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Strafanträge im Stinnesprozeß

( Fortsetzung von der 1. Seite.)

Das Gespräch zwischen dem Reichskommissar Heinzmann und Stinnes unmittelbar vor der Vernehmung des letzteren durch den Untersuchungsrichter hätte besser nicht stattfinden sollen. Die An­wesenheit des Kriminalfommissars Rassow bei der Bernehmung Baldows durch den Untersuchungsrichter ist nicht angängig gewesen. Darf laut Strafprozeßordnung der Staatsanwalt solchen Verneh mungen nicht beiwohnen, so auch nicht dessen Gehilfe, als der der Kriminalbeamte erscheint. Unberechtigt ist aber der Vorwurf, daß eine vorsägliche Mißachtung der Bestimmungen der Strafprozeß­ordnung mit dem Zwede stattgefunden habe, einer vorgefaßten An­ficht zum Siege zu verhelfen. Bon einer Zermürbungstaftit Waldow gegenüber fann überhaupt keine Rede sein. Wie hätte er sonst dem Untersuchungsrichter Töplig bei seiner Entlassung die Hand gereicht und sich für die ihm widerfahrene Behandlung bedanki. Wieso hätte er, wenn sein Geständnis eine Folge einer Zermürbungstaktit ge= wesen wäre, es selbst in die Maschine diktiert und überdies noch gefagt, daß er schon bei der Bernehmung durch den Untersuchungs­richter Krüger nahe daran gewesen wäre, ein Geständnis abzulegen, denn es sei ihm sehr unangenehm gewesen, den Herrn, der ihn wie einen Bater behandelt habe, zu belügen.

Es ist auch unrichtig, zu behaupten, daß Waldow gerade wegen feiner Erziehung und seiner Herkunft durch die Untersuchungs­haft ganz besonders gelitten haben müsse. Das Gegenteil ist richtig: ein Mann mit gestrafftem Körper, der Krieg und Ge­fangenschaft durchgemacht hat und sein Gut selbst bewirt­schaftete, muß in der Untersuchungshaft weniger zermürbtf werden als andere.

Waldow hat bei Beginn seiner Bernehmung in der Hauptverhand­lung einen günstigen Eindruck gemacht. Als aber verschiedene seiner Behauptungen, die er über das Verhalten der Beamten gemacht hatte, sich als unwahr erwiesen; als es sich ergab, daß er die Zeugin Grosch zu einer unwahren Aussage direkt beeinflußt hatte und als er dann, als es zur Beeidigung der Zeugin fam, nicht nur den leisesten Berjuch machte, die Eidesleistung zu verhindern, fondern dieselbe durch seinen Verteidiger jogar beantragte, da wußte man, den man vor sich hat. Waldows Schicksal war in diesem Augenblick befiegelt.

Und nun zu dem Geständnis des Herrn Stinnes. Er will durch den Reichskommissar Heinzmann zu seinem Geständnis bestimmt worden sein. Nichts dergleichen ist der Fall. Stinnes fragte den Untersuchungsrichter: Wie ist es, wenn ich zugebe. Und trop der Antwort des Untersuchungsrichters: Sie sind doch nicht so naiv, anzunehmen, daß ich mit Ihnen pattieren fann! bat er sich Bedenkzeit aus und machte nach längerer Ueberlegung fein Geständnis. Stinnes beruft sich auch darauf, daß er es abgelegt habe, um Firma und Familie zu schonen. In Wirklichkeit hat er sich sagen müssen, daß auf diese Weise Firma und Familie noch in viel höherem Maße leiden würden. Man hat der Staatsanwalt­fchaft vorgeworfen, daß sie in dieser Sache schließlich nur noch Stinnes gesehen habe. Hat sie aber, als sie erfuhr, daß hinter der ganzen Sache Stinnes stehe, ihn nicht sehen müssen? Hat sie seine Rolle als Geldgeber nicht klarlegen müssen? Hätten die Beamten beide Augen zugedrückt, um Stinnes nicht zu sehen, so hätten sie dem Rechts empfinden des deutschen Boltes einen lehten Dienst erwiesen.

