Der Mord an Hilde Zepernick.
Eine friminalistische Betrachtung./ Bon Hans Hyan .
Man hat einen wundervollen, geradezu idealen Park und stinderspielplatz angelegt draußen am Sachsenplatz, wo das Ver. brechen an der kleinen Hilde Zepernick geschehen ist. Aber es ist eine alte Erfahrung, solange ringsum noch Baugelände und freie Felder find, solange vernachlässigen die Kinder den gepflegten und vom Bärter betreuten Spielplag. Hilde 3epernid war elf Jahre alt, aber sie sah aus wie dreizehn, vierzehn und soll sich viel auf dem Neubau oder auf dem Baugelände, das diesen an der Ede des Eachsenplatzes und der Westendallee gelegenen Bauplan umschließt, aufgehalten haben. Sie hat, someit ich erfuhr, nicht etwa nur für die Bauarbeiter gelegentlich fleine Besorgungen gemacht, sondern sie war überhaupt eins jener gefälligen Kinder, die gern, auch ohne Entgelt, für andere einen Weg machen. Ob ihr das verhängnisvoll geworden ist, steht dahin.
Der Keller, in dem der arme, fleine Leichnam gefunden murde liegt an der Borderfront des großen Neubaues nach dem Sachsendamm zu. Er ist aber, wenn man nicht durch das nur Pleine Fenster von der Straßenseite her hineinfriechen will, nur mit einem großen Umweg um die Hinterfront zu erreichen. Insofern ist er abgelegen. Und da sollte ich meinen, müßte doch vor allen Dingen die Frage aufgeworfen werden:
wie kommt Hilde Zepernick in diesen schwer zugänglichen Keller? Das Verbrechen muß etwa um 7 Uhr abends poffiert sein. Denn um 6 Uhr hatte der Bruder die Schwester noch gesehen und zwischen 7 und 8 Uhr, also zum Abendbrot, war Hilde schon nicht zu finden. Bis 8 Uhr ist es jetzt noch hell. Und es handelt sich feines wegs um eine unbelebte Gegend. Der dem Neubau gegen überliegende Park am Sachsenplay ist bis in den späten Abend hinein von Menschen belebt. Die andere Front des halbfertigen Hauses geht aber nach der Westendallee, die ihrerseits in langer Zeile von Siedlungshäusern bestanden ist. Hier gibt es lauter Kleinwohnungen und entsprechend viele Mieter. Ein um 7 Uhr abends begangenes Gewaltverbrechen auf offenem Gelände unter freiem Himmel ist hier gänzlich ausgeschlossen.
Das Kind muß also seinem Verführer und Mörder in den Keller gefolgt sein.
Man fann sich viele Vorspiegelungen und Listen denken, mit denen der Mann die kleine Silde verlodt hat. Aber die einfachste Kombination hierfür liegt auf feguellem Gebiet.
Es ist ein von den meisten Eltern geglaubter und nach mancher Richtung perhängnisvoller Irrtum, menn diese meinen, ein elf jähriges Mädchen sei von erotischen Regungen noch unberührt. Das Gegenteil ist der Fall.
Wohl gibt es Kinder, weibliche mehr als männliche, die infolge ihrer noch schlummernden Sinne eine faum glaubliche Harmlosigkeit atmen. Häßliche Worte, bei den Kleinen ebenjomenig felten wie bei den Großen, werden von den jungen Geschöpfen dieser Art gar nicht verstanden. Eine ausgesprochene Gleichgültigkeit, ja Abneigung gegen alles, was mit Sinnlichem zusammenhängt, macht sich bei solchen Individuen bemerkbar. Und diese Menschenfinder, denen miffenschaftlich gesprochen eine gewisse Infantilität lebenslang anhaftet, fühlen sich in ihrem findhaften Zustande meist sehr froh und glücklich und werden so auch von den anderen empfunden.
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fam Margarete Elfe in das Kornfeld und wie ist Hilde 3epernid in den Keller gekommen?
Der Berdacht, daß einer von den Arbeitern des Neubaus am Sachsenplatz der Täter ist, liegt nahe. Aber man sollte nicht mit einer allzu großen Bestimmtheit daran festhalten. So wie früher die auf leerem Baugelände stationierten großen Möbelwagen eine beliebte Nachtherberge der Obdachlosen und sich vor polizeilicher Meldung fürchtenden Elemente waren; so wie damals und heute leerstehende Lauben dem gleichen Zwed dienten,
so verkriechen sich auch heute noch die, die am Abend nicht wissen, wohin ihre müden Füße fie tragen sollen, in unfertige Häuser, auf Bodenwinkel und in die gegen den Regen geschützten Keller.
