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Zentrumsberatung.

Ueber die Arbeitslosenversicherung.

Der Borstand der Reichstagsfrattion des 3entrums war gestern zu einer Sigung einberufen, die fich mit der außenpolitischen Lage( Räumung des Rhein­landes) und auch mit der Frage der Arbeitslosenver= ficherung befaßte. An der Sigung nahm auch der preu­Bische Wohlfahrtsminister Hirtsiefer teil, der zur Frage der Arbeitslosenversicherung die Anschauung der preußischen Staatsregierung darlegte. Der Borstand fam, wie die Ber­mania" meldet, zu dem einmütigen Beschluß, daß die in der Breffe erörterte Verschleppung der Verhandlungen über die Reform der Arbeitslosenpersicherung aus einer Reihe ent scheidender politischer Gesichtspuntte nicht erträglich sei. Eine fofortige Erledigung dieser Frage erschien vor allem deshalb nötig, um die Grundlage zu schaffen für die Borbereitung einer Finanzreform, da ohne eine flare Regelung der Finanzverhältnisse der Arbeitslosenversicherung ein Finanz­programm für die nächsten Jahre überhaupt nicht aufgestellt werden fann. Der Rahmen der Arbeitslosenversicherungs. reform ist durch die Notwendigkeit einer Reihe von Erspar nissen gegeben, wie sie zum Teil die Vorlage des Reichs­arbeitsministeriums vorsieht. Von der Lösung dieser Frage hängt auch die Frage der Beitragserhöhung ab. Im übrigen hat der Vorstand die Tätigkeit der Bertreter der Zentrums­frattion im Sachverständigenausschuß einstimmig gebilligt. Er tritt am Mittwoch, dem 21. August, zu einer weiteren Sigung zusammen.

Arbeitertag in Karlsbad .

Heerschau der sudetendeutschen Sozialdemokratie.

Bom 15. bis 19. dieses Monats wird der Weltkurort Karls. bad, der zugleich Mittelpunkt eines hochindustriellen Gebietes ist, mitten in der Kursaison einen Massenbesuch von deutschen Arbeitern und Angestellten aus der tschechoslowakischen Repubiit, gewiß aber auch aus dem nahen Deutschland , erhalten. Die deutsche Sozialdemo fratische Partei in der tschechoslowakischen Republit ruft zum Reichsarbeitertag. Die Staatsbahn gewährt den Teil­nehmern 50 Proz. Fahrpreisermäßigung, was die Beteiligung sehr fördern wird. Karlsbad und seine Umgebung gehören zu den ältesten Hochburgen der modernen Arbeiterbewegung, in Asch entstand die erste altösterreichische Ortsgruppe von Laffalles Allgemeinem Deut­schen Arbeiterverein.

Im Mittelpunkt des Festes steht der außerordentliche Parteis tag aus Anlaß des zehnjährigen Bestehens der Partei seit der er zwungenen, bitteren Lostrennung von der Sozialdemokratie Deutsch österreichs. Ueber diese zehn Jahre spricht der Parteivorsitzende Abg. Dr. Ludwig Czech . Ein Festzug und eine internationale Kund­gebung mit Ansprachen der Vertreter der Bruderparteien werden Höhepuntte der Tagung sein. Sizungen aller Zentralorganisationen, gesellschaftliche und sportliche Beranstaltungen, Konzerte und Theater norstellungen füllen die Tage aus. Eine prachtvolle Festihrift für die Teilnehmer enthält auch ein Festspiel, das in Karlsbad auf. geführt werden wird.

Unsere Freunde jenseits des Erz- und Riesengebirges haben vor wenigen Monaten bei den Gemeindewahlen hocherfreuliche Ge­minne erzielt. Wir sind gewiß, daß die Festtage von Karlsbad den weiteren Aufstieg unserer Bruderpartei zeigen werden. Für das nächste Jahrzehnt wünschen wir ihr vor allem zwei Dinge: Daß die

In Mühlhausen war's.

M3J

Rechnung

Und wenn jemand fragen follte, wer hier so schamlos gefoffen hat, dann sagen Sie einfach, das war so ein sozialdemokratischer Gewerkschaftsbonze. Verstanden, Herr Ober?"" Jawoll, Herr, das sagen die völkischen Herren auch immer."

Zwischenzustand in Afghanistan .

Habibullah ftabilisiert sich.

Salfuffa, im Auguft.( Eigenbericht.)

Mit Amanullah ist der Mann verschwunden, dessen Beteiligung dem afghanischen Drama die für Europa nötige Würze verliehen hat. Das afghanische Problem besteht in vollem Umfang weiter. Ohne Frage wird es über furz oder fang mieder so atut merden, halten wird. Wenn auch die Personen wechseln, in deren Händen das Schifal des zwischen Englisch . und Ruffisch- Asien eingefeilten Berglandes liegt, seine Bedeutung als Brennpunft weltpolitischer Intereffen geht nicht verloren.

Angaben vorausgesetzt, bleibt die Frage immer noch, ab Rabir Khan start genug ist, diesen Erfolg entscheidend auszunuzen. Es ist viel wahrscheinlicher, daß die Mullahs mit ihren Bemühungen, Frieden zwischen Habibullah und Nadir Khan zu vermitteln, Erfolg haben werden,

verderbliche Spaltung der Arbeiterschaft überwunden werde und daß daß es Europa in temas Schidjal des zwischen Englisch und mobei der Thron im Befiz des ersteren bleiben mird. Wie lange ein

in dem Bielvölterstaat der Tschechoslowakei nun gelingen möge, was in Altösterreich nicht zu erreichen war die leberwindung des Streites der Nationen um den Staat!

Russischer Alarm.

Neue Willfürafte der Chinesen behauptet.

Mostau, 14 Auguff.( Sowjetagentur.) Nachrichten aus Charbin zufolge häufen fich die Re­prefialien gegen Angehörige der Sowjetunion in der Man dschurei in außerordentlichem Maße. Gestern wurden 166 russische Staatsangehörige ohne Angabe von Gründen verhaftet und ausgewiesen. Bon der Ausweifung werden nicht nur Ange­fiellte der Offchinesischen Eisenbahn betroffen, sondern auch Personen, welche zu der Bahn feine Beziehung haben. Die Verhaftungen wer­den auf der ganzen Eisenbahnlinie vorgenommen. Ein großer Teil der Sowjelbürger leidet große Rot, da die chinesischen Behörden ihr gefamtes Eigentum mit Beschlag belegen.

Deutscher Konsul besucht gefangene Ruffen. Der deutsche Generalfonful und sein Stellvertreter in Charbin besuchten die russischen Gefangenen im Charbiner Zentralgefängnis. Der Generalfonful nahm die Besch werden und Wünsche der Ge­fangenen entgegen und gab ihnen die Zusicherung, daß er alle ihre Wünsche der Sowjetregierung fofort übermitteln würde. Ferner ersuchte der Generalkonsul die Gefängnisvermal. tung, in einigen Fällen die sanitären Berhältniffe zu beffern. Der Besuch des Generalfonfuls ist von den gefangenen Russen mit lebhafter Genugtuung und Dankbarkeit aufgenomen worden.

Weißgardisten rühren sich.

Es mehren sich die Berichte über Zwischenfälle an der russisch­chinesischen Grenze. An der Mündung des Sungari- Flusses find Angriffe weißrussischer Truppen, die durch chine. sche Soldaten unterstüßt wurden, zurückgeschlagen worden. Es soll dabei Tote und Berwundete gegeben haben. Aus der Mandschurei werden verschiedene

Zusammenfföße zwischen ruffischen und chinesischen Truppen gemeldet, die besonders in der Gegend von Suisenho ernst en Charafter gehabt und wobei die Gegner Berluste zu ver. zeichnen haben sollen.

Gequälte Matrosen meutern. Maffentod auf einem franzöfifchen Kriegsschiff.

Paris , 14. Auguft.( Eigenbericht.)

Auf dem Schlachtschiff Walded- Rousseau" brach in den oft. afiafiichen Süftengewässern eine schwere meuterei aus, deren Arfache, wie die fommunistische Humanité" miffellt, darin zu suchen ift, daß die Offiziere mit den Mannschaften Schindluder getrieben hatten. Die Mannschaften mußten u. a. während einer Landung in Colombo in furchtbarer tropischer Hige drei Tage lang ununter brochen Kohle laden. Insgesamt sollen auf dem Schiffe während seiner Ostafienfahrt nicht weniger als 32 Mann ge­storben fein, davon 19 an einer Epidemie. Die restlichen 13 find wahrscheinlich im Verlauf der Meuterel umgefommen.

Afghanistan wird immer das Barometer für die Beziehungen zwischen England und Rußland bleiben. Zwar ist augenblicklich wieder einmal eine Kampfpause eingetreten. Beide Rivalen haben fich offiziell wie inoffiziell zurüdgezogen. Selbst ihre ge heimen Emissäre, deren Anteil an der Entstehung der afghanischen Wirren trotz aller Dementis unbestreitbar feststeht, haben sich nach anderer Betätigung umiehen müssen. Oberst Lawrence schimmt nach furzem Aufenthalt in England wieder irgendwo in der arabi schen Welt herum. Sein Gegenspieler.

Irebitsch- Lincoln beabsichtigt, wenn die Fama nicht lügt, sein deutsches Adoptivvaterland als Apostel der buddhisti­fchen Lehre zu beglüden.

Eine Beschäftigung, die nicht minder phantastisch ist als die bis herigen diefes 2lbenteurers, sich aber wesentlich von seiner Funktion im Kapp Butsch unterscheidet.

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Borläufig besteht bei den beiden Antagonisten die Tendenz, Afghanistan in seinem eigenen Fett schmoren zu lassen, und es auf Grund eines stillschweigend abgeschlossenen, aber dafür um so strifter gehaltenen Abkommens wieder in einen Zustand inneren Gleich gewichts fommen zu laffen, aus dem es durch den über stürzten Reformeifer Amanullahs gekommen war.

Bon innerer Ruhe spürt Afghanistan noch herzlich wenig. Der Bürgerkrieg dauert mit wechselndem Erfolg fort Die Bergstämme, denen der große und leichte Berdienst des Krieg spielens gefällt, find weiter in Bewegung. Teils liegen fie fich gegenseitig in den Haaren, teils leisten fie den Brätendenten Gefolg schaft. Wenn bei ihrem Eintritt in die Kämpfe anfangs die Idee der Erhaltung des Glaubens und der Schutz des Althergebrachten maßgebend mar, so ist der

Gedanke des Heiligen Krieges sehr bald zu einem fimplen Geschäftsprinzip herabgefunken.

Ihre Stellung zu den Ideologien, soweit diese überhaupt noch eine Rolle spielen, wird allein durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Die trostlose Perspektive der afghanischen Verhältnisse wird lediglich dadurch erhellt, daß den Beteiligten der auch in Afghanistan zum Kriegführen unentbehrliche Nervus rerum all. mählich ausgeht und sie zur friedlichen Verständigung zwingen muß, sobald aus dem ausgeplünderten Lande teine Kriegstontributionen mehr herauszupreffen sind.

Die Zahl der Refleftanten auf die afghanische Krone ist in der letzten Zeit auf zwei zusammengeschrumpft. Der Bezwinger Amanullahs, Batscha i Satao, der fich den Herrschernamen Habibullah beigelegt hat, braucht seine Aufmertfamfeit nur noch auf Nadir Khan zu richten, von dem man immer noch nicht weiß, ob er als Plazhalter Amanullahs fungiert oder den Kampi auf eigene Rechnung und Gefahr betreibt.

