Einzelbild herunterladen
 

Jlr.lZS 47. Jahrgang

1. Beilage des Vorwärts

Sonnabend, 42. April 4930

Eisenbahnkatastrophe in Frankreich Militärzug bei Besancon entgleist. S Tote, AS Schwerverletzte.

PariS . 11. April. Eis furchtbares Eisenbahnunglück ereignete sich gestern mittag in Laissey in unmittelbarer Nähe von Besanxon. Ein Militärzug entgleiste und ging vollkommen in Trümmer. Visher konnten 8 T o t e und 38 zum Teil sehr schwer Verletzte geborgen werden. Ein weiteres Telegramm meldet folgende Einzelheiten: Der Militärzug, der die Reservisten vom Militärübungslazer Valdahon in ihre Heimatstädte Belfvrt und Colmar zurückbringen sollte, hatte Besan?on verlosten und fuhr mit 70 Kilometer Ge­schwindigkeit die kurvenreiche Strecke nach Laissey zu. als einer der Wagen aus den Schienen sprang und den ganzen Zug mit sich ritz. Tn wenigen Sekunden bot die ganze Strecke das Bild einer furcht­baren Verwüstung. Sämtliche Wagen hatten sich buchstäblich in- emandergcfchoben und waren nicht wieder zu erkennen. Lautes Schreien und Todesstöhnen drang aus dem Trümmerhaufen, an dem sich die weniger Schwer, und Richtverletzten bemühten, ihre Kame­raden zu retten. Von Besamjon wurden sofort 80 Tragbahren uird die notwendigen Hilfsmannschaften entsandt, die im Augenblick noch mit den Bergungearbeiten beschäftigt sind, da immer noch Tote und verwundete unter den Trümmern liegen. Auch aus den be- nachbarten Ortschaften strömt die Bevölkerung zu Hunderten herbei und bemüht sich, an den Retwngsarbeiten teilzunehmen. Di« Leichen

wurden vorläufig an dem hohen Bahidamm. der den Doubs entlang führt, gebettet, während die Verwundeten sofort nach Lesan�on überführt wurden. Von D i j o n ist ein schwerer SO-Tonnen-Kran an die Unglücks­stelle geschickt, da ez zum Teil nicht möglich ist, mit den zur Verfügung stehenden Mitteln an alle Verlehlen und Toten heran- zukommen, da sie gröhtonteils zwischen schweren Wagenteilen ein- geklemmt liegen. Die Unglücksstelle bietet einen grauenerregenden Anblick. Teile menschlicher Körper liegen wahllos umher. Es war noch nicht müglich, all« Toten zu identifizieren. Der Kriegsministcr hat sofort eine eingehende Untersuchung angeordnet. Von bahn- amtlicher Seite konnte die Ursache der Katastrophe noch n.cht fest- gestellt werden. Das Unglück ist um so bedauerlicher, als die Refer- sisten ihre Uebung beendet hatten und zu ihren Familien zurück- kehren wollten. Es handelt sich fast ausschließlich um verheiratete Männer, die Frauen und Kinder zurücklassen. Paris , 11. April. Wie zu dem schweren Eisenbahnunglück bei Besan>:on ergänzend gemeldet wird, befinden sich unter den 18 Schweroerlehlen eine ganze Reihe, die kaum mit dem Leben davonkommen dürsten. An der Unglücksstelle wird immer noch fieberhaft gearbeitet, da man weiters Tote und Verletzte unter den Trümmern vermutet. Das Unglück ereignete sich bei der Ausfahrt aus einem kleinen Tunnel. Glücklicherweis« führt die Eisenbahnlinie an dieser Stelle zwischen zwei hohen Felswänden hindurch, so daß der Zug, als er

m M

Xausboot macht Frühling. Die Hausboote an den noch stillen Ufern der Berliner Seen erwachen zu neuem Leben. Das Winterquartier ist zu Ende und die Boote, noch grau von Wind und Wetter der schlechten Jahreszeiten., merden überholt und aufgefrischt. Sie harren der Wohn- gaste, um mit ihnen in jene ver* rountchenen Winkel zwischen Schilf, Wiese und Wald zu reisen, die nun mal das Ziel jeder Schwimmenden Wassermohnung sind.