Hierauf ging der Oberstaatsanwalt Sturm zur Dar­legung der bereits oben genannten Strafzumessungsgründe über.

Gespräche".

Oder plumpe Erfindung eines Deutschnationalen!?

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Im Hugenbergschen Tag" veröffentlicht ein ziemlich unbe­rühmter deutschnationaler Reichstagsabgeordneter, Herr von Troilo, angebliche Miteilungen aus Unterredungen mit einer Anzahl sozialdemokratischer Gewertschafts­fetretäre". Aus diesen Mitteilungen joll hervorgehen, daß die Sozialdemokratie emfig nach der Dittatur strebe und als einziges Hindernis auf diesem Weg Herrn Hugenberg, den Stahl= helm und den Landbund fürchte! Da Herr v. Troilo Rede und Gegenrede in direkter Form unter Beisetzung von An­führungszeichen gibt, so muß der unbefangene Leser annehmen, daß

Urwald der Technik.

MIJAZ dodanno

Die Montage einer automatischen Fernsprechanlage.

Massenfeiern in Wien .

Die Führer des roten Wien sprechen zur internationalen Jugend.

Bundesrätin

Therese

Paul Richter, Schlesinger, Stadtrat Anton Weber . Die Wiener Wohnhausneubauten werden von der Jugend selbstverständlich stark besucht. Wo ist der Reumann­Hof, wo ist der Matteoti Sof, wo befindet sich der Fried rich Ebert of? 100, 200, 300 Jugendgenossen in einem Häuser­block sind keine Seltenheit. Im Matteoti- Hof haben Bewohner sogar die Möbel aus ihren Wohnungen bereitgestellt zu einem Massen. quartier in der Zentralwaschküche. Manchem Jugendführer wird einigermaßen bange, wenn er sieht, wie die Jungen und Mädchen, besonders aus den ärmeren Ländern und Gebieten, verzärtelt

Nationalrat Wien , 13. Juli. ( Eigenbericht.) Das rote Wien ist seit Tagen die Stadt der roten Jugend. Ueberall auf den Straßen, in allen, Straßenbahnwagen, in Autobussen, wohin man schaut: Jugend und immer wieder Jugend. Und alle sind sie freudig und froh; freudig über die Erlebnisse auf den Kundgebungen, in den Bersammlungen und Feiern. Froh über die herzliche Aufnahme. Die Biener sind sehr besorgt um ihre jungen Gäste. Alle Austünfte werden bereitwillig gegeben Allen mertt man die Freude an, Gastgeber dieser gefunden Jugend zu fein. Es knüpfen sich aus dieser Herzlich feit viele feste Freundschaftsbande. Alle zusammen geben stärkere Friedensgarantien als die Resolutionen und Beschlüsse des

Völkerbundes.

Es wird der Wiener Jugendtag fort leben in der Geschichte der sozialistischen Friedensbewegung als ein lebendiges Zeichen für den Willen der jungen Garde der Arbeiterschaft aller Länder, nie wieder Kriege zuzulassen.

Freitag abend fanden große künstlerische Mafien feiern statt; fünf waren vorgesehen, neun mußten veranstaltet werden. Diese künstlerischen Feiern werden am Sonnabend nach mittag wiederholt. Alle diese Feiern beweisen, daß die sozialisti- werden. Diese künstlerischen Feiern werden am Sonnabend nach fche Bewegung in startem Maße auch eine Kulturbewegung ist. Das mögen sich vor allem jene Leute merken, die der Arbeiterbewegung immer wieder nachreden, daß sie nur eine Bewegung um materielle Besserstellung sei.

Eine internationale Abendfeier fand im Arbeiterheim es sich um die wörtliche Wiedergabe tatsächlich geführter Ottakring statt. Das Programm dieser Feier wurde ausschließlich

Gespräche handele. Der kleine Umstand, daß Herr v. Troilo die Namen seiner angeblichen Gesprächspartner nicht nennt, wird von Lejern der Hugenbergpresse bei ihrer anzunehmenden Einfalt faum störend empfunden werden.

