Einzelbild herunterladen
 

Beilage

Dienstag, 16. Juli 1929

Der Abend

Spalausgabe des Vorvoirs

Wie macht man sein Testament?

Betrachtungen für jedermann Von Amtsgerichtsrat Berthold Herz

Eine der bequemsten Arten, Vermögen zu erwerben, ist bekannt lich das Erben: Man tut nichts dazu, und kommt doch zu Sachen oder sogar zu Geld. Durch die Zeitungen ging fürzlich die Geschichte von einem menschenfreundlichen Etatrat, der über Millionen von Kronen zu verfügen hatte und darauf ausging, wenigstens insofern ein klein menig die Vorsehung zu spielen, als er gute Taten, um die sich sonst niemand fümmerte, schon auf Erden in folgender Weise belohnte. Er ging stets mit einem Notizbuch aus, in das er furz die betreffende Tat, Name und Adresse des Täters und den Betrag notierte, der bei seinem Erbfall dem Ahnungslosen dieserhalb auszuzahlen war. Das Testament war schließlich viele Seiten lang und hat einer Menge Menschen dann Freude gemacht.

Nun ist allerdings ein Testament besonders dann um so nötiger, je größer der Nachlaß ist. Und es ist ein Zeichen des fintenden Boltswohlstandes, wenn der Wert der Erbschaften in Deutschland in unseren Zeitläuften erheblich geringer ist als etwa furz vor dem Kriege. Aber auch wer nur wenig sein eigen nennt, möchte oft und fann stets seinen letzten Willen über das rechtliche Schicksal seines Hab und Guts schriftlich hinterlassen und so noch nach seinem Tode zu seinem kleinen Teil auf die Ordnung der Dinge einwirken. Un­tauglich zwar ist zum Beispiel der Bersuch eines Spaßvogels, der seinem ärgsten Feinde lediglich seine Schulden vermachte. Niemand fann gezwungen werden, eine Erbschaft anzunehmen, auch nicht ein Vermächtnis. Wohl aber regelt das Gesetz die Erbfolge, auch menn feine Verfügung von Todes wegen vorhanden ist, und zwar nach den Grundsätzen der sogenannten Parentelordnungen( der näheren oder ferneren Blutsverwandtschaft).

Sehr häufig fommt es nun vor, daß irgend ein Erblasser( oder erst recht eine Erblasserin) die wohlerwogensten Bestimmungen trifft, wie es nach ihrem Ableben mit ihrem Schmud und ihren Attien, ihren alten Möbeln und ihren Sammlungen usw. gehalten werden solle; daß aber keiner der so Bedachten davon etwas hatte, sofern er nicht zugleich zu den gesetzlichen Erben gehörte: Das Testament war aus irgendeinem Grunde nichtig. Der fleinste Formfehler fann solche Richtigkeit herbeiführen.

Das ficherfte Mittel, um solche unangenehmen Ueberraschungen zu verhüten, ob deren schon mancher Erbontel oder Erbfante sich im Grabe umgedreht hätten, wenn sie es gefonnt hätten, ist folgen des: Man gehe zum nächsten Amtsgericht, Nachlaßab teilung, oder zu einem Notar seines Vertrauens und errichte vor Richter und Urfundsbeamten oder Notar und zwei neutralen Beligen sein Testament. Dann wird es im allgemeinen schon rechtsgültig fein. Außerdem hat man dann die Beruhigung, daß es gleich von Amts wegen in einen besonderen, möglichst feuer- und diebessicheren Testamentsschrank getan und dort verwahrt wird, bis man es entweder wieder herausverlangt, was man jederzeit tun fann, oder bis man dieser zweifelhaften Welt endgültig Ade sagt. Sobald eine Sterbeurtunde zu den betreffenden Testaments­atten gelangt, wird auch das Kuvert mit dem Brieffiegel alsbald dem heiligen Schrant wieder entnommen, eröffnet und verkündet.

