Nr. 271- 46. Jahrgang Donnerstag. 43. Zum �929
SZtnumig Jahre tMermannplatse.
Seitdem Männer aus dem Volke in die Berliner Kommunalverwal-. lung berufen wurden und die Sozial- demokratie führenden Einflub auf die Lösung der Verkehrsprobleme nahm, hat auch die Verkehrspolitik eine Wandlung erfahren. Vor dem Kriege wurden die meisten Mittel für den Ausbau der Verbindungen nach dem Westen aus- gegeben. In die reinen Wohnviertel der arbeitenden Volksschichten führten nur einige Straßenbahnverbindungen. Die damaligen Verkehrspolitiker haben nicht daran gedacht, daß die Arbeits- zeit des Arbeiters erheblich verlängert wird, wenn er den langen Weg zum Arbeitsplatz in einem langsamen Der- kehrsmittel zurücklegen muß. Erst nach dem Krieg kam endlich die Er- fchließung der Arbeiterviertel durch Schnellbahnen. Die Verkehrsbauten veränderten das Straßenbild vollkom- men. Und wer heut« etwa über den chcrmannpiatz geht, denkt sicher nicht mehr daran, daß dort noch vor knapp hundert Iahren der Weg nach Berlin durch Wies«» und Felder führte. Der chermannplatz bestand aus einer Wegkreuzung, an der ein Gasthaus»Der Rolltrug" stand. Erst im Jahre 1867 wurd« ein ständiger Postvcrkehr nach Berlin unter dem hochklingenden Namen.Dostexpedition Lerlin-Rixdorf" eingerichtet. Ungefähr zur gleichen Zeit fuhr dann auch die erste Passagierkutsche nach Verlin. Ein Nirdorfer hatte die Omnibuslinie eingerichtet. An dem alten Rollkrug erwartete auch der Landgendarm, der mit dem letzten Kaiser in demselben Regiment gedient hatte, alljährlich einmal seinen Kaiser, der zu cherrn chertzbera nach dem Rittergut Britz fuhr Dem Landgendarm schüttelte Wilhelm jedesmal die chand. Eifrige Byzantiner kauften dann dem Landgendarmen den Hand- schuh, den der Kaiser angefaßt hatte, ab, wie sie es denn auch fertig- bi achten, Zigarettenstummel, die Wilhelm wegwarf, aufzulesen und aufzuheben. Als die Nachfrage nach diesen„Reliquien" zu groß wurde, legte sich der Landgendarm ein Warenlager in weißen Handschuhen hin und verkaufte flott nicht nur rechie, sondern auch, wenn er mal kein« anderen hatte, linke Hand- schuhe. Es war für ihn eine recht nette Ncbeneinnahme, die eines Tages ihren Abschluß fand, als die Rixdorser feststellten, daß viel zu oft linke Handschuhe verkauft waren, die Wilhelm unmöglich berührt haben konnte. Am 2. Juli 1873 erhielt Rirdorf den ersten Anschluß an die vserdebahn. Aber auch dieses Verkehrsmittel fand noch nicht den Beifall der Riydorfer, denn bald darauf wurde die Bahn bespöttelt: „Wir fahren so gemütlich aus der Pferdebahn, das«ine Pferd das zieht nicht, das andere das geht lahm. Die Deichsel ist zerbrochen. der Kutscher vollgesoffen", so sangen die Rixdorser. Die Fahrt nach Berlin war teuer. Vom Hermannplatz bis zum Halleschen Tor mußte man St> Pf. bezahlen. Erst im Jahr« 1891 wurde die Bahn bis zum Ringbahnhof verlängert und im Jahre 1896.elektrifiziert. Kurz vor fcern Kriege wurde der Vau der«rstcu.Schnellbahn begonnen, der erst nach dem Kriege, fertiflgestelst werden konnte. Neukölln erhielt zuerst die Verbindung nach der Berg- und Berliner Straße mit der Innenstadt und später auch Anschluß an die Her- mannstraße durch die Bahn nach Gesundbrunnen Am Hermann- plag mußten die Wohnhäuser einer großzügigen Bahnhofsanlage weichen. Ein riesiger Bahnhof entstand, dem später auch noch eine dritte Schnellbahnverbindung, die von Neukölln nach dem An- Halter, dein Potsdamer, dem Lehrter Bahnhof und nach Moabit iiihren soll, angeschlosien wird. Die Anlagen am Hermannplatz sind vorbildlich für den Untergrundbahnbau in der ganzen Welt geworden.
