Beilage
Freitag, 17. Mai 1929
Schützt Natur und Tier!
Wir gehen einer Zeit neuer Naturbeachtung, Naturbetrachtung| in allen seinen Schattierungen zu! Er sollte sich nicht seiner Ber und Naturbewertung entgegen, die sich von der naturwissenschaft zweiflung überlassen, er sollte sich mit dem Zusehen und dem heimlichen Aufklärungs und Popularisierungszeit lichen Schimpfen nicht begnügen, er sollte sich dazu aufraffen, der wesentlich unterscheidet. Damals versuchte man weiten Kreisen die Aktivität des Vandalen die Aktivität des Naturfreundes Ergebnisse naturwissenschaftlicher Untersuchungen nahezubringen. entgegenzusehen. Keine Handgreiflichkeiten! Das würde nur den Von dem geheimniscollen Werden aller Dinge wurden die Schleier entgegengesetzten Erfolg haben. Auch kein grobklogiges Zurrede weggezogen. Tierfunde, Pflanzenkunde, Erdkunde traten uns plög stellen. Nein, was diesen von falschen Instinkten Mißleiteten gegen lich im neuen Gewand entgegen, wurden beachtenswert und fesselnd. über not tut, ist eine ruhige, aber bestimmte, eine in ihrer Energie Diese Art Naturbetrachtung war zerlegend und zerteilend und mußte fast bescheidene Haltung, die weiter nichts will als auftlären auf die Dauer dazu führen, die großen Zusammenhänge aller Dinge und Abhilfe schaffen, ohne im übrigen der Eigenwilligkeit außer acht zu lassen. und Selbstbestimmung seines Mitmenschen zunahe zu treten. Man wird manchen Hohn, manche Grobheit und manchen Aerger einwird manchen Hohn, manche Grobheit und manchen Aerger einsteden müssen auf diesem Wege eines Naturschüßlers, aber man wird auch manche Genugtuung erleben. Und das Gefühl, hier und da Abhilfe geschaffen zu haben, ist schon Lohn genug.
Der Krieg und die Nachkriegszeit bedeuteten einen Wendepunkt. Das deutsche Volt sah sich auf einem weit fleineren Raum als vorher zusammengedrängt und mußte versuchen, mit diesem Lebensspielraum auszukommen. Da wurden herrliche Wälder umgelegt, Moore und Luche, die bis dahin in tiefster, entlegener Üreinsamkeit geträumt hatten, wurden anbaufähig gemacht. Gigantische Flüge rissen das Urland auf, Mammutmaschinen durch wühlten die Eingeweide der Erde nach brauner Kohle, stille Berg täler mußten riesigen Stauseen weichen. Ganze Dörfer verfanten in ihren Fluten. Die Großstädte, ein Jahrzhnt lahmgelegt, reckten sich gewaltig nach allen Seiten, und auch hier mußte Wald um Wald weichen. Diese Naturvernichtung hat zu einem starken Anschwellen jener Bewegung geführt, die fich Natur- und Heimatschutz nennt. Nach dem Vorbild Amerikas ist man daran gegangen, unantastbare Naturreservate zu schaffen, in denen sich die Natur vollkommen überlassen bleibt und in denen sich Tier und Pflanze ganz nach Wunsch und Willen entwickeln dürfen, ohne durch Menschenhand gestört zu werden. Aber auch über die Reservate hinaus versucht diese Bewegung der Natur den notwendigen Schuß angedeihen zu lassen.
Man unterschätze den Wert einer derartigen Mitarbeit am Naturschutz nicht. Der einzelne wird vielleicht nicht einmal so sehr viel erreichen, wenngleich, auf Jahre hinaus gesehen, wahrscheinlich ganz Erfleckliches zusammenkommt, das aktive Eingreifen der Zahlreichen ist bestimmt imftande, eine allmähliche Besserung zu erzielen. Das ist es, worauf es ankommt!
Naturschutzgebiete
Der Gedanke, Naturschutzgebiete einzurichten, hat sich in allen dichtbesiedelten Gegenden der Welt als notwendig und heilsam erwiesen. In Preußen allein haben wir über 200 Gebiete, die dem Schuß und der Pflege des Staates unterstehen. Ihrer Art nach sind Schutz und der Pflege des Staates unterstehen. Ihrer Art nach find sie sehr verschieden. Es werden Felsenbilder, Ueberreste der Eiszeit, Dünenhäufungen und Denkmäler unserer Erdgeschichte geschützt. Damit sie erhalten bleiben, muß oftmals der Zutritt gesperrt werden. Sie sind für die Forschung reserviert. Gehört doch die gründ Ausbildung eines Mitarbeiterstabes von Forschern und die Forschung selbst, die sehr viel Zeit und Arbeit fostet, mit zum staatlichen Naturschutz.
