Das Roggenbrotgesetz.
Neue Versuche zur Roggenpreisfügung.
Die Zentrumsfrattion des Reichstages hat im Einvernehmen mit der Bayerischen Volkspartei im Reichstag einen Antrag eingebracht, der die Reichsregierung um die beschleunigte Vorlegung eines Rogge brotgejeges ersucht, das dem Verbraucher den Genuß von wirtlichem Roggenbrot sichert und dadurch gleichzeitig zur Stützung des Roggenmarktes beiträgt. Wie wir dazu hören, hat sich die Reichsregierung schon längere Zeit mit der Möglichkeit des hier verlangten Roggenbrotgefeßes beschäftigt. Es ist ins Auge gefaßt, daß nur solches Brot als Roggenbrot bezeichnet werden darf, das wirklich reines Roggenbrot ist( Defla. rationsawang) und daß reichsgefeßlich der Brotvertauf nach Gewicht vorgeschrieben werden soll, statt der bisherigen Veränderung des Gewichtes bei gleichbleibenden Preisen.
Es ist demnach weder beabsichtigt, einen 3 m ang dahin auss zuüben, daß Roggenbrot in größerer Menge gegessen werden soll, noch denkt man daran, den früher erwogenen Plan durchzuführen, eine Beimischung von Roggenmehl bei der Herstellung des Brotes zu fordern. Die Sozialdemokratie hätte solche Versuche be fämpfen müſſen; einmal, weil eine Brotzwangswirtschaft ein Un ding ist und zum anderen, weil der Beimischungszwang einen Ein. griff in die organische Entwicklung der Ernährung darstellt, der fowohl unvernünftig als für die Landwirtschaft im ganzen zwecklos ist: Da es aber bei den jetzt geplanten Maßnahmen im wesentlichen auf einen Schuh der Verbraucher in dem Sinne hinauskommt, daß der Berbraucher nun wirklich reines Roggenbrot erhalten soll, und da der Verbraucher auf der anderen Seite freie Hand behält, das Brot zu kaufen, das er will, wird man gegen ein folches Brotgesetz nicht viel einwenden tönnen.
Es gibt fa um ein Land in der Welt, in dem das Brot im allgemeinen so schlecht und so teuer ist wie in Deutschland , und zwar durch die Schuld der privaten Bäcker, die die Brotherstellung wegen der höheren Gewinnspanne bei anderen Backwaren vernachlässigen, besonders hinsichtlich der Qualität Wenn auf diesem Wege eine Steigerung des Roggenverbrauchs in Deutschland ermög= licht werden kann, so wäre eine solche Stüßung des Roggenpreises durchaus zu begrüßen. Sie läge auch durchaus in der Linie der Marktverbesserung, die die Sozialdemokratie vertritt.
Der forcierte Export von deutschem Roggen hat in den nordifchen Ländern taum glaubliche Wirkungen. So tofteten beispiels. weiße bis vor turzem in. Dänemart 10 fund Brot nurt 80 Dere oder 90 Pfennig. Dieselbe Menge Brot fostet in Deutschland bei schlechterer Qualität nicht weniger als 2 Mart. Die starten verbilligten Roggenerporte nach den Nordländern haben aber dazu geführt, daß die dänischen Bäckereien jezt ihr Brot sogar für 70 Dere verkaufen werden. Das ist ein Beispiel für die unfinnige Wirkung des Einfuhrscheinsystems und zugleich auch eine Kennzeichnung der Rückständigkeit der deutschen Bäder, denen viel mehr daran liegt, ein schlechtes und teures Brot in fleinen Mengen zu verkaufen als ein besseres und billiges Brot in großen Mengen. Rein Zweifel ist darüber, daß der deutsche Brottonfum feit der Bortriegszeit nicht nur deshalb zurückgegangen ist, weil die Ernährungsweise wegen der Umstellung der Arbeitsmethoden sich verfeinert hat, sondern der Brotfonfum ist auch gesunten, weil das Brot so schlecht und fo teuer ist. Wenige wissen, wie groß der Rüdgang des Brottoniums in Deutschland ist. Die Reichstredit A.-G. hat in ihrem letzten Halbjahrsbericht dafür Ziffern gegeben: Danach ist. der Roggenverbrauch pro Kopf der Bevölke rung in Deutschland seit 1913 um nicht weniger als 33 Pro 3., b auch der Weizenverbrauch ist um 11 Broz. gefunten. Dafür ist erfreulicherweise der Berbrauch von Butter um 21, non Zuder um 14, bon Stalas um 45 und von Giern um 7 Broz. gestiegen. Es ift mit Sicherheit anzunehmen, daß der mangelnden Sorgfalt und dem Gewinninteresse der deutschen Privatbäder die in dem Rüd. gang des Brottonfums liegende Schädigung der getreidebauenden Landwirtschaft zum nicht geringen Teil zu danten ist. Daß die Lieferung eines guten und erheblich billigeren Brotes möglich ist, haben die Konfumpereine bewiesen.
