Donnerstag 20. März 1930
Unterhaltung unü Missen
Beilage des Vorwärts
Miienne Jße Zu ihrem 200. �odesiag am 20. Wärm
Georg Brandes schreibt über Adrienne Lecouvreur : „Es kommt einem heutzutage vor, als sei die ganze Rechtlosigkeit des vorrevolutionären Frankreichs in Adriennss. Schicksal zusammengedrängt.'(Tecifc Corel , dos hochverehrte Mitglied der ComSdi« ioangoise, verfaßte ein Buch der Rechtfertigung für ihre große Kollegin aus dem 18. Jahrhundert: in ihm heißt es:.Das ganze Leben der Adrienne Lecouvreur war ein Leiden. War ein unge- heurcr, me aufhörender Schmerz. Adrienne Lecouvreur wurde nur die große Künstlerin, da sie so große Schmerzen erleiden mußte." In Sarah Bernhard , in Eleonore Duse , in Cccile Sorel, in Asta Nielsen lebt Adrienne fort als Schauspielerin des Schmerzes.— Gcrib e und Legouv« lassen in ihrem sentimen- talen Krnninalstück.Adrienne Lecouvieur' die große Darstellerin nach einem nicht mehr überbietbaren Erfolge sagen:.Ich habe nicht immer das Glück, so gut zu leiden wie heute." Voltaire wurde beinahe verbannt um der Wort« willen:.Sie hat die Welt de - zaubert, und Ihr straft sie dafür!' Es ist kein billiger Gedenktag. lultus, nach 200 Jahren wieder mit Voltaire bei der Sterbenden zu stehen und zu wissen, daß dieses vergehende Gesicht einer kleinen, ltillsn Frau wie das Antlitz der Menschheit war. In einem verfallenen Winkel wuchs sie auf. Der liederliche lhutmacher Eouvreur, ihr Bater, hockte den ganzen Tag idiotisch N einer Stubenecke und grölte unanstäiüZige Lieder.' Einmal steckt er das ganze Zimmer in Brand. Die Schwester quält die kleine Adrienne mit Bosheit, Jähzorn und Eifersucht. Die Mutter prügelt die beiden Mädchen. Adrienne flüchtet dann und wann in die Nach. barschaft zu einem Spezereienhändlcr und schafft sich dort ihre rgene Welt: Theater mit Kindern. Was weiß Adrienne vom Theater? Sie wollt« ein« andere Wirklichkeit..Polyeucts" wird »on der Troupe Adrienne aufgeführt. Es spricht sich herum. Die Frau Parlamentspräsidentin läßt sich in ihrem Hause vorspielen— wieder und wieder. Immer mehr Menschen kommen und sagen es weiter, bleiben vom Theater weg und hören und sehen der kleinen -ldrienne zu. Die Comedie francass« reicht Klage«in wegen Ge- fchäftsschädigung. Fräulein Theaterdirektorin und Hauptdarstellerin -rhält Spieloerbot. Aber der Polizeipräsident selbst wünscht Adrienne noch einmal zu feilen. Das Verbot wird ausgehoben, der Großprinr von Vendbm« stellt Rämne des Temples zur Verfügung. Adriemie wird elegantes Spielzeug. Sie will künstlerische Arbeit. Ihre Tante wäscht für den Schauspieler Le Grand. Durch ihn bekommt Adriemie cm Engagement nach Lille . Zwischen Theater und trübseligem Logis mit Vater und Schwester: die erste Liebe. Ein Baron G. oder D. Er stirbt. Reue Engagements in Luneville und Straßburg , in Metz und Verdim. Adrienne wird zum erstemml Mutter. Der Liebhaber verläßt !i«. Sie hat jetzt 2000 Franken Gage. Vater, Schwester, Tochter leben von ihr; auch ihr verschuldeter Kollege Gaston. Sie kommt >urch ihn nun selbst in Schulden. Der junge Graf Kllnglin hat Geld, und eine so unbelastete, vergnügte