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Beilage

Donnerstag, 26. September 1929

S

Der Abend

Spalausgabe des Vorward

Streifzüge auf den Lofoten

Von Max Barthel

und kauften die Millionen Dorschtöpfe und Gräten auf. Sie sorgten| norwegische Fahne flattert, wir fahren an den Schären und an auch für das Wohl der Arbeiter: sie richteten einen großen Kauf­laden ein, in dem es alles zu kaufen gibt: Margarine, süßes Weiß­brot, spanischen Wein, Bananen, Geschirr, Manufaktur usw., sie stellten eine Reihe liebloser Wohnhäuser hin, und das alles grup­pierte sich um die Fabrik, um die toten, stinkenden Fischköpfe und stachlichen Gräten.

Die ertragreichen Fischgründe an den Lofoten werden schon um das Jahr 1000 herum erwähnt. Damals kolonisierten die norwegi­schen Wikinger Island , Grönland , entdeckten Amerika und stießen plündernd an die Küsten von England und Frankreich vor. Die legten Wikinger hat der Norweger Bojer in seinem Roman: Lofotfischer" beschrieben. Er entwirft ein dramatisches Gemälde von jenen Fischern, die mit ihren Segelbooten den Westfjord über­querten und in den schlimmen Wintermonaten mit ihren Netzen Diese Fabrit gehört jegt einer norwegischen Gesellschaft. oder Angeln die schwärmenden Dorsche aus dem Wasser riffen. Englisch oder norwegisch, es ist alles eins: der Stundenlohn_be= Heute hat der Motor das Segel schon lange besiegt, auch der beträgt 70 Dere, davon fann fein Fett angesetzt werden, und dann rüchtigte Mal strom hat seinen Schrecken verloren. Heute ist fließt der Verdienst in der Hauptsache eben durch den Kaufladen der Fischfang an den Lofoten industrialisiert. In diesem Sommer wieder in die Tasche der Gesellschaft. Die ehemals freien fahen wir ein Flugzeug, das nach Heringszügen spionierte.. Fischer sind Proletarier geworden. Die Gewerf­schaft ist sehr schwach, aber der ganze Norden ist radikal. Von den 14 Reichstagsabgeordneten des nördlichen Norwegens fizen 9 Ber treter der Arbeiterprtei im Storthing in Oslo .

Nach Mitternacht famen wir in Soolvär an, einer kleinen Stadt und wichtigen Station, die auch einen guten Fischerhafen besitzt. Aus jenen Zeiten, die von Hamsun und Bojer be­schrieben werden, sahen wir noch die Spuren: die großen Handels­herren fizen fest in jenen kleinen Städten, sie sind auch heute noch die ungekrönten Könige und beherrschen durch ihre wirtschaftliche lebermacht das ganze Gebiet. In Svolvär gibt es drei Hotels, zwei Banten, viele Kaufläden, in denen man Zigarettenetuis mit dem Bilde von Amundsen faufen kann: das alles gibt es, aber ein Krankenhaus! Auf den ganzen Lofotinseln gibt es fein Krankenhaus. Das Krankenhaus liegt viele Fahrt stunden entfernt in Bodö ..

Wir fahren am nächsten Tag mit einem Motorboot nach einer Felseninsel, lassen die hohen Berge hinter uns,

neue Gebirge wachsen aus dem Meer.

Die Brandung zerbricht sich an den Klippen und Schären, die schwarzen Kormorane erheben sich schwerfällig aus dem Wasser, die großen wilden Möven quafen und schreien. Ueber eine Stunde fahren wir, wir sehen einen Leuchtturm und viele Schiffsmarkie­rungen, und dann öffnet sich vor uns der Dest nessund und zeigt seine zerrissenen, schneebedeckten Berge.

