7tr. 2i4' 46. 3cfwma"1,<X�D � v-nnerst-g. 9. M-1 1929
Wohin in der
typisches Stild von der nordmärkischen Seenplatte
Werder natürlich immer und immer wieder als erstes Ziel. Das ist ja auch ganz selbstoerständllch, denn Werder ist und bleibt einzigartig. Must es walst sein, wenn selbst aus Brandenburg und sogar aus Magdeburg die Leute herbeikommen, um da» Blütenwunder von Werder zu schauen. Schade nur, daß noch viel zu viel Betrieb mit obligatem Alkohol dabei ist. Darum sollte man, wenn irgend möglich, einmal wochentags vormittags raus- fahren: dann ist es da draußen kirchenstill. Bitter Unrecht aber würde man den„Umliegern" tun, wenn man sie um Werder » willen gering schätzen oder wohl gar nicht beachten wollte. Da stößt un- mittelbar an Werder die Gemeinde Glindow . Einst lebten ihre Einwohner von Landwirtschaft und den Ziegelbetrieben. Heute ist ringsumher olles Obstland, also jetzt Blütenland. Bon dem Gipfel der„Glindower Alpen" hat man«inen interessanten Fern- blick. An Glindow schließt sich in der Richtung Brandenburg die Gemarkung Plötzin. Auch hier Blütengarten an Blüten- garten. Prachtvoll ist sodann ein Spaziergang von Station Wildpark durch den Park aus dem Südtor heraus durch dos Blütendorf Geltow. Leider hier ein Engpaß, durch den der ganz« Berliner Autoverkehr sich pressen muß. Weder für Autler noch für Radfahrer noch für Wanderer angenehm. Geht man rechts durch Geltow durch nach Norden, so kommt man aus prächtiger Haoelchaussee zum Fähr- hau», von dem man sich nach Stadt Werder übersetzen läßt und nun von dort in die Berge geht. Oder man schwenkt von Geltow südlich an Baumgartenbrück vorbei wieder aus prächtiger Seeufer. chaussee nach Kaputh , das ganz und gar in Duft und Blüten liegt. Bvm Krähenberg ein ohne Uebertreibung überwälti- gender Anblick, besonders abends, wenn die Schatten lang werden. Wer von Potsdam mit dem Postauto noch Kaputh fährt, soll am Anfang de» Dorfes aussteigen, den nicht allzu hohen Bergwald ersteigen und nun den prächtigen Bergweg rings um K a p u t h beschreite». Berlins Umgebung weist aber noch ganz andere schöne Blüten- gebiet», auf. Da ist man seit einiger Zeit aufmerksam geworden aus di« Blütengärten der Siedler bei Blankenburg (Strecke nach Bernau ). Dort entfaltet sich an den Nachmittagen des Sonn- und Festtage«in behagliches Leben unter blühenden Bäumen. Wunderschön, seltsam und eigenartig ist e« immer wieder in der fetzt schon 55 Jahre bestehenden bodenreformerischen genosienschast- lichen Obstbaukoloni« Eden bei Oranienburg an der Ehausse« nach Kremmen . Eden Hot im Norden Berlins Schule gemacht, und mancher Großstädter, der sich von der Stadt getrennt und hier in Cden Obstbauer geworden, Hot sich von der Genossen.' schast gelöst und ist eigene Wege gegangen. So haben sich frühere Edener Siedler in Gleschendorf bei Lübeck heimisch gemacht. Andere sind nach Grans«« in der Mark gegangen, wohin kürzlich auch die Fahrt de» Wochenendausschusses führte. Gransee legt geradezu Wert daraus, daß sein Obstbau bekannt wird. Eine Fahrt
dahin lohnt sich jetzt. Es ist erstaunlich, was hier zäher Fleiß der Obstbauer geschaffen Hot. Don Gransee aus westwärts ist«in prächtiges Wandern über bewaldetes Hügelland bis nach Lindow und weiter nach Rheinrberg. Weste Seenflächen breiten sich vor den Wanderer au» und der still fließende Rhin, ein Paradies für Paddler, lockt zu friedlichem Verweilen. Erheblich weiter als nach Gransee ist es bis G u b e n, aber auch noch schöner. Die Gubener Reiheberge werden zu weißen Bergen und die Lubstberge zu Bergen der Lust und der Lebensfreude, die sich hier im altniederlausitzischen Gebiet besonder« herzlich und offen gibt. Blütentage