Eine mirtjame Preisstüßung wird sich durch diese Maßnahme allerdings nicht erreichen lassen. Unbedingt notwendig ist eine Einschränkung des Roggenanbaus, die allein auf Dauer helfen. tann.
Klub stellungsloser Diftatoren.
Primo& Rivera
Woldemaras
D
Endlich der dritte Mann zum Stat!
Hugenberg
Berenguers Kabinett.
bon
W
Anwachsen der republikanischen Kundgebungen. Paris , 30. Januar. ( Eigenbericht.) früh rückten einige tausend Demonstranten Der neue spanische Ministerpräsident unter och rufen auf die Republik sogar schon General Berenguer hat sich am Donnerstag mittag gegen das fönigliche Schloß in Madrid vor. Sie wurden kurz vor ein Uhr zum König begeben, um ihm von der Attacke zerstreut. In Barcelona sind in der Nacht zum berittener Polizei in einer regelrechten endgültigen Bildung seines Kabinetts Mitteilung zu Donnerstag bei ebenfalls republikanischen Stundgebungen machen. Die neue Regierung setzt sich wie folgt zusammen: zahlreiche Personen verleht und einige sogar ge. Ministerpräsident und Kriegsminister General Beren tötet worden. guer, Innenminister General Marzo, Marinemint ster Cardia, Finanz- und Wirtschaftsminister Arguelles, Justizminister Estrada, Minister für öffentliche Arbeiten. Matos, Kultusminister Herzog von Alba , Arbeitsminister. Sangroros d'Olan v. Die Minister haben noch am Donnerstag abend dem König den Treueid abgelegt. König den Treueid abgelegt.
Deutliche Absagen an Berenguer.
noch bekannt, daß Cambo( fatalonijcher Regional ft, der als Ueber die Berhandlungen zur Neubildung der Regierung wird Finanzminister in Aussicht genommen war. Red.) als Hauptbedin gung feines Eintritts in die Regierung gestellt hatte, daß zwel- feiner Ju spanischen politischen Kreisen erklärt man, daß Freunde die Portefeuilles der öffentlichen Arbeiten und der Kaiodie neue Regierung es als ihre erste Aufgabe ansehe, sonen überlassen werde. General Berenguer fonnte oder wollte diesent fort Neuwahlen auszuschreiben, um den Willen des Wunsch nicht erfüllen, so daß Cambo die Annahme eines PorteLandes loyal festzustellen. In der Umgebung der Regie feuilles ablehnte Graf Mortera( Mauras Sohn) hat sich noch rung glaubt man, daß diese Neuwahlen unbedingt heute morgen plöglich eines anderen besonnen und seinen Eintritt monarchistisch ausfallen werden. Trotz der strengsten in die Regierung abgelehnt. Damit mußte General Berenguer auf Sensur läßt sich aber nicht verheimlichen, daß sich die zwei feiner einflußreichsfen und angesehenften Bolititer verzich. ausgesprochen revolutionär republikani ten. Außer Matos sind alle übrigen Persönlichkeiten zum ersten ichen Demonstrationen mehren. Am Donnerstag male minister.
