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Die Miedvvlsge VArskiev�s. Die Kolonialfalle" hat wieder ein großes Opfer gepackt. Die Katastrophe, welche lange über der italienischen Armee unter Baratieri hing, ist hereingebrochen; Baratieri ist aufs Haupt geschlagen und es fragt sich jetzt blas, ob die Trümmer der geschlagenen Armee noch zu retten sind. Ans dem Gewirr der Nachrichten, die obendrein von der Regierung Crispi's ver­stümmelt und gefälscht sind, ist kein sicherer Ueberblick zu ge- Winnen. Wir wissen nicht, ob Baratieri. um sich durch einen Verzweiflungsstreich aus der Schlinge zu ziehen, einen Generalangriff auf die abessynische Armee versucht hat, oder ob er angegriffen wurde. Die Organe Crispi's scheinen den unglücklichen General zum Sündenbock machen zu wollen ein Grund mehr zum Mißtrauen gegen alle Depeschen aus Rom . Für Crispi handelt es sich jetzt um Sein oder Nichtsein. Morgen Donnerstag tritt die italienische Kammer wieder zusammen. Statt des großen Siegs, den er sich bei Baratieri bestellt der Verdacht liegt nahe, daß er diesen zum Angriff gehetzt hat tritt er vor die Kammer mit der Hiobspost einer Niederlage, wie sie in diesem Umfange noch von keiner europäischen Armee in Afrika erlitte» worden ist denn bei den früheren Katastrophen dieser Art bestanden die geschlagenen Armeen stets zum weitaus größten Theil ans Eingeborenen in europäischen Diensten. Die Aufregung ist groß und der Sturm wird sofort über das Haupt Crispi's hereinbreche», um den seine tugendhasten deutschen Be- wunderer schon zittern. Es liegen u. a. folgende Depeschen vor: M a s s a u a h, 2. März, nachm. 3 Uhr 15 Min.(Meldung der(Crispi-osfiziösen)Agenzia Stefani".) General Baratieri be- schloß, wie er aus dem Lager telegraphisch mittheilt, am 29. Februar abends die Siellungen der Echoaner am 1. März morgens in drei Kolonnen anzugreifen. Auf dem linken Flügel stand die Kolonne des Generals Albertone aus 4 Bataillonen Ein- geborener und 4 Gebirgsbatterien bestehend. Das Zentrum nahm die Brigade des Generals Arimondi ein. Auf dem rechten Flügel stand die Brigade des Generals Dabormida mit 4 Gebirgs- datterien. Die Brigade des Generals Ellena mit den Schnellfeuer- batterien bildete die Reserve. Die Spitzen der Kolonnen erreichten die Wege nach Adua und besetzten dieselben ohne Kampf. Die Kolonne Albertone befand sich beim Vormarsch auf Abbacarima bald im Gefecht mit der ganzen schoanischen Armee. Die Kolonne konnte sich jedoch gegenüber den überlegenen feindlichen Streitkräften nicht lange halten und mußte die Brigade Arimondi heran- ziehen, welche aus dem Zentrum herangerufen wurde, um den Rückzug der Kolonne Albertone zu decken. Die Kolonne Albertone konnte wegen ihrer zusammengedrängte» Stellung nicht mehr vollständig ihre Streitkräfte an sich ziehen. Unterdessen wurden die Angriffe der Echoaner ans die ganze Front immer heftiger; die Echoaner überflügelten die Italiener von rechts und links, so daß die Italiener ihre Stellungen ver- lassen mußten. Wegen der sehr großen Terrainschwierigkeiten konnte die Gebirgsartillerie nicht fortgeschafft werden. Bisher sind noch keine Einzelheiten über die Verluste der Italiener be- kannt. Die italienischen Korps zogen sich bis hinter die Belesa zurück. Rom , 3. März, Nachm. 