1929
Der Abend
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Nr. 336
B 167
46. Jahrgang.
66 Anzeigenpreis: Die einfpaltige Nonpareillegeile 80 Pf., Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Postfchecktonto: Vorwärts- Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. 37 536. Fernsprecher: Donboff 292 bis 297
Spätausgabe des„ Vorwärts
Peting, 20. Juli..
Der amerikanische Gesandte Mac Murrah hat am Freitag dem chinesischen Außenminister Dr. Wang telegraphiert, daß er von seiner Regierung beauftragt sei, mit der Nankinger Regierung über eine amerikanische Vermittlung in dem Streit zwischen China und der Sowjetunion zu verhandeln. Der amerikanische Gesandte bat die Nankinger Regierung, ihm mitzuteilen, ob sie bereit sei, die amerikanische Vermittlung anzunehmen.
Wie aus Moskau gemeldet wird, hat der franzö. fische Botschafter in Moskau , Jean Herbette, am Spät abend des Freitag von Außenminister Briand ein Tele. gramm erhalten, in dem er beauftragt wird, Schritte in der Frage der amerikanischen Vermittlung in dem russischchinesischen Streit zu unternehmen. Jean Herbette hat die Vermittlungswünsche Amerikas dem stellvertretenden Außenkommissar bereits zur Kenntnis gebracht. Wie sich die Sowjetregierung zu diesen amerikanischen Bestrebungen stellen wird, ist allerdings noch nicht bekannt.
Beide Parteien annahmebereit.
New york , 20. Juli. Die Washingtoner Regierungsfreise äußern ihre Befriedigung darüber, daß die Wortführer der Sowjetregierung sich bereiterftärt hätten, den Kellogg - Patt zur Grundlage weiterer Berhandlungen zu machen. Auch der chinesische Gesandte in Washington hat in einer Unterredung mit dem Staatssekretär Stimjon eine 3 ufagende Antwort erteilt: Obwohl der Kellogg - Bertrag noch nicht in Kraft getreten fei, beabsichtige China nicht, in der gegenwärtigen ruffisch- chinesischen Meinungsverschiedenheit Gewalt zu gebrauchen. Eine amtliche Antwort der chinesischen Regierung auf den ihr telegraphisch übermittelten amerikanischen Vermittlungsvorschlag liegt allerdings noch nicht vor. Trohdem erklärte Staatsjefretär Stimjon bereits dem Präsidenten Hoover, daß die Nanfinger Regierung den Berpflichtungen des Kellogg - Pattes nachtommen werde.
Die Vermittlungsaktion.
W
Anti
Kriegsteg
mit
Das Mostaner Wetterhäuschen.
Rin in's Haus! Raus aus's Haus!
Fein Geschäft, Wie's trefft!
Zwei alte Leute niedergeknallt.
Auf dem Wege von Kramjach nach Branden= berg im Unterinntal wurden gestern um 7 Uhr abends der pensionierte Schuldirektor Wilhelm Hummel aus Hofstetten an der Pielach in Niederösterreich und seine Frau, als sie auf einer Bank an der Straße rasteten, von einem Unbekannten aus dem Hinterhalt niedergeschossen und vollständig ausgeraubt.
Der Täter verhaftet.
Am Freitag mittag wurde in der abgelegenen alten Gerberei in Kastanienbaum auf der Horwer Halbinsel des Vierwaldställer Sees eine in den 50er Jahren stehende Frau in ihrem Hause mit einer Art erschlagen. Der Täter raubte ungefähr 1000 Franken. Hierauf lockte er das vierjährige Enfelkind der Ermordeten in den abseitsgelegenen Hühnerstall und tötete es ebenfalls. Dann bestellte der Raubmörder ein Auto von Luzern nach Kastanienbaum und ließ sich nach dem Luzerner Bahnhof fahren.
Bereits nachmittags wurde er von der Luzerner Polizei fe ftgenommen. Er stammt aus dem Orte der Tat und hat sich seit längerer Zeit unftet herumgetrieben.
Die weiße Weste des Herrn Stinnes
Rechtsanwalt Alsberg spricht weiter.
Unter nicht geringerem Andrange eines erfitlaffigen" Publikums als gestern erhielt heute morgen im StinnesProzeß Rechtsanwalt Dr. Alsberg das Wort zur Fortjetzung seines Plädoyers.
Hatte er sich im ersten Teil seiner Rede mit den Unter
London, 20. Juli. " Die Tatsachenmeldungen über die letzte Entwicklung im chinesisch- russischen Streit sind heute morgen außerordentlich ipärlich und verzeichnen taum irgendwelche neuen wesentlichen Ergebnisse. Im Mittelpunkt steht nunmehr die amerikanische Versuchungsmethoden des Vorverfahrens auseinandergesetzt, so mittlungsaktion, der namentlich die„ Times" große Beachtung schenft. In einem Washingtoner Bericht des Blattes heißt es, daß in maßgebenden amerikanischen Kreisen sehr große Hoffnungen auf die Bermittlungsaktion gefeßt werden. Der Kreis der Personen, die überzeugt find, daß größere Feindseligkeiten vermieden werden. 24. Juli, an dem der Kellogg Batt in Kraft gefegt wer fönnten, sei sehr groß. In Washington hoffe man, daß bis zum den soll, bereits ein Erfolg dieser Ausgleichsaftion zu verzeichnen sein werde und dieser Tag demzufolge Anlaß zu der Feier des ersten wirklich bedeutsamen Erfolges dieses Paftes gebe.
