Einzelbild herunterladen
 
  

Rr. 101- 47. 3abrgang 190

2. Beilage des Vorwärts Die Erfolge der Preußenkasse.

Zwei Jahre landwirtschaftliche Aufbauarbeit.- Das Regime Klepper.

Die Breußische 3entralgenossenschaftstalle hat ihren Jahresbericht für 1929 veröffentlicht. Präsident Klepper hat die Uebergabe des Berichtes an die Presse mit Erläuterungen be­gle.tet, die mehr als in anderen Fällen politisches und öffentliches Interesse haben. Wer weiß, daß die personelle Umstellung in der Preußischen Zentralgenossenschaftstasse im Winter 1927/28 auch für die deutsche Agrarpolitik einen Wendepunkt darstellte, für den ist es auch selbstverständlich, daß diesem Geschäftsabschluß und diesen Erklärungen eine besondere Bedeutung zukommt, da sich mit der zweijährigen Arbeit der neuen Preußentasse auch ein

wichtiges Stüd neuer deutscher Agrarpolitik übersehen läßt. Präsident Klepper gab dem ihn schon immer führenden Grundgedanken neuen Ausdruck, daß die amtliche Agrar­politik und die Agrar kredit politik notwendig miteinander ver bunden seien. Er umschrieb nur den inneren Grund für die Not wendigkeit einer neuen Agrarpolitik und auch der vor zwei Jahren erfolgten Umstellung der Preußenkasse, wenn er darauf hinwies, daß man in Deutschland die Borkriegspolitik der Bodenpreis steigerung mit politischen Mitteln im Jahre 1925 nur fortgesezt habe, unter Berhältnissen, in denen die Borkriegsrelative fehlten, was notwendig zur Krisenverschärfung habe führen müssen. Daß die Preußenfaffe mit fozialistischen Gedantengängen belastet, von mirklichkeitsfremder Romantik erfüllt, bei rationalistischer Eins stellung ohne Verständnis für höhere Werte und von dem Willen zur Bolitisierung des Genossenschaftswesens erfüllt sei, das waren die Behauptungen, die seit zwei Jahren die Arbeit der Breußen taffe begleitet haben. Heute sei die fachliche Linie der Preußen­tassenarbeit unbestritten. Die agrarpolitische Erkenntnis, die Entwicklung des Genossenschaftswesens haben der Preußenfasse recht gegeben, und die politische Kritik sei schweigsam geworden.

Ein Primat der Landwirtschaft tönne in der Bollswirtschaft nicht gut anerkannt werden; die Landwirtschaft aus schließlich als leidendes Objekt zu behandeln, habe eine Erziehung zu gefährlicher Bassivität zur Folge. So müife auch die Breußenfasse als Staatsinstitut ihre Funktion nach allgemein wirtschaftlichen Gesichtspunkten orientieren, unbeschadet der Ver­pflichtung, das äußerste zugunsten der Landwirtschaft zu leisten. Gute genossenschaftliche Kreditnehmer werden sich über zu große Aktivität der staatlichen Genossenschaftszentrale als Geldnehmer nur zu ihrem Vorteil beflagen fönnen.

Der Krisenverschärfung habe die Preußenkasse durch die Individualisierung der Kreditpolitik. durch Betriebs- und ge­nossenschaftliche Gebietskontrolle, durch die besondere Beobachtung und Kontrolle in den Krisengebieten und auch durch die Leistungs­steigerung im eigenen Betrieb zu begegnen versucht. Be­dentlich seien die Versuche von oben, die Waren und Markt organisation der Beredelungsprodukte in der Landwirtschaft zu regulieren. So notwendig die zentrale Beobachtung der martte und der zentrale Erfahrungsaustausch feien, fo werden. doch die in der Produktion selbst und in der Abfagorganisation et forderlichen Maßnahmen sich von unter herauf entwickeln müssen. Die Lage in den öftlichen Gebieten ist immer noch ernst. Die Belebung des Gütermarktes Jet Boraussetzung der endgültigen Gesundung der öffentlichen Kreditverhältnisse. Der Bersuch der Umschuldung im Often habe vielfach sehr wenig genutzt, und zahlreiche umgefchuldete" Betriebe stünden heute vor dem Zu fammenbruch. In Pommern und in der Grenzmar! fet bie Lage haute vielleicht noch tomplizierter als in Ostpreußen . Die Notwendigkeit der Schaffung einer Auffaugorganisation bestehe heute wie je. Die Aufgabe der Zukunft jei Ausbau des Erreichten und neuer agrarpolitischer Aufbau. Im Geschäftsbericht und auch in seiner Rede hat Präsident Klepper das eigentliche große Wert der Preußenkaffe, die Sanierung und Bereinheitlichung des

