Gendarm plötzlich die rechte Hand und deutete auf den Fußboden, aus welchem, gerade bei den Füßen Janas, große rote Blutstropfen blühten. Ianos bemerkte die Gests des Gendarmen, er sah auch das Blut, und er glaubte für einen Augenblick, daß alles verloren sei. Aber nicht, war verloren, denn in seinem Herzen erwachte ein hartnäckiger, zorniger Wille. Erst recht nicht! Der Gendarm starrte betroffen auf das Blut und rief dann aus: „Was ist denn das?" Nicht eine Muskel zuckte im Gesicht des Bauern, er schien sehr ruhig zu sein, in den Händen hiett er das Messer und das Brot. Er erwiderte düster den Blick des Gendarmen, als hätten sein« grauen und stechenden Augen den Blick nicht loslassen wollen... Im selben Moment blitzte in seiner Hand irgendein schwacher, bläu- licher Schein auf... die Spitze des scharfen Messers... „Blut..." sagt« er dabei. „Wie kommt aber dieses Blut hierher?" und aus dem Tonfall war auch schon die Befriedigung über den Triumph herauszufühlen. „Wie«s hierher... auf das Papier kommt?" Die Frau blickte entsetzt auf ihren Mann. Sie öffnete schon den Mund, als wollte sie etwas sagen... Es vergingen einige schreckliche Minuten. Da näherte sich die Spitze des Messers langsam und unbemerkt dem Daumen der linken Hand. Sie langte dort an... und auf den starken Stoß der rechten Hand drang sie tief ins lebendig« Fleisch ein... In der starren Stille war alles stehen geblieben: der Atem, der Herzschlag, die Zeit... „So, wie es hierher gekommen ist., war van Janas' Lippen die Antwort zu oernehmen. „Also, wieso?" Jetzt öffnete Janas langsam den Finger. Die blutende Wund« eines tiefen Stiches wurde sichbar und die hervorquellenden dunklen Tropfen... Einige davon fielen auch hinunter auf das Papier neben jene.
Vellage des Vorwärts
„Ich habe mich in den Finger geschnitten..." „Hm.. fuhr der Gendarm betroffen zurück,„tatsächlich." „Das tut nichts," meint« Janas lächelnd, ,„.. dieses verteufelte Messer ist sehr scharf, es rannte mir in den Finger hinein..." Er steckte den verwundeten Finger in den Mund und saugte das Blut aus, und nur so nebenbei sagte er, als wäre von einem Kinderspiel die Rede: „Nicht der Rede wert... es wird wieder verheilen." Nicht das mindeste war in dem Zimmer verdächtig. Di« Situation war so einfach und selbstverständlich... es gab hier nichts zu tun. Ein« Weile spähten jene noch herum, endlich drehte sich der Wachtmeister zornig um. „Daß das Donnerwetter dareinschlagel" fluchte er, und sie gingeit. ' Stille... Ianos. der düstere, verstockte Dauer, der Herzlose und Grau- same, stand dort in der Mitte des Zimmers. Auf seine eckigen, un- förmigen Glieder fielen die Strahlen der Sonne, sie streichelten und küßten ihn... Die Tür der„schönen" Stube ging auf und die zusammen- getrümnite Jammergestott schleppte sich heraus. „Der Herrgott segne dich für deine Güte," dankte er und die Tränen rollten über sein verzerrtes Gesicht. „Run, nun..." sprach jener, den Dank abwehrend.„Nicht weit von hier ist die Grenze, du kommst hinüber, wenn du acht gibst... Die Frau werden wir schon bis dahin irgendwie... Der Unglückliche richtete sich im aufleuchtenden Taumel der Bc- freiung auf. Sie spähten zur Türe hinaus, die Gendarmen waren schon weit. „Beeile dich... sie können zurückkommen." Rovo schlich sich hinaus. Seine kleine linkische Figur mar am Bachufer zwischen den Weißdornbüschen noch eine Weile zu sehen. Die Frau betrachtete mtt heroorströmender glücklicher Liebe ihren Mann. „Janas!..." „Aber, laß' doch schon..." Er nahm das große gestreift« Taschentuch hervor, um damit den verwundeten Finger einzubinden. „Ich habe es für einen Menschen getan!" fügte er noch hinzu, und er begab sich hinaus in den Stall, um die Tiere zu tränken. (Uebersehung au» twm Ungarischen von Maurus Mezci.)
