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Vonnerstag 44. November 4929

Unterhaltung unö ÄVissen

Beilage des Vorwärts

«�IlfClS/ Srs&hlung von Sack

(ScbluB.) Aus eiiter Flanke stand der Schaft eines Pfeiles hervor, der bunte Federn trug, wie die Indianer sie zu gebrauchen pflegen. Von dem Instinkt aus uralten Iogdtagen geleitet, versuchte Vuck nun zunächst, den Elch von den übrigen abzuschneiden. Das war kein leichtes Werk. Er bellte und sprang vor chm her, stets nahebei, doch immer gerade noch außerhalb des Bereiches der schweren Schauselu und der mächtigen chuje, von denen«in Tritt genügt hätte, ihn zu zermalmen. Es war dem Elch nicht möglich, voranzukommen, und seine Wut steigerte sich immer mehr. In solchen Augenblicken ging er zum An- grifs über, doch Buck wich jedeemal aus und griff ihn dann von der Seite an. Oftmals, wenn er den Elch von den übrigen getrennt zu haben glaubte, kamen drei oder vier der jüngeren Stücke zurück und machten sich mit Buck zu schaffen, bis der alle Schaufler wieder bei dem Sprung angelangt war. Der Tag ging bald zu End«, und die Sonne sank im Nordwesten. Die Dunkecheit kam schon früh, und die Nächte begannen lang zu iverden. Die jungen Elche mußten dem alten immer häusiger zu Hilf« kommen, und der Weg, den sie an diesem Tage zurückgelegt hatten, war kurz. Und doch mußten sie, ehe der Winter hereinbrach, noch weit wandern, aber es schien ihnen, als ob der lästige Quälgeist sie so bald nicht freigeben würde. Und all sein Tun galt immer nur dem einen von ihnen. Nur dieser, nicht der ganz« Sprung war in Gefahr. Nur sein Leben wurde gefordert, und es galt doch nicht jo viel, als das von oll den anderen. Als die Schatten der Bäume lang und schräg sielen, stand der alte Elch allein und sah dem abziehenden Sprunge nach. Da gingen sie hin, die Tier«, die er so lange geführt hatte, die er beschützte und beherrscht hatte. Er sah ihnen noch, bis daß sie im dänunrigen Licht verschwanden. Er konnte ihnen nicht folgen, denn vor ihm her hüpfte und bellt« der erbarmungslose Feind, der es ihm verbot, und doch so klein war. daß einer feiner Hufe ihn hätte zertreten können. Er hatte «in langes, langes Leben hinter sich,«in Leben voll mutiger Kämpf«: und dies sollte nun'sein Ende sein: der Tod von den Zähnen eines Geschöpfes, das ihm kaum bis an die Knie reicht«. Der schwere Kopf unter den großen Schaufeln sank immer tiefer zur Erde, der Gang wurde von Stund « zu Stunde unsicherer. Der Elch verhosfte jetzt oft und lang«, die Muffel berührte fast das weiche Moos, die Lauscher hingen schlaff noch vor, und Buck fand Zell genug, für sich selbst Nahrung zu suchen. Endlich am Abend des vierten Tages zog er den allen Schaufler nieder. Einen Tag und«in« Nacht schenkte er sich Ruhe und fraß sich satt. Dann trat er erfrischt den Rückweg an. Im kurzen, gleich. mäßigen Trab ging es voran, immer geradeaus, ohne Zeitverlust: ohne auch nur»ine unnötige Schleife zu machen, lief er gerade auf das Lager zu; keine Magnetnadel hätte genauer dl« Richtung zeigen können. Und immer sicherer wurde er, daß etwa« im Lande geschehen sei, von dem er nichts wußte. Er hörte di» Vögel davon reden, die Eich» Hörnchen darüber schelten, und der Wind flüsterte geheimnisvoll davon. Dann und wann bveb er stehen, sog die frische Morgenlust in langen Zügen ein, aber mit ihr auch etwas, das ihn zu einem eckigeren Laufe antrieb. Erst als er in das Tal einbog, wo das Zell stand, gebrauchte er