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Morgenausgabe

Nr. 369

A 186

46.Jahrgang

Böchentlich 85 31. monatlich 3,60 m. im voraus zahlbar. Boftbezug 4.32 m. einschließlich 60 Bfg. Boftzeitungs- und 72 Bfg. Boftbeftellgebühren. Auslands abonnement 6,- M. pro Monat.

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Vorwärts

Berliner Boltsblatt

Freitag

9. August 1929

Groß- Berlin 10 pf. Auswärts 15 Pf.

Die etnipattige Ronpareillezetle 80 Pfennig. Reflamezeile 5.- Reichs mart. Kleine Anzeigen das lettge brudte Wort 25 Pfennig( zuläffig wel fettgedruckte Worte), jedes weitere Bort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Bort 15 Pfennig, jedes mettere Bort 10 Pfennig. Borte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmartt Beile 60 Pfennig. Familienanzeigen Zeile 40 Pfennig. Anzeigenannahme imhaupt eschäft Lindenstraße 3, wochentäglich oon 81%, bis 17 Uhr.

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Hetze.

Die Freunde der Femeverbrecher.

Der Kreis um Hugenberg sucht nach Affären, um die matte Propaganda für das Hugenberg- Boltsbegehren zu be­leben. Was die Agitation gegen den Young- Plan nicht ver­mag, soll die Heze bringen. Es ist das alte Rezept, das dieser Kreis in seinem Kampfe gegen die Republik und die Sozial demokratie immer von neuem anwendet immer aber mit

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dem gleichen Erfolg, daß am Schluß die Hetzer selbst dastehen

als entlarote Lügner und zweifelhafte Ehrenmänner.

Die beiden neuesten Affären, die in der Hugenberg- Bresse zu Hezzzwecken benutzt werden, sind dem Gebiet der Justiz ent­nommen, es sind die Fälle Edermann und Bombe.

Der Fememörder Edermann wurde in Guatemala verhaftet, an Deutschland ausgeliefert und sieht jetzt seiner Aburteilung entgegen. Der Zorn der Rechtsradikalen dar über, daß er gefaßt worden ist, macht sich in lärmendem Ge­schrei über die Umstände der Verhaftung Luft. Aus der Tatsache, daß die Verhaftung von farbigen Polizisten vor­genommen worden ist, werden heftige Angriffe gegen die deutschen Vertreter in Guatemala abgeleitet. Es wird als eine Art Nationalschande bezeichnet, daß ein farbiger Bolizist seine Hand an einen ehemaligen deutschen Offizier gelegt hat. In der deutschnationalen Hegpropaganda erscheint der Feme­mörder als Repräsentant der deutschen Ehre und der weißen Rasse, seine Verhaftung als eine Schmach, die Deutschland und der weißen Rasse geschehen ist.

Wir schämen uns eines solchen Repräsentanten des Deutschtums! Die Schmach für Deutschland besteht nicht darin, daß farbige Bolizisten einen deutschen Verbrecher ver­haftet haben, sondern in der Existenz dieses Berbrechers! Die Fememorde waren Berbrechen, deren Ausführung von be sonderer Gemeinheit und Roheit der Gesinnung zeugte. Es enthüllt eine ganz besondere Auffassung von Offiziersehre in den sogenannten, nationalen" Kreisen, daß an dieser hinter­liftigen und feigen Menschenschlächterei Offiziere teilge­nommen haben, daß sie auf Offiziersbefehl erfolgt ist!

