Beilage
Freitag, 16. August 1929
Ein Bauer muß lesen!
In den
Hintergründe bäuerlichen Wohlstands in Dänemark
Mittagsstunden besuchten wir die Landbaufpartasse von Odense . Ihr gehören 500 Landwirte als Genoffen an, 200 find mit einem Kapital von je 200 Kronen beteiligt, das mit 6 Broz. verzinst wird, während 300 nur eine Garantie für je 500 Kronen übernommen haben. Sie wählen Aufsichtsrat, Leitung und Revisoren. Diese Kreditgemeinschaft für die Landwirte der Insel Fünen hat jetzt ein Einlagekapital von 55 Millionen Kronen. Von den 47000 Sparern sind der größte Teil kleine Landwirte, die allein 45 Millionen Kronen gespart haben. Die Spareinlagen werden mit 4% Proz., die Kredite mit 5 bis 5% Proz. verzinst. Eine besondere Sparabteilung besteht für Siedlungszwede, der fast nur andarbeiter angehören. Das Einlagefapital der Landarbeiter ist 2½ Millionen Kronen, Staat und Sparkasse geben zu dieser Siedlungssparabteilung Zuschüsse. Im letzten Jahr wurden u. a. 10 000 kronen als Spar: prämien an 2048 Sparer( Bandarbeiter) zugeschrieben. Diese 2048 Knechte wie Mägde haben zusammen 420 000 Stronen eingezahlt. Im Augenblick des Siedelns bekommen sie das Geld aus gezahlt.
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Ein 45jähriger Landarbeiter hat sich so den Betrag von 45 000 Kronen gespart. ( Mit Zinseszins und Prämien.) Eine besondere Schulspartasse beginnt mit dem Sparbuch bei einem Sparbetrag von 5 Kronen. Der sogenannte Gründertyp fehlt hier in Dänemart, es basiert alles in diesen Genossenschaften auf gegenseitigem Vertrauen. Die Genossenschaften waren nach der Zeit der dänischen Inflation die Krone war damals etwa 50 Goldpfennig, heute ist sie 89 Goldpfennig- so start,
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daß fie ohne jeden Federstrich alle Einlagen voll aufwerten fonnten.
Interessant war in der Diskussion der Ausspruch des aus der Bauernschaft stammenden" Direttors Appelt: Die Landwirtschaft Dänemarks hat diese Erfolge errungen,
weil sie feinen Zollschutz hatte.
Eine der Quellen der Energie, des Bildungshungers, des ge= nossenschaftlichen Denkens des fleinen Landwirts lernten mir am Nachmittag in der Husmannsschule tennen , eine Bolts hochschule, die von der Vereinigung der Husmänner Dänemarks begründet wurde und unterhalten wird.
Die Epoche der Bauernbefreiung geht in Dänemark auf 1789 zurück, wo als eine der ersten größeren Maßnahmen eine ge= feßliche Umlegung erfolgte und das Fronrecht und die Beftimmungen über das untereigentum beseitigt wurden zugunsten eines freien Befizrechtes. Bemerkenswert ist, daß zwei freiheitlich Benkende deutsche Adlige dieses Reformwert durchführten. Die zweite bemerkenswerte Tatsache zugunsten der Bauern in Dänemark mar der Sieg des Freihandels in England 1846. England öffnete sich für den Weltmarkt in Agrarprodukten. Größere Bedeutung hatte dann für die kleinen Landwirte noch die Ver= fassung von 1848, die in ausgezeichneter Form das allgemeine gleiche Wahlreicht vom 30. Lebensjahr an zu beiden Häusern einführte. 1866 versuchte man, ein Oberhaus zu schaffen und führte Berschlechterungen im Wahlrecht ein. Doch während in vielen Ländern die Bauern Gefolgmänner der Großgrundbefizer waren, murden in Dänemark Bauern zu Führern im Kampf um die Wiedergewinnung des Wahlrechts. Bauer und Arbeiter fämpften gemeinsam gegen die herrschende Oberklasse und so tam es, daß die konservative Welle bis 1914 Dänemark nicht erfaßte. Die Ritter: gutsbesiger forderten Zölle, die Bauern forderten Freihandel.