S>er erste c Hm das Jahr 1343 lebte in Dalenciemre» ein bescheidener Wappenmaler, den sein Beruf mit allen vornehmen Herren der i Umgebung in Berührung brachte. Als er sich eines Tages an seine | reichen Kunden mit der Bitte wandte, ihm bei der Ausbildung 1 seines Sohnes zu helfen, rieten sie ihm, aus dem Jungen einen Geistlichen zu machen, updi brauen die.hierzu notwendigen Sum» men auf. As kam. Jean Aroissart dazu, die Theologie, das Latein und andere nützlichen Wissenschaften zu studieren, aber es zeigt« sich bald, daß ihm diese Beschäftigung nicht besonders zusagte. Besser gefielen ihm schon Tanzspiel«, die Lieder der Mumesänger und fröhlich« Kurzweil mit lustigen Leuten. Ungeachtet dieses auffälligen Mangels an Berufung bestanden sein Vater und seine Protektoren daraus, daß er Priester werde: aber ebenso nachdrücklich gab ihnen der junge Froissart zur Antwort, daß er nicht den geringsten Geschmack daran finde, und wenn man ihn fragte, was er denn sonst werden wolle, erklärte er: er wolle sich �in der Welt umsehen und erzählen". Für eine Zeit, die mit den Begriffen Chronik und Geschichte nichts anzufangen wußte, gall ein solcher Wunsch als närrisch. Die Eltern und Gönner verstanden nicht, was dieses Kind eigenttich ernsttich wolle, und sie'vermuteten. daß er den Ehrgeiz habe, jenen Beruf zu ergreifen, der damals recht zweifelhaft war: den eines Schauspielers und Lustigmachers. Aber kaum wa< Jean Froissart zwanzig Jahre all und de? Schule entronnen, als er sich, ohne sich bei tastenden Versuchen auf- zuhatten, als ein Mann, der genau weiß, was er will, in eine Karriere stürzte, die er viele hundert Jahre vorausgeahnt hat. Sein Beruf wurde es. die Zeitereignisse zu berichten, Vorgänge aus eigenem Augenschein zu beschreiben, von einem Ende der Well zum anderen zu ziehen, um einer großen Zeremonie, einer Schlacht, einer Königshochzeit oder einem anderen sensationellen Ereignis beizu- wohnen. Es war etwas ganz unerhört Neues, daß sich ein Mensch ausschließlich damit befaßte, die Kriege und Händel seiner Zeit zu beschreiben, ruhelos von einem Ort zum anderen zu wandern, die Schauplätze aller berühmten Ereignisse aufzusuchen, die Augenzeugen sprechen zu lassen und seine Schilderungen, statt poetisch auszu- schmücken, mit authentischen Zeugnissen und Einzelheiten zu belegen. Daneben blieb Froissart Zeit genug, Berse zu schmieden, Lieder zu verfassen und die Freuden der Liebe, der Jugend und der Leiden- schaft zu rühmen. Dichtend und Geschichten schreibend, begab er sich eines Tages nach England. Dort fand er eine Beschützerin in Philipps von Henne- gau, der Gemahlin Eduards III., deren Protektion ihm alle Türen öffnete. Die Königin mochte ihn zu ihrem Sekretär und Hofdichter. Aber Froissart, der am Hofe wie in den Adelspalästen ein gern gesehener Gast war, blieb traurig und melancholisch. Eines Tages verriet er seiner Herrin den Grund seines Kummer«: es zog ihn nach Frankreich zurück, wo seine Frau auf ihn wartete, die er liebte. Die Königin ließ ihn ziehen und stattete ihn aufs Prächtigste aus. Aber eine schlimme Enttäuschung erwartete ihn in der Heimat. Gr fand die Geliebte mit einem anderen verheiratet, und schmerz« erfüllt entschloß er sich, noch England zurückzukehren, wo er nun- mehr fünf Jahre verblieb. In dieser Zeit schrieb er unermüdlich an den Dokumenten seiner Zeit.„Beachtet wohl, die ihr mich lest, ge- lesen habt oder lesen werdet, was ich alles habe tun müssen, um euch die Dinge zu schildern. Ich war zwanzig Jahre all, als ich b«. gönn, und ich bin zur selben Zeit auf die Welt gekommen, in der die großen Taten und Abenteuer geschahen, und ich habe so großen Gefallen daran gefunden, wie an keiner anderen Sache auf der Welt. Dank der Gunst des Königs Eduard und der edlen Königin, seiner Gemahlin, habe ich den größten Teil der Christenheit durch- eilt, habe überall die Ritter und Schildknappen befragt, die bei den großen Wasfentaten dabei waren und davon zu erzählen wußten. Solange mich Gottes Gnade leben läßt, werde ich so fortfahren, denn nichts gefällt mir so gut und macht mir die Arbett so leicht." Er war der fahrende Ritter der Information, er zog vom
