dcnhafte« 5relheit»?S»pf«r" ÄÄerlegken.«obe< fie die ukrainische Nationalhymne anstimmten, und einer größeren Ab. teilung berittener Polizei, die die Demonstranten zu zerstreuen suchte. Die Polizisten ritten in die Menge hinein, wobei zahl. reiche Ukrainer verletzt wurden. Etwa 20 Ukrainer wurden festgenommen. Aus dieser Totenfeier ergibt sich, daß die Beraubung des Geld- briesträgers Mittel für den ukrainischen Befretungstampf gegen die polnifche Herrschaft liesern sollt«; sie war der Versuch einer solchen„Expropriation�, wie sie gerode Joseph Pilsud- fki gegen den Zarismus praktiziert hat! polnischer(Seneralstabsoffizier ermordet. wie der.Expreß Poranny" aus Lemberg meldet, soll dort der polnische Generalstabsosfizier Kapitän M a j e w s k i ermordet ivorden sein. Er hatte mit einigen freunden ein Nachtlokal besucht. In später Stunde ging er aus dem Nebenzimmer in den leeren Saal. Als er nicht zurückkehrte, suchten ihn seine freunde und fanden ihn schließlich mit durchschossener Brust tot auf. Gefährlicher Wohnungsbrand. Mehrere Ziauchvergistongen. Durch einen gefährlichen Wohnungsbrand, wurden heute früh die Mieter des Hauses Marienburger Straße 19 in helle Aufregung oersetzt. Im dritten Stockwerk des linken Seiten- flügels bewohnt die 78jährige Witwe Pauline N. mit ihrem 45sährigcn Sohn ein« aus Stube und Kammer bestehende Wohnung. Die Greisin, die sehr kränklich ist. schlief in der Stube, der Sohn hatte seine Schlafstötte in der Kammer. Morgens gegen Uhr wurde der Mann durch starken Brandgeruch aus dem Schlaf ge- schreckt. Als er. nichts Gutes ahnend, ist das Zimmer der Mutter eindringen wollte, fand er es völlig verqualmt vor, ein Teil des Mobiliars brannte bereits lichterloh. Trotz der Gefahr gelang es N., seine greise Mutter, die infolge der Raucheinwirkung schon das Bewußtsein verloren hatte, ins Freie zu bringen. Inzwischen war das Feuer auch von Hausbewohnern bemerkt worden, die sofort die Feuerwehr alarmierten. Beim Eintreffen der Löschzüge war das ganze Treppenhaus verqualmt. In der über dem Brandherd ge- legenen Wohnung, die ebenfalls von einer alten Frau und einem Untermieter bewohnt wird, waren die Rauchgase eingedrungen und hotten beide Leute betäubt. Mit Sauerstoffapparaten ausgerüstet, drangen die Feuerwehrbcomten in die Wohming ein und brachten die in höchster Lebensgefahr Schwebenden in Sicherheit. Die Stube, in der das Feuer zum Ausbruch gekommen war, brannte aus. Die Entstehungsursache konnte nockz nicht einwandfrei geklärt werden. Frau N. mußte mit schwerer Rauchver- giftung ins Krankenhaus am Friednchshoin gebracht werden.
