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Raubüberfall auf Raffenboten.

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Düsseldorfer Morde unaufgeklärt.

Bisher 9 Mordfälle und insgesamt 19 Bluttaten.

Düsseldorf , 19. November.

wenn immer wieder neue, unbegründete Gerüchte über neue Mordtaten in die Welt hinausgehen. Tatsächlich sei es heute so, daß

11 000 Mark erbeutet.-1000 Mart Belohnung ausgefeht. Mit größter Dreiftigkeit ging ein Geldräuber zu Werke, der am Dienstag mittag einen jugendlichen Kassenboten überfiel und dabei 11 000 m. erbeutete. Der 15 Jahre alte Kassenbote Wilhelm Linke, der bei der Deutschen Stärte Bertaufsgenossenschaft in der Karlstr. 5a angestellt ist, hatte den Auftrag bekommen, von der In der täglichen pressebesprechung in der Düssel­Deutschen Bank in der Mauerstraße 11000 mart abzuholen. dorfer kriminaldirektion famen am Dienstag abend vor Den Hin- wie den Rückweg hatte der junge Mann, wie er angibt, den Fund eines Halstuches, das Blufflecken aufweisen follte und allen Dingen die sich widersprechenden Meldungen über ohne Berzögerung zurückgelegt. Auf der Bank wurden ihm a cht über einen in einer Caube in der Nähe der Fundstelle der Leiche Patete mit Fünfzigmartscheinen und drei Pakete mit 3wanzigmartscheinen übergeben, die er nachzählte und der Ermordelen Gertrud Albermann gefundenen Totschläger zur in seine braunlederne Aktentasche steckte. Er ging durch die Kleine Erörterung. Bei diesen Erörterungen wurde auch darauf hingewiesen, Passage hindurch über die Brücke an der Luisenstraße und betrat bald daß die Meldungen auswärtiger Blätter, daß es sich bei den Düsseldorfer Berbrechen um 19 Morde handelt, vollkommen das Haus, in dem seine Firma im dritten Stockt ihre Geschäftsräume unzutreffend seien. In Düsseldorf sind seit Februar 9 Mord­hat. Weder in der Bank noch auf der Straße hat er bemerkt, daß fälle zu verzeichnen, von denen einige nach Lage der Dinge von ihm jemand folgte. Bestimmt hat er die Person nicht gesehen, die ihn den Kindermorden und Ueberfällen auf Frauen geschieden werden beim Betreten des Hauses ansprach. Es war ein Mann von etwa müssen. 25 Jahren, 1,70 bis 1,75 Meter groß, mit dunklem Haar und blaffem angeblichen Ueberfälle in dem genannten Zeitraum be. Kriminalpolizei betrachten, die den Zwed haben, festzustellen, daß laufen sich allerdings auf 19.

Gesicht. Der Fremde, der einen dunklen Mantel trug, fragte ihn, wo seine Firma ihre Bureaus habe. Er antwortete ihm, in dritten

Es handelt sich bei dem angeblichen Halstuch zunächst um einen

in Düffeldorf felbft glüdlicherweise einige Beruhigung eingetreten sei, während durch Berichte, die sich später fast ausnahmslos als belanglos erweisen, eine begreifliche Nervosität erzeugt wird. Daß bei den zahlreichen Verbrechen auch die polizeilichen Ermittlungen einen großen Personenkreis umfassen, ist nicht zu vermeiden. Keines­Vernehmung gesagt werden, daß es sich um Personen handelt, die regs aber fann bei den zahlreichen Festnahmen zum Zwecke der müsse diese Tätigkeit als die negative Ermittlungstätigkeit der mit dem Mord in Zusammenhang gebracht werden könnten. Man

irgendwie verdächtige Personen für diese Verbrechen nicht in Frage tommen. Es werden ungezählte Spuren verfolgt, bisher haben sich

dächtigen könne.

Schutzpolizei und Kriminalpolizei.

