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Riesenbank und Angestelltenschicksal Zur Fusion Oeuische Bank Oiskonio-Gesettschast.

Mr haben den Genossen Benno Marx, den Geschösis- sührer des Allgemeinen Verbandes der Deulschen Bankan- gestellten, gebeten, seine Aussassung über Bedeutung� und Auswirkungen des Zusammenschlusses der beiden größten V-Banken speziell für die Bankangestellten und deren For- deruogen darzulegen. Heber die Gründe, die zum Zusammenschluß der beiden In- stitute geführt haben, streiten die Gelehrten. Auffällig ist jedenfalls, daß der Beginn der Fusionsverhandlungen zeitlich mit dem Frank- surter Versicherungslrach zusammenfällt, Tatsache auch, daß die Di- rektion der Disconto-Gesellschaft längst nicht mehr im Orchester der Großbanken die erst« Geige spielte, wie ehemals. Und da da ballt sich in. dem nun aus zwei Kolossen sich formenden Riesen- block mit 429 Millionen Aktienkapital und offenen Reserven, Milliarden fremder Gelder und einem Umsatz von fast 499 Milliarden ein« gewaltige Macht zusammen, der gegenüber es gilt, die Augen offenzuhalten. Ebenso muß man sich darüber klar sein, daß der Zusammenschluß der beiden Institute nicht nur eine Addition, sondern eine Zllultiplikalioo von Kräften und Einfluß bedeutet. Di« Folgen der Fusion, die nicht den Abschluß der Kvrizentrotionsbewegung im Bantgewerbe darstellt, sondern den Anfang einer Zusammenschlußbewegung von größtem Ausmaße, w«rden nicht nur die Bankangestellten allein zu spüren bekommen. sondern ihr« Auswirkungen und Ausstrahlungen werden sich sehr bald auch in Industrie und Handel bemerkbar machen. Waren Deutsch« Bant und Disconto-Gesellschaft bereits bisher gemein- s a m mit 14 Jndustriekonzernen verflochten, die Deutsche Bank bzw. die Disconto-Gesellschast jede für sich mit weiteren 16 bzw. 15, so wird sich in Zukunft der Einfluß derDedisko* auf 45 Indu­striekonzerne(von 55 insgesamt) erstrecken. Hier sehen wir eine wahrhaft gigantische Steigerung der Einflußsphäre des neuen Bankkolosses. Es ist selbstverständlich, daß die Fusion zu einer Quelle steigen- der Beunruhigung der Bankangestelltenschast geworden ist. Allen Angestelllea kommt die Unsicherheit ihrer Stellung mit brutaler Deutlichkeit zum Bewußtsein. Niemand weiß heute, ob er nicht morgen gekündigt und damit dem Schicksal einer ungewissen Zukunft preisgegeben wird. Denn stet, versucht man unten zu rationalisieren. Seit der Inflation haben die vier V-Banken mehr als 79 900 Angestellte, das sind zwei Drittel der Belegschaften, abgebaut. Bei dem Kontroll- und Leiwngsapporat indessen sind ähnliche Schritte unterblieben, so daß hier ein krasses Mißverhältnis klafft. Es kann nicht bestritten werden, daß der Kontroll- und Leitungsapparat der Banken drei- fach übersetzt und dabei zum Teil erheblich überaltert ist. Auch dies« Tatfachen beweisen, daß die Fusion andere Ursachen haben muß, als zweck- und sinnvoll« Rationalisierung. Den Abbau, soweit ihm dies« Tendenz innewohnt, hat die Bankangestelltenschast in geradezu bewunderungswürdiger Haltung ertragen. Jetzt liegen die Dinge ganz anders. Die Umsätze der vier O-Banken haben sich seit 1924 nahezu verdreifacht. Die Zahl der Konten ist außerordentlich gestiegen, allein bei der Deutschen Bank von 289 779 auf 422 694. Dagegen hat sich der Durchschnittsbetrag des einzelnen Buchungsoerfalles stark reduziert. So ist z. B. der Durchschnittsbetrog der Waren- wechsei bei der Disconto-Gesellschaft im Bergieich 1927: 1928 von 2321,19 M. auf 1892,95 gefallen. Ich behaupte, daß die in den Banken zu bewältigende Arbeitslast sich seit 1924 versünssacht hat, bei einer um zwei Drittel verringerten Angeslelltenzahl. Hier zeigt sich das Ergebnis des Rationalisierungsprozesies, gleichzeitig aber auch die Wurzel der heute herrschenden empörenden Ueb«rstundenwirtschaft im Bankgewerbe. Erst in den letzten Tagen sind nach dieser Richtung geradezu unglaublich er- scheinende Verstöße in der Disconto-Gesellschaft festgestellt worden. Dort hat man in verschiedenen Abteilungen 1Z Stunden nnd mehr, in einem Falle sogar 17 Stunden arbeiten lassen unter Fälschung der Arbeitszeillisten. Dagegen ist Anzeige bei der Staatsanwaltschaft erstattet worden. Bei den anderen Banken sind ebenfalls erhebliche Arbeitszeitüberschreitungen dauernd sestzustellen. Dabei wird munter abgebaut. Don diesen Dingen weiß die Oeffenllichkeit nichts. Um so notwendiger ist es, sie darauf hinzuweisen. Angesichts dieser Lage sollte man meinen, daß mit dem Abbau d«r Angestellten Schluß gemacht und statt dessen an einen Wieder« aufbau der zu stark reduzierten Belegschaften herangegangen werden müßt«. Das Gegenteil ist beabsichtigt. Reue Abbau- Pläne werden vorbereltet. Wiederum sollen einige tausend Angestellte zur Entlassung gelangen. Dagegen müssen die Bank- angestellten sich entschieden zur Wehr setzen; denn mit vernünftiger Rationalisierung hat ein so weitgehendes Abbauprogramm nichts mehr zu tun. Die Bankangestellten müssen verlangen, daß, bevor über«rn«n weiteren Abbau von Angestellten auch nur diskutiert werden kann, zuvor das krasse ZTlißverhällnis zwischen Arbeitsbienen nnd Bureaukratle beseitigt wird. Man sehe sich einmal die Zahl der Unterschriftsträger an, dann weiß man. was zu geschehen hat. Allein in der Zentral« der