Das verdorbene Geschäft. Eine verhinderte Pensionierung. Aus dem Brandenburger Provinziallandtag gab es dieser Tage sehr lange Gesichter. Der deutschnationale Landesdirektor von Winterfeld-Menkin hatte überraschend den Antrag gestellt. ihn vorzeitig zu pensionieren. Aus Gesundheitsrücksichten natür- lich. Die Rechtsparteien.waren,. wie erwartet, bereit, dem Rück- trittsgesuch zu entsprechen. Und da sie, alles zusammengerechnet. auch eine kleine Mehrheit haben, sahen sie das Geschäft schon als gelungen. Nach der Pensionierung Winterfelds wollten sie dann wieder einen zuverlässigen Rechtsmann wählen und so den im Herbst neuzuwählcndcn Provinziallandtag vor vollendete Tatsachen stellen. Dos ist ihnen mißglückt. Sozialdemokraten, Kommunisten, Demokraten stimmten geschlossen gegen die Rücktrittsgenehmigung: ihnen schloffen sich zwei. Wirtschaftsparteiler an und außerdem gab auch der zur sogenannten„bürgerlichen Fraktion" gehörige Ober- bürgermeister Kinne aus Frankfurt (Oder) seine Stimme gegen die vorzeitige Pensionierung ab. Darüber sind jetzt besonders die Volksparteiler aus dem Häuschen. In ihrer„Nationalliberalen Korrespondenz" jetem sie besonders gegen die Wirtschaftsparteiler. die nicht den junkerlichen Fallenstellern ins Garn gingen, und gegen besagten Oberbürgermeister aus Frankfurt . Dieser ist wegen seiner Abstimmung sofort aus der Rechtsfraktion ausge- schlössen worden. Die„Nationalliberale Korrespondenz" unter- stellt ihm, daß er seine Stimme nur mit Rücksicht auf seine Be- Werbung nach Westdeutschland abgegeben habe. Alles, was sonst nach volksparteilichen„Grundsätzen" schmeckt. wird hier schonungslos beiseite geschoben: das„Persönlichkeitsrecht" des Abgeordneten— gibt? nicht! Die„Sparsamkeit"— gibts nicht. Die vorzeitige Pensionierung muß ausgesprochen werden, wenn der Aemterschacher des Rechtsblocks sie fordert. Wer das zu verhindern wagt, den trifft der Zorn der Gewaltigen, auch wenn er Oberbürgermeister ist und von dem sonst so gepriesenen liberalen Persönkichkeitsrecht Gebrauch macht! Tarifkonftiki im Einzelhandel. Llnternebmer wollen unbezahlte Lleberstunden verewigen. Der Manteltarif im Einzelhandel ist in seinen wesentlichsten Bestimmungen seit 1928 bei allen Neuabschlüssen immer ungünstiger gestaltet worden. In der gestrigen Verhandlung erklärten die Ar- beitgeber, daß nicht nur alle Forderungen der Angestellten abgelehnt �werden, sondern nach ihren Vorschlägen ein weiterer Abbau der VTarifrechte erfolgen müsse. So verlangten sie die Herausnahme de? »Gruppen 3 und 4 aus dem Tarifvertrag überhaupt, den Wegfall fles Zuschlages für Aushilfskräfte, Verminderung des ohnehin dürf- 'igen Urlaubs, insbesondere bei den Jugendlichen. Nebenher wollten sie unter anderem festlegen, daß ein nicht rechtzeitig vorgebrachter Einspruch als Verzicht auf rechtmäßiges Tarifgehalt auch für die Zukunft gelten soll. Trotz der ablehnenden Haltung der Arbeitgeber, welche am liebsten ohne Verhandlungen die Schlichtungsinstanzen angerufen Izätten, bestanden die Angestelltenvertreter auf direkter Verhandlung. Di« Arbeitgeber blieben dckbei, für alle Zukunft unbezahlte lleberstunden von ihren Angestellten fordern zu können. Da es unter den mehr als 100 Angestelltentarifverträgen kaum einen gibt, welcher derartige Bestimmungen enthält, enthüllte die gestrige Verhandlung so recht den Gegensatz zwischen der iozialen Theorie der Einzelhandelsunternehmer und ihrem durchaus reaktionären Verhalten in der Praxis. Die EinzelhaNdelsongestelllen sind nicht gewillt, weiterhin un- 'ezahldc Mehrarbeit zu leisten. Die Verhandlungen fcheiterten: die Mitglieder des ZdA. nehmen heuteabendin den„Musiker- 'ölen" zu der Situation Stellung.
