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Wer sich als Derrschaft" fühlt. Das Schiff der fünf Baterländer.

Schamlose Behandlung einer jugendlichen Hausangestellten.

Ein junges Ehepaar bewohnt 3 mei 3immer nebst Küche und Bad. Da die Frau teine Berufsarbeit ausübt, hätte sie wohl den kleinen Haushalt selbst besorgen können, aber das ist nicht nobel. Man will als errschaft" gelten. Also nahm man eine Hausangestellte an, ein Mädchen von fünf­zehn Jahren. Jugendliche Arbeitskräfte sind ja billig.

Aber auch Hausarbeit will gelernt sein. Von einem 15jährigen Kinde kann man wirklich nicht erwarten, daß es ohne Anleitung tadellos arbeitet. Die Dame", die erst 22 Jahre zählt und sich die zarten Hände wohl nie durch Hausarbeit beschmutzt hat. gab dem Mädchen teine Anleitung. So fam es denn, daß die ., Herrschaft" mit der Arbeit des Mädchens nie zufrieden war. Aber statt sachgemäßer Anweisung gab es fortgefeht Tadel und zurecht­weisungen in fchrofffter Form.

Das Verhältnis spitzte sich so zu, daß das Mädchen vor Ablauf der Kündigungszeit die Arbeit aufgab und unter dem Beistand seiner Mutter vor dem Arbeitsgericht flagte.

Hier wurde durch die eigenen Angaben des beklagten, errn", der in sehr anmaßender Weise und im Vollgefühl seiner Herrschaftlichkeit" auftrat, folgendes festgestellt. Das Mädchen, dem fein eigenes Zimmer zur Verfügung stand, mußte sein Nacht lager allabendlich im herrschaftlichen" Wohn­zimmer aufschlagen. Der Herr" erwartete, daß er morgens von dem Mädchen geweckt würde und er war sehr entrüstet, wenn das Kind die Zeit verschlief und er sein Frühstück nicht rechtzeitig bekam. Einmal hatte der Herr" im Wohnzimmer eine Riste geöffnet und dabei Späne und Nägel verstreut. Weil das Mädchen diese Spuren der herrschaftlichen" Tätigkeit nicht beseitigt hatte, nahm sie der Herr" beim Ohr und zog sie so nach der betreffenden Stelle, um ihr ihre Nachlässigkeit" zu zeigen.

Die Herrschaften" baden regelmäßig gemeinsam in einer Wanne und benehmen sich dabei in jugendlicher Ausgelassenheit. Einmal wurde das Mädchen ins Badezimmer gerufen, um den im Wasser herumtollenden ,, Herrschaften" ein Handtuch zu bringen. Was ist ,, wir sind ein junges Ehepaar, sagte der Herr übrigens weiß ich nicht, daß wir das Mädchen gerufen haben, sie wird wohl ungerufen ins Badezimmer gekommen sein."

denn dabei"..

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Das Mädchen hat öfter vergessen, den herrschaftlichen" Nacht­topf auszuleeren. Um ihr diese Nachlässigkeit" zum Bewußtsein zu bringen, ergriff der ,, Herr" einmal den Nachttopf, tauchte seine Hand in die Flüssigkeit und sprißte sie dem entsetzten Mädchen ins Gesicht. Er sagt allerdings, es sei nur Wasser in dem Topf gewesen, den er selbst vorher entleert hatte. Aber" jagt er ,, fie sollte glauben, daß der Topf noch mit der ursprünglichen Flüssigkeit gefüllt war, denn ich wollte sie ja abschrecken."