Deutschen Bank, Berlin , sind 192 V o r sta n d s m tgli« d« r, Stellvertreter, Direktoren, Generalbevollmächtigte und Abteilungs- direktoren vorhanden. Dazu kommt noch ein ganzes Heer von Prokuristen, Bevollmächtigten und Kontrolleuren. Ein anderes Beispiel: Eine Nürnberger Grohbankstliale beschäsllgl 5 Direktoren, 9 Prokuristen, einen Bevollmächtigten bei einem Personalbestand von rund 50(!) Angestellten. Will man also wirklich rationalisieren, dann ist hier der Hebel aitzusetzen, die Volldirektoren nicht ausgenommen, von denen jeder einzelne mehr verdient als 399 Angestellt« zusammen. Hier könnten Ersparnisse erzielt werden, die in die Dutzende von Millionen gehen, ist doch festgestellt worden, daß im Bankgewerbe die Unkosten sich so verteilen, daß auf sachliche Ausgaben 29 Proz, auf p« r s ö n- l i ch e 89 Proz. entfallen. Von diesen 89 Proz. entfallen auf die Direktoren allein'/«, die Prokuristen und Bevollmächtigten ein weiteres'/», während das ganze groß« Heer der Angestellten sich mit der Hälft« zu bescheiden hat. Mit anderen Worten: Der stark über- setzte Leitungsapparat verschlingt allein fast die Hälfte der gesamt- lichen persönlichen Unkosten. Man führe also zuerst den teueren Leitungsappart auf das wirt- schaftlich gebotene Maß zurück, bevor an eine weiter« Reduktion des Angestelltenkörpers gedacht werden darf. Angestellte aber können m.E. überhaupt erst dann für den Abbau in Frage kommen, wenn vorher die Ueberzeitarbeit abgeschafft, die angesichts der nerven- zerrüttenden Maschinenarbeit erforderliche sechsstündige Arbeitszeit in den Maschinenabteilungen und die 42stündig« Wochen arbeitszeit in den anderen Bankbureaus eingeführt ist, die früher im Bank- gewerbe schon bestanden hat. Neben strenger Kontrolle der Banken durch die Gewerbeaufsicht wird es Aufgabe de» Reichsarbeitsministeriums fein, Berpflichtungen bindender Art den Bankleitungen für den Fall aufzuerlegen, daß trotz Beobachtung dieser Forderungen«in weiterer Abbau von Angestellten ins Auge gefaßt werden sollte. Für diesen Fall wird gefordert, daß die älteren Angestellten aus- reichend pensioniert, jüngere in neue gesicherte Positiv- nen bei befreundeten Unternehmungen untergebracht und solchen Angestellten, die sich eine neue Existenz aus eigener Initiative schaffen wollen, ausreichende Mittel dafür zur Verfügung gestellt werden müssen. Ferner ist zu verlangen, daß, wenn zu einem späteren Zeitpunkt angesichts des wachsenden Geschäftsumfanges und diesem Zweck soll die Fusion doch wohl ebenfalls dienen wieder Neueinstellungen erforderlich werden, dabei in erster Linie auf die abgebauten Ange- stellten zurückgegriffen werden nniß. Benno Marx.