Dr. Strefemann ist Montag abend von Genf nach S a n R« m o abZereist. Bor der Abreise hotte er eine Unterredung mit Reichs- arbeitsminister Wif�ell.
E. W. London , im März. Es ist unmöglich, den vierten und abschließenden Band von Churchills Geschichte des Krieges zu öffnen und in den beinahe 500 Seiten zu blättern, ohne etwas von jener Leiden- s ch a f t und jener Intensität zu spüren, die Winston Churchill unter allen lebenden Staatsmännern auszeichnet. Diesem Mann kann man die Bewunderung für seine schriftstellerische Leistung und, bei allen Meinungsverschiedenheiten, für seine ritterliche Hol- tung nicht versagen. Churchills fünf Bände sind das einzig- artige Dokument eines Mannes, der an den Ereignissen selbst entscheidend teilgenommen hat und diese Fähigkeit des Handelns mit einer schriftstellerischen Fähigkeit verbindet, die ihn ohne Titel, politische Familientradition und Geld zu einem der ersten Journa- listen der Welt gemocht hätte. Vielleicht ist Churchills Intensität in diesem Bande nicht mehr so groß wie in den drei vorhergegangenen. Der Krieg ist zu Ende und Churchills strategssche Leidenschaft kann sich hier nicht mehr, wie in den früheren Memoirenbänden, am Militärischen wider- sprucherregertd und aufreizend entfalten. Aber es bleibt genug, um zehn andere Memoirenbände zu füllen. Wozu für uns noch hinzu- tritt, daß die in diesem Band geschilderte Periode der Geschichte, die vier dem Kriege folgenden Jahre, unmittelbareres Interesse bean- sprucht als die Kämpf« hinter den Kulissen der Alliierten während des Krieges. Der neue Band,„Nachlese" betitelt, enthält eine Reihe von Jnformatton�n, die bisher niemals der Oeffentlichkeit bekannt ge- worden sind. Es ist,„an alle, die da hassen" gerichtet, ein unge- wohnlich pathetischer Zug im Bilde dieses Zynikers. Der Band be- ginnt mit einer Schilderung der Situation, in der sich die alliier- t«n Staatsleute am 11. O�ooember 1918 befanden. Churchills eigene Schilderung jenes schicksalsschweren Tages ist charakteristisch: „A m W a f f e» st i l l st a n d s t a g e aß ich mit dem Minister- Präsidenten in Downing Street zu Abend. Wir waren allein in dein Zimmer, an dessen Wanden die Porträts von Pitt und Fox, von Nelson und Wellington und— paradoxerweisc— auch das Porträt Washingtons auf uns herabblickte. Einer der bewundernswertesten Züge in Lloyd Georges Charakterbild war sein völliger Mangel an pompösem Gehaben oder überlegenem Getue auf der Höhe seiner Macht. Er war stets einsach und natürlich.... Die Größe und der absolut entscheidende Charakter des Sieges versetzte ihn in eine gedämpfte Stimmung, in der er die Lage leidenschaftslos betrachten konnte. Er hatte nicht das Gesühl. daß sein Werk getan sei. Im Gegenteil: er war sich voll bewußt, daß eine neue Phase mit noch größeren Anforderungen bevorstand. Meine eigene Stimmung war zwischen Sorge um die Zukunft und dem Wunsche, dem gefallenen Feinde zu helfen, geteilt. Unser Gespräch kam auf die großen Eigen schalten des deutschen Volkes, auf den unge- heuren Kampf, den es gegen Dreiviertel der Welt geführt, auf die Unmöglichkeit des Wiederaufbaues Europos ohne seine Hilfe. Air glaubten damals, daß es wirklich hungerte und daß die deut- schen Stämme unter dem doppellen Druck von Niederlage und Hunger mis ihrer