Freitag -l 6. August 1929
Unterhaltung unü ÄVissen
Beilage öes Vorwärts
5'
10<t
Florian Sei dl:
S)er ArsBi und die M>irne
vorgestern haben wir ihn begrobon. Es war immer ein Geheimnis um ihn. etwas, das all« wußten, nur wir Jüngeren nicht, dos man uns vorenthielt, von dem man sagte, es bestünde nicht. Und doch, warum lud man ihn nie ein, zu keiner Gesellschasr? Warum vermied man, ihn zu tressen, ihn, den berüfimten Arzt, zu dem man floh, den man rief, wenn der Tod vor der Türe stand, den man kannte, der großen Verbänden vorstand, der reich war, im Auto mit seiner ssrou fuhr, dieser Frau, die kost- bare Kleider und Pelze zu tragen wußte, gepflegt war, ganz Dame, gelchafsen in der Gesellichaft zu glänzen, einen Mittelpunkt zu bilden. So fchien uns. Uns. Lag hier ein Grund? Was war? Ein Flüstern um ste, das nicht ruhen wollte und nicht ruhen ließ. Was war? Wenn wir fragten:„Weshalb wird Dr. Both nicht geladen? Er Hot kürzlich erst die Frau Direktor Kurz gerettet, daß sogar in der Zeitung davon stand," dann entstand ein verlegenes Schweigen, ein:„Er will nicht. Er kommt doch nicht." Ungefelligkeit? Das erklärte nicht alles. Was war? Nun ist es gelöst, ist gelöst, warum er gemieden war und selbst jedem Verkehr auswich. Das Gerede der letzten Tage war zu groß, es ließ sich nichts mehr verbergen. Mir aber hat sich ein Schicksal enthüllt, ein Kamps ganz in der Stille, ein Ringen, heldenhaft und erschütternd, ob mancher darüber spotten wird und gespottet hat, gelacht hat über den Narren, den unverständlichen, einfältigen Menschen, nicht achtend, daß er sich selbst ins Gesicht schlug mit dem Gelächter, zu denen sich stellte, die brutal, roh. eitel und selbstgefällig in ihrer Dummheit ersticken, prunken mit ihrem Wanst und ihrem Fett und beides über die Straße tragen, aufgebläht. O über die Selbstgerechten! Ein Kampf war hier in der Stille, bitter und schwer, davon noch kein Heldenlied singt, der nicht Ruhm und Ehre eintrug und doch geführt werden mußte jede Minute, jede Minute eines langen, langen Leben», geführt werden mußte gegen die Verachtung und den Hohn aller Menschen, der geführt werden mußte gegen sich selbst denn glaube niemand, er ertrage das Außcnstchen nicht—, und der geführt werden muhte gegen den einen Menschen, um dessenwillen es geschah. Was wissen wir, wir Alltäglichen, wie bitter der Kamps? Ahnen wir, wie oft am Unterliegen der war, der hier stand, seine Pflicht tat nach außen ruhig und fest, sicher schien, und in jedem Augenblick die Stirn bieten mußte, in jeder Sekunde fühlte, wie es ihn umkroch und umschlang, Schmutz und Gosse, hämisch Gercd. Er hatte als junger Arzt«in Mädchen aus dem„Blauen Affen" geholt. Der„Blaue Affe" war ein Freudenhaus unserer Stadt. War dos Mädchen krank geworden und hatte er dadurch seine Bekanntschaft gemacht, war er selbst dort eingekehrt? Ich weiß es nicht. Er nahm sie zu sich und hielt sie rein, heilig war sie ihm wie eine Jungfrau. Wurde sie rein? Er nahm die Dirne zu sich und nach einer Zeit nahm er sie zur Frau vor»lleir. Leuten. Was trieb ihn dazu? Liebe. Er mußte wissen, wa» er tot. Was aber wisien wir? Was von den Rächten, den Gesprächen, von Liebe und Haß, Sichzerfleischen iind Heilen, Sichlosringen und-winden, was vom Sichauiteilen der zwei über alle Menschen, vom Hochgefühl und vom Sichstürzenlassen? Konnte er so ste nur halten? Er nahm sie zur Frau und nahm die Lost und trug ste dann ein ganzes langes Leben, war oerachtet, verstoßen und an den Pranger gestellt,. er konnte in keine Gesellschaft mehr gehen, denn da saßen ja die, die sie einmal besessen um Geld, kniffen die Augen ein und waren geschwollervjn ihrein Hochmut, er konnte nicht geladen werden, denn wie hätte