A» � Bj W Sonnabend 46. Jahrgang 5. Oktober 1929 Meisterwerke bergmännischer Kunst
Der Bergbau, die gefahrvolle, von Geheimnissen und llnkar- Helten umgebene Gewinnung des Erzes und der Kohle, mar von alters her das Reich abergläubischer Vorstellungen. A g r i c o l a weist gleich zu Beginn seines großen Wertes über das Mittelalter» liche Hüttenwesen nach, daß es sich hier um keine Teufelskunst» scndern um ein durchaus ehrliches Gewerbe handle. Er hält es also für notwendig, von vornherein alle von Aberglauben geleiteten Vorstellungen in bezug auf den Bergbau zu beseitigen. Aber trotz seiner klaren Beweise steht auch er noch tief im Dämonenglauben des Mittelalters. Er erzählt ausführlich über die guten und bösen Geister der Gruben, von dem schrecklichen Berggeist in Annaberg. der die Leute durch seinen Hauch tötete, von dem Kuttengeist in Schneeberg , der das Handwerks» zeug zerlegte, von den Kobolden. die niemand etwas zuleide taten» wenn man sie nicht reizt«. Alle diese Vorstellungen sind nur zu verständlich zu einer Zeit. in der für ausreichenden Schutz der Bergleute soviel wie nichts getan wurde» in der Einstürze und Katastrophen an der Tages- ordnung waren. Der Bergmann fühlte sich stets in der Gewalt eines ihm überlegenen göttlichen Wesens, auf dessen Gnade er an- gewiesen war, dos die Macht be- saß» über sein Leben zu verfügen. Andererseits aber umgab das Volk gerade dieses Gewerbe mit dem Schimmer des Magischen und Geheimnisvollen, weil in Einzelfällen arme Bergleute „früher einmal" ungeheure Schätze gehoben und unermeß- lich reich geworden waren, wie man in Sagen und Märchen er- zählte. Der Bergmann , der die verborgenen Silberadern der Berg« kannte, der das glänzende, schillernde Erz beherrschte und zu finden wußte, besaß zauberhaft« Kräfte, wie der Schmied, der die Kunst seiner Bearbeitung ver» stand.— Als das C h r i st e n- t u m einzog» da benutzte es klug alle Vorstellungen, die seit Jahr- Hunderten in den Seelen Wurzel gefaßt hatten. Die Geister der Bergwerk« wurden zu Heiligen» die den Bergmann auf seine Bitte in besonderen Schutz nahmen. Die heilige Anna, deren Kultus im 15. Jahrhundert durch den Papst Urban VH. eingeführt wurde, die heilig« Barbara, der heilige Pro- kop, der heilige Daniel wurden zu Schutzheiligen der Berg- leutc. Die Weihegaben der von unzähligen Gefahren bedrohten Bergleute» die sich dadurch Schutz und Hilfe in ihrem schweren Be- ruf oersprachen, geben einen erschütternden Einblick in die Angst und Unsicherheit dieser geplagten, schlecht entlohnten Proletarier, die sich mit der ganzen Inbrunst der Seele an den Trost klammerten» den ihnen die Kirche klug darzubieten verstand. Die bergmännisch« Kunst früherer Jahrhunderte ist deshalb kirchlich« Kunst, sie ent- faltet sich im Rahmen der gewaltigen Macht, die durch ihre Fürbitte über Leben und Tod gebieten kann... Ein Streifzug durch die bergmännisch« Kunst bietet kultur- geschichtlich einen tiefen Einblick in die Entwicklung, den der schwere, verantwortungsvolle Beruf des Bergmanns genommen hat. Es ist darum dem BDI. zu danken, daß er die Anregung zu einer Arbeit gegeben hat, die kürzlich erschienen ist. Pros. Treptow hat in den „Abhandlungen und Berichten" unter dem Titel„Deutsch « Meisterwerke bergmännischer Kunst" eine hochinter» cssante Auswahl künftkerischer Schöpfungen veröffentlicht, von denen hier einige in Wort und Bild wiedergegeben werden mögen. Wer heute die herrlichen Fenster de» Freiburger Münsters im Breisgau überblickt, der wird mit Bewunderung das herrliche St.