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Nr. 8.

Erscheint täglich außer Montags. Breis pränumerando: Biertel jährlich 3,30 Mart, monatlich 1,10 Mr., wöchentlich 28 Pfg. fret tn's Haus. Einzelne Nummer 6 Bfg. Sonntags- Nummer mit illuftr. Sonntags- Beilage Neue Welt" 10 Pfg. Poft- Abonnement: 3,30 Mt. pro Quartal. Unter Kreuz­ band : Deutschland u. Defterreich­Ungarn 2 M., für das übrige Ausland 3 Mt. pr. Monat. Eingetr. in der Pont Zeitungs- Preisliste für 1896 unter Nr. 7277.

Vorwärts

13. Jahrg.

Infertions- Gebühr beträgt für die fünfgespaltene Betitzeile oder beren Raum 40 Bf., für Vereins- und Berfammlungs- Anzeigen 20 fg. Inferate für die nächte Nummer müssen bis 4 Ubr nachmittags in der Erpedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen= tagen bis 7 Uhr abends, an Sonns und Festtagen bis 9 Uhr vormittags geöffnet.

Fernsprecher: Amt 1. tr. 1508. Telegramm- Adresse: nozialdemokrat Berlin ".

Berliner Bolksblatt.

Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands .

Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2.

Gesinnung vollkommen erklärlich machen.

Freitag, den 10. Jannar 1896.

ge=

Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3.

worden sei."

Und Herr Stöcker erließ am 19. September eine seiner donnernden Bombardierkäfer Erklärungen, in der zu

lesen war:

