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Nr. 311 46. Jahrgang

2. Beilage des Vorwärts

Zur Erhöhung der Viehzölle.

Bon P. Bergmann, M. d. R.

Der Rampf um die Zölle ist durch den Abschluß der Reichstags­nerhandlungen vorläufig beendet. Zufriedenheit herrscht jedoch keines megs in der Landwirtschaft, die Rechtspresse schreibt von halben Maßnahmen in der Agrarpolitit" und von der geprellten Land­wirtschaft". Das alte Rezept, schreien und wieder schreien, wird noch immer von den Agrariern angewandt. Wie alle Zollerhöhungen werden auch die diesmaligen nicht das bringen, was die Zoll­demagogie versprochen hat. Eine Entscheidung ist noch nicht endgültig getroffen, sondern wird erst im Herbst fallen. Hier wollen wir in erster Linie von der Fleisch- und Viehzollpolitik sprechen.

Der Versuch, die Gefrierfleifcheinfuhr zu beseitigen, ist an dem Widerstand der Sozialdemokratie gescheitert, die Einfuhr von Leber ist für die nächsten Jahre gesichert.

Bei der Ergänzung des§ 4 des Reichspiehseuchen gefeges vom 26. Juni 1909 ist es der bürgerlichen Mehrheit ge­lungen, eine Verschlechterung der Regierungsvorlage durchzusetzen. Die Auswirkung derselben läßt sich noch nicht überblicken. Es scheint jedoch, als sei eine Kontingentierung des Fleisches aus den Seegrenzschlachthäusern nach dem Inland geplant. Der Schrei nach erhöhten Bieh- und Fleischzöllen ist feineswegs verftummt.

Ein Verbot der Einfuhr von Gefrierfleisch wird ebenfalls gefordert. Das Versprechen einer Reichsregierung, das die zollfreie Einfuhr non Gefrierfleisch bis Ende 1933 sichert, soll gebrochen werden. Weiter wird gefordert die Angleichung der Zölle für Lebendvich en den Fleischzoll. Damit hofft man die Einfuhr von Schlachtvieh abzudrosseln.

Um die notwendige Stimmung für diesen edlen Zweck" zu machen, werden die Einfuhrzahlen besonders frisiert. Dabei hilft das Bersehen eines 3ollamts fräftig mit. Im September norigen Jahres soll die Einfuhr von Kälbern aus Dänemark 12 448 betragen haben. In Wirklichkeit waren es nur 448, ein Zollamt hatte 12 000 zuviel angegeben.

Die Vieheinfuhr von Dänemart, besonders nach dem Hamburger Markt, spielt in letzter Zeit eine besondere Rolle in der Landbundagitation. Die Einfuhrziffern für dänisches Schlachtvich find 1928 folgende:

Kälber

Jungvieh bis zu 11, Jahren Jungvieh von 1 bis 2%, Jahren.

Färsen

Kühe

Bullen Ochsen

ca.

ca.

448

8405

3534

12.000

160 186 38 329 34686 257 538

Die oft vertretene Auffassung, die auch vom Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft gestützt wird, daß mehr denn zwei Drittel der dänischen. Vieheinfuhr Kühe seien( die Abfall produkte der dortigen Milchwirtschaft), bedarf einer entsprechenden

Korrektur.

Die Vieh- und Fleischeinfuhr wird nicht nur durch Zoll, sondern auch durch Fracht to sten, verschiedene Gebühren und Spe sen belastet. Je nach der Höhe der Zölle für Fleisch oder Vieh schwankt die Einfuhr in lebendem Vieh oder zubereitetem Fleisch. Fracht und sonstige Spesen sind bei der Bieheinfuhr größer und deshalb nur tragbar für gutes Schlachtvieh. Die Transportkosten für Fleisch ab Dänemart nach Hamburg betragen im Durchschnitt 5 Pf. pro Kilo, dagegen bei Lebenseinfuhr das Doppelte.

Dazu

Sonnabend, 6. Juli 1929

Entscheidung zu dem Angebot der Südwega in Frage kommen fann, daß aber in erster Linie der Vorstand der Setoga nun­mehr feinerseits der Südwega Borschläge für eine Zusammenarbeit unter Verwendung der von der Sefoga feither erzielten Verhandlungsergebnisse unterbreiten, soll.

Die Generalversammlung beschließt: Der Vorstand bleibt beauftragt, hiernach die Verhandlungen fortzuführen und so bald wie möglich das Ergebnis dem Aufsichtsrat und der Generalversammlung zur Beschlußfassung vorzulegen.