-Annen-Fenster im Alexander-Chörlein betrachten, das zu den hervorragendsten Stiftungen des Bergbaus gehört.„Gott dem All» mächtigen, der Jungfrau Maria und der heiligen Mutter St. Anna zu Ehren" haben es die„Gewerten St. Annen zu Todnau im Schwarzwald " gestiftet. Es ist«jn wundervolles, kostbares Glas- gemälde in zarten, hellen Farben. Di« Figuren zeichnen sich auf himmelblauem Hintergrunde wirkungsvoll ab. Jede der 15 Heiligen trägt einen Heiligenschein aus leuchtendem Sonnengelb, in dem der Name geschrieben steht. Der Anblick dieses Fensters ist auch heute noch ein künstlerischer Genuß. Um so ergreifender ist es, wenn man sich erinnert, daß längst vergessene, unbekannte Arbeiter hier vielleicht mit Mühe ihr Scherflein auf den Altar der Kirche legten, während die Bergwerke selbst, die reichen Silbergruben des Breisgous sich m der Hand weltlicher oder geistlicher Fürsten oder reicher Frei- durger Bürger befanden. Vielleicht suchten arm« Steinschleifer oder Häuer beim Anblick dieser wundervollen Glasmalerei Trost, vielleicht knieten Witwen und Waisen Verschütteter oder gesundheitlich Ge- schädigter vor diesem Fenster und rangen in heißen Gebeten mit der eigenen Verzweiflung und Hilflosigkeit... Künstlerisch auf der gleichen Höhe steht eine wundervolle gold- verzierte Holzschnitzarbeit. Sie befindet sich in der Dt.-Annen-Kirch« in Annaberg in Sachsen . Es ist der am Anfang des 16. Jahrhunderts errichtete Bergmannsaltar, der von der dortigen Bergknappfchoft er» richtet wurde. Die Vorderseite zeigt Bilder aus der heiligen Ge- schichte, während auf der Rückseite und auf den Seitenflügeln Au». schnitte aus dem Leben der Bergleute gezeigt werden. Usber dieser ganzen mühsamen, unermüdlichen Arbeit der Schlageichen, Hin»»
Schachtbauer/ Kon Sdimidtbauei
fahrenden und Grabenden aber schwebt die heilige Anna, und der Schutzpatron des Bergwerks wandelt mitten zwischen den Arbeitern. Die gleiche naive, tröstende Vorstellung liegt zwei Oelgemälden zugrunde. Das eine zeigt die heilige Barbara, die in den Wolken schwebt, während neben ihr ein Engel den Kelch hält. Unter ihr aber sind die Bergleute vom Eisenbergwerk am Kresscnberg bei Trmrnstein in Bayern am Eisenschmelzofen, an der Haspel und am Karren beschäftigt. Jünger ist dos Oelgemälde in der katholischen Kirche in Dudweilcr. Au, ihm spricht die Angst des Bergmanns, der dauernd in Gefahr steht, ohne die letzte velung der Kirche durch einen Unglücksfall zu sterben. Denn die Kirche beschrieb ausführlich die Höllenqualen derjenigen, die„unvorbereitet" und mit ihren Sünden beloden in« ewige Leben eingingen. Um der ewigen Per- dammnis zu entgehen, muß er deshalb zur heiligen Bambara beten, damit sie ihm in seiner Todesstunde die Hostie entgegenstrecke. Ob allerdings niemals in dem gläubigen Gemüt die Frage auf» tauchte: worum die Heilige selbst den Unglücksfall nicht verhüten konnte oder wollt«, warum das Gestein hereinbrach und olles zer» trümmerte, obwohl sie doch nach Angabe der Kirche wachsam über dem Bergwerk schwebte? Aber bis in unsere Zeit hinein ist es der Kirche gelungen, die Darstellung der schützenden Heiligen zu pflegen und zu bewahren. Erst vor wenigen Iahren wurde wieder«ine St.-Barbara-Kirche emgeweiht. Sie steht im Gebiet der Bayerischen Braunkohlenberg- werte A.