Art, die einen so jungen, w müden Menschen wie Adrienne direkt mitreißt. Zldrienne ist mir iwch mit dieser einen großen Liebe zu dem Vater ihres zweiten Kindes öeschästizt, auch als er sie längst wieder verlassen Hot. .ldrienne verliert in der Zell dieser Erschütterungen ihre Konnexio- n«n und Protektionen. Es trar olles wie heute. Mit der Liebe »md dem Geschäft. Aber am 14. Mai 1717 debütiert das fünsund- zwanzigjährige Fräulein Adrienne Lecouvreur on der Comedie iraniaise! Alle zwei Tage tritt sie auf. Die Diener im Salon Lecouvreur melden:„Der Herzog von Richelieu ! Der Marschall von
Vegaul! Die Herzogin von Maine !" Man reißt sich um die elegan- teste Frau der Zeit. Madam« verfügt über 300 000 Pfund Vermögen. In ihrer weißen Bibliothek wird ihr Voltaire vorgestellt. Als sie sich begegneten elegant, gewandt, lebhast, halb konven- tionell und halb herzlich—, war es, als sähen Adam und Eva der Legende sich an. Aber Liebe, Liebe gibt es imr mit dem jungen Grafen d'Agental.„Er ist ein Engel", sagt Voltaire , und läßt Madame mit dsm Knaben allein. Damit aus dem Knaben ein Mann wird(wie dos die Karriere so verlangt), mutz Adrienne den kleinen d'Agental von sich lösen. Adrienne ist die erste Schauspielerin Frankreichs , die bewußte Vorkampferm ihres Standes, die krast des von ihr geübten Zaubers Gleichstellung mit den distinguiertesten Damen erreicht hatte. Die Jahr« nach dem Abschied von d'Agental gehören nur der Kunst. Di« Bühne ist für Adrienne nicht mehr das Reich der Illusion. Sie will st« zum Bilderbuch der Geschichte, zum Spiegel de » Zeit, zum Forum der Menschlichkeit gestalten. Der Schauspieler ist ihr der gesammelte Ausdruck oller. Sie will die Sprache des Tages reden, will wie alle lachen und weinen. Sie rezitierte nicht, sie sprach. Adrienne spielt, probt, fährt zur Visite, hat Gäste. Nur der Körper ist«in wenig schwach. Sie lernt, sie berät sich mft Schnei» dein und Friseuren und erzieht einen gewissen Moritz von Sachsen . Alles, was roh an ihm ist, will sie edel machen. Er betrügt sie viel und hat nie Geld. Die Lecouvreur verkauft ihre Wagen, ihren Schmuck. Sie finanziert ihn alz Herzog von Kurland, obwohl das ihren Lebonsinteressen doch gerade zuwiderlief. Moritz kam nach Jahren als armer Abenteurer zu Adrienne zurück. Tie grand« Ainoureuse Lecouvreur hatte still auf ihn geroartet und hielt neues Geld für ihn bereit. Aber erst nach ihrem Tod« wurde ihr Geliebter einer der berühmtesten Feldherrn seines Jahrhunderts. An diesem ihren grauenvollen Tod war er vielleicht ein wenig be- teiligt. In Verbindung mit einer seiner anderen Freundinnen, der Herzogin von Bauillon. Es gab eine romantische Derschwörung nüt maskierten Herren und einem buckligen Abbe, heimlichen Billetts und versteck-en Giftpastillen. Schulmädchcns würdig. Die Herzogin macht sich kein Gewissen daraus, eine Frau, die dem breiten Volk entstammte, aus dem Weg« z» räumen, und hat um so weniger Bedenken, als dieses Kind des Volkes dem von der Kirche verdamm- ten Schauspielerstand angehört. Di«. Herzogin von Bouillon merkt nichts davon, daß Moritz von Sachsen in Wahrheit in den Händen einer kleinen, losen Sängerin ist. Nur Loltaire war bei der sterbenden Adrienne. Am 12. März 1730 hatte sie noch die Jokast« in seinem„Oedipe" gespielt. Nach der Vorstellung zeigten sich die ersten Bcrgiftungserscheinungen. Am 20. März hörte Voltaire ihr« letzten Worte. Der Verstorbenen ver- weigerte man Leichenbegängnis und Grab. Man hatte einen wunderbaren Grund gesunden. Der Pfarrer von St. Sulp!