(4. Fortsetzung) -ne junge Frau, das zum Weib gewordene Müdcfcn, sprach davon mit klugen Augen, einer vernichtenden Nüchternheit und doch mit einer Beklemmung, die sie nicht so sicher mochte, als sie erscheinen sollte. Den Mann beschäftigte vieles in seinen Gedanken. Zwischendurch betrachtet« er sie: Sie ist schön und jung, sehr jung. Unberührt vom Mann« war sie. Ich bin ihr Schicksal, dachte er männlich. Welcher Mensch, welches Weib? Es lieh ihn nick# zur Ruhe kommen. „Soll ich dich— pardon Sie," verbesserte er sich—„nach Hause bringen?" Ein entschiedenes Nein war die Antwort. Und wieder die Angst, dieser bebende Mädchenkörper, diese hilflos suchenden Augen, dieser konvulsivisch zuckende Mund. Auf ihn übte dies jetzt geschwächten Reiz aus. Und doch war es ihm nicht leicht, als sie ausbrach, ihm die Hand reichte, seinem Blick auswich und sich flüchtig oerabschiedet«. Sie hatte die Tür hinter sich geschlossen und ging nun in das Dickicht der Stadt, sich zu verlieren und für ihn als ungelöstes Rätsel weiter. zuleben. Der Mann, jetzt allein, brannte vor Interesse und Begierde. Schwor sich, sie wieder zu sehen, zu wissen, wer sie und was ihr Leben sei. Als er auf der Straße stand, war ihm leichter. Nur der Boden schaukelte und schwankte unter seinen Füßen. Er mietete ein Rikscha, fuhr in die Pension, in der er wohnt«. Die Straßen waren schon mit dichten Menschenmasien, Autos und Cars aller Typen übersät. Stimmengewoge. Ein Brausen wie das Meer. Gcbrodel. An der Kreuzung der Nanking - und Tschekiang- road: Rikschas rasen mit den Autos um die Wette. Den Kulis hängen die Zungen wie gehetzten Hunden aus dem Munde. Ihr Umg- gedehnter Ruf„Ja— oe" heult, daß es durch Mark und Bein geht. Schienenlose Trambahnen, vollgepfercht von Menschen jeder Farbe, entwickeln ein schwindelhastes Tempo, nehmen halsbrecherische Kurven. Der ohrenbetäubende Lärm, die brennende Hast, das wahn- sinnige Fieber greift nach dein Menschen. So ist nicht das Leben, so fordert man es: Grell, brutal, gewalttäig. Ein ununterbrochenes Aufeinanderprallen von Gegensätzen: Weiß und gelb, West und Ost. der welterobernde Amerikanismus des Busineßinan und der mauer- imischiossene Traditionssanotismus, dunkelster Ahnenkult der Ehinesen, der hcrrschaftsgewinnende internationale Kapitalismus und ein gelber, halb schlummernder Nationalismus. Jeder will seinen Platz behaupten: Der Gelbe, weil es seine Erde ist, der Fremoe, der vom kosmopolitischen Imperialismus aus ebenfalls die Erde sein Eigen nennt, vor allem ober ihre Werte. Hier wird nicht gelebt, hier wird gegenseitig aufgerieben. Der Franzose, der im Rikscha fuhr, machte sich seine Gedanken darüber. Der Kuli lief ihm zu rasch. Das Gefährt stieß ihn in den Leib. Er wünschte allen Rikschas den Tod. Di« einzige Genug- tuung, die er empfand, war, daß sich ein Mensch unter seiner Lost krümmte und schwitzte. Die Pension, in der er zwei kleine Zimmer bewvhitte, gehörte einem vorbildlich zivilisierten Chinesen, der auf europäische Sitte und Hygiene schwor. Er nannte sich kurz Mr. Wung, dieser Ab- trünnling. Die zwei Stockwerke Zimmer waren ausnahmslos an französische, englisch « und japanisch« Beamte, kleine Kaufleute und was sonst einem ehrenwerten Berufe nachging, vermietet. Daß dieses Domizil nicht an einer lichtprunkenden Straße lag, sicherte ihm seine Billigkeit. Ueberdies war Mr. Wung ein vortrefflicher Ge- schästsmann, der der Diebesmethode