�. in Schwandorf und knüpft an die alten Vorstellungen vom Schutzgeist an. Di« heilig« Barbara, zu deren Füßen zwei musizierende Engel sitzen, hält das Sakrament in ihrer Hand und bietet es den Bergleuten dar. Nur nebenbei sei erwähnt, daß diese Kirche, die gleichzeitig dem Gedächtnis der im Weltkrieg gefallenen Bergleute gewidmet ist, die Inschrift trägt:„lnciinsU resurget" (Das Verlorene wird wieder erstehen)— ein interessantes Beispiel für eine Mischung von katholischer Gläubigkeit und Hülerschem Ver- geltungsdrang, die nicht jeder Besucher kritiklos über sich er- gehen läßt. Zu den hervorragenden Werken bergmännischer Kunst gehören auch Bergkannen und Pokale, Humpen und Schalen, die teils von den Gewerken selbst beschafft wurden oder deren Verfertigung von den Fürsten und Grubenbesitzern befohlen wurde. Ein Meisterwerk deutscher Goldschmiedetunst ist die Goslarer Bergtanne, die aus dem 15. Jahrhundert stammt. Sie besteht aus Silber mit vergoldeten Verzierungen. Ein vergoldeter Kranz umgibt den Bauch der Kann«. Aus den Blütenkelchen ragen Ist musizierende Figuren hervor. Der Kannendeckel ist in Form einer Krone gebildet, die den heiligen Georg umschließt. Jagdszenen, Bilder aus dem Leben der Bergleute vervollständigen die herrliche Arbeit. Die Bergleute selbst allerdings mußten sich am Anblick genug sein lasten, denn benutzt wurde sie nur auf den Festen der Hüttenherren und Bergwerksbesitzer. Das zeigt auch die ebenfalls meisterhaft gearbeitete Rammelsberger Bergkanne, die im Inneren des Deckels folgenden vielsagenden Spruch birgt: „Des Königs stetes Glück, Des Herzogs Wohlergehen, Und das der theure Harz , Der Veyden eigen ist
GLasfcnstcr
Das Bergwerk und die Forst In stetem Flor mag' stehen: Das wünsche, der du jetzt Au trinken fertig bist." Gewidmet ist dieses Meisterwerk, das Szenen aus dem Leben der Holzfäller und Bergleute darstellt, also nicht denen, die diese Arbeiten verrichteten, sondern den Besitzern der Wälder und Berg- werke des Harzes, dem König und dem Her- zog. Erst tn unserer Zeit ist eine grund- legend« Aenderung in dieser Auffassung de? schassenden und ausführenden Künst. ler smgetreten. Wenn zum Beispiel der selbst au» dem Arbeiterstand hervorge- gangen« Holzbildhauer Ernst Kaltofen sein« kimswollen Schnitzereien ausführte und Szenen aus dem Beruf seiner einstigen Kameraden aus dem Bergwerk wählt«, so hatte dos nur den Zweck, auch den Arbeiter in der Kunst heimisch werden zu losten, sein Leben künstlerisch darzustellen. Auch der herbe Steindruck L. G. Schmidt- bouers, der den Kopf eines Schachthauers darstellt, hat nichts mit der Auffassung der Vergangenheit gemeinsam. Hier ist nicht mehr der auf den Schutz der Heiligen de- mütig oertrauende, angstvoll hoffende Berg- mann dargestellt, sondern der tatkräftige, selbstbewußte Arbeiter unserer Tage, der sein Schicksal selbst in die Hand genommen hat.— So bietet dieser kleine Streifzug durch die Meisterwerke bergmännischer Kunst einen tiefen Einblick in die Welt der bergmännischen Arbeit und in die geistige Entwicklung der Bergleute, die sich ini Laufe der Jahrhunderte immer stärker aus der Welt der Unwissenheit und des Aberglaubens befreien konnten. Nur ooch wenig« oertrauen darauf, daß ihre Sicher- heit in den Händen der Schutzheiligen liegt. Die erdrückende Mehrzahl oerlangt immer energischer nach ausreichenden Schutzmaßnahmen, die die Grubenerplo- sionen nach Möglichkeit verhindern, sie treten als geschlossene Organisationen den Besitzern der Bergwerke gegenüber. Ein Hüttenknappschaft weiter Weg, der im Laufe eines halben Jahrtausends zurückgelegt wurde, ein Weg, vor dem noch Meilen liegen. Ein dunkler Weg de? Vergangenheit, der in eine bessere Zukunft führt. Dr. E. M.
