Vieusiag 21. Januar 1930
Unterhaltung und Wissen
Beiloge des Vorwärts
Ji.t&fdiebiilSE:
(Moderner Aberglaube
Als nach den Vorgängen von Hydesvill« im Jahre 1848 das sogenannte Tischrücken sich gleich einer Epidemie über ganz Europa verbreitete� galt es beinahe zum guten Ton gehörig, dieses neue Tesellschastsspiel zu betreiben. Nun, wenn man sich imr an dem Älopfen und Tanzen der Tische erfreut hätte, so wäre es nicht io ichUmm gewesen. Doch bald wurde es anders. Es wurden Zirkel gegründet, der Offenbarungsspiritismus hielt seinen Einzug. Durch eine lawinenartig anschwellende Lttcratur kam es schließlich so wett, daß der Spirttismus heute im Deutschen Reich allein Millionen Anhänger zählt, die sich in der Hauptsache aus der großen Mass« der Halb- und Ungebildeten rekrutieren. Das Tischrücken sand bald in dem sogenannten automatischen Schreiben eine Konkurrenz. Doch auch hier machte sich der Wunsch nach Vereinfachung geltend, und es tauchten die sogenamuen „Sprechmedien" auf, die diese bequeme Art, die Geister sprechen zu nassen, dem Tischrücken vorzogen. (Bcmze Bibliotheken ließen sich mit den Niederschriften der Trancersden der verschiedenen Medien füllen. Ich habe in einer großen Anzahl von spriritistischen Sitzungen die Erbauungsreden, Gedichte und Prophezeiungen der verschiedenen Medien niedcrge- schrieben. Nie ging das Gesagte über den Bildungsgrad des Mediums hinaus. Jedenfalls lag die Notwendigkeit,«ine höhere Intelligenz anzunehmen, in keinem Falle vor. Denn selbst dann, wenn nach Aussage der Zirkeltellnehmer ein« höheres Niveau erreicht wird, ist für die spiritistische Hypothese noch immer kein Grund vorhanden. Es gab einmal eine Köchin, die sogar Verse aus Homer im Urtext hersagt«. Diese merkwürdige Tatsache veranlaßte den Genfer Psychologen Elaparäde, lange Zell dem Studium der Seelenzuftände dieser einfachen, schoinbar unkomplizierten Person zu widmen. Da stellte sich vor allem heraus, daß Fähigkeiten des spontanen Somnambulismus vorhanden waren. Das Mädchen konnte Zustände, in denen das Oberbewußtsein schlief und das Unterbewußt- lein selbständig tätig war, willkürlich wie unwillkürlich hervorrufen. Ferner konnte festgestellt wevdcn, daß es einmal bei einem Pfarrer in Stellung war. Dieser hatte die Gewohnhest, sich selbst gelegent- lich Verse aus dem Urtext von Homer vorzudeNamieren. Nun war es Claparede klar, wie die Köchin in ihrem Unterbewußtsein die griechischen Kenntnisie erworben hatte. In den 30 Iahren. die ich dem Studium des Okkultismus widmete, lernte ich viele Medien kennen. Berühmte und solche, deren Ruf über die engen Grenzen ihres Wirkungskreises nicht hinaus- ging. Da fand ich denn bei fast allen eine gewisse moralische Minder- wertigtest, den Hang zum Fabulieren zu täuschen. Selbst Per- sanen aus sehr achtbaren Familien machten, sobald sie sich als Medien betätigten, in dieser Hinsicht kein« Ausnahme. Lebhaft erinnere ich mich noch an die Sitzung mit dem bc- kühnsten Medium Frau S. Anwesend waren Frau S., das Medium. chre Sohne, zwei reckst-' aufgeweckt aussehende.. jlwge Lvate. �jwej Aerzte, ein Offizier, ein ehemaliger katholischer Priester samt Frau, zwei Damen m Trauer, der sich sehr selbstbewußt gebärdende Zirkel- leiter und meine Wenigkeit. Man saß in der Mehrzahl um einen mittelgroßen Eßtisch und sprach über die herrlichen Ergebnisse trüherer Sitzungen. Di« natürliche Folge dieser Unterhaltung war hie für spiristiscke Phänomene so notwendige suggestive Atmosphäre. Plötzlich erlönten. scheinbar aus dem Innern der Tischplatte kam- meist,, laute Klopflaute. Sosort verstummten die Gespräche und machten einer feierlichen Stille Platz. Der dem Medium gegenüber- sitzend« Zirkelleiter spricht salbungsvoll„Gott zum Gruß!", gleich- zeitig mit dem Knöchel des rechten Zeigefingers auf den Tisch klopfend! Die Sitzung war eröffnet, der Geist da. Sofort werden Fragen gestellt und durch den bekannten spinstischen Signalkodex ebensalls mit Älopflauten beantwortet. Plötzlich ruft jemand:„Es regnet!" und tatsächlich ist die Tischplatte mit seinen Wasiertröpfchen vedeckt. Di« Stimmung wird immer exallierter. es werden auch Berührungen an den Beinen gemeldet, während Klvpflante mit dem Auffliegen der Tischplatte abwechseln. Ich neige meinen Kopf ganz