Das von den Bauern entwickelte Genossenschaftswesen wurde zu einem Gemeinschaftsorgan, zu einem Wesensmerkmal des dänischen Volkes. Bauern errangen schon lange vor dem Kriege für ihre Ausstellungsprodukte die goldenen Medaillen, während sich die Großgrundbesitzer mit bronzenen Medaillen begnügen mußten. Doch für Zehntausende von Husmännern, die oft nur eine Kuh cder ein Pferd besessen, blieb das Problem ,, Boden" noch ungelöst. Sie brauchten so viel Beden, um bei intensiver Kultur bestehen zu können. 5% Heftar sind da typisch bei dem besseren Boden Seelands und Fünens.
Und die Führer der Bewegung erkannten, daß es nicht aufzubauen galf auf völlig uneingeschränktem Privateigentum. Der Boden mußte gegenüber dem Staat auf emig Derrentet werden. Es galt also, das Eigentumsrecht am Boden vom Eigentumsrecht am Bodenwert zu unterscheiden. Dieser Zielsetzung diente auch die Aufklärungsarbeit des Husmannsvoltshoch schule, die schon 1908 von den 5000 Mitgliedern der ersten Husmannsorganisation hier bei Odense errichtet wurde. Heute umfaßt die Organisation etwa 90000 felbständige husmänner, die heute auch auf ihre von ihnen vor Jahrzehnten geschaffene Bolts hochschule mit Stolz hinweisen dürfen.
Diese Volkshochschule , der Kleinbauern hat einen Sommer- und einen Winterkursus von je 5 Monaten. Der Unterricht erfolgt theoretisch und praktisch in Landwirtschaft, Hauswirtschaft, Sozialöto nomie und Staatsbürgerkunde. Die Schüler werden in der Regel vom 18. Jahr an aufgenommen, das höchst alter beträgt in der Regel für Burschen 24 Jahre, für Mädchen 22 Jahre.
Die Schule wurde errichtet aus bei Husmännern gesammeltem Geld.
Jeder Schüler zahlt jetzt 80 Kronen im Monat. Unbemittelte Schüler erhalten einen monatlichen Zuschuß von 30 bis 40 Kronen. Der Staatszuschuß ist jetzt 10 000 kronen jährlich. In Dänemark bestehen 4 Husmannsvolkshochschulen, 20 Landwirtschaftsschulen und 50 Boltshochschulen, die je etwa 60 Schüler 5 Monate lang beherbergen. Bei einigen werden auch fremde Sprachen gepflegt. In den Ferien erfolgen an den meisten dieser Schulen noch besondere Fortbildungsfurfe von 3 bis 11 Tagen. Die Leitung durch den Rettor Lange, die theoretische wie praktische Schulung durch tüchtige auch in der Landwirtschaft erfahrene Lehrer ist vorbildlich, es find Persönlich feiten, die auch politisch entweder als Radikale oder Sozial demokraten in Reih' und Glied der Husmannsbewegung stehen. In verschiedenen der durch die auseinanderliegenden Einzelhöfe meitgestreaten Gemeinden( durchschnittlich 1000 Einwohner) sahen wir ein Stüd Schulreform: Besondere nagelneue Echulen für die unteren Volksschuljahrgänge, und eine gemeinsame große ZentralSchule für die oberen Klaffen,
Der Abend
Spalausgabe des Vorwärts
Der Ueberschuß geht entweder auf die Genossenschaftsspartasse oder dient der Erweiterung des Betriebes. Bauer Jensen hat das Anwesen 1904 mit 6 Morgen Land übernommen, 10 die übrigen 22 Morgen 1908 und 1913 gekauft. Jensen übt folgende Fruchtfolge: 3 Jahre Gras, dann 1 Jahr ½ Rüben, ½ Hafer, 1 Jahr Weizen, 1 Jahr Rüben, 1 Jahr Gerste, 1 Jahr Rüben, 1 Jahr Weizen. Er verwendet nur für Rüben fünstlichen Dünger, sonst Stallmist. In einer Garage stehen das Auto und 7 Fahrräder der Familie und des nechtes.( Bei einem Begräbnis in der Nähe des Krantenerholungsheims jahen wir etwa 15 Autos schlichter fünenfcher Landwirte, allerdings sehr alte Wagen dabei, das Fahrrad ist in jeder Familie in Stadt und Land mehrfach vertreten.)
Wann werden wir in Preußen so weit sein, das Elend der eintlaffigen und Halbtagsschulsysteme auf diese Art zu beseitigen?
Am gleichen Nachmittag besichtigten wir noch einige typische Bauern und Husmannshöfe. Die letzteren waren Neusiedlungen. Eine volkstümliche Persönlichkeit Fünens ist der sogenannte
Cheveraulettebauer, nach seinem eleganten Kraftwagen so benannt, Baul Fredrik Jensen in Hordebed. Er ist Mitglied der Sozialdemokratischen Partei und fizt 25 Jahre in seinem ofe. Er hat auf eine Besitzung von 28 Morgen, allerdings guten Boden, 52 Schweine, 1 Stier, 9 Milchlühe, 4 Fersen, eine Hühnerfarm usw., und bewirtschaftet das mit seiner Frau, zwei Töchtern ( 22 und 13 Jahre alt) und einem Knecht. Im letzten Jahr hat er 138 felbft gefutterte Schweine an die Schlächterei geliefert. Seine beste Kuh liefert 4635 Kilogramm Milch im Jahr, hat 4,75 Broz. Bettgehalt und liefert 274 Kilogramm Butterfett. Im Stammbuch ist als beste kuh früherer Zeit mit 5040 Kilogramm Milch, 4,13 Pro3. Fett und 233 Kilogramm Butterfett verzeichnet und eine Kuh mit 4246 Kilogramm Milch, 4,64 Proz. Fett und 222 Kilogramm Butter fett verzeichnet. Der Durchschnitt der Leistungen seiner Rühe ist 4242 Kilogramm Milch, 4,24 Proz. Fettgehalt und 232 Kilogramm Butterfett. Er wies uns aus feiner einfachen aber übersichtlichen Buchführung folgendes vor:
Milch Schweine Rindvieh
Eier
Verschiedenes
1928 Einnahmen:
Bersönlicher Verbrauch Deckgelder
Berbrauch an eigenen Produften
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4 851,85 Kronen 10 667,74 959,75" 977,77 240,83 1 200,-
"
"
"
"
" P
320,- 600,- 20 807.81 Kronen,
zusammen 1928 Ausgaben:
Rüdtauf von Magermilch Futtermittel
1004,84 Kronen 8590 80 811,20 194,14 314,54 511,16" 216,85 300,-
"
"
"
JP
Reparaturen Samen, Dünger Bersicherung Steuern Telephon, Tierarzt Getaufte Kuh Betaufte Ferkel
Löhne
( älteste Tochter 400)
( Rnecht 1230)
Binjen.
( zweite Tochter 300)
aujammen
Nettoüberschuß im Jahre 1928:.
2 750,-
"
1930,-
"
"
176,26 17 042,68 Kronen 3.775,13 Kronen
Man mag nun zugeben, daß dieser Landwirt halb Schweinemäster ist, was er auf einer Stelle von 28 Morgen erreicht, ist aber für viele Landwirte mit Wirtschaften gleicher Größe hier erreichbar. In diesem Ort sind 45 neue Husmannsstellen je 22 Morgen aus einem Rest gut entstanden.
Das Hauptgebäude ist als Entbindungsheim für uneheliche Mütter umgestaltet worden, in dem sie 6 Wochen vor und nach . der Geburt Zuflucht finden.
Wir besuchten noch mehrere Wirtschaften der neuen Husmänner: Bei dem einen mehr Schweine, bei dem andern mehr Rindvieh, fast überall die große Hühnerfarm, aber überall ein außerordentlich ſtarfer Biehbestand. Ueberall blizsaubere Wirtschaften, gute Gemüfeanlagen, prächtige Blumen und Schmudgärten vor dem Hause, die Funtantenne auf dem Dach, Radio und Bibliothek im Hause und eine Häuslichkeit und einfache Gediegenheit in den drei Wohn- bzw. Schlafzimmern und in der Küche, die in Ostelbien Deutschlands im Durchschnitt nie erreicht wird.
Gewiß sind die Verhältnisse der dänischen Inseln Fünen , See land usw. mit deutschen Verhältnissen nicht ohne weiteres vergleichbar. Der dänische Husmann oder Siedler bearbeitet hier rund 5 bis 6 Hektar gleichmäßig guten Bodens, der Siedler braucht 4000 bis 6000 m. der Kosten der Stelle nicht zu verzinsen, er erhält jederzeit Kredite zu höchstens 5½ Proz., er zahlt weniger Abgaben und Basten, und er ist zu genossenschaftlichem Denten und intensiver Wirtschaftsweise geschult. Männer wie Frauen erweisen sich fast regelmäßig auch in allen fleinen Wirtschaften als frühere Besucher von Landwirtschafts- oder Bolkshochschulen. Unter gleichen Vorausfegungen würde auch die deutsche Landmist= schaft gleiche oder gar bessere Ergebnisse zeitigen. Zu beachten ist auch, daß der dänische Export nach England sehr groß ist. Aber lernen könnte die deutsche Bauernschaft und insbesondere die Inhaber der landwirtschaftlichen Kleinbetriebe unendlich viel von den dänischen Husmännern und Bauern, die gemeinsam mit der dänischen Arbeiterschaft ohne Schutzzoll die Landwirtschaft auf diese Höhe gebracht haben. Gehören doch hier die Susmänner zur Hälfte der radikalen Bauernpartei, zur andern Hälfte der Sozialdemokratie an, und in jedem Husmannshaus findet man neben dem genossenschaftlichen Fachblatt und der Fachliteratur die große politische sozialdemokratische oder radikale Tageszeitung. Als wir einmal über den Bücherschaß eines Kleinbauern erstaunt waren, erwiderte dieser ernst: Ein Bauer muß lefen." Mar Simon, M. d. L.
als die Männer, die mit ihr zusammenwirften. Ihr Organ mar die Narodnaja Bolja"( Der Boltsmille), und ihre For derungen waren: allgemeines Wahlrecht, Glaubens-, Presse-, Rede-, Versammlungs- und Vereinsfreiheit, eine Volksvertretung, Abschaffung des Heeres( man stand noch unter dem Eindruck des im Jahre vorher verlorenen russisch - türkischen Krieges!), volle Selbständigkeit der Gemeinden. Zuweisung von Landbesitz an die Bauern und Anteilnahme der Arbeiter an den Erträgnissen der Fabriken und Werkstätten.
Bie tief auch die nihilistische Bewegung im letzten Drittel des| und vor allem Sofia Berowitaja, feuriger und entschlossener vergangenen Jahrhunderts in die innere Geschichte Rußlands eingegriffen hat, so ist sie doch der heute lebenden Generation laum mehr dem Namen nach bekannt. Und doch standen die 3aren Alcxander II. und Alexander III. unter dem Druck dieser mächtigen, ungreifbaren Berbindung, die ihre Fäden bis in die unmittelbare Nähe des Tiones zog und deren Bedeutung erst abnahm, als unter Nikolaus II. die stets stärker werdende Arbeiterbewegung einsetzte. Der bekannte russische Schriftsteller Iwan Turgenjem nahm den Ruhm für sich in Anspruch, das Wort Nihilisten geschaffen und durch seinen im Jahre 1862 erschienenen Roman ,, Bäter und Söhne" in den europäischen Sprachschaz eingeführt zu haben, aber menn auch Herzen behauptet, daß schon in den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts einige russische Revolutionäre, vor allem Bakunin , ebenso echte Nihilisten gewesen seien wie Bajarem, der Held des genannten Turgenjewschen Romans, so ist doch erst unter Alexander II. die nihilistische Bewegung in die Geschichte Rußlands eingetreten.
Das ältefte offizielle ruffische Dokument über den Nihilismus ist eine im Jahre 1875 vom damaligen Justizminister Grafen Bahlen für den Zaren, den Thronfolger und die höchsten russischen Würdenträger bestimmte Schrift über die Ziele einer geheimen, den Staat untergrabenden Gesellschaft. In dieser Denkschrift werden zwar die Absichten der Nihilisten zienilich zutreffend geschildert, sie selbst werden aber nicht als ,, Nihilisten, sondern als Revolutio näre und Anarchist en bezeichnet. Aus diesen Kreisen wurde 25. Juli 1879 das Todesurteil gegen Kaiser Alerander II. gefällt, von den hier die Rede sein soll.
am
Wer sich noch erinnern fann, den Kaiser in jener Zeit gesehen zu haben, wird den Eindrud, den dieses Bild in ihm hervorrief, nicht vergessen fönnen. Wenn die hohe, früh ergraute, etwas nach vorne gebeugte Gestalt mit dem ewigen Husten und der fahlen Gefichtsfarte langsam dahinschritt, gefolgt von den in lange rote Mäntel gefleideten Tscherlessen, so berriet nicht nur der unsichere
Gang, sondern auch das ängstlich umherspähende Auge die Sorge des um sein Leben bangenden Kaisers. Wie sich später Alexander III. nur in Kopenhagen , der Heimat seiner Gemahlin vor Mordanschlägen ficher fühlte, jo glaubte legander II. mur auf Schloß Heiligen berg bei Darmstadt , wo seine Gemahlin geboren war, Ruhe finden zu fönnen. Angst und Furcht verfolgten ihn aber auch hierhin, in der Stille der Nacht meinte er Schatten vor seinem Bette zu sehen, dann sprang er ftöhnend auf und begab sich in den Bart des Schlosses, in dem er stundenlang einsam umherwandelte, ohne daß fich ihm ein Diener nähern durite.
Es war die Zeit, in welcher der Nihilismus in Rußland an Boden gewann und von der Theorie zur Tat überzugehen beschloß. Zu Beginn des Juli 1879 fand zu Lipezt- Woronesch der Mihi liftentongreß statt, auf dem die Forderungen aufgestellt wurden, bie dem 3aren zur Annahme unterbreitet werden sollten. An die Spitze der Bewegung traben damals Michaileff, Seljabeff
Dieses Programm wurde dem Zaren zugesandt, der die Ge nehmigung auch nur eines Teiles desselben rundweg verweigerte. Daraufhin fand am 25. Juli 1879 eine Sigung des Egetutivtomitees der russischen Nihilisten stott, welches den Zaren zum Tode durch Dynamit verurteilte. Von diesem Urteil fetzte man Alexander II. in Kenntnis, und nun versteht man, daß er nachts teinen Schlaf mehr finden konnte, und daß ihn auch bei Tage die Angst nicht mehr verließ. Wenn er in den Bartanlagen seiner Schlösser neben der Sänfte der schmer lungenleidenden Kaiserin einherging, so ging an der anderen Seite der greise Lèibarzt der Kaiserin, Botkin, von dem sich die Mitglieder des kaiserlichen Hauses einander zuflüsterten, daß er das Haupt der nihilistifchen Berschwörung am Hofe sei.
Es darf nun nicht verschwiegen werden, daß Alexander II. , der als liberalisierender Herrscher seine Regierungszeit begonnen hatte, im Laufe der Jahre immer mehr zum unbeschränkten Selbstherrscher murde. Selbst echte Patrioten und Anhänger des Kaisers zweifelten an der Ehrlichkeit seiner Absichten, da die Regierung theoretisch zwar in die Bahnen eines modernen Rechtsstaates einletzte, praktisch aber das alte harte Rechtssystem mit seinen Hinrichtungen und Verbannungen beibehielt, und der Kampf gegen das freie Denten auch dann fortgesetzt wurde, als die berüchtigte und gefürchtete ,, dritte Abteilung von Seiner Majestät eigener Kanzlei" im Jahre 1880 aufgehoben worden war.
Das Todesurteil gegen den 3aren war ausgesprochen worden jetzt schickten sich die Nihilisten an, es zu vollstrecken. Zwei Anschläge verfehlten ihr Ziel, beim dritten Male wurde der Kaiser getötet.
Das erste Attentat fand bereits am 19. November 1879 statt, als Alexander sich auf der Fahrt von Livadia in der Krim nach Petersburg befand. An drei Stellen: bei Odessa , bei Alexandrowsk und Mostau war der Bahnförper unterminiert, um den Saren nicht zu verfehlen. Da der faiserliche Zug Odessa umging, so wurde die Mine dort nicht ausgebaut, bei Alexandrowsk explodierte die Mine nicht, so daß der Zar über den Abgrund hinwegfuhr, ohne Schaden zu nehmen, und bei Moskau wurde von der Beromitaja ein dem faiserlichen Zuge vorausfahrender Zug als der des Zaren bezeichnet, so daß sich die Mine unter diesem entzündete.
Wortfegung auf der 2. Geite