landwirtschaftlichen Genossenschaftswesens,

nur turz berührt. Aber die deutsche Deffentlichkeit weiß, daß in der Sanierung der Genossenschaften schlechthin Entscheidendes für die Landwirtschaft geschehen ist. Freilich darf auch die Deffentlichkeit und darf die Landwirtschaft vor allem nicht vergessen, daß von den 75 bis 80 millionen Mark Verlusten, die aus der Genossenschaftstatastrophe abzudecken sind, mehr als 60 Mil­lionen Mart vom Steuerzahler, das heißt von den Bürgern der Städte, den Käufern der landwirtschaftlichen Produkte zugunsten der Landwirtschaft getragen werden müssen.

Das Zahlenwert der Bilanz und der Gewinnrechnung fann natürlich von dem, was die Preußenfaffenarbeit ausgemacyt hat, nur eine sehr undeutliche Vorstellungen geben. Wohl noch nie hat die Politif einen so ausschlaggebenden Einfluß auf die Ent midlung des Bilanzbildes gehabt, wie bei der Preußischen Zentral genoffenfchaftstaffe, wo ein voltswirtschaftlicher Kaufmann es für felbstverständlich hielt, daß für die Beit des Wiederaufbaus der deutschen Landwirtschaft allein die höheren Gesichtspunkte der Agrarpolitit und der Agrartreditpolitit zur Richischnur der Geschäfte bienen dürfen, weil die Routine allein in den vollständig veränderten Verhältnissen der Rachinflationszeit versagen muß Dennoch beweist ein Bergleich der Bilanzen von 1927 bis 1929, daß die gewaltige, der Breußen. faffe gestellte Aufgabe, selbst wieder die Attionsfähigteit zu erreichen und die landwirtschaftlichen Kreditverhältnisse soweit als möglich zu fanieren, weitgehend gelöst worden ist.

Das Grundfapital ist nominell von 79,6 auf 210,6 mit Mil­lionen verstärkt worden, und wenn auch noch tund 119 Mil­lionen einzuzahlen sind, so stehen doch heute aus Neueinzahlungen bereits 32 Millionen mehr zur Berfügung als Ende 1927. Die ordentlichen Rücklagen find von 8 auf 14,5 Millionen erhöht, und man kann annehmen, daß die stillen nicht ausgewiesenen Reserven der Breußenkasse die der Abdeckung der Genossen­schaftsverlufte dienen müssen, sehr vermehrt würden.

Gewiß hat sich die Landwirtschaft seit 1927 durch Bildung eigenen Betriebskapitals auch von innen her gestärkt. Wenn aber die zur Kreditgewährung von der Preußentaffe aufgenommenen Gelder in den beiden letzten Jahren von 796 auf 495 Millionen Mart zurüdgegangen find( wobei der Rüdgang der Rentenbanktrebite nur rund 50 Millionen ausmacht), so ist das ein Beweis der gelungenen außerordentlichen inneren Stärtung und Unabhängigmadjung der Breußenkaffe. Dafür sind zahlenmäßige Zeugen der voll ftändige Begfall des Lombardiredits bei der

Reichsbant Ende 1929, der Rüdgang der Inanspruchnahme der Reichsbank für Wechselkredite von 391 auf 124 Millionen und die Steigerung der Guthaben und Einlagen in den letzten beiden Jahren von 63 auf 119,1 millionen, wobei der legtjährige Rüd gang um rund 60 Millionen nur auf die Abberufung der Um­schuldungsanleihe der Landesbankzentrale, also auf ein zwangs läufiges Moment zurückzuführen ist.

Der eigene Wechselbestand ist gegen Ende 1927 von 286 auf 221, die Summe der weitergegebenen Wechsel von 391 199 Millionen Mart gefunten. Die Unabhängigkeit, ins besondere von der Reichsbank, wurde durch die stärkere Ausschöpfung des offenen Geldmarktes, offenbar mit Erfolg, start gefördert. Die volle Aktionsfähigkeit der Preußenfasse dürfte heute wohl von niemandem mehr bezweifelt werden.