nahe zur Tischplatte, um mein« Hände, falls auch ich an den Beinen berührt werden sollte, griffberest zu haben. Schon in der nächsten Minute sühle ich tatsächlich eine Berührung am rechten Knie und habe, sofort zugreifend, die Spitze des mst einem Filzpantossel bekleideten„Gcisterfußes" zwischen den Fingern meiner rechten Hand. Leider schloß ich die Hand zu wenig fest, so daß der„Spirit" seinen Fuß„noch rasch zurückziehen" und„dos Pseudopodium demateriali- sieren" konnte. Bald nach diesem Vorfall, der von den Anwesenden unbcmerkl blieb, und nur vom Medium mst einem heftigen Erröten quittiert wurde— die Sitzung sand bei Beleuchtung statt—, entfernten sich besten beiden Söhn«. Kopfschmerzen vorschützend, setzte ich mich, um besser beobachten zu können, auf das jetzt freigeworden« Sofa. Während ich, um bequemer zu sitzen, die neben mir liegenden Kisten zurecht rückte, stoße ich auf etwas Längliches. Hartes, greife zu, und habe den„regenspendenden Geist" in Gestall einer—.Blumenspritze in meiner Hand. Nun ich war froh, unbeobachtet in meiner Ecke zu sitzen, denn ich glaube, in diesem Moment wirklich nicht sehr geistreich dreigesehen zu haben. Das waren also an einem Abend gleich zipci Enttarnungen eines berühmten Mediums, das einige Jahre später sogar nach London berufen wurde und als besonders vertrauenswürdig galt. Es ist für die Offenbarungsfpirittsten bezeichnend. daß sie selbst für die zweifelhaftesten Medien Entschuldi- gungen bereit haben und die unglaublichsten Versuche unternehmen, um ihre schlechte Sache vernünftigeren Menschen schmackhaft zu machen. So gründete etwa vor eineinhalb Iahren«ine reiche norddeutsche Frau, die ihr Geld zwar nickst den Spirits, dafür dem Spiritus verdankt, unbeschwert von jeder Kenntnis der heiklen Materie, in einer ehemaligen süddeutschen früheren Residenzstadt, eine „G. m. b. H.", die neben einem unmöglichen Phantasienamen den bescheidenen Untertitel:„Zentrale für wissenschaftliche okkutte For- schung" führte. Um die Wissenschaftlichkeit des Unternehmens mag- lichst zu wahren, wurde nach einem passenden Leiter Umschau ge> hallen, der sich denn auch nach einigen Monaten in der Person eines kunstgewerblichen, angeblich medial veranlagten Arbesters fand.— Da der gute Mamr auch eine bessere Hälfte aufwies, die sich als Planetenweiblein betätigte, so waren nach Ansicht der Gründerin für das Gedeihen des Unternehmens die günstigsten Auspizien vorhanden. Ich hatte Gelegenheit durch länger Zeil aus nächster Nähe diese sonderbare okkulte Schöpfung zu beobachten. Oft glaubte ich in einem Tollhaus zu sein. Gab's da z. B. ein Medium, das in allem Ernst behauptete, der verstorbene König Ludwig und sein« Gattin wären im Jensests Schlangen. Ein anderes Medium, das in okkulte» Krassen als Heilerin großen Ruf hatte und m» bürgerliche» Leben Köchin war,' zählte mir«mmol die Leiden aujv die mir in kürzeste? Zött bevorstünden. Noch dieser Pythia hatte ich überhaupt kein gesundes Organ mehr. Vom Kops bis zur großen Zehe war alles krank. Mindestens ein halb Dutzend Tees wurden mir ver- ordnet, mißer den anderen äußerlich vorzunehmenden Prozeduren. Da gibt es Kristallkugeln zum Hellsehen, magische Spiegsl, siderische Pendel, Apparate zum Verkehr mit den Verstorbenen, okkult« Parfüms, Räncherpulver zum Bertreiben der Dämonen, sowie die unglaublichsten Bücher. Jeder Gymnasiast kann sich Pro- schüren über„Sexuolmagie" kaufen. Auch Anlettunaen zum Zitieren von Dämonen sind für jedennann zu erwerben. Moderner Aberglaube! Volksvergiftung und Verdummung in aller Oeffentlich- lest! Hunderte von Männern und Frauen jeden Alters gehen täg- lich an dieser Brutstätte des Aberglaubens vorbei. Aber auch so mancher hinein. Es sind dies meistens Menschen in seslischer und materieller Not. Erleichtert oft um die letzten Pseimige, beladen mst einer Unzahl von Prospekten, verlassen diese bedauernswerten Opfer dieses Tollhaus und tragen ihrerseits zur Verbreitung des schwärzestens Aberglaubens bei.