« hatte Zldrienn« vor dem Tode mit größtem Eifer aufgefordert, Reue über ihre Lebensstellung auszusprechen. Sie war zur„Reue über das Aergernis, das ihr Beruf mit sich führte", nicht zu bewegen. Die Leiche wurde nicht einmal auf eine Bahre gelegt, sondern um Mitter- nacht in eine alte Droschke gebrocht, nur von einer Runde Polizei- soldaten begleitet und von zwei Lastträgern auf«inem öden Vau- platz vergraben. Der fassungslose Voltaire hatte die Leiche sezieren lassen. Ilm eine erneute Leichenschau zu vereiteln, wurde der Leich- nam der Adrienne Lecouvreur mit frischem Kalk überschüttet, wie später der tot« Voltaire . Horben Klepper.
£. mojerichter: AtTlf Clteil»11561* SräleHetl
Singend schaukelt der Lumpensammler im Oelwasser um die Wände der Ozeankästen. Afrika trillert fo sein Morgenlied und in den Luxuskabinen er- machen die Puderquasten. Unterhosen, Büstenholter. Pauchbinden und Florstrümpfe stiegen aus den Bullaugen, und dem schwimmenden Lumpensammler von Port Said werden sie zu silbernen Sternschnuppen, die«r mit Schokoladenhönden aus dem Wasser fischt. Jetzt zieht er ein Berliner Zeitungsblatt in seinen Kahn, wo Inventurausverkäufe, Todesanzeigen, Angorokater zugelaufen und ehrlich gemeint im Sonnenbad Afrikas die letzten Reste ihres Zweckes wie eine Seele ausgeben... Weiß und weich, wie eine ausgedrückte Zahnpasta, schiebt sich der Suezexpreß an den Hafen. In den Warteräumen gibt es statt Stühlen nur Fliegen. Der Saal scheint von Heuschreckenschwärmen bis auf die vier Wände kahl gefressen zu sein. Durchs Coupefenster glitzert der Suezkanol wie die Litze eines Unteroffiziers. Wüst« und Meer schieben sich im Menzalesee in- einander. Der Zug rast sich in fieberndes Tempo hinein und noch immer hängen Feshändler, Zauberer mit allen Fingern voll Giftschlangen an den Waggontüren, gießen Wasservertäufer Limonaden durchs Fenster in die Tropenhelme der Reisenden. Stationen lang rollen Zwiebel... Zwiebel... Zwiebel in GiAer wagen vorbei. Zur Linken ist mit dem Lineal der Suez in übermenschlicher Einförmigkeit am Geleise emlanggezogen. Und das ewig Gradlinige läßt erst dos Wunderwerk dieses Trennungs- llriches zweier Erdteil« ahnen. Hier kann man vom Waggonfenfter aus— leere Konservenbüchsen von Afrika nach Asien schleudern. Und in drei Sekunden sind zwei Welten überwarfen. Aus der Afrikaseit« badet«in Vaggerarbeiter— und drüben in Asten liegt ihm Hemd und Hose... Der Staatenatlas des ganzen Globus zieht, auf die Masten der Schiffe geknüpft, im«anal vorüber. Aus«inem(leinen Fracht- dumpfer hängt die Frau Kapitän Kinderwäsch« in die ägyptische Sonn« und die gleiche Wörme, die einst die königlichen Leiber von dreißig Dynastien austrocknete, strahlt jetzt über dos baumwollene .Mamas Liebling". Von einem englischen Steamer her weht der Geruch von Beessteates. wozu ein Saxophonbläser am Achterdeck sein« Morgenandacht in die Wüste miaut. Auf den arabischen Bahnhösen waaet am Perron die Hitze. Vereinzelnd hocken Fellachendorser im Wültensand herum. Ueber ihr§ lehmige Armseligkeit wedeln die Palmen als Fanfaren höchst