Der Polizeipräsident Düsseldorfs teilt mit:

Stock und ging dem Unbekannten voraus. Auf dem Absah zwischen. Tuchfehen von roter Farbe, auf dem sich angeblich drei aber die Ermittlungen gegen eine bestimmte Person nicht so ver. dem zweiten und dritten Stod war der Fremde plöglich Blutfleden befinden. Nach dem Urteil mehrerer Sachverstän- dichtet, daß man schon irgend eine Einzelperson als Täter ver­dicht neben ihm. Er packte den fleinen und schmächtigen Boten diger handelt es sich aber, wie wir bereits mitteilten, nicht um Blut, an die Kehle, schlug ihm mit der Fauft auf den Kopf und stieß ihn sondern um Farbfleden. Die noch vorzunehmende Unter­heftig gegen, die Wand. Dieser, durch den unvermuteten Angriff sehr fuchung wird hierüber erst endgültige Klärung bringen. Bei der an­erschreckt, war nicht imstande, den Raub der Tasche mit dem Gelde geblichen Mord waffe handelt es sich um ein Stüd Gummi­zu verhindern. Als seine Hilferufe einfeßten, stürmte der Räuber schlauch, das, als es aufgefunden wurde, mit Sand gefüllt gewesen schon die Treppe hinunter. Andere Leute tamen hinzu, man fand sein soll. Als Mondwaffe für die Gertrud Albermann und die aber nur noch die geleerte Tasche im Hausflur. Der Dieb war längst Maria Hahn kommt dieser Gummischlauch schon aus dem Grunde verschwunden. Der Täter fonnte um so eher entkommen, als der nicht in Frage, weil beide durch Messer oder Dolch stiche Pförtner zufällig gerade am Fahrstuhl zu tun hatte. Die Firma hat getötet wurden. Ganz unzutreffend find die Meldungen, daß die für die Ergreifung des Räubers und Wiederbeschaffung des Geldes Düsseldorfer Polizei nach einem jungen Menschen fahndet, der an­eine Belohnung von 1000 Mart ausgefeßt. Mitteilungen geblich für die Polizei beschäftigt gewesen sei. Diefer 21jährige nimmt Dienststelle A, 5 im Bolizeipräsidium entgegen. junge Mann hatte sich bei der Polizei zur Aufklärung der Mord­fache angeboten und ihm war bedeutet worden, daß er sich selbst­verständlich ebenso wie jeder andere an der Aufklärung der Ver­er verdächtigten Mannes ist bekannt. Er ist auch in einem Polizei­revier gelegentlich vernommen worden. Die Kriminalpolizei erflärt aber, daß er mit den Mordtaten feineswegs in Ber­bindung gebracht werden fann und auch nicht als Polizeispizel tätig gewesen ist.

Spuf in der französischen Gesandtschaft. brechen beteiligen fönne. Die Wohnung des angeblich als Täter

Generalstabeoberst Michailow freigesprochen.

Das Schöffengericht Berlin- Mitte sprach gestern den Generalstabsoberst Michailow von der Anklage im September d. J. dem französischen Botschafter ein Brillanten­follier im Werte von 80 000 m. gestohlen zu haben, frei. Der Generalstabsoberst Michailom hat also das Brillantentollier nicht in der Absicht rechtswidriger Aneignung an sich genommen, sondern nur um seinem Arbeitskollegen, dem Chauffeur des franzö ischen Botschafters, den Rittmeister a. D. Batalin, einen Schabernac zu spielen und ihn in den Verdacht des Diebstahls zu bringen. So begründete das Gericht sein Urteil. Der Generalstabsoberst Michailow aber, Sohn eines russischen Professors, Kämpfer in der Denikin und Wrangel- Armee, schlug ein breites russisches Rreuz bei Verfündung des Freispruchs und rief mit einer von Inbrunst bebenden Stimme in seinem Schlußwort Gott , an den er von seiner Jugend auf glaube, als 3eugen für seine Unschuld an. Nein, selbst im Scherz habe er die Juwelen nicht an sich genommen. Batalin müsse es gewesen sein, der aus Haß gegen ihn den Diebstahl fingiert habe. Oder der Diener des Ge Fandten, ein schlecht beleumundeter Desterreicher, habe, um die Leiden­