Leider ist der Natur- und Heimatschuh noch nicht in dem Maße Boltsbewegung, wie er es zu sein verdiente. Gerade im Umkreis der Großstädte find Naturgefährdung und Naturliche Derunglimpfung noch immer Erscheinungen, mit denen gerechnet werden muß. Die Massaters an Blumen und Junggrün, die man jeden Sonntag beobachten kann, die Devise Allzujugendlicher und solcher, die es sein möchten„ Ich schnitt es gern in jede Rinde ein", der Inschriftenunfug vermeintlicher Wigbolde, die Unfitte vieler Siedlungsbewohner, den Wald als ihre natürliche. Müllabfuhr zu betrachten, das achtlose Fortwerfen von Papier und Flaschen nach beendetem Picknick, der Jahrmarktstrubel an den Brennpunkten des Ausflüglerverkehrs, das Randalieren und Banda lieren in den Wäldern, das alles sind Dinge, die nicht nur den Naturfreund aus diesen Schutzgebieten" vertreiben, sondern auch Natur und Tier aufs ernsteste beeinträchtigen.
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Nicht nur die Großstadtumgebung leidet unter derartigen Erfcheinungen. Wer in der Ferienzeit im Harz , im Riesen gebirge, in der Sächsischen Schweiz, um nur einige Punkte zu nennen, Erholung und Naturnähe sucht, wird oft genug ähnliche Erfahrungen machen. Und was jene Art von Sommerfrischlern nicht verdirbt, die Rummelplatz und Natur nicht voneinander zu trennen vermag, verdirbt jene Art von Geschäftstüchtigkeit, die Wasserfälle, Drachenfelsen und ähnliche Wunder der Natur als die geeignetsten Punkte für die lukrative Ausbeutung ihrer gastwirtlichen, photographischen oder fartenverfäuflerischen Talente ansieht.
Was ist da zu tun? Es wäre falsch, nach dem Bafel der Polizeigewalt zu schreien. Helfen fann nur die Menschengemein schaft selbst, eine systematische Erziehung, die schon in der Schule einsetzen sollte, aber auch am Erwachsenen selbst nicht ohne Erfolg vorgenommen werden kann. Denn das„ So etwas tut man doch nicht!" der gesellschaftlichen Meinung ist oft ein wirksameres Schutzmittel als der Stacheldraht bestempfohlener Fabriken und hochwohllöblicher Gesetze.
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Einen Schritt auf diesem Wege getan zu haben, ist das Verdienst des Direttors der Staatlichen Stelle für Naturdenkmalpflege in Preußen( sein Büchlein*) ist nicht so lang und langweilig wie sein Titel), Prof. Dr. Walter Schönichen. Man wäre versucht, seinen Umgang mit Mutter Grün" einen Knigge der Natur zu nennen, wenn hier nicht eine ganz andere Luft wehte als in dem Reich der Fracks, Chapeauclaques und steifen Grandezza. Das Wert ist um so verdienstlicher, als es sehr im Gegensatz zu der Unnahbarfeit manchen Fachwissenschaftlers, der sich mit dem ganzen Rüstzeug seiner Gelehrtensprache gegen das Verständnis seiner größeren Mit welt abschließt, trotz aller Sachkenntnis in einem Ton gehalten ist, der es zu einer unterhaltenden Lektüre macht. Dieses Buch will ins. Volk dringen. Es ist ein Kampfbuch im besten Sinne des Wortes. Der Naturwissenschaftler kämpft um das Verständnis der breiten Masse für die Natur, ebenso wie für die Erhaltung der Natur. Die Mißstände, die angedeutet wurden, werden von ihm unbarmherzig gegeißelt, es werden Berbesserungsvorschläge ge= macht. Die Kulturwidrigkeit und Schädlichkeit bestehender Mißstände werden an Hand von Photographien so plastisch dargelegt, daß es selbst dem, der gedankenlos in den Tag lebt, zum Erschrecken flar ins Auge springt.
