Einzelbild herunterladen
 

BERLIN

Donnerstag 6. Februar

1930

Der Abend

Erfdetut taglio außer Sonntags. Bugleich Abendaufgabe des Vorwärts. Bezugspreis beide Ausgaben 85 Vf. pro Woche, 3,60 M. pro Monat. Redaktion und Erpedition; Berlin SW68, Lindenstr. 3

Spalausgabe des Vorwärts

10 Pf.

Nr. 62

B 31 47. Jahrgang

Anzeigenpreis: Die einfpaltige Nonpareillezeile 80 Vf.. Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Posticheck konto Vorwärts- Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. 37 536. Fernsprecher: Donboff 292 bis 297

Das Attentat in Merifo.

Schüsse auf den Präsidenten.- Der Täter mit dem Heiligenbild.

Regifo, 6. Jebruar.

Der

Zu dem Affentat auf Präsident Ortiz Rubio wird ergänzend gemeldet: Der erste Schuß, der eine Kieferverlegung ver­urfachte, ging um haaresbreite an der Schlagader vorbei. Präsident erhielt auch eine Schulterwunde, doch wird bekannt­gegeben, daß fein Zustand zu Besorgnissen feinen Anlaß gebe. Es find bereits mehrere Anhänger des im Wahlkampf unterlegenen Basconcellos verhaftet worden. Auch der Chefredakteur Canzduret der Zeitung Universal" wurde verhaftet.

Der Attentäter erflärte bei seinem Berhör, er heiße Daniel Flores und fei 22 Jahre alt. Er sei ein Anhänger Jose Bas­concellos, des Kandidaten der Partei gegen die Wiedermahl eines Präsidenten, der im Wahlkampfe von Rubio geschlagen wurde. Der Attentäter trug ein Bild der Heiligen Jungfrau bei fich. Flores geftand laut amtlichen Mitteilungen ein, daß ein umfangreiches Basconzelisten Rompintt zur Ermordung fämtlicher Rabinetts­mitglieder fomie ein Staatsstreich geplant mar. Sieben der Mit­täterschaft verdächtige Personen wurden spät abends verhaftet. Innenminister Bortes Gil übernahm die provisorische Leitung der Regierung. Sämtliche Festlichkeiten wurden abgesagt.

89

Das Attentat angekündigt.

New Bort, 6. Februar.

Nach einer Meldung der Affociated Preß aus Megiko teilte der frühere Präfident Portes Gil , der provisorisch wieder die Leitung der Regierung übernahm, der Presse mit, daß Frau Ortiz Rubio bereits vor einigen Tagen einen anonymen Drohbrief erhielt, in dem er hieß, ihr Gatte werde den Amtseid niemals leiffen fönnen, Gil führt in einer offiziellen Erklärung über das Attentat aus, daß die von Daniel Flores abgegebenen Schüffe den Präsidenten und feine Gaffin verleht hätten, während der Wagenführer unverleht tlleb. Glücklicherweise seien die Schüsse, obwohl opfftreif. ichüsse, doch nicht gefährlich. Die Tat zeige erneut, daß un­gefunde Elemente im Lande feien, die vor feinem Verbrechen zurüd­fchreckten und die Nafion ins Berderben stürzen möchten. Die Aerzte hoffen, daß der Präsident in einigen Wochen wiederhergestellt fein wird. Die Schußverlegung am Unterkiefer sei nicht als ge­fährlich anzusehen, obwohl ein nochenftüd entfernt werden dürfte. Bei dem Täter Daniel Flores wurde außer einigen religiösen Ab­zeichen ein 50- Peso- Goldffüd gefunden.

Streif in der ,, Roten Fahne".

Wegen Nichtzahlung der Löhne.

Der

Dammbruch bei Straẞforth

Die berichtet, erfolgte Dienslag in den späten Abendstunden ein Dammbruch des Staufees bei Straßforth, etwa 10 km nordöst­lich von Jastrow( Kreis Flatow ). wodurch sich etiva drei quilli­onen Kubikmeter Wasser in den Kueddowfluß ergoffen. Durch die Gewalt der Wassermassen wurden fchrvere Zementblöcke an der Betonbrücke in Straßforth herausgeriffen und, wie unfer Bild zeigt, die Brücke zerstört.