man ehrbaren Frauen zumuten mögen, am Tis6> mit einer Dirne zu sitzen! Worum zag er nicht fort. weshalb verkroch er sich nicht? In eine fremde Stadt, fing von neuem an, lieber als dies hündische Leben? Aus Trotz vielleicht, viel- leicht, weil er wußte, für ihn gab es kein Versteck, sie fänden ihn doch. Wohin dringt der Spott nicht und wohin nicht die hämische Nochrede? Er blieb und konnte nicht übersehen werden, wurde gerufen, weil man ihn brauchte, verschanzte sich hinter die Form, die er groß beherrschte und erzwang, und wußte, wenn er sich wandte, erscholl das Gelächter. lind war nicht stumpf! War nicht stumpf! Was das Gelächter! Aber er fühlte selber, was war. Teilen! Gcteill haben. Besessen hoben sie deine Frau und rühmen sich dessen, was dir heilig ist, ist ihnen Schinutz, in ihren Armen hat sie gelegen. hat ihre Küste gesuhlt, ihre Berührimg erduldet! Wasch' ab, wasch ob. es ist nicht zu waschen. Es schmerzt und quält und drückt sich«in. Das höhnt van den Wänden>md grinst und brennt. In ihren Armen gelegen, ihre Berührung erduldet! Und sie wissen davon und ver- geflen es nicht. Das bohrt und bohrt und quäl, durch die Nacht. Und die Frau? Van ihr weiß ich nichts. Ich denke, wenn dieser Mann sie nahm, so war sie ihm viel, so viel, daß wir schweigen und Uns zur Ehrfurcht zwingen müssen. Warum kam ste in jenes Hau», warum zu jenem Gewerbe? Ich weiß es nicht, dach ein anderes weiß ich, ahn' ich und dies war das Schwerste. Wurde sie rein? Fiel alles van ihr. wie der Schlamm abfällt noch langem Bad«? War alles nicht mehr, ver- schwand es. als wäre es niemals gewesen? Und war nicht dies der bitterste Kampf? Gegen das Weib? Gegen das Abgleiten, dos Sinkenlasici, und Sinkenwollen, gegen Gewohnheit, Gewöhnlichkeit, gegen Erinnerung, gegen den Trieb? Wurde sie nie mutlos, verzweifelt, verzornt. daß sie sich in die Gosse werfen wollte, dem Nächstbesten hin, ollen hin. zerstören alles, was mühsam gebaut? Was braucht es einzelnes, aber denkt euch dos Ringen um die Seele der Frau mit der anderen Seele, mit der Ver- gangenheit und di, Angst vor ihr. auch in der Ruhe die Angst. unnütze Angst meist, aber: ist die Vergangenheit toi. lebt sie nicht weiter, lauert sie nicht, glimmt nicht ein Funke und einmal lodert er auf? Stet» aus der Wacht, stündlich im Kampf. W»rd« sie rein? Sie war ihm Weib, war Genossin, war ihm die Weit. Wurde sie sein? Gegen da? andere, da? war und»eil es gewesen, blieb? Fand er die Ruh«, fand er die Kraft? Laßt uns schweigen. Wir können'? erfühle», wir können«k ahnen, wir können', nie wissen. Wieviel erträgt der Mensch und verzogt und trägt und trägt. Er hielt sie hoch und daß er sie hielt, hebt uns di- Frau. Und so lebten sie. Froh? Sie lebten vereint. Bis vor kurzem. Da oerließ ihn di« Frau. Hatte er noch- gelaffen. war er nicht mehr auf der Wacht, war er müde geworden? Rief sie der Trieb? Die Angst, das Leben verrinnt? Jetzt, an der Schwelle zum Alter! Einmal hinaus! Au, Wahlanständigkeit. Reichlum und Tugend? War e» da» Unbürgcrltch«, Lcidenfchaft? Aas, was sie einstens zur Dirne gemacht?__,
Wir wissen es nicht, wir sehen nur, was geschieht und sehen doch nicht, was das ist, das geschieht Worte treffen nur halb, Gedenken zerschneiden zu sehr, wir sind ja das Rätsel, eindeutig und ewig ungelöst. Fasse, du greifst in ein Nichts, fasse, so greifst du ein Nest, Grauen und Angst. Sie floh. Mit einem Schankwirt und manch« wollen wissen, sse sei auch im Freudenhaus schon die Seine gewesen. Nun, noch über zwanzig Iahren floh sie mit ihm. Warum? Dämon der Vergangenheit? ijatte sie oll die Zeit auch mit ihm es gehalten? Fragen. Darauf keine Antwort. Ihn aber zerbrach es. Das Herz. Zermürbt war er längst. Er