Die Entwicklung der Breußenfaffenbilanzen zeigen das mert würdige Bild, daß die Bilanzsumme in zwei Jahren von 979 auf 917 und dann auf 849 Millionen zurüd gegangen ist, daß aber gleichzeitig der Umsatz von 42 auf 60 Milliarden ge steigert werden fonnte. Ebenfalls ein Zahlenbeweis dafür, wie man durch zielbewußte quantitative Mehrleistung und Mehrarbeit auch die Entwicklung der Gewinn- und Berlustrechnung, die qualitative Berbesserung der Leistung gesichert hat. Dafür spricht

Marodeure über Berlin .

Eine schamlose Zumutung der Schwerindustrie.

Wir haben bestimmte Kenntnis davon, daß die Ruhrgas- Affien­gesellschaft, Effen, eine Unternehmung der Rheinisch- Westfälischen Schwerindustrie, Berhandlungen mit Berliner Stellen angefnüpft hat, deren Ziel die 50prozentige Stillegung der Berliner städtischen Gaserzeugung und der Ferngasbezug von der Ruhr ist. Von der Ruhrgas 2.-G. find in Berlin die Herren Seipel, Poff, Gebhardt und Baron von Lue. Die Ruhrgas- A.- G. will Berlin dafür einen Kredit von 30 Millionen bis 40 Millionen vermitteln.

Die Transaktion steht im Zusammenhang mit der beabsichtigten Jupfandgabe der 45 Millionen Aktien der Deutschen Gasgesellschaft an das Bankenkonfortium, das den vorletzten Kredit an Berlin gewährt hat. Den Banken will man das Ruhrgas ,, geschäft mit Berlin dadurch plausibel machen, daß man die Uebernahme der Garantie für den hinter der Verpfändung der Gasaftien stehenden Kredit aubietet. Das Ziel dürfte hier der Erwerb oder wenigstens die Bindung der Aktien der Deutschen Gasgesellschaft zugunsten der Ruhrgas- 2.- G. fein.

Bir erwarten von den Stellen, mit benen die Ruhrunterhändler in Berbindung getreten find, eine eindeutige Erklärung zu diesen Feststellungen. Wir lenken die Aufmerksamkeit der amtlichen Stellen und der Deffentlichkeit auf diese Borgänge.

Der Mißbrauch der vorübergehenden, größtenteils unverschul­deten Finanzllemme der Reichshauptstadt Berlin hat einen Umfang und Formen angenommen, deren sich ein anständiger Mensch mehr und mehr schämen muß. Was aber hier Berlin zugemutet wird, find nicht mehr Geschäfte und Angebote ehrlicher Kaufleute, das ist aus einer Moral von fapitalist schen Marodeuren geboren, die auch in Berlin bisher unbekannt war.

Das Vorgehen der Ruhrgesellschaft ist ein offener Standal. Es wird Zeit, daß unter den bisherigen privatwir schaftlichen Kontrahenten der Stadt Berlin jemand aufsteht, der die Ehre anständiger Kaufleute verteidigt. Das Vorgehen der Ruhrgasgefell­schaft belastet sie sonst alle.

330000 Wohnungen 1929.

Nach den Schäßungen des Statistischen Reichsamts sind im ver floffenen Jahr rund 330 000 ohnungen in Deuts land gebaut worden gegenüber 310 000 im Bor jahr. In Preußen allein hat sich der Reinzugang an Wohnungen von 185 500 im Jahre 1928 auf 198 500 im Jahre 1929 erhöht. Die Situation auf dem Baumarkt wird dahin gekennzeichnet, daß die Bauerlaubnisse weiter zurückgegangen find.

Konjunktur Ende Februar.

Die Prognote des Konjunkturinflituts. Das Institut für Konjunkturforschung beurteilt die gegenwärtige Wirtschaftslage in ihrer neuesten Veröffentlichung, auf die wir noch zurüdtommen, folgendermaßen:

Sonnabend, 1. März 1930

bei der zu beachten ist, daß vor dem Ausweis der Gewinne be­trächtliche stille Reserven gebildet wurden. Dennoch haben sich die Einnahmen 1927 bis 1929 von 9,64 auf 10,03 und dann auf 11,96 Millionen Mark erhöht. Die Geschäftskosten find nur einmal, im Jahre 1928, von 4,87 auf 5,64 Millionen gestiegen, um int Jahre 1929 auf 5,60 Millionen zurückzugehen.

Die Konsumvereine haben durch Erhöhung ihrer Ein lagen von 15 auf 20 Millionen der Landwirtschaft eine verstärkte Hilfe durch die organisierten Verbraucher gewährt.