jcht durch die Aussagen des Oberstaatsanwalts Drescher| geworden, daß der Pensionefonds ftatutenwidrig, aber nicht in Findenstein und Konsorten. gerichtsnotorisch gewordene Vertuschungssystem der fon- feinem persönlichen Interesse durch Freiherrn v. Hammerstein servativen Parteiführer dem Falle Hammerstein eine poli- verwendet sei, und daß er viel zu bobe Papierpreise gezahlt Edufte wird es stets in jeder Partei geben. Sie tische Bedeutung verleiht, die zur Kennzeichnung des babe und gleichzeitig Privatsa, uldner des Lieferanten ge hängen sich an deren Rockschöße, wenn ihre persönlichen fammten Kampfes für Ordnung, Sitte und Religion an Zwecke es ihnen selbst rathsam erscheinen lassen. Es wird Wichtigkeit seine zweifellos höchst interessante Seite als auch stets m jeder Partei vorkommen- und je größer fie Beitrag zur Psychologie des politischen Hochstaplerthum ist, um so öfter- daß einzelne ihrer Mitglieder sich während weit überragt. ihier Parteizugehörigkeit zu Verbiechern entwickeln. Es Indem wir diese Seite des gegen unseren Genossen Ich erkläre der ganzen liberalen Sippschaft von Ver wäre unrecht, aus solchen Borkommnissen einer Partei einen Rauch in Hannover geführten Beleidigungsprozesses würdigen, leumdern ein für allemal, daß ich, wie viele andere, wie feine Voinmf zu micchen, viel verweiflicher noch gar aus den müssen wir das Verhalten der Staatsanwaltschaft in der nächsten Verwandten und Freunde Herrn v. Hammerstein bis verbrecherischen Anlagen und Handlungen einer Person Untersuchungsfache gegen Hammerstein, das Herr Drescher um grübjabr 1895 für einen durchaus ehrenwerthen Mann herleiten zu wollen, daß ihr die Zugehörigkeit zu irgend zu rechtfertigen unternahm, außer betracht lassen, da ja bielt, an dessen Schuld kein Flecken hafte." einer bestimmten Partei zuzutrauen sei. Wir haben leider die gegen den Rauch eingeschlagene staats­Für bis zum Frühjahr" hat man nach der etwas diesem Gedanken sehr energisch Ausdruck verliehen, als die anwaltschaftliche und richterliche Praxis jedwede Bürgschaft präziseren Beitangabe Kropatscheck's doch mindestens zu irrthümliche Nachricht, Hammerstein sei als" Anarchist" dagegen niedergerissen hat, daß nicht auch eine ganz ernst- lesen:" bis Ende Februar". Die Eingeweihten, zu denen ausgewiesen, bürgerliche Zeitungen zu dem ungeheuerlichen gemeinte Billigung des Trescher'schen Rechtfertigungs- Ver- ja auch nach eigenem Eingeständniß Herr Stöcker gehörte, Ausspruch verleitete, was denn da merkwürdiges an der fuches als ironische Wiebilligung strafrechtlich verfolgt werden mußten also bereits damals mindestens über den Charakter Charakterisirung des Fälscherbarons als Anarchist sei, seine tönnte. Hammerstein's, wenn auch noch nicht über den ganzen verbrecherischen Neigungen würden doch eine anarchistische Andererseits können wir indeß nicht über das System Umfang seiner Hochftapeleien im Klaren sein; die falsche der Strafverfolgung, das die Staatsanwaltschaft Berlin ge- Bezichtigung Güthlein's war ihnen bekannt. Dennoch wurde Ebenso wenig, wie wir es für statthaft halten, wissenhaft angewendet zu haben erklärt, unsere Bedenken die am 1. Januar gegen ihn erlaffene Kündigung nicht anarchistische Ansichten als Kehrseite der Verbrechermedaille unterdrücken. Wenn es möglich ist, daß von dem Augen aufrecht erhalten; er konnte selbst noch Herrn Kropatsched gelten zu lassen, würden wir die konservative Partei dafür blicke, da dem leitenden Staatsanwalt die letzte Thatsache entlassen; er durfte, ohne von dem Aufsichtsrath verleugnet verantwortlich machen, daß ein Verbrecher, und hätte er selbst zur Kenntniß tam( 9. Juli, Suspension Hammerstein's), zu werden, erklären, daß sein Vertragsverhältniß fortbestehe; die Vielseitigkeit und den Erfolg eines Hammerstein be- die ihm ein sofortiges Einschreiten gegen einen schwerer er durfte am 7. Juli in die Ferien gehen. Erst später, am wiesen, in ihr lange Zeit unentdeckt sein Wesen hat Verbrechen verdächtigen Wann geboten erscheinen ließ, bis 9. Juli wurde er" suspendiri", woraus folgt, daß er nicht zum Erlaß des Haftbefehls( 9. Eeptember) zwei Monate entlassen war. Diese Suspension hatte dann das Einschreiten Trotzdem wirft auch unserer Ansicht nach der Hammer verstreichen können infolge der Verschleppungen der Freunde der Staatsanwaltschaft zur Folge und dann begann das Spiel stein Skandal einen dunklen Schatten auf die konservative des Verdächtigen, so leidet unser Ermittelungsverfahren an der Parteiführer mit den Behörden, das dem Fortkommen Partei, und zwar wegen des Verhaltens der konser einer argen Schwerfälligkeit, wenigstens mo c3 sich n Hammerstein's so außerordentlich dienlich war. Graf Kaniz vativen Parteiführer selbst, nachdem ihnen die Aurüchig- Nuterschlagung und Fälschung handelt. Es wäre deshalb leistete den amtsgerichtlichen Vorladungen überhaupt nicht keit des Herrn v. Hammerstein mehr oder minder klar recht wünschenswerth, daß durch eine Enquete über den Folge. Graf Finckenstein machte am 25. Juli unklare Aus­zum Bewußtsein gekommen war. Fast die gesammte Berlauf ähnlicher Sachen Material zu einer eventuellen jagen, die das Amtsgericht derart irreführten, daß eine Führerschaft hat noch Monate nachher, nachdem der Remedur gesammelt würde. Zeit lang der Papierlieferant Flinsch der Wechselfälschung Standal ruchbar geworden war, Vertuschungen ermöglicht Was fällt nun nach vielfachen Feststellungen den kon- verdächtig erscheinen konnte, wie Herr Güthlein früher der und der frechen Ableugnung des Freiherrn im Reichstage fervativen Parteiführern zur Last, denen die Leitung der Sündenbock für Hammerstein's Pensionsfonds- Unterschlagung zugejubelt. Die Führerschaft deckt sich allerdings nicht mit" Kreuz- Zeitung " oblag? Aus einer Erklärung des Herrn geworden war; Graf Finckenstein machte diese unklaren der Partei, mehr aber als in irgend einer andern Partei Stropatic; eck, jetzigen Redakteurs der Kreuz- Zeitung ", gehi Aussagen am 25. Juli, troydem er am 21. Juli auf hat in der mit dem Grundsatze der Autorität durchsetzten hervor, daß er bereits Ende Februar über die Nicht- die Aufforderung des Herrn Flinsch, die entdeckte konservativen Partei die Gefon mtheit die Mitverantwort- ablieferung des Stöckerfonds durch Freiherrn v. Hammer- Wechselfälschung zur Anzeige zu bringen, erwidert hatte: lid feit zu tragen für das, was die Führerschaft sündigt. stein, die er mindestens moralisch unentschuldbar" Wenn Hammerstein gesündigt habe, müsse er bestraft Wir akzeptiren deshalb bereit willigft die Mahnung, die fand, dem Vorsitzenden des Komitees der Kreuz- Zeitung " werden, das sei seine persönliche Meinung. Db Straf­der Rechtsanwalt Eschenbach dem Oberstaatsanwalt Drescher Minheilung gemacht und dem damaligen Verleger, Herrn anzeige zu erstatten sei, habe das Komitee zu bestimmen. zu erwägen gab, man müsse auch die politische v. Kröcher, die Bitte vorgetragen hat, ihn von seinen ver. Als Flinsch dann sagte, wenn das Komitee nicht Anzeige Seite des Falles Hammerstein in Erwägung ziehen. Aller tragsmäßigen Verpflichtungen zu entbinden. Am 31. De erstatte, werde er es thun, und von Graf Finckena dings in einem andern Sinne als jener Rechtsbeistand zember 1894 hatte das Komitee der Kreuz- Zeitung " dem stein eine Anerkennung, daß die Papiere gefälscht seien, des Kreuzzeitungs"- Komitees. Er wollte augenscheinlich Freiherrn v. Hammerstein seine Stellung zum 1. Juli ge- verlangte, verweigerte Graf Finckenstein diese Anerkennung. zart andeuten, im Jnteresse der vorzugsweise staats fündigt. Herr Kropatscheck sagt darüber: Flinsch hat die Anzeige unterlassen, weil er sich auf erhaltenden Partei" und im Interesse der Staatserhaltung" Er wurde darin bestärkt, als er Die Gründe, soviel ich erfuhr, waren bedenkliche Eigen- das Komitee verließ. überhaupt würde es liegen, sänftiglich mit dem Knaben mächtigkeiten in der finanziellen Leitung der Zeitung. Wir eine Vorladung erhielt, die er mit einer Anzeige in Vers Hammerstein zu verfahren. Wir dagegen meinen, daß das selbst war, ohne daß ich genaue Einzelheiten wußte, bekannt bindung brachte, obwohl die Staatsanwaltschaft noch keine