Jorns wünscht Ebermeyer.

Der soll ihm Objektivität" bescheinigen.

Leben sich in Gefahr befinde. Besuche seiner Frau erhielt er stets in Gegenwart eines Beamten.

Um den Eindruck dieser Aussage zu vermischen, ſtellt Dr. Löwenstein fest, daß die Zivilgefangenen einer anderen Gefängnisleitung unterstellt waren als die Militärgefangenen, die, ähnlich wie die Liebknecht und Luxemburg - Mörder, sich frei im Gefängnis bewegen durften.

Der nächste Zeuge ist

Rechtsanwalt Dr. Alsberg.

Zu Beginn der heutigen Sigung des Jorns.Prozesses| geschossen und ihm selbst wurde zu verstehen gegeben, daß fein stellte Justizrat Dr. Löwenstein für den Nebenfläger Jorns den Antrag, den Oberreichsanwalt a. D. Dr. Ebermener als Zeugen zum Beweis dafür zu laden, daß entgegen den Behauptungen des infriminierten Artikels der Rebentläger ausschließlich wegen seiner juristischen Leistungen an das Reichsgericht berufen und zum Reichs anwalt ernannt worden ist, daß er sich in seiner Tätigkeit als Reichsanwalt als äußerst geeignet bewährt hat und besonders in politischen Prozessen stets die größte Objet­tipität(?) gezeigt hat und daß er nach der persönlichen Wahr­nehmung des Zengen unmöglich in einer von ihm geführten Unter­fuchung einem Beschuldigten vorsätzlich Borschub geleistet haben fönne. Ein zweiter Antrag des Nebenklägers bezieht sich auf die Labung des Landgerichtsdirektors Höhnl- Offenburg, dem Jorns über die äußerst schwierigen Berhältnisse geflagt hat, unter denen er ble Untersuchungen in Sachen Liebknecht und Luxemburg geführt habe. Der Angeflagte Bornstein bittet um Ablehnung dieses Antrages. Der Oberstaatsanwalt hält ihn gleichfalls für unerheblich, da ja nie behauptet worden sei, der Nebenkläger ſei nur wegen seiner Untersuchungsführung in der Luxemburg - und Liebknechtsache zum Ber- Reichsanwalt ernannt worden. Das Gericht lehnt belde Anträge des Nebenklägers ab.

Im Betrieb der Roten Fahne" fam es am letzten Sonnabend zu einem Streit, weil wieder einmal die Löhne nicht rechtzeitig ausgezahlt werden konnten. Nach dreistündiger Arbeitseinstellung war es der Geschäftsleitung gelungen, einen Teil der nöfigen Sum­men heranzuholen, und es wurden nunmehr 50 Mark pro Mann ausbezahlt, worauf die Arbeit wieder aufgenommen wurde. Die Restbeträge follten am Montag ausbezahlt werden, jedoch war die Geschäftsleitung an diesem Tage wiederum nicht imftande, ihr Ver­

Sprechen zu erfüllen.

Borgänge wie der geschilderte sind in der Druckerei der Roten Fahne" nicht neu. Schon im Oktober vorigen Jahres hatte sich dort eine ganz ähnliche Szene abgespielt. Die Geldverlegenheit des Be­triebs ist so groß, daß off zum Wochenende Anleihen von 5000 Mart für 48 Stunden aufgenommen und die laufenden Einnahmen dafür verpfändet werden! Infolge diefer Unsicherheit des Geschäfts­ganges befindet sich das Personal der fommunistischen Betriebe in einer ständigen Unruhe, die naturgemäß durch die neuesten Ent­hüllungen über die geplante Berramschung des ganzen Gerümpels noch beträchtlich gesteigert worden ist.

Es folgt die Bernehmung des

Zeugen Ledebour .

Er hat zu gleicher Zeit wie die Liebknecht- und Luxemburg - Mörder im Lehrter Bellengefängnis gefeffen und fann aus eigener Er. fahrung erzählen, wie die Zivilgefangenen von links im Gegenjas zu Militärgefangenen von rechts behandelt wurden. Ledebour mußte, nachdem er von politischen Gefangenen mit einem Hoch begrüßt wurde, seit diesem Tage seinen Rundgang stets allein machen.