Der Gelehrte wendet sich an das Bolt. Aber damit ist es nicht getan. Es ist auch nicht damit getan, das Buch zu lesen und beiseite zu legen, wenngleich das schon ein Schritt auf dem Wege zu einer Befferung ist. Das Kunststüd bleibt, an jene heranzufom men, auf die der Gelehrte mit warnendem Finger zeigt. Die lesen das Buch bestimmt nicht, mögen auch ein paar bisher Unbedenkliche zum Buch greifen und bedenklich werden! Also was tun? Die Einwirkung ist leichter, als es auf den ersten Blick den den Anschein hat. Wenn jene, die die Natur lieben- und mir wissen, daß das sehr viele sind, und daß ihre Zahl gerade in den legten Jahren stetig zugenommen hat wenn jene sich als frei willige Helfer anbieten wollten, sehr viel wäre getan.
neuen.
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Helfen? Ach nein, keine Befürchfung, wir propagieren. feinen organisierten Zusammenschluß, zu den allzu vielen Vereinen einen Das nicht. Was not tut, ist die Propaganda der Tat. Wer von den Naturfreunder tennt nicht in seinem Bekanntenkreise solche, auf die das eine oder das andere zutrifft, mas zu tadeln und zu verbessern ist? Ihnen das Buch in die Hand zu drücken, auf sie bessernd einzuwirken, darauf kommt es an.
Und wie oft auf Ausflügen und Spaziergängen sieht der Naturliebhaber verzweiflungsvoll dem Berserkerium des Naturvandalen
*) Walter Schönichen: Der Umgang mit Mutter Grün. Berlag Behrmüller, Berlin- Lichterfelde.
Neben den wissenschaftlichen gibt es landschaftlich ästhetische Naturschutzgebiete, die der Allgemeinheit zugänglich sind. Zu den meist bekannten dieser Gebiete gehören große Bezirke in der 2ün e- burger Heide, Teile in der Eifel, im Siebengebirge, das Neandertal bei Düsseldorf und das Bodetal. Die hier getroffenen Maßnahmen haben die freudigste Unterstügung der Algemeinheit gefunden. So haben sich Gleichgesinnte in Vereinen zusammengeschlossen, die namentlich in der Lüneburger Heide Grundftüd nach Grundstück kaufen, um die private Hand möglichst auszuschalten. Ein Enteignungsrecht haben die Naturschußstellen zwar nicht, aber genau so gut wie der Staat bei etlichen seiner Gebiete auf die Nutzung verzichtet, hat man auch Private dazu bewogen, gewiffe Einschränkungen bei der Ausnutzung ihres Grundeigentums zu machen.
Die Art und Weise des Naturschußes muß von vornherein aufs sorgfältigste überlegt sein. Darum untersteht ein jedes in Frage tommende Gebiet der ständigen Aufsicht von Wissenschaftlern. Infolgedessen hat in Deutschland jede Provinz einen ehren
Der Abend
Shalausgabe des Vorwäre
| amtlich tätigen Kommissar, der wiederum auf die freundliche Mitarbeit seiner Unterkommissare rechnen kann. Nach Möglichkeit übt man keinen fünstlichen Einfluß auf die Natur aus. Das Einführen und Anpflanzen fremder Bäume und Blumen überläßt man den botanischen Gärten und den städtischen Barfanlagen. Ein künst licher Eingriff wird nur vorgenommen, wenn er zur Erhaltung bestimmter Lebensgemeinschaften erforderlich ist.
Trotz dieser Grundfäße können oft recht schwierig zu beant mortende Fragen auftauchen. Stehen z. B. irgendmo prächtige Eichen, in deren Nähe Buchen und andere Bäume, die zuviel Schatten verbreiten, auftommen, muß man in diesem Fall die Entscheidung treffen, ob es angebrachter ist, die Eichen zu schützen oder die Natur nach ihrem Willen schalten zu lassen. Aehnlich verhält es fich bei( an Wassern gelegenen) Bogeltolonien. In ihnen herrscht womöglich das bunteste Leben, bis die Silbermöme tommt. Die jedoch benimmt sich derart rabiat, daß sie alle anderen Bögel vertreibt. Dann muß man entscheiden, ob das Bogelleben in seiner Mannigfaltigkeit erhalten bleiben oder dem Leben in der Natur nach dem Recht des Stärkeren sein Lauf gelassen werden soll. Der schüßende Mensch muß also entweder die Silbermöwe vertreiben oder schweren Herzens zusehen, wie sie die Aufräumungsarbeiten vornimmt.