12 Uhr 30 M. Die Nachrichten aus Afrika haben einen schmerzlichen Eindruck gemacht, die Stimmung des Publikums ist aber gefaßt. Bisher hat keine Zeitung besondere Ausgaben veranstaltet. Der Minister- rath ist soeben zusammengetreten, um über die Lage zu be- rathen. Rom, 3. März. Die Morgenblätter besprechen die letzten Nachrichten aus Maffauah. DerPopolo Romano" meint, der unvermuthet gefaßte Entschluß des Generals Baratieri, den Feind, den er in von Natur sehr festen Stellungen wußte, anzu- greifen, ohne neue Verstärkungen abzuwarten, sei unerklärlich. Man müsse glauben, daß General Baratieri, da er von der un- mittelbar bevorstehenden Ankunft des Generals Baldiffera Kenntniß hatte, der Versuchung unterlegen sei, sich vor der Ankunft des Generals Baldiffera durch irgend eine große militärische Unternehmung hervorzuthun. Die Lage des Expeditionskorps sei natürlich eine schwierige ge- worden, und, um sich aus derselben zu befreien, bedürfe es großer Kaltblütigkeit des Oberkommandos in Afrika und großer Energie der italienischen Regierung. Das Blatt glaubt, daß das Expeditionskorps sich nach Coatit oder vielleicht nach Asmara zurückzieht. Das Blatt erfährt ferner, General Lamberti sei nach Asmara abgegangen. DerMessaggero" sagt, General Baratieri habe waghalsig nach seinem Kopfe gehandelt, indem er vor dem Rücktritte von dem Oberbefehl über die Truppen sein Glück versuchen wollte. Rom , 3. März.El Esercito" schätzt, daß von italienischen Truppen 15 0(30 Mann und 10 Gebirgsbatterien mit 52 Geschützen am Gefechte theilgenommen haben.Fanfulla" sagt, der größte Theil der Geschütze müsse wohl vordem Rückzugeunbrauchbargemacht oder in die Schluchten gestürzt worden sein.El Esercito" behanplel, die Schoaner hätten die italienischen Truppen aus dem Rückzüge nicht verfolgt. General Baldiffera werde morgen in Maffauah eintreffen. Nach derFanfulla" und demEsercito " würde der Jahrgang 1872 zu den Waffen einberufen werden. Die Tribuna" erklärt, das Parlament müsse die Angelegenheit mit Ruhe berathen. Die Bevölkerung ist schmerzlich bewegt, aber ruhig; die Stadt zeigt ihr gewohntes Aussehen. Nolikifcho Aebev�rhk. Berlin , 3. März. Der zweite Tag der Znckerdebatte im Reichstage wurde vom preußischen Landwirthschasts-Minister von Hammer st ein-Loxten mit einer IV�stündigen Rede eingeleitet, in der er den Agrariern trotz all ihrer Zirkus- scherze soviel Liebes und Gutes sagte, daß er dafür ein laut- tönendes Bravo erntete. Mindestens während des Zucker- krieges werden sie ihn nicht mehr auffordern,noch sonst was" zu thun; er thut für sie schon so viel, daß ihm zu thun wirklich nichts mehr übrig bleibt. Dann kam der konservative Abgeordnete v. Puttkamer-Plauth. Seine Rede wirkte noch abstoßender wie die dreistfröhliche Begehrlichkeit der Prämienritter; er wollte verschämt thun, sprach davon, daß die Industrie die Prämien nicht gern nehme und nur, weil sie müsse, dabei zeigte er aber genau dieselbe starke Liebesgaben- Bedürftigkeit wie irgend ein anderes Mitglied vom Stamme:Nimm die Prämien, wo Du sie kriegen kannst." Ja, er verstieg sich sogar zu dem Wunsch, der Bundesrath solle die Vollmacht erhalten, die Prämien sofort zu erhöhen, wenn etwa andere Staaten jetzt Kampf- Prämien ihren Produzenten gewähren würden. Graf Posadowsky , dem die Angriffe Richter's wie es scheint eine schlaflose Nacht bereitet hatten, ließ von deranato- mischen Ruhe", die er gestern erfand, beute nichts merken; er erwiderte nervös und gereizt und vergaloppirte sich dabei zu dem Zugeständniß, daß die Landwirthschaft Geschenke vom Reichstage bekomme denn er warf dem Abg. Richter vor, daß dieser und die Linke der Landwirthschaft ja nichts geschenkt habe, da sie gegen jedes bisherige Branntwein- und Zuckersteuergesetz gestimnit hätten. Dann sang er noch das hohe Lied von der Rübe und der Kultur, die sie verbreite, dem Segen, den sie dem Lande bringe, setzte sich dann zufrieden nieder und strich seine langen Bartkoteletten, bis ihm unser Ge- nosse