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Der Gedanke, daß alles, was man an der Arbeit des Mädchens auszusehen hatte, auf ihre jugendliche Unerfahrenheit zurückzuführen fei, kam den ,, Herrschaften" nicht. Der Herr" hatte dafür eine andere Erklärung. Er glaubte, die Gedankenlosig keit des Mädchens tomme daher, daß es Onanie treibe. Brutal rief er ihr zu:, Sie haben ja ein ganz verwichstes Gesicht." Er bohrte ein Loch in die Tür der Toilette, und nun beobachteten die Herrschaften" das Mädchen, wenn es den verschwiegenen Ort benußte und wollen gesehen haben, daß ihre Annahme zutreffe. Das alles sind, wie gesagt, die persönlichen Angaben des fich sehr vornehm fühlenden Herrn", der sich Direktor nennt, ohne daß bekannt wurde, ob er nicht selber sich dazu ernannt hat. Als das Mädchen schließlich erklärte, daß es die Arbeit verlassen wolle, da verlangte die Dame es war an einem Sonntag-, das Mädchen müsse erst die in der Badewanne eingeweichte Wäsche fertigwaschen. Dann gingen die Herrschaften" fort. Das Mädchen blieb den ganzen Tag ohne Speise und Trank allein in der Wohnung, machte die Wäsche fertig und verließ am Abend das ..herrschaftliche" Haus.

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Das Gericht erkannte die fristlose Aufgabe der Arbeit als berechtigt an und verurteilte die Herrschaft" zur Zahlung von Lohn und Koffgeld für die Kündigungszeit.

3000 Paar Strümpfe gestohlen. Einbruch in die Leiserfiliale Königsberger Straße.

Ein großer Einbruch wurde in der vergangenen Nacht in die Leifer Filiale in der Königsberger Straße 7 verübt. Den Dieben fielen 3000 Paar Strümpfe und etwa 100 Paar Schuhe in die Hände.

Die Diebe drangen in den Keller des Hauses ein und durch= stemmten in mühevoller Arbeit die Decke, die zum Laden führt. Es ist kaum anzunehmen, daß sie die Arbeit in einer Nacht bewältigt haben, sondern schon in den Nächten zuvor vorgear­beitet" haben. Die Einbrecher trafen reiche Auswahl und nur feidene Strümpfe fanden ihre Aufmerksamkeit. Die Beute, die eine Bleine Wagenladung ausgemacht haben muß, fonnten sie völlig un= bemerkt fortschaffen. Weder von den Hausbewohnern noch von dem Wächter sind die Diebe bemerkt worden. Nach dem Befund fommen nur Dedenspezialisten" für den Einbruch in Frage. Offen­bar handelt es sich um eine größere Kolonne, die mit allen Siche rungen gegen irgendwelche Ueberraschungen vorgegangen ist.

3000 Waggonladungen Flachs verbrannt. 3wei Feuerwehrleute getötet.- 20 Millionen Schaden Riga , 12. April. In der vergangenen Nacht wurde ein 200 meter breites vierstödiges Gebäude der Rigaer Fabrik Provodnik, in dem fich die Flachsniederlage der russischen Schiffahrtsgesellschaft Sowforgflot befand, durch Feuer vernichtet.

Der Brand war um 8 Uhr abends im driffen Stockwerf ent­ffanden und breitete sich mit rafender Geschwindigkeit aus. Die ge­famte Rigaer Feuerwehr wurde herangezogen und versuchte zunächst die unteren Stockwerte des Gebäudes zu retten. Kurz vor 10 Uhr erfolgte jedoch ein Dedeneinsturz, wobei zwei Feuer­wehrleute unter den Trümmern den Tod fanden und vier andere schwer verlegt wurden. Die Flammen ergriffen darauf auch die übrigen Teile des Gebäudes. Die Löscharbeiten waren heute früh noch nicht beendet. Die Kriminalpolizei leitete eine Untersuchung über die noch nicht geflärte Ur'sche des Brandes ein. Nach einer vorläufigen Schähung sind etwa 3000 Waggon­ladungen Flachs im Werte von 25 Millionen Cat( 20 Millionen Mart) verbrannt.

Nur noch drei Tage: Das politische Plakat". Die Ausstellung: Das politische Platat im Buchgewerbesaal Dreibundstraße 5 ( 1.- Bahn Kreuzberg ) ist nur noch bis zum 14. April geöffnet. Benußt die letzten Tage zum Besuch und zur Abstimmung über das wirtsamste Platat. Eintritt ftei. Geöffnet von 10 bis 20 Uhr. Sonn tag von 10 bis 14 Uhr.

