Beilage
Freitag, 15. November 1929
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Wie denkt die Jugend?
Der Gefundaner:
Ein Sefundaner, der von der Provinz nach Berlin tam, schreibt uns: Deutschland hat ein Recht darauf, auf sein Schulwesen stolz zu sein, und das Nachfolgende soll feine Kritik sein am Altbewährten, sondern nur Eindrüde eines Schülers, der trotz Fleiß und bestem Willen seine große Last hatte ,, in einer vorbildlich geleiteten Schule einer großen Provinzstadt auf dem Laufenden zu bleiben und der in den neuen Schulverhältnissen geradezu eine Er lösung eines seelischen Drucks erlebte und jetzt den Forderungen seiner Klasse glatt genügt, dabei die nötige freie Zeit wiederfand, um sich dem Sport und der Musik zu widmen, was früher durch ein lebermaß an Hausarbeiten ausgeschlossen war.
Die Schule, von der ich sprechen will, liegt inmitten der proletarischen Gegend Berlins , in Neukölln, und sie nimmt die begabtesten Schüler, Jungen und Mädchen aus Volksschulen auf, um ihnen die Borbildung zu ermöglichen, die ihnen im späteren Leben die Ergreifung von Berufen gestatte, die ihnen eine nur Boltsschulbildung sehr häufig verschließt. Schüler und Lehrer bilden eine Arbeitsegmeinschaft, was schon dadurch zum Ausdruc fommt, daß der Lehrer seinen Platz unter den Schülern einnimmt, während er nur, wenn es notwendig ist, in den Unterricht eingreift, den felben aber unfühlbar leitet, übernimmt es ein Schüler, mit seinen Kollegen und Kolleginnen ein Pensum duchzugehen, und zwar wird ein Gebiet nicht nur eine Stunde, sondern zwei hintereinanderliegende Stunden bearbeitet, dann folgt eine halbstündige Pause. Während der Schüler im Unterricht ihm bekannte Dinge erzählt und befragt, erläutert der Lehrer Neues und Unbekanntes.
Ich habe es geradezu als eine Erlösung empfunden, frei von dem Zwang zu sein, die Dinge genau so zu behandeln, wie es der Lehrer gewohnt ist, und ich bin so vom mechanischen Denken dazu übergegangen, mir von allem eine freiere, ungebundenere Vorstellung zu machen und damit zuwege gebracht, daß mir jezt vieles als selbstverständlich erscheint, was mir früher ein Buch mit sieben Siegeln war. Für das praktische Leben erscheint mir diese Methode doch wohl die richtigere. Und noch etwas sehr wichtiges: der Schüler ist nicht mehr ausschließlich Objett der Ent
schließungen von Konferenzen mehr oder weniger geeigneter Lehrer, sondern er hat ein Mitbestimmungsrecht. Bei einschneidenden Verordnungen beraten Schüler und Lehrer gemeinsam mit dem Schulleiter. Auch bei Bergehen eines Schülers wird seine Klasse mit zu den Beratungen herangezogen, mie die Schüler schon ganz von selbst ihren Ehrgeiz hineinjeßen, daß fein Außenseiter dieſe Arbeitsgemeinschaft durchkreuzt und stört.
Schulaufgaben gibt es, wie schon oben erwähnt, nicht. Jedem Echüler bleibt es überlassen, seine Lücken selbst auszufüllen. Er kann in den Unterrichtsstunden beliebig oft seine Lehrer und Mitschüler über Dinge ausfragen, die er nicht begriffen hat, ohne daß ihn eine barsche oder unireundliche Antwort abschreckt. Die Eltern merden durch Berichte des Ordinarius über die Leistungen ihrer Kinder auf dem Laufenden gehalten. Eignet sich ein Kind gar nicht für diesen freien Unterricht, so erhalten die Eltern so rechtzeitig vor der Versetzung Benachrichtigung, daß sie ihre. Kinder in eine andere Schule unterbringen fönnen. So ist dein Schüler das Angstgefühl, das leider so viele kennen, genommen.