Der Anteil des Auslandes an der Fleischlieferung Im Mai 1929 ist die Einfuhr von frischem Rind- und Kalbfleisch ist im Jahre 1928 wieder auf den Bortriegszustand zurüdgegangen. annähernd 9000 Doppelzeniner geringer als im Mai 1913. Bei Stillegung in der Kunstseidenindustrie. Schweinefleisch betrug die Einfuhr vom Januar bis Mai d. J. 79 635 Doppelzentner gegen 148 299 Doppelzentner in derselben Zeit des Jahres 1913.

Die Deutsche Tageszeitung" vom 27. Juni d. 3. muß in einem Artikel über den Ruin der deutschen Biehzucht aner­Landwirtschaft noch nicht ganz gesichert ist. Trotzdem tennen, daß die Fleisversorgung durch die deutsche verlangt sie erhöhte 3ölle und Einfuhrverbot für Gefrierfleisch. Die unzutreffende Behauptung, daß nur abgemolkene Kühe( also geringe Qualitäten) eingeführt werden, wird wiederholt, um zu beweisen", daß die Preise für deutsche geringe Qualitäten gedrückt werden. Das Landbundorgan verschweigt, daß Preise und Qualität dieser Klasse Kühe von heute mit denen der Vorkriegszeit nicht verglichen werden fönnen. Die Umstellung in der deutschen Landwirtschaft hat zur Folge ein erheblich größeres Angebot abgemolkener Rühe sehr ge ringer Qualität. Die wiederholt veröffentlichten Preis vergleiche zwischen der Vor- und Nachkriegszeit sind deshalb unzutreffend.

Die weitere Behauptung, daß die Auslandszufuhren beson ders auf dem Hamburger Markt größer seien als die In landszufuhren, ist ebenfalls unrichtig, wie die nachstehenden Zahlen ergeben. Die Zufuhr nach dem Hamburger Martt mar 1928:

Ochien

Jnlandspich Auslandsvich 21 318 10 578

19 942

Färsen

8451

Bullen

11 198

4478

Kühe

30.794

10 572

Kälber

Schweine Schafe.

71 963

657 166

62 116

283

6

An geschlachteten Tieren einschließlich gefrorener Tierförper wurden zugeführt:

Großvich.

Kälber Schweine

Schafe.

11 710

30 005

6532 10 857

20244 3833

1405 20 613

Der Hamburger Markt versorgt nicht mur das Städtegebiet Hamburg- Altona - Wandsbet, Harburg- Wilhelmsburg , sondern auch einen erheblichen Teil des Industriegebiets. Ein erheblicher Teil der schleswig - Holsteinischen Wurstfabriken deckt seinen Bedarf eben­falls auf dem Hamburger Markt.

Die stürmisch geforderte Angleichung der Lebendvichzölle bringt der Landwirtschaft teinen Nußen, den Verbrauchern Nachteile und der allgemeinen Volkswirtschaft Schaden. Dazu tommen noch im besonderen die Schäden für die städtischen Seegrenzschlachthäuser und für eine erhebliche Zahl im Schlachterhandwerk tätiger Meister, Gesellen und Arbeiter. Erhöhe Zölle und Einfuhrverbote sind nicht die Allheilmittel für die Landwirtschaft, sondern nur die von der Sozialdemokratie wiederholt in- und außerhalb des Parla­ments gezeigten Wege.

Der hessische Ferngaskampf.

-

fommunalpolitische Lösung.

men.

Arbeiter und Angestellte auf der Straße.

In der Kunstseidenindustrie der ganzen Welt wird zwar noch mächtig verdient, aber in den letzten Jahren ist es durch die riesen­hafte Ausdehnung der Produktion zu schweren Preistämpfen gefom­Fabriken, die gegenüber den Großkonzernen nicht mehr mitfom­Vor allem sind es die kleineren und unabhängig gebliebenen men. Zu diesen Fabriken gehört offenbar auch die 1923 gegründete Spinnstoffwerch Glauchau A.-G. in Glauchau - Sachsen . Bon dieser Gesellschaft wird jetzt gemeldet, daß der Betrieb zum 1. Juli stillgelegt worden ist. Rund 800 Arbeiter und 60 An­gestellte sind arbeitslos geworden, da nur ein kleiner Teil der Belegschaften mit Aufräumungsarbeiten beschäftigt wird.