Edelgaslichi. Noch vor wenigen Iahren hätte man«s für unmöglich gehalten, Gas«, die so seilen sind, daß sie nur ein Zehntausendstel der Lust aus- machen, zu Reklamezwecken zu verwenden. Aber durch unsere fort- geschrittene Kenntnis der Eigenschaften der Edelgas« ist das zur Taksache geworden. Es handelt sich hierbei um das Gas Neon, das 0,001 Proz., das Gas Argon , das 0,3 Proz. und das 5) e l i u m- gas, das 0,0005 Prag , der Luft ausmacht. Alle diese Gase finden jetzt zu Beleuchtungszwecken Anwendung, und zwar vorzugsweise in jenen elektrischen Röhren, die wir heut« auf allen Hauptstraße!? unserer großen Städte zu Reklame, zwecken in Gebrauch finden. Wegen der geringen Meng«, in der diese Gase in der Luft ver- teilt sind, erfordert ihre Aussonderung eine sehr entwickelte Technik. Man gewinnt sie gewöhnlich gelegentlich der Absonderung von Sauerstoff und Stickstoff aus der Luft als Nebenerzeugnisse. Um zu Reklamezwecken Verwendung zu finden, werden die Gase in Glas- röhren eingeschlossen, die an jedem Ende eine Elektrod« enthalten, während das Gas als leitendes Medium dient. Die Elektroden bestehen aus Kupfer und sind walzenförmig. Für die Röhre verwendet inan gewöhnlich Bleiglas, da dieses sich am leichtesten bearbeiten läßt. Nachdem die Röhr« in die gewünschte Form gebracht worden und die Elektroden luftdicht«ingosttzt worden sind, wird die Röhr« mit Lang» meir- und Eisler-Pmnpen fo weit wie möglich luftleer gemacht. Um alle Luft aus den Elektroden und den Glaswänden der Röhre aus- zutreiben, werden di« Elektroden mit einem elektrischen Strom von 16 000 Volt Spannung bombardiert. Das wird dreimal wiederholt, um die letzt«» Spuren von Luft zu entfernen, die vor der Einfüllung der Edelgase verschwunden sein müssen. Die Röhren werden dann aus Zimmerteinperatur abgekühlt und di« Gase«ingefüllt. Teils benutzt man ein einzelnes Gas, teils eine Verbindung. Bei der Einfüllung der Gase bedient man sich eines Manometers, da man je nach den? Gas eine verfchiedcn« Dichte braucht. Beim Neon läßt man den Druck gewöhnlich auf 1XA Millimeter ansteigen, während man bei den anderen beiden Gasen«inen doppelt so hohen Druck verwendet. Darauf verleiht man der ganzen Rühre dadurch eine gleichmäßige Färbung, daß inan sie 5 Minuten bis 24 Stunden lang einem schwachen elektrischen Strom aussetzt. Dann bringt man Ouecksilber in die Röhre und verteilt es. Damit ist di« Röhr« gebrauchsfertig. Di« verschiedenen Farben erhält man dadurch, daß man ver- schieden« Gase, Verbindungen solcher mit Ouecksilberdamps und buntes Glas verw-ndet. Auf diese Weise kann man fast jeden beliebigen Farbton erzielen. Als Buntglas wird meist g«lb«s Bleiglas verwandt. Di« beliebteste Farbe, in der man die Röhre erstrahlen läßt, ist orangerot, das man durch Neon in einer weißen Glasröhre erzielt. Selbes oder goldgelbes Licht erzielt man durch Helium in gelbem Glase. Neon und Ouecksilberdamps in gelbem Glas« ergeben grüne- Licht. Blau-, Licht crzisll man meist durch Ouecksilberdamps, dem man Neon, Argon oder ein anderes Gas beimischt. Lila, weiß und andere Farben kann man durch verschiedene Mischungen«rzielen. Prof. Dr. W. Anderssen.
Pokal der Grünthaler