Er soll über seine Teilnahme an dem Verfahren gegen die Luxem burg- und Liebknecht- Mörder aussagen. Da er von seiner Schweigepflicht nicht entbunden ist, ist er gezwungen, fich auf feine persönlichen Beobachtungen zu beschränken. Eines Tages erschien bei ihm Leutnant Liepmarm, berief sich auf seiner Bater, einen Amtsgerichtsrat in Charlottenburg , und bat, seine und feiner Kameraden Verteidigung zu übernehmen. Einige Tage später machte Alsberg den Vorschlag, einen zweiten Berteidiger hingu zuziehen, da er Zweifel hatte, ob er die Leute von der Rofagruppe, wie man fie nannte, verteidigen könne. So tam Rechtsanwalt Dr. Grünspach in die Sache. Es fand eine Reihe Konferenzen statt, an denen sämtliche Beschuldigten teilnahmen. Alsberg hatte die Berteidigung von Bogel , Liepmann, Pflugt Hart tung und Stiege.

Berschiedenes in der Sache stimmte ihn bedenklich.

Einmal der Umstand, daß Bogel im Gerichtsgebäude untergebracht worden war und jede Nacht seine Zimmer ver­lassen durfte, und dann auch die Tatsache, daß Grünspach immer wieder zu Pabst ging und dieser, um die Sache in eine bestimmte Bahn zu lenten, die Anwendung unerlaub= fer mittel verlangte. Alsberg fagte damals zu Grünspach, es würde noch einen großen Standal geben, es fönne irgendeine Schweinerei paffieren. Als Grünspach dann sogar Runges Berteidigung übernommen hatte, weil Hauptmann Babst es jo gewollt, da schien ihm dieser Zustand schon eine vollkommene Der Angeklagte Bornstein will wiffen, ob nach Ansicht des Zeugen der Rechtsanwalt Grünspach den Pflichten eines Anwalts entsprechend gehandelt hat, als er die Berteidigung Runges über­nahm, obgleich dessen Interessen mit den Interessen der Rosa- Lugem burg- Mörder tollidieren mußten.

Als bemerkt wurde, daß er sich im Sorridor mit dem einen Die Rote Fahne " bringt es nicht nur fertig, die Bertaufs- oder anderen Gefangenen unterhalten hatte, wurde in Zukunft dafür absichten der PD. und die geführten Verhandlungen glatt abzu- gesorgt, daß bei seinem Berlassen der Zelle sich niemand auf dem leugnen, fie hat fogar die Stirne, von einer finanziellen Storridor befand. Eines Tages sah er sich auch gezwungen, einen Soldaten zur Rede zu stellen, Offensive gegen die PD." zu fprechen. Dem Personal, das über die herrschende Mißwirtschaft und den drohenden Berkauf der, bloß weil ein Gefangener durchs Fenster geschaut hatte, auf Unmöglichkeit. Er trat von der Verteidigung zurüd. des gesamten toten und lebenden Inventars mit Recht erregt ist, diefen scharf geschossen hat. Auch auf Radek wurde einmal will man einreden, auch daran, wie an allem übrigen Unhell in der Welt, trage nur der verruchte Sozialfaschismus" die Schuld. Wahr­scheinlich find denn auch alle die Bilanzfälschungen Schiebungen und Berunfreuungen, die zu den Wahr­zeichen einer echt bolichemiftischen Geschäftsführung gehören, von fozialfaschistischen Codipiheln" verübt worden!

von einer finanziellen Offensive" gegen die PD. in feiner Weise die Rede sein kann. Der traurige Zustand der kommunistischen Be­Iriebe ist die Folge erstens einer wahnsinnigen fommunistischen Bo­fifit und zweitens einer unfähigen und verluderten Wirt schaft Alle Ableugnungs- und Ablenkungsversuche werden ver­

Um jeder Legendenbildung vorzubeugen, jei festgestellt, daßgeblich bleibent

Alsberg : Dr. Grünjpach hat mir nie gesagt, dus et das für unbedentlich hält. Oberstaatsanwalt: Haben Sie eine Kollusionsgefahr bei der gemeinsamen Berteidigung von Bogel und der Rofa- Buremburg- Mörder gesehen? Alsberg :