3)er alle Stollhnig auf dem 9tennannplate im Jahre 1900.
lieber den Untergrundbahnbauten wuchs das neue Warenhaus in die Höh«. Die angrenzenden Straßen Kottbusser Damm und Urbanstraße wurden verbreitert und für Massenverkehr eingerichtet. Die Hasenheide und Hermannstraße werden folgen, so daß der hermannplah in Kürze der Schnillpunkl von sieben Hauptverkehrsstraßen sein wird. Nachdem der Warenhausbau ausgeführt ist, wird der Hermannplatz seine endgültige Gestalt erhalten, die eine schnellere Abwicklung des Verkehrs ermöglichen wird. Am Her- mannplatz ist auch das Problem, den Massenverkehr von der Unter-
gvundbahn ohne Benutzung der Straßen in bestimmte Gebäude überzuleiten, gelöst worden. Di« neuzeitliche Technik hat den Traum der Verkehrsfachleute. die Massen von der Straße wegzusaugen, restlos erfüllt. Am Her- mannplatz kann man ohne Benutzung der Straße von der Unter- grundbahn in das Warenhaus gelangen. Auch die vierlausend An- gestellle betreten die Straßen überhaupt nicht. In kürzester Zei! gelangen sie vom U-Bahnhof in das Haus. Im Hause selbst wird jeder durch Rolltreppen und Fahrstühle weitergebracht. Der Bahn- hos im Warenhaus ist ein Meisterwerk der Technik Di« Halle ist 23 Meter lang. 14 Meter breit und liegt im Schnittpunkl der beiden Untergrundbahnlinien. Von der einen führt eine Freitreppe in die Vorhalle, von der anderen ein Tunnel. Der Bau dieser Empfangs- halle war eine der schwierigsten Aufgaben bei dem Bau. Die Sohl« der Halle befindet sich ungefähr acht Meter unter der Straße. Während des Baues mußten Tag und Nacht die Pumpen arbeiten. Dann erst konnte die Baugrube ausgeschachtet werden. Der Verkehr ist in den letzten Iahren lawinenartig gewachsen. Allein der Ausbau der Schnellbahnen unter der Erde hatten es ermöglicht, trotzdem den Massenverkehr In kürzester Frist abzu- wickeln. Schnellbahnen kürzen dem Arbeiter immer den Weg zur und von der Arbeltsstelle und verlängern seine Freizeit. Es ist wichtig, daß nicht nur in der Innenstadt das Bahnnetz ausgebaut wird, sondern daß die Schnellbahnen weit in die Quartiere der Arbeiter, Angestellten und kleinen Beamten hineingeführt werden.
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3)er heutige Merniatutpluls mit dem neuen Warenhau».