Der deutschnationalen Heze im Falle Eckermann liegt der ganz besondere Ehrbegriff des Kreises um Hugenberg zugrunde, der sich mit dem Femeverbrecher solidarisiert, aber auf den farbigen Beamten mit Berachtung herabblickt, und die deutschen Beamten, die pflichtgemäß bei der Berhaftung eines Mörders mitgewirkt haben, auf das heftigste angreift. Der Selbstmord des Landgerichtsdirektors Bombe gab den andern Anlaß zur Hehe. Hier ist der Angegriffene der preußische Ministerpräsident Otto Braun . Er sollte Bombe zu Tode gehegt" haben, weil er in öffentlicher Rede im Jahre 1926 das eigentliche Verhalten des Landgerichts­direktors Bombe während des Fememordprozesses Bannier fritisiert hatte. Bombe hatte während dieses

Prozesses ein wenig frondiert, er hatte die Verhandlung nichtöffentlich durchgeführt, obgleich die preußische Staats­regierung ihn hatte wissen lassen, daß sie im Staatsinteresse die Durchführung des Prozesses in voller Oeffentlichkeit wünsche. Die Kritik des Ministerpräsidenten an dieser Hal­tung wurde in diesen Tagen als eine schwere Ehrenkränkung Bombes aufgezogen, die den Richter in Verzweiflung und Tod getrieben habe. Der letzte Brief Bombes hat dieser Heße jede Grundlage entzogen, sie ist völlig zusammengebrochen. Der Brief enthüllt die Tragödie des alternden Junggesellen, des Buchstabenrichters aus dem alten System, dem die Be­ruf- freude abhandengekommen ist, weil er sich nicht aus dem papierenen Paragraphenrecht in das lebende Recht hinüber papierenen Paragraphenrecht in das lebende Recht hinüber finden fonnte. Eine Tragödie eines Richters aus dem alten Syftem, dem das Leben und das Amt leer wurde- aber tein Anlaß politischer Hezze.

Für die Deutschnationalen war es ein Anlaß. Sie, die sich mit den Fememördern solidarisieren, haben den Richter, der in einem Fememordprozeß frondierte, ebenfalls für sich reklamiert. So etwa, als ob die Fememörder und ihre Richter auf der Grundlage der gleichen Gesinung stünden! Für sie ist die öffentliche Kritif des höchsten Regierungs­beamten an einem Richter eine Beleidigung, eine Nichtbeför­derung eine Bedrohung der richterlichen Unabhängigkeit.

Hier treten die Hindergründe der Heße zutage. Die Deutschnationalen betrachten das deutsche Richtertum als eine Domäne der Frondeure gegen den Staat. Die Unab­hängigkeit der Rechtsprechung befizt für sie Wert nicht als Voraussetzung der Rechtssicherheit, sondern als eine Art praktische Immunität für eine priveligierte Klaffe von Staats­beamten für den Kampf gegen den Staat. Sie wollen ein Richtertum, bas als Staat im Staat gegen den Staat ar­beitet, und daß jeder öffentlichen Kritik ebenso entzogen sein soll mie jeder Unterstellung unter eine der Regierung zu stehende Personalpolitit. Es ist die Erbitterung gegen die öffentliche Kritik an Richtern vom Schlage Beversdorff, Hoff mann und Rölling. noch mehr die Erbitterung darüber, daß eine im Geiste der Republif geleitete Bersonalpolitif allmäh­lich einen frischeren Luftzug in das Richtertum bringt, die zu der Hetze im Falle Bombe geführt hat.

Es ist eine Hege aus dem Geiste der Fronde gegen die

Organisierter Mord.

.dan sid

Neues schweres kommunistisches Verbrechen.

Die nächtlichen Ueberfälle kommunistischer Rowdys| schwer verlettem Zustand zur Rettungsstelle in der Erk. auf Reichsbannerleute nehmen kein Ende. straße gebracht. Der Verwundete ist der 41jährige Max Koch , ein Fa­

Gestern abend wurde wieder ein Mitglied des Reichs­

banners, das friedlich seiner Wohnung zustrebte, in Neu­kölln an der Ecke Kaiser- Friedrich- Str. und Innstraße von kommunistischen Strolchen überfallen und nieder gestochen. Etwa 20 bis 25 Mann, die das Ab­zeichen der Kommunistischen Jugend- Internationale tru­gen, drangen auf den Wehrlosen ein und brachten ihm mehrere tiefe Messerstiche in den Kopf und in den Hals bei. Der Unglückliche brach blutüberströmt zusammen. as die Polizei erschien, flüchteten die kommunistischen Strolche, und leider gelang es allen, im Dunkel der Straße zu entkommen. Der Reichsbannermann wurde in

milienvater.

