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3tr. 59 46. Jahrgang

des Vorwärts

O!en6tag. 5. Februar 4929

Wie die Gesi Zeugenvernehmungen i Zulch der LUttagspavse wurde ia die Veweisaus- u u h« e über die Vorgänge bei der Stroßevschtachi am Schlesljdien Lahahos eingetreten, von den Zungen wurde alz erster der Slostertcllerwirt Karl Bach vernommen, in dessen Lokal die ganz« Affäre ihre» Anfang genommen hat. Der Zeuge er klärte zwar sehr genau alle». was am 2S. Dezember bei Ihm passiert war, als der Jim- mermann Schulaleh einen Zusammen st ofz mit sechs Leuten vom Verein forden" gehabt hatle und dabei«in vereinsmitglicd mit dem Messer schwer verlehle. Al, er dann aber über feine Beteiligung an den Nachsorschnn- gen nach dem Messerstecher am nächsten Tage und da» Zu* lammen wirken von»Zmmertren"»adIkordea" hierbei An- gaben mache« sollte, wurde er sehr weiisch weifig und wich dem Kernpunkt der Sache troh eindringlichster Befragung ov« ollen Seiten immer wieder mit langem Redeschwall au». Do, Lokal de» Zeugen in der Zklosterstrabe liegt gegenüber einer Baustell« der Untergrundbahn, und es verkehren bei ihm auch Zimmerleute. Einem Zimmermann 5kurt Wüst war sein Rock gestohlen worden. Am 28. Dezember kam er mit einem anderen Zimmermann, den er Ernst nannte, wieder, und beide erzählten, dah sie den Rock ausfindig gemacht hätten.Der ander« Schulnieh gab fürchterlich an, so dost sich die Gäste aufregten. Schulnieß wollte auf«inen Gast mit dem Messer losgehen und dann auf ihn. den Wirt, ober Wüst, der«in rubiger Mensch ist, trat dazwischen.' Unmittelbar daraus kamen sechs nerren herunter, von denen ich muhte, dah st« vom vereinNorden' find, von dem ich immer Schutz gehabt Hab«. Die sechs Herwn setzten sich in«Ine Ecke und tranken ihr Bier. Schulnieb ging an den Tisch heran und pöbeltesiean. Man sagte ihm: �hau ab.' Da sprang er zurück und z o g s e i n e n D o i ch. Die sechs sprangen über Tisch und Stüh!« aus ihn los. Schulnieß flitzte mit einein Satz die Treppe hinauf und warfeine Kognokflasche durch die Scheiben ine Lokal. Er stand oben hinter einer Säule mit dem Messer in der Hand. Der erste, Malchin , bekam ein paar Stich« in denchals. so daß er blutend zu Boden stürzt«. Er flüchtete, aber nach einer 'Viertelstunde stand er wieder mit erhobenem Messer am Eingang. Er wurde verfolgt, war aber plötzlich»erschwunden. Die sechs cherren vomDerein' wollten semen Namen wissen, den ich nicht kannte, und sie behaupteten, ich wollt« meinen Gast decken. Aus diesem Grunde, und weil ich auch einen Schaden von 25 Mark gehabt hatte, ging ich am nächsten Abend mit einem Zimmermann Fred. der ober nicht der Hamburger Zunft angehört, auf die Such« nach der Herberg«, um ihn zu ermitteln. Bors.: Wie kamen Sie aus- gerechnet vom Klosterteller nach der Madasstraße. um einen Zimmer» mann zo suchen? Da hätten Sie ja auch in» Hotel Adlon gehen können, und wie kam«», daß nun gerade Leib mit Ihne« ging, um«ine» ihm gleichgültigen Zimmermann zu suchen? Der Zeuge«acht unklar«,««velchende Angabe». Er erzählte dann, daß er am Büfett stand and sich nach dem Messer- stecher umsah, ohne ihn zu entdecken. Da kamen von hinten schon die Leute mit Schulnieß, den fi« anschleppten. Er bekam einen Stoß und flog zur Tür hinaus. Ich ging hinterher raus, denn hinter mir ging die Keilerei schon los. Auf der Straß, am Lüraersteig waren vi», bis sechs Leute um den Zimmermann herum und schlugen auf ihn«in. Ich habe ober keinen erkannt, bin auch schnell weggegangen. R.'A. Dr. Frey: Wer hat mit dem Hauen angefangen? Zeug« Ausweichend): Ich konnte nicht wissen, ob die Dereinsleute Schulnieß hinaus haben wollten, um ihn der Polizei zu übergeben oder ob sie ihn selbst aburteilen wollten. Staatsanwalt Zimmermann: Sie wußten aber gleich, daß die sechs Leute am Büfett im Zunstlokal Bereinsmitglieder sind? Der Zeuge gab wieder«ine aus» weichend« Antwort. Wenn ich eine Ahnung gehabt hätte, wäre ich gar nicht hingegangen. Bors.: Las ist kein« Antwort.