sind in Guben allgemeine Dolksseiertage. Man läßt hier leben, weil man selber zu leben versteht. Ein wunderbares Blütengebiet aber kennen di« Berliner über- Haupt noch nicht, weil es scheinbar zu weit liegt. Das sind die Obst» und Weinberg« der Lößnitz bei Dresden . Erb- beeren gedeihen in diesem gesegneten Strich besonders. Man er- wartet in der Loßnitz die volle Blüte am kommenden Sonntag, und wer mst bescheidenen Ausgaben sich am Himmelsahrtstog in der näheren Umgebung Berlins hält, der darf vielleicht zum Wochen» ende eine Fahrt in die Lößnitz mst an- und abschließendem Besuch in dem immer wieder einzigartigen Dresden wagen. Biel weiter als noch Guben ist es nämlich auch nicht. Wer ober das Glück hat, jetzt seine Ferienzeit antreten zu können, der möge beachten, daß die Ufer der mittleren
Weser mit ihren stillen Dörfern und Städtlein jetzt ein Stück jenes Deutschland sind, das wir so sehr lieben: Blüten, Sonne, Leben und frohe ivtenschen. Ob aber an der Weser, ob an der Hovel oder Neiße , jeder möge bedenken, daß die Blüte eine Versprechung und«ine große Hoffnung ist, di« man nicht stören und zerstören, sondern der man sich in stillem und dankbarem Genießen erfreuen soll.
Oos Programm der Berliner Festspiele steht jetzt Im großen und ganzen fest, so daß das Ausstellung-', Messe» und Fremdenverkehrsamt der Stadt Berlin den off!- ziellen Führer erscheinen lassen konnte. Oberbürgermeister Büß betont in seinem Geleitwort, daß die Festspiel« keine ober- flächliche Vergnügungsongelegenheit darstellen sollen, sondern als Demonstration unseres hohen künstlerischen Vermögens und unserer künstlerischen Mission gedacht sind. Der erste Teil des Buches enthält das Programm vom 19. Mai bis 23. Juni, an dem hauptsächlich die Opern beteiligt sind und dessen Höhepunkt das Ga st spiel der Malländer Scala bilden wird. Di« Staatlichen Schauspiele werden hauptsächlich Klassikerinszenierungen bringen, die Volksbühne beteiligt sich mit der Aufführung der Alt-Berliner Posse„Berlin , mie e» weint und lacht". Die bedeutendsten Komponisten und Dirigenten leiten Konzerte. Die großen. Künstleroereinigungen ver- anstalten Ausstellungen. Einen wesentlichen Teil des Programms nimmt der Sport ein. Außer den Ankündigungen der Veranstaltun- gen bringt das Buch Aufsätze über Musik und Theater. Auto- biographien der bekanntesten Musiker und Schauspielerskizzen. Abbildungen bekannter Künstler und hervorragende Stadtonsichten geben dem Band ein lebhaftes Aussehen.
Anmeldung von Tumulifthäden. Aus Anlaß der Maiunruhen gehen beim Magistrat Berlin zahlreiche Anträge auf Schadeuersa�ein. Da das Preußische lumollschädengeseh vom kl. Mär; 1 850 durch das Relchsgeseh über die durch innere Unruhen verursachten Schäden vom 12. Mai 1920 und die dazu ergangenen Nachträge außer Kraft geseht worden ist. so ist die Stadt Berlin für diese Schadenersahansprüche nicht mehr passiv legitimiert. Die Anträge sind, soweit es sich um S a ch s ch ä d e n handelt, an den Ausschuß Berlin zur Feststellung von Eni- schädigungen für Aufruhrschäden beim Polizei- Präsidium Berlin , Alexanderplatz , Zimmer 157, zu richten: soweit es sich um Personenschäden handelt an das Haupt- oersorgungsamt in Berlin-Schöneberg , General-Pape-Straße . Die beim Magistrat Berlin eingehenden Anträge werden unter Ab- gabcbescheid an diese Stellen weitergeleitet werden. Den Antragstellern wird aber im Interesse der Beschleunigung empfohlen, die Anträge sofort unmittelbar an die zuständigen Stellen zu leiten. Antrag st eller, die in Not geraten und einer sofor tigen Unterstützung bedürftig sind, wird anHeim gegeben, sich an die zuständigen Bezirkswohlfahrtsämter zu wenden.
