146. 3rgane 1. Beilage des Vorwärts
Nr. 551 Jahrgang
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Ein Rest
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Urne.
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ging fie als Symbol in den Gedankenkreis der Darstellungen des Todes über. Die Verbrennung war bei all den Bölfern heimisch, in deren Ländern Holz in genügender Menge sich vorfand. Aber erst in dem späteren Rom entfaltete sich ein großer Lurus bei den Bestattungen. Nicht nur der Aufwand an Wohlgerüchen, namentlich durch Anwendung von Weihrauch, und die Fülle der den Trauerzug begleitenden Ahnenbilder des Berstorbenen sowie die Menge der für das Weiterleben des Abgeschiedenen bestimmten Gegenstände trieben die Kosten eines Begräbnisses hoch. Auch die Kostbarkeit des Materials für Urnen und Earfophage war so ins Große gesteigert, daß die Satiriker des alten Roms leichte Arbeit hatten... Juvenal
Tag der Toten.
Durch dunkle Zeit sind alle vir gefchritten
In tiefer öte schwerem Golgatha.
sibi ni sidön
Sonntag, 24. November 1929
sie mit Vorliebe zur Krönung einfacher Postamente benutzt, und
Daß man ihr auch einen eigenartigen Charakter verleihen konnte, bemeist das auf dem Grabe des Schauspielers Fled in Berlin fich erhebende einfache Denkmal, das als Abschluß eine mit Masten gcschmückte lrne zeigt, hierdurch den Schauspielerstand des Verstorbenen gut zum Ausdruck bringend.
Die Urne als Aschenbehälter!
Neueste Zeit an die Tradition früherer Jahrhunderte anInüpfend, eine sonderbare Umfehrung der sonstigen Entwicklung. unferes Daseins, das sich von der Einfachheit antiken Lebens so weit entfernt hat. Man verbrennt wieder die Leichen, und dieser nach langen Kämpfen gegen Geistlichkeit und Bureaukratie errungene Erfolg wächst sich in erfreulicher Weise zu einem Triumph aus. Die. neueste Statistik weist 88 Feuerbestattungsanlagen in Deutschland auf, in denen im ersten Halbjahr 1929 32 185 Leichen zur Einäscherung kamen. Wie groß der Fortschritt ist, zeigen folgende Bahlen: 1900 gab es 639 Leichenoerbrennungen, 1928 48 385 es ist anzunehmen, daß das jetzt seinem Ende entgegengehende Johr den bis Juli nachgewiesenen Aufschwung bestätigen wird. Daß die Urne von dieser Bewegung in die Höhe getragen wurde, mar ganz selbstverständlich. Der Familie des Toten wird eine Aschen= lapsel übergeben, für deren pietätvolle Aufbewahrung in einer Urnenhalle oder auf einem Friedhose die Angehörigen Sorge z11 tragen haben. In Gotha besteht allerdings die Einrichtung, daß die Asche den Angehörigen des Verstorbenen zur eigenen Verfügung ausgehändigt wird. Der geringe Umfang der Aschekapsel schließt mun die Verwendung eines Sarges und demgemäß die Bestattung an dem uns sonst vertrauten länglichen Grabe aus, und so bleibt selbst dann, wo die Urne nicht zum Aschenbehälter dient die Urnenform als diejenige künstlerische Gestaltung des Grabmotivs zurüd, die einzig dem geringen Raumbedürfnis entspricht. Daß
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Es schien nicht Trost und schien nicht Hoffnung da, die Form der Urne eine Fälle von Erscheinungen darbietet, lehrt Und immer var der Mörder Tod uns nah, Und Stund ' um Stunde stand er bleich inmillen.
0. Krieg noch heute! Wenn sich Blicke weilen 1786 Und renn Erkenntnis in den Sinnen loht,
Sechs Breffer und zwei Brettchen nannte der Dichter das letzte Heim des menschlichen Erdenmailens, den Sarg.
und Grethe läßt Mephistopholes den Lemuren diesen Auffrag erteilen: 166 si
71
Wie man's für unsre Bäter fat,
Bertieff ein längliches, Quadrat!
Aus dem Palast ins enge Haus,
So dumm läuft es am Ende doch hinaus.".
Der Große von Weimar hat vielleicht doch geahnt, daß noch ihm einmal die Sitte, die Toten einzufargen und der Erde anzuvertrauen, beinahe als überholf gelten würde. Gewiß halten noch viele Menschen aus Gründen der Ueberlieferung und des Gefühls an der Erdbeftat. tung feft, aber man darf fagen: Gegenstand der Berehrung ist heute bei einer großen Anzahl unserer Mitbürger nicht mehr der Sarg. vicht mehr der Erdhügel, unter dem der Sarg liegt, sondern die ene, die den Aschenreft birgt. Das„ enge Haus", von dem Goethe Mephisto fprechen läßt, ist gleichsam noch fleiner, noch enger geworden.
Luxus in alter Zeit.
I
Daß die Urne das gegebene Gefäß für die Aufbewahrung des Bur Asche verbrannten Körpers ist. haben die Leute der grauen Borzeit johon empfunden und die Ausgrabungen in allen Beltteilen zeigen, mie früh man zur fünstlerischen Gestaltung des Rohstoffes geschritten ist. Ursprünglich war die Urne der Aschenbehälter, später
Urnengrabsteine aus der Zeit um 1800.