schaften zwischen ihm und Batalin zu schüren, das ganze inszeniert. So beteuerte der Generalstabsoberst und scheute nicht davor zurück, andere zu verdächtigen. In der französischen Botschaft sputte es aber tatsächlich. Eine Autodede ging verloren und fand sich wieder ein auf Grund eines mysteriösen Briefes. Ein Brillantenfollier ver chwand, Etuis wurden in dem Garten gefunden und auf der Treppe lagen schließlich die Juwelen herum. Was hinter all' dem steckte, ist nicht aufgeklärt worden. Der französische Gesandte wollte mit der Sache nichts zu tun haben; Batalin durfte nicht im Gerichtssaal erscheinen; auch der Gesandte selbst fehlte. Unwillkürlich dachte man an die Gerüchte, die im Anschluß an den Diebstahl der italienischen Geheimchiffre in bezug auf den Juwelendiebstahl in der französischen Botschaft auftauchten. Michailow, verlautete es Damals, habe in Bolschewistendiensten gestanden; er sei beauftragt gewesen, die Geheimchiffre zu stehlen. Der französische Botschafter sei aber zu früh zurückgekehrt. Um den versuchten Chiffrediebstahl zu verdecken, sei von Michailow der Juwelendieb­#tahl fingiert worden. Weshalb sollte auch nicht ein verarmter Beneralstabsoberst um des schnöden Mammons willen sich in den Dienst der Bolschewifen begeben? Ein Generalstabsoberst, der, wie bas Gericht festgestellt hat, einen Diebstahl fingiert, um einem Ritt­meister einen Schabernack zu spielen? Ein Kriminaldrama unter gewesenen" russischen Menschen ein ruffisches Emigranten triminaldrama. Es sputt offenbar sehr verdächtig in der franzö­ sischen Gesandtschaft.

In der Pressebesprechung war man sich darüber klar, daß es feineswegs zur Aufklärung der scheußlichen Verbrechen beiträgt,

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Ein großer Teil der Presse veröffentlicht Nachrichten über an­gebliche Erschwerung der Morduntersuchung durch Gegensäge, die zwischen Düsseldorfer Schutz- und Kriminalpolizei beständen. Demgegenüber ist festzustellen, daß lediglich ein einzelner Beamter in der Bewertung der von ihm ausgearbeiteten Spur anderer Auffassung war, als die zuständige kriminalpolizeiliche Dienststelle. Bedauerlicherweise sind die internen Erörterungen der beteiligten Beamten infolge eines Mißverständnisses zur Kenntnis der Deffentlichkeit gelangt. Die in Frage tommende Spur ist nur eine Ginzelipur im Rahmen von etwa tausend anderen. Die verschiedenartigen Auffassungen der beteiligten Einzelbearbeiter rechtfertigen in feiner Weise die Annahme" daß zwischen Schutz­und Kriminalpolizei in Düsseldorf irgendwelche Gegensätze vorhanden sind. In einer Pressebesprechung vom Dienstag abend, der ins­besondere auch Korrespondenten aus Berlin , London , Wien und Paris beiwohnten, wurde der Sachverhalt in obigem Sinne einwandfrei geflärt.

Brutalität eines Zahnarztes.

Die tote Geliebte aufs Feld geworfen.

Düsseldorf , 19. November.( Eigenbericht.)

Vor dem erweiterten Schöffengericht in Düsseldorf fand am Dienstag der Prozeß gegen den Zahnarzt Mohr aus Barmen statt. Mohr wurde zur Caft gelegt, in der fallen regne­

rifchen Winternacht zum 2. Dezember 1928 eine trante, bili­lofe Patientin, Fräulein Emmi Weiter aus Barmen, zu der er anscheinend in näheren Beziehungen gestanden hatte, in be­finnungslofem Zustand auf einem Feldweg auf einer Höhe bei Ohligs ausgesetzt und ihrem Schicksal überlassen zu haben.

Er

eine Gehirnsyphilis und sein Gedächnis sei geschwächt. Er habe den festen Vorsatz gehabt, die Weiker nach Barmen zu bringen. Die Mitangeklagte Hildebrandt sagt aus, Dr. Mohr habe ihr auf der Fahrt schon gesagt, daß, wenn die Emmi Weiter zu Hause nicht aufgenommen würde, er fie draußen aussehen wolle.

Staatsanwalt Dr. Hoffmann streifte noch einmal die ganze Beweisaufnahme und wies dabei auf die unerhörte Roheit hin, mit der Mohr die Emmy Weifer in der talten regnerischen Binternacht auf die Straße gesetzt habe. Der Mitangeklagte Alberty hätte, als er die Aussehung beobachtete, gleich erklären müssen, daß er das nicht weiter mitmache. Der Staatsanwalt beantragte gegen Mohr Jahre Gefängnis. Nach dreiviertelstündiger Beratung verkündete das Gericht das Urteil: 3ahnarzt Dr. Mohr wird tostenlos freigesprochen.