Rcoalution in einen schauerlichen Abgrund ge- raten könnten, der Rußland bereits verschlungen hatte. Ich schlug vor, sofort ein Dutzend großer Schisse mit Lebensmitteln nach Hamburg zu schicken. Wiewohl die Bedingungen des Wasfenstillstands die Blockade bis zur Unterzeichnung des Friedensvertrags ausdehnten, hatte» die Alliierten doch das Versprechen abgegeben, das Notwendige zu liefern. Der Minifterpräsideni erwog das Projekt gewogenen Sinnes. Von außen tönten leise die Gesänge und Rufe der feiern- den Menge, wie ferner Wellenschlag von der Küste." Aber bald sollten, wie Churchill feststellt,„andersartige Empfindungen vorherrschen", und die allierten. Stoatsleute, die am Abend des Sieges nicht ohne Größe dem gefallenen Feinde Bewunderung ge, zollt hatten, sollten eine Beut« des Psychose werden, die die N o r t h c l i f f e s in ihren Millionenblättern wach-
hielten. So wurde aus Furcht vor dem entsesfclien Mob die Blockade nicht aufgehoben, sondern noch o e r st ä r k t. Churchill versucht nicht die britische Verantwortlichkeit für dies« Episode der britischen Geschichte abzuwälzen, die eine Londoner Zeitschrift als ,ck>ie stupideste, brutalst« und am wenigsten zu entschuldigend« Tat", bezeichnet,.deren sich irgendeine der krieg- führenden Nationen vom Tage des deutschen Einmarsches in Bel- gien" schuldig gemacht Hot. Churchills Bericht bestätigt im diesem Zusammenhang zum ersten Male in authentischer Weise ein Ge- rücht, das sich damals herumgesprochen hatte, ohne daß es freilich jemals von amtlicher Seite beglaubigt worden wäre, nämlich, daß die Blockade schließlich aus Initiative der bri- tischen Rheinarme« ausgehoben wurde. In seinem letzten zusammenfassenden Kapitel„Das Ende der Weltkrise", in welchem Churchill viele seiner anfechtbaren Behauptungen aus den früheren Bänden wiederholt, dem Leser seine Thesen über den Weltkrieg nochmals»ntgegenschteudert, kommt Churchill schließlich zu der Feststellung, daß die Zeil der Kriege vorüber sei: „Die Diskrepanz zwischen den Zwisligkeiten der Nationen und den Leiden, die ein Krieg verursacht, der aus diesen Streitfällen entsteht, die armseligen S-i e g e s p r e i se, die die Opfer der Schlachtfelder belohnen, die vergänglichen Triumphe des Krieges. der lange, langwierige Wiederaufbau, die furcht- baren Gefahren tapfer ertragen: der Tod um Haaresbreite ver- mieden, durch die Lage eines Geldstückes, in der Tasche, durch den Zufall eines Zufalls abgewendet,— all dies macht die Per h i n d c- rung eines neuen Krieges zur hauptsächlichen Ausgabe der Menschheit. Der Krieg ist nunmehr seines Glanzes und Schimmerg beraubt." So nimmt Churchill , dieser Fanatiker deq Krieges, dem es im Blut brannte, wenn irgendwo die Völker aufeinanderprallten, der sich im Alter von vierundzwanzig Jahren rühmen konnte, aus drei Kontinenten gefochten zu haben, vom Kriegsgotte Abschied. Mars hat seinen letzten großen Anbeter verloren. „Der Vertrag von Locarno", stellt Churchill ab- schließend fest,„kann als das e u r o p ä i s ch e Gegen st ijck z n in Vertrag von Washington zwischen der USA. , Groß- britannien und Japan betrachtet werden, der im Jahre 1921 den Frieden im Stillen Ozean herstellte und sichert«. Diese beiden er- habenen Instrumente sind eine Sicherung der Zivilisation. Sie sind die