Wetter für Berlin . Uebergang zu veränderlichein Wetter mit leichter Abkühlung, Neigung zu Schauern. Für Deutschland : Westoftwärts fortschreitender Uebergang zu unbeständigem Wetter.

Von Hans Bauer.

Es wird auf einer deutschen Werft von deutschen Arbeitern ein Da fährt es nun also über die Meere, das deutsch - dänisch­Schiff gebaut, ein Handelsschiff. Aber damit ist nicht gesagt, daß füdamerikanisch- nordamerikanisch- chinesische Schiff. Mit einiger Phan­es sich um ein deutsches Schiff handelt. Das Schiff ist von tafie tann man sich tolle Sachen ausmalen. Beispielsweise, daß das einem dänischen Reeder in Auftrag gegeben worden, und wird südamerikanische Beheimatungsland urplöglich in einen Krieg ver­( nebenbei bemerkt, um die Umsatzsteuer zu sparen) außerhalb der wickelt wird, zufällig mit einer Macht, aus deren Landeskindern der Hoheitsrechte dem Dänen übergeben. Aber damit ist nicht gesagt, Kapitän unseres Schiffes seine Matrosen geheuert hat. Der rück­daß es sich nun um ein dänisches Schiff handelt. Der dänische fichtslose U- Boot- Krieg wird erklärt. Unfer Schiff wird in Grund Reeder läßt das in Deutschland gebaute Schiff vielmehr in einem gebohrt. Landsleute verjenten ihre Landsleute. Aber jener süd­südamerikanischen Staate beheimaten. Aber damit ist nicht gesagt, amerikanische Staat würde aus patriotischen Anständigkeitsgründen, daß das Schiff jemals Südamerika ansteuerte. Das in Deutsch und weil er über die Einzelheiten feineswegs genau orientiert ist, land gebaute, einem Dänen gehörende, unter der Flagge eines füd natürlich nicht umhin können, der Besatzung des Schiffes, das seine amerikanischen Staates fahrende Schiff pendelt vielmehr ausschließ Flagge über die Meere trug, als Helden zu gedenken. Auch diese lich zwischen den Bereinigten Staaten und China hin und her und Matrosen starben fürs Baterland: für das unbekannte Wahlvater liegt dem Teehandel ob. Warum hat der Däne sein Schiff in land des geringsten steuerlichen Widerstandes, das der unbekannte Deutschland bauen laffen? Weil unter den Angeboten, die er ein Schiffseigentümer türte. geholt hat, das deutsche das vorteilhafteste war. Warum beheimatet er eben dieses Schiff in einem südamerikanischen Staat? Weil er steuertechnisch dabei besser wegfommt, als wenn er es in Dänemart beheimatet. Was interessiert ihn, den Dänen, die Versorgung Ameritas mit chinesischem Tee? Diese Frage ist eine ausgesprochen dumme Frage und einer ernsten Antwort nicht wert.

Das Schiff, von dem hier die Reede ist, ist kein Phantasie produkt. Es ist durchaus eine Realität und existiert: die Daten habe ich von einem Boltswirtschaftler. Aber es ist auch wieder etwas anderes als eine Realität: ein Symbol. Es spricht nichts dagegen, daß der dänische Eigentümer ein guter Däne ist, ein Herr, der dänische Kultur in fich aufgenommen hat, die dänische Landschaft liebt, dem dänischen Sprachperein angehört und, wenn es sein muß, für Dänemark mit seinem Blute einzustehen bereit ist. Aber wie national er auch selber ist: sein in die Form eines Schiffes ge­gossenes Kapital hat andere Vaterländer: ein deutsches Herkunfts-, ein südamerikanisches Steuer-, ein nordamerikanisch- chinesisches Verdienstvaterland. Und an alledem ist gar nichts Besonderes. Mit gutem und bösem Willen, mit lobens- und tadelnswerten Eigen­schaften hat das alles nichts zu tun. Der Reeder tat, was die meisten anderen an seiner Stelle auch tun würden. Kapital gehorcht feinen eigenen Gesetzen, die mit dicerer Flüssigkeit geschrieben sind als das Blut, das in den Adern des fanatischsten Nationalisten rollt.

