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BERLIN Dienstag

2. April 1929

Der Abend

Erfáeinttäglich außer Sonntags. Sugleich Abendausgabe des Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 M. pro Monat. Redaktion und Expedition; Berlin SW68, Lindenstr. 3

Spätausgabe des Vorwärts"

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Nr. 153

B 76 46. Jahrgang.

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Entscheidungsschlacht in Mexiko

Schwerartillerie und Luftbomben am Ostermontag.

Merito.Stadt, 2. April. ( Eigenbericht.)

In der Nähe des Hauptquartiers der rebellierenden Generale bei Jimenenz im Chihuahuastaat stießen die Regierungstruppen in der Nacht zum Montag auf die Hauptkräfte der Rebellen. Die Entscheidungsschlacht begann mit schwerstem Artillericfeuer gegen die Be­festigungen der Rebellen und Luftbombardement gegen ihre Stellungen. Die Bundestruppen rücken ständig vor. In den Straßen von Jimenez sollen schwere Kämpfe toben. Kriegsminister Calles berichtet, dass die rebel lierenden Generäle mehrere Flugzeuge zur Flucht bereitgestellt haben. Der von ihnen angeordnete Rück­zug auf Lacruz ist durch die Bundestruppen ab. geschnitten worden.

Eine spätere Meldung besagt, daß die Kämpfe bei Jimenez bisher unentschieden sind und die Bun destruppennur langsam Fortschritte machen. In den späten Abendstunden hat die Kampftätigkeit nach­gelassen. Man rechnet mit neuen Kämpfen am Dienstag­vormittag.

Die Siegesnachricht der Aufständischen. London , 2. April. Das Hauptquartier der merikanischen Aufständischen behauptet, daß die Armee der Aufständischen die Streitkräfte Generals Calles ' in der Nähe von Eskalon nach zehnstündigem Kampf vollstän= dig geschlagen habe. 400 Mann Regierungstruppen sollen getötet und 1500 Mann gefangen sein, darunter auch zwei Gene= rale. An den Operationen waren 15 Flugzeuge beteiligt.

Das Land lebender Skelette. Maffensterben in Belgisch- Afrifa.- Bolfstatastrophe in Ruanda .

Londoner Blättermeldungen aus Nairobi zufolge hat der britische Missionar Dr. Church einen ,, Appell zur Linderung der grauenhaften Zustände im belgischen Mandatsgebiet Ruanda " veröffentlicht, das er ein Land lebendiger Skelette" nennt. Er berichtet, dah tausende Eingeborene auf den mit Leichen besäten Wegen durch ein Land, das von Fieber und Löwen heimgesucht wird, nach Ilganda strömen. Frauen und Kinder brechen erschöpft zusammen und fallen den Hyänen zum Opfer. Die belgische Regierung habe den Transportdienst verstärkt und gebe viele tausend Pfund für die Lebensmittelverteilung aus; allerdings kämen diese Hilfsmaßnahmen zu spät.

Glaubenskampf an Indiens Grenze.

Britisches Einschreiten in Sicht.

Peshawar , 2. April.

An der Nordwestgrenze von Britisch- Indien im Gebiet von Tira find Kämpfe zwischen Schiiten und Sunniten ausgebrochen. Die britischen Streitkräfte in Kohat werden für den Fall von Grenzüber schreitungen durch die Kämpfenden in Bereit. schaft gehalten.

Im Zusammenhang mit dem Vormarsch Amanullahs auf Kabul und unter Beachtung der britischen Behauptungen, daß Sowjet­rußland Amamillah stüße und ausrüste, verdienen diese neuen Wirren an der britischen Nordwestgrenze Indiens besondere Auf. mertfamteit. Nach wie vor treffen in Iran , auf dem Ramierpiateau und im Hindutusch die Interessen Großbritanniens und Rußlands feindlich aufeinander.

Liebesfragödie im Café Max Hölz als Erzieher

Berichte 2. Seite

Wettersturz in London .

Sonnabend 20 Grad Wärme, heute 3-4 Grad.

Condon hat den Beginn der Osterferien bei einer jommerlichen Hitze von 20 Grad Celsius im Schatten, also einer guten Juli­und Augufthize feiern können. Aber eben nur den Beginn, denn bereits für den Sonntag wurde ein Umschlag des Wetters angekündigt, der ein Reford, und man fürchtet, daß die Unglücksfälle auch Reford­sich auch prompt vollzog. Die Völkerwanderung aus London war ziffern erreichen werden. Bisher halten sie sich zwar noch auf dem Durchschnitt, aber der erste und der zweite Tag der Osterferien zeichneten sich bereits durch verschiedene Unfälle aus, die nicht mit dem gewöhnlichen Berkehr im Zusammenhang stehen. Gestern stürzte in der Grafschaft Durham eine Hängebrüde ein. Bon ffürzte in der Grafschaft Durham eine Hängebrüde ein. Bon den dabei abgestürzten Personen mußten dreißig im Hospital ver­bleiben. Jn Condon ftürzte in einem ärmeren Bierfel ein Haus ein und begrub drei Personen unter den Trümmern. Sie fonnten, da Polizei und Feuerwehr fofort zur Stelle waren, noch lebend unter den Trümmern hervorgezogen Das Haus geriet infolge einer Gasexplosion nachher in Brand und die ganze Straße mußte geräumt werden.

werden.