Am Sthin
Dackstuhlbrand in Charlottenburg . Gestern nachmittag brach in einem Bodenverschlag des Hauses Schloß st raß« 22 in Chorlottenburg aus noch unbekannter Ursache um 15 Uhr Feuer au». Di« Flammen griffen schnell um sich und sprangen auf den D a ch st u h l über. Durch da» rechtzeitige Erscheinen der alarmierten Feuerwehr konnte der Brand bald ein- gedämmt werden. Die Aufräumungsarbeiten dauerten allein mehrere Swnden.— Ein sehr gefährlicher Fabrikbrond entstand gestern abend kurz nach 19 Uhr in dem im 5. Stockwerk gelegenen Papierlager der Kabelwerk« Dr. Casstrer, Kapplorstraße 1/10 in Eharlottenburg. Starke Qualmentwick- lung erschwerte die Löschaktion außerordentlich. Durch kräftiges Wassergeben aus mehreren Schlauchleittmgen gelang es, das Feuer einzukreisen und zu löschen. Es ist dies bereit» der dritte oder vierte Brand, von dem die Firma in kurzer Zeit betroffen wurde.
Sack Xondon:•
(Berediügt* ütberseizimg von t'rroin Magnus).
„Wo zum Teufel ist Gold Bottom?" fragte Curly Parfon. „Drüben auf der anderen Seit« von Bonanza— der frühere Rabbit Creek", fuhr der Sguawman fort.„Es ist der Lauf eines großen Flusses,. der in den Klondike fließt. Auf dem Weg« stieg ich hinauf, aber zurück ging ich über die Wasserscheide und hielt mich einige Meilen auf dem Kamme, bis ich nach Bonanza kam.„Komm mit. Carmack. und steck das Land ab." sagte Bob Hcndersckn ,zu mir.„Diesmal hak/ ich Gold gefunden in Bottom. Fünfundvicrztg Unzen Hab' ich schon herausgeholt." Und ich ging mit, und Skookum Jim und Cultue Charlie auch. Und wir haben alle am Gold Bottom Land abgesteckt. Ich kam über Bonanza zurück, um zu sehen, ob keine Elche zu finden waren. Ganz unten bei Bonanza machten wir halt und kochten ab. Ich lege mich schlafen, und was macht Skookum Jim? Fängt auf eigene Faust an, Gold zu graben. Er hatte es Henderson abgesehen, wißt ihr. Geht zum Fuß einer Birke, füllt die Pfanne mit Schlamm, und als er ihn ausgewaschen hat. hat er für«inen Dollar Goldkörner. Da weckte er mich, und ich machte mich auch an di« Arbeit. Beim ersten Versuch kriegte ich zweieinhalb. Da nannte ich den Bach„Bonanza". steckte den Boden ab, und wir kamen her, um ihn«inregistrieren zu lassen."., » Er blickte eifrig von einem zum andern, ob er Glauben finden würde, aber sein« Augen trafen nur ungläubige Ge- sichter— mit der einzigen Ausnahme von Daylight, der ihn während seiner Erzählung scharf beobachtet hatte. „Wieviel haben Harper und Ladue dir gegeben, damit du einen Massenzustrom machst?" fragte einer. „Sie wissen gar nichts davon," antwortete Carmack. Ich sag' euch ja. es ist die reine Wahrheit. Ich Hab' drei Unzen in einer Stund« ausgewaschen." „Und hier ist das Gold/ sagte Daylight.„Ich sag' euch.