Achte anfing. i? �Zmmerireu"-p?ozeß. Weshalb sind Leib und die anderen mit Aknen mitgegangen? Zeug«: Es war mir nicht unangenehm, Zeugen mitzuhaben. Beisitzer- Sie müssen doch bei Kühn etwas erzählt haben. Der Zeuge weicht wieder aus. Dorf. : Sie halten mit Ihrer Aussage zurück. Das Gericht beschloß darauf, den Zeugen unbeeidigt zu lassen und nahm von seiner weiteren Vernehmung Abstand. Als nächster Zeuge wurde der Zimmergesell« Schul» n i« ß ausgerufen. Er ist ein kräftiger junger Mann von 18 Jahren mit gesunder, frischer Gesichtsfarbe und trägt die charakteristisch« Tracht der Hamburger Zunstgesellen. Nach seiner Darstellung hoben die sechs Gäste Bier bestellt. Do der Kellner nur S Gläser tragen konnte, habe er das sechste genommen und auf den Tisch gestellt. Da kriegt« ich gleich eins in die Fresse, daß mir die Lippe blutig aufsprang. Amtsgerichtsrat Sponer: Da muß doch etwas vorhergegangen sein. Das sind ja ungewohnte Um- gangsformen. Z« u g e: Ach wo, es ist nicht» vorgekommen. Ich bette kein Dort gesagt. Vors.: Sie hatten«In Taschenmess>r. Wie kam es, daß Si« mit dem Messer gestochen haben? Zeug«: Ich bin überfallen worden. Alle stürzten auf mich zu. Ich Hin sogar die Treppe hinaufgefallen und wurde am Bein gepackt. Da habe ich das Messer gezogen und nach dem ersten, der auf mich los kam. gestochen. R.-A. Dr. Alsberg: Etwas muß doch vor- hergegangen sein, sonst hätten die Leute doch nicht zugeschlagen? Z e u ge: Nichts. R.-A. Dr. Frey: Was hatte Ihnen Malchin getan, daß Sie ihm das Messer in den Hals stachen? Z«ug «: Er war der Erst«, der mich packen wollt«. Sodann wurde der Zeug« Schulnieß über die Vorgänge l» Zunstlokal vernommen. Zwei Männer im Zylinder feie» auf ihn zugetreten, der eine habe chn an die Brust gepackt und ihm besohlen: Kommen Sie mit. Er habe erwidert, er wisse nicht, was er solle: Hab« aber zur Antwort bekommen: Sie müssen. mit. Da er dacht«, die Beiden seien von der Kriminalpolizei, sei er bis zur Tür mitgegangen. Dort habe«r gesehen, daß draußen alles voll Menschen stand und wollte sich zurückdrängen. Er bekam aber ein Bierglas vor den Kopf und sei auf die Straße geflogen. Draußen sei man über ihn hergefallen, und er habe die Besinnung verloreiu Do r s.: Vereidigt kann dieser Zeuge jedenfalls nicht werden. Von der weiteren Befragung des Zeugen wird darauf Abstand genommen. Der 20jährige Ziimnergeselle Schuchardt bekundete als Zeuge, daß sie die Männer im Zylinder, die Schulnieß heraus- holen wollten, für Kriminalbeamte geholten haben. Als sie sahen, daß Schulnieß verprügelt wurde, seien sie alle hinausgestürzt. Di« Ziinmerleute Hütten sich mit Stuhlbeinen und Holzstücken bewaffnet, hätten aber kein« Beile gehabt. vi« Zyliuderlenle hatte« Stuhlbeine, Billardstöcke. Gummi. schlauche und schwer« Bieruakersähe. Der Zimmergeselle Harz hatte als Zeug« auf der Polizei an­gegeben. daß er geiehen hätte, wie der Angeklagte Kaiser mit einem Stuhlbein geschlagen hätte. Auf die Frage des Staatsanwalts und de» Angeklagt«», ob er diese Behauptung beschworen könne, schweigt der Zeug« sehr lange und erklärt schließlich, daß er die» nicht beschwören möchte, da sich sa seder irren könnt«. Dar- auf wurden verschieden« Hausbewohner vernommen, die über oder neben dem Lokal Naubur wohnen und am 29. Dezember von der Schlägerei ans Fenster oder auf die Straße gelockt worden waren. Als letzter Zeuge wurde der Kaufmann G r a c z i n s k i vernommen, der gegenüber dem Zunstlokal seinen Laden hat. Bei Raubut waren einig« Herren mit Zylinder eingekehrt. Räch einiger Zeit beobachtete er, daß verschiedene Zimmerlcute herausstürzten und auch mit Stühlen und Gläsern einschlugen. Das Ueberfallkom- mando schaffte zwar Ordnung, rückte dann aber wieder ab, obwohl an den Seiten noch viele Menschen standen. Dann sei es zum zweiten Mole losgegangen. Er selbst habe das Ueberfall-