Für das gesunde Bolksempfinden sind Natur- und Tierschutz eins. Und wie selbst das Kind aus seiner Eigenkultur heraus die belebte Natur oder das Tier in der Natur schätzt, zeigen deutlich die Naturschußplatate, die Berliner Schulkinder zeichneten. Prof. Dr. Walter Schönichen, der Direktor der Staatlichen Stelle für Naturdenkmalpflege in Preußen, bat die Kinder um solche Plakatentwürfe. Das ist ohne Zweifel ein gut gewählter Weg, dis Allgemeinheit mit dem Naturschußgedanken zu durchdringen. Fre dig tamen die Kinder der Aufforderung nach und die Einsendungen sind in der Tat beachtenswert. Ein fleiner Knirps hält viel vom Wort und er schreibt daher in großen Buchstaben das Berbot: .Bögel mit Steinen zu bewerfen, ist nicht gestattet!" Ein anderer fleiner Volksschüler ist völlig auf die moderne Geschäftsplakatwirkung eingestellt. Er malt eine Gruppe von Wanderern, die im Wald ein Feuer anmachen, und schreibt darunter: Das tue nicht!" Ganz tonzentriertes Gefühl ist hingegen ein anderer Knabe. Er zeichnete eine riesengroße, gierige Menschenhand, die rauh das glückliche Familienleben eines Bogelehepaares zerstören will, und mahnt: „ Nehmt teine Nester aus!"
Die meisten Kinder fordern dazu auf, der hungernden Tiere im Winter zu gedenken. Diese Bittsteller stehen sichtbar unter den Nachwirkungen der überstandenen schweren Winterzeit. Sie hat unsere Natur entvölkert, denn das Wild verendete in Massen, und die Wasservögel, die sich landeinwärts an Tümpeln usw. flüchteten, wurden ziemlich rücksichtslos abgeschossen. Hinzu kommt das verspätete Frühjahr, in dem, bei der üblichen Grasabbrennerei, die immer wieder troz Berbot erfolgt, die Bogelbrut zerstört wird. Mithin sind dem Leben in der Natur Wunden geschlagen, die sich schwer wieder schließen. Und daher ist die Bitte berechtigter denn je: ,, Schütt Natur und Tier! Ihr bereitet dadurch euch selbst und der Allgemeinheit Freude und Nugen!" Erna Büsing.
Berliner Sonntag
Vorpfingstbetrachtung/ Von Willibald Seemann
Der Sonntag ist schön. Am Himmel hängen leichte Wölkchen. Es ist ein Tag, an dem den Menschen das Sehnen erfaßt, aus dem Häusermeer herauszukommen. Ein Tag, an dem man Ruhe vom Getöse des Alltags sucht inmitten sonnendurchzitterten jungen Grüns, an dem die Natur an den Menschen herantritt und man sagt: Mensch, was bist du klein gegen das große Wachsen, das dich umwebt, bedenke, wo der Gott liegt, den du in fernen Welten suchst! Die Bahn führt zum Seddinsee. Man geht über die Wasser verbindende Brücke und am schönen Uferweg entlang. Schlante Boote schaukeln auf den Wellen. Ueberall Lachen und Fröhlichkeit. Ein armer Mann steht am Wege und verkauft Süßigkeiten. Sein fleines Mädchen schaut ängstlich zu. Nicht weit davon hat ein Mann eine fliegende Bude aufgebaut. Bier Gartentische, Stühle. Man seẞt fich, ist und trinkt. Vor einem liegen etliche Zillen, jenseits der Wald, in dem jeder Berliner, der des Weges tommt, sein Andenken hinterläßt. Papier in Fülle, Glasscherben, Konserven dosen. Der Berliner ist nicht so reinlich, wie er es vortäuscht.
Drei Burschen und drei Mädchen setzen sich an einen leeren Tisch. Die Jungens tragen Badehosen, die kaum das Notwendigste bedecken. Aber ihre Waden schmücken die Stutzen ihrer Gilde. Haste Geld mitgebracht?", fragt der Verwegenfte sein Mädchen und zupft fie am Bubenkopf. Sie freischt und zahlt die Selter, die beide gemeinsam trinken.
Unweit der Bude ist eine Bank. Da kommen acht junge Burschen daher, belegen die Bank und flimpern auf ihren Gitarren, Mandolinen und Geigen ihre Gassenhauer. Man flieht. In Berlin gibt es genug Musik:...