königlicher Ueberhsbung. Und kein 2lugs wäre oerwundert, wenn in ihren Gezweig«» Englands Floggen wehen würden. Aus dem Suezschils singen Vögel die Kabarettlieder der Wüst«. Kanäle biegen hart an die Bahn her. Und jetzt glaubt man, die Schiff« im Kanal schwimmen im Sand« hin. Das Wasser Lcsseps ist versunken— beide Erdteil« zu seiner Rechten und Linken liegen als einziges, un zerschnittenes gelbes Tischtuch da, durch das die Schiffe in des Auges Täuschung wie Autos auf staubigen Straßen fahren. Am Horizottt wechseln die Wüsten ihr« Farben. Blendendes Weiß steigt auf, schreiendes Rot flutet dazwischen, Gelb überwältigt alles... Der Südwind schlägt als Brandung die ersten Sandwellen durch die geschlossenen Fenster. Di« Holzjalousien sausen herab. Aber im Abteil wirbelt der Staub. Jeder Biß der Zähne knirscht aus Sand. Und das Erlebnis der Wüste beginnt mft dem Gefühl — jetzt sind dir alle Plomben ausgefallen...! Europäisch« Kindersräulein fühlen unbewußt den Antrieb— ihr« Kleinen mit Kübeln und Schäufelchen zum Buddeln in diesen größten Sandspielplatz der Erde zu schicken. Ein Herr meines Abteils konfrontiert die Wüstenlandschaft mit den bisher gesehenen Abbildungen auf Zigorettenschachteln und nicht befriedigt:„Stimmt"...! Lampenschirmhell schimmert dos giftig« Grün der ersten winzigen Oasen auf. Palmemvälder rauschen. Schatten breiten über Wasserräder die Hände aus. Kamele ziehen die Minutenzeiger im Kreise und schöpfen Fruchtbarkeit in die Felder, die England erntet. Da reitet ein Muselmann mit geschultertem Sonnenschirm und Dattelkern« im Munde am Bahndamm entlang und seine Fersen ziehen Geleise in den Staub der Landstraße. Und bort unter diesem Laubdach rasten Mann und Weib mit ihrem Kind— und wenn wir zweitausend Jahre eher vorübcrgesahren wären, müßten es Maria und Josef mit dem Jesuskind geiveien sein— aus der Flucht nach Aegypten. Weihnachtskrippen bei 22 Grad Cesius...! Wie Telegraphendrähte durchschneiden die bleiige Lust— die Gebete, die von den Minaretts der Dorfmoscheen herab gen Mekka ziehen. In die Furchen der Aecker sind gläubige Leiber geworfen und das Lob Allohs blüht hunderttausendfältig daraus hervor. In den Gängen der Pullmannwaggvns riecht es nach Orangen und Pfefferminz. Unbemerkt stieg der Durst mit ein— und von Station zu Station macht er sich breiter und belostigl sogar die Ladies in I. Klasse. Immer näher scheinen die Abteil« gegen die überhitzt« Lok ». inotiv« vorzurücken. Alle Herren sitzen in Hosenträgern. Di« Damen fächeln mft Journale» Achtzig Kilometer fliegen vorüber,, JL