Lorsicht. Er kam auf eine Fährte, und diese Fährte führt« geradeaus in das Lager, wo John Thornien war. Die Rückenhaar« sträubten sich, feine Augen glühten, seder Nerv an ihm bebte. Er wußte fetzt alles. nur das Ende noch nicht. Sein« Nase Halle es ihm gesagt, in wessen Fußspuren er trat. Er empfand«in« Stille des Waldes, die er nie empfunden; alles Bogelleben war tot: kein Eichhornchen rührte sich. Nur eins sah er, ein kleines graues Kerlchen, das sich dicht an einen rauhen, grauen Stamm drückte. Wie ein Schallen glill Buck dahin, aber plötzlich war es ihm. als würde er mit eisernen Griff zur Seile gezogen. Er folgte der Weisung seiner Nase und fand im Dickicht Moor. Da lag fein Heer lang ausgestreckt, tot, von Pfeilen durchbohrt, deren befederte Enden aus seinem Körper heraussahen. Hundert Schrill weiter stieß Vuck auf einen der neuen Schlillen- Hunde, die Thornten in Dawson gekauft hotte. Er lag im letzten Todeskampf. Dom Lagerplatz kgm dos Geräusch vieler Stimmen und ein eintöniger Singsang. Etwas leichter fand er Hon» auf den, Gesicht liegend, mit Pfeilen bedeckt, wie ein Stachelschwein mit Stacheln. Im selben Augenblick konnte er den Platz vor dem Zell übersehen, und vor seinen Augen glüht« e, blutigrot. Es war die Welle der Wut. die ihn überlief. Er wußte es selbst nicht, daß er es war. der das Geheul ausstieß, das jetzt die Lust erschütterte. Es war das letztemal in seinem Leben, daß die Leidenschaft bei ihm Herr wurde über den Verstand:- die Lieb« zu Ioh» Thornten ließ Ihn den Kopf verlleren. Es waren Peehats-Indkner, die dort auf dem freien Plahe vor dem Zelte ihre Tänze aufführten und dazu sangen. Plötzlich hörten sie«in furchtbares Geheul und sahen ein Tier, wie sie noch keines gesehen hatten. Es war Buck, der sich Zwischen sie stürzie. Er sprang aus den ersten zu. es war gerade der Häuptling, warf ihn zu Boden. und riß ibm die Gurgel auf. daß das Blut weit umherspritzte. In der nächsten Minute halle er es mit den zwecken geradeso gemacht, und auch über den brüten fiel er schon her. Er quälte seine Opfer nicht: dazu ließ er sich m'cht Zeit. Van rechts nach links, noch hinten, nach vom« sprang er, zerriß und zermalmte, was ihm in den Weg kam. So schnell ging alles, und so eng batten di« Indianer zusammen- gesessen, daß sie nicht einmal chre Pleile gebrauchen konnten Ein junger Krieger, der mit dem Speer nach Buck warf, traf emen anderen I-dianer mit solcher Wucht durch die Brust, daß das Speerende zum Rücken wieder herauskam. Eine Panik entstand, und Todesgeschrei durchgellt« die Lust. Alle flohen in den Wald, als ob der böse Geist hinter chnen her wäre. Und wie der leibhaftige Satan gebärdet« sich Buck in seiner Wut. E» war«in Schicksalrtog für die Peehats, Weit über da» Sand wurden sie zerstreut, und erst eine Woche später sammellen sie sich in cin«m entlegenen Tale: es waren ihrer aber nicht mehr vi«le. Als B ck von ihrer Verfolmmg zurückkam, fand er zunächst Pelcr. der schon auf seinem Lager im Schlafe erschlagen war. Di« Nackt kam, und der Vollmond stand stA am Himmel über den dunklen Bäumen. Buck log traurig am Ufer des Sees. Da tönte ein Laut zu Ihm herüber, den er kannte. Er klang so nah und klang doch so fern. Es war der Ton den seine Erinnerung ihn bewahrt halle. Jobn Thornien war tot: jetzt wollte er dem Rufe folgen, denn das letzte Band war zerrissen, das ihn an die Menschheck knüpft«. Auf Ihren Iagdzügen waren die Wölfe durch das Land der Ström« und Sem, bis hier in das Tal gezogen. Im Mondschein