seiner Stammesbrüder feierlich Abschwur geleistet hatte, lieber seinem Hause flatterte der„Union- jack". Seine Gesinnung war unantastbar. Die Pension„Panama " hatte ihren guten Rui. Mr. Wuyg verfügte über einig« Sprachkenntnisse. Und so be- grüßt« er den Herrn, der aus dem Rikscha kletterte und ins Vor- haus eintrat, mit einem außergewöhnlich freundlichen„Bon jour, Monsieur Marin". Und drängte sich in auffallender Weise an ihn heran. Mr. Marin aber hatte wenig Zeit und Laune dafür übrig, wollte nach flüchtiger Erwiderung des Grußes die steil« Treppe emporklimmen, als ihn der chinesische Hausvater noch einmal ein- dringlich bat, ihm Gehör zu schenken. Um nicht gerade abweisend oder unhöflich zu sein, bequemte sich Marin halb gezwringen, halb interessiert zu Mr. Wung. Der wies bloß auf einen Herrn, der in knapper Entfernung von ihnen saß und in eine europäische Zeiwng vertieft war. Er wartet« nämlich schon seit einer Stunde auf Marin. Marin kannte ihn und ging ohne Zögern auf ihn zu. Begrüßte ihn kurz. Der hob sein Gesicht aus der Zeitung und bat ihn, sofort ins Polizeipräsidium mitzukommen. Mr. Wung schielte interessiert her- über. Beide verließen die Pension„Panama " und fuhren in die Futschow-Rpad, in das Polizeigebäude. Mr. Wung war manches nicht erklärlich. Hätte er nicht gewußt, Marin sei selbst Polizeiagent, bei Gott, er wäre auf das Up- onoenehinst« gefaßt gewesen. 5. Duvah der Chef der Polizei von Schanghai , hat!« sich nach einer bewegten Nacht schlecht und recht zusammengefunden. Hätten ihn nicht in feinem Büro so merkwürdige Ding« und Begebenheiten «rwartet, er wäre auf stinem pompösen Stuhl vor Ermattung eingeschlafen. So aber mußt« er sich aufrecht halten und seinen Posten ausfüllen Der Polt-«iag«nt Marin, der keine weniger bewegte Nacht als fein Chef hinter sich hatte, war eingetreten und hi«U sich in ge- mesiener Entfernung von Duval Der Chef pflegte seinen Unter- gabenen stets mit jovialer Liebenswürdigkeit entgegenzukommen.
JJctäte&e?*- Marin konnte keine Ahnung haben, was hinter der Stirn« dieses Mannes vorging. Auch dann noch nicht, als sie sich bedenklich runzelte. Der Ageitt war unruhig. Ihm kam vieles in den Sinn. Entschlossen fragte er nach dem Begehr feines Chef». Duval entschuldigte sich vorerst, daß er ihn in seiner dienstfreien Zeit hierher bemüht habe, aber Gewisses dulde keinen Aufschub: er befinde sich im unklaren über die Verhaftung eines Russen.' Marin schoß das Blut in ine Wangen . Rasch gesaßt erwiderte er: Nach seinen Erhebungen sei dieser Russe, den er verfolgen und verhaften hätte sollen, nicht unter den Passagieren der„Nagasaki " gewesen. Die mit dem Signalement übereinstimmende Person habe er nicht zu Gesicht bekommen. Uebrigens vermute er, daß der Rusie Wind bekomme» und das Schisf in einem anderen Hafen verlassen habe.« Diese schiefe Erklärung quittierte Duval mit einem leichten Kopfnicken, nur daß er die Brauen sehr hoch zog und wi« gedanken- fern auf einen Knopf drückte. Marin wurde die sonderbare Art fvines Chefs beträchtlich ungemütlich. Es waren wenige Minuten oergangen, als zwei Männer in das Zimmer traten. Bei deren Anblick befiel den Polizeiagenten eine fürchterliche Erregung. Da alle Augen auf ihn gerichtet waren, hatte er mit sich zu tun, kühl und beherrscht der Situation gegenüberzutreten. Erkannte er doch in dem einen den verdächtigen Rüsten. Duval fragt« nun mit süßlicher Miene, ob