Macdonald
betonte bei der Eröffnung der Sigung, daß für die Außenstehenden der bisherige Gang der Verhandlungen recht langsam gewesen sein der bisherige Gang der Verhandlungen recht langsam gewesen sein müsse; diejenigen, die die Schwierigtelten richtig einzuschäzen ver mögen, müßten jedoch die bisherigen Ergebnisse als befriedi. mögen, müßten jedoch die bisherigen Ergebnisse als befriebt gend betrachten. Der folgende Sprecher, der italienische Delegierte
Die Abschaffung des Krieges. -Der Weg zur Weltrepublit. Auf Einladung des Republitanischen Reichs. bundes referierte in den Räumen des Demokratischen Klubs Redakteur Wolfgang Schwarz über Grundlage und Ziele deutscher Außenpolitik. Die Haager Doppeltonferenz schließt die Die Bollsigung der Flottenkonferenz am Donnerstag hat Nachkriegsperiode ab, an die Stelle der einseitigen Gewaltdas erste große Problem, dem sich die Konferenz gegenüberfah, die Lösung von Versailles tritt die auf gegenseitigem guten Willen be alte Streitfrage Gesamttonnage oder höchst tonnage für ruhende Vereinbarung der deutschen Reparationslast. Nach Dauer jede Schiffskategorie, praktisch, wenn auch noch nicht der Form und Schwere ist sie den Schuldverpflichtungen der europäischen nach, beseitigt. Wie einer der britischen Delegierten nach der Sigung ,, Sieger" an Amerita angepaßt. Die amerikanische Wirtschaft Pressevertretern gegenüber feststellte, sind die Trennungslinien Pressevertretern gegenüber feststellte, sind die Trennungslinien wird, sobald ein großer Teil der amerikanischen Kriegsschuld gewischen den Delegationen in dieser Frage jegt so dünn geworden, zwischen den Delegationen in dieser Frage jetzt so dünn geworden, tilgt ist, es vorteilhafter finden, am Verkauf von zwei Milliarden baß man ein Kerzenlicht hindurch sehen tönnte". Die Verhand. Waren an Europa zu verdienen, als die amerikanische Regierung lungen felbst verliefen in einer ausgesprochenfreundlichen lungen selbst verliefen in einer ausgesprochenfreundlichen Don den europäischen Regierungen Barzahlungen bekommen zu Atmosphäre. laffen. Ein Berzicht Ameritas auf Kriegsschulden tommt Deutsch land zunächst zum großen Teil, fpäter ganz zugute. Bom Haag führte der Vortrag nach Genf als den Mittelpunkt moderner Frie denspolitik. Die gefchichtliche Entwicklung in den westlichen Demofratien auf. der einen Seite, in den Raserreichen auf der anderen Seite verlief sehr verschieden. Auf den Haager Friedenskonferenzen wurde als Kompromiß zwischen militaristischer Machtpolitik und internationaler Schiedsgerichtsidee ein Völkerrecht todifiziert, das den Angriffstrieg als Mittel der Politif tannte. entwickelte hierauf den italienischen Standpunkt. Während FrantDer Krieg war hinter das Völkerrecht geschaltet. Der Bölkerbund reich und England in ihrem Kompromiß eine Frage der gesamten brachte 1919 nur Kriegsauffchubbestimmungen. Erft Berhandlungsmethoden zu lösen suchten, stellten die zwei von Italien Locarno und der Kriegsverzichtsvertrag beseitigten den Angriffs aufgestellten Bunfte eine Prinzipienfrage bar. Falls die frieg als politisches Mittel aus dem Bölkerrecht: die Sicherheit ver- Konferenz ein Ergebnis erzielen molle, so könnte sie um diese zwei langt, daß der Strieg als Rechtsinstitution auch aus den Ber- Fragen nicht herumkommen. Grandi formulierte dann die beiden faffungen beseitigt wird. Auf die Einschränkung und Ab- Punkte: schaffung des Krieges folgt die Einschränkung und Beseitigung der Kriegsmittel, der Rüstungen. Die Ueberwindung des Nationalismus führt zu internationaler organischer Wirtschaftsgestaltung. Aus Deutschlands Mittellage in Europa ergibt sich Notwendigkeit und Pflicht attiver Bölkerbundspolitik mit den Zielen, Osteuropa zu befrieden und die deutsche Einheitsrepublik als Glied der Weltrepublik zu vollenden.
