Dienstag �3. August 1929
Unterhaltung und �Nissen
Aeilage des Vorwärts
xurtoserturgWiiion in der Qfautskirche
Ein Freund, der das Irrenhaus zu R. leitet, verschaffte mir Zugang zum Archiv. Er selbst hatte in dieser alten Anstalt, die nach den Methoden der.guten alten Zeit" manches merkwürdige, mehr tragische als närrische Menschenschicksal hinter ihren Mauern verborgen hatte, seltsame Dokumente gesunden. Eines davon ver- dient auch heute noch, obgleich über 80 Jahr« alt, den Zeitgenossen bekanntgegeben zu werden. Es ist eine Krankengeschichte, der als menschliches Dokument die Tagebuchaufzeichnungen des.Verrückten" beigeheftet sind. Von ärztlicher Hand sind unter den ausgefüllten Rubriken über Geburts- ort, Alter usw. in einer nervösen und phantasielosen Schrift die ollgemeinen Beobachtungen über das Krankheitsbild des Patienten vermerkt. .2. G., ehemal» Grundbesitzer. 66 Jahre. Unverheiratet. 20 September 1870 eingeliefert. Harmloser Geisteskranker. Wegen Gefährdung der Staatssicherheit aus Gefängnisgewahrsam hierher abtransportiert. Hielt in den Straßen aufreizende Reden gegen den Krieg zwischen Deutschland und Frankreich . Abgesehen von dieser.Idee fix" durchaus normal. Bemerkenswertes philosophisches und historisches Wissen. Betrachtet jedoch alles politische Geschehen unter dem Gesichtspunkt des radikalen Republikanismus. In der Nacht vom 25. auf 26. Januar 1871 infolge starker Erregung an Herzschlag gestorben. Die Tage zuvor schon Anzeichen außergewöhn- licher Unruh«. Nach Ursache befragt, tat Patient mißbilligende Aeußerungen über die ruhmreiche Kaiserkrönung zu Versailles . Wiederholte stets:.Diese Monarchie ist des Vaterlandes Untergang." Geistige Verwirrung scheint in letzter Periode rapide Fortschritte gemacht zu haben." » In den Tagebüchern finden sich folgende Rottzen, die den Geist der Zeit im Spiegel eines besessenen Blicks zeigen; d. h. w einem vom Ideal der Demokratte erfüllten Gehirn: 81. März 1848. Bin gestern in Frankfurt «mgekomme». Es hielt mich nicht länger auf meinem Gut, muß mit an der Stätte sein, wo die deutsche Freiheit geboren wird..Der deutsch « Volks« srühling ist angebrochen, und Gott hat sein Wohlgefallen daran. also gibt er schon im März einen Maitag," sagen die Leute. Alle Herzen sind voll Jubel, die Gassen überfüllt. Sechstausend Frank. furter Bürger geben dem Zug der sechshundert Abgeordneten, die nach dem Römer ziehen, da» Gelelt. Sie werden im Kaifersoal empfangen und begeben sich dann zur Paulskirch«,«w» das erste deutsche volksparlament tagen wird. Schier 100 00V Menschen sind auf den Straßen, alle Häuser festlich bewimpell. 3. April. Heute schied Hecker und mit ihm dl« Seine repu- blikanisch« Partei au» dem Vorparlament, dem Fünfziger-Ausschuß. vi« Republikaner waren für sosartige Annahm« eines Programms, das eine Neugestaltung Deutschlands auf der Basis demokratischer Selbstregierung gewährleistet.(Bravo.) Di« Monarchisten aber. in der Ueberzahl. lehnten die Forderung ab. Beschlüsse, die an- genommen wurden, begünstigten die alt« Regierung. 11. April. Bin sehr niedergeschlagen. Das Vorparlament er- ledigte da» Wahlprogramm des Ausschusses. Es hat sich vom Bundestag unterjochen lassen. Er setzte seinen Willen durch, daß erst 70 000 Stimmen einen Abgeordneten ausmachen, statt SO 000, wie da» Vorparlament wollte. Dabei zögert es nicht, solches Ge- baren.Auedruck öffentlicher Wünsche" zu nennen, und ist doch nur schlimmer Druck des Bundestages. Was wird aus der Freiheit des deutschen Volke» werden? 18. Mai. Heute endlich, nachdem der 1. Mal vorgesehen war, ist das Parlament eröffnet worden. Gegen den Widerstand der Regierung, die sich passiv verhält. Unter Blumen und Laubgewin- den, dem Salut der Kanonen und dem Geläute von allen Kirchen Frankfurt » zogen die Erwählten barhäuptig in die Paulstirch«. Als der Bischof von Münster bei Eröffnung der Sitzung forderte, daß durch ein« kirchlich« Fel«r die Lersaminlung erst die richtige Weihe bekommen könnte, rief Raveaux:.Hilf dir selbst, so wird dir Gott helfen!" Wurde von den freiheitlich Gesinnten lebhaft akklamiert. 28. Mai. Schreib« dies in der Nacht. Habe Muße genug, da durch ein Versehen in die Kirche eingeschlossen bin. Hatte mich etwas verspätet und kein einziger Platz war mehr frei. Alles dicht besetzt. Weil über tausend Zuhörer anwesend. Die hohe, strahlend weiße Kirche bis auf den ollerletzten Platz gefüllt. Die Galerie. die sich rings um die weite Rundung zieht, droht« schier zu brechen, und auch unten, wo große Teile für die Zuhörer reserviert sind, war kein Sitz mehr zu ergattern. Dem Präsidententisch am nächsten, rechts und links, sitzen Zeitungsleute aus vielen Ländern Europas ; dicht bei ihnen die Gesandten von England und Frankreich , Rußland und Amerika . Werden sie von der Geburt deutscher Freiheit an ihre Regierungen berichten können? Ging hinauf zur E m p o r e, setzte mich neben die mit schwarz- rotgoldenem Fahnentuch verhängte Orgel. Brauchte ja nichts zu scheu, wollte nur die Red«n hören. Aber bald wurde ich ermüdet vom monotonen Tonfall der Worte, die hier nie enden. Ermattet von der Hitze des Tages, schlief ich ein und versäumte den Schluß der Sitzung. Vertreibe mir zwischen Holdschlaf und männiglichen Gedanken über das. was ich in den letzten Wochen hier erlebte, die Zeit, und seltsam, es wird mir in dieser Nacht das Schicksal des beut- schen Volkes lebendig, das allewege gutgläubig den Der- sprechungen seiner Fürsten glaubte, die es noch immer betrogen. Wann waren die deutschen Fürsten je nicht einig, sobald es um ihren Vorteil ging? Verrieten sie nicht das Volk, als Napoleon siegreich durch Europa marschierte? Si« zogen die Bundes- g-nosscnschast des fremden Eroberers seiner Feindschaft vor. ließen sich Königs- und Herzogskronen von ihm aussetzen und lebten einen guten Tag. Dies waren die Fürsten des Rheinbundes. die nach unten das arme, getretene Volk ausbeutelten, nach oben aber seige und gehorsam waren. Verlangte der Korse Soldaten, so schickten die Fürstenknechte die Männer ihrer Länder, deutsche Väter und Söhne. Der Preis lohnte sich— die adeligen Vögte lebten In Glanz und Verschwendung. Und sandten dicsc Fürsten nicht auch deutsch « Soldaten gegen Preußen und Oesterreich, als diese Länder sich des Eroberers erwehren wollten? Deutsche kämpften gegen Deutschet Aber noch gewonnener Schlacht schämte sich keiner der
Rheinbundherren, die Beute von Napoleon » Gnade einzuheimsen, und was scherte es sie, daß tote Deutsche die Schlachtfelder bedeckten? Mich fröstelt in der Einsamkeit der Kirche, wie ich an das Schicksal des Volkes denke. Draußen hält der Lärm noch immer an. Ich will etwas auf und ab gehen, um mich zu erwärmen... Werde die Aufzeichnungen, um die Zeit zu vertreiben, fortsetzen. Schmählichster Betrug aber war, wie die deutschen Fürsten dem Volke die Befreiung vom napoleonischen Joch dankten. Seit 2000 Jahren waren alle deutschen Stämme zum ersten Male einig, und das Volt zog siegend von Schlacht zu Schlacht. Und dacht« der Freiheit, die nun anbrechen würde. Aber was scherte die Fürsten das Wohlergehen ihrer Völker, die geblutet und gekämpft hatten? Ihr eigenes Glück galt ihnen wichtiger als das ihrer Untertanen. Nun saßen sie nach Napoleons Abdankung 16 Monate lang in Wien und schacherten uni die Verteilung de» Profits, den sie aus dem Geschäft gezogen hatten. Feilschten und feilschten, und nannten dies Tun„Wiener Kongreß ". Nichts war zu hören von den Bürgschaften für die Bolksfreiheit, nur Festessen, Tanz und diplo- matifche Zirkel erfüllten die Monate, bis plötzlich Napoleon von seiner Insel floh und Schreck darüber den feilschenden Kongreß- Herren in die Knochen fuhr, daß sie kopflos aus der Wiener Wechselbude stürzten. Und abermals ließ das Volk sich verlocken und trug sein Leben zu Markte und wurde abermals betrogen. Nun, da Napoleon auf einsamer Insel, deren Luft dem Tode för- derlicher ist als dem Leben, in sicherer Haft dahinsiechte, waren die Fürsten ihrer Ruhe gewiß. Doch es kam nicht die Freiheit, wie noch ein Teil des Volkes vertrauensselig hoffte— es kam der „Heilige Bund". Taufende mutiger Männer wurden jetzt in die Kerker geworfen, tausende flüchteten außer Landes. Kein Reich wurde errichtet auf dem Fundament der Bolksfreiheit und Einheit: die Fürsten preßten Handwerker und Bauern aus, und alle Opfer waren vergebens gewesen. Vergingen nicht Jahrzehnte in dmnxfer Ruh« und waren die
Völker nicht erfüllt von Mißtrauen gegen ihre Regierungen? Endlich im Februar 1848, erhob sich das französische Volk und stürzte, nach dreitägigem Kamps mit dem Militär, das Haus Ludwig Philipps. Solches war ein Fanal, und alle Völker riefen wie eine Stimme:.Laßt uns die Schrecken der Man- archie überwinden!" Riefen's in den Ländern Europas , in- brünstig ersehnt von 136 Millionen Menscben, die wie e i n Volk waren, in so verschiedenen Zungen sie auch redeten. Dies waren die Märztage dieses Jahres, der Monat des anbrechenden Völker- frühlings.--- Aber, was ist geworden bis heute, an diesem Tag, den Morgen des 29. Mai? Bin entsetzlich müde und durchfroren. Der Tag dämmert schon grau durch die Fenster. Immer noch fahren Karossen zum Römer hin und wieder fort. Bald müssen die Diener kommen und die Kirche öffnen. 30. Mai 1849. Alles ist zu Ende! Heute war die letzte Sitzung in der Paulstirche. Nur die Mutigen find geblieben, sie folgten nicht dem Wruf der Regierung. Sie wollen, ein winzig Häuf- lein von kaum einhundert Mann, nach Stuttgart gehen,„nicht um zu siegen", wie man heute erzählt,„denn dafür ist keine Chance vorhanden, sondern um mit Ehren unterzugehen".— Ein schöner Traum ist ousgeträumtl * Die Aufzeichnungen der folgenden Jahre betreffen allgemeine Fragen. Nur zwischen 1870 und 71 werden die Notizen wieder interessant. Wenige Tage vor seinem Tode verwechselt der Schrei- ber schon Wirklichkeit und Traum. Das letzte Blatt ohne Datum, lautot: Ich war heute nacht in der Paulskirche zu Frankfurt . Die Republikaner wurden wieder von den Monarchisten überstimmt und niedergeschrien. Da aber durchdrang auf einmal 5)cckers Wort all das Geschrei und erfüllte die weite Wölbung des Baues: Sie werde, die deutsche Republik!
Habana auf Euba. Sed« Freund« t» der Heimat! Do» hättet Ihr Euch nun doch nicht gedacht: einen Brief aus Hobana, aus Euba! Wir wollten mit unserm toten Sportkutter Dompo", dem.Blitz", von Madeira nach Bermudas fahren, und jetzt sind wir ün heißesten Westindien . Wie mlr hierher kamen? Och, das kam daher: weil Onkel Allantik uns«inen dicken grünen Strich durch die Reiferechnung gemacht hatte— Onkel Atlantik , kennt Ihr ihn, diesen rotnasigen, grünhaarigen, gelbzähnigen Alten? Gutmütig kann er sein, wochenlang, monatelang, bis er auf einmal den Sturmkoller kriegt, dann aber, dann solltet Ihr Onkql Atlantik fluchen und spuken hören, bösartig wird er— er hat unserem „Lampo" den Mast abgebrochen, noch Euba hat uns Onkel Atlantik verschlagen— oder besser: der.Donner", der norwegische Fracht- dampfer.Torden" hat uns hierher gebracht-- doch wartet: wir wollen alles schön nacheinander erzählen. Wo wir sitzen, wo wir schreiben? Auf der Terrasse des.Hotels Lkbertad". Es ist windig, stark windig ist es, der Wind reißt an den rotweißen Sonnensegeln: uns zu Häupten— aber der Wind ist heiß, er kühlt nicht, er frißt die Schweißperlen nicht von unserer Sttrne — wir rauchen, die drei Männer rauchen fußlange schwarze Zigarren, unsere beiden Täubchen: unsere lieben Bordmädels. die rauchen Zigaretten— wir sind ganz in Tabaksdunst gehüllt— und dennoch stechen uns die blauen Fliegen, fast so groß wie Brummer sind die— ekelhafte» Mehzeugl Halt, drüben am Tisch sitzt einer— ein sonderbarer Gefell «, Gesicht wie altes Leder, Augen wie Feuer, Rase wie Adlerschnabel — und sein« Kleidung erst,'neu weißen Spitzenkragen,'ne bauschig« grünseiden« Bluse, enganliegend« rot« Hosen(kurze!), weiße Strümpfe, eckige Transchuhe: mit großen silbernen Schnallen drauf -- du, jetzt steht er<mf, der Sonderbare, der mit den Feuer- äugen— horrljeh, er kommt auf uns zu: Mädels!, erschreckt nicht — und er stellt sich uns vor: mit schnarrender Stimme sogt er: Sie, ich bin der Chrlstosoro Eolombo, wer sind Sie eigentlich?, ich be- obachte Ei« schon«ine ganze Weile—. Unsere Mädel» wurden rot— dann stellten wir uns vor, so: Reisende Eportsleut« au» der Stadt Trieft sind wir. die ausgezogen sind, in der weiten bunten Welt— Recht und Freiheit und cchie Mensck�cnherzcn zu suchen— um zu entdecken.— Da trumpfte er auf. der andere, mit dem silbernen Schnallenstlß trumpfte er auf: der Senor Ehristobal Kolumbus, wieder schnarrte er: Hab ich's doch gleich gedacht, daß Verwandtschast zwischen un» sei— Sie sind Entdecker, ich: der Eo- loinbo, ich war auch Entdecker— gestatten Sie mir, daß ich mich zwischen die beiden Damen setz«— und: knacks!, da sitzt er schon: im weißen Korbsessel zwischen Margaret« und Lucia— die sind einfach baff: so'ne Unverschämtheit— aber er ist doch der Kolumbus, eigent- lich 'ne Ehre—— und er schlägt mit seinem goldenen Kommandore- stab auf den Tisch— und eine bildschöne braune Kreolin kommt, golden« Halbmonde rm Ohr. im Rabenhaar an Pcrlmutterspang« «ine dnnkelrote Rose--. Nim haben wir Freundschaft gemacht, der Kolumbus und wir — er hat schwarzen Rum und Eisgehacktes bestellt, wir schlürfen das mit Reisstrohhalmen in uns«in: das Brennendkühle: Rum mit gemahlenem Eisgesplitter— die Herzen werden wann, in uns blitzt es wie tatenfreudiger Mut— und der Kolumbus erzählt und erzählt — bitter ward er, sarkastisch warfen sich seine blaßgelben Lippe» auf — dieses sagt« er: Was, ihr modernen Entdecker, ihr glaubt immer noch an Recht und Freiheit und an Menschendank und Gleichheit— Earamba, beim blauen Schwan, ich habe das anders ausprobiert— ich, der Criftobal Eolombo, Ich habe den Menschen«inen neuen Kon» tinent entdeckt—-«ine neue Welt habe ich den Menschen gezeigt, die wollte ich schön gestalten, Freiheit sollte sein, nach meinem See- mannssinne— und wir war's, wie kam's? In den Kerker hat man mich geworfen, in Eisen tabe ich gelegen, statt der phrygischcn Mütze — habe ich die Brandkappe des Galeerensträflings getragen: das war Spaniens Dank an Criftobal den Weltendeckcr, so lohnten die Grandi, die„Großen"— den Großen!