entgleiste, auf dem Bahndamm blieb. Die Folgen des Unglücks wären ungleich schwerer gewesen, wenn die Wagen auf offener Strecke den hohen Damm in den Fluß hinuntergestürzt wären. Die Ursache des Unglücks ist in Bauarbeiten zu suchen, die aus diesem Teil der Strecke ausgeführt werden. Unoerständlick)erweise war die Baustelle nur durch eine kleine rote Fahne bezeichnet, so daß der Zug mit voller Geschwindigkeit darüber Hinwegsuhr.

Bewag'Anleihe perfekt. 15 Millionen Dollar zu günstigen Bedingungen. Die Verhandlungen der Bewag mit dem amerika- nischen Vaukhans Dillon, Read n. Co., Uber die der Vorwärts" bereits vor einiger Zeit berichtete, sind jetzt znm Abschluß gekommen. Das New-B?rker Bankhaus gewährt der Bewag einen langfristigen Kredit in Höhe von fünfzehn Millionen Dollar. Die Anleihe ist s c ch s P r o z e n t i g mit Zinsterminen am 1. April und 1. Oktober und hat eine Laufzeit von 23 Jahren. Man rechnet mit einem Emissionskurs von 90\i Prozent, sollte das Bankhans in New Dork einen höheren Kurs als OOVa' Prozent erzielen, so soll die Betvag an dem dann eintretenden Gewinn Anteil habe». Tie Anleihe wird in erster Linie zur Abdeckung der kurzfristigen Kredite benutzt werden, die rund 23 Mil- lioncn Mark betragen. Der Rest wird für den Ausban des Verteilungsnetzes und zur Fertigstellung des neuen großen W e st k r a f t w e r k e s Verwendung finden. Beachtlich au dem Vertrage ist, daß an Stell« eines üblichen Tilgungsfonds nur ein halbjährlich aufzufüllender Ankaufsfonds vorgesehen ist. Rückkäufe aus diesem Fonds erfolgen nur, falls Stücke zu einen, Preis unter 100 Proz. am Markt erhältlich find. Der Fonds wird so dotiert, daß maximal SO Proz. des Anleihe- betrages während der Dauer der Laufzeit zurückgekauft werden können. Die Anleihe ist auf die Dauer von fünf Iahren unkündbar: während der anschließenden fünf Jahre ist bei Kündigung ein mit 23 Proz. beginnendes, in jedem Jahr um ein halbes Prozent sinkendes Agio zu zahlen. Irgendwelche besonderen Sicherheiten sind seitens der Bewag nicht gegeben worden. Die Anleihe, deren Einführung an den Börsen von R c w P o r k, Boston und A m st e r d a m beabsichtigt«ist, bildet einen erfreu- lichen Fortschritt in der Finanzierung der Bewag..Es ist der Bewag nämlich erstmalig gelungen, eine Emission auf der Basis von sechs proz. vorzunehmen, während ihre Schweizer Anleihe von 1925 mit 7 Proz. und die beiden großen Dollaranleihen von ISA und 1929, die gleichfalls mit Dillon, Read& Co. abgeschlossen wurden, mit( Proz. belastet sind. Zum deutschen Treuhäicher für du» Anleihe wird die Deutsche Kreditsicherung A.-G., Berlin , bestellt. Kein Verkauf der Migers-Aktien. Die Meldung, daß die Stadt Berlin oder die Städtischen Ga?« werke di, in ihrem Besitz Hindlichen Rüt g er s- Aktion ver- kauft hätten, trifft nickst zu. An einen Verkauf dieser Aktien wird nichr gedacht. ?m ftutzbach-prozeß wurde gestern die Beweisaufnahme geschlossen, nachdem etwa 150 Zeugen vernommen worden sind. Am Dienstag beginnen die beiden Staatsanwälte ihre Plädoyers.