! Am Abend kam das Mädchen. „Zum Teufel geh, geh doch zum Stephan!" „Janas, hilf mir. Ich weiß nicht, wie ich dazu kam." „Kann mir das nützen'?" „Der Zigany spiest« im Hof. Er spielte lang und dann kam Stephan. Und dann Horwath. Abgekartet war olles." „Geh nur zum Teufel. Fertig sind wir" Das Mädchen wankte daoon. Lange sann Janas. Stephan? Ein mißratener Hund ist er und keines Stiches wert. Der Zigeuner? Wer will Zigeuner fassen? Wofür? Daß er spielte, der Gekaufte? Also Horwath. Gut hat sie ihn in das Gesicht geschlagen, seine Anusch, und zum Gespött gemacht! Das war seine Rache. Aber er soll nicht. Janas ging zur Schenke. Da saßen sie schon.„Ei. Ianosl Freust du dich sehr?" „Was geht es mich an? Fertig sind wir, mag sie mit einem Bock im Stalle liegen!" Wein! Und noch einmal: Wein! Und nun kommt her! Nickas und Andreas und ihr alle. Ist Horwath kein 5)und? Dann steht mir bei! Sie rücken zusammen und ziehen dann kos, in die Werkstatt di« einen, am Dorfrand treffen sie sich. Im Vctt liegt Horwath, der Bauer, und schläft, wie eine fette Bulldogge liegt er und sein Atem geht laut, wenn er die Luft einzieht und ausstößt. Neben ihm liegt die Frau. All ist sie, verbraucht, ganz eingegangen und ihr Schnaufen ist wie das einer Katze Da wird die Tür aufgestoßen. Janas steht da und Nickas und hinter ihnen warten noch zwei Gesellen. „Nun schreie, du Faß! Dann stehen sie draußen und beim ersten Schrei werfen sie Feuer in die Scheunen und in den Stall und dein Hof brennt dir nieder!" Was soll der Wanst machen? Soll er sich wehren? Ach nein, vier sind sie gegen ihn. Wie ein Toter liegt er im Bett, zitternd wimmert die Bäuerin:„Ach Gott , oh Gott, Räuber und Mörder" Sie packen ihn, reißen ihn aus dem Bett, stoßen ihn in die Küche, wo das Gebläse schon aufgestellt ist. dann schüren sie das Feuer. „Wieviel hast du dem Zigeuner gezahll?" „Nichts. Ich kann nicht dafür!" „Wieviel Host du gezahll!" Eine Wut ist in ihnen, der Baue« fühlt, sie schlagen ihn tot. wenn er leugnet. „Fünf Pengö," zittert der Schlauch. Sie legen ihn über den Tisch, sie binden ihn an:„Schreie mir. schrei, es soll dir nicht helfen und du weißt, der Hof!" Einer tritt an das Gebläse, ein Pengöstück machen sie glühend, sie ziehen ihm das Hemd in die Höhe und brennen ihm das Geldstück ins Gesäß. Fünfmal. Nun schreit er doch aus, bäumt sich, zerrt an den Stricken, daß der schwere Tisch rückt und fast umkippt, nichts hilft ihm sein Sträuben, sie brennen es ihm ein, Stück um Stück. „Nun zeige uns an, aber es sind noch andere da und e» geht um dein Leben!" Dann sind sie verschwimdem
Florian Seidl:(JÖCTQ C Uli itg
Josef Horwach war Großbauer,«in hochgewachsener Mann mst einem Wanst, ein Mann, der seine Freude hatte an Fraß und Trank und an de» Weibern . Anusch war Dienstmagd bei ihm. Aniisch war jung und kannte außer ihrem Verlobten keinen Mann. Hör- «ath wollte Anusch. er drang auch zu ihr in die Kammer und fiel üb«? sie her, doch Anusch wehrte sich, schlug ihn ins Gesicht und schrie so laut, daß Leute herzukamen und der Bauer ablassen mußie. Darüber wurde im Dorfe viel geredet. Horwath war voll Zorn.