Bock zeigte, welche Stimmung im Lande bei den großen Massen durch dieses Zuckervertheuerungs-Eesetz und die ganze Liebesgaben-Politik hervorgerufen werde. Das war die Kehrseite von der Medaille! Das Elend der Ar- beiter in den Rübenzucker-Fabriken, das auch in den Be- richten der Gewerbe-Jnspektoren als ein kaum noch zu steigerndes geschildert wird, die Milliarden, welche aus den Taschen der ärmsten Bevölkerung den Agrariern von jeher zugewendet werden, sanden an Bockeinen beredtenSchilderer. Die Rechte war während Bock's Rede am Büffet versammelt, um dort das Gedeihen des Zuckervertheuerungs-Gesetzes kräftiglich zu begießen; es war dies auch für sie eine angenehmere Be- schäftigung, als sich die ihnen sehr unbequemen Wahrheiten anzuhören, die Bock zu hören gab, sojsu. a.:Wenn ein armer, zerlumpter Arbeiter einem solch' vornehmen Herrn einen Thaler schenken wollte, würde es gewiß als Be- leidigung betrachtet werden; sich aber mit Staatshilfe einen Thaler von jeder Familie durch die Zuckervertheucrung herausquetschen zu lassen, das ist vornehm und staats- erhaltend!" Der pfälzische Zentrums-Süßraspler Schädler ver- suchte vergeblich Bock's Einwürfe abzuschwächen. Da Schädler sich offenbar um die Arbeiterverhältniffe in den Zuckerfabriken noch nicht gekümmert hat, waren ihm Bock's Mittheilungen darüber fast unglaublich, und schließlich meinte er, dann müßten wir ja erst recht für die Zucker- steuer-Erhöhung stimmen, damit die Fabriken in die Lage kämen, höhere Löhne zu zahlen! O, wenn Tu geschwiegen hättest. Du wärst ein Philosoph geblieben! Die erbärmlichste Ausbeutung der Arbeiter und Arbeiterinnen fand ja gerade zu jener Zeit statt, wo die Zuckerfabriken in hohen Divi- denden schwelgten und 40 und 60 pCt. ihren Aktionären gaben! Erst durch die Umänderung der Gewerbe-Ordnung sind wenigstens die Arbeiterinneu etwas vor der brutalen Habgier geschützt worden! Im übrigen that Schädler so, als ob er nicht ganz für das Gesetz zu haben wäre. Er vertritt die Schacherpolitik des Zentrums, die sich durch scheinbaren Widerstand und etwas Herunter- handeln den Anschein der Volksfreundlichkeit geben will. Man merkte seiner Rede an, daß er, wenn er so könnte, wie er wollte, überhaupt uicht für die Vertheuerung zu haben wäre. Aber der Bien muß! Auch in der Zentrums- Partei sitzen Hörige der Agrarier und Schädler ist einer der Hörigsten! Morgen Fortsetzung der Berathung. Das preußische Abgcordnetenhans hat am Dienstag end- lich die zweite Lesung des K u l l u s e t a t s so weil gefördert, daß der TitelMinistergehalt" bewilligt wurde. Freilich be- durfte es erst einer Drohung seitens des Präsidenten, daß er Abendsitzungen anberaumen werde, wenn keine Aussicht sei, daß der Kullusetat bis zum Ablauf der Woche zu Ende kommen wird. Die Herren werden also ihre Redelust etwas eindämmen und sich mehr an die Sache halten müssen, wenn sie der Be- flrafung mit Abendsitzuugen aus dem Wege gehen wollen. Heute verstieg sich das Gezänk der staatserhaltenden Parteien zu einer Debatte darüber, wer von ihnen am meisten zum Wachsen der Sozialdemokratie beigetragen habe. Der national- liberale Abgeordnete Friedberg bezeichnete daS Ver­halten des Zentrums bei der Dortmunder Wahl als politische Heuchelei. und das Zentrum rächte sich für diesen Vorivurs dadurch, daß es durch den Mund des Abg. Dasbach verkünden ließ, die Nationalliberalen seien vielfach bei Wahlen mit den Sozialdemokraten zusammengegangen. Nun werden unsere Genoffen wohl ganz genau wissen, wem sie ihre Erfolge zu danken haben. Natürlich verzapste auch der jetzt wild" gewordene Herr S t ö ck e r seine Weisheit. Er forderte