Geldkalamiiai beim Wohnungsbau. Drohende Verzögerung der Vaubeginne. Seit Beginn des Jahres sind nach dem Wochenbericht des JnstitutssürKonjunktursorschung 775 Millionen Mark Wohnungsbauhypotheken erteilt worden gegen 955 Millionen von Januar bis September des Vorjahres, also rund 1 89 Millionen (d. h.« t w a 19 Proz.) weniger als in der gleichen Zeit des Vorjahres. Besonders in den letzten Monaten stockt« die Finanzie- rung des Wohnungsbaues mit Hypothekarkredit fast vollständig. Im dritten Merteljahr dürften kaum mehr als 89 bis 99 Millionen Mark aufgebracht worden sein(gegenüber rund 345 Millionen im Durchschnitt der ersten zwei Vierteljahrs). Dies« Abnahme ist vor allem darauf zurückzuführen, daß die Kreditgewährung der Hypothek« noktienbanken und der ö stentlich- rechtlichen Kreditanstalten wesentlich nachgelassen hat. Dies« Institute haben in den ersten neun Monaten dieses Jahres etwa 525 Millionen Mark, d. h. rund 369 Millionen Mark weniger als in der entsprechenden Zeit d«s Jahres 1928, an städtischen Hypo- theken ausgeschüttet. Dagegen sind die Sparkassen stärker hervorgetreten: sie konnten jedoch den Rückgang in der Gewährung der Bodenkreditinstitute bei weitem nicht ausgleichen. Da sich die Wohnungsbautätigkeit dieses Jahres bis jetzt an- nähernd auf Vorjahrshöhe gehalten hat, mußte der Ausfall an Hypo- thekarkrediten durch verstärkte Inanspruchnahme kurzfristiger Kredite ausgeglichen werden. Der Betrag dieserZwischenkredite" ist zuiHeit mit rund% Milliarde Mark zu veranschlagen. Der Ab- lösung der bereits fälligen Zwischenkredtte stellen sich Schwierigkeiten entgegen; dem ein Teil der Bodenkreditinstitute ist infolge des stockenden Pfandbriesabsatzes nicht in der Lag«, di« früher zugesagten Hnpothekendarlehen jetzt auch tatsächlich auszuzahlen. Somit können die Zwischenkreditinstitut« diesen Teil ihrer Ausleihungen nicht wieder für andere Bauten zur Verfügung stellen. Die Stockung im Zwischenkrebitgeschöft dürfte sich vor allem in einer Verzögerung der Baubeginn« während der nächsten Monate auswirken. Da vorläufig mit einer Belebung im Beleihungsgefchäft der Bodenkreditinstitut« nicht zu rechnen sst und auch die Sparkassen kaum eine noch stärkere Ausdehnung d«r Neutxleihungen werden vornehmen können, sind die Aussichten für die Wohnungsbau- finanzierung um die Jahreswende 19Ä/39 noch ungünstiger als in den vorangegangenen Monaten.

Deutscher Schuhaußenhandel. Kräftige Ausfuhrsteigerung bei sinlender Einfuhr. Die Entwicklung des deustchen Schuhaußenhandels kommt den Zollwünschen der Fabrikanten sehr in die Quere. Die Zollforderungen der Schuhindustrie vom Frühjahr dieses Jahres fußten auf dem starken Einfuhrüberschuß und dem wachsenden Verbrauch des leichten ausländstchen Schuhwerks in Deutschland in den letzten beiden Iahren. Im Laufe dieses Jahres ist nun eine überraschende Der- änderung in der Entwicklung der Ein- und Ausfuhr von Leder- schuhwerk eingetreten. Schon im ersten Halbjahr 1929 hatte sich die Einfuhr von 3.92 auf 1,65 Millionen Paar verringert. während die Ausfuhrmenge von 1,9 aus 1,17 Millionen Paar leicht gestiegen war. In den letzten drei Berichtsmonaten Juni bis A u g u st hat sich im einzelnen dies« günstige Entwick- lung des Schuhaußenhandels kräftig-fortgesetzt. So betrug