„Das sollst du mir büßen!" Im Dorfe waren Zigeuner . Sie hausten in einem Stall und streiften von da in die Gegend, blieben stehen, wenn ein Bauer vor- über kam und haben die Hände bittend auf:„Gib!" Mit singender Stimme flehten sie, litaneienhast, und mst singender Stimme, wenn sie nichts erhiellen, leierten sie dem Knickrigen Flüche nach:„Der Saft fall dir vertrocknen, du Geiziger, blind sollst du werden!" Sie waren nicht gern gesehen. Horwath ließ den Anführer kommen. So und so. Das will ich von dir. Was verlangst du? lö Pengö. Was. du Hund? Drei sollst du erhalten. Sie fellschten und einigten sich aus fünf Pengö. Was nun folgt, mag unglaubwürdig hallen, wer nie Zigeuner bat spielen hören. Die anderen wissen um die Macht ihrer Geig«, Eines Abends spielle der Anführer auf dem Hofe des Bauern. Er stand unter dem Fenster von Anusch's Kammer. Zigeuner spielen, eintönig und immer dasselbe, es schluchzt auf und sinkt nieder, hebt sich und fällt und du mußt weinen, traurig wirst du und fühlst, du bist allein, in der Stepp«, der Einsamkell, eintönig ist alles um dich. wie das Lied. Zigeuner spielen, in scharfem Takt. Es reißt dich empor, auf dem Roß träumst du dich, es gebt in die Scblacht, du reitest, blind faßt dich der Mut, im Taumel bist du. Wo ist der Feind? Und st« spielen. Es faßt dich, alles Blut— du wehrst dich, aber es geschieht trotzdem mit dir— strömt zur Leidesmiile. heiß wirst du. Sehnen erfaßt dich, nach dem Weib, nach dem Mann, Du hist wie gebannt, gibt es das? Nein, schreit es in dir. Täuschung und Trug'. Dennoch, glühend bist du. magst du dich schämen setzt ver. langst du. sehnst dich. Stach ihm. dem Seliebteu? Stach all«.
irgendeinem, magst du dich schämen, du sehnst dich und mußt dich sehnen. Unter dem Fenster spielte der Zigeuner. Nun war es schon Nacht, ganz ftnster war es und immer noch spiest« der unten, immer noch. wild, rasch. Schwer ist es zu atmen, ausrecht saß Anusch. sie war schon entkleidet. Was ist das mst ihr? Es pocht an die Kammer.„Wer draußen?" Stephan ist es, der Schweinehirt. „Was willst du?".Komm mst hinaus, wir sind alle wach, wir tanzen, der Zigany spiest!" Den Schweinehirt will keine, krumm ist er und stinkt, gering ist er: Schweinehirt! Trotzdem streift Anusch das Kleid über und trist auf den Gang. Draußen wartet Stephan, er legt den Arm um sie, sie duldet es,«r zieht sie hinab, aber vorbei am Hos in den Stall. Sie sprechen kein Wort dabei. Wild klingt die Geige: Ist es nicht Lust? Ja. ja, ja, schreit das Lied. Sie sinken auf die Streu und Anusch hört und fühlt: Lust! Brunst! Umarmen und Vergessen! Da leuchtet es auf, einer Laterne Schein. Horwach steht da und hebt das Licht und zeigt sie, wie sie liegt, die Beine ausgesprcilet, und zwischen ihnen den Schweinehirten. Hinter dem Bauern im Dunkel drängen sich gassendc, breitmäulige Gesichter. Horwath schreit etwas, si« versteht die Worte nicht, hört lautes Gröhlen, sieht, wie der Schweinehirt aufspringt und mit den anderen meckert, st- liegt wie betäubt, ihr Rock ist in die Höhe geschlagen, chre Blöße liegt nackt und alle sehen darauf und zeigen und lachen. Dann verschwindet der Spuk und sie ist allein im dunklen Stall. Das Lied ist verstummt. Ianos war Schmiedegesell im Nachbardorf. Cr war Anusch's Bräutigam. Die Botenfrau kam zu ihm:„Nun. Ianos. du lustiger und junger, ein feines Bräutchen baft du dir ausgesucht." „Schweig. M'schka, ein« böse Zunge hast du. das ist bekannt. Was weißt du von Anusch?" Die Alte kichert.„Sie lag mit dem Schweinehirten im Stall Und ließ- sich von allen dabei zusehen" Ein Stuhl flkg noch, ihr,„Schrpeig und erstick an der eigenenLüge!" Rasch humpest Mschka davon.„Schlecht ist die Well, schlecht ist sie geworden, undankbar sind die Menschen." Und sie bleibt stehen. Höst de» Rächst« tat und beginnt:„Weißt du schon. Zbmsch..