Geeschlacht" in Weißensee.

Unter den Wanderbühnen genießt das Ostdeutsche Landes. theater des Verbandes der deutschen Volksbühnenvereine einen besonders guten fünstlerischen Ruf. Eine Aufführung für die Weißenseer Boltsbühne in der Stadthalle bestätigte seinen Ruf aufs neue. Gespielt wurde Goerings Seeschlacht". Das Theater geht von Weißensee aus vier Wochen auf Gastspiele in die theaterlosen Städte der weiteren Umgebung Berlins . Schon die Wahl des Stückes beweist den ernsthaften künstlerischen Willen des Theaters und zugleich auch eine gelungene Erziehungsarbeit am Publitum.

Eine Schar guter Schauspieler verhelfen unter Gau- Hamms straffer Regie Goerings Kriegsstück zu neuem Erfolg. Hier und da mangelnde schauspielerische Reise wird durch einen erfreulichen jugendlichen Schwung ersetzt. Prächtig frisch im Ton Hans Mah. lau und Georg Völkel Gau- Hamm selbst gibt den zweiflerischen und rebellifchen fünften Matrosen schwer und betont proletarisch. Ein Prolog Wißt ihr noch", von Lotte Körner wirksam ge­

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prochen, leitet nach einem Filmstreifen zur Handlung im Panzer turm eines Kriegsschiffes vor dem Stagerrat über. Jürgen Wegeners Bühnenbild hätte auch einem Berliner Theater alle Ehre gemacht.

Die Boltsbühnen in den kleinen Städten um Berlin fönnen mit Recht auf dieses Theafer stolz sein.

Französische Kulturfilme.

Urania.

S.

Frankreich war der Pionier der Lehr- und Kulturfilme. Aber heute ist es von Deutschland überholt. Jean Painlevé , der Sohn des bekannten französischen Politikers, der Freitag einen von der Urania veranstalteten Vortrag im Langenbed- Birchow- Krankenhauje über den wissenschaftlichen Film in Frankreich " hielt, beklagte sich darüber, daß es heute in seinem Vaterlande weder Gelb noch Publi­tum für Lehrfilme gebe.( Unter uns gejagt: in Deutschland fönnte fum für Lehrfilme gebe.( Unter uns gejagt: in Deutschland fönnte das Interesse dafür auch größer sein.) Er führte uns dann eine Reihe von ihm hergestellter biologischer Filme aus dem Leben von Geewassertieren vor.

Diese Filme, die uns der junge Painlevé vorführte, verdienen das höchste Lob. Sie sind in der Regie und Aufmachung, in der Photographie und der Herrichtung für ein breites Bublikum ganz Photographie und der Herrichtung für ein breites Bublifum ganz vortrefflich. Diese anschaulichen Bilder, die vom Tintenfisch, dem Seeigel, dem Einsiedlerkrebs, von Krabben und Garnelen berichten, wollen nicht bloß belehren, sondern auch unterhalten und dem Auge einen Genuß bereiten. Die besondere Begabung der Franzosen für das Dekorative macht sich darin angenehm geltend. Ganz herrliche Lichtwirkungen werden erzielt, wenn zum Beispiel der Röhrenwurm seinen feingegliederten Fächer herausstreckt und entfaltet. Dann in einer foloffalen Bergrößerung( 200 000fach!) werden Einzelheiten gezeigt, die im höchsten Maße den von Hädel geprägten Ehrentitel Runstformen der Natur" verdienen. Freilich wird in der Sucht, spannend zu gestalten, Boffierliches und Amujantes zu bieten, auch zuweilen zuviel des Guten getan. In der Natur werden sich solche zuweilen zuviel des Guten getan. In der Natur werden sich solche Streitereien der Einsiedlerkrebse um leere Muscheln faum so ab­spielen, und auch die Kämpfe der Krabben find sehr forciert( übrigens werden die Garnelen hierbei fälschlich als Flohkrebse bezeichnet). Aber dafür ist alles höchst lebendig und bereitet hohen ästhetischen

Genuß.