wiederum ein Volksschulgesetz zur Abwehr der umstürzlerischen Bestrebungen, die in Deutschland so gefährlich wären, weil sie langsam alle Schichten des Volkes durchdringen. Jedenfalls kann unsere Partei mit der heutigen Debatte zufrieden sein. Morgen wird die Berathung fortgesetzt. Der deutsche Arton", wie der flüchtige Friedman« fortwährend von den französischen Blättern genannt wird, giebt sich außerordentliche Mühe und es fehlt ihm dabei nicht an einflußreicher Unterstützung die Verbreche», wegen deren seine Auslieserung verlangt wird, als politische hinzustellen. Wenn es wahr ist, was uns mitgetheilt wird, daß er im Besitze des ganzen auf die Kotze-Affäre befindlichen Materials sei, dann dürfte allerdings in gewissen sehr einflußreichen d eutschen Kreisen der Wunsch erwacht sein, mit Herrn Friedmann lieber einen Vergleich zu suchen, als auf seiner Auslieferung zu bestehen. Ausfällig und erwähnenswerth sind zwei Thatsachen: Der Advokat, welcher in Bordeaux die Sache Friedman«'? führt und, wie uns aus absolut sicherer Quelle mitgetheilt wird, einer der angesehensten Rechtsanwälte von Bordeaux ist, hat in einem Rathe der Kollegen die feste Ueberzeugung ausgedrückt und den meisten seiner Kollegen beigebracht, daß die Auslieferung Friedmann's unmöglich sei, und er hat sich mit dem ganzen Material nach Paris zur Regierung begeben. Die zweite Thatsache ist. daß Friedmann von irgend einer Seite genügende Geldmittel zur Verfügung gestellt sind, nm alle Geldsummen, um welche er seine Gläubiger betrogen oder geschädigt haben soll, sofort zu bezahle». Das Geld liegt parat. Taraus folgt, daß es ihm an Freunden und Gönnern nicht fehlt. Von einem Bündnitz zwischen Spanien und Frankreich fabeln chauvinistische Kannegießer. Die Spanier , so wird uns vorgeredet, wollten den Franzosen einige kleine Kolonien abtreten, wenn sie ihnen gegen die Vereinigten Staaten von Nordamerika helfen wollten. Besagte Kanne- gießcr wissen nicht, daß die große amerikanische Republik mit Hilfe der Franzosen gegründet wurde und daß seit die Vereinigten Staaten bestehen, sie von jedem Franzosen gewissermaßen als Tochterstaat, oder richtiger, wie die Dinge jetzt stehen, als Schwesterstaat Frankreichs betrachtet werden, mit dem ein Krieg einfach unmöglich. Räumte doch sogar Napoleon der Dritte vor dreißig Jahren Mexiko , nur nm einem Konflikt mit den Vereinigten Staaten aus dem Wege zu gehen. Das amerikanische Nepräsentantenhaus ist dem Beschluß des Senats zu gunstcn der Kubaner bei- getreten. Man telegraphirt darüber: Washington , 3. März. Unter tosendem Beifalls- jubel der Gallerien, den der Sprecher einzudämmen sich vergebens bemühte, hat das Repräsentantenhaus in seiner Abendsitzung mit erdrückender Mehrheit 263 gegen 16 Stimmen den am Freitag im Senat an- genommenen Antrag betreffs der Anerkennung der kubanischen Republik zum Beschluß erhoben. Nur die Stelle im Wortlaut des Beschlusses, durch welche den« Präsidenten die Unterstützung des Kongresses zugesichert wurde, ist gestrichen und zwar geschah das des- halb, weil der gesetzgebende Körper entschlossen ist, alle»othwendigen Maßregeln selbständig zu dekretiren. Der Staatssekretär Olney hat sich mit der vom Gesandten Delome gegebenen Erklärung über den der amerikanischen Flagge in Barcelona angethanen Schimpf als zusriedengeftellt erllärt und dem Gesandten Taylor in Madrid gekabelt, er möge die spanische Regierung dahin benach- richtigen, daß man in Washington das prompte Desavouö Spaniens wohl zu schätzen wisse. Es haben nun beide Häuser des Kongresses sich für den kubanischen Ausstand erklärt, und, wenn auch der Präsident sich noch