Der Beihilfe zu dieser Aussehung waren angeklagt die Ehe­frau Anna Hildebrandt aus Barmen und der Taxichauffeur August Alberty aus Düsseldorf . Nach Berlesung der Antlage schildert Mohr, wie Emmi Weifer ihn unter dem Namen Emmi Kohlhann in seiner Pragis zur Anfertigung einer Goldbrücke auf­gesucht habe. Als er am Abend des 1. Dezember mit der Frau des Anstreichermeisters Hildebrandt aus Barmen in seiner Pragis in Düsseldorf anlangte, habe er die Emmi Weiter vor dem Gas efen betäubt liegend aufgefunden. Die Ga shähne seien ge­öffnet und die Schlüssellöcher verstopft gewesen. habe Wiederbelebungsversuche gemacht. Der Vorsitzende verlas dann den Abschiedsbrief der Emmi Weiter an Mohr, den Mohr in seiner Bragis vorfand. Es ist der Brief einer Geliebten an den Geliebten. Die engen Beziehungen zwischen beiden gehen aus ihm hervor. Sie glaubte, von ihm nicht mehr geliebt zu werden und wolle von ihm scheiden. Der Angeklagte schildert weiter, wie er am Abend des 1. Dezember nach Auffinden der Weifer verwirrt gewesen sei. Er habe die Emmi Weißer dann auf die nebenan liegende Toilete gebracht und vom Bahnhof eine Autotage geholt. Der Chauffeur Alberty hätte die Weiter in den Wagen getragen und sei nach Barmen gefahren, um die Emmi Beifer angeblich Aufbauarbeit im Krankenhaus Moabit. Beiler will sich wohr nicht mehr befinnen können. Seit 1912 habe er sprechung der Frau Hildebrand und Alberiys zur Folge. ihrer Muter zu bringen. An den Borgang der Ausseßung der

Neues Heim der inneren Abteilung.

Das städtische Krantenhaus Moabit , das im Jahre 1872 megen einer Bockenepidemie rasch das Baradenlazarett gebaut und dann als allgemeines Kranienhaus benutzt wurde, ist in neuerer Beit, entsprechend den Fortschritten der Heilkunde und des Kranken­hauswesens, durch Neubauten umgestaltet worden. Der Krieg und die nach ihm tommenden Jahre der Geldentwertung störten und unterbrachen diese Arbeit, aber danach wurde sie trotz aller Sdywierigkeiten wieder aufgenommen, und in wenigen Jahren werden die letzten der alten Fachwerkbauten beseitigt sein.

einer

Unser Genosse Bent hat erreicht, daß unter Minister Haenisch das städtische Krankenhaus Moabit zugleich für die Universität eine Lehrstätte der Medizin wurde.

Das neue Heim der inneren Abteilung hält für Krante 240 Betten bereit. Es ist ausgestattet mit allen Hilfsmitteln der neuzeitlichen Krankenbehandlung und der wissenschaftlichen Forschung. Auch eine neurologische Abteilung ist hier geschaffen worden, die erfte in einem Krankenhaufe der Stadt. Die Räume des Hauses find groß, hell, luftig. Das Haus hat auch zwei Dach­gärten für die Kranken.

So find die Parteien ohne Maske." Hausbefizerohrfeigen für die Deutschnationalen.

Am Dienstag wurde wieder ein fertiger Bau, das Heim der Abteilung für innere Krankheiten, mit mit schlichten Feier eingeweiht und an die Krankenhausverwaltung über. geben. Teilnehmer der Feier maren Bertreter des Magistrats ( Stadtmedizinalrat Prof. Dr. von Drigalski, Stadträtin Wey!), des Bezirksamts Tiergarten und anderer Bezirksämter Berlins , des Ministeriums, des Polizeipräsidiums( Chefarzt Dr. Lustig), der Jetzt endlich, nachdem die/ Wahlen und die Strapazen, die für Aerzteschaft und der Medizinstudenten. Nach Begrüßungsworten des die Wahlhelfer damit verbunden waren, vorüber sind, hat man die Bezirksbürgermeisters Doflein sprach Prof. Dr. Klemperer, Möglichkeit, in aller Ruhe einmal die vielen Druckschriften durch ärztlicher Direktor des Krankenhauses Moabit . Mit Worten des zusehen, die einem in den letzten acht Tagen vor der Wahl ins Haus Dantes erinnerte er daran, wie nach der Schaffung Broß- Berlins geflogen sind. Da gibt es allerlei Ergöglichkeiten. der in den Magiftrat eingetretene Stadtmedizinalrat Prof. Dr. Rab- Ein zwei Zeitungsseiten großes Flugblatt der Haus. now( der, jeht im Ruhestand lebend, unter den Festteilnehmern befizer zum Beispiel ist unter der Ueberschrift: So sind die mar) sich bemüht hat, dem Stadtteil Moabit dieses Parteien ohne Maste" eine einzige riesengroße Schinipfepiſtel Krankenhaus zu erhalten. In der damaligen Notzeit gegen. nun, gegen wen wohl? Man nimmt an gegen die Sozial. wurde daran gedacht, das Krankenhaus zu schließen, die Gebäude demokraten. Weit gefehlt! Die Schale vollen Zornes wird beson­abzubrechen und das wertvolle Gelände zu verkaufen. Aber unser ders über die Deutschnationalen, aber auch über die Genosse Rabnow mahnte immer wieder, das Krankenhaus meiter Volksparteiler und Zentrumsleute ausgegossen. Einer bestehen zu lassen und den Ausbau fortzusetzen. Klem- der wildesten deutschnationalen Sozialistenfresser, Herr Dr. Stei­perer gedachte auch der Berdienste des verstorbenen Stadtverordneten niger wird in einer Weise abgebürstet, daß einem der Mann Dr. Beyl, seiner umsichtigen Arbeit für das Gesundheitswesen beinahe leid tun könnte Und warum? Beil Herr Steiniger, der der Stadt, feines Verständnisses für die Bedürfnisse der Wissenschaft. | sehr wohl weiß, daß er auf die Massen der kleinen Beamten und