treiben fönnen.

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Clotilde.

"

( Nachdruck verboten.) Roman aus der Gegenwart von H. W. M. von Walthausen.

21.

fältig man auch suchte, von der bedeutenden Geldsumme, wie sie die Verwandten des Majors angaben, war nirgend etwas zu finden.

Es wurde die Vermuthung laut, der Major könne auf der Reise jener Summe verlustig gegangen sein und aus Gram darüber dann Hand an sich gelegt haben. Schon wurde die Durchsuchung des Brambach'schen Befißthums als resultatlos betrachtet, da verbreitete sich die seltsame Nachricht, man habe einen außergewöhnlichen Fund gethan.

Von den Verwandten des Majors war aus Genua Nach richt an das Gericht gelangt. Sie meldeten sehr eingehend und umständlich: Ter Verstorbene habe auf seiner legten Reise sein gauzes großes Vermögen bei sich gehabt. Es sei dies daher gekommen, weil er in Yorkshire seine Be­fizungen verfauft habe, um nach Genua überzusiedeln. Ter Im Hofe hatte man eine wichtige Entdeckung gemacht. Käufer derselben habe die Geldforten, ja sogar die Nummern Alle eilten dorthin. der Obligationen angegeben. Ein Verzeichniß folge anbei: Sier fand sich beim Entleeren der Aschengrube ein Ebenso der Nachweis, daß der Major 1000 Pfund Sterling sprechender Zeuge des Raubes. Es war die eiserne Raffette erhalten und bei sich gehabt. Die Verwandten forderten des Majors, welche man gefunden. Wer hatte sie in die strenge Nachforschungen über den Verbleib des Geldes. Aschengrube gebracht? Die Kaffette war erbrochen, war leer. Auch verlangten sie genaue Nachweise über die Krankheit Der Raub war also erwiesen. Wohin aber war das Geld und das Ende des Majors, da ihnen das Gerücht feines gefommen? Wer fonnte die Kaffette erbrochen, wer fie ent­unnatürliches Todes zu Ohren gekommen sei. leert haben?