Rommm mute R�üoIuUom. Vom Geehaci tietvm&MH Moshu Der Leutnant strich m feinem Buche herum.Also kein Raubmord. Ein Racheakt.' Zimten fuhr jäh auf. Seine Worte waren scharf und bestimmt, aber seine Hände flatterten ängstlich, seine Augen kreisten unsicher und fanden nirgends einen Halt.Ein Rache- akt? Unsinn! Dieser Mann hat das Beste seiner Arbeiter gewollt. Es ist ihm immer mit Undank gelohnt worden. Jetzt liegt er hier als Opfer seiner Gutmütigkeit.' Irgend jemand murrte. Zinckens Stimme geriet plötzlich ins Schreien:Jawohl, feiner Gutmütigkeit! Unserer Gutmütigkeit! Wir haben ver- bieten müssen, daß von mehreren von Euch zusammen Klagen vorgebracht werden. Weil des Ouängelns kein Ende war. Jedes Petitionieren hätten wir verbieten sollen! Sicher ist einer von Euch Lumpen an Koch herangekommen, um ihm eine Bitte vorzutragen, und hat ihn überfallen. Jawohl, natürlich, so war es! So und nicht anders!' Seine Blicke jagten böse die Reihen der Arbeiter auf und ab. Die Augen Gloß' und Jllmers, die noch immer unbe- achtet am Grubeneinaang standen, folgten diesen Blicken. Sieht er denn nicht?' fragte Gloß flüsternd.Das find ja kein« Menschen, das sind ja Skelette... so verhungert, so zerschunden... sie zittern ja vor Frost...' Zincken wandte sich an den Leutnant und wiederholte stereotyp:Ein Opfer seiner Gutmütigkeit, Herr Leutnant I Rur ein Opfer seiner GutmütigkeitI' Da trat Gloß vor. Sein kurzer, dicker Leib streckte sich krampfhaft, sein Gesicht war ganz weiß. Er sprach leise: mit Anstrengung:Verzeihen Sie. Herr Bergrat. Der Schmied Jllmer dort und ich, wir besichtigten gerade die Grube' Ah. Herr von Gloß!' Zincken schüttelte ihm nervös die Hand.Es ist so. wie'ch sagte, nicht wahr? Sie haben es gesehen, nicht wahr? Ein Opfer seiner Gutmütigkeit, nicht nähr?' »Wir Hab« ges«h««.' sagte Gloß mühsam,wie der