Und er gießt sein Gla» bis obenhin voll schwarzen Rum— und er trinkt-- Hilf«, er brennt. Feurio und Mordio--. Alle» ist vorfiel,«in Häuschen weißer ZIgarrenafche liegt aus dem Korbsessel, allwe der Herr Kolumbus soeben noch gesessen hatte.— Borbet, hin est der Blick ins Vergangen«. Aber der Blick der Gegenwart ist schön— mir schauen aus Habanas Hase«, lilabläu die See, düster drohend da drüben das Castello del Morro, amerikanische Panzerschiff« davor: schneeweiß: wie Unschuldslämmer, Wölfe im Schafspelz, die das schön« Mädchen Euba bewachen, immer bereit: diese Pankeewölfe: Mädchen Euba zu vergewaltigen, wenn sie nicht tanzt nach dem Orgelkonzert der Bordkanonen. Euba, Republik unter Pankeebefehl. Euba: groß wie ganz Süddeutschland , vier Millionen Bewohner, davon eine Million Farbiger. Euba: Zuckerrohr. Tabak, Apfelsinen, Ananas, Bananen — riescnweit« Plantagen, spanische Scnorvnes: Grundbesitzer— niid Kapital von Wallstreet New Pork, die Plantagen rationellst bewirf- schastet, verknechtet und versklavt die Mulatten und Neger— kaum der Anfang einer Arbeiterbewegung, am Land«— abcif anders in Stadt Habana : hier gibt es in den Zigarren-, Rum- und Zucker- fabriken eine Gewerkschaftsbewegung, vom Schnitt der Trade-Unians in den United States : sozialer Einschlag! Habana: groß wie Nürn- berg, 400 000 Menschen reiche Herrenstadt und anne Farbigcnstadt — brillantenübersäte fett« Donnas und barfußgehende Mulatten- mädchen, die aber in ihrer reinen natürlichen Schönheit alle Brillantendonnas bei weitem übertrumpfen. Ach so— vom Onkel Atlantik wollten wir doch erzählen— gut. aber kurz, der Rum ist all«.?llso: auf Fahrt mit Segelkuttcr „Blitz": Fahrt von Madeira nach Bermudas, Onkel Atlantik lag auf dem alten Buckel und schlief und schlief, seine Bleibrust wogte schwer auf und ab— dann gähnte er, Onkel Atlantik — da rollte die See in wilder Dünung— jetzt blinzelt er mit den grünen Augen, jetzt bläst er mtt vollen Backen, jetzt springt er auf, er zertrampelt die See— Sturzseen überbrechen den„Blitz", der Mast geht kopheister, d!« Luken reißen auf— wir müssen sterben, Lucia betet— Grete! weint— wir Männer fluchen— unser schöner Sportkutter ein Wrack: unser Sarg, hinein ins Seemannsgrab--. Aber das hatte Onkel Atlantik nicht gewollt, jrcssen wollte er uns nicht, er wollte uns nur mal erschrecken— Onkel Atlantik lag wieder schlafend und schnarchend auf dem Buckel, die See wieder wie wogendes flüssiges Blei: so heiß und so graublau-- dal, Freud «, Rauch am Osthorizont, ein Dampfer— juchhei, wir werden gerettet, schönes Leben, wir küssen uns alle, Lucia küßt sogar den fett- schwarzen Mund, nein: sie küßt das Mäulchen„Albaturcos", unseres lieben treuen Bordhundcs—. Ja, nun waren wir an Bord des„Torden ", norwegischer Frachtdampfer auf Fahrt von Oslo nach Habana, der„Donner " hatte den„Blitz" gerettet: der„Torden " hat den„Lampo" in Schlepp- tau. mit norwegischen Steuerleuten haben unsere Mädels getanzt, und wir„Lampo"männ «r tanzten mit der Kapitänsfrau und mit dem Koch— der Zimmermann spielte aus der Zieha-zieha-zieha: der Ziehharmonika! Schön war's, lustig, der„Donner " schleppt den halb- wracken„Blitz". So kamen wir nach Habana auf Euba In vierzehn Tagen'st der.Lampo" wieder gesund— dann segeln wir durch die Karibische See hin nach Panama , wir wollen messen: wie breit Panamas Kanal ist— ist er breit genug für den„Lampo", dann fahren wir hindurch— durch den Canale de Panama— ssineiu in den Stillen Ozean— und dein Onkel Atlantik machen wir alsdann vom Pazifik aus'ne lange Nase— aber nicht Euch: Ihr lieben Freunde in der Heimat, Euch werfen wir Handkuß und Handschlag zu: hier auf's Papier hin—. Fühlt ihr's? Von Panama aus schreiben wir Euch mal wieder— bis dahin: Adjes! Eure Segelbrüdcr auf Welteiireisc. Nochmals: Die Welt ist so schön, so schön— nur frei muß fein!