Jack JCondon:
So waren Sie, zu seiner großen Erleichterung, mitten in einem Gespräch, das sie beide interessierte. „Ich kann mich wirklich nicht erinnern, wann ich das erstemal zu Pferde saß," erzählte sie.„Ich bin apf einer Ranch geboren, wissen Sie, und man konnte mich nicht von den Pferden wegbringen. Die Liebe für sie muß mir ange- boren sein. Mit sechs Iahren hatte ich mein erstes eigenes Pony. Mit acht wußte ich, was es heißt, den ganzen Tag mit Vater zusammen auf einem Pferderücken zu verbringen. Ich war noch nicht elf Jahre alt,, als er mich schon mit auf die Hirschjagd nahm. Ohne Pferd bin ich verloren. Ich hasse das Leben in den vier Wänden, und ohne Mab wäre ich, glaube ich, längst krank oder tot." „Sie lieben das Landleben?" fragte er und sah im selben Augenblick in ihren Augen zum erstenmal einen hellen Schimmer. „Ebensosehr, wie ich die Stadt verabscheue, antwortete sie.„Aber«ine Frau kann sich aus dem Lande nicht ihr Brot verdienen. So richte ich es mir ein. so gut ich kann— zusammen mit Mab." Und dann erzählte sie mehr von ihrem Leben auf der Ranch, bevor ihr Vater starb. Daylight war sehr zufrieden mit sich. Sie waren dabei, miteinander bekannt zu werden. In der halben Stunde, die sie nun zusammen waren, hatte es nocb nicht eine Pause in der Unterhaltung gegeben. „Wir stammen ungefähr aus derselben Gegend." sagte er„Ich bin im östlichen Oregon aufgewachsen, und das ist nicht weit von Siskiyou." Im nächsten Augenblick hätte er sich die Zunge abbeißen können, denn sie fragte schnell:.„ „Woher wissen Sie, daß ich aus Siskiyou bm? Ich bin sicher, daß ich es nie erwähnt habe." „Ich weiß nicht." sagte er verlegen.„Irgendwo habe ich es gehört.". In diesem Augenblick schlich Wolf leicht und lautlos wie «in Schatten heran, ihr Pferd scheute erschrocken, und so kam er verhältnismäßig leicht über die peinlich« Situatwn hin-
weg, indem er ihr eine Zeitlang von Alaskahunden erzählle, bis das Gespräch wieder auf Pferde kam. Und über Pferde unterhielten sie sich während des ganzen Aufstiegs und wäh- rend des Abstiegs auf der anderen Seite. Während sie sprach, hörte er ihr aufmerksam zu, folgte aber gleichzeitig seinen eigenen Gedanken und Empfindun- gen. Es war kühn von ihr, im Herrensitz zu reiten, und im Grunde war er sich doch nicht recht klar darüber, ob es ihm gefiel oder nicht. Seine Vorstellungen von Frauen waren etwas altmodisch: sie stammten aus seinen ersten Tagen in den Grenzgegenden, wo er nie eine Frau anders als im Damensitz hatte reiten sehen. Er war in der Anschauung aufgewachsen, daß Frauen zu Pferde keine Zweifüßler waren. Es hatte etwas Ueberraschendes für ihn, sie hier wie«inen Mann im Sattel zu sehen. Aber gleichzeitig mußte er ge- stehen, daß der Anblick ihm zusagte. Roch zweierlei überraschte ihn. Erstens die goldenen Punkte in ihren Augen. Seltsam, daß er sie noch nie be- merkt hatte. Waren sie in der Beleuchtung im Kontor nicht dagewesen, kamen und gingen sie? Nein, es waren Farben- funken— eine Art zerstreuten, goldenen Lichts. Es war auch eigentlich nicht golden, aber doch eher golden als sonst eine Farbe, die er kannte. Eine Schattierung von Gelb war es bestimmt nicht. Die Gedanken eines Liebenden sind immer bunt, und es ist zweifelhaft, ob sonst irgend jemand auf der Welt Dedes Augen golden genannt haben würde. Aber Dan- light befand sich in einer milden, weichen Stimmung, und da es ihm gefiel, sie sich golden zu denken, so waren sie eben golden. Und so natürlich war