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In der Begründung des Freispruchs von Dr. Mohr führte der Borsitzende u. a. folgendes aus: Die Freisprechung mußte aus Rechtsgründen erfolgen, weil zweifelsfrei durch das ärztliche Gutachten festgestellt ist, daß die Emmy Weiker, als sie von dem Angerlagten ausgesetzt wurde, ein nicht mehr zu rettender Todes­tandidat war. Das Gericht ist sich darüber völlig klar, daß eine Tat, wie die vorliegende, wenn sie ungefühnt bleibt, ein durch­aus unbefriedigendes Rechtsgefühl hinterläßt. Aber hier besteht zugunsten des Angeklagten eine Lüde im Gefeß. Ver­suchte Aussetzung fann nach den gegenwärtig geltenden Strafgesetzen nicht bestraft werden. Das Gericht hat weiter geprüft, ob der Ange­flagte aus irgendeinem anderen rechtlichen Gesichtspunkt bestraft werden fönnte. Als solcher ergibt sich ohne Zweifel die einfach e Rörperverlegung. Aber auch hier hat der Angeklagte Glück, Denn eine einfache Körperverlegung ist nach dem Straf­gefeß nur strafbar, wenn ein Strafantrag gestellt wird, und den konnte die tote Weifer natürlich nicht stellen.

Die Freisprechung des Angeklagten Mohr hatte auch die Frei­

Angestellten in seiner Partei Rücksicht nehmen muß, einmal folgendes gesagt hat: Der Mieterschuß ist vorläufig unent behrlich." Wegen dieser Aeußerung, die Herrn Steiniger und seine Freunde eigentlich hätten veranlassen müssen, im Wahlkampf meniger gehässig gegen die Sozialdemokratie zu wüten, hat er seiner­feits sich den Haß der ewig unbelehrbaren Berliner Haus- und Grundbesitzer zugezogen.

Aehnlich, nur ein wenig vorsichtiger, hat sich der Volksparteiler innefeld zum Mieterschutz ausgesprochen. Auch er wird von den Hausbesitzern angeprangert. Dem Zentrumsmann Tremmel geht es nicht besser. Dem Zentrum attestiert man, daß man es für ,, vertappte Sozialistenhelfer" hält. Die Demokraten friegen wegen der vernünftigen Haltung ihres Ministers Höpker- Aschoff zur Hauszinssteuer eins ausgewischt. So schimpfen und nörgeln und die man insgesamt mit der Liebfosung: Berräter am Haus randalieren die Hausbesitzer mit allen bürgerlichen Parteein herum, Art Hausbefizer das nötige gesagt und wird ihnen auch weiter die besitz bedenkt. Die Sozialdemokratie hat vor der Wahl dieser Wahrheit sagen. Die Deutschnationalen, in deren Reihen neben vielen Haus- und Grundbesigern auch Vertreter der Bodenreform, der Siedlung, ber Heinastätten und des Mieterschußes sitzen, werden in Steinen sein, wenn sie daran benken, daß sie im Glashaus fizen. Zukunft vielleicht doch etwas vorsichtiger mit dem Werfen von

Bürgermeister Koht vom Amt fuspendiert.

Der Herr Oberpräsident hat durch Beschluß vom 16. November gegen den Vorsitzenden des Bezirksamts Köpenick Bürgermeiste Kohl die Einleitung des Disziplinarverfahrens, und die Amts. suspension verfügt.