Reporter wilden Schottland nach dem milden Aquitanien , wohin er den schwarzen Prinzen begleitete. Mit dem Herzog von Clarenre reiste er nach Italien aus die Freite: er wohnte der Hochzeit bei und be> schrieb sie aufs genaueste. Als er wieder nach Frankreich zurück- gekehrt war, verschafften ihm die immer noch mißtrauischen Kunden seines Vaters eine Pfarrei und ließen/hn zum Vikar von Lestines machen. Aber dieser ewig neugierige Mann konnte das Reisen nicht sein lassen: es litt ihn nicht lange in seiner Pfarre, und bald wurde der Vikar zum Troubadour. Diesmal aber wollte er seiner Tätigkeit eine solidere Grundlage geben: er suchte daher„Herron", denen er in irgendeiner Form eine Art beamteten„.�mueeurs en titre* sein konnte. Es gelang ihm, in die Dienste des Herzogs Wentel von Brabant und, nach dessen Tod, in die des Grafen von Alois zu treten. Aber in der satten und behaglichen Atmosphäre dieser kleinen Höfe vergaß der große Reporter nicht«inen Augenblick seinen Daseinszweck. Ermuntert von dem Grafen von Alois, unter- nahm er eine Reise zu dem Grasen Gaston von Foix, um aus i«rn Munde der an dessen Hofe lebenden bearnischen und gascognisttj»» Ritter die Taten zu hören, die sie verrichtet hatten. Von seinem Herrn auss beste ausgestattet, hatte Froissart »ine herrliche Reise. Cr legte immer nur kurze Strecken zurück und versäumte nicht, m den Schlössern und Abteien, an denen er vorübertam, einzukehren, die Wanderer aus der Landstraße und die Gäste der Einkehrhäuser von ihren Erlebnissen erzählen zu lassen. Allabendlich notierte er seine eigenen Eindrücke und alles, was er gehört hatte. Auf diese Weis«.ist der größte und gelungenste Teil seiner Chroniken zu- stondegckommen, die den Eindruck vollkommenster Wahrhaftigkeit machen. Seine Schilderungen atmen den ganzen Zauber der dama- ligen Zeit. Wahrhastig und natürlich erzählt er, was er vorzubrin- gen hat. Aber eines Tages, nach einem Leben voll Erfolg und Glück. zieht er weiter, wie ein Bogel, den niemand festhalten kann: eine Art Heimweh nach England treibt ihn zurück.- Dort empfängt ihn Richard II. in Erinnerung an das Wohlwollen, das feine Ahnfrau, die Königin Philippa, für Froissart stets bekundet hatte. Richard II. wird gestürzt, und Froissart ist gerade im rechten Augenblick zu- gegen, um der Nachwelt die Geschichte dieses Umsturzes zu erzählen. Diese Reportage sollte sein« letzte sein. Im Jahre 1400 geht Froissart nach Flandern , und von dieser Zeit an hört man nichts mehr von ihm. Er ist in aller Heimlichkeit gestorben: nicht ermnal seinen Leich- nam hat man gesunden: der ewige Reisende wollte noch im Tod Nomade bleiben. Es gibt viele Kopien der Froissarffchen Manuskript«. Das voll- ständigste Exemplar befindet sich in Breslau : es sind vier stattliche Bände in feinster Handschrist und mit prachtvollen Randleisten ge- schmückt. Als die Franzose» im Jahre 1800 Breslau besetzten. fürchtete die Bibliothek, diesen kostbaren Schatz zu verlieren, und so wurde in das Kopitulationsprotokoll ein Artikel aufgenommen, der die Bibliothek vor jedem Zugriff der Franzosen schützte. Die Chroniken des ersten Reporters sind, ebenso wie seine poetischen Werke, die aufschlußreichsten Dokumente aus jener Zett. Froissart schrieb einmal ein Gedicht„Die oerliebte Uhr", in dem der Journalist den Dichter besiegt und alle wissenswerten Einzelheiten über die Uhrmacherkunst des 14. Jahrhunderts aufs genaueste schildert. An anderer Stelle seiner Aufzeichnungen findet man die wertvollsten Aufschlüsse über die Organisation und Gliederung der Söldnerheere. Neben diesen dokumentarischen Stellen gibt es andere von der entzückenden Naivität eines Ritterromans: aus anderen brich: dann wieder die Rauheit jener Zeit mit ihren unaufhörlichen Kämp- fen, ihren verwüsteten Provinzen und niedergebrannten Städten hervor. Aber inmitten des Schreckens stehen Menschen, denen Per- derbiheit und Niedrigkeit fremd sind. Denn Froissart war«in opttmisttscher Schriftsteller. Sein Leben war glücklich, sorglos, er- füllt von der Freud «, zu sehen und zu beschreiben.