Die Arbeit der Preußentasse in den beiden letzten Jahren ent­hält eine wichtige und politisch bedeutsame Lehre. Die zwei Jahre neue Preußentaffe lehren für die deutsche Agrar politit, daß es auch in der Landwirtschaft aufwärts gehen kann. wenn man den Mut hat, die Widerstände des alten Systems per­sonell und damit fachlich zu brechen, und wenn man die richtigen Leute, das heißt Menschen mit richtigen Erkenntnissen und klarem Wollen, die die gesamtwirtschaftlichen Interessen den Einzel- und Standesinteressen voranstellen, an die verantwortlichen Stellen setzt. Daß das geschehen ist und daß damit der Landwirtschaft ein großer Dienst erwiesen wurde, ist in allererster Linie das Verdienst der preußischen, als fozialistisch und damit als landwirt. fchaftsfeindlich nicht zuviel zu fagen mit der Behauptung, daß heute, zwei Jahre verschrienen Regierung. Bir glauben nach dem Zusammenbruch der Semperfchen Aera in der Preußen­faffe, ehrlich wohl niemand in der Landwirtschaft diese Zeiten zurüd­Breußentasse in den letzten Jahren geleistete Arbeit. wünscht. Und das ist die beste Rechtfertigung für die in der

stärkeren Berflüssigung der Kreditmärkte, insbesondere von einer reichlicheren Rapitalpersorgung. Wichtige Impulse wären von einem stärkeren Zufluß langfristiger Auslands Prebite zu erwarten.

Eine gewiffe Belebung in der Wirtschaft wird aber aus faison mäßigen Gründen wahrscheinlich gemacht. So ift, wie im Früh jahr üblich, für die kommenden Monate mit einem saison­mäßigen Rüdgang der Arbeitslosigkeit, einer Zunahme der Beschäf­tigung und einer Steigerung der Umsätze zu rechnen.

Heineman - Oliven- Berlin .

Die Zusammenarbeit der belgischen Elektrizitätsfonzerne. gifchen Sofina Konzerns, in Berlin . Bermutlich hängt feine Dieser Tage weilt Dannie Heineman , der Chef des bel. Anwesenheit mit den auch von uns gemeldeten Verhandlungen zwischen der Gesfürel und der Stadt Berlin über ein Aktienpaket der Elektrizitätswerk Südwest 23. zusammen; denn die Gesfürel dürfte die angebotenen 57 Millionen Mark nicht aus der eigenen Tasche bezahlen; vielmehr ist eine Zusammenarbeit gerade mit der Sofina nach früheren Erfahrungen mehr als wahrscheinlich. Man darf aber wohl annehmen, daß dies feineswegs das einzige Gefdäft ist, um deretwillen Herr Heineman Berlin aufs Gesfürel in den letzten Monateir melje als einmal ausgefprodjen gefucht hat. Da sowohl er wie auch Generaldirektor Oliven voit der haben, daß sich feßt in Deutschland das private Rapital starter als bisher beschäftigen könne und da die finanzielle Notlage vieler Gemeinden gerade auf dem Elektrizitätsgebiet den privaten Gruppen verledende Beute zu versprechen scheint, fo gilt auch diese Reife ganz ohne Zweifel dem Programm, so umfangreich wie mög lich die öffentliche Hand durch private Kapitalgruppen zu erfezen.

Dannie Heineman hat eben erst das Rückgrat seines Konzerns. langen Berhandlungen ist Witte Februar in Brüssel ein Ab m Belgien ganz bedeutend verstärfen fönnen. Nach tommen zwischen einer Reihe großer Finanzierungsgesellschaften für Elektrizitätsunternehmungen zustande gekommen. Die Sofina, die jahrelang in allerengsten Geschäftsbeziehungen zur Banque de Bruxelles gestanden hatte, hat diese Verbindung zwar nicht voll­ständig gelöst, aber gelockert, und hat dafür die Beziehungen zur größten Bank Belgiens , der Société Générale de Bele gique, immer enger ausgestaltet. Diese Bant hatte schon vorher eigene Finanzierungsgesellsc; aften dieser Art unter ihrer Rontrolle, und zwischen diesen und der Sofina ist nunmehr ein Abkommen zustande gekommen, das praktisch darauf hinausläuft, daß fünftighin die technische Leitung auch dieser Gesellschaften in die Hände der Générale de Belgique endgültig anerkannt wird. Ein Mitglied der Sofina gelegt wird, während als führende Finanzkraft die Société Sofina Verwaltung wird Generaldirektor des in den letzten Jahren immer größer gewordenen Electrobel Konzerns, zwischen der Electrobel und der Sofina werden verschiedene Aufsichtsrats­mitglieder ausgetauscht, und auch die Finanzierungsgesellschaft Société de Traction et d'Electricité wird in gleicher Weise in diese große Interessengemeinschaft eingegliedert.