Die Zentrumsfraffion des Preußischen Landtages nahm am Donnerstag die angefündigte Borstandswahl vor. Es wurden ge wählt zum ersten Borsigenden Abg. Dr. He ß, zum zweiten Borfigenden Abg. Steger, zum dritten Vorsitzenden Abg. 3a wadzki. Dann wurden noch zu Ehrenvorsitzenden die bisherigen Borfizenden der Frattion Dr. Porsch und Dr. Herold einstimmig gewählt.
Grandi
1. Ju welchem Größenverhältnis sollen die Seeabrüffungen der einzelnen Staaten zueinander stehen?
2. Beabsichtigen die in London versammelten Staaten eine tatfächliche Herabfehung ihrer Bewaffnung zur See vorzunehmen? Die Italiener seien einverstanden, daß der von Frankreich und England vorgeschlagene Weg beschritten werde; Italien tönne jedoch teinerlei endgültige Entscheidungen treffen, ehe die grundfäßlichen Fragen nicht entschieden sind. Nach Grandis Rebe schlug der amerikanische Delegierte
vor, das französisch- englische Tompromiß einem Romitee zur Brüfung und Berichterstattung vorzulegen, mas nach längerer Debatte angenommen wurde.
Es gilt schon. heute als ausgemacht, daß das Romitee, welches ben französisch englischen Borschlag während den nächsten drei
Tagen prüfen wird, seine Zustimmung geben wird, worauf eine weitere Bolltonferenz den Bericht offiziell billigen wird. Damit wird das Borstadium der Konferenz beendet sein und die Erörterung der Abrüftungsfragen zur See nach ihrer inhaltlichen Seite beginnen. Der schwierigere und an Kleppen reichere Teil der Konferenz wird erst in der kommenden Woche einfegen. Es fann jedoch nicht verkannt werden, daß in London , verglichen mit den vorangegangenen Tagen, nach der Vollkonferenz vom Donnerstag eine ausgesprochen optimistische Stimmung unter fämtlichen Delegierten, mit Ausnahme der italienischen, herrscht.
Die Vollkonferenz am Donnerstag war insofern öffent. lich, als einem kleinen Teil der in London anwesenden Ber treter der Weltpreffe 3ulaffung zum Berhandlungssaal gewährt wurde. Die Mehrzahl der Journalisten tonnte in einem anderen Saale den Berhandlungen, die mittels Lautsprecher übermittelt wurden, folgen, ohne allerdings die Sprecher selbst zu Gesicht zu bekommen.
Indien zur Mitarbeit bereit, wenn fie erfüllt werden. Bombay , 30. Januar. Ju seiner Zeitung„ Jung- Jndien" erklärt Gandhi , er wünsche die vollständige Einstellung der revolutionären Gewalttätigkeiten. Er fordert zu diesem Zwed den BizeKönig auf, folgende Reformen in die Wege zu leiten. Ermäßigung der Landwirtschaftssteuern, hälter der höheren Beamten, Herabsehung der Militärausgabeu und der Ge
Aufhebung der Salzsteuer,
Einführung von Zöllen auf auständische Stoffe, Befreiung der politischen Gefangenen und Einstellung der politischen Strafverfolgungen
Gandhi betont, daß damit die dringenden Bedürfniffe des Candes teineswegs erschöpft felen. Wenn der Bizetönig jedoch diefe einfachen, aber lebenswichtigen Forderungen erfülle, so werde Indien nichts von paffivem Widerstand wissen wollen und der AllIndische Kongreß werde unvoreingenommen an jeder Konferenz teilnehmen, auf der volle Freiheit zur Vorbringung von Forderungen bestehe,