Schon eine Stunde vorher wurde auf den 20jährigen Reichsbannermann Alexander M. am Kottbusser Ufer ein ähnlicher Ueberfall verübt. Drei Kommunisten fielen über den jungen Mann her und schlugen so lange auf ihn ein, bis er blutend zu Boden sank. Der Ueber­fallene wurde von Passanten in einen Laden gebracht und dort verbunden. Die drei Rowdys flüchteten, nach­dem sie noch vorher geäußert hatten, daß es jedem Reichs bannermann, der sich in der dortigen Gegend sehen ließe, ebenso ergehen würde.

Schwere Krise der Konferenz.

Snowden polemisiert mit großer Schärfe.

Haag, 8. Auguft.( Eigenbericht.) Unter den vielen Besprechungen des heutigen Vormittags wurde am meisten erörtert die Unterredung zwischen Briand und Stresemann , die ziemlich furz war, und in deren Berlauf Stresemann ein Memorandum über die deutsche Auffassung der Regelung der Saarfrage überreicht haben foll. Hilferding erhielt den Besuch von Franc qui, der als der eigentliche Kopf der belgischen Delegation gilt, und später den Snowdens, mit dem er eine lange Unterredung hatte.

Am Nachmittag traten die beiden Kommissionen zusammen. Außer den zwei offiziellen Vertretern der einzelnen Delegationen erhielten nur ganz wenige Personen Zutritt. Das Geheimnis wurde auch nach der Sigung strengstens gewahrt. Ueber die Sigung der politischen Kommission wurde ein ziemlich nichts fagendes Kommuniqué ausgegeben. Man hörte darüber hinaus, daß Henderson als Vorsitzender der politischen Kommission nach einigen Begrüßungsworten einen Arbeitsplan vorgeschlagen hat, wonach

die Rheinlandräumung und die Frage der Schaffung einer Feststellungs- und Vergleichskommiffion

entsprechend dem Genser Beschluß vom September 1928 behandelt werden sollen. Der Arbeitsplan wurde von der Kommission an­

genommen.

Die allgemeine Aussprache über das Problem der Rheinland­räumung bestand zunächst in einem durchaus freundschaftlich ge­haltenen Dialog zwischen Briand und Stresemann . Was beide ausgeführt haben, wurde der Deffentlichkeit auf Grund einer Ver­einbarung verschwiegen. Henderson stellte am Schluß fest, daß die Aussprache jedenfalls zur Klärung der politischen Fragen viel beigetragen hätte. Die Kommission beschloß die Schaffung eines technischen Komitees, das gegebenenfalls Sach­verständige zu vernehmen hat. Vermutlich werden unter anderem der Oberkommandierende der alliierten Befagungstruppen General Guillaumat und der Oberkommissar der Rheinlandtommiffion

Zirard gehört werden.

Die Rede Snowdens.

V. Sch. Haag, 8. August. ( Eigenbericht.) Es ist keine Schwarzmalerei, wenn man nach dem heutigen Berlauf der ersten Sigung der Finanzkommission feststellt, daß die Ronferenz bereits in einer unerhört schweren Krise sich befindet, aus der man einen Ausweg gar nicht sieht. Die nach dem Abschluß der Generalbebatte in der Blenarfonferenz eingetretene Spannung hat sich in keiner Weise gelöst, sondern noch in ganz erheblichem Maße verschärft.

Snowden hat nämlich durch eine zweite Rede in der Finanzkommission eine neue Generaldebatte eröffnet. Er erflärte fategorisch, daß die britische Delegation einen Beschluß der Finanz­fommiffion über die drei britischen Forderungen- Rüdfehr zum

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Berteilungsschlüssel von Spa, Abschaffung der Zweiteilung der Annuitäten in geschützte und ungeschützte Teile und Aenderung der Vorschläge über die Sachlieferungen verlange, und er erklärte ferner, daß seine Delegation sich an einer Diskussion über andere Punkte des Young- Blans so lange nicht beteiligen würde, bis nicht über diese Forderungen Beschluß gefaßt sei.