Die Insel, auf der wir einige Wochen bleiben, ist typisch für die ganze Landschaft. An ihren Rändern liegen zwei, drei fleine Dörfer, verstreute Siedlungen und Gehöfte. Die hohen Felswände feigen steil empor, auf dem verjumpften Plateau liegen zwei Seen und viele Moore, auf den Matten weiden hörnerlose Kühe, draußen auf den Schären bleiben auch im Winter die schwarzen Schafe. An den geschützten Stellen der Insel liegen fleine Felder: Kar­toffeln werden angebaut, der Hafer schießt in die Halme. Gemüse­beete sind durch alte Fischernetze vor dem Vieh geschützt. Ueber den alten mit Gras gedeckten Holzhäusern wipfeln einige Birken oder Ebereschen. Die Wiesen sind sett und versumpft oder vom Geröll der Berge verschüttet. Der furze Sommer zaubert seine Blumen hin: wilde Stiefmütterchen und Glodenblumen. Nach den Bergen zu blühen Pechnelfen, wilde Rosen, Heidekraut. Heidel­beeren, Multebeeren und Himbeeren wuchern. Wacholder klettert über die Steine. Mächtige Farne entfalten sich. Kleine Birken und Eschen wagen sich in die Höhe und sind fümmerlich und sturm­zerzauft. Die Berghänge und die Wiesen duften. Im Salzwind des Meeres schwebt der Geruch von Fischen und Tran. Der weiße Korallenstrand leuchtet.

Die Infelbewohner sind Fischer und bearbeiten im Sommer ihre Felder und Wiesen. Im Juli wird Torf gestochen, Heu ge­erntet, das Vieh versorgt, ein wenig gefischt und für den Winter vorbereitet. Im Winter brausen die Stürme, das Meer ist auf­gewiegelt, aber laßt das Meer brüllen und gischten,

im Winter kommen die vielen Fische,

die Dorsche rücken an. Sagenhafte Schwärme fommen vom Ozean und schwimmen in riesenhaften Fischbergen", die bis zu 50 Meter hoch sind. Im letzten Winter zum Beispiel wurden rund 30 Mil­lionen Stück Dorsche gefangen, das sind 80 Millionen bis 90 Mil­lionen Kilo Fisch. Und im Winter sind auch die großen Lohntage für die Fischer. Der Fang wird sofort bezahlt. Für ein Kilo Dorsch gibt es acht bis zehn Pfennige. Die Köpfe, die Gräten und die Leber der Fische werden extra aufgekauft und berechnet. Ungefähr 40 Pfennige bringt ein Dorsch von drei Kilo Gewicht dem Fischer. Was verdient nun ein Fischer im Jahr? Der Mann, bei dem wir wohnten, hatte mit seinen drei Söhnen bei den großen Fischzügen 12 000 Dorsche gefangen. Also tommt auf den Mann für drei bis vier Monate schwere Arbeit rund 1000 Mart...

Das Hauptgeschäft machen natürlich die großen Händler und auch die Fischmehlfabriken. Den Letzten beißen die Hunde, und die Letzten sind die Fischer, die nur mit fleinen Prozenten am Fang beteiligt sind. Wir sahen an den Felsenküsten überall die großen Holzbaracen stehen, in denen die Winterfischer hausen. Es find primitive Hütten und nur so hingestellt für einige Stunden Rast während der angestrengten Arbeit auf dem Meer. Die Fische müssen gefangen werden, wenn sie tommen.

Und sie werden auch gefangen, mit den Netzen, mit den Angeln, sie werden ans Land geschleppt und geschlachtet. Sie werden ganz aufgeschnitten, gesalzen, auf den Felsen getrocknet und dann zu­fammengestapelt. Das sind die sogenannten Klippfische", weil man fie flippet", also spaltet. Aber man dörrt auch den Dorsch und hängt ihn auf Holzgestelle bis in den Sommer hinein. Die Fische werden dann hauptsächlich nach Bergen verfrachtet und nach Spanien verkauft. Spanien liefert dafür an Norwegen ein bestimmtes Quantum Süßwein. Als die Hana in Bergen re­gierte, machte sie den ganzen Norden von sich abhängig. Die Hansa wurde aufgelöst, die Abhängigkeit des Nordens vom Süden ist geblieben.