Ferner: nicht der allein ist mit den Dertlichkeiten eines Neubaus pertraut, der augenblicklich darauf arbeitet, sondern ebenjogut der andere, der vielleicht vor vierzehn Tagen dort gearbeitet hat und entlassen wurde, oder aber der, der auf einer ähnlichen Baustelle unter ähnlichen Berhältnissen tätig mar.
Es ist ganz richtig, wenn die Behörde jeder der am Sachsenplay beschäftigten Arbeiter auf Herz und Nieren prüft, wenn man versucht, den Bersonenfreis der in Frage kommenden nach Möglichkeit zu verengern. Aber man darf dabei nicht vergessen, daß außera halb dieses fleinen Kreises ein ungeheueres Feld von Möglichkeiten fich ausdehnt. Ich habe mich gerade mit Mordverbrechen an Kindern viel und eingehend beschäftigt und habe bei diesen meinen Bemühungen immer wieder den Eindruck gewonnen,
daß man vor allen Dingen die Atmosphäre um das Kind herum ftets von neuem durchsuchen muß.
Die Familie in ihrer weiteren Ausdehnung, die Freundschaften, die Bekannten, hier zum Beispiel die Leute, für die Hilde Besorgungen gemacht haben soll, überhaupt alles, mas mit der kleinen Blonden in nähere Berührung fam. In diesem Milieu finden fich meist irgendwelche Spuren, die von einem flugen Beobachter benutzt und weiter verfolgt, am ehesten zum Erfolg führen...
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3bn Saud greift an.
Englische Abwehrrüstung in Transjordanien.
Amman , im Auguft.( Eigenbericht.
Die Entwirrung der durch die imperialistische Orientpolitik der englischen Konservativen völlig verfahrenen Verhältnisse in Ara. bien und feinen Grenzgebieten wird das diplomatische Geschid der britischen Arbeiterregierung vor schwere Aufgaben stellen. Infolge des bisherigen Doppelspiels der britischen Kolonial bureaufratie haben sich besonders die Gegensätze zwischen Ibn Saud und seinen Rivalen derart zugespitzt, daß sie einem offenen Konflift entgegenzutreiben drohen.
Ibn Saud verdächtigt den Emir Abdallah von Trans jordanien der Begünstigung seiner Gegner im Innern Arabiens und beabsichtigt, durch einen Borstoß auf die transjordanische Haupts stadt Amman, wo seiner Meinung nach die Fäden aller gegen ihn gerichteten Konspirationen zusammenlaufen, den Intrigen gegen ihn mit einem Schlage ein Ende zu machen. Er hat deshalb den Bes. fehl zu einer Offensive gegen Transjordanien erteilt, die angeblich seine in der Gegend von Kumeit am Persischen Golf gegen Rebellen fämpfenden Anhänger entlasten soll. In Wirklich feit hat der Angriff, für den 3000 Reguläre und etwa 10 000 Irres guläre bereitgestellt sind, die transjordanische Grenzstadt Maan als erstes Ziel. Ein Teil dieser Kräfte soll einen Umgehungs marsch durch die syrische Wüste nach Osten vornehmen, um von dort her direkt auf Amman vorzugehen.
Das Bekanntwerden dieser Pläne hat in der englischen Verwal tung des mittleren Oftens große Bestürzung hervorgerufen, da sie England in eine höchft unangenehme Lage bringen und ihm in dem Augenblid die Notwendigkeit einer friegerischen Aktion aufzwingen, in dem es auf der arabischen Halbinsel zu einer Politik der Berständigung und der ehrlichen Vermittlung zwischen den streitenden Parteien übergehen will.
Zur Berhütung eines blutigen Konflifts treffen die militäris schen Stellen umfassende Borbereitungen, um durch das Borhanden. sein einer genügend starten Rüstung Ibn Saud vor Unbesonnenheiten zurückzuhalten. heiten zurückzuhalten. Der Oberkommandierende der englischen Streitkräfte in Transjordanien Pic Pascha ist telegraphisch von seinem Urlaub aus London zurückberufen worden. Er wird sich so schnell wie möglich auf ein Kriegsschiff bis Atabah und von dort auf seinen Posten begeben. Gleichzeitig hat die englische Militära verwaltung eine Kolonne Panzerautomobile, 10 Tants, eine große Anzahl Kampfflieger sowie Maschinenge= wehrabteilungen aus Aegypten nach Transjordanien dirigiert, um Ibn Saud einzuschüchtern und die wahabitische Offensive nötigenfalls an der Grenze abzufangen.
letzter Stunde geiingen wird, den durch das jahrelang betriebene Spiel mit dem Feuer drohenden Brand von unabsehbaren Konse quenzen für den gesamten mittleren Osten noch in letzter Stunde zu erstiden.
Der Iman Jahia, ein selbständiger Herrscher in Arabien , hat einen Freundschaftsvertrag mit Sowjetrußland geschlossen,
Und noch eine Erwägung, die mir nahezuliegen scheint: Ich seize den Fall, daß ich einem Verbrechen nachspüre und den richtigen Täter eruiert zu haben glaube. Was tue ich nun? Berhafte ich ihn?- Die Beantwortung dieser Frage hängt davon ab, ob der Die Situation ist sehr tritisch, doch besteht Hoffnung. Mann, den ich im Auge habe, die Möglichkeit und den Mut hat, zu flüchten. Hat er diese nicht, wird er zum Beispiel als verheirateter daß Ibn Saud Realpolitiker genug ist, um sich nicht in ein aus Mann und Familienpater, eventuell als Angestellter oder gut besichtsloses friegerisches Abenteuer einzulassen, und daß es noch in schäftigter Mann durch vielerlei Bindung am Drte festgehalten, fehlen auch die Mittel zur Reise, und die Kenntnis, wohin er sich menden soll, so halte ich es für äußerst unflug, solchen Men= ichen zu verhaften. Selbst eine gewisse Fluchtmöglichkeit würde ich in den Kauf nehmen bei der großen Schwierigkeit, die heute auch der bemittelte Flüchtling hat, zu entkommen. Ja, ich würde sogar alles vermeiden, was dem Beargwöhnten Anlaß geben tönnte, sich beobachtet und unter Verdacht stehend zu fühlen. Benn es einem Berbrecher gelingt, eine derartige Tat ohne Blutvergießen, das heißt ohne Besudelung feiner Kleider und Wäsche durch diejen ganz besonderen und immer nachweisbaren Saft auszuführen; wenn er bei solcher ja ftets in einem Segualrausch begangenen Tat Aber der größere Teil der Menschheit ist auch schon im Kindesohne Verlegung, ohne Kragwunden und Hautabschürfungen davonalter anders geartet. Da treten früh die dunklen Sehnsüchte, die versteckten Leidenschaften und schamhaft verhaltenen Begierden auf. fommt, und bei der Tat selbst von niemanden gesehen worden ist, Der findliche Mensch, wohl wissend, daß die Aelteren absolute Un so wird alles davon abhängen, ob seine Nerven jest schuld und Unkenntnis dieser Dinge verlangen, verbirgt seine schon genug sind, daß sie dem Kreuz verhör standhalten, ohne daß er ins Backeln tommt und sich zum Geständnis herbei läßt. Ich wachen Wünsche scheu in der Seelentiefe. Das gelingt ihm überall da, wo nicht Begierden nach ihm züngeln, die, als unerlaubt, erinnere mich an eine ganze Anzahl von Fällen, wo zum Teil noch ja auch wieder vor fremden Augen versteckt werden müssen. Aber sehr junge Leute trotz der schwersten Indizien, trotzdem eigentlich die Erwachsenen, die leichtsinnig genug oder so triebmäßig ein Zweifel an ihrer Schuld nicht mehr bestand, durch nichts zum neranlagt sind, daß sie auch vor einer Entwicklungsgrenze nicht Halt Geständnis zu bringen waren. Dieselben Menschen hätten sich unmachen, die finden mit einem fabelhaften Instinkt das geheime Be- meigerlich früher oder später selbst verraten, wenn polizeilicher gehren der Unentwickelten heraus und benutzen es. lebereifer mit seinem Triumphbedrüfnis sie nicht in den Käfig gesperrt und gerade dadurch diese hartsinnigen Leute zu einem immer mehr sich steigernden Widerstand, zu dem immer fester werdenden Nein" getrieben hätte...
So etwa ist der Kompler der Wollustverbrechen an Kindern. Ich erinnere mich an den auf ganz ähnliche Art begangenen Mord an der fünfzehnjährigen Margarete Elfe aus Lindow . Auch da ein Mord an hellem Tage, sozusagen unter den Augen der auf dem Felde beschäftigten Landleute. Und den Leichnam fand man ziemlich weit ab von der Chauffee mitten in einem Kornfelde. Bie
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Der Dauerfireif in Ralfutta.
In den Jutespinnereien in Raltutta ist die Arbeit am Montag wieder aufgenommen worden. In fünf Betrieben wollten die während des Streiks entlassenen Arbeiter ihre Arbeitsplätze wieder einnehmen, die bereits mit anderen Kräften besetzt waren. Es kam zu Auseinandersetzungen, die dazu führten, daß die gesamten Belegschaften dieser fünf Bex triebe wieder in den Streit traten.
Die anderen Kräfte" waren also offenbar von den Untera nehmern irregeführt worden,
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Berantwortl. für die Redaktion: Wolfgang Schwarz, Berlin ; Anzeigen: Th. Glode, Berlin . Berlag: Borwärts Berlag G. m. b. S., Berlin . Drud: Vorwärts Buch bruckerei und Berlagsanstalt Paul Ginger& Co., Berlin SW 68, Lindenstraße 3. Sierzu 1 Beilage.
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