wußte das. Was sollte ihn retten? Jetzt wars es ihn nieder. Sein Leben war hin, vertan und ver. spielt. Der Becher war leer und kein Tropfen in ihm. Das Licht ging zur Neig«, noch qualmte der Docht. Er wurde in das Krankenhaus eingeliefert. Da lag er und wartet« auf das Ende. Die Aerzte kamen zu ihm, saßen am Bett und hielten seine Hände. Ihn täuschte niemand, versuchte es auch nicht. Die Schwestern gingen behutsam aus und ein. So lag er, der einst hier geherrscht, von Bett zu Bett geschritten und die Kranken geheilt. Do kam sie zurück. Man erzählt, sie sei vor seinem Bett gekniet, habe geweint, seine Hände geküßt und gebeten:„Schlag mich! Schlag
mich! Warum schlägst du mich nicht! Warum schlugst du mich nie? Ich llebte nur dich!" Und ste habe gebettelt, bei ihr zu bleiben und sie nicht zu verlassen Und er habe ihr Haar gestreichelt, froh gelächelt und sie getröstet. Als ste gehen mußte, die Nacht brach an und der Kranke brauchte die Ruhe, als die Aerzte ihr sagten, daß es keine Rettung mehr gebr, zwei, drei Tage noch, dann käme das Ende, da schrie sie, daß es durch die Gänge hallte, schrie, schrie, und stürzt« davon. Anderen Tages fand man sie. Tot. Und dann, als sie begraben wurde, ließ der Kranke sich über di« Treppen trogen, durch das Krankenhaus, ließ sich auf den Friedhof fahren, auf einer Bahre wurde er an die Grube gebracht, zwc Wärter hoben ihn herab, auf sie stand er gestützt. Allein. Denn er hatte gewollt, daß ein großer Kreis frei bleibe und niemand der Frau das Geleit gäbe, denn er, der auch im Leben bei Ihr gewesen, ollein. So stand er und hielt Totenfeier und tn der Entfernung wir Men- schen. erschüttert, im Innersten zerwühlt durch den Anblick, den Mann, der da stand und wußte: Der Tod. Heute noch nicht, morgen, ich komme. Und in drei Tagen steht man an meinem Grabe wie ich hier an deinem, di« du mir alles warst, Leben und Tod. Liebe! Was ist doch Liebe! Gewaltig und schwer. Lust und Leid und Schicksal. Emjg Geheimnis. Trost und Trauer»nd Wehr» los-Sein, nimmt Schande auf sich und Rot und Verrat und k�cibt treu und oerzeiht alles, immer wieder und leidet so schwer doch unter allem, unter dem geringsten Hauch, der den Spiegel beschlägt. Wer löst das Geheimnis? Er blieb, bis man die Grube schloß, dann wurde er wieder hin- weggebracht. Und wußte: In drei Togen komme ich wieber, tomine ich auch. Vorgestern haben wir ihn begraben.
Axel 3)ieler
mayen: MM ffiOrd"
Gellend brüllt die Dampfsirene der„Argentinia" zum dritten Male zur Abfahrt. Dumpf werfen die Berge den Widerhall über die Bucht von Santo?. Vom Promenadendeck schmettert dröhnend die Bordkopelle den„Einzug der Gladiatoren" in den brasilianischen Tropcnnachmittag. Alle Passagiere sind an Bord. Alle, außer einer kleinen Portu- giesin, die sich immer wieder schluchzend an die Brüste ihrer Ange- hörigen wirst. Mit sanfter Gewalt bemüht sich der Viert« Ofsizier, sie vom Kai aus das Fallreep zu bringen. Scheinbar gelingt es ihm. Doch nur scheinbar, denn noch einmal muß sie das Dutzend meist jüngerer Menschen mit umschlungenen Armen küssen. Wie«ine Gefangen« geht sie das Fallreep hinauf. Ohne sich umzusehen. » Frische Brise, strahlend blauer Himmel, erster Pjingsttag. Abends soll großer Ball und morgen vormittag das Schiff in Madeira sein. Also Gründe genug, daß Passagiere und Besatzung besonders gehobener Stimmung sind. Es ist kurz nach zwölf. Die Wache habe Ich dem„Dritten" über- geben und sitze in der Mcsic beim Essen. Plötzlich zitiert der Schiffs- körper stark: die Maschinen arbeiten„Volle Kraft rückwärt»". Keine Frage, irgend etwa» ist geschehen. Ich stürze an Deck:„Mann über Bord!" Herren und Damen, Männer und Frauen quellen aus den Speisesälen.