Blöglich tauchte aufs neue das Gerede über jenen Todesfall auf. Man sprach wieder und diesmal mit größerer Schärfe, von dem Gift- und Raubmorde. Das Ge­rücht wurde so allgemein und so nachdrücklich ausgesprochen, daß die öffentliche Meinung die Staatsanwaltschaft zum Ein schreiten drängte.

Brambach selbst war der erste, der strenge Haussuchung in seinem Hause beantragte. Das Gerede taste seine Ehre an und er dulde feinen Makel auf ihr!

Da dies Eindruck machte und zu gunsten Brambach's sprach, fragte man sich: Wer war denn sonst noch in dem Hause, als der Major dort wohnte? Es waren nur das Dienstmädchen Hanne und der Hausbursche Friedrich an­wefend gewesen, welche noch da wohnten.

Die Gerichtspersonen tamen noch in derselben Nacht, darunter der Gendarm Kreiser. Sie umstellten das Haus, weckten die Insassen, verbörien jeden einzeln und brachten die Aussagen zu Protokoll. Unterdeß wurde die Haus­suchung mit peinlicher Genauigkeit vollzogen. Wie sorg­

,, Dann brauchten Sie es doch nicht so ängstlich zu ver stecken," sagte der Assessor Händrich.

Dieser Mann war überhaupt von seiner einmal gefaßten Meinung: Friedrich sei ein Verbrecher, nicht abzubringen. Wie sein Freund, der Doktor Langenberg, sich nicht ausreden ließ, Friedrich sei der Giftmörder, denn er hatte ihn dabei angeblich ertappt so mußte Friedrich auch den Raub begangen haben.

Diese einmal ausgesprochene Ansicht vertrat num Händrich mit solcher Hartnäckigkeit als die richtige, daß er selbst einen Juftizmord hätte begehen können, nur um recht zu behalten.

Aehnlich verhielt es sich mit dem Doktor Langenberg. Seine Ehre als approbirter Arzt war angegriffen worden dadurch, daß man ausgesprengt hatte: er babe sich geirrt, habe Cholera für Arjenitvergiftung gehalten. seiner Behauptung und Diagnose Geltung zu verschaffen, wurde er der Hauptantläger gegen Friedrich und Hanne. Nach Dr. Langenberg's Anflage sollte Hanne das Gift Der Verdacht lenkte sich auf den Hausburschen Friedrich. in einem Wasserglas gemischt und Friedrich es dem Major Allerhand Geröll vom Aufräumen, welches nur er in die in demselben Glase beigebracht haben. Man fand nämlich Aschengrube geworfen haben konnte, hatte sich in der halb in Hanne's Kleiderlade Kästchen, Büchschen, Fläschchen, offenen Kaffette vorgefunden. Darunter ein zerbrochener welche dem Toilettenkasten des Majors entstammiten. Be Pfeifenkopf, aus dem er früher geraucht. Auch trug sonders enthielt ein Fläschchen mit abgefragter Etiquette Friedrich immer die Aschenkästen hinunter, wie es ihm denselben Parfüm, welcher sich beim Major in einer größeren Hanne angab. Flasche noch vorfand.

Der Umstand, daß Friedrich und Hanne heirathen Hanne hatte also in seinen Sachen herumgeframt. Daß wollten, legte die Vermuthung nahe, daß beide im Ein- ihr der Major, kaum angekommen, zwei Goldstücke und verständniß gehandelt haben könnten. Man untersuchte ein so werthvolles Portemonnaie gegeben haben sollte, wo daher beider Effekten nochmals eingehend. Bei Friedrich er ihr sonst nur bei der Abreise ein Trinkgeld gegeben, war fand man in einem Versteck eine Kiste mit einem ebenfalls sehr verdächtig. Nun poßte aber jenes Fläschchen, Packet vor. Tarin befand sich ein englischer Souvereign, worin man Parfüm vorfand, in die Reise- Apotheke des Majors. eine ganze und eine angebrochene Flasche Wein, Schinken Aus der abgefragten Etiquette ließ sich noch unklar das und Wurst, was alles dem Brambach'schen Haushalte ent- Wort Arsenik " entziffern. Das war ja Gift. Das Fläsch­stammte. chen hatte also Giftstoff enthalten, dieser war herausgethan und dafür Parfüm eingefüllt worden. Da hatte man ja ten ersten sicheren Anhalt, wer der Vergiftung des Majors verdächtig sei. Fortsetzung folgt.

Friedrich gab zwar an: Das Goldstück hat Hannchen mir als meinen Trinkgeldsantheil vom Major gegeben. Das Packet wollte ich meiner Mutter schicken."