kamen sie daher wie ei» Silberstreifen, und Buck stand hoch- aufgerichtet, sie zu erwarten. Sie standen starr vor Schrecken, als sie ihn plötzlich sahen, und es dauerte lang«, bis der kühnste unter ihnen zum Angriff vorsprang. Buck faßte ihn gut und brach ihm das Genick. Dann stand er wieder da, regungslos und still. Drei andere versuchten ihr Heil und zogen sich blutüberströmt zurück. Plötzlich fielen all« zusammen über ihn her, und nur ein« sabel- hafte Gewandtnis konnte ihn retten. Er schnappt« nach rechts und nach links, war hier und dort zu gleicher Zeit, ollerwärts und nirgends. Er mußte sich vorsehen, daß er sich den Rücken freihielt. Langsam ging er rückwärts bis ag die Ducht am See. Dort hatten d!« Goldsucher beim Goldwaschen einen Hausen Sand und Steinchen aufgeworfen. Sich rückwärts schiebend, drängte er sich hinein, so daß er von drei Seiten geschützt war und sich nur noch vorne zu ver- teidigen brauchte.» Da trat ein aller, mit Narben bedeckter Wolf herzu, der anschei- nend freundlich gesinnt war. Buck aber fletschte die Zähne und knurrte grimmig. Da setzte sich der Wolf , richtete die Nase empor zum Mond und stieß ein jämmerliches Geheul aus. Buck horchte auf. Das war der Ruf, jetzt erkannte er ihn genau, und eine unbestimmte Macht zwang ihn hervorzukommen, sich neben den Allen zu setzen und einzustimmen. Darm kam einer»ach dem anderen heran, bc- schnupperte ihn und schloß sich dem Geheul an. Plötzlich aber sprang der alte Wolf aus und lief dem Walde zu, die anderen Wölfe folgten. An der Seite des wilden Bruders stürmte auch Buck laut bellend davon.

Es dauert« nicht lange, bis die Peehaks bemerkten, daß die Woiie chr Aussehen änderten. Einige hatten tiefbraune Flecken am Kopfe und ein weißes Mal vor der Brust. Und ünmer, wenn'sie die Wölfe sahen, bemerkten sie an der Spitze des Rudels einen ungeheuer grohen Wolf. Sie nannten ihn den Geisterwolf und fürchteten ihn mehr als alle anderen. Sie wußten wohl, daß er es war, der ihr Lager bestahl und ihre Fallen beraubte, aber er tat es mit solcher Schlauheit, daß sie chm nichts anhaben konnten. Sie gaben es auch auf, sich gegen ihn zu wehren, denn er zerriß alle ihre Hund« und fürchtete selbst ihre tapfersten Krieger nicht. Es waren viele, die sie schon mit aufgerissenen Halse gefunden hatten, und stets waren Spuren in der Nähe, die größer waren, als die eines gewöhnlichen Wolfes. Jedes Jahr, bei Beginn des Winters, wenn die Elche in die wärmeren Gegenden ziehen, und die Yeehats ihnen folgen, dann ver- meiden sie ein gewisses Tal. Viele Frauen verhüllen Ihr Gesicht, wenn am Lagerfeuer davon gesprochen wird, was einstmals geschehen Ist, als der böse Geist dort zum ersten Male gesehen wurde. Dieses stille Tal aber hat einen Bewohner, rrd das ist ein großer Wolf mit leidenglänzendem, prächtigem Fell. 7 ort, wo aus verrotteten Säcken von Elchhaut ein glänzender ge izer Strom zwischen den langen Grashalmen fließt, liegt er oft stundenlang und starrt sttll vor sich hin; manchmal geht er auch hinunter und sieht in das dunkle Wasser des stillen Sees, und ein Geheul, schrill und jämmerlich, erfüllt die Luft. Er ist nicht immer hier. Wenn idi« Wölfe vor den langen Winternächten des Nordens stiehen und ihren Beutetieren zum Süden folgen, dann läuft Buck in langen Sätzen an der Spitze des Rudels und stimmt beim bleichen Scheine der Mitternachtssonne mit ein in den uralten Sang der Wölfe.