Die Verwaltung hat erklärt, daß es sich nur um eine vor­übergehende Stillegung handle, die wieder aufgehoben werden solle, wenn die Berhältnisse auf dem Kunstseidenmarkt, d. h. offenbar die Preise, sich wieder gebessert hätten. Es ist bekannt, daß die Bereinigten Glan3stoffmerte mit der holländischen Enta Gesellschaft sich deshalb verschmolzen haben, weil fie damit eine Erhöhung der Kunstseidenpreise glauben erreichen zu können. Wie wir gehört haben, rechnet man mit mindestens 1 Mart Preiserhöhung pro Pfund. Da die Glauchauer Werke nach der Angabe der Berwaltung ihre Produktion bisher immer glatt abjezzen fonnten, wenn auch nur mit Verlusten, könnte die Rechnung richtig sein, daß die Preise später wieder bessere Ber dienstmöglichkeiten geben. Es stimmt allerdings bedenklich, daß das Glauchauer Wert auch in früheren Jahren, wo die Preisverhältniffe günſtiger maren, feine Gewinne ausschütten fonnte.

Stock Motorpflug halbes Kapital verloren.

Seit 1925 bereits hat die Stock Motorpflug A.-G. in Berlin mit Berluften gearbeitet. Jetzt zeigt sich, daß trotz des Hilfskredits für die landwirtschaftliche Maschinenindustrie, an dem auch die Stock Motorpflug 2.-G. beteiligt war, die Gesellschaft weiter schwere Berluste erlitten hat. Sie muß mitteilen, daß das halbe Aktien­fapital von 2,42 Millionen durch die eingetretenen Berluste als der­loren angesehen werden muß und schlägt vor, das Kapital im Ber hältnis 10: 1 zusammenzulegen und später wieder auf 1,6 Millionen zu erhöhen.

Eine Opel - Finanzierung G. m. b. H. Die Firma Adam Opel hat in Gemeinschaft mit der General Motors Co. eine Spel- Finanzierungs- Gesellschaft m. b. 5. gegründet. Das neue Unter­soll Kredite an Autoläufer vermitteln und entsprechende Wechsel nehmen verfügt über ein Kapital von drei Millionen Mart. Es diskontieren. Damit hat das Rüsselsheimer Unternehmen die eigene Finanzierung des Autoabzahlungsgeschäftes nach amerikanischem Muster übernommen.

Bremer Bulcan hat schön verdient. Die Bremer Bulcan Schiff­bau- und Maschinenfabrit in Begejad, die dem Thyssen- Konzern nahe steht, hat im Jahre 1928 ihre Rohgewinne von 2,45 auf 2,58 Mil lionen erhöht. Durch Erhöhung der Abschreibungen um rund 100 000 Mart auf rund 700 000 Mart ging der ausgewiesene Reingewinn leicht von 1,11 auf 0,98 Milliaonen zurück. An Aktionäre wird wie im

tommen noch Gefahren für größere Berluste auf dem Seeweg. Wird Keine Entscheidung für die Ruhr. Borhandlungen über Borjahre die schöne und bei Werften beachtliche Divi­also dem Verlangen, die Zollfäße für Schlachtvieh zu erhöhen, nach­gegeben, dann wird die Zufuhr von Fleisch gesteigert. Den Schaden tragen die Steuerzahler.

Die mit vielen Millionen erbauten Seegrenzschlachthäuser werden mit großen Summen Zuschußbetriebe, und eine nicht unerhebliche Zahl Fleischergesellen, Biehtreiber usw. wird arbeitslos. Die verlangte Annähering des Biehzolls an den Fleischzoll bringt keinen Nuzen, dafür aber nicht unerhebliche Schäden. Die Erfahrungen der letzten Jahre bestätigen die Richtig feit unserer Auffassung.

Das Verlangen, die Einfuhr dänischer Rinder für die Sommermonate zu sperren, bringt feineswegs den ge­wünschten Erfolg. Die Entschließung des Reichstags in dieser An­gelegenheit hat in Dänemart bereits Beunruhigung gebracht. Direktor Helstedt om dänischen Landwirtschaftsministe rium hat u. a. erklärt: Ich betrachte es als ausgeschlossen, deß Deutschland ein Verbot gegen die Einfuhr von Bieh aus Dänemark in den Sommermonaten erlassen wird. Es stände das in direktem Gegensatz zu den Tendenzen des Bölkerbundes und der Konven tion über Ein- und Ausfuhrverbote, der Deutschland im Prinzip beigetreten ist." Die Behauptung, daß in der Borfriegs: zeit eine solche Sperre bestanden hot, ist unzutreffend. Beachtens mert ist jedoch, daß in den Monaten Oktober- November, wo starke Auftriebe deutschen Weideviehs zu verzeichnen sind, die dänische Zu­fuhr erheblich nachläßt. Die Dänen bleiben in dieser Zeit dem deut­ schen Markt fern, weil sie entsprechende Breise nicht erzielen fönnen.