Der Norden will sich selbständig machen, wirtschaftlich unab­hängig, und zu diesen Versuchen gehören auch die sechs Fabriken für Fischmehl, die auf den Lofotinfeln liegen. Interessant ist die Geschichte einer kleinen Siedlung,

die wir besuchen. Der Ingenieur spricht Deutsch , er hat m Darm­ stadt studiert und die Deutschen sind überhaupt in Norwegen be­liebt. Zuerst kommen die Engländer, sie brachten ja viel Kapital ins Land und stellen jetzt noch die meisten Touristen. Also die Engländer tamen in das kleine Nest vor fünfzig Jahren als Rapi­talisten und machten eine Fischmehlfabrit auf. Sie fetzten in diese heroische Landschaft die häßlichen Blöcke ihrer Anlagen, bauten eine Landungsbrücke für die Schiffe, erhoben den Ort zur Station

Auch an dieser Fabrik also stinken die hohen Stapel der Köpfe und der Gräten in den Himmel. Diese Bude verarbeitet im Jahre vier bis fünf Millionen Fischköpfe. Für 100 Köpfe oder 1000 Gräten zahlt die Gesellschaft dem Fischer 2 Kronen. Der Betrieb ist sehr einfach: die Köpfe und die Gräten werden in groben Mühlen zer­mahlen, gehen in feinere Mühlen und rieseln als weißer: geschmack­loser Staub in die bereitgestellten Säcke. Die Haupt abnehmer für norwegisches Fischmehl sind die deutschen Schweine züchter. Die Fabrik stinkt, aber das Geld stinkt nicht, und so ist alles herrlich eingerichtet auf der Welt.

den badenden Mädchen vorüber, Enten fliegen auf, Möven schreien, Quallen treiben in der grünen Flut. Dann fliegen die Lummen auf oder tauchen unter, Kormorane erheben sich schwerfällig und sausen davon. Die Berge blühen im Licht, ihre Schneefelder schim­mern. Ja, und nun hebt ein Seehund seinen runden Kopf aus der Flut und verschwindet blitzschnell. Manchmal verirren sich auch junge Wale hierher. Wir biegen in den Destnessund ein.

Unsere Insel zeigt ihre ausschweifenden Gebirge, ihre Tele. graphenstangen und kahlen Weiden. Wir sehen einsame Siedlungen und Höfe daliegen, und die Birkengebüsche sehen wie Olivenhaine aus. Auf einem Felsen am Meer stehen drei Kühe und glozen uns nach. Wir lassen sie glozen und wenden uns den unerhörten Bergen auf der linken Seite zu, die gelassen aus dem Sund auf­steigen und ihre Dolomitentette tausend Meter hoch aufbauen. Manchmal stürzt ein kleines Bächlein von den fernen Firnen und Gletschern, Moränen fallen versteinert in die Tiefe. Schneefelder grüßen. Aber über dem Schnee grünt smaragdenes Gras, leuchtet das Moos.

Das Boot jagt weiter und treibt viele Kolonien schwimmender Möven, Lummen und Kormorane hoch. Und

vollkommen geschichtlos tauern einige Fischerhütten am Strand. Rein Grün, fein Gras, kein Feld und fein Garten ist um sie. Nur der nackte Stein. Von Westeraalen starren Schneeberge. Es ist märchenhaft schön. Viele Felsen sind von der Gewalt des Eises zersprengt und flaffen mit langdahinlaufenden Rissen. Dann fom­men wir in den Raftsund und baid liegt vor uns ein Juwel: Trollfjord, eine schmale Rinne, die alle Sterne der Reise­handbücher tausendfach verdient.

Wir verlassen diese Fabrik und sehen dann von unserem Hause die Küste leuchten. Dort hinter den Schneebergen liegt am sund, die kleine Siedlung, die dem großen Dichter Knut Pedder dersen den Namen gegeben hat. Fast alle Romane Hamsuns spielen im hohen Norden, und wir sehen seine Menschen leibhaftig

um

uns: die Ortskönige, die einsamen und melancholischen Schwärmer, die kühlen Rechner und die demütigen Trottel, die verschlossenen Bauern, die geschwäßigen Weiber und die schönen, triebhaften Mädchen. Wir sprechen auch über den Dichter mit einigen Leuten. Sie fennen ihn, aber sie lehnen ihn ab. Er ist ihnen zu heidnisch.

Wir gehen noch

nach Mitternacht an den weißen Korallenstrand und sehen die hängenden Büsche des Tangs, wir wandern nach den Schären, wenn die Ebbe zurückgeflutet ist, wir flettern auf die Berge und waten in den Sümpfen, die Elstern schreien, wir sammeln Muscheln, Heidelbeeren und Pilze. wir starren auf die märchenhafte Lofotenwand mit den Bergen, die manchmal wie Krater aussehen, wir find faul, wir arbeiten, die Tage vergehen, wir vergessen die großen Städte und ihren Tumult. Wir streifen auf der Insel um­her und fahren eines, schönen Tages nach dem Trollfjord.