9. strahl: 8m iiyi ifflmmetireMi

In unserem Bürgerlichen Gesetzbuch haben wir noch das Wort Bersührer*. obwohl die Gelehrten längst darüber einig sind, daß dieser bei Schaffung des Gesetzes zugrunde gelegte Begriff den Tatsachen nicht entspricht, sondern nur reinen Zweckmäßigkeits- gründen Rechnung trägt; die Erhaltung des Individuums und die Erhaltung der Art sind nun einmal die weltbewegenden Faktoren, und in bezug auf das letztere ist das männliche und das weibliche Geschlecht gleich interessiert und infolgedessen auch gleich stark von der Natur dazu getrieben, und daraufhin ist von Wissenden der Satz geprägt worden, daß noch kein Weib verführt worden ist, das nicht hat verführt werden wollen. Sehen wir einmal von den durch seweilige gesellschaftliche Rücksichten bei den Menschen bedingten An- jchouungen ganz ab und hallen uns an die nur dem Naturtrieb folgende Tierwell, so kommen wir zu anderen Anschauungen, dann kann uns die Geschichte vom Sündenfall im Paradies beinahe richtig erscheinen und wir können die scharssinnige Beobachtungsgabe der Erfinder der biblischev Geschichte nur bennmdern, wenn dort die Eva als Verführer hingestellt wird. Wenn Mantegazza in seiner Physiologie der Liebe" das Gebaren des Sperlingsweibchens ichil« dert, wenn Neumann im.FZiebesleden der Tiere" die Steigerung des Liebestaumels des Männchens durch das Weibchen an drastischen Beispielen vor Auge» führt, so sind wir damit noch nicht aus dem Gipfel der Berführungskunst angelangt, denn man kann sogar be- haupten, daß selbst im Pflanzenreich dieses Prinzip nachweisbar ist. Unzählige Mittel wendet die Blüte an, um die Ueberbringer des männlichen Staubes anzulocken, um befruchtet zu werden zwecks Hervorbringung der Samen für neu« Generationen. In dem Werkchen..AebeSleben der Pflanzen" bringt uns Heinz Wellen unzählige Beispiele von geradezu verblüffender Eigenart. die uns das Leben der Pflanzen in einem ganz anderen Lichte zeigen, als man es sonst zu sehen gewöhnt ist. Die Pflanze erscheint nicht mehr als das sinn- und gefühllos wachsend« Erzeugnis der Natur, sie atmet«ineSeele", die uns allerdings heute noch zum größten Teile unverständlich ist. Aber kommen wir zur Eva zurück! Der Entwicklunaqgang eines Farnkrautes zeigt uns Bilder, die zu denken geben. Wie bekannt, bilden die Farnkräuter, welch« wir nach dem Linnvfchen System zu den blütenlosen Pflanzen(Cryptogamcn) zählen und die nicht die Urformen der Pflanzenwell waren, deren verschüttete Ueberreste wir heute aus den Steinkohlenlagern wieder an das Tageslicht fördern, ungeschlechtlich Sporen aus, welche wie Samen zu keimen und zu wachsen imsiande sind, aber niemals o!)»