Wenn die ranzosen solche prächtigen Naturbilder nicht sehen mögen( weil es an einer Drganisation dafür fehlt), soll Herr Pain­levé fie nach Deutschland schicken; wir sind ihm dankbar dafür.

T.

Der Streif um das Nietzsche- Archiv. In der Literarischen Welt" wird der Streit um die öffentliche Kontrolle des Niegsche Archivs wieder aufgenommen. Es wird erneut der Vorwurf er­hoben, daß wichtige Stücke des Nachlasses verheimlicht werden und die Verwaltung derart befangen sei, daß an manchen Stellen ge. radezu von Verfälschung geredet werden müffe.

Bühnenchronit. Dr. Rober! Iein hat auf eine Reihe von Jahren das Renaissance- Theater gepachtet.

im

Werner Krauß ist von feiner Erkrankung wieder hergestellt und spielt beater in der Stresemannstraße in der Erstaufführung von Balter Hafenelevers Komödie Napoleon greift ein" die Rolle oes Napoleon".

Bielerorts auf der Erde entstehen jetzt solche steuertechnische Wahlvaterländer des Kapitals. Das furioseste ist das Fürstentum Liechtenstein , 11 000 Einwohner, eingeflemmt zwischen die Schweiz und Desterreich, Hauptstadt Baduz, auf fleineren Landkarten nicht zu finden. Ein lächerliches Ländchen, wohl das fleinste in der Welt: aber man soll nicht gering über Liechtenstein denten, es beherbergt die Hauptfige einer großen Reihe wichtiger internationaler Kartelle und Trusts, fogar Ford hat sich neuerdings dort angefiedelt und das hat mit seinen niedrigen Steuersätzen der dortige Fürst getan. Aehnliches wurde vor einiger Zeit auch innerhalb Deutschlands meinten mit ihrem Anhaltinertum und sich zum Unterschied von 30 000 anhaltische Landwirte, die es im übrigen sehr ernst unsereinem durchaus etwas barunter vorstellen tonnten, stimmten, aller Heimatliebe zum Troß, für den Anschluß an Preußen, das sie im übrigen gar nicht recht leiden konnten: indessen, die Steuern waren hier niedriger.

erlebt.

Und so streicht es durch die Wellen, das Schiff das Schiff des Kapitalismus im gegenständlichen und im bildlichen Sinne. Rein Vaterland ist ihm zu gering, als daß es sich seiner nicht bediente und feines so großartig, als daß es dieses Vaterland nicht verleugnete. Am Sed weht eine Flagge. Die heiligste Flagge der Welt: die Flagge des geringsten Steuerfages.

Grocks Schwanengefang.

Unter der Ueberschrift Ich bin es müde, ein Clown zu sein", hat Grock , der berühmteste Clown Europas , im Pariser Bravo" einen Artikel veröffentlicht, der sich über das Glück und Elend des Artiftenlebens verbreitet. Es gibt wenig Berufe", schreibt Grod, der sich in dieser Saison endgültig von der Bühne verabschiedet ,,, die so aufreibend sind und so viele und beständige Mühe und Aufmerk­samkeit erfordern, wie die der Clowns und Atrobaten. Und wenn der Gewinn vielleicht auch des Einfahes an Mühe und Arbeit mert ist, so ist er doch so selten und so schmer verdient, daß ich niemand raten möchte, meinen Spuren zu folgen. Auf jeden Artisten, dem es gelingt, sich einen Namen zu machen, tommen Hunderte, die mit

Mühe und Not eine Hungergage verdienen. Und sind sie wirklich zu Ansehen gekommen, so vergessen die Clowns/ zu schnell, daß sie einmal arme Artisten waren. Sie werfen ihr schwer verdientes Geld forgios rechts und links fort, ohne auch nur einen Augenblick an die Zukunft zu denken. Das ist möglicherweise mit ihrem

Künstlertemperament zu erklären. Ich muß gestehen, daß unsere Arbeit zu schwer ist, um wahre Befriedigung auftommen zu laffen, wenn keine andere Ablenkung zur Verfügung steht. Es gibt Zeiten, in denen mich die Wahrnehmung, im Einklang mit meinem Publi­fum zu sein, mit unvergleichlicher Freude erfüllte. Das ist das höchste Privilegium des Künstlerberufs. Es ist immer schwerer geworden, sich als geschickter Jongleur, Afrobat oder Clown hervor. zutun. Das Publikum ist allzu blafiert und nicht länger mit den bescheidenen Nummern abzuspeisen, die es früher in helles Entzüden Derfekten."