Diese Vereinbarungen bedeuten für die belgische Elektrizi­tätswirtschaft einen wichtigen Zusammenschluß, der auch in tednischer Hinsicht neue Ausbaumöglichkeiten erlaubt. Die internationale Bedeutung dieses Vorgangs liegt darin, daß alle erwähnten Finanzierungsgesellschaften teils unmittelbar, teils aber auch mittel­bar durch zahlreiche tapitalfräftige Tochtergesellschaften sehr um fangreiche Elektrizittätsinteressen außerhalb der belgischen Grenzen vereinigen,

Die Wirtschafslage ist durch einen außerordentlich hohen Stand der Arbeitslosigkeit gekennzeichnet. Troß der milden Bitterung dieses Winters ist die Zahl der Hauptunterſtügungsempfänger in den Auch bei Koffer Mädler steht es schlecht. letzten Monaten weit stärfer als faisantüblich gestiegen. Die in­dustrielle Produktion ist im ganzen weiter zurückgegangen. Die Bautätigkeit ist beträchtlich eingeschränkt worden. Die schwierige Lage der Landwirtschaft hat sich noch verschärft. Die Umsätze in fonjunkturabhängigen Waren haben nachgelaffen. Die Preise sind weiter gefunten. Im Zusammenhang mit der Abfchwächung der weltwirtschaftlichen Konjunktur haben die Wettbewerbsfchwierig­feiten auf den Auslandsmärkten zugenommen.

Die Entspannung der Kreditmärfte hat weitere Fort schritte gemacht. Die Geldfäße haben ihren fonjunkturellen Rüd­gang fortgefekt. Seit Anfang dieses Jahres beginnt die Verflüssi gung auch auf den Kapitalmarft überzugreifen. Am Kapitalmarit hat der Kursdruck nachgelassen.

Diese Gestaltung der Kreditnärkte liefert Anzeichen einer neuen Konjunkturphase. Nachdem vor einem Vierteljahr die Depression als nabe bevorstehend angekündigt wurde, kann nun­mehr festgestellt werden, daß sich der Uebergang zur De. preffion vollzieht. Bei fortschreitender Entspannung der Stredit­märkte dürfte weiteren Ridgängen der wirtschaftlichen Tätigkeit zu= nehmender Widerstand erwachsen. Für einen neuen Konjunkturaufschwung sind die Voraussegungen indes noch nicht Ronjunkturauffchwung find die Voraussegungen indes noch nicht gegeben: Ihr Eintritt bleibt im wesentlichen abhängig von einer

Die sehr bekannte Koffer- und Taschenfabrik Moriz Mädler in Leipzig mußte fürzlich ihre Gläubiger um Nachficht" bitten, und die Leitung des Unternehmens hat sich jetzt mit einem Mora­toriumsgesuch an die Gläubiger gewandt. Die vor einigen Jahren erfolgte Umstellung auf Feinlederwaren hatte sehr viel Geld ge­festet; es soll sehr viel auf Lager gearbeitet worden sein, pährend der Absatz stockte. Die Hauptgläubiger follen in Offenbach , der Bentrale der deutschen Ledermarenindustrie, sigen, die Verpflichtungen weit über eine Million Mark betragen.

Die Reichsinderziffer für die Lebenshaltungskosten( Ernährung, Wohnung, Heizung, Beleuchtung, Bekleidung und sonstiger Bedarf) be äuft sich nach den Feststellungen des Statistischen Reamis für den Durchschnitt des Monats Februar auf 150 3 gegn über 151,6 im Vormonat. Sie ist somit weiler zurü gegangen. Dieser Rückgang ist hauptfädlich auf eine weitere Ecn­fung der Ernährungsausgaben aurückzuführen und zwar fämilide Nahrungsmittel cußer Gemüse und Kartoffeln im nachgegeben. Die Inserziffern für die einzelnen Gruppen befragen heizung und Beleuchtung 153,7, für Bekleidung 169,4, für ( 1913/14 gleich 100) für Ernährung 147.9, für Wohnung 126,8, sonstigen Bedarf einschließlich Verkehr 192,9.

S