sich die Herren kennen und wollt« vorstellen. Marin erwiderte, daß er den Russen nach dem Signalement erkenne, der andere Herr aber sei ihm vollständig fremd. Der Agent spielt« den Ueberraschten, den WI«>au»-all«n- Hnnmeln-Gefallenen ausgezeichnet. Forderte Aufklärung. Damit bluffte er den Chef, der jetzt bedenklich die Augen auf den Begleiter des Russen heftete. Der Schisssdetektio erstattete Bericht:„Ich macht« im Auffrage meiner Behörde die Bekanntschaft des Rüsten an Bord der „Nagasaki ". Das Ergebnis war, daß er mir im Gespräch das Restaurant„Newa " nannte, in dem er bei seiner Ankunft in Schanghai zu speisen pflege. Mir war dadurch der Beweis geliefert, daß«r des öfteren schon den Seeweg Wladiwostok— Schanghai zu- rückgelegt habe. Im weiteren Berlauf unserer Bekanntschaft bestätigte sich mein Berdocht, daß ich es mit einem der zahlreichen bolsche- wisttschen Agitatoren zu tun habe. Ich wich nicht mehr von der Seit« des Mannes, der mir gegenüber ein sehr offenes Herz zeigte und eine noch offenere Sprache führte. Die Vermuwng. daß der Mann kompromittierendes Material bei sich trage, verdichtet« sich in mir. Vorschriftsmäßig funkte ich an die Kriminalpolizei nach Schanghai das Sigsialement des Mannes und di« Stund « semer, unserer Ankunft. Knapp bevor die„Nagasaki " in Schanghai vor Anker ging, zog ich mtch von«neiiver„Reisebekanntschaft" zurück. Wir verließen getrennt den Bord. Dem Russen folgte ich in im-
mittelbarer Entfernung. Dabei traf ich auf Herrn Marin, den fil) sofort als Polizeiagenten erkannte. Ich trachtete in seine Nähe zu gelangen: jedoch vergebens. Sowohl Herr Marin als auch der Rüste hatten beretts ein Rikscha bestiegen und fuhren in knappen Abständen hintereinander fort. Ich selbst begab mich m das Restaurant„Newa "." „Warum begaben Sie sich in das Restaurant.Newa'?" fragte Duval. „Ich hatte das Gefühl, daß es notwendig sei", antwortete der Detektiv.„Ich kam in das Restaurant„Newa ": ein obskures Lokal, in dem emigrierte russische Fürsten und Prinzessinnen mit bolsche- wistischen Agitatoren und Spitzeln der Tscheka an einem Tisch bei- sammen sitzen, ihren Wodka trinken und Kaviar schlürfen. Nach längerer Umsicht entdeckte ich sowohl Herrn Marin als auch meinen Reisebegleiter. Sie saßen an verschiedenen Tischen. Ich wartete. Di« Zeit verstrich, ohne daß sich etwas ereignete." „Was hätte sich ereignen sollen?" Duval sprach targswn und gedehnt. „Die Verhaftung des Russen durch Herrn Marin." j Marin rief dazwischen:„Es ist kaum anzunehmen, daß tn einer von dem Herrn Kollegen geschilderten Situation und Oertlich- keit sich ein gewiegter Berufsinann zu dieser Amtshandlung in oller Oeffenllichkett hinreißen läßt. Ueberdies haben wir oll- Austrog, in jedem dieser Fäll« ohne Aufsehen vorzugehen." Duval mußte Marin beipflichten. Hieß den Schiffsdetektiv in feinem Berichte fortfahren. „Unterdessen trank der Russe Unmengen von Schnaps. Ich telephoniert« vom Restaurant aus nach einem Agenten." „Hatten Sie Mißtrauen?" lauerte Duval. Der Schiffsdetektiv wich dieser Frag« aus. Wollte sich allein auf Tatsachenfeststellung beschränken. Fuhr fort:„Bald danach be- gab sich der Russe durch die rückwärtige Tür in den angrenzenden Hof des Hauses. Herr Marin folgte ihm. Ich wartete wieder. Mittlerweile traf der von mir erbeten« Agent«in. Fast gleichzeitig kam Herr Marin allein in das Lokal zurück, bezahlte und ging." (Fortsetzung folgt.)