Ihre Chancen dürften im Augenblid ziemlich gleid) stehen, ob wohl Habibullah , der sich auch der Unterstützung der Geist fich­feit erfreut, als Besitzer von Kabul ein Plus zugesprochen werden fann. Nach Angaben Nadir Khans hat zwar einer seiner Führer den Truppen Habibullahs im Tal des Logha eine schwere Nieder: lage beigebracht, die feinen Gegner sechshundert Mann an Zoten, eine Kanone, drei Maschinengemehre, 1000 Flinten und ein be­trächtliches Quantum Munition getoftet hat. Die Richtigkeit diefer

solcher Frieden bauern wird, hängt weniger vom guten Willen der Beteiligten als von den Einmischungsversuchen son außen her ab, die früher oder später sicher wieder einsehen werden. Habibullah beginnt sich als Herrscher der Afghanen häus lich einzurichten. Diese Installierung vollzieht sich in recht primitiver manier und wird außerdem befleckt durch Ausbrüche pilber Grausamteit. Seine Laufbahn erinnert start an die feines persischen Nachbars, Schah Riza Khan Behlemi und zeigt wieder einmal, das

der undemokratische Orient auch heute noch die Möglichkeit zu phonfaftischen Karrieren

bietet. Der Ilfurpater des afghanischen Thrones mar noch nor gmei Jahren Kellner eines Teehauses in dem indischen Grenz Inotenpunkt Peshawar. Er vertauschte diese Tätigkeit mit der aus­fichtsreicheren eines Räuberhauptmanns, die ihm quch den Weg in die Höhe gebahnt hat. Wie jeder orientalische Empor­fömmling wütet er wüter

gegen die Familie feines gestürzten Gegners mit unerhörter Grausamkeit, deren völlige Ausroffung ist sein erstes Ziel

Dieser Politik sind in den letzten Wochen ein Stiefbruder Amanullehs nebst drei anderen Mitgliedern der Familie zum Opfer gefallen..

Berschiedene seiner Regierungshandlungen laffen immerhin auf ein Verständnis für die politischen Notwendigkeiten Afghanistans schließen. Die in seine Hand gefallenen Anhänger Amanullahs find durch ein Amnestiegejeg begnadigt worden. Auch ein Schulgesetz und eine Steuerreform hat das neue Regime bereits gebracht. Das Merkwürdige dabei ist:

Habibullah feht die Methode Amanullahs in der Sache fort. zeigt aber in der Form besseres Empfinden für den Geist der Afghanen.

Auch in diesem Falle erweist sich, daß der Widerstand gegen die Zerstörung der alten Dent- und Lebensformen nicht der Ausdruc einer aus dem Bolle kommenden Bewegung, sondern das Probuft fünstlicher Einflüsse ist. Wie in den übrigen Ländern des Drients ist auch in Afghanistan das Bewußtsein der Maffen noch nicht so meit entwickelt, daß sie im Stande wären, nach der einen wie nach der anderen Richtung selbständig zu handeln.

Deshalb wird auch Afghanistan vorläufig das Geschick seiner Nachbarn teilen und wie Persien , die Türkei und Arabien troz allem Bemühen um seine politische Selbständigkeit

noch weiter das Objekt der in Asien interessierten Großmächte bleiben. Der Uebergangszustand, in dem sich auch Afghanistan als ein Bartikel der östlichen Belt befindet, wird jeden seiner Macht­haber dazu nötigen, Abwehrpolitit und Abwehrdiplo. matie zu treiben, anstatt von äußeren Gefahren verschont die ganze Kraft und Energie eines fräftigen und unverbrauchten Boltes auf einen friedlichen Wettbewerb mit den übrigen Bältern der Erde einzustellen.

Bolens nationale Minderheiten. Beim Eretutiofomitee her Kommunistischen Internationale wird eine besondere Geltion gebil­det werden, um die nationalen Minderheiten Polens zu vertreten. Wie die Warschauer Breffe meldet, wird die Sektion 100 Mitglieder zählen. Zu ihrem Leiter ist der ehemalige kommunistische. Abgeord nete des polnischen Sejms Lancuci ausersehen, der sich gegenwärtig in Mostau befindet.