Von der Landungsbrücke springen junge Burschen ins Meer. Unter ihnen leuchtet der weiße Sand, dunkeln die Gärten des Tangs. Die Mädchen haben ein Boot genommen und fahren nach den Schären ins Bad. Das fleine Motorboot fnattert heran, die

Ja, dieser Fjord ist ein Wunder.

Gegen achthundert Meter hoch steilt sich eine gewaltige Wand aus dem Wasser, wir fahren, starren, sind still, und dann sehen wir die Gletscher und die mit ewigem Schnee bedeckten Zacken und Zinnen hoher Berge. Kein Mensch ist zu sehen, fein Touristen­schiff lärmt in billiger Begeisterung. Nur die Einsamkeit mufiziert und läßt das leise Donnern abstürzender Wasserbäche laut werden. Wir drosseln den Motor ab, wir landen und steigen durch ver­sumpfte Wiesen, in denen die Farne wuchern, nach dem großen Gletschersee empor.

Die dünnen Birkenwälder liegen bald hinter uns. In den reißenden Gebirgsbächen blizen Forellen. Wir mühen uns auf untenntlichen Wegen in die Höhe, der Schmeiß rinnt, der Wind von den Schneefeldern fühlt, wir steigen und steigen, und dann fizen wir atemlos auf einem Hügel und sehen unter uns den Die Gletschersee liegen, das eisflare Gefäß reinster Schönheit. Sonne flammt. Auf dem grünen Gewässer schwimmen Eisschollen. Die Welt ist schön. Und als wir endlich abstiegen und den Fjord vor uns fahen, war dort der Teufel los. Im Waffer jagten Delphine oder Seehunde. Zu vielen hunderten sprangen da die silbernen Fische aus der Flut. Sie sprangen vergebens. Ueber dem Wasser lauerten die blizenden Möven auf das zappelnde Futter.

Generalstreik anno 1793

Eine bedeutsame Episode aus Breslau

Es ist eine piel verbreitete, aber trotzdem irrige Annahme, daß die Streifbewegungen erst eine Folge der modernen Arbeitsentwid lung seien, und daß man in früheren Zeiten einen allgemeinen oder ,, Generalstreit" überhaupt nicht gefannt habe. Demgegenüber dürfte es von Interesse sein, nähere Einzelheiten von einem Generalstreit fennenzulernen, an dem sich im Jahre 1793 sämtliche and werfer und Arbeiter Breslaus beteiligten, zu dessen Unterdrückung jogar Militär aufgeboten wurde, der aber trotzdem mit einem vollkommenen Sieg der Ausständigen endete.

v. Hoym , der sich damals in Breslau aufhielt und erkannte, daß er trotz seiner Kanonen den Streik willen der Ausständigen nicht zu beugen vermöge, gab angesichts des vergossenen Blutes nach und ver= fündete eine allgemeine Amnestie, wobei der Uebereifer der Truppen ausdrücklich hervorgehoben wurde. Zugleich mit dieser Amnestie erklärte Hoym , daß die Getöteten auf Kosten des Staates mit militärischen Ehren beigesetzt werden sollten, ebenso werde der Staat die Pflegekosten für die Verwundeten tragen und den Hinter­bliebenen der Opfer besondere Pensionen aussehen. Die inhaftierten Schneidergesellen sollten sofort aus dem Gefängnis entlassen werden und für die versäumten Arbeitstage eine Entschädigung erhalten.

Mit dieser Lösung allein waren die Ausständigen nicht zufrieden. Sie erklärten, im Streit verharren zu wollen, wenn nicht der heimlich aus Breslau ausgewiesene und über die Grenze geschaffte Kollege und der Ausgewiesene wurde nicht nur von den übrigen Schneider­gesellen am Weichbilde der Stadt erwartet und in feierlichem 3uge zur Schneiderherberge geleitet, sondern auch von den Regie­rungsvertreter wieder ,, ehrlich" gemacht. Dies geschah dadurch, daß der Kammerreferendar v. Ka mete ihm beim Betreten der Stadt ,, Gesundheit und Willkommen" zutrank und sodann mit ihm in alie Handwerksherbergen zog, wo der Heimgekehrte seine Kollegen und die übrigen Arbeiter begrüßte.