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warf er jetzt die Frage nach dem Zustandekommen der Beständ nisse von Waldow und Stinnes auf. Bei der Haßstimmung, sagt Rechtsanwalt Alsberg, die bei Waldow gegen Stinnes geherrscht hat, war es ihm unmöglich, unbeeinflußt und ruhig zu sagen, was er wußte, was er unter allen Umständen aufrechterhalten konnte, seine Aussagen gemacht? Das ist von ihm selbst einmal in der Vorwofür er Unterlagen besaß. In welcher Atmosphäre hat Waldow untersuchung zum Ausdruck gebracht worden.
Sie haben, sagte er dem Untersuchungsrichter, Ihr Ziel erreicht. Ich bin zermürbt! Es kommt nicht darauf an, ob das, was mit Waldow geschehen ist, gutgläubig oder nicht gutgläubig geschah. Der Angeschuldigte gibt sich keine Rechenschaft über die Tragweite seiner Bekundungen, er will seine Ruhe haben.
Die amerikanische Vermittlung stügt sich in erster Linie auf Artikel 2 des im Dezember 1921 in Washington abgeschlossenen Biermächte vertrages 3mischen dem britischen Weltreich, Frankreich , Japan und den Bereinigten Staaten über die Erhaltung des allgemeinen Friedens im Fernen Often und die Sicherung der Rechte und Besizungen dieser vier Bertragsmächte in jenen Ge bieten im besonderen. Dieser Artikel sieht vor, daß im Falle einer Aus diesem und auch noch anderen Gründen mählt er nicht so Bedrohung oder eines Angriffes auf die Rechte eines oder aller sorgfältig, mie es vielleicht erforderlich wäre, seine Worte, besonders, dieser Mächte die vertragschließenden Parteien sich miteinander in wenn er glaubt, daß ihm durch seine Aussage irgendwelche Bor Verbindung setzen und in einem vollkommenen und offenen Meiteile winken. Für Baldows Gemütseinstellung in der kritischen nungsaustausch über die wirksamsten Maßnahmen sich einigen Zeit wurde der Artikel des otal- Anzeigers", in dem sollen, um der jeweils bestehenden Lage am wirfsamsten Stinnes angeblich von ihm abrückte, von entscheidender Bedeutung. begegnen zu können. Rriminalfommissar Grassow hat aber diese Gemütsstimmung in ihm ganz bewußt genährt. Sie wurde noch gesteigert, als der von Stinnes zu ihm gesandte Berteidiger Dr. Solf sich auf eine rein in ihm die Vorstellung wedte, Stinnes feien alle Mittel gut genug, felbst ein Giftmord, um ihn unschädlich zu machen. Der Refrain
New York erwartet ,, Bremen ". formelle Aussprache beſchränken mußte und der Untersuchungsrichter
Eine Genfation.
New Borf, 20. Juli. Das Publikum sieht dem ersten Einlaufen des neuen Lloyddampfers Bremen " mit jo regem Interesse entgegen, daß be
Bericht über das Nürnberger
reits jest großer Andrang nach Karten zur Besichtigung des Schiffes Bundesfest der Arbeitersportler
während seines New- Yorker Aufenthaltes herrscht. Es sind schon etma 8000 Rarten ausgegeben worden.
Siehe in der Sportbeilage.
der Detektive, die der Kriminalkommissar Grassam in ihn hineinpflanzte, lautete: Sagen Sie für Stinnes aus, so schaden Sie sich, fagen Sie gegen Stinnes aus, so n ühen Sie sich.
Pflicht des Untersuchungsrichters wäre es gewesen, zu sagen: In dieser Verfassung nehme ich von Ihnen feine Erklärungen entgegen. Daß seine Seelenverfassung sich an der Grenze des Gesunden bewegt habe,
ist von Dr. Leppmann bestätigt worden. In diese Zermürbungstaftit der Boruntersuchung paßt auch vorStrafprozeßordnung. Man hat Waldow nie zur ruhigen Besinnung züglich die Art hinein, in der die Bernehmungsprotokolle aufgenommen wurden ein Hohn auf die Forderungen der
tommen lassen; hat die Protokolle mit Stinnes herabseßenden Bemertungen gespickt, man hat nie und nirgends den Versuch gemacht, die Aeußerungen, die zur Belastung Stinnes' dienen fönnten, auf ihre tatsächliche Grundlage zu prüfen. In dem Bestreben, Bela ftung auf Belastung zu häufen, hat man dabei von Waldows Aeußerungen abgesehen, die erweislich unrichtig waren und für die es nur die eine Erklärung gab, daß Waldom eben ge= sehen habe, seine einzige Rettung sei, Dinge zu befunden, die man von ihm hören wollte und die Stinnes belasteten. Schritt für Schritt hat man versucht, den Sentpunkt, in dem Stinnes von dem betrügerischen Charakter des Geschäfts Kenntnis bekommen habe, vorzudatieren.
Der Verteidiger versucht dann, an Hand der angeblichen ursprünglichen unbeeinflußten Erklärungen Waldows, an Hand der Zeugenaussagen und der Korrespondenz den Nachweis zu führen, daß Stinnes von dem Betrug erst in einem Zeitpunkt Kenntnis er halten hat, in dem bereits sämtliche Täuschungsmanöver durch die Ausländer verübt seien und daß durch nichts, was Stinnes nach dieser Kenntnis getan habe, der Betrug der Ausländer habe gefördert werden können.
Nun das angebliche eigene Geständnis des Stinnes! Trotzdem, so sagt der Verteidiger, sich die Bernehmung, bei der Stinnes ein Geständnis abgelegt haben joll, unter Umständen abgespielt hat,