Allerdings erfährt das Gericht nicht immer vom Tod des Testators, und so tommt es, daß bei fast allen Amtsgerichten noch eine Menge sehr alter Testamente in allzu guter Verwahrung liegen, in denen einst ein oder eine V, deren Knochen wohl längst per modern, ihre geheimsten Wünsche hinsichtlich des Verbleibs ihres Vermögens erklärt haben. In Preußen werden Testamente 54 Jahre lang unversehrt aufbewahrt und erst dann eröffnet, und zwar auf Grund folgender Rechnung. Man nimmt an, das Leben eines Menschen währt 70 Jahre. Vom 16. Jahre ab fann man ein Testament errichten( allerdings bis zur Erreichung der Volljährigkeit nicht ohne Zustimmung des Baters bzw. der Mutter oder des Vormunds). 70-16 gibt 54. Die Rechnung ist aber falsch, insofern meist nicht Jüngere, sondern Aeltere auf die Idee tommen, ihren letzten Willen zu äußern. War z. B. der Erblasser schon 60, als er das Testament überhaupt erst machte, wandert dann aus, und es fümmert sich niemand mehr um ihn, so bleibt das Testament mit ,, tödlicher" Sicherheit liegen, bis zu seinem 114. Jahr. Erheblich häufiger bedient man sich jedoch der Form des privatschriftlichen Testaments. Jeder Leser und jede Leserin fann mit Leichtigkeit auf der Stelle rechtsgültig Testament machen, wenn sie nicht gerade wegen Geistesschwäche, Berschwendung oder Trunksucht entmündigt, und wenn sie über 16 Jahre alt sind. Mit diesen verhältnismäßig geringen Einschränkungen geht das BGB. hier von der völligen Willensfreiheit des einzelnen aus. Es verlangt lediglich eine vom Erblasser selbst unter Angabe des Ortes und Tages eigenhändig geschriebene und unterschriebene Erklärung. Jeder Zettel mit Bleistift genügt. Aber auch Kreideschrift auf Schiefertafeln, Pinselstriche usw. Doch sei vor Verwendung von Griffel und Tafel gewarnt. Dieser Stoff ist jedenfalls vergänglicher als etwa Stein und Meißel. Man tann mit jeder allgemein ver ständlichen Sprache sich ausdrücken, auch auf lateinisch oder hebräisch, doch darf es nicht an der Ernstlichkeit fehlen. Es ist auch nichts dagegen einzuwenden, wenn Blinde in Blindenschrift schreiben. Es muß aber jedes Bort selbst geschrieben sein, auch Datum und vollständige Unterschrift dürfen nicht fehlen.

Ein Testament, das sonst wunderschön sein mag und im übrigen das Datum trägt: ,, Berlin , den 10. Juni", ist nichtig es fehlt die Jahreszahl. Ein Testament, in dem der Vordrud im Datum: Berlin , den...." Dorgedruckt oder hettographiert war, ist für nichtig erflärt worden. Einmal hat das Reichsgericht geholfen, obwohl die Testamentsurkunde selbst tein Datum enthielt; der Erblaffer hatte solches auf die Stempelmarte geschrieben, die aufgeflebt war. Ein andermal fand sich das Datum nur auf dem Kuvert als Auf schrift. Hier tann unter Umständen angenommen werden, daß diese Datumschrift noch zur Testamentshandlung selbst mit dazu gehörte. Bor allem aber muß das Datum auch stimmen. Ein Schwertranter schreibt mit großer Mühe noch sein Testament. Auf seine Anfrage sage ihm die Krankenschwester, es ei der Dritte. Es war aber der 3weite, und am Zweiten abends starb er noch. Infolge dieses Umstands gestaltete fich die Rechtslage zweifelhaft. Nur ganz offenbare Schreibfehler fönnen unter Umständen unschädlich bleiben; z. B. der Erblasser schreibt 1829 statt 1929.

Auch in der Unterschrift sei man torrett. Die Unterschrift: Eure Mutter" wird von der Rechtsprechung nicht als genügend an

/

| gesehen, wenn nicht gerade die Person der Mutter auch noch sonst aus dem Testament selbst mit genügender Sicherheit sich ermitteln läßt, etwa durch namentliche Bezeichnung der Kinder usm.

Es tommt vor, daß man sein Testament jahrelang liegen läßt; die darin bedachten Personen sind einem längst gleichgültig geworden, man hat sie so gut wie das Testament vergessen; dann wird man reich und dann kommt der Tag, wo der Tod einen zwingt, all sein Hab und Gut seinen Erben zu hinterlassen. Wie ist es nun mit dem

alten Testament? Im Zweifel ist es nach wie vor gültig. Es fann angefochten werden, wenn der Erblasser einen zur Zeit des Erbteils vorhandenen Pflichtteilsberechtigten übergangen hat, dessen Bor­handensein ihm bei der Errichtung der Berfügung nicht bekannt war oder der erst nach der Errichtung geboren oder pflichtteilsberechtigt geworden ist. Aber auch dann ist die Anfechtung ausgeschlossen, sobald anzunehmen ist, daß der Erblasser auch bei Kenntnis der Sachlage die Verfügung getroffen haben würde.

Rösselsprünge

Ihr Sinn und ihre Lösung

-

Das Rössel ist eine Figur des Schachspiels. Rösselsprung im engeren Sinne ist die Bewegung, die das Röffel auf dem Schachbrett ausführt. Das Röffel macht nicht 3üge", sondern springt". Sein Sprung setzt sich zusammen aus 2 Zügen, die parallel zu den Kanten des Schachbrettes erfolgen und vorwärts oder rückwärts oder seit wärts gerichtet sein können. Die 2 3üge, die zusammen den Röffel sprung ausmachen, sehen folgendermaßen aus: entweder zuerst in irgendeiner Richtung( nur nicht diagonal) um ein Feld weiter und anschließend im rechten Winkel um zwei Felder weiter oder zus erst zwei Felder und dann im rechten Winkel um ein Feld weiter. Wie Figur 1 zeigt, find vom Felde a aus sechzehn derartige zu ſammengefoppelte Züge möglich. Aber diese 16 Möglichkeiten führen nur zu 8 Feldern. Es sind von a aus also nur 8 Rösselsprünge mög lich. Ebenso von b aus. Die von b aus möglichen 8 Rösselsprünge sind in der Zeichnung gradlinig ausgezogen, denn man läßt das Rössel selbstverständlich gradlinig springen, nicht um die Ece ". Aus der Beichnung ist auch zu erkennen, wie man von a nach b mit Rössel­sprüngen gelangen fann und daß hier der kürzeste" Weg zwei gleichwertige Möglichkeiten bietet. Die Zeichnung 1 läßt weiter er­kennen, daß von Ed- Feldern( c) nur zwei Röffelsprünge möglich find, weil die übrigen außerhalb des Schachbrettes fallen würden.

Aus Rösselsprüngen lassen sich zusammenhängende, gebrochene, verschlungene Linienzüge so bilden, daß sämtliche 64 Felder des Schach­brettes berührt werden, aber jedes einzelne Feld nur einmal. Ein solcher Linienzug heißt dann, in einem weiteren Sinne, gleich. falls Rösselsprung". Figur 2 zeigt die Hälfte eines Röffelsprunges in weiterem Sinne: der aus den einzelnen Rösselsprüngen zustande

"

T

a

^

Figur 1

C

gekommene Linienzug hat von den 64 Feldern bereits 32 berührt. Rösselsprünge im weiteren Sinne lassen sich fast unendlich viel ver­schiedene zusammenbauen. So mannigfaltig die Möglichkeiten von Rösselsprüngen i w S aber auch sind, so weisen doch fast alle ge­meinsame Grundähnlichkeiten auf. 3. B. ist fast allen Röffelsprüngen iw S gemeinsam, daß sie sich in den Ecken des Schachbrettes lebhaft verschlingen, wie es in Figur 2 gut zu sehen ist. Sehr viele( und gerade die schönsten) Rösselsprünge i w S find symmetrisch ge baut; dies bedeutet: teilt man den Linienzug durch eine sentrechte Mittelachse, so sind die rechte und die linke Hälfte einander gleich, jedoch nach entgegengesetzter Richtung gelagert. Die nicht symmetri schen Rösselsprünge i w S find fast alle wenigstens synoptisch gebaut; dies heißt: welche der vier Kanten des Schachbrettes man auch nach unten hält, immer hat man dieselbe Figur vor Augen. Derjenige Rösselsprung mun, den zu lösen" es gilt, ist Röffel­sprung in einem noch weiteren Sinne. Es sind nämlich über ein Schachbrett oder eine schachbrettähnliche Felderfigur einfilbige Wörter und Bortfilben verteilt, die zusammengehören und in richtiger Reihenfolge ein Gedicht, ein Sprichwort oder ähnliches bilden. Und die Verteilung ist so angeordnet, daß sich ein Rösselsprung i w S ergibt, wenn man die einzelnen Worte und Silben in der zukommen. den Reihenfolge miteinander verbindet. Einen derartigen Röffel. sprung ,, lösen" heißt also, denjenigen Linienzug finden, der die ein zelnen Glieder zu einem Gedicht, Sinnspruch usm. zusammenreiht.