In dem genannten Jahre hatte ein Schneidergeselle, ein Ungar, au's unbekannten Gründen den Dienst seines Meisters verlassen und war trotz wiederholter Aufforderungen nicht zu ihm zurückgekehrt. Nach den damals in Breslau bestehenden polizeilichen Bestimmungen wurde ein Handwerksgeselle, der seinen Meister ver­ließ, ganz gleich, welche Gründe vorlagen, fofort ins Gezurückgebracht würde. Auch hierin gab die Regierung nach fängnis gesetzt und dies geschah auch in dem vorliegenden Falle. Darauf legten alle übrigen Schneidergesellen der Stadt die Arbeit nieder und zogen vor das Polizeihaus, um die Freilassung ihres verhafteten Kollegen zu fordern. Diese Freilassung er­reichten sie aber nicht, sondern sofort wurden ,, wegen Aufsässigkeit" weitere hundert Gesellen vom Plage weg ver­haftet, denen bald darauf die Verhaftung aller Breslauer Schneidergesellen folgte, weil sie sich weigerten, die Arbeit aufzu­nehmen. Auf die Kunde von dieser Gewaltmaßregel traten alle übrigen Arbeiter und Handwerksgesellen der Stadt in den Streif, es waren dies Schmiede, Maurer , Schlosser, Zimmerleute, Bauhandwerker, Schuhmacher usw., so daß jede Arbeit

in der Stadt stockte. Angesichts einer solchen Streifausdehnung, die man in den polizeilichen Kreisen denn doch nicht vorausgesehen hatte, würde man gern die verhafteten Schneidergesellen wieder in Freiheit gesetzt haben, nun aber, da sich alle übrigen Arbeiter mit ihnen foli­gesetzt haben, nun aber, da sich alle übrigen Arbeiter mit ihnen foli­darisch erklärt hatten, weigerten sie sich, das Gefängnis früher zu verlassen, als der unterdessen heimlich ausgewiesene ungarische Kollege wieder nach Breslau zurückgekommen sei.

Da man mit polizeilichen Mitteln der Bewegung nicht mehr Herr werden konnte, so wandte man sich an den Befehlshaber der in Breslau liegenden preußischen Truppen, der auch sofort das gewünschte Militär zur Verfügung stellte. In den ersten Tagen waren die militärischen Erfolge den Streifenden gegenüber sehr gering, da man trotz aller Versprechungen und Drohungen den Wider stand der Arbeiter nicht brechen und sie nicht zur Aufnahme der Arbeit bewegen fonnte. Darüber erbittert, fuhr manjegt Ge schüße auf, und zwar mit solcher Wirkung, daß von der ersten Salve 37 Streifende sofort getötet und 44 verwundet wurden, von denen später noch weitere 16 starben. Der preußische Minister

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Dr. Karl Hauck.

Vinetas Untergang

Das sagenhafte Bineta hieß eigentlich Jumneta, lag an der Mündung der Swine und wurde um das Jahr 1119 von dem dänischen König Niels nahezu vollständig zerstört. Nach dem Abzug der Dänen brach dann eine gewaltige Naturkatastrophe über die Landschaft Jum, deren Hauptstadt Jumneta war, herein und ließ die Trümmer und Reste der verwüsteten, weltberühmten slawischen Handelsstadt im Meer versinken; wenigstens stellt sich der Untergang Binetas, bzw. Jumnetas nach den neuesten Forschungen so dar.

Wie weit sich übrigens die Beziehungen der alten Stadt er streďten, tann man zum Beispiel daraus ersehen, daß ihr Unter­gang in dem großen geographischen Wert des Arabers El- Edrift er wähnt wird. Sie war also selbst im Orient nicht unbekannt un das wollte in der damaligen Zeit gewiß allerhand heißen.

Die vielfach vertretene Ansicht, daß das alte Vineta identisch sei mit dem heutigen Wollin kann nicht mehr aufrechterhalten werden; denn es steht fest, daß lediglich das Dorf Loddin bei Koferom mit dem einstigen Bineta oder Jumneta in engem Busammenhang ge­standen hat.