Nr. 57 46. Jahrgang
3. Beilage des Vorwärts
Textilarbeiterlos in der Welt.
Weltwirtschaftliche Umschau.
Das große Ereignis in der jüngsten Entwicklung der englischen Wirtschaft ist die Gründung eines gewaltigen Trusts für die englische Baumwollindustrie. 7 bis 8 Millionen Spindeln sollen durch den Zusammenschluß von 100 bis 150 bisher selbständigen Firmen in einer Unternehmung vereinigt werden. Der Zusammenschluß erfolgt in dem Teil der englischen Baumwollindustrie, welcher amerikanische Baumwolle verarbeitet. Da die Zahl der Spindeln dort 36 Millionen beträgt, wird der Trust 20 Proz. der Spindeln vereinigen. Seit vielen Jahren herrscht in England eine schmere Lertilfrise, die aber allein die sogenannte amerikanische Seftion ergriffen hat, mährend der die feineren Sorten ägyptische Baumwolle verarbeitende Teil der Industrie sich in einer gün ftigeren Lage befindet.
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Die englische Truftbildung erfolgt im Zeichen der
Rationalisierung.
Der wirkliche Grund für die große Ueberproduktion ist aber die rapide Entwicklung einer gewaltigen Textilindustrie im Süden der Vereinigten Staaten . In der amerikanischen Textilindustrie ist seit dem Krieg eine beispiellose Umwälzung eingetreten; die Betriebe vom Osten des Landes wanderten nach dem Süden und die neuen wurden überwiegend im Süden errichtet. Im Jahre 1913 entfielen von den 31,5 Millionen Spindeln 17,3 auf den Often( Neu- England ), 12,2 auf den Süden; im Jahre 1927 von 34,4 Millionen Spindeln nur noch 14,9 millionen auf den Often, 17,9 auf den Süden. Noch mehr hat sich der Verbrauch zugunsten des Südens verschoben. Im Jahre 1927 entfielen 1,7 Millionen Ballen auf den Often, 5,2 Millionen Ballen auf den Süden, d. h. die Produktion des Südens ist heute bereits die Dreifache des Oftens. Diese Umwälzung ist aber die direkte Folge der schlechten Sohn, Arbeits- und Organisationsverhältnisse des Südens Ge noffin Lüttens, die an Ort und Stelle die Verhältnisse
Gegenwärtig wird der Produktionsapparat zu etwa 60 bis ftudierte, hat türzlich in einer wissenschaftlichen Arbeit
70 Proz. ausgenügt, deshalb eine ausgedehnte Kurzarbeit in dieser Industrie, die aber seit vielen Jahren organisiert ist. Das heißt, sämtliche Unternehmungen haben die gleiche Kürzung der Ar beitszeit gewöhnlich zwölf Stunden die Woche vorgenommen. Mit diesem System soll nun im neuen Trust gebrochen werden. Dort
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werden die unrentablen Betriebe ſtillgelegt und die Produktion auf
die modernsten Betriebe konzentriert. Außerdem erfolgt eine raditale finanzielle Sanierung der überkapitalisierten und überschuldeten Unternehmungen. Das zu hohe Aktienkapital und die große Bantnerfchuldung machten die Konkurrenz der neuen Baumwollindustrien Indiens und Japans für die englischen Unternehmungen ruinös, die mit 70 bis 75 Broz ihrer Garn und 85 bis 90 Broz ihrer Gemebeproduktion auf den Export ange= miesen sind.
Jetzt endlich haben sich die Banfen entschlossen, die Sanierung 31 ermöglichen. Sie merben ihre Darlehen in Affien des neuen Trusts umivandeln und ihr Geld derart nur aus den tünftigen Gewinnen zurüdbetommen, mährend die Darlehen bisher gewaltige Zinsen gefressen haben. Auch die Aktionäre der einzelnen, jetzt zusammengeschlossenen Gesellschaften müssen sich eine drastische Zu fammenlegung des Werts ihrer Attien gefallen lassen.
Große Opfer der Arbeiter.
Das swerfte Opfer wird aber zweifellos auch diesmal den Urbeitern auferlegt. Infolge der unvermeidlichen Still legung vieler Fabriken, wird an die Stelle der bisherigen Kurz orbeit eine Massenarbeitslosigkeit treten. Berhandlungen sind im Bange, die zur Senfung der Produktionskosten eine außerordentliche Steigerung der Arbeitsleistung erreichen wollen. Die Unternehmer wollen automatische Webstühle einführen und durch Verlangsamung der Geschwindigkeit der Maschinen, den Arbeitern zu nuten, statt vier fünftighin acht Webstühle zu bedienen. Berhandelt wurde auch über die Einführung der Zweischichtenarbeit, was ohne viel längere Arbeitszeit nicht durchzu führen sein wird. Jedenfalls werden die Opfer, die von den Arbeitern gefordert werden, unvergleichlich größer sein, als die der
Banten und der Aktionäre.
In USA . frißt der Süden den Norden.