SStühen im Winter Für gewöhnlich bringt der Winter uns nur ein« Art van Blumen im Ueberfluß,— si« duften nicht, sie sind farblos— aber schön sind sie dennoch mst ihrem zarten Geäder und ihren wunder- seinen Linien: Die Eisblumen, die an den Fenstern blühen, ohne unser Zutun, ohne daß wir sie zu begießen und zu pflegen brauchen. Aber sonst sieht es karg mst den Blumen aus zur Winterzeit. Dennoch gibt es für den Blumenfreund auch in den kalten Wintermonaten Möglichkeiten, sich den Anblick von Grün und Farbe, von Pflanzen und sprießendem Wachstum zu verschafren. Sehr beliebt sind die Kaktusschalen, die man sich allein ohne sonderlich große Kosten zusammenstellen kann. Man braucht dazu nichts weiter als eine große Tonschale, wie man sie heute ja in so hübschen Farben(grün und gelb und blau) kaufen kann. Diese Schale macht man nach dem Muster der Kaktusscholen in den Blumenläden zurecht, das heißt, nian gestaltet sie zu Miniatur-- gärtchen nach japanischem oder chinesischem Muster. Man füllt die Schale mit Erde und legt dann den Garten an, mst Wegen, einem Teich, vielleicht einer kleinen Brücke und sogar einem kleinen Garten- pavtllon. Den Teich bildet«in Stück Spiegelglos, das mit kleinen Steinchen umlegt wird: die Wege werden mst gelbem Sand bestreut und können auch mit Steinen aibgegvenzt werden. Die eigentlichen „Gartenpartien" belegt man mit Moos und pflanzt winzige Kakteen hinein, an deren Wachstum man bann lange Zeit seine helle Freude hat. Als Tischschmuck kann man sich leicht eine künstliche Wiese her- stellen, indem man eine Schale mit durchweichtem Packpapier aus- legt und das Papier mst Grassamen bestreut. Noch hübscher wird dieser Tafelschmuck, wenn man eine Äortplatte nimmt, in die man einige Löcher bohrt. Dann wird der Kork in Wasser gründlich durchweicht und nun mit Grassamen bestreut. Am besten stellt man die Schale mit der Korkplatte eine Zest lang ins Dunkle, um sie dann, wenn das Gras ein paar Zentimeter hoch ist, hervorzuholen. Man kann dann in die geschnittenen Löcher ein paar abgeschnittene Blumen stellen und hak einen wirklich bezaubernden Zimmerschmuck. Dieses wachsende Gärtlein macht besonders auch Kranken viel Freude und ist eine Wohltat für die Augen. Es wird neuerdings auch empfohlen, Petersiliensamen auszusäen, der besonders zierliche und dekorative Schüsse bildet. Ebenso ist Maissamen verwendbor. Diese kleine Freude kann sich jeder machen, da die Auslagen ja nur ein paar Pfennige betragen. Daneben ist natürlich die Glöserkultur der Hyazinthen stets beliebt und dankbar. Man stellt die mit Wasser gefüllten Gläser zwischen die Doppelfenster und bedeckt die Zwiebeln mst kleinen bunten Tütchen. Das Wasser darf nur immer gerade bis an dän Wurzelgrund der Zwiebel reichen. Erst wenn die Knospe sich ant- wickelt hat. entfernt man die Tüte. Zu beachten hat man nur, daß man bei starkem Frost die Gläser ins Zimmer setzen»miß, da sie zwischen den Doppelfenstern sonst unweigerlich erfrieren und nicht mehr zu retten sind. Außer Hyazinthen macht das Treiben von Krokussen große Freude. Man legt sie in runde oder lang« Glas schale u aus, be- bandest sie gleich den Hyazinthen und hat die Freud «, selber das Wachsen dieser hübschen Blüten ganz in der Nähe beobachten zu können. Auch abgeschnittene Flieder.zweige sowie Reiser von andere» blühenden Büschen und Bäumen kann man auch jetzt noch mst Erfolg im ZiMmex aufstelien. Man muß ihnen lauwarmes, Wasser und einen geschützten Staichort geben, und wird die Fredde haben, die kostbaren Blüten hervorbrechen zu sehen, lang« eh« der Frühling an die Scheiben klopft. Wirklich, der Winter ist nicht mehr so lang, wenn wir Blum« Hab« könne»!