Zu den Antwortreden der Franzosen , Belgier und Italiener in der Plenarkonferenz auf seine erste Rede sagte Snowden, daß es nicht als Beleidigung empfunden werden würde, wenn er erklärte, daß eigentlich überhaupt nicht auf seine Rede geantwortet sei. Seine Zahlen seien überhaupt unerwidert geblieben. Man hätte lediglich mit der Formel operiert, daß der Young- Plan ein un­teilbares Ganzes sei und daß, wenn man ein Stück daraus nehme, der ganze Plan zusammenstürzen könne. Er könne aber die Be­der ganze Plan zusammenstürzen fönne. Er könne aber die Be­hauptung der Sachverständigen nicht anerkennen, daß der Young­Plan unteilbar sei. Wenn das wahr wäre, dann würden wir nicht hier im Haag sein. 3u welchem 3wed wurden denn im Young­Plan Organisationskomitees vorgesehen? Um etwa Einzel=

heiten des Berichts zu sammeln oder zu ändern? Die drei Aen­derungen, die die britische Regierung im Young- Plan verlangt, tönnten zugestanden werden, ohne die Struktur des Berichts zu unter­minieren."

Chéron habe von französischen Opfern gesprochen, von welchen Opfern denn überhaupt?

Bielleicht meint er damit, daß die Summe der Annuitäten des Young- Blanes kleiner sei als unter dem Dawes- Plan . Das sei tein Opfer, weil es fein Opfer ist, auf etwas zu verzichten, was man niemals erhalten hätte! Chéron sei so weit gegangen, den Ver= zicht auf den Wohlfahrtsinder als ein Opfer zu bezeichnen, aber auch das sei fein apfer. Wenn indessen alle anderen von Opfern

sprechen, dann müßte auch er von den Opfern des britischen Welt­reiches sprechen.

Kein Land, das am Kriege beteiligt war, habe annähernd so viele Opfer gebracht wie das britische Reich. Wir haben, so fährt er fort, uns nicht beklagt und würden diese Frage nicht anschneiden, wenn nicht die anderen davon angefan­gen hätten. England sei nicht in den Krieg eingetreten zum Schußz materieller Intereffen, sondern um Bertragsrechte zu schützen und die Sicherheit anderer Nationen zu verteidigen. Kein Land hat seit Kriegsschluß eine so große Kriegsschuld gehabt, wie Großbritan­ nien ; sie beträgt heute 7 Milliarden Pfund, mehr als das Dop­

pelte der Kriegsschuld irgendeiner am Krieg beteiligt gewesenen Nation.

Snowden fagte dann wörtlich: Ich muß jeden Tag 125 Mil­

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Republit, aus dem Geiste der Fememörder heraus! Sie| daß ein Farbiger einen deutschen Offizier schief ansieht. Heute nimmt im Falle Edermann die Partei des Verbrechens- in der Bariante, daß ein farbiger. Polizist einen weißen Ber­weil die Republik gegen das Verbrechen eingeschritten ist und brecher nicht verhaften darf. weil die Verbrecher sich als Instrumente eines kommenden Staatsstreichs betrachteten. Es ist Heße im Namen eines untergegangenen Systems aus dem Geist dieses Systems. Im Falle Eckermann enthüllt sich der Rassendünkel wie der Offiziersdünkel des alten Systems, der nicht dulden wollte,

Fememörder und frondierende Richter das ist Fleisch vom Fleisch und Blut vom Blut der Deutschnationalen !! Rur daß im Falle Bombe die deutschnationale Hehe die tragische Figur des Richters Bombe, der in die neue Zeit nicht mehr hineinpaßte, mißbraucht hat.