„Ein älterer Herr..."—„Nein, zwei Kinder sind über Bord gefallen." Weit achteraus tanzen die beiden roten Mar- kierungsbajen auf den Wellen. Auf der Kommandobrück« melde ich mich beim Kapitän.„Meine Herren! Lassen Sie die beiden Dingis klar machen und suchen Sie die Stelle in weitem Umkreise genau ab," befiehlt der„Alte" dem Ersten Ossizier und mir, dem Zweiten.„Es soll ein« Fron sein." setzt er etwas unwillig hinzu. Der Zwischenfall ist ihm ossenbar unsympathisch. Signolpsisfe. An Back- und Steuerbord wird je ein Boot gesiert. Klatschend setzen die Kielplankcn auf dem Wasier auf. Die Matrosen legen sich in die Riemen. Wir lassen die„Argentinia" hinter uns. Eine volle Stunde schon schwabbern die kleinen Dingis in der langen Atlantikdüming. Nichts ist zu finden. Es ist auch schwer. Man hat im Wellental keine Sicht über den nächsten Wogenkopf. Die„Argentinia" kommt näher. Durchs Sprachrohr ruft der mochhabendc Offizier mir z», der Ausguck im Vormost Hobe«ine gute Viertelmeil« voraus etwas treiben sehen, könne es aber nicht mit Sicherheit ausmachen. Meine sechs Matrosen pullen nochmal an. Tatsächlich, wenn wir oben ans einem Wellentamm reiten, kann ich mit dem Glase in der klaren See einen hellen Punkt erkennen. Es ist die kleine Portugiesin. Mit ausgelöstem Haar und ver- tlärtem Gesicht schwimmt sie tot in den rauschenden Wogen. Ob sie es gewußt, als sie in Santo? so erschütternd geweint? Ein alter Matrose im Boot meint:„Se hett de ganzen Wochen stuur ober de Reeling keekcn. Dat Woder treckt!" s Di«„Argentinia" hat starke Schlagfeite. Iii» Passagiere stehen aus den Steuerborddccks. Den Feldstecher vor den Augen, obwohl wir keine dreißig Meter von ihnen entfernt sind, die hungrige Kamera schußbereit. Endlich ist was Ungewöhnliches los noch der sonst so langweiligen Reise. Hundert Fragen: Won,m ist sie wohl? Wes- halb gerade heute? Andere wissen es genau, lösen spielend das sär sie psychologisch primitive Rätsel. Haha, Kleinigkeit! Obschon sie die Portugiesin aus der dritten Klasse zuvor nie gesehen haben. Angeekelt von Neugier und Sensationslust gehe ich um eines Whisky willen an die Bar. Nur d-e Keeper, weiter keine Seele an dem sonst so besuchten Ort. Zwei mir belonnte Damen steuern vor- bei:„Seeleute sind doch gefühlsroh« Mcisschen!" E'N Zunif für mich. Sie haben verheulte Augen und nasse Spitzsntüchlein in den Händen. Ich weiß nicht, weinen ste aus Teilnahme oder um den ver lorcne» Pfingftfeiertagsball. vi« Schifssflagge steht auf Halbmast.
Halb eins. Die Maschinen stehen. Langsam läuft dos Schiff aus. Es Ist stockdunkel am Heck. Vier Matrosen halten dos Brett mit der Toten. Durch das Segeltuch kann man die Körpersormen ahnen. Der Pfarrer murmelt unverständliche Sätze. Dann schweig! er. „Hiev auf!" Die Leiche beginnt zu gleiten. Klatscht aus dem Wasser aus und sinkt«ijcnbeschwett auf den Meeresgrund. Endlich zur Ruhe. Siebcnunddreißig Minuten nach Mitternacht klingelt der Maschincntclegroph:„Volle Kraft voraus!"
Ewig strahlender Himmel über den Höhen mit weißen, flachen Häusern und steilen Weinbergen. Die„Argentinia" liegt jest an Anker im Hasen von Madeira . Umringt von einer Anzahl kleiner Boote voll Apfelsinen, Trauben, Südwein und Stickereien. Das Promenadendeck gleicht einem Warenhaus. Am Fallreep drängt sich lautfrohe, hcllgekleidetc Gesellschaft. Man will an Land und wartet auf di« Barkasse. Keiner denkt noch an den Zwischenfall von gestern. Madeira ist das Tagesgespräch, die Parole. Auch die beiden Damen mit dem Zuruf sind dabei. Voll Temperament»nd Erwartung. Sie starten gerade den ersten Europaflirt. Run, der ausgefallen« Ball muß nachgeholt werden. Zeitgeist, Tempo. Die Schifssflagge weht oben am Knopf.