Bergmeister Koch kurz vor seinem Tode dem Häuer Zeising einen Schlag mit der Peitsche versetzte. Ohne jeden Grund,' fügte er noch leiser hinzu. Ihre Namen bitte!' sagte der Leutnant. Aber Zincken stieß seinen Kopf plötzlich fast in Gloß' rundes, blasses Gesicht hinein.Woher können Sie das beur- teilen, Herr von Gloß? Sind Sie hier verantwortlich oder ich?' Gloß wies auf die fkeletternen Körper der zitternden Arbeiter.Für so was ist jeder verantwortlich. Jeder, der ein Mensch ist.' Wir haben hier nicht mit Menschen zu tun. sondern mit Kanaillen... wer murrt da? Maul halten! Wer das Maul nicht hält, wird entlassen? Was haben Sie überhaupt hier zu suchen, Herr von Gloß? Verlassen Sie sofort den Hofl' Als der Schmied und Gloß durchs Tor gingen, stand Zincken noch immer mit geballten, blassen Fäusten.Auch die Wohnungen durchsuchen! Und die Weiber! hörten sie ihn rufen. Gleich darauf kamen einige Unteroffiziere aus dem Tor, vor dem Weiber und Kinder stumm und bleich sich drängten, und trieben sie in die Häuser. Grinsend verteilten sich die Soldaten in die Wohnungen. Der Advokat Oehlke kam die Straße herab trotz größter Eile mit den schlendernden Ladenjünglingsschritten, die ihm eigneten. Er gab Jllmer ein Schreiben:Sofort in die Buchdruckerei geben! Ueber das Weitere sprechen wir uns morgen in Bernburgl Entschuldigen Sie mich für jetzt, keine Zeit, empfehle mich--' er war schon durchs Tor. Jllmer wollte das Schreiben lesen aber die geschnör- kelte Adookatenschrift tanzte vor seinen Augen, sein lang- sames Hirn verarbeitete mühsam das oben Geschehene. Gloß floh in die Ablenkung und las vor: Drucken zu lassen und überall anzuschlagen: An die Bürgerschaft Dernburgs! Unser durchlauchtigster Herzog, seine Höhest Alexander Carl , hat den drei Abgeordneten der Bürgerschaft am 19. cr. die Erfüllung ihrer Wünsche im Sinne einer gleich- artigen Regelung wie in Preußen und anderen Staaten versprochen, so vor allem die Einberufung eines Parla- ments. Da demnach die officielle Ankündigung dieser hoch- herzigen Tat unseres allergßädigften Herzogs durch das Ministerium in den nächsten Tagen zu erwarten stehen dürfte, so wird die Bürgerschaft gebeten, ihren Dank an Seine Durchlaucht dadurch abzustatten, daß sie äußerst«

kommando angerufen, das aber erst nach 20 Minuten wieber erschien. Der Zeuge hat auch gesehen, daß vier Maurer angelaufen kamen uiid in dos Lokal wollten. Die Menge fiel über sie her und schlug sie nieder. Das Zunfttokal fei sehr verrufen in der Gegend. Die meisten Angeklagten hoben, so sagt« der Zeuge, in meinem früheren Lokal als Gäste verkehrt. Ich habe niemanden von ihnen unter der Menge erkannt. Es waren alles fremde Ge- stallen. Vors.: Haben Sie auch beobachtet, daß Auto» an- kamen? Zeuge: Di« Autozahl war sehr beträchtlich. Es stiegen euch Damen mit aus. Die Verhandlung wurde daraufhin auf Dienstag fnch 19 Nhr vertagt._

Man hoffi ans Tauweiter! Schneebeseitigung bisher 1,6 Millionen Mark Kosten. Die Schneefälle diese, Winter» haben an die städtischen Finanzen recht erhebliche Anforderungen gestellt, denn bisher sind, wie die Direktion der städtischen Straßenreinigung verlauten läßt, bereits 1,6 Millionen Mark für die Echneebefeitigung und Abfuhr ausgegeben worden. Aus diesem Grunde hat sich' die Straßen- reinigung darauf beschränken müssen, nur die Haupt- Verkehrs st raßen und die Innenstadt von den auf- geschichteten Schneehausen, die am Rand der Bürgersteige zusammen- geschaufelt sind, zu befreien. Bei den übrigen Straßen ist die Ab- fuhr der Schneehausen mit Rücksicht auf die großen finanziellen Kosten nicht möglich, und hier hofft man, daß baldiges Tan- w«tt «r bei den Aufräumungsarbeiten helfen wird. Der Ab- tronsport des Schnees oder der jetzt auf den Bürgerstelgen befind- iichen Schmutzhaufen läßt sich nicht überall durchsühren, um so weniger, als die Wasjerbauuerwaltung seit einigen Togen die Ab- schüttung von Schneemossen in die öffentlichen Was/«rlaufe untersagt hat, da dies« zu einem großen Teil zugefroren sind. Der Schnee müßte dann also, da auch die städtische Kanalisation nur in beschränktem Umfange in der Lege ist. diese Meng« aufzunehmen, durch weite Transport« nach außerhalb ge- bracht werden. Die Abfuhr eines Kubikmeters Schnee kostet im Durchschnitt 1,50 M. Bei einem Schneesall von nur zehn Zentimeter macht der in den Berliner Straßen niedergehend« cchn««ine Meng« von 4P Millionen Kubikmeter au», da die Reichshauplstadt»ine Straßen fläch« von 43 Millionen Quadratmeter hat. Die Abfuhr oller dieser Massen würde also über sechs Millionen Mark kosten und«in längerer Schneefall den jährlichen Etat der Berliner Straßenreiyigung in «in paar Tagen vollkommen ausbrauchen. Die Befürchtung, daß die noch vorhandenen Schneehaufen bei eintretendem Tauwetter «inen fürchterlichenMatsch' und«ine restlose Verschmutzung der Straßen zur Folge haben würden, wird von der Leitung der Straßenreinigung als nicht begründet erklärt, ist aber in den Außenbezirken doch nicht von der Hand zu weisen.