Der fort und fort die harte Pflicht gebot, It's Kampf der Arbeit, ist es Kampf ums Brot, Zum Grab geliebte Menschen zu geleiten.
Den Tolen Ehre! Doch wir wollen leben! Wir rufen es an diesem dunklen Tag, Daß fteter Wille uns befeelen mag, Zu leben in der Herzen heißem Schlag. Zur Lust am Sein soll sich der Geist erheben. Wohl mag uns Leid bedrücken und beschweren, Dach bleibt der Schmers, wenn wir zum Grabegehn. Doch soll der Schreur lebendig vor uns stehn: Wir wollen über Gräber auficärts jehn! Im Kampf fürs Leben laßt den Tod uns ehren!
H.D.
zieft auf die Weihrauchverschwendung hin, wenn er z. B. von einem Günstling Kaiser Domitians berichtet, daß er stärker als zwei Leichenbegängnisse" geduftet habe. Bei der Verwendung von Urnen maren solche aus Gold und Gilber selten, aber kostbare Steine und Glasarbeiten machten in Verbindung mit der künstlerischen Darstellung der Behälter der Asche wertvoll. Eine goldene Urne mar die in dem Postament der Ehrensäule beigesetzte Aschenurne Trajans. Bon Urnen aus orientalischem Alabaster und farrarischem oder thafischem Marmor ist dagegen oft die Rede. Zu den schönsten Glasarbeiten des Altertums gehört eine in einem Grabe zu Pompeji gefundene gläserne Aschenurne mit meißen erhabenen Figuren auf dunkleblauem Grunde, die eine Weinlese darstellen. Mit der bisher beschriebenen Pracht war aber nur der Charafter der eigentlichen Bestattung gekennzeichnet ihren Abschluß fand diese in der Errichtung eines Mausoleums, das die Bedeutung des Berstorbenen auf ewige Zeiten" dartun sollte. Eitles Beginnen nur ganz vereinzelt haben sich die Grabmäler erhalten und das Wort Martials ist in Erfüllung gegangen, daß man seine Gedichte noch lesen wird, wenn die hohen Marmordenkmäler seiner Zeitgenossen zu Staub zerfallen sein werden. Nach der Einführung des Christentums verschwand die Sitte der Berbrennung der Leiche die ein fache Bestattung der ersten Christen machte dann nach Errichtung der Kirchen der Beisetzung in. nder an der Kirche mit einem je nach dem Ansehen und dem Vermögen des Verstorbenen prunkvoll gestalteten Grabmal Play.
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ein Gang durch die Urnenhallen, in denen die Urnen in Nischen offen aufgestellt sind meist umgeben von Kränzen und Blumen, die deutlich zeigen, daß die Teilnahme der Hinterbliebenen auch bei dieser Bestattungsart zum Ausdrud kommen fann. Ueber den feierlichen Eindruck, den die im Krematorium abgehaltene Totenfeier und das Abschiednehmen von Verwandten und Freunden von dem sich herabfenfenden Sarge hervorruft, herricht heute tein Meinungsstreit mehr eine solche Feier ist meist erhebender als die am offenen Grabe im Freien, über dessen Erdhügel der Wind die freischenden Töne des Weltstadtgetriebes tahinbrausen läßt.
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Die praktische Seite der Feuerbestattung soll zum Schluß noch gestreift werden. Bekannt ist, daß eine bei Lebzeiten vor einer Amtsperson abgegebene Erflärung des Verstorbenen vorItegen muß, daß ferner eine Besichtigung der Leiche durch den Kreis: arzt zu erfolgen hat. Die Aschenfapfel bleibt unentgeltlich drei Wochen vom Tage der Einäscherung an gerechnet, zur Verfügung. der Angehörigen in dieser Zeit dürfte die Frage, ob Unterbringung in einer Urnenhalle oder auf einem Kirchhoj, zu lösen sein. Bei Beisetzung in der Urnenhalle wird die Aufbewahrung für eine: Seitdauer von 29 Jahren ausgesprochen die Preise sind 60 resp. 80 M. für die ganze Zeit. Bei Beerdigung wird ein für acht Afchentapfeln genügender Raum mit 59 bis 86 m. bered; net. Gine Urne wird, wie schon bemerkt, auch auf dem Friedhofsplay sich stets als die zweckmäßige Krönung eines Denkmals erweisen. Die Aschenkapsel kann dabei entweder in dem Bostament oder in der rne felbst aufbewahrt werden. Auch die Einfügung einer zweiten Aschenkapsel in die abschließende Urne ist gestattet.
Rarit, auch auf
Mit der wachsenden Zahl der Bewohner ging die Möglichkeit verloren, in der Kirche bestattet zu werden, und große Grabstätten, Friedhöfe wurden geschaffen. Jede Generation hat neue hinzufügen und ihre Wohnungen um diese Stätte des Todes bauen müssen. Der plaffische Schmud früherer Monumente murde zur Fabritmare, die wenigen guten Denkmäler gingen in der Masse hoher Kreuze und banaler figürlicher Darstellungen unter. Die 11 rne hat allerdings ihres Charafters als Aschenbehälter ent fieidet in diesem Chaos von unschönen Denkmälern eine Sonderstellung behauptet. Gerade in der Barodzeit wurde Die neue Urnenhalle im Krematorium Wilmersdorf
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