Warum hat sie denn nicht schon früher roaz gesagt?" Die hat sich gefürchtet." «Sind Sie so streng?" Das will ich glauben. Wie sie zum erstenmal in der Hoffnung war, das Luder, das Mensch" Da hat also ihre Tochter schon ein Kind." Natürlich, die Kleine, die Pia, zwei Jahre ist sie schon. Und wenn die Frau Delius nicht so gut gewesen war, ihr macht das gar nichts, sagt sie, wenn es nur aus Liebe ist, lagt sie Was hat denn die Frau Delius damit zu tun?" Die Frau Delius. das ist doch unsere Wohltäterin. Die hat doch die Dyveke ins Haus genommen und die Pia gleich mit, sckön ist das Kind, sag ich Ihnen, wie eine Kirschblüte Ihre Tochter ist-also das Dienstmädchen von Frau Delius." Ja, und was ihren ersten Fehltritt betrifft Hören Sie auf. das gehört nicht hierher. Da Ihre Tochter zweiundzwanzig Jahre ist, also ein erwachsener Mensch, wird es am besten sein, sie meldet sich selbst zur Ein- vernähme. Und passen Sie auf, Hansen, wenn ich Ihnen einen Rat geben darf. Ihre Tochter soll zu niemandem ein Wort reden, zu niemandem, haben Sie wich verstanden?" Ack, das arme Ding, die fitzt ja ohnehin nur den ganzen Tag in der Küche und plärrt. Wenn nicht das Fräulein Hasting war" Das Fräulein Hasting?" Ja doch, die von der Zeitung. Eine gut« Dame, eine edle Dame." Schon gut, schon gut. Schicken Sie mir also dt« Dyoele, Hansen. Und warten Sie noch einen Augenblick. Was ist das für eine Geschichte mit der Gräfin, ach, Sie wissen schon, mit der Gräfin Aaresund?" Ja, das ist nämlick) so: ich red' nicht gern über die 5ierr- schaften." Ob Sie gern reden oder nicht, ist gleichgültig. Hier haben Sie die Wahrheit zu sogen." So wahr mir Gott helfe. Herr Richter, die Gräfin ist mit ihrem Auto aus dem Puchemvald rausgetommen und der

Herr Rist war drin im Auto, und dann ist der Herr Rist ge- schwind rausgesprungen, und sehr verlegen war er. das kann ich beschwören, und auf meine Fähre rüber und die Gräfin fort, davon, als wär der Teufel hinter ihr drein, ihr großes Auto wars, der Tourenwogen, und einen grünen Hut hat die Gräfin Schon gut. Ich schließe das Verhör." Kgl. Amtsgericht Sandrup, 26. Juni. gez. Christian Hansen. H. G. Iakohsen. Protokoll aufgenommen mit Dyocke Madscn, geb. 1907 in Sandrup, roan- gelisdi, ledig, derzeit Ditntfmäddien im Hause der Frau Delius auf Lynii. Ich bitte Sie. so schwer es Ihnen auch fallen mag, ganz offen zu uns zu sprechen... Weinen Sie nicht... Aber so weinen Sie dock) nicht so furchtbar... Hier will Ihnen doch wirklich niemand was zuleide tun... Liebes Frau- lein Madsen, nehmen Sie Vernunft an... Das kann dock nicht so weitergehen... Da kann ich Sie gleich wieder naa) Hause schicken..." Ich schäm mir so, ich schäm mir so..." Vor uns brauchen Sie sich doch nicht zu schämen. Uns kennen Sie ja gar nicht. Wir sind doch sozusagen nur Amts- Personen... Rein, mein Kind, so geht das nicht weiter... Wenn Sie nur hergekommen find, um zu weinen" Ich schäm mir aber doch so furchtbar..." Schaun Sie, Dyveke, das hat doch keinen Sinn... Haben Sie mal den Kopf Ich furcht mir aber so... Warum hat denn Vater nicht auch mit rein dürfen..." Was ist das für ein Unsinn? Sie werden sich doch vor mir nicht fürchten." Nein, aber vor ihm, er ist doch auch da!" Vor Torben Rist? Da brauchen Sie keine Angst zu haben. Den werden wir nicht hereinrufen." Aber er ist doch hier. Ganz dicht daneben. Ich spure, ich spure. Mein Hals wird ganz steif." Was soll denn das wieder heißen?" Cr ist da. Dort hinter der Tür. Ich spüre, ich spüre. Gleich wird er hereinkommen" Halt, hast, sind Sie denn ganz verrückt? Sie werden mir doch nicht davonlaufen. Donnerwetter noch mal, bleiben Sie stehen!" Das ist kein Christ nicht und überhaupt lein Mensch. Das ist«in Katholischer und ein Deuwel. Wenn der uochmal in meine Nähe kommt, mich rührt auf der Stelle der Schlag." Fräulein Madsen, wenn Sie hergekommen sind, um