sie. Sie hatte so gar nichts Ge- ziertes oder Eingebildetes an sich— mit diesen Ausdrücken unterschied er die Dede zu Pferde von der Dede im Kontor, die er kannte. Aber während er sich darüber freute, daß alles so glatt ging, und daß sie sich soviel zu sagen hatten, hatte er doch em bedrückendes Gefühl. Er war ein Mann der Tat, und er wünschte sie, Dede Mason, zur Frau:«r wünschte, daß sie ihn liebte: und er wünschte, daß dies sofort strahlende Wirklichkeit werden sollte. Er war gewohnt. Entscheidungen schnell zu treffen, gewohnt, Menschen und Dinge nach seinem Willen zu beugen, und fühste nun, wie die alte Herrschsucht ihn anstachelte. Er wünschte, ihr zu erzählen, daß er sie liebte, daß sie ihn unbedingt heiraten müßte. Und doch widerstand er dem Antrieb. Frauen waren flatterhafte Geschöpfe, und hier war es vielleicht ein Fehler, sich die Macht anzueignen. Er erinnerte sich aller seiner alten Iägerschliche, wie er ge« duldig gewartet hatte, zum Schuß zu kommen, wenn Leben oder Tod davon abhing. Und wenn auch vielleicht nicht ganz
soviel, so bedeutete dieses junge Mädchen doch recht viel für ihn— jetzt mehr den je, als er neben ihr ritt und sie, so oft er es wagte, ansah, wie sie in ihrem Reitkleide, keck, fast männlich und däch in jeder Linie Weib, zu Pferde saß. lächelte, lachte und sprach, Schimmer des sonnigen Tages und der warmen Glut des Sommerwindes auf den Wangen. -ß Am nächsten Sonntag, waren Reiter, Pferd und Hund wieder draußen in den Piedmond-Bergen. Und wieder ritten Daylight und Dede nebeneinander. Aber diesmal hatte sich in die Ueberraschung, ihn zu treffen, etwas wie Mißtrauen gemischt. Sie ließ Daylight fühlen, daß sie ihm nicht glaubte: er gab vor, in der Nähe von Blair Park einen großen Steinbruch gesehen zu haben, und erklärte ihr unverzüglich, daß er daran dächte, ihn zu kaufen. Die Ziegelei, in die er nun einmal Geld gesteckt, hatte ihn auf die Idee gebracht, und so schlug er vor, sie anzusehen. Er verbrachte mehrere Stunden in ihrer Gesellschaft, und sie war die ganze Zeit dieselbe wie früher, natürlich, un- gekünstelt, munter, lächelnd und lachend, ein guter Kamerad, der mit unverminderter Begeisterung von Pferden sprach und sich mit dem mürrischen Wolf zu befreunden suchte. Sie sprach den Wunsch aus, Bob reiten zu dürfen, in den sie, wie sie erklärt«, mehr verliebt sei, als sie es je sonst gewesen. Aber Daylight erhob Einwände. Bob hätte die gefährlichsten Einfälle, und er könnte keinen darauf reiten lassen, es sei denn seinen schlimmsten Feind. „Sie meinen, ich verstehe nichts von Pferden, weil ich ein Mädchen bin," ereifert« sie sich.„Aber ich bin so oft ab- Seworfen worden, daß ich mir etwas darauf einbilden kann. Hd ich bin nicht gerade auf den Kopf gefallen. Ich würde nie versuchen, ein Pferd zu reiten, das ausschlägt. Soviel habe ich doch gelernt. Aber sonst fürchte ich nichts. Und daß Bob nicht ausschlägt, sagen Sie ja selbst." „Aber Sie haben noch nicht gesehen, was er für Ge- sichten macht," beharrte Daylight. „Vergessen Sie nicht, daß er nicht der erste ist, mit deni ich zu tun habe. Ich habe Mab an die elektrische Bahn, an Lokomotiven und Automobile gewöhnt. Als ich sie bekam, war sie ein ganz rohes Füllen vom Land«. Sie hatte eben gelernt, den Sattel zu tragen, das war alles. Uebrigens werde ich Ihrem Pferd keinen Schaden zufügen." Halb wider Willen gab Daylight nach, und_a» einer oerkehrslosen Stelle des Weges tauschten sie Sättel und Zügel.(Fortsetzung folgt,