Wer trinkt am meisten Kaffee?

Es ist von großem Interesse, an Hand der Statistiken festzu­stellen, daß der Kaffeeverbrauch eines Bandes gang deutlich sich nach feiner geographischen Lage richtet. In Europa , dem einzigen Erd­teil, aus dem genügend genaues Zahlenmaterial vorliegt, beispiels. weise steigt der Kaffeetonfum, je weiter wir bon Süden nach Norden, fällt er, je weiter wir von Westen nach Often vordringen. Eine Ausnahmestellung nimmt nur das teetrinkende Inselvolk der Eng länder ein, wo auf den Kopf der Bevölkerung jährlich nicht mehr als 0,37 Kilogramm Kaffee entfallen.

Am meisten Kaffee wird also in Nordeuropa getrunken, in Dänemark pro Kopf und Jahr 7,27 Kilogramm, in Schweden und Norwegen gleichmäßig 7,13 Rilogramm. In zweiter Linie kommt der Westen, und zwar Belgien mit 5,5 Kilogramm, Holland mit 4,89 Kilogramm und Frankreich mit 4,05 Kilogramm. In Mittel­ europa entfallen in der Schweiz 3,38 Kilogramm auf jeden Be wohner, in Deutschland genau 2 Kilogramm, in Dester­reich 1,26 Rilogramm. In Südeuropa treffen auf Italien und Spa. nien je 1,17 Rifogramm, auf Griechenland 1,04 Kilogramm. Am wenigsten Raffee getrunten wird in Osteuropa , und zwar in der Tschechoslowatei 0,98 Rilogramm jährlich, in Jugoslawien 0,78 Stilo gramm, in Ungarn 0,45 Kilogramm und in Bolen 0,26 Kilogramm.

Gehen wir über die Grenzen Europas noch weiter nach Often, so wird der Kaffeekonsum ständig geringer, bis er in Japan bei einem jährlichen Verbrauch von 23 Gramm pro Kopf der Bevölke rung anfangt.

von Amerika pro Kopf und Jahr 6 Kilogramm, in Australien Zum Vergleich sei angeführt, daß in den Vereinigten Staaten 3 Kilogramm verbraucht werden.

Dr. R. H.

Welche deutsche Städte haben den größten Bibliothetsbesit? Auf dem ersten Internationalen Bibliothetstongreß in Rom war fürzlich eine von der Deutschen Bücherei bearbeitete Bibliothefstarte ausgestellt, die die Bibliothetsbestände der größeren Städte Deutsch­ lands darstellte. Danach steht Berlin mit 9 360 000 Bibliothefs­bänden an der Spize; es folgen Münden mit 4 260 000, Leipzig mit 3 180 000, Dresden mit 1890 000, Hamburg mit 1370 000, Breslau mit 1 230 000. Betrachtet man die Bibliothetsbestände im Stuttgart mit 1 400 000, Frankfurt am Main mit 1280 000 unb Berhältnis zur Bevölkerung, so ergibt sich ein anderes Bild. Dann hat München die Führung; hier tommen nicht weniger als 6,2 Bände auf einen Einwohner. An zweiter Stelle steht Leipzig mit 4,6 Bänden. Dann folgen Stutgart mit 4, Dresden mit 3,1, Frant furt am Main mit 2,7, Berlin mit 2,3, Breslau mit 2,2 und Ham­ burg mit 1,6 Bänden. Insgesamt entfallen in Deutschland auf 60 Millionen Einwohner 54 Millionen Bibliothetsbände, also a jeden Einwohner 0,9 Bände.