Ob ein Röffelsprung schwer oder leicht zu lösen ist, hängt zum wesentlichen Teile davon ab, ob Glieder, die nicht selbständige Worte, fondern nur Silben sind, durch das Zeichen gls solche gefenn. zeichnet sind. Ohne Zeichen find größere Röffelsprünge meift nicht einfach zu lösen. Andererseits wird die Lösung erheblich dadurch erleichtert, menn man den Hauptworten( oder ihren Borderfilben) in der Felberfigur thren großen Anfangsbuchstaben gelassen hat; dann

ist die Lösung meist sehr leicht. Das Uebliche ist aber, nur eine Buchstaben zu verwenden, jedoch alle Beichen anzugeben.

-

Gilt es, einen derartigen Rösselsprung zu lösen, so beginnt man am besten damit, die durch die Zeichen als unselbständige Silben erkennbaren Glieder zu Worten zu vereinigen. Dies gelingt bei einiger Uebung ohne Schwierigkeit. Muß doch jede gesuchte Silbe

Sigur 2

von der ihr vorhergehenden Silbe aus durch einen Röffelsprung zu erreichen sein. Sucht man also von einer Silbe aus die fie fortsezende Silbe, so hat man im äußersten Falle zwischen acht Möglichkeiten zu wählen, weil eben von feinem Felde des Schachbrettes mehr als 8 Röffelsprünge möglich sind. Die zusammengehörigen, Borte bilden­den, Silben wird man also ziemlich leicht zusammenfinden. Hat man alle Worte einzeln, so muß man zusammengehörige suchen( die stets in Rösselsprungabstand zu finden sind). Kommt z. B. das Wort ,, bu" Dor, so fann man sicher sein, in der Nähe ein Tätigkeitswort zu finden in der Form der zweiten Person. Am leichtesten wird man Zusammengehöriges in den Eden der Schachbrettfigaur finden, weil dort der Rösselsprung i w S funstvoll verschlungen zu sein pflegt. Da von den Edfeldern aus nur zwei Rösselsprünge möglich sind ( siehe oben), so ist an dieser Stelle Zusammengehöriges ja sofort zu finden. Ist man über die Ecken einigermaßen im flaren, dann sucht man von den übrigen Randfeldern aus, denn von Randfeldern aus gibt es auch nur 3 bzw. 4 mögliche Röffelsprünge.

Als praktisches Beispiel bringen wir einen sehr leichten Röffel sprung. 24 Silben eines Ühlandschen Gedichtes sind durch Rösselsprung zufammenzusuchen. Unser fleines Beispiel hat nur 25 Felder( nicht 64 wie das Schachbrett). Obendrein ist noch eines zu viel, da nur

24 Silben zur Verfügung standen; deshalb blieb das mittelste un besetzt. Wer unserer furzen Anleitung gemäß vorgeht( erst den

D auch mir balb schon

früh blü wet chen ber

teft fanf­

Lösung:

gauch det

( quaian)

po up a

hen lings füf- wie- veil­

ter

bu

* 1a6asBu յկոԸ 12 jaga ng lapa uops pпo an'

bie lie- fer Zeichen folgen und aus Silben Worte bilden, dann von den Ed. feldern aus Wort an Wort reihen), der wird den Rösselsprung sehr schnell gelöst haben. Und wer erst einmal einen gelöst hat und sich hierdurch über das Wesen der gestellten Aufgabe flar geworden ist, der mird dann auch schwierigere Röffelsprünge lösen lernen und diese vornehmste Gattung der Zusammenseßaufgaben schäzen lernen.

Sensation.

Dr. Adrian Mohr.

Als längste Brüde der Erde wurde bisher die Löwenbrüde in China bezeichnet, die eine Bucht des Gelben Meeres in einer Länge von etwa 7 Kilometer überspannt. Diese Meinung besteht aber mit Unrecht. Die längste Brücke der Welt befindet sich in Deutschland : Es ist die Glienider Brüde, die Potsdam mit Berlin ver. bindet. Auf der einen Seite der Brüde steht eine Tafel mit der Aufschrift: Berlin 25 Kilometer", mährend auf der anderen Seite der Brüde das Berliner Gebiet schon beginnt. Sonst sieht die Brüde aber gar nicht so gewaltig aus....

PP