eBuch
Rai"! Stliis:„Sludienral Manche" Ein neuer Schulroman, der sich weder auf die üblichen' Schüler- geschichten beschränkt, noch in doktrinärer Form wichtig« Erziehung»- fragen diskutiert. Es ist ein Werk, das mit bestimmten Tendenzen eine sicher« Menschengestaltung verknüpft. Karl Blitz bemüht sich in seinem„Studienrat Hancke"(Gebrüder Enoch, Verlag, Hasiburg), auch von den Gegnern einer modernen Pädagogik ein objektives Bild zu zeichne» und sie aus ihren Voraussetzungen heraus zu erklären. In der Aufbauschule stehen sich di« alte und die neue Pädagogik schroff gegenüber. Der Direktor, ein moderner Schulmann, sucht zu vermitteln. Um Dr. Bolle sammeln sich die Lehrer, di« eine Ge- meinfchastsarbeit mit den Schülern wünschen, den Unfug des Zeugnis, und Prüfungswefens bekämpfen und die Schüler individuell zu freien, modernen Menschen erziehen wollen. Studienrat Hanck« dagegen vertritt den alten Standpunkt Trotz seiner Schwächen und Lächerlichkeiten, trotz seiner üblen Moralschnüfselel bleiben ihm auch sympathische Züge. Er ist eben tn einer anderen Umgebung, im alten Autoritätsglauben der Schule aufgewachsen und erlebt schließ- lich sein Damaskus . Doneben werden Fragen der modernen Pädagogik erörtert und in den Menschen gestaltet. Blitz tritt entschieden für Lösung von jedem einengenden Zwang«in, vor allem für weitgehende, sexuelle Aufklärung und Freiheit. Die Schule hat nicht in erster Linie die Aufgabe, Wissensstoff zu übermitteln, sondern den Willen und die Persönlichkeit des Schülers zu bilden und ihn für den Lebenskampf zu ertüchtige». Alle alten Schablonen stören nur diesen Prozeß. Da» Verdienst des Buches liegt darin, daß diese Dinge klar und prägnant und in leichter, allen verständlicher Form ausgesprochen worden sind. Scherret.
Rät seh Ecke des„Abend".
«lllMMMtttMMIUNN!
Kreuzworträtsel.
gekürzter Elternnam«: 9. französischer Artikel: 11. Fluß in Ruß- lond: 12. Artikel: 13. Umlaut: IS. französischer Artikel: 17. mit 13. Wiesenrand: 18. Präposition: 19. Hilfszeitwort: 20. amerikanischer Vorname: 22. hinweisendes Wort: 24. dichterischer Ausdruck für ein Raubtier: 2ö, Lebensende: 27. Eingang: 28. kindlicher Ausdruck für Großmutter.— Senkrecht: 1, Lateinisch„und": 2. Kütten- formation: 3. Währung: 4. Umlaut: 6. Berneinung: 7. Fluß in Italien : 8. Präposition: 9 abgekürzter Mädchenname: 19. Doppel- vokal: 14. Flächenmaß: 16. Präposition: 19s. Vokal: 20. Singstimme: 21. männlicher Borname: 22. Kirchenbau: 23. abgekürzter Mädchen- nani«: 25. sehr alt: 26. englisch „zu".* Scharade. l, 2 gar stolze Vögel sind, Mit buntem Schweif und Schwingen, Mißtönig ihre Stimmen uns Jedoch zu Ohren dringen. 3, 4 an unser, n Körper dir Den edlen Teil benennen, Der uns die schön« bunte Weh Sa recht erst lehret kennen. Das Ganze gaukelt durch die Lust 'Auf färben bunten Schwingen.. Nun luch' die Lösung, sicher wird Gar bald sie dir gelingen.• (Auflösung der Rätsel nächsten Mittwoch.)
RSsselsprung.
Silbensuchrätsel. Den Wörtern Handwerker, Esmeralda, Willkür, Erlangen , Plejaden, Legend«, Mußteil, Etzel, