Enisietttes Menschentum. Beratungssietle für soziale Kosmeiik.
Wir berichteten vor mehreren Tagen über die vom Be. iirksamt w e d d i n g eröffnete Beratungsstelle für soziale Kosmetik, die all jenen Menschen Hilfe brin- gen will, die durch eine äuhere Enlstellung wirtschaftlich und seelisch Bot leiden. Jeden Freitag von 8 bis g Uhr abends findet im Anschluß an die Beratungsstunde für haut- und Geschlechtskrankheiten die neu- geschaffene Beratung für soziale Kosmetik statt. Da sitzt Dr. G u m p« r t, der bekannte Borkömpfer für soziale Kos- metik. der Leiter dieser Stelle, und erzählt von seinen ersten Pa- tienten. Zwei Sprechstunden hat er erst gehalten, ober schon ent- hält sein Patientenbuch eine Welt voll Jammer und Not. Menschen kommen voll Verzweiflung zu ihm, die mit einem Kainsmal durchs Leben gehen; verachtet, bespöttelt und schließlich vielleicht sogar ausgeschlossen aus dem Kreise ihrer Mitmenschen! Ihnen haftet ihre Entstellung wie ein Makel an. Da kommt eine Frau, die in einer Konfitürenfabrit arbeitete. Sie besitzt eine große halsnarbe, die von einer Operation herrührt. Da wird ge- stichelt und gehänselt, es fliegen teils scherzhafte, teils böse Worte hin und her. Nielleicht hat die Frau in ihrex Verzweislung die eine oder die andere der Beleidigerinnen etwas zu hart angefaßt;
Oer„Oeuifche Bund". Dunkle Geschäfte. Schwere Beschuldigungen werden gegen eine Frau F a u b e l und einen Kaufmann Ernst Krüger erhoben. vom Laudgerichl III ist haslbeschl erlassen worden. Daraus wurde Frau Faubel gestern festgenommen, Krüger wird gesucht. Er soll sich in Pankow aufhallen und noch gestern im Zentrum der Stadt gesehen worden sein. Die Angelegenheit wurde ins Rollen gebracht durch einen Spandauer Kaufmann. Frau Faubel, die früher in München eine Heiratsvermittlung betrieb und hin und wieder auch kleine Finanzierungsgeschäfte besorgte, kam dann noch Berlin und gründete mit Krüger, der im Juni d. I. eintrat, den„Deut- schen Bund' am Kurfürstendamm . Der Spandouer Kaufmann, der zu einem Bau 30 000 M. benötigte, stellte für Frau Faubel und den Kaufmann Krüger eine Vollmacht aus, die vor einem Notar für den Kaufmann und seine Erben unwiderruflich gegeben wurde. Krüger wird nun vorgeworfelt, er habe aus die Dollmacht Gelder aufgenommen, um Exportgeschäfte nach den östlichen Randstaoten zu finanzieren. Diese Geschäfte seien aber nicht nach Wunsch gegangen, und so fühle sich der Spandauer geschädigt. Der Vollmachtgeber behauptet jetzt auch, das Dokument sei ihm betrügerisch abgelockt worden. Außer ihm sollen noch ein Landwirt aus Pommern , der fein« ganz« Wirtschaft in der Vollmacht preisgegeben hat, und einige andere Leute geschädigt sein.
jedenfalls zieht sie den kürzeren. Nach vier Tagen entläßt man sie, da sich die Kolleginnen weigern, mit ihr weiterzuarbeiten. Ein Damenfriseur hat eine schiefe Nase und kann durch diesen Mißstand keine Stellung finden. Der„Kosmetiker" wollte für eins solche Operation 500 M. haben, die der Mann nicht aufbringen kann; so gerät er in bitterste Not. Eine Frau wird wegen ihrer zerstörten Nase gehänselt bis zur Unerträglichkeit. Mit der traurigste Fall ist wohl der eines l8jährigen Menschen, der, durch Hauttuberkulose stark entstellt, von Kind an gleich einem Aussätzigen gemieden wurde. Er hat nur ein halbes Jahr die Schule besucht, dann zwang man die Eltern,' ihn herauszunehmen, weil die Krankheit ansteckend war. Parias der Menschheit, die, ge- hetzt, gestoßen und verlacht, vom Tisch des Lebens verdrängt werden. Daß dieses traurige Kapitel in der Geschichte der Menschheit endlich aufgerollt und, soweit es möglich ist, aus der Welt geschasst werden soll, ist eine Kulturtat größter Bedeutung und es wäre zu wünschen, daß in allen Bezirken solche Beratungsstellen errichtet würden. Hand in Hand mit Aerzten, Krankenkassen und der Fürsorge wird das Mögliche getan, all diesen Bedauernswerten den Weg ins Leben zu bahnen.
llnerwünschte Gäste bei der SAI. Ein Genosse aus der Gruppe Schönhauser Vorstadt der Sozialistischen Arbeiterjugend teilt uns mit:„Unsere Veranstaltungen erfreuen sich starken Zuspruchs. Vor kurzer Zeit bemerkten wir unter den Besuchern kommunistische Spitzel, denen wir die Tür wiesen. Daß unsere Mitgliederzahl dauernd zunimmt, erregt zudem die Wut der Herren von der KPD . Da sie mit ihren Spitzeln bei uns keinen Erfolg hatte, schickten sie zu unserer letzten Sitzung drei Rowdys, die uns mit Gewalt be- kehren sollten. Es waren aber nicht nur Ii— löjährig« Burschen und Mädel da, sondern auch ältere Genossen waren zur Stelle, die dafür sorgten, daß die Störenfriede ohne großes Auf- heben von der Polizei entfernt wurden. Man sieht: Auch unsere jungen Genossen haben keine Lust, sich in ihrer sachlichen Arbeit und in ihrem Zusammensein von k o m m u n i st i- schen Stänkern stören zu lassen. Man fetzt sie an die Luft I"
Dampferausflug der Kongreftteilnehmer. Die Teilnehmer am Weltretlamekongreß waren Gäste der Stadt Verlin zu einem Dampferausfiug nach den westlichen havcljeen. Die? Teilnehmer, über zweitausend Gäste, fuhren in mehrerey Sonderzügen vom Potsdamer Fernbahnhof nach Neu- babelsberg und bestiegen dort mehrere Dampfer der Stern- Kreisschiffohrtgesellschaft. Es fanden verschiedene Schleifenfahrten statt, so daß die Gäste Gelegenheit hatten, die Umgebung von Potsdam in Augenschein zu nehmen. Im Anschluß
daran wurden fünf Empfänge in Gartenrestaurants im Havelgebiet veranstaltet. Vertreter des Magistrats Berlin hießen im Namen des Oberbürgermeisters, des Magistrats und der Stadtverordneten - Versammlung die Gäste auf das herzlichste willkommen. Im Schwedenpavillon sprach Oberbürgermeister B öß. Cr be- grüßte die Vertreter der in- unä ausländischen Presse und betonte, daß es der Stadt Berlin darauf angekommen sei, den zahlreichen Gästen, namentlich aus dem Ausland«, nicht nur das arbeitende, sondern auch das sich erholende Berlin auf dieser Rundfahrt zu zeigen. Ihm erwiderte der Vorsitzende der Hamburger Ortsgruppe des deutschen Reklameverbandes, Mendt, der namentlich auf die Be- deutung des Besuches der amerikanischen Gäste einging. Nach dem Abendessen wurde die Dampferfahrt fortgesetzt. Sie endet« gegen 23 Uhr in Neubabelsberg , von wo die Rückfahrt in Sonderzügen angetreten wurde.
Zwei Großfeuer in den LtGA. Zwanzig Opfer. N e w P o r k. 17. August. fEigenbericht.j 3a New Jork brach am Sonnabend in einem vierstöckigen haus einGroßfeuer aus, durch das zwei schwere Gasexplo- sionen hervorgerufen wurden. Fünf im Keller arbeitende Feuer- wehrleule wurden schwer verletzt; 10 Personen wurden von den ausströmenden Gasen überwältigt. In New Hampshire bei Oncord entstand in einer Farm ein Großfeuer: in Abwesenheit der Wutter verbrannten fünf K i n d e r bei lebendigem Leibe.
Die Toten von Kattowitz geborgen. Im Laufe des Sonnabends sind auch die beiden letzten Toten der Explosionskataftrophe auf dem Hildebrandt-Schacht der Antonien- Hütte geborgen worden. Die Verbrennungen der Bergleute sind hauptsächlich auf die große Stichflamme bei der Explosion zurückzuführen. Welche Gewalt die Explosion hatte, geht daraus hervor, daß ein 30 Zentner schwerer Motor etwa 100 Meter weit fort- geschleudert wurde. Ebenso flog ein 18 Zentner schwerer Block in die Strecke hinein und richtete große Verwüstungen an.
Die 4 Revellers in der Scala. Iazzrhythmus und-melodik— soweit von einer solchen im üblichen Sinne noch die Rede sein kann— beherrschen nach wie vor Ohren und Beine unserer Zeitgenossen. Im Hotel Adlon stellten sich die 4 Revellers, Jazzsänger in künstlerischster Vollendung, dem Publikum vor. Es find Amerikaner, die heimische Lieder, vor- wiegend Negergesänge abschattiert nach verschiedenen Gefühls- Momenten, zum Vortrag brachten. Die starke Musikalität der Vier, der menschgewordene Rhythmus und nicht zuletzt die liebenswürdig- routinierte Art der Wiedergabe sicherten den Sängern, die in der S c a l a für ein Gastspiel verpflichtet sind, vollen Erfolg. Es raste das Volk und wollte immer wieder sein Dacapo haben! Die meisten der zum Vortrag gebrachten Lieder sind durch Schallplatten bereits recht populär geworden, alles schwelgte in den Klängen moderner Wildwestmusik. Daß da all die jazzdurchbebten Bcinc auch nicht stillehalten konnten, versteht sich von selbst. Marek Weber mit seiner Band sorgte dafür, daß auch die ewig Tanzlustigen zu ihrem Rechte kamen.
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