zurückhalten sollte, so ist doch der Welt kundgegeben, daß die ungeheuere Mehrheit des amerikani- schen Volkes für die Lostrennung Kuba's von Spanien ist. Und das ist an sich schon ein so großes moralisches Gewicht, daß das schwache Spanien außer stände ist, ein Gegengewicht zu schaffen. In Spanien herrscht große Erregung, allein in das Unvermeidliche wird man sich zu fügen haben. Je eher man den Gedanken der Lostrennung ins Auge faßt, mit desto geringeren Opfern kann sie vollzogen werden. Freilich sie bedeutet vielleicht eine Revolution. Chronik der Majestätsbeleidigungs- Prozesse. Dem wegen Kaiserbeleidigung zu 1 Jahr Gefängniß in Weißen- fels verurtheilten Kleiderhäudler Franz Zehs che ist es ge» lungen, die Wiederaufnahme des Verfahrens zu erzielen. Er ist, nachdem er schon mehrere Monate der Strafe verbüßt hat, auf freien Fuß gesetzt worden. Z. glaubt den Nachweis erbringen zu können, daß der Belastungszeuge falsch geschworen hat. Wegen Majestälsbeleidigung hatte sich vor der Gießener Strafkammer der Arbeiter Leonhard Heinlein zu ver- antworten. Ter schon mehrfach Vorbestrafte soll die Beleidigung am Geburtstage des Großherzogs im Provinzialarresthaus be- gangen haben. Er wurde zu drei Monaten Gefängniß ver- urtheilt. * Deutsches Reich . Aus recht unzuverlässiger polizeilicher Quelle durfte die folgende, von den meisten Blättern kritik- los nachgedruckte Notiz desHamb. Korr." stammen. Dieselbe lautet: Diebstahl geheim« Erlasse. Die Thäter des Diebstahls des kaiserlichen Gnadenerlasses an die Armee sind be- kanntlich ermittelt worden und geständig, die Vorgänge bei ihrer Verhaftung selbst sind bekannt. Es wird uns hierzu aber des weiteren geschrieben: Der Gang der Untersuchung hat ergeben, daß eine Bestechung zur Ausführung des Diebstahls nicht»ach- gewiesen wurde» daß dagegen eine förmliche Verbindung zur Vollführung solcher Bubenstreiche besteht. Diesmal war der Plan gut überlegt. Ueber der Druckerei von Mittler befindet sich seit Jahren im dritten Stock die Buchbinderei von Cammer«. Ueberlieferungsgemäß Hilst die Buchbinderei, da es in der Druckerei dafür kein Personal giebt, Mittler u. Sohn beim Falzen desArmee- Verordnuugs- blattes" durch Buchbinder aus. Beide Geschäftsstellen sind durch eine gemeinsame Treppe untereinander verbunden. Als nun einer der drei Belheiligten, Hillat, Schunet, Jetsche, zur ge- wohnten Stunde sich zum Falzen in die Druckerei begab, trat ein zweiter alsVerbindungsmann" auf die Treppe, während der dritte vom Treppeneingange zur Buchbinderei aus die Beobachtung versah. In einem geeigneten Moment er- Iheilte der letzte dem Mittelmann verabredetermaßen einen Wink, dieser dem Falzer, worauf die betreffende Nummer ihren Weg über die Treppe in die Buchbinderei von Cämmerer machte. Der Beobachtungsinann lieferte dasArmee-Verordnungsblall" sogleich an denVorwärts" und zwar an Dr. Braun ab und war bei der Vernehmung erstaunt, daß Dr. Braun ihn, wie er ausgesagt habe, nicht kenne. Dieser Widerspruch in beiden Aus- sagen war die Veranlassung, daß Dr. Braun längere Zeit in Haft gehalten wurde. Cs liegt also Diebstahl und Hehlerei vor. Ein Vertreter des Kriegsministeriums wird zugezogen werden. um zu begutachten, ob alle Schutzanordnungen, die beim Druck geheimer Erlasse zu beobachten sind, getroffen waren. Liegt nun auch keine Bestechung vor, so ist die Rolle des Vorwärts" doch hinreichend gekennzeichnet, und er wird nun niemand mehr täuschen, um den Eindruck zu erwecken, als ob hohe geheime Verbindungen zu ihm führten, und dadurch seine» Abonnentenstand erweitern. Man weiß jetzt, woher der Wind bläst, der ihm geheime Papiere angeblich aus seinen Schreiblisch weht. Es kann natürlich nicht ausbleiben, daß das Kriegs» Ministerium sich in Zukunft vor Wiederholungen derartiger Bubenstreiche zu schützen suchen wird." Es ist bezeichnend für die Blätter, welche sich nicht genugsam über die ihnen etwa? gar zu rasche Berichterstattung des Vorwärts" entrüsten, daß sie auS dem Gange eines noch nicht abgeschlossenen Gerichtsverfahrens ununterbrochen Mittheilungen und noch dazu gefärbte und gefälschte bringen. Wir beschränken uns blos auf zwei Berichtigungen der vor- stehenden gemeinen Auslassung: 1. Es bestehen keinerlei Ver- bindungen desVorwärts" zur Erlangung geheimer Aktenstücke; demVorwärts" fallen diese, ohne daß er den Finger rührt, in den Schooß. 2. Unserem Redakteur Dr. Braun war der Ueber- bringer desMilitär-Verord inngsblatles" vollständig unbekannt, von seinem Namen und sein« Stellung erhielt er erst nach seiner Verhaftung Kenntniß. Wir sind neugierig, ob derHamburger Korresp." und die Zeitungen, die so begierig dessen Notiz abdruckten, auch von dieser Richtigstellung Notiz nehmen werden. Zum ambulanten Gerichtsstand der Presse. In derDeutschen Juristen-Zeitung" äußert sich Rechtsanwall Dr. Staub zu der vomVerein Berliner Presse" an den Reichstag gerichteten Petition um Aufnahme einer Be- stimmung in die Strasprozeß-Novelle, durch welche der ambulante Gerichtsstand beseitigt wird, folgendermaßen: Den Gesetzgeber der Strasprozeß-Ordnung, der neben dem allgemeinen Gerichts- stände des Wodnsttzes des Thätcrs den Gerichtsstand der be- gnngenen That aufgestellt hat, leitete hierbei die wohlbegründete Meinung, daß an diesem Orte der Thatbestand meist besser geprüft und verständnißvoller beurtheilt wird. Aber diese Voraussetzung paßt bei Prcßdelikten lediglich auf den Ort der Ausgabe der Druckschrift. Dort laufen die geistigen Fäden der Druckschrift zusammen, die Anschauungen jenes Ortes sind es, die für die gerichtliche Beurtheilung des Preßdelikts maß- gebend sind. Durch die Etablirung von t a u s e n d e n und abertausenden von zulässigen Gerichtsständen werden die Männer der Presse gegen alle übrigen Staatsbürger in unermeßlichen Nach- theil gesetzt, ohne daß ein gesetzgeberischer Grund zur Statuirung solcher Rechts»»gleich- heit bestände. Die Nothwendigkeit eines Reichs-Vereins» und Versammlungsrechtes erörtern heute dieBerliner Neuesten Nachrichten". Ihr Standpunkt wird durch jolgeude Sätze charakterisirt: Jeder Versuch einer Neugestaltung des Vereinsrechts ans einheitlichem Grunde würde von dem Gesichtspunkte der Ein- schränkung an sich zulässiger Freiheiten ausgehen müssen, um der Sozialdemokratie die Hinterthüren zu verriegeln." Es«giebt sich ans dem Gesagten von selbst, daß eine Re- form nur unter der Vorbedingung einer Aussonderung der Sozialdemokratie aus dem Verbände der bürgerlichen Gesellschaft ausführbar wäre. Ohne ein Ausnahmegesetz, welches die Sozialdemokratie des Antheils an den rechtlichen Wohlthaten der übrigen Gesellschaft in poli- tischer Hinsicht beraubt, wird die bürgerliche Gesellschaft ans jede weitere Entwrckelung ihrer Einrichtungen gemäß dem Fortschreiten des Kulturlebens überhaupt verzichten müssen. Das gilt nicht nur von dem öffentlichen, sonder» stellenweise auch vom private» Rechte, wofür das Bürgerliche Gesetzbuch ein gerade für unser Theina bemerkenswerthes Beispiel bietet. Jedes Wort der Kritik zu diesen Aeußerungen ist überfliissig. Herr Stöcker erklärt jetzt, daß er bereit war. die Kröcher'sche Abänderung seiner Erklärung, nämlich seine Be- zichungen zumVolk" abzubrechen, bis das Blatt die von ihm bezeichnete Linie innehalte, nicht blos vor dem Eljer»