Als dann der angekündigte Wettersturz tatsächlich eintrat, fant die Quecksilbersäule ganz rapide auf drei bis 4 Grad. Es herrschte

Der Prinz von Wales

Das ist fein Mastenkostüm, sondern die Galauniform des zukünftigen Königs von England, so wie er sie bei der Be­erdigung des Marschalls Foch den Parisern vorführte.

faltes und unfreundliches Wetter, das Regen- und Graupelschauer mit sich brachte. In Nordschottland waren bei ein Grad Wärme fogar erhebliche Schneefälle zu verzeichnen. Ganz England ist unter den Einfluß des Schlechtwettergebietes geraten fchr niedrig. und die Temperaturen find infolge eines Kaltlufteinbruches überall

Der Kälterüdfall hat sich auch in Deutschland empfindlich bemerkbar gemacht. In Ost pommern und Ostpreußen herrschten in der vergangenen Nacht 6 Grad Kälte. Noch heute um 10 Uhr vormittags wurden stellenweise Temperaturen von 3 Grad Kälte festgestellt. Geradezu furios sind die Wetterverhältnisse in Süddeutschland sowie im Riesen- und Erzgebirge . In München setzte in der vergangenen Nacht Schneefall bei ein Grad Wärme ein. Um 8 Uhr früh betrug die Höhe der Schneedecke ein Zentimeter. Bamberg und Umgebung hatte heftiges Schnee­treiben, das den ganzen Bormittag währte. Alles ist, wie im tiefsten Winter, in eine starke Schneedecke eingehüllt. Auch im Erz und Riesengebirge hat man es sich wahrscheinlich nicht träumen lassen, daß der Winter noch einmal mit solcher Heftig feit seinen Einzug halten würde. Die Neuschneedecke hat überall schon eine beträchtliche Höhe erreicht.

Die Wetteraussichten für die nächsten Tage fingen wenig vertrauenerweckend. Es wird weiter sehr fühl bleiben, bei starken nördlichen Winden.

Winter im Schwarzwald .

Ein empfindlicher Temperatursturz ist in der Ostermontagnacht eingetreten. In allen Höhenlagen des Schwarzwaldes ift Neu­schnee gefallen. Auf dem Feldberg, auf dem das Thermo­meter gestern abend noch etwa 0 Grad zeigte, sank das Quecksilber über Nacht bis auf 6,9 Grad unter Null. Auch in der Ebene stieg die Temperatur nur wenig über den Nullpunkt, und der Neuschnee liegt bis in die Täler hinab.

Churchills Wahlbudget.

Großer Ueberschuß in England.

London , 2. April. ( Eigenbericht.)

Zum ersten Male ist es dem Schazkanzler Churchill gelungen, einen namhaften Budgetüberschuß zu erzielen, und zwar nicht weniger als 18 Millionen Pfund, also vier Millionen mehr, als der vorjährige Budget- Boranschlag umfaßte. So günstig dies auf den ersten Blick aussehen mag, so darf doch nicht übersehen werden, daß Churchill den Tilgungsfonds der nationalen Schulden um 8 Millionen gekürzt hat und daß im vergangenen Jahr eine unverhältnismäßig große Anzahl reicher Leute gestorben ist; der Ueber­schuß an Erbschaftssteuern über den Voranschlag beträgt 8% Millionen. So kommt es, daß die Oppositionspresse nur von einem scheinbaren Ueberschuß spricht, während die konservativen Blätter natürlich nicht verfehlen, mit Churchills Rechenkünften Wahl­propaganda zu treiben. Die sozialistische Bresse betont, die guten Einnahmen der Post seien ein Beweis, daß auch Staats­betriebe rentabel arbeiten könnten.

Gandhi pro forma verurteilt.

Aber nicht zum Märtyrer gemacht.

Der Nationalistenführer Gandhi wurde wegen einer natio­nalistischen Kundgebung am 4. März, bei der ausländische Erzeug­nisse verbrannt wurden, zu einer Geldstrafe von 1 Rupie( 1,52 M.) verurteilt, ebenso vier andere Angeklagte. Die Polizei hatte das Feuer gelöscht. Im Zusammenhang mit der darauf erfolgten Ver= haftung Gandhis waren Unruhen ausgebrochen. Gandhi war ver­haftet, aber gegen Sicherheitsleistung freigelassen worden.

Ein Jahr Gefängnis für einen 3Zeitungsartikel.

Der verantwortliche Redakteur der Bombayer Zeitung ,, Nawatal". ist wegen Aufwiegelung zu einem Jahr Gefäng nis und 2000 Rupien Geldstrafe verurteilt worden. Die Zeitung hatte während der Unruhen in Bombay behauptet, die Regierung habe die Tumulte selbst hervorgerufen, um die Annahme des zurzeit im Gefeßgebenden Rat zur Verhandlung stehenden Ge­seges über die öffentliche Sicherheit zu erreichen.