Die mit Spannung erwartete Generalversammlung der Hekoga tagte unter Ausschluß der Presse. Eine der Deffentlichkeit übergebene, einstimmig gefaßte Entschließung läßt erkennen, daß die Hetoga das Ruhrangebot noch nicht angenommen hat und zunächst mit der Süd­schaft weiter verhandeln will. Die Entschließung lautet: westdeutschen Gas 2. G. über den Plan der Produktionsgemein­

Die Generalversammlung hat von dem Stand der bisherigen Verhandlungen Kenntnis genommen. Sie stellt fest, daß Vorstand und Aufsichtsrat allen Möglichkeiten der Gasbeschaffung in Interessen der hessischen Gasverbraucher bestens gerecht zu werden. objektiver Weise nachgegangen sind und alles getan haben, den Die Generalversammlung ertennnt insbesondere auch an, daß Vor­stand und Aufsichtsrat bemüht waren und nach den abgegebenen Erflärungen auch zukünftig bestrebt sein werden, den berechtig ten Interessen des Saargebietes in loyaler Weise Rechnung zu tragen. Die Generalversammlung stellt meiter fest, daß die bisherigen vorbereitenden Arbeiten den Entschließungen der in der Hekoga zusammengeschlossenen tommunalen Ber. bände in feiner Weise porgreifen.

Die Generalversammlung ist hinsichtlich der neuerdings von der Südwega eingeleiteten Berhandlungen mit Aufsichtsrat und Borstand der Meinung, daß- unabhängig von der Frage, ob auf der Basis von 5,16 Pfennig eine Gasfernversorgung aufgebaut werden kann wegen des Borschlages über die Herbeiführung einer gemeinsamen Produktionsbasis eine Prüfung der Kaltulation und der Rechnungsunterlagen notwendig ist, ehe eine grundsägliche

Ein Blick genügt Qualität

heisst immer

dende von 8 Proz. verteilt. Alle Zweige des Unternehmens waren nach dem Geschäftsbericht im vergangenen Jahre gut mit Arbeit versehen, der anständige Gewinn wurde trog der drei­monatigen Stillegung durch Aussperrung und Streit er­zielt, und die hereingeholten Auftrage geben der Werft für das neue Geschäftsjahr ausreichende Beschäftigung.

Amerika in der deutschen Flugzeugindufirie. Flugzeuge gegen Abzahlung. Zu den jungen und scheinbar mit Erfolg arbeitenben Werken der deutschen Flugzeugindustrie gehört die Raab Kazen. stein- Flugzeugwert G. m. b.. in Kaffel. In diesem Berk hat sich jetzt eine amerikanische Flugzeugfabrit festgesetzt, und zwar durch Uebernahme von 19 Proz. der Geschäftsanteile und durch den Erwerb sämtlicher Lizenzen der deutschen Firma für Nord- und Südamerika. Raab- Kazenstein bekommt dafür Bargeld und außer dem 7 Broz. des Kapitals der mit einer halben Million Dollar arbeitenden amerikanischen Gesellschaft, die ihrerseits sämtliche Flug­zeugtypen des Raab Kazensteinwertes bauen mill. Die Amerikaner haben die Absicht, das Kaffeler Wert zu reorganisieren und noch amerikanischer Art auch in Deutschland Flugzeuge gegen Anzahlung und Abzahlung zu verkaufen. Allerdings wird gleichzeitig gemeldet, daß Arbeiterentlassungen vorge­nommen werden sollen. Die Frage wäre also zu prüfen, inwieweit Raab- Raßenstein nicht eima mur Bertaufs- und Montagégeſellſchaft für die amerikanische Firma werden soll.

Ungünstiger Außenhandel in Polen . Die polnische Statistit zeigt Januar bis Mai hat sich die Gesamteinfuhr auf 1385,5 mill. Zlaty eine recht ungünstige Entwicklung des polnischen Außenhandels. Bon erhöht, während die gesamte Ausfuhr auf 985,9 mill. zurüdging. Um rund 400 mill. 3loty ist die polnische Außenhandels­bilang also paffiv.

Brauner Herrenhalbschuh

50

MK

SALAMANDER

MARKE AMAND

SALA

DAS ERZEUGNIS DER GROSSTEN DEUTSCHEN SCHUHEABRIK