« weiteres ein Farntraut würden hervorgehen lassen. Die vegetativ, d. h. ungeschlechtlich entstandenen Pslänzchen sind nur kleine, flächen» förmig auegebreitete Körper, welche wir al» Farn« bezeichnen würden, wenn wir Ihren Lebenslauf nicht studiert hätten. Sie heißenProthallien", und bilden kleine herzförmig« Lappen, die flach aufliegend mit ihren haarfeinen Wurzeln in die Erde ein- dringen. An der Unterjeite dieser Lappen bilden sich kleine Warzen, welche den männlichen Samen(Spermatozoiden) enthalten, und kleine, slaschenförmige Vertiefungen, auf deren Grund die weibliche Eizelle ruht- Zur Zeit der Reife der männtichon Samenträger platzen diese und entsenden die enthaltenen Spermatozoiden in etwa unter den herzförmigen Lappen vorhandene Wassertropjen. Hier tritt aber ein grundlegender Unterschied zwischen diesen und den au» Blütenpflanzen stammenden, gleichwertigen Pollenkörnern zutage. Die letzteren sind immer, ob Windblütler oder Insektenblütler, vom blinden Zufall abhängig, ob sie auf eine weibliche Narbe, kommen oder nicht, während die Farnspermatozoiden. die im Wasser wie kleine Tierchen' frei beweglich und gleichsam planmäßig die weib- lich« Eizelle zu suchen imstande sind. Diese, die nun ebenfalls gc- sihL echter eis ist. sitzt nun am Grund« ihres Fiiffchchens und schmachtet nach dem Adam: komm in meine Liebeslaube! Und damit er den Weg zu ihr findet, schmiert sie einen von ihm als ganz besondere Delikatesse von ihm geschätzten, mit Apfelsäure vermischten Schleim an den Flaschenhals, den Eingang zum Braulgemach! Und siehe da. er schlüpft hinein zur Hochzeit. Aus der Bereinigung dieser beiden Geschlecktszellen resultiert dann das Embryo, aus welchem das wirkliche Farnkraut entsprießt. Es klingt nun fast wie«in Treppenwitz, wenn diese Eva ihrer Vorgängerin im Paradiese. welche den Adam mit einem Apfel verführte, für den gleichen Zweck Apfeksäur« verwendet, und es ist nach sonderbarer, wie die Verfasser der biblischen Geschichte, welche jedenfalls von der Chemie noch keine Ahnung hotten, zu dieser Uebereinstimmung gekommen sind. Aber auch bei Blutenpflanzen weiß die Eva den Adam zur

Befruchtung zu locken. Das auf die Narbe geraten« Pollentörnche» findet dort nämlich zuerst ettzen zuckerhaltigen Schleim, in welchem e, zu wachsen anfängt, wie ein Samenkorn in der Erde, es treibt einen Pollenschlauch, dessen Endziel die weibliche Eizelle ist. Die Samenantage vieler Pflanzen scheiden nun Rohrzucker ab und die Pollen schläuche werden von der Narbe zur Eizelle sicher gelettet, in- dem sie der steigenden Zuckerkonzeittration entgegenwachsen. Die Eva lockt also den Adam hier mit Zucker! C. KraR

Auf derSchinersensffraße" Aliens Im Herzen Asiens, quer über int höchsten Gebirge, schlägt die Karatorumstrah« di« Brücke zwischen Indien und dem Inneren des Evkstcrls. Rur wenige Monate Im Jahr ist diese höchste Handelsstraße unserer Erde gangbar, und selbst im Hochsommer noch peitschen eisige Stürme die Hochebenen, sinkt das Thermometer oft unter dem Gefrierpunkt. Beständig herrscht Aufruhr in der Luft: kalte Winde stoßen von den 8<M Meter hohen Eisgipfeln des Karatomm hernieder- mD jagen die Wollen wie gespenstische Schatten über das Land. Der deutsch « Forichungs- retsende Dr. Emil Trinkler , der Jahr« lang die Hochgebirge und Wüsten Inneraliens bereist hat, nennt daher in seinem soeben bei F. A Brockhaus in Leipzig erschienenen Reisebericht der Deutschen Zentralastenexpeditüm.Hm Land Ver Stürme" diesen