Draußen tanzt ein arabischer Jahrmarkt. Vor Cafehäusern aus Lumpen lagern Vollbart«, Kamele. Esel und ägyptische Polizisten durcheinander. Kinder balgen sich um Tabakstummel. Frauen tragen mehr Lasten aus dem Kops— als mancher europäischer Akademiker inwendig. Auf den Dächern liegen die Misthausen, und Hühner scharren durch die Decke den Muslim in den Schlaf. An den Süßwasserkanälen weiden Herden und Barken setzen Karo- wanen über. In Ketten schaufelt eine Sträslingskompagnie zwischen grasenden Büffeln. Und der Aufseher improvisiert mit der Rilpserdpeufche pfeifende Hieb« durch die gestockte Lust. Ein Sachse kaum auf die Idee— im Waschraum Erfrischung zu suchen. Wasser rann— aber es dampfte wie Teeaufguß. Man reibt sich mit Zitronenschale die Stirne, verschwendet die letzten Reste Kölnisches Wasser. Nichts hilft. Der Durst sitzt überlebensgroß in allen CoupHs und verwendet die Reisenden als Dünstobst. Und zum erstenmal im Leben bekommt man Einfühlung in das G-fühlsleben eines Vratkartoffels. Im Süden steigt das Mokkadamgebirg« in die Schinorpfanne des Himmels hinein. Die Straßen werden zu Ladentischen. Die Mäuler der Dromedar« heben sich und ahnen die Ställe. Im Kessel liegt, von zwei Wüsten garniert— Kairo , die Stadt ohne Wetter- bericht. Jacken werden zu Pelzmäntel, Strohhüte wandeln sich auf dem Kopf in Stahlhelme. K'msthoniggelb leuchten die Gesichter der Fahrgäste Port Said — Kairo und spiegeln eine Miniaturwüste. Eilig fahren Damenhände in ihre Handtaschen, um sich«ine kirschrote Oase um den Mund zu streichen. Aber— während der Fahrt waren die Lippenstifte geschmolzen. Und lagen wie zerlaufen« Vierfruchtmarmelade am Boden. Spaziersahren Unter den Linden find ein ander Ding— und einmal ist's auch schön, wenn Rouge statt zwischen Lippen— an Zwei siedenden Erdteilen vorbei zerschmilzt...
ITie foll das neueißerliiwrllluieum heilen t W!« sollen die neuen Museumsbauten genannt werden, die sich zwischen dem Kaiser-Friedrich-Wuseum, der Nationalgalerie und dem Reuen Museum aus der Berliner Musenmsinsel erheben und demnächst erösfntt werden sollen'? Diese Frage wirst der General- Direktor der Museen Wilhelm Waetzoldt in einem Aufsatz des„Kunfts Wanderers" auf, in dem er sich zugleich mit dem Wirrwarr der Mu- seumenamen überhaupt beschüstigt. Die Bezeichnung eines Mu- seums gibt ja in den seltensten Fällen das Wichtigste an, nämlich seinen Inhalt. Meist hängt der?tame mft irgendwelchen äußeren Beziehungen zusammen. Freilich hat es noch keinem Museum ernst- lich geschadet, wenn es einen nichtssagenden Namen trug, und auch die schönste Benennung kann keinem Museum zu Ruhm und Besuch verhelfen, wenn es keine innere Bedeutung besitzt. Aber da nun einmal Museen wie Kinder einen Namen kriegen müssen, so steht man jetzt auch bei den Neubauten vor der großen Frage der Namens- wähl. Unter den bestehenden Berliner Museen kann das Alle Mu- scum insofern seinen Namen-echtferligen, weil der Schinkel-Bau nicht nur Preußens ältestes Museinn fft, sondern auch seit drei Jahrzehnten nur Werke aller Kunst birgt. Sehr irreführend aber ist die Bezeichnung Neues Museum , das so als Ergänzungsbau zum Allen Museum genannt wurde, aber mit neuer Kunst laum irgendwelche Beziehungen hat. Noch schlimmer ist es bei dem ehe- maligen„Kunstgewerbemuseum", das überhaupt kein Kunstgewerbe