Gasausbruch in Giemensstadt. Fünf Arbeiter betäubt. Auf dem Sismens-Reubau, Normendamm, Ecke Ohmstraße, in Siemensstadt ereignete sich heut« vormittag ein«igenart>g«r 11 N s a l i In einem Raum, der völlig vergast war. wurden fünf Arbeiter bewußtlos aufgefunden. Die Bentnglückten wur- den in den Derbandsraum geschafft, wo si« in» Leben zurückgerufen werden konnten. Da sich im ganzen Bau und auch auf der Straß« penetranter Gasgeruch bemerkbar machte, mußte aus Sicherheit,-- gründen der Strahenbahnoerkehr auf längere Zeit unterbrochen und die Strecke stromlos gemacht werden. Sachverständig«, die an der Unfallstelle sofort ein« eingehende Untersuchung vornahmen, tonnten die Bruchstelle an der Gasleitung, die sich unter der Erde befinden muß, nach nicht ermitteln. Um weilerc Zwischenfälle zu verhüten, wurde ein Sichenimgsposten ausgestellt.

Die Stadtverordneien haben in dieser Woche ihr« Sitzung am Donnerstag um 16? Uhr.

Ruhe bewahrt und sich nicht zu unüberlegten Handlungen hinreißen läßt. Die Bürgerdeputptivn. Jllmer, Kniephacke, Menge. Ausgezeichnet!' anerkannte Gloß.Damit erzwingt Oehlke eine Aeußerung des Ministeriums, die nach Lage der Dinge nicht negativ aussallen kann. Aber sein Name ist nicht genannt...' Dadrumm« harre mich jebittet. Sonst könnt' e Schmie- richkeeten haben, harre jesat. Is je woll oo richtig.' Sie waren bis ans Ende der Straße gekommen. Vor ihnen sangen Fluß und Bäume, hinter ihnen schrillt« hell und spitz Gekreisch von Frauen aus den Häusern. Gloß war immer noch sehr blaß. Er blieb stehen und trat ein paarmal vor und wieder zurück, als könne er sich nicht entscheiden, wohin er gehen jollte: in den kühlwinken- den Schatten der Vergangenheit, die in den Blättern der Bäume und Bücher knisterte, oder in die Gegenwart, die er vergessen hatte, und die ihn heute rief. Er blickte hinauf zum Kreuzberg, zum Berg seiner Väter. Sollte dies müde, widersinnige Leben des verarmten Adligen noch einmal Sinn finden, Tat werden, sollte der Droufgängergeist der alten Herren von da oben noch ein- mal aufwachen in ihrem kleinen, schwächlichen, oerhücherten Nachfahren sollte er dem Volk zurückgeben, was ihre Feudalherrschaft und die der Trosegks, der Zinckens geraubt hatte? Er dachte an den furchtbaren Hohn, mit dem das Volk erwidert hatte:Damit er endlich mal genug kriegt...' Gloß hob die Hand auf Jllmers Schulter.Also, Jllmer. wenn«sie denn durchaus einen Adligen zum Volksvertreter haben wollen' Des Schmieds dunkles Gesicht strahlte auf.Härr von Gloß wenn Se das' Die klugen, guten Augen des Herrn von Gloß streiche!- t«n noch einmal die Bäume, den Fluß, in wehmütigem Ab- schiednehmen.Kommen Sie, Jllmer. Gehen wir zurück ins Dorf.' Auch von Gloß bekam der Schmied, als er an diesem Abend nach Hause fuhr, einen Zettel mit, der in der Bernburger Schusterschen Buchhandlung abzugeben war. Jllmer las ihn kopfschüttelnd. Er enthielt Bestellungen auf Bücher über Bergwerkswesen, Staatswissenschaft und Forst- künde. Der künftige Volksvertreter nahm es gründlich. Hoffentlich nicht zu gründlich, dachte der Schmied und betrachtete seine großen, rissigen Pranken, die ihm viel ver- läßlicher schiene« als Bücher.(Fortsetzung folgt.)