uns Szenen vorzumachen, so gehen Sie nach Hause und nehmen Sie«in kaltes Bad. Meine Geduld ist erschöpst. Gehen Sie!" Dann wird Vater aber böse sein. Cz ist doch wegen der Anzeige." Na, sehen Sie. Sie sind ja gar nicht so dumm. Setzen Sie sich mal ruhig nieder und erzählen Sie, was also was Herr Rist Ihnen getan hat." Der hat alle? getan, der ist die Schuld, der ist kein Mensch nicht.- Ruhig, Fräulein Madsen. Passen Sie mal gut aus- Wir wollen etwas wissen. Sie erwarten«in Kind?' Ich schäm mir so. ich schäm mir so.. Ja, aber zur Sache. Von wem ist das Kind?" Na. von ihm natürlich, von dem Deuwel." So wie Sie sprechen, scheinen Sie Herrn Rist ja nicht besonders zu lieben. Wie kommt es also, daß daß Sie jetzt ein Kind von ihm erwarten?" Ringeschmissen hat er mir in den Straßengraben." Wann?" Nach dem Tanz im Krug. Ich ging zeitlich zu Hause, weil Frau Delius wollte große Wäsche machen nächsten Tag, da heißts immer schon früh aus dem Bett, und auf einmal o Gott, o Gott, ich schäm mir so." Wissen Sie noch das Datum?" Am Sonntag." An was für einem Sonntag?" Ich schäm mir so, ich Hab solche Angst." Jetzt geht die Heillcrei wieder an. Hören Sie zu. Dyveke, ich will Sic nur noch etwas fragen. Hat Herr Rist, auch abgesehen von dem bewußten Sonntag, Sie Herrgott, Sie sind doch schließlich eine Frau mit einem 5tind, Sic werden schon wissen, was ich meine." Das mit dem ersten Kind, das ist ganz was anderes, das war die große Liebe, sagt Frau Delius, und da ist es keine Sunde nicht." Ja. aber davon sprech ich doch gar nicht Ich meine nur, ob Herr Rift zum Beispiel auch schon vorher einmal mit Ihnen zärtlich gewesen ist?" Der? Alle Augenblicke ist er dagewesen mit seiner Geige und wenn er einen nur angeschaut hat, auf den Hals geschaut, ganz steif ist man geworden, hat den Kopf gedreht, wie er nur wollen hat, das ist ja kein Mensch nicht, das ist ein Deuwel, kein Christ ist das" Ich schließe das Verhör" Kgl. Amtsgericht Sandrup, 26. Juni 1929. gez. Dyveke Madsen. H. G- Iakobsen. (D?rtsetzung folgt.)