Aber die Musik schallt bis über die Brücke des Wernsdorfer Kanals, und die drei Burschen jagen johlend mit ihren Mädchen durch das Gelände. Ein Bursche erklettert das hohe Eisengerüst der Brücke und jongliert darauf herum. Die Spaziergänger bleiben stehen. Atemlos gucken Frauen zu. Der Bursche hebt mie segnend die Hände und brült: An mein Bolt... Mein Bolt ist dämlich...!" Lachen. Beifallsgetője.
Es ist Mittag geworden. Man sucht dem Fauchen der Motorboote und Autos zu entkommen. Eine Anhöhe hinauf. In die Heide hinein. Zwischen dürrem Heidekraut ein grünes Stüdchen Erde. Man seht sich und dermeilen der Körper ruht, wächst das Auge an der Erhabenheit des Maientages. Jungbirken, Buchen und Neuwuchs der Fichten. Eine Wiese, ein Sumpf, Dotterblumen blitzen gelb und leuchtend. Ein versandender Wasserarm und drüben am jenseitigen Ufer die Sandberge der Berliner Schweiz ,, ein Aussichtsturm, der Schornstein einer Ziegelei. Ruhe. Kein Laut, feine Menschen, und Sonntagsgenuß.
Hier ist die Gotteswelt, hier ein Stückchen Erbe, das müden Menschen Babung bringt. Man lauscht dem Klingen der Baum
tronen, schaut von der Sattheit des Frühlingstags in die Woltengebilde, guckt auch herab auf die Erde: ein Käfer, junge Vögel
Die Sonne steht schon schräg am Himmel. Also hinein in das Gewühl der Menschen. Im Dorfe Gosen sind viele Kneipen. Trun tene. Stimmen wetteifern mit Orchestrions. Im Gartenlokal, in dem man Kaffee trintt, nuddelt wehmütig der Leierkasten des Karussells. Das Lokal mündet in eine Straße. Staubwolken stehen darin wie Nebel. Die Bäume sind bis in die Wipfel hinauf ergraut. Autos rasen, Motorräder rattern. In der Schweiz ist das Autofahren an den Sonntagen verboten. Man denkt daran, und bittet den Berliner Polizeipräsidenten im stillen, auch für die Werktätigen Berlins diese Erlösung zu schaffen.
Man spaziert wieder den See entlang. Die Abendsonne spiegelt sich in dem Wasser. An einem Baumftamm figt ein junger Mann mit Kopfhörern um die Ohren, auf den Knien ein dickes Buch und liest. Frauen, Männer, Mädchen reißen und schneiden die jungen Reiser von den Birkenbüschen. Auch am Heck der Boote, die dem heimatlichen Hafen zusteuern, prangen dice Birkensträuße. Der Berliner ist... naturliebend nennt man das wohl. Die Kapelle der Gitarre, Mandolinen- und Geigenspieler sigt noch immer auf der felben Stelle und mufiziert.
Und dann bringt uns die Straßenbahn bis zum Stadtbahnhof. Der Perron ist voller Menschen. Scharen warten Ertrazüge kommen und fahren ab. Sobald ein Zug hält, stürzen die Menschen wie losgelassene Jagdhunde in die Türöffnungen. Endlich ist es einem gelungen, sich in den Mittelgang eines Wagens zu schieben. Man erkennt die vier jungen Herren wieder. Rücksichtslos gebrauchen sie ihre Ellbogen. Sehr höflich sagt man zu den Herren:
,, Sie verzeihen, ich möchte um einen Platz für meine müde Frau bitten."
Erstaunte Blicke. Lachen.
Sie spaßen woll...?" der erste.
,, Ne, Mann, id bin selber müde!", der zweite.
Und der dritte:„ Wir waren zuerst in dem Wagen!"
Der vierte weiß nicht was er sagen soll und hüllt sich in Schweigen.
Man versucht noch einmal: Früher..." Früher ist nicht jetzt, Mann!"
Man geht müde nach Hause. An einer Ede steht ein blinder Mann und bietet Streichhölzer an. Achtlos flutet die Menge vora über.
Dann ist man zu Hause. Aus einem oberen Stockwert quatt ein Radio, dem man schon morgens entfloh: ,, Martha... Martha du entschwandest..." Schnell entkleidet man sich und zieht Betibede über die Ohren....
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Maiennacht! die