Roch In der grauen Diesigkeit des englischen Kanals sehe ich auf nächtlicher Rande am Heck das Brett mit dem schmalen, leblosen Körper und grübele: Warum wars wohl die kleine Portugiesin ihr Leben freiwillig über Bord? Ich habe das Rätisl nicht gelöst. Es mangelt mir eben an der sicheren psychologischen Erkenntnis jener Passagiere!
Chinetflche„'Canbenmufik' In China werden Tauben zur Erzeugung von Luftkonzerien benutzt. Die eigenartigen Instrumente, di« dabei verwendet werden. schildert Dr. Hermann Schröder in„Reclams Universum". Es sind kl eil« Pfeiseninstrumente, zu deren Herstellung kleine Kürbisse und Bambusse dienen, die durch Ueberzug mit Lack wetterfest gemocht werden. Man sieht da ein rundes Irrstrument von der Größe eines mittleren Apfels, das aus einer Haupt» und vier Nebcnpfeifen de- steht, und ein längliches röhrenförmiges aus zwei Haupt» und neun Nsbenpfeifen. Das eine Instrument wiegt nur acht, das ander« elf Gramm, so daß sie, wenn sie aus dem Rücken der Tauben befestigt werden, diese nicht sehr belasten. Das Luftkonzert entsteht, wenn mehrere solche mit Orgelpseifen ausgerüstete Tauben ihre Kreise in der Luft ziehen. Die Töne der einzelnen Instrumente fließen in» einander und man erhält den Eindruck, als ob«ine Aeolsharfe ertönt. Während manch« glauben, daß dies« Luftkonzerte aus reiner Freude an der Musik erfunden wären, deuten andere sie weniger poetisch und erklären, daß die Chinesen damit Raubvögel ver- scheuchen wollten.
Am Abend stehe ich wieder als Wachhabender auf der Brücke. Bon acht bis zwölf. Lähmend« Ruh« streicht über die Deck». Kein Lochen, kein Tanz, kein« Musik. Im Speisesaol drifter Klasse lieft ein Pfarrer die Seelenmesse. Irgendwie beherrscht der Geist der kleinen Portugiesin olle. Aeußerlich vielleicht nur. Wer kann wissen, was läVO Menschen denken? Der Kapitän erscheint auf der Brück«„Uni halb«ins floppen wir. Sie setzen dann am Heck in aller Stille die Leiche über Bord. Der Zimmermann hat sie eingenäht. Geben Sie Order an Malchin «! Arzt und den Pfarrer benachrichtige ich. Nochmals: Sie verstehen, in aller Stille!"
Prominenkea-Gagen an sowjelrussischen Bühnen. Das Moskauer Theaterfachl'latt„Nowy Sritel"(Nr. 30/31)> nacht darauf auf- merlsam, daß eine Reifte prominenter einhelmii6>er Bühnenkünstler. insleesanderc bei Gastspielen, unverhältnismäßig hohe Togesgagen bezieht. Die Gagen einiger Bühnensänger, wie Baturin. Roga-rn. Pirogow, Mnchtarow, belanien sich pro Abend auf 300 ftiz 500 Rubel. Di« Ballerinen Gelzer und Victorina Krüger beziehen eine Tagesgag« von je 300 Rubel. Das auch in Deutschland be- kannte Mitglied der Moskauer Staatsoper. Frau Refhdanowa erhi-U für zwei Konzerte in Kiew insgesamt 1300 Rubel.„Dies allo sind die Gehälter von Sowfetkünstlern," schreibt der„Nowy Sritel", „diese Zugeständnisse on den Appetit der Prominenten führen im- auobleiolich zu einer Großzüchtung des Gaslspielsystems. Die Kunst als Erzieftnngsmittel des Arbeiter- und Bauernpublikums darf im Sowjetlande nicht so tener zu ftehen kommen. Da? Honorar für ein einmaliges Auftreten eines Bühnenkünstlers darf nicht die Höhe des Halbjahrescinkominens eine» Arbeiters erreichen!"
Bücher aus Stahlblech. An der Erfindung, Bücher in Zukunft aus Stahlblech zu drucken, arbeitet zurzeit kein geringerer als Edifan. Da die Möglichkeit besteht, Stahlblech erheblich feiner auszvmalzen als Papier, bat Edlson berechnet, daß ein Buch von zwei Zoll Dick« nicht weniger als lOOOO Seiten enthalten kann. Edison hebt die größere Biegsamkeit. Zähigkeit und insbesondere Lebensdauer des Stahlbleches hervor. Die bisher von ihm unternommenen Versuche ergaben, daß so dünn ausgewalzter Stahl Tinte, und Druckerschwärze besser annimmt als Papier.