Iungens, es ist noch nie solches Gold in eurer Pfanne ge- wefen. Seht euch die Farbe an." „Eine Kleinigkeit dunkler." sagt« Curly Parson. „Carmack hat wohl zufällig ein paar Sckberdollar im elben Beutel gehabt. Und wenn wirklich etwa» an der Sache st, warum kommt Bob chenderson dann nicht Hals über Kopf, um einregistrieren zu lassen?" „Er ist oben am Gold Bottom." erklärt« Carmack. „Wir machten den Fund auf dem Rückwege." Von neuem lohnte ihn schallendes Gelächter. „Wer von euch will sich mit mir zusammentun und morgen in einem Boot mit mir nach diesem Bonanza fahren?" fragt« Dayligth. Keiner wollte. „Wer will mir einen Gefallen tun und tausend Pfund Proviant gegen Vorausbezahlung für mich hinauffahren?" Curly Parson und«in anderer. Pat Monaham, erboten sich, und mit gewohnter Entschlossenheit bezahlte Daylight ihnen sofort ihren Lohn und ordnete alles bezüglich der Tin- kaufe an, obgleich er feinen Beutel dazu leeren mußte. Er wollte das Lokal verlassen, kehrt« aber an der Tür plötzlich um und trat wieder an den Schanktisch. „Noch eine Chance?" wurde er gefragt. „Allerdings," antwortet« er.„Mehl wird in diesem Winter am Klondike sicher steigen, so daß man jeden Preis dafür zahlen wird. Wollt ihr mit etwas Geld leihen? Augenblicklich drängte sich«in Dutzend der Männer, die sich geweigert hatten, ihn zu begleiten, um ihn und streckten ihm ihre Beutel hin. „Wieviel Mehl brauchen Sie?" fragte der Geschäfts- führer der Alaska Commerclal Company. „Ungefähr zwei Tonnen." Die ausgestreckten Beutel wurden nicht zurückgezogen, obgleich ihre Besitzer sich eines äußerst kränkenden Heiter- keitsausbruchs schuldig machten. „Was wollen Sie mit zwei Tonnen machen?" fragte der Geschäftsführer. „Mein Sohn," lautete Dayliahts Erwiderung.„Sie sind noch nicht lange genug im Lande, um alle feine Buchten zu kennen. Ich will eine Sauerkraut- and Haarwasserfabrik gründen." Er lieh sich Geld von allen Seiten und engagierte und bezahlte sechs weiter« Männer zum Transport de» Mehles . Wieder war fein Beutel leer, und er steckte bt» über die Ohren in Schulden.
Curly Parson legte mit einer verzweifelten Handbewe- ! gung den Kopf auf den Schanktisch. „Großer Gott," meinte er.„Was willst du bloß mit all dem Zeugs machen?" „Das ist so einfach wie das Abc und das Einmaleins, sag' ich euch!" Daylight hob«inen Finger und begann ab- zuzählen.„Chance Nummer eins: Ein großer Goldfund im Oberland. Chance Nummer zwei: Carmack hat ihn schon ge- macht. Chance Nummer drei: Es ist gar keine Chance, son- dern«ine sichere Sache. Wenn eins und zwei stimmen, dann muß das Mehl mächtig im Preise steigen. Wenn ich mich auf Nummer«ins und zwei«inlasse, muß ich auch Nummer drei, die sichere Sache, machen. Wenn ich recht habe, ist Mehl in diesem Winter nicht mit Gold aufzuwiegen. Ich sag' euch, Jungens, wenn ihr eine Chance spürt, dann sollt ihr sie ausnutzen, so gut ihr könnt. Wozu ist das Glück gut, wenn man'» nicht benutzt? Und wenn ihr euch mit so was abgebt, so müßt ihr'» auch gründlich, zum Donnerwetter. Ich bin seit Jahren im Lande und Hab oie ganze Zeit nur auf die richtige Chance gewartet. Und nun ist sie da. Schön, ich will sie ausnutzen, das ist alles. Gute Nacht, Iungens." » Dennoch glaubte man noch nicht recht an den großen Goldfund. Als Daylight mit seinem Mehlvorrat an der Mündung des Klondike eintraf, fand er die weite Ebene so öde und verlassen wie je. Unten am Flusse hatten der Häuptling Isaac und seine Indianer neben den Gerüsten. auf denen sie Lachse dörrten, ihr Lager aufgeschlagen. �Äuch mehrere von den alten Jungens hatten sich dort nieder- gelassen. Nachdem sie ihre Sommerarbeit am Ten Mile Creek beendet hatten, waren sie den Mikon hinuntergefahren, um sich nach Circle City zu begeben. In Sixty Mile hatten sie jedoch auf die Nachricht von dern� Funde halt gemacht, um sich die Sache näher anzusehen. Sie waren gerade zu ihrem Boot zurückgekehrt, als Daylight sein Mehl landete, und ihr Bericht lautete pessimistisch. „Verfluchte Clchweide," sagt« einer von ihnen, der lange Jim Harvey, und machte eine Pause, um in seine blecherne Teetasse zu blasen.„Gib dich nicht damit ab, Daylight. Es ist gemeiner Schwindel. Sie tun nur so. als ob sie was ge- funden hätten. Horper und Ladue stehen dahinter, und Cor- mack ist nur der Lockvogel. Wer hätte je gehört, daß man Gold findet auf einer Elchweid« zwischen Randbergen und einer Felsunterlage, die Gott weiß wie tief liegt." (Fortsetzung folgt.)