Natürlich handelt es sich bei den Gesprächen um Phantasie­

gebilde des Herrn v. Troilo, die erfonnen sind, einmal um dem Bürgertum das Gruseln vor der diktaturlüfternen Sozialdemokratie beizubringen, und das andere Mal, um den Glorienschein feines Meisters Hugenberg in frischpoliertem Hochglanz erstrahlen zu lassen. All das, was Her v. Troilo die sozialdemokratische Seite in diesen angeblichen Gesprächen sagen läßt, fann von einem sozial demokratischen Gewerkschaftssekretär in dieser Form und mit diesem Inhalt unmöglich gesagt worden sein. Namentlich die Behauptung, daß die Sozialdemokratie vor Herrn Hugenberg ganz be= sondere und gewaltige Angst habe, ist so durchsichtig, daß hier der Zweck des Ganzen selbst für naive Seelen deutlich zutage

tritt!

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Wir können Herrn v. Troilo nur versichern, daß wir und mit uns die gesamte Sozialdemokratie- der Deutschnationalen Volks­ partei die geniale Führung Hugenbergs noch auf Jahrzehnte hinaus wünschen und gönnen!

Krach im Thüringer Landtag . Herr von Thuemmel schließt einen Kommunisten aus. Weimar , 13. Juli. ( Eigenbericht.) Am Sonabend kam es bei der Beratung des Justizhaushalts zu erregten Auseinandersetzungen zwischen Kommunisten und dem. Präsidium des Landtags, das gerade von dem Landbundabgeordneten v. Thuemmel ausgeübt wurde. Herr v. Thuemmel chloß im Verlauf der Sizung den Kommunisten Fischer wegen fortgesetter Störung aus. Fischer weigerte sich, den Saal zu verlassen. Als v. Thuemmel darauf die Sigung schloß. beschimpften ihn die Kom­munisten in äußerst erregten Zurufen.

Jn Ergänzung der Liste der Arbeiterregierung werden nach­träglich noch folgende Ernennungen befanntgegeben: Lorbadvokat für Schottland Craigie Aitchison , Solicitor General für Schottland John C. Watson, Stellvertretender Generalpoftmeister Viant. Direktor der Abteilung für Ueberseehandel im Handelsamt Gillett, Haupteinpeitscher der Regierung Tom Kennedy .

von internationalen Gruppen bestritten. Der Leipziger Jugendchor sang, holländische und polnische Ar= beiterjugend brachte das Spiel 3usammenschluß" gemeinsam mit Gruppen der Arbeiterjugend Amsterdams und aus Bodenbach zur Aufführung.

Eine Revolutionsfeier Jugend für die Jugend" war unter Benugung einer Reihe von Revolutionsgedichten zu­fammengestellt. Sie brachte im ersten Teil eine Darstellung des Klaj enkampfes der Vergangenheit und der Gegen wart, zeigte im zweiten Teil, wie die Revolution Männer und Frauen und Jugend erweckt und der Menschheit den Weg zur Höhe bahnt. So

Im großen Musikvereinssaal wurde das Chorwerk Pioniere" aufgeführt, das zu einem Tert des amerikanischen Bioniere" folgte die Stunde der Befreiung". Dieses Dichters Wald- Withmann komponiert worden ist. Auf die Wert von Joseph Luitpold ist das Muster einer sozialistischen Kantate und erntete stürmischen Beifall bei der Jugend.

In den anderen Feiern wurden die jugendlichen Gäste mit der Wiener Musik und Kunst bekannt gemacht. Lieder von Johann Strauß , Millöder, Lanner und Soupé wurden ge­jungen und Tänze dieser Meister gezeigt. Eine Feier trug den Titel Rhythmen tämpfender Bölker", eine andere zeigte bas Boltsftüd 1848"

Am Freitag nachmittag und am Sonnabend morgen sprachen die Führer der österreichischen Sozialdemokratie, die Leiter der Gemeinde Wien zu der Jugend. Besonders erwähnenswert ist der Vortrag des Stadtrats Hugo Breifner über die fozialdemokratische Finanzpolitik der Gemeinde Wien .

werden.

Die Führungen durch das alte und neue Wien unter Leitung von besonders ausgebildeten Jugendordnern werden recht rege in Anspruch genommen. Es ist begreiflich, daß die Führungen durch das neue Wien ein besonders starkes Interesse finden.