mehr enthält. Die Neubauten auf der Museumsinsel zeigen zwei Flügel und einen verbindenden Querbau. Der Nordflügel, der d e deutschen Werke der Plastik und Malerei von der Völkerwandemmgs- zeit bis zum Rokoko enthält, wird als„Deutsches Museum" einen bezeichnenden und einprägsamen Namen führen. Der Quer« bau, der in der Mitte den gewalligen Pergmnonsaa! und in den benachbarten Sälen das Museum antiker Architektur umfaßt, erhält zwanglos den Titel Pergamonmuseum , und wenn man den Südslügel der Neubauten als Vorderasiatisches Museum ansprechen wollte, so fände das feinen Grund darin, daß im Erb- gsfchoß die Altertümer aus Babyion, Assur usw., km Obergeschoß die islamische Kunstabteilung Unterkunft finden. Läßt sich so dl» Tauf« der einzelnen Teile befriedigend lösen, so ist dies bei dem Gesamtkomplex nicht der Fall. Von der örtlichen Lage ausgehend. kann man an„Jnselmuscum"(auf der Museumsinsel ) denken oder an„Forummussum", weil es um den Formn genannten Ehmihof liegt oder an„Cttymujeum" wegen der Lage im Kern der Sa de. Man hat auch an die Nomen �iubiläumemus eum" oder„Jahr, Hundertmuseum" gedacht im Zusammenhang mit dem Jahrhundert- jubiläum der Beniner Museen. Aber kein« dieser Bezeichnungen befriedigt, und so bleibt iv« Frage: Wie soll das neue Mn'enm heißen? i'osn irausncplunijchen tPlanefen Die amerikanischen Zeitungen enthalten weiter spollenlang« Schilderungen von der Auffindung des neuen, des sogenannten transneptunischen Planeten durch das Lowell-Observatorimn i« Flagstaff und erörtern eingehend die Theorien, die sich cm dies« Entdeckung knüpfen. Nach der Alisicht der Leiter des Lowell-Obser- vatoriunts wird es allerdings Monate dauern, bis man sich auf Grund der Beobachtungen, die man jetzt mit den machtigsten Fern- röhren der Well anstellen wird, ein einigermaßen zuverlässiges Bild von dem Planeten machen kann. Denn dieser erscheint dein Auge auch in diesen Fernrohren nur als winziges Sternchen. Nack, Anfichi: der Astronomen muß der Planet von xiefigen Ozeanen, wenn man so sagen darf, bestehend aus flüssiger Luft umgeben sein. Auf jeden Fall glauben sie, daß der neue Planet noch tiefere Temperaturen als der Neptun ausweist, wo nach ihren Schätzungen die Temperatur so niedrig ist, daß dvs Stickstossgas einen festen Körper und der Sauerstoff zumindest eine dichte Wolke lüldei. Infolge der riesigen Eittfernung von der Sonn«, die mit etwa 2 Milliarden Kilometer angenommen wird, dürste auf dem neuen Planeten das Tageslicht, das von der Sonne ausgeht, für unsere Begriff« nur etwa die Stärke unseres Mondlichts haben. Tie Größe des Planeten setzt man der der Erde gleich, seine Ilmlaufsgeschwindigkoll nimmt man mit zwei Mellen In der Sekunde an, gegenüber 19 Meilen bei der Erde. Dem» entsprechend und in Anbetracht der großen Entfernung van der Tonne ergibt sich auch eine sehr lang« Dauer für ein« Umdrehung um die Sonn«— das Jahr auf dem transneptunischen Planeten dauert etwa 230 Erdenjahr«. Die Veränderung des Standorte des Planeten am Hirrmie! macht demnach für das menschlich« Auge während eiues Jahres nicht mehr als etwa zwei Monddrnte» aus.