Zwillingspyramiden de» Friedens auf beiden Seiten des Atlantik, fest und unerschütterlich..., sie sor- men die granitenen Pfeiler, aus die sich die größer« Vision des D ö l- terbundes und der Idealismus des K« l l o g g- P a k t e s. di« geräumigeren und einheitlicheren Konstruktionen der Zukunft auf- bauen kann. Noch ist die Aufgabe nicht vollendet. Es wird der Anstrengung vieler, langer Jahre bedürser». Die Kriegsgefahr ist vom Erdboden noch nicht verschwunden. Atte Gegensätze schlummern, und der Trom- melschlag neuer Gegensätze beginnt dumpf zu dröhnen. Die A e n g st c Frankreichs, die Bitterkeit in Deutschland ist nur zum Teil behoben Ueber den unendlichen Ebenen des östlichen und �.entraleuropas mit seinen zahlreichen neuen, ausgesprochen nationa- listischen Staaten breiten enttäuscht die Schotten Peters und Friedrichs des Großen-, schweben die Erinnerungen au iy« Kriege, die sie gc- führt haben. Rußland, ausgestoßen aus eigenem. Antrieb, schärft (eine Bajonette in feinem orklifchen Zwielicht und verkündet mit ver- dorrter Zunge, eintönig seine Philosophie des Haffes und des Todes. Aber seit Locarno ruht Hoffnung aus einem festeren Piedestal. Die Zeit des Schauervs vor den Schrecken des Krieges wird lange andauern: und in diesem geseg- neten Intervalle können die großen Nationen ihren Schritt vorwärts zur Weltorganisation in der Ueberzeugung tun, daß die Schwierigkeiten, die sie noch zu meistern haben, nicht großer sein werden, als diejenigen, die sie bereits überwunden haben." Soweit Churchill . Die Freunde des Friedens in Europa aber werden sich fragen dürfen, ob nicht tatsächlich die Bahn zur Verwirk- lichung ihres Traumes freizuwerden beginnt, wenn selbst ein Churchill das Hohelied der Völkergemeinschaft singt.
Oer Mörder seiner Großmutter. Ein Totschlagsprozeß vor dem Schwurgericht III.
Unter der Anklage des Totschlages und schweren Diebstahl» steht heute der 2vjährige Elektromonteur Werner Gebhardt vor dem Schwurgericht III. Der Angeklagte Hot am 27. Oktober 1928 seine Großmutter, die Stjährige Auguste Gebhardt erschlagen, da sie ihm kein Geld gegeben hatte. Noch der Tot brach er die Kommode ans und nahm 20 0 IN a r k aus der Schublade, die er am selben Tage in Tanzdielen und Kaffeehäusern mit INädchen ausgab. Die Großmutter soll schon früher einmal geäußert haben, daß sie A n g st vor ihrem Enkel hätte. Sein Blick wäre immer so merkwürdig starr. Zu einem befreundeten Filmschauspieler soll der Angeklagte geäußert haben, daß er Gewatt brauchen würde, wenn er nicht freiwillig Geld bekäme. Bei Eintritt in die Verhandlung. die von Laridgerichtsdirektor Friedmann geleitet wurde. ermahnte dieser den Angeklagten zur Wahrheit. Gebhardt hat vor einigen Tagen dem Gericht eine völlig andere Darstellung seiner Tat eingereicht, ats er vor dem Untersuchungsrichter zugegeben hatte. Weinend erzählte er bei der Vernehmung die L e i d e n s g ej ch i-h t e seiner Jugend. Von beiden Eltern hätte er viel Schläge und wenig Essen bekommen. Auch seiner Schwester wäre es so schlecht ergangen, die hätte es schließlich nicht mehr ausgehalten und sich vergiftet. Im Jahr« 1923 liehen sich seine Eltern scheiden, und er kam nach auswärts zur Lehre in ein Inftallations- geschäst. Als er im Jahr« 1927 wieder nach Berlin kam, harte sein Bater