Juni 1929. Juli 1929. August 1929

die Einfuhr 155 999 Paar 72 999. 66 789.

die Aussuhr 174 259 Paar 179 945. 295 329

Im Vergleich mit den entsprechenden Monaten des vergangenen Jahres ergibt sich für Juni ein Einfuhrrückgang von 79,4 Proz, für Juli von 53,8 Proz. und für August von 65,1 Proz Dagegen er- höhte sich di« Ausfuhr im Juni dieses Jahres um 39 Proz., im Juli um 44,6 Proz und im August um 26,7 Proz. Die Entwicklung des Schuhaußenhandels in den letzten Iahren zeigt folgendes Bild: Einfuhrüberschuß 1927...... 719 900 Paar 1928...... 2190 090. Jan bis Aug 1929...... 243 878. Der Einfuhrüberschuß an Lederschuhen wird also im lausenden Jahre nur einen Bruchteil gegenüber dem Vorjahre ausmachen. Noch günstiger aber ist die Entwicklung d«r wertmäßigen Aus- und Einfuhr von Lederschuhwerk. Hier übertrifft di« Ausfuhr bereits den Wert der«ingeführten Schuhmengen um rund% Mil­lionen, sst also aktiv g«worden. Diese Entwicklung beweist, daß die deutsche Schuhindustrie die geforderten Zollerhöhungen nicht notwendig hat, um der Auslands- konkurrenz auf oem einheimsschen Markt Schach bieten zu können. Mit der Erhöhung der Schutzzölle würden nicht nur handelspolitische Schwierigkeiten geschaffen, sondern auch die notwendigen Ratio- nalisierungsinaßnahmen in der Schuhindustrie gehemmt werden.

Siresemanns Tod und die Börse. KurSstühung durch Großbaaken. Der Tod Strefemonns hat auf di« Berliner Börse äußerst starke Auswirkungen gehabt. Von einer Schließung der Börse, die man in den Morgenstunden plante, sah man jedoch ab. Das Hot sich wohl a's richtig erwiesen. Man kann jetzt wenigstens feststellen, daß die Ber - liner Börs« durch ihren Mut. den Dingen entgegenzutreten, an einem schwarzen Tag vorbeigekommen ist. Die Panik, die man durchweg bei Beginn« der Börse erwartete, ist nicht ein- getreten. Das lag jedoch nicht an der Stimmung der Börse, sondern an einer ausgedehnten Kursstützung der Groß- b a n k e N. Dos Angebot ward äußerst stark. Dem traten die Banken durch Kaufaufträge entgegen. Die Mtglieder des Börsenvorstandes hatten auch beschlossen, dort, wo sich größere Kursabschläge ergeben sollten, die Kurse streichen zu lassen. So ist es wohl zu größeren Kursabschlägen, ober nicht zur Katastrophe gekommen.

Bestand der Krastfahrzeuge in Deutschland . Zunahme um 30 proz. auf 1,18 Millionen Fahrzeuge. Die Zahl der in Deutschland vorhandenen Kraftfahrzeuge belies sich nach einer Statistik vom 1. Juli 1929 auf 1,18 Millionen. Gegenüber dem Vorjahr hat sich demnach der Reichsbestand um rund 269 999 Fahrzeuge/ asso um fast 39 Proz erhöht. während in der entsprechenden Zeit des Borjahres dos Wachstum des Krastsahrzeugbestandes sich auf 203 300 Stück stellt«. Auf Personenwagen entfielen hiervon am 1. Juli 81 299 mit einer Steigerung von 23 Proz., Lastkraftwagen 29 999 mit einer Steigerung von 16 Proz., während di« Zahl der M o t o r- räder ganz außerordentlich, stark um 168999 aus 696 499 Ein- heiten zugenommen hat. Dies entspricht einer Zunahme von an- nähernd 49 Proz. Hiervon haben sich die Kleinkrafträder reichlich verdoppell, wogegen die mittleren und schweren Maschinen infolg« der Abwanderung kauskräjtiger Käuserschichten zum Klein- auto nur eine Zunahme von 15. bis 17 Proz. auszuweisen haben. In den Sommermonaten hat sich der Verkauf von Autos und Motorrädern sehr gut entwickelt, so daß in diesen Tagen die G e- samt zahl der in Deutschland lausenden Kraftfahrzeuge.über 1,25 Millionen betragen dürft«. Es würde damit auf jeden 59. Einwohner ein Kraftfahrzeug und auf jeden 199. Ein-

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