Sind doch viele Jugendliche nach Wien gekommen, um in eigener Berson einmal zu schauen, was das roie Wien in der Wohn­frage geleistet hat, was sozialdemokratische Arbeit fid sich für steinerne Denkmäler in Form von schönen, gesun­den Wohnungen gesetzt hat.

Am Freitagnachmittag waren der Reimannhof und die Sandleiten mit ihrem Rongreßbad, die Lehrlings­heime und das Amalienbad viele Stunden hindurch das Ziel von Tausenden jungen Gästen. Besonderes Interesse zeigten die Jugendteilnehmer für die neue Fortbildungsschule in der März straße. Sind doch viele von ihnen selber Berufs- und Fortbildungs­schüler.

Am heutigen Sonnabendabend ist eine große internatio= nale Feier auf der Hohen Warte. Anschließend ist ein Fackelzug vorgesehen, der am festlich beleuchteten roten Rathaus sein Ende

nimmt.

Anschlag auf Henderson?

Revolverhelden vor seiner Wohnung.

Condon, 13. Jufi.

Wie die Morgenblätter berichten, sprach am Spätabend des Freitag ein unbekannter Mann in dem Hotel St. Ermines in Wefts minster vor, in dem Außenminister Henderson und seine Familie Außenminifter persönlich zu sprechen. Da er teine zufrieden wohnen, wenn sie in London weilen. Der Fremde verlangte den stellenden Gründe für diesen Wunsch angeben fonnte, wurde sein Ersuchen abgelehnt, worauf er aus seiner Tasche einen Revolver hervorzog und, die Waffe spielerisch bewegend, erklärte: Gut, ich werde ihn später sehen!" Eine Stunde später sprach ein anderer Unbekannter vor und verlangte gleichfalls den Außenminister zu sehen. Diesmal wurde das Ersuchen ohne weiteres abgelehnt. Die englische Geheimpolizei hat daraufhin in der Halle des Hotels eine, Bache aufgestellt. Der ganze Vorfall ist vorläufig noch unaui­geflärt und hat beträchtliches Aufsehen erregt.

Im Zusammenhang mit dem geheimnisvollen Besuch von zwei Männern in dem Hotel, in dem Staatssekretär Henderson wohnt. berichtet Daily Telegraph ". daß heute nachmittag der Londoner Bezirksausschuß der Kommunistischen Partei eine Protestfundgebung. Bor brausenden Beifallsstürmen unterbrochen, schilderte Breitner außerhalb der Tore des Flugplatzes Hendon gegen die dort heute Die Kommunisten pro drucksvollen, zuweilen drastischen Beispielen So fagte er, als er die Grundsäße des Wiener Steuersystems und belegte sie mit ein- stattfindende Riesenflugschau veranstaltet. testieren gegen die Beteiligung des Premierministers. erwähnte, daß das Steuererträgnis der feinsten Kon Snowdens, Lord Thomsons und anderer Mitglieder der sozialisti. ditoreien Wiens ausreichte, un 16 Schulzahnschen Regierung und auch besonders gegen den Luftangriff auf einen tliniten zu führen: Die Damen, die sich mit Sußigkeiten ihre| Kulissenhafen, der, nach der Behauptung der Kommunisten Zähne verderben, mögen so dazu beitragen, die 3ähne der Schultinder gesund zu erhalten."

Die geistreichen und dabei doch außerordentlich populäre Methode der Darstellung fand den begeisterten Beifall der versammelten Jugend, die ein flares Bild der Wiener Finanzen und der Wiener Leistungen empfingen.

Außerdem sprachen noch Nationalrat Karl Renner ,

die jetzt in Rußland errichteten Stahl- und Betonbauten darstelle. Mifglieder des Kabinetts find Daily Telegraph " zufolge feit ihrer Amtsübernahme zahlreichen kommunistischen Beleidi gungen ausgefegt gewesen, und es wird in fommunistischen Zei­tungen der letzten Woche erklärt, daß die Belassung der Kontrolle über die Mordmaschinen" in den Händen Macdonalds und anderer Dilettanten den Selbstmord der Arbeiter bedeute.