eine zweite Frau geheiratet, die dem Jungen olles Geld ab- nahm und mit der er sich, ebenso wie mit dem Boter. sehr schlecht vertrug. Er ließ sich daher zu Hause nicht sehen und lebte von Gelegenheitsarbeiten. Er war sehr leichtsinnig und gab all sein Getd für Vergnügungen und Mädchen aus. Im Ottober wußte er sich keinen Rat mehr. Er halte lange keine Arbe't mehr gehabt und wohnte im Christlichen Hospiz, wo er seine Rechnung bezahlen sollte und nicht konnte. All seine Sachen hatte er schon versetzt. Da fiel ihm die Großmutter ein, die ihm beim Selbstmord seiner Schwester gesagt hätte, sie würde ihm jederzeit beistehen Tatsächlick, hat sie ihm auch öfter Geldbeträge, im ganzen etwa 100 Mark, gegeben. An jenem Morgen, erzählte der Angellagie schluchzend, habe ihn die Großmutter ganz anders empfangen. Sie bot ihm weder einen Kuß noch Kaffee an, und alz er sie um Geld bat, sagte sie barsch, daß sie kein» hätte und daß sein Vater ihr auch verboten hätte, den Enkel irgendwie zu unterstützen. Darauf zog sich der Angeklagte an und fragte noch beim Fort- gehen, ob er nicht wenigstens«in paar Tage bei ihr wohnen könne.
Darauf soll die Großmutter erklärt haben:„Du wirst schon bald so enden wie Deine Schwester. Mein Enkel bist Du ja nicht, Du bist ja nur ein K u ck u ck s e i. Meinetwegen kannst Du auf der Straße verrecken!" Darauf ergriff Gebhordt eine Fußbank und schlug auf die alte Frau los. Was er dann weiter tat, chll er heute nicht mehr wissen, unr, daß er das Geld aus der Kommode nahm, seinen Tanzanzug aus der Pfandleihe holt» und sich den Tag über in Dielen herumtrieb. Vors.: Früher sagten Sie nicht, daß Sie durch die 4leuße- rung Ihrer Großmutter, wie„Kuckucksei" gereizt wurden. Es liegt der Verdacht sehr nahe, daß sie in der Anklageschrift gelesen haben, daß Ihr Vater an seiner Vaterschaft an Ihnen zweifett. Dadurch sind Sie wahrscheinlich da.zu gekommen, den Sachverhalt heute so zu schildern. Früher gaben Sie auch genau an. wie Ihnen das Röcheln der alten Frau, di« Sie niedergeschlagen hatten, auf di« Nerven ging, so daß sie ihr noch einen Kinnhaken versetzten und ihr dann«in Taschentuch um den Hals zuzogen. Angetl.: Diese»Einzelheiten weiß ich heute nicht mehr. Den Ausdruck„Kuckuckeei" wollte ich nicht wiederholen, um meine» Vater nicht bloßzustellen. Als erster Zeug« wurde der Vater des Angeklagten auf- gerufen, der trank und nervös sein soll. Er verweigert« aber trotz des Einwurfs des Gerichts und der Verteidigung, daß seine Au»- lagen für den Sohn nur günstig sein könnten, ein Zeugnis abzu- legen. Dann betrat die Mutter schluchzend den Saal und er- klärte auf die Vorhaltungen des Vorsitzenden, daß sie jederzeit be- schwören könne, daß Werner der Sohn ihre» früheren Manne? fei. Nach dem Gutachlei, des Medizinalrot» Dr. Störmer ist der Tod der allen Frau durch Erdrosseln erfolgt.
Gegen die Landbundhetze. » Warnung vor Aufforderung zum Steuer streik. Kiel . 12. März. Oos Londesiinanzamt veröffentlichte«ine Erklärung, in der es auf die Gesetzwidrigkeit hinweist, die in der von den fo- genannten Landvolkskundgebungen beschlossenen Art der Zurück- sendung der Steuerbescheide liegt. Das Landessinaiiv amt macht auf die ernsten Folgen ausmerlsam. die eine Aos- sorderung, der Steuerpflicht nicht zu genügen, nach sich zieht.