Daß der Schüler freie Meinungsäußerung hat und ihm volles Recht zusteht, den Lehrer und den Unterricht zu fritifieren, und dadurch eine fachliche Diskussion hervorzurufen, ist nur geeignet, frei denkende Staatsbürger zu erziehen, die nicht stlavisch alles hinnehmen, was ihnen sehr häufig gar nicht einleuchtet.
Nun noch etwas anderes. Die Politif. 3war wird dauernd betont, sie sei von der Schule zu verbannen, und doch blühlt sie gerade hier. Ein Außenstehender ahnt nicht, wie schwer einem Sozialisten die Schulzeit mird. Zu Hause Sorge, Not und Krankheit, mit größter Not ermöglicht der Bater den Schulbesuch. Und in der Schule politisieren Lehrer und Schüler mit einer Klugheit, obwohl sie vom Leben gar nichts fennen. Man höre nur, menn die Söhne reicherer Leute über Arbeiternerhältnisse reden oder wenn sie die Arbeitslosenunterstützung als Quelle der Berkommenheit schildern, ach, das Herz frampft sich einem oder man ballt die Faust.
Und dann die Lehrer!
Es steht in der Verfassung, sie sollen in uns den Geist des Friedens und der Berständigung meden. Aber wie sieht es aus! In offenen Worten prepigen sie das Seil der glor= reichen Kaiserzeit: in versteckten Worten verhöhnen sie die Republif. Lächelnd hat gerade der Lehrer, der nicht mehr mit mir verfehren fann, oft müste Ausfälle der Schüler überhört- und selbst geschmäht. Lächelnd wusch er dann seine Hände in Unschuld und meinte, selbstverständlich sei das seine Privatmeinung und gehöre ja gar nicht hier her.
Ja, ja, das Geld der Republik ist doch nicht zu verachten, noch meniger die sichere Pension.
Abzeichen dürfen bei sämtlichen Veranstaltungen der Schule nicht getragen werden; selbstverständlich kann der Lehrer mal ein Hafen freuz übersehen.
Ich war leider gezmungen, während meiner Schulzeit niemals zu widersprechen, sonst hätten sie mich ein Jahr länger gehen lassen, aber dafür soll und muß jezt der Kampf beginnen. Ich sage laut und offen: Es ist eine Schande, daß in einem Staat, in dem die Sozialdemokratie die stärkste Partei ist, ein Republikaner sich bücken muß vor antisemitischen Lehrern. Seßt starte Persönlichkeiten auch an die Spigen der Höheren Schulen und fördert die menigen sozialistischen Lehrer, und faßt sie nicht ohne jeden Einfluß, wie es an meiner Schule ist, in der die jungen Lehrer sich aufreiben in dem ohnmächtigen Kampf gegen die protzigen Bedanten.
Ein Franzose:
Diese Aufzeichnungen stammen von einem franzöfifchen Aus: tauschschüler, der mit der deutschen Sprache mitunter noch auf Kriegsfuß, mit dem deutschen Bolke dagegen in herzlichem Ein
Dernehmen lebt:
Hier sind meine aufrichtige Eindrücke von Berlin . Ich würde nicht anders sprechen, wenn ich einem Landsmann sprechen würde. Ich ging oft durch Berlin allein spazieren; ein Berliner fann fich nicht vorstellen, wie angenehm das Spazieren durch Berlin für einen Barijer ist: Die Straßen find so breit wie unsere Avenues"; das Grüne und die mit Blumen geschmückten Balkonen lassen die Stadt nett und schön aussehen und bilden einen Abftich mit dem so strengen Baustyl. Diese Spaziergänge sind aber mir allmählich langweilig geworden. Der Berliner hat die Ruhe zu gern; er schreitet langjam, behaglich, Kerzengerade; ich war doch in Kur fürstendamm, Friedrichstraße, und unter den Linden: man kann nicht Dieses ruhige Leben mit dem Pariser Berkehr und Lebhaftigkeit vergleichen; also Berlin fommt mir vor, wie eine große fran 3ösische Provinzstadt. Es gibt nur ein Paris ", aper Kein Berliner Monument fann einem Pariser mehrere Berlin ". begeistern; Berlin ist sauber, modern und schön aber es fehlt dieser Stadt an Eigentümlichkeit; das Aussehen ist immer dasselbe amerikanisch.