In den Bereinigten Staaten ist neben der Kohlenindustrie die Textilindustrie der dunkle Punkt des sonst so glanzoollen amerika nischen Industrielebens. Für die Schwierigkeiten der amerikanischen Baumwollindustrie ist deren übermäßige Ausdehnung verantwortlich, der der Verbrauch troß der hohen Kairftraft der Be völkerung nicht nachkommen kann Die Frau von heute will," mie türzlich scherzhaft gesagt wurde,„ auf ihrem Körper nicht mehr die Tagesarbeit eines Webstuhles fragen. Vor dem Krieg war ein Schaf nötig, um eine Frau für ein Jahr zu fleiden, heute braucht sie nur eine Seidenraupe und selbst die fann eine fünftliche sein."
ein erschütterndes Bild über die Lage der Tertilarbeiter in den Südstaaten
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entworfen. Sämtliche Tertilfabriken in den Südstaaten haben heute ihre eigenen Zegtilstädte". Hier stehen sämtliche Häufer, die Berkaufsläden und- falls vorhanden- das Krankenhaus im Besitze der Fabriken; die Fabrik bauf die Kirche und die Schule, stellt selbst außerhalb der Fabril. Jede unangenehme Bewegung unter den die Polizei, beherrscht so das gesamte Leben ihrer Arbeiter auch Arbeitern wird ferngehalten. Die Bewohner einer solchen Stadt tönnen mit Außenstehenden faum in Berbindung kommen, tönnen von auswärts nicht heiraten, genießen auch wegen ihrer Unfreiheit wenig Achtung. Die Industrie kann auf die Kinder der Textil arbeiter als selbstverständlichen Rachwuchs redynen
Die außerordentliche Armut der Arbeiter zieht sie in eine Art Don Schuldt nedtschaft der Fabrik. Immer neue imgelernte Arbeiter fommen mittellos in die Textilstädte. Die Lohnauszahlung wird stets um einige Wochen zurückgehalten, der neuaufgenommene Arbeiter wird jogar nach vier Wochen zum ersten Male entlohnt. Inzwischen hat er sich beim Kaufhaus der Fabrik verschuldet, und es ist vielen niemals möglich, sich aus diesen Schulden zu befreien.
Auf der Grundlage einer solchen Ausbeutung fonnten sich die Industrien der Südstaaten in einer Weise ausdehnen, daß heute eine ständige Ueberproduktion in der amerikanischen Baummollindustrie herrscht. Für die organisierte und beffer entlohnte Arbeiterschaft des Oftens ist Arbeitslosigkeit und Lohnbrud die Folge. Widersprüche in der Weltwirtschaft.- Krise auch bei der
japanischen und indischen Konkurrenz.
auch darin zum Ausdrud, daß auch die Konkurrenzländer der engDie widerspruchsvolle Lage der Weltbaumwollindustrie tommt fischen Baumwollindustrie, die japanische und die indische, sich in überschüttet mit ihren billigen Produkten den indischen Markt und einer fritischen Lage befinden. Die japanische Baumwollinduftrie verdrängt sowohl indische wie englische Bare, während die indische Ostasien und sogar in Europa scharfe Konkurrenz macht. Die Baumwollindustrie wieder der englischen Industrie in Australien , indischen wie die japanischen Lager sind überfüllt, die Preise sinten. In Japan hat im vergangenen Jahr das Kartell der Baumwollfabriken eine 20prozentige Betriebseinschränkung für die Baumwollspinnereien angeordnet. Dabei arbeitet die japanische Baumwollindustrie fast ausschließlich in Großbetrieben mit über 1000 Arindustrie fast ausschließlich in Großbetrieben mit über 1000 Arbeitern, die Großbetriebe sind zu 90 Proz. in einem Kartell zufammengeschlossen. Die Arbeitsleistung in der japanischen Industrie ist in legter Zeit gestiegen. Im Jahre 1920 waren 23 Arbeiter für je 1000 Spindeln erforderlich, im Jahre 1925 nur 18,6 Arbeiter; in der Weberei 1920 101,7 Arbeiter je 100 Webftühle, 1925 nur 88,4 Arbeiter.
In Japan ist die Arbeitszeit nicht begrenzt. Die Arbeitnehmer in der Textilindustrie sind zu 80 Proz. Frauen, ein
Sonntag, 3. Februar 1929
großer Teil davon junge Mädchen und Kinder, die Tag und Nacht arbeiten. Die angestrengte Arbeit führt zu einer jo hohen Sterblichkeit unter den Arbeitern, daß die Unternehmungen die Arbeiter stets aus meit entfernten Provinzen neu heranschaffen müssen. Wie auf der Internationalen Arbeitskonferenz in Genf der Bertreter der Zonecubo ausführte, bleiben diese
aus weiten Entfernungen herbeigeholten Mädchen in den Fabrikräumen in förmlicher Sklaverei,
Sie
zumal sie sich häufig den Fabrikbefizern verschulden müssen. verlassen die Fabrik außer im Fall der Ehe nur, wenn sie sich eine unheilbare Krankheit zugezogen haben, oder aus Arbeitsunfähigkeit. Bom nächsten Jahr an soll die Nachtarbeit in den Baumwollfabriken auch in Japan abgeschafft werden.
Bei diesen mit billigen Kräften hergestellten minderwertigen Waren fann mit Recht von einem fozialen Dumping" gesprochen werden, das allein durch eine internationale Regelung der Arbeitsverhältnisse und durch einen gesteigerten fozialen Schutz in der indischen und japanischen Textilindustrie behoben werden kann. 2. 5.
Bielleicht keine starke Depression? Stillffand der Arbeitslosigkeit in Brandenburg. - Rur geringe Preissenfungen.
Es ist nicht ausgeschlossen, daß das Ausmaß der Konjuntturnerschlechterung über die Arbeitslosigkeit hinans, die der Bunter bringt, überschäßt wird. Es zeigt sich jetzt mit aller Deutlichkeit, daß der Höhepunkt der saisonmäßigen Arbeitslosig leit in diesem Jahre sehr viel früher lag als sonst. Der Neuzugang von Arbeitsuchenden und Unterstützten auf dem Arbeitsmarkt in: Monat Januar war einmal verhältnismäßig sehr gering, und außer dem ist der wöchentliche Zugang, je später im Januar, desto schneller gesunken. Dafür ist besonders dharakteristisch die Entwidiung, über die das Landesarbeitsamy Brandenburg für die Woche zum 26. Januar berichtet. Die Zahl ber Arbeitsuchenden ist gegen über der Borwoche nicht mehr gestiegen, sondern bereits. menn auch nur mit einem Dreißigstel Brozent, sehr minimal gefunden. Die Zahl der Hauptunterstügungsempfänger ist nur mehr um 1,3 Broz. gestiegen. Das Landesarbeitsamt Brandenburg gibt über die Veränderungen folgende genaueren Angaben:
In der Berichtsmoche fiel die 3ahl der Arbeitsuchen den um 115 auf 390 017, d. b. 0,03 Broz., gegenüber einer Zunahme Don 4462. gleich 1,16 Broz in der Bormoche. Innerhalb des Landesarbeitsamtes Brandenburg nerteilen sich die Arbeitsuchenden av f Berlin mit 251 367( 253 934), auf die Provinz Brandenburg mit 124 758 und auf die Grenzmart Bosen- Westpreußen mit 13 892 Personen.
Die Zahl der Hauptunterstügungsempfänger in der Arbeitslosenversicherung betrug 276 867(+ 1,34 Broz.), in der Krisenfürsorge 18 007(+ 1,39 Broz.) zusammen 294 874(+ 1,34 Proz.). Von den Hauptunterstützungsempfängern in der Arbeitslofenversicherung entfielen auf Berlin 152 953( 154 411) (+0,94 Proz.), auf die Provinz Brandenburg 111202(+ 4,42 Broz.), auf die Grenzmart Bafen- Westpreußen 12 712(+ 3,28 Broz.). Für die Krisenfürsorge betrugen die gleichen Zahlen für Berlin 15578(+ 1,20 Pro3.) Brandenburg 2347(+ 2,18 Proz.), Grenz mart 82(+ 15,49 Proz.).
Auf 1000 Einwohner des Gesamtbezirkes tamen in der Arbeitslosenversicherung 38,38( 37,87) Hauptunterſtüßungsempfänger; diese Zahl stellte sich für Berlin auf 37,03( 37,38), für die Provinz Brandenburg auf 40,14( 38,44), für die Grenzmark Posen- West preußen auf 40,38( 39,29). In der Krisenfürsorge ist die Vomtausendzahl für den Grenzbezirk von 2,46 auf 2,50 gestiegen; sie stellte sich für Berlin allein auf 3,77( 3,73), für die Provinz Brandenburg auf 0,85( 0,83), für die Grenzmart Bosten- Westpreußen auf 0,26( 0,23).
Inzwischen ist auch der Großhandelsinder für Ende Januar befannigegeben morden. Für sämtliche Baren beträgt er 138,6 und ist gegenüber der Borwoche um 0,3 Proz. gesunken. Es ist mun fehr intereffant und sehr beachtlich, daß der heutige Stand der Großhandelspreise, obwohl seit Mitte Dezember ein ununter
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SIE FINDEN ES VERSTÄNDLICH,
dass ein Werk ernste Be acklung verdient, moeil, es bereits bestand, rährend Generationen heranrouchthm hervor Sen and aus
gingen.
In ihm pulst die LEBENDIGKEIT RASTLOSER ARBEIT dauernd und unaufhörlich. Nur ein Kraftooller
Baum, der Zeil , und GeSchehnisse überdauert, trägt köstliche Früchte,
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SO WERDEN SIE ES MITEMPFINDEN, dass die Fruchd unserer jahrzehntelangen Arbeit- die Gigarelle
KURMARK
SPEZIAL- MAZEDONEN- MISCHUNG
für uns die Genugtuung des Schaffenden, für Sie das Erlebnis des Geniessenden bedeutet.
GARRAT
KUR MARK
CIGARETTEN
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