Weg die Schmerzensstraße" Asiens . Wie manches Menschen- und Tiqrleben hast du schon gesordert!" redet er sie an.Unzählig sind di« gebleichten Skelett«, die deinen Verlauf anzeigen. Zehn Tage lang nichts«ls Schutt und kahle Felsen, reißend« Ström« und blaue Gletscher! Jämmerlich adge- magert landen die Karawanentiere nach Uederquerung dieser Hoch- yebirgsgürtel in Lovokh oder ChinesischTurkestan. Fünf Pässe von mehr als 5300 Meter Höhe sind zu überwinden, von denen der be­rühmte Karakorumpah etwa 5500 Meter mißt. Grausam hartes Land, das dem Wanderer so manchen Fluch und Seufzer entlockt! Und doch, wie unfaßbar, wie gewaltig und hehr sind dein« land- schastlichen Reize! Wo finden wir ein zweites Gebiet auf unserer Erde, das solch märchenhaste Bilder zeigt wie die über 5200 Meter hoch gelegene Dapsangebene mit ihrem Kranz 7000 bis 8000 Meter messender Eis- und Schneegipfel, mn deren Kristallspitzen die weißen Federwolken jagen? Und welcher Zauder liegt in deinen gähnenden Schluchten, in deinen schwarzen Klammen, in denen die eisigen blau- grünen Schmelzwässer sich über riesige Blöcke stürzen und den Wanderer zwingen, aus schmalem Saumpfad am steilen Felshang seinen Weg zu suchen! Schmerzensstraße Asten«, welche Strapazen und Mühen kostet es, auf dir entlang zu zielten, und doch trotz allem kehren di« Gedanken immer wieder w deine majestätische Welt zurück." Hagel- und Schneestürme von furchtbarer Gewalt geleiten die ©anderer auf ihrem Weg. Wenn es dann klar wurde, brannte und stach die Sonne, verbrannte die Haut und bedeckte die Lippen mit dicken Brandblasen, di« bei der geringsten Gelegenheit bluten. Der Weg war durch unzählig« Skelett« markiert", schreibt der Ber- fasser.Wäre er sonst nicht kenndar gewesen, so brauchte man mir den Tierskeietten zu foigen, denn man sieht immer schon das nächste liegen." Nach einem heftigen Schneesturm war orn 1. August 1921 dos Wetter wider Erwarten schön.Zwar wäre» die hohen Gipfel noch teilweise in Wolken gehüllt, aber die Cchnced.:fe war bald g« schmolzen. Der Weg nach chem Karakonmipaß, den, höchsten Passe unserer Erde, führt langsam in einem von vielen Bächen durchrieselten Tal bergaufwärts. An den höheren Hang­parteien der Berg« hatte sich der Schuce noch in vielen Punkten und Streifen erhalten. Auch in diesen gewattigen Höhen könnt« ich noch die Spuren ehemaliger Vereisung erkennen. Vor un» zur Linken ragt« ein prächtiger, mit großer Eiskapp« bedeckter Gipset «ff, der ein« Höhe von etwa 5100 Meter hat. Endlos zog sich der Weg hin. bis wir gegen>42 Uhr die Paßeinfenkung vor uns sahen. Häufig passierten wir Warendepots. Sowie Schiffe in Seenot einen Test ihrer Ladung als Ballast über Bord werfen, kommen auch manchmal Karawanen in diese Rottage, wenn zuviel Tragtiere zusammenbrechen." Nach der Ueberwindung des 5571 Meter hohen Karakorum- passes ging es empor auf dos höchst« Plateau der Erde, um dos herum sich Schneegipfel bis zu einer Höhe von über 7000 Meter empartürmen. Auch hier zeigten imzähfige SkeleÜ« di« Opfer a>>, die di« Schmerzensstraße gefordert.,