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Bir sollen zum freien Denken erzogen werden, und es ergibt fich von felbft, daß die Schüler fast ausnahmslos freiwillig und unaufgefordert dem Lehrer Auffäße einreichen über Eindrüde aus dem Alltagsleben oder über sonstige, den Schüler Universitätsprofeffor Dr. Julius Schaxel : besonders berührende Themen.
Das Gemeinschaftsgefühl auch bei Schülern, die aus grundverschiedenen sozialen Schichten stammen, wird gehoben, unschönes Strebertum hört ganz von selbst auf; dagegen hilft der Begabtere gerne dem Schwächeren.
Der Oberprimaner:
Ein Sekundaner, der von der Provinz nach Berlin an das Karseniche Aufbaugymnafium fam, fdjreibt uns:
Da endlich einmal die Rede auf das höhere Schulmesen ( ,, Abend" Nr. 512) gelenkt wird, möchte ich mit großer Freude auch einen Beitrag dazu geben.
Ich habe jetzt im September eine Anstalt nahe dem Zentrum als Abiturient verlassen. So rückständig königlich wie der Name des Realgymnasiums, so rückständig sind zum großen Teil auch die Einrichtungen und die Lehrer selbst.
Bei meinem Abgang hatte ich folgendes Erlebnis:
Es ist bei dieser Gelegenheit üblich, sehr feierliche Reben zu halten; der Herr Ordinarius meist eventuell auf die Gedenktafel der toten Soldaten und ermahnt, in ihrem Andenken tüchtige Deutsche zu werden und die Schmach einer Besagung nicht länger zu tragen. Einer der Abiturienten antwortet dann in schneidigem Tone, daß fie felbstverständlich Deutschland wieder hochbringen
würden.
Ich hatte mich nun dazu gemeldet, unsere Abschiedsrede zu halten. In turzen Worten fennzeichnete ich unsere Freude, endlich die Schule verlassen zu können. Ich erläuterte, daß unsere große Freude daraus zu erklären sei, daß das Schulfyftem es nicht verstanden habe, uns für das wirkliche Leben mit seiner grau famen Härte vorzubereiten.
Der Abend
Shalausgabe des Vorwäre
Beobachtungen
Betrachtungen
Ich lege den Reichstag zurüd, vor welchem ein riesiger Bismard sich aufrichtet. Diese Gesonnenheit hat mich sehr tief eingedrückt: ist es nicht da das Symbol des neuen Deutschlands ? eine Zusammenftellung des Bergangenen und der Zukunft viel mehr als ein Gegensatz zweier Epochen; denn die heutige Periode ist eine lebergangszeit; das Bolt magt noch nicht vormärts zu gehen und hat die alte Zucht in seinen Sitten aufgehoben. Der Deutsche fann sich nicht angewöhnen, frei zu sein. Die Revolution war beendigt, eben. als die Evolution erst begann. Darum steht die Republik noch nicht auf festen Füssen . Welche Mühe mußt unsere Sozialdemokratie fid) geben, um die alten Vorurteile niederzuwerfen und die Freiheit zum Sieg zu führen!"
Trotz aller Hindernisse glaube ich an den Frieden meine französischen Austauschkameraden sind alle derfelben Meinung. Wir waren so freundlich aufgenommen, daß wir nicht glauben fönnen, daß unsere deutschen Kameraden Brüder kam ich sagen Menn alle auf einem Schlachtfelde uns wiedersehen werden. Deutsche mären, wie unsere Wirte! Bir haben in Berlin eine neue Familie gefunden, und auch wirklich von dem Familienlebett Kenntnis genommen: denn menn unsere Eltern die Familienobende fennen, bei deren Gelegenheit Onkel, Tanten, Cousinen zusammen fizen, fennt die neue Generation gar nicht diese Ueberlieferung. Der malerige Ausflug des Sonntags ist ein charakterisches Bild des deutschen Familienlebens: man schnallt den Rucsac zu, in welchem man Badeanzüge und Stullen untereinander geworfer hat, und vorwärts! Die ganze Familie geht nach einem der zahla reichen berlinischen Seen; den ganzen Tag, badet man, legt man seinen Körper auf den Strand an die Sonne ,,, um braun zu werden": die große Leidenschaft der Berliner .
Diese Sorge um die Körperkultur ist leider bei uns nicht so start wir haben meniger Badeanstalten, Sportpläge und besonders... feine Zeit, denn mir arbeiten viel mehr, als die deutschen Schüler. Diese verschiedene Erziehung erklärt gewiß. marum ein sechzehnjähriger Deutscher nicht so voraus ist, wie ein so alter Franzaje-
So viel ist immer wahr, daß diese Ausflüge, die dem Aermsten mäglich sind und welche tein Reicher mit Berachtung anficht, und dieses Leben in der freien Luft mich sehr begeistert haben. Ich habe echte Ferien in Berlin verbracht; ein Berliner braucht night nach der See zu fahren; er fann in Berlin selbst sich erholen.
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Das ist wirklich eine Neuigkeit für einen Barijer. Wenn man mich fragt: Was hat dir am besten in Berlin ge fallen?" antworte ich: Sicher Wannsee . Als ich zum erstenmal in Wannsee war, haben mich meine Birte gefragt, mas ich über Wannsee meine. Es war fabelhaft, einfach fnorte!" habe ich geantwortet, während meine Zuhörer lachend sagten, daß ich guten berlinischen Jargon gelernt hatte.
Ich muß jeß aber von dem Hauptpunkt einige Wörter fagen. Wie haben die französischen Austauschschüler mit ihren deutsen Korrespondenten sich vertragen?
Im allgemeinen, sehr gut. Verschiedenheiten von Charakter über diese könnte ich ein Buch schreiben! haben uns nicht ver Sturhindert, hindert, gute Freunde zu sein, so gute, daß oft, als wir Abschied nehmen mußten, Trane in die Argen gekommen sing.
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Wir haben uns einander fennen lernen, folglich uns lieben: ift das nicht das sicherste Unterpfand einer dauerhaften Freundschaft. eines Friedens, den die Völker selbst schmieten müssen, wenn sie diesen Frieden ewig wollen?
Man spricht sehr viel von der Europäischen vers einigten Staaten. Bevor ich nach Berlin gefahren bin, war ich noch zweifelhaft. Jezz bin ich überzeugt, daß es möglich ist.
Die Hochschulverfaffung
Mittelalterliches Erbe.
eigenen Organe", furz die sogenannte Selbstverwaltung. Tatsächlich sind die Hochschulen für ihren ordentlichen Betrieb auf Staatsmittel angewiesen, die alljährlich von den Volks. vertretungen bewilligt werden. Gleichgültig ist, ob zwischen der aufsichtführenden Regierung und der Hochschule noch ein Kurator steht oder nicht. Seine Funktion als politischer Kommissar, als der er ursprünglich eingesetzt wurde, übt er nicht mehr aus. Der Selbstverwaltungsförper besteht oder geht aus
Die geschichtlich bedingte Massengebundenheit der Hochschulen erklärt ihr Berhalten nach der Staatsummbälzung). In der bürgerlichen Republik geht der Klassenfampf weiter, weil er um die fozialistische Republit geführt wird, die erst unbeschränkt sozialen Inhalt haben wird. Eben deshalb müssen die Massen etwas von der Organisation der Hochschulen wissen, die den alten Staat im neuen Staat fortsetzen. Auf verwaltungstechnische Einzelheiten ordentlichen Professoren hervor. Neben ihnen gibt es tommt es nicht an, sondern auf folgende Tatsachen:
Die mittelalterlichen Universitäten als Glieder der feudalen Hierarchie der Kirche sind vom revolutionären Bürgertum beseitigt worden. Seit das Bürgertum aber gegen den vierten Stand in die Defensive geraten ist, hat es neben anderen reaktionären Maßnahmen den Universitäten die mittelalterlichen Trachten wieder übergezogen. Wenn übrigens dabei von der Wahrung jahrhunderte langer Traditionen die Rede ist, so wird start übertrieben; denn die Berfaffung der deutschen Universitäten ent spricht im großen ganzen der Humboldtschen Reform in Breußen vor rund 100 Jahren. Um ein Jahrhundert sind die Ein richtungen aber auch mindestens rüdständig. Das hindert die jüngeren Berufshochschulen( die technischen, forstlichen, landwirtschaftlichen, tierärztlichen Hochschulen und die Bergafademien) nicht, aus Brestigegründen möglichst nach Universitätsdharafier zu streben. Die Universitäten selber find freilich inhaltlich felbft nur noch univerfuäten selber find freilich inhaltlich selbst nur noch Berufshochschulen. Von den juristischen, medizinischen, naturwissenschaftlichen Fakultäten wird das niemand leugnen. Die hoffnungslos zerfaserte Philofophie mit ihrem Anhang führt ein faum beneidenswertes Eigendasein. Die theologischen Fakultäten hat das bayerische Kontorbat folgerichtig zur Eingliederung in die hat das bayerische Kontorbat folgerichtig zur Eingliederung in die tirchliche Hierarchie zurückgeführt.
Eigene Obrigkeit.
Meine Kameraden waren, obmohl vorher nicht darüber unterrichtet, mit meiner Rede einverstanden. Anders die Lehrer. Einer meiner Kameraden erhielt von einem Lehrer einen Brief, in dem er ihm mitteilte, daß er an unserem bevorstehenden Rommers nicht teilnehmen könnte oder wird, da er mit dem Redner der Klaffe nicht mehr gesellschaftlich verkehren fönne. Daraufhin wollten alle Lehrer nicht an der Feier teilnehmen, wenn. ich nicht zum Direttor ginge und mich entschuldigte. SelbstverständWegen der in ihren Verfassungen beanspruchten Körperschafts. lich dachte ich nicht daran, meine ernstgemeinten. Worte zurückzurechte beziehen sich die Universitäten auf Stiftungen, die ihnen ihr nehmen. Die Herren nahmen dann doch teil. Der Direttor eigenes Bermögent zusicherten. Dieses Vermögen ist aber mit wenigen hielt mun am Biertisch eine Rede über das Reden". Er sprach da Ausnahmen oder bis auf ganz geringfügige Reste verloren gegangen. von, daß er stets ein offenes Bort liebe, aber nur am rechten Geblieben sind nur das eigene Siegel, die eigene Obrigkeit, die Ort ufw., was ich ihm allerdings widerlegen fönnte, denn wie jelten bringt ein Schüler mit feiner oft nicht dummen Meinung durch.
Siehe Nr. 312,
Den
in seltsamer Abstufung der Grade noch andere Hochschullehrer. Sie oder gar die Studentenschaft zar ,, eigenen Obrigkeit" heranzuziehen, versuchten im ersten Revolutionsschrecken unternommene Reformen, die am Wesen der Sache nichts geändert haben, sofern sie nicht ganz gescheitert find.
Zur Selbstverwaltung gehören auch noch Refte eigener Einnahmen aus Gebühren und Unterrichtsgeldern, un die sich der Staat nicht allzu viel fümmern darf, wenn er nicht, die Universität zu einer staatlichen Anstalt herabdrücken" will( authentischer Tert eines Fabultätsgutachtens!).
Ihre Wirkung.
Die Folge der Selbstverwaltung ist heute die Abfapfelung ber beamteten hochschullehrer gegen den Staat, der sie nicht etma mur erhält, sondern verfassungsmäßig für seine 3mede hält. In ihrer Selbstbeschränkung tonnten sie in die Republif hineinwachsen und, von persönlichen Ausnahmen abgesehen, offiziell wirken, als ob Revolution, Republit, Sozialismus nichts bedeute.
Die stärkste Wirkung hat die Selbstverwaltung auf den akademischen Nachwuchs. Die Selbstergänzung muß zur Berstopfung des Aufstiegs führen. Der Leidensweg des Privatdozenten bebarf eingehender Darstellung. Er beginnt nicht erst an der Hochschule, wo dann von Ablehnung oder Maßregelung zuweilen etwas an die Deffentlichkeit dringt. Er fängt viel früher im proletarischen Dasein an, und wird vom Alltag des
Erwerbslebens erſtict.
Hochschulreform? Sie ist teine Sache für sich, sondern kann nur im Zusammenhang der sozialen Frage gelöst werden. Nirgends haben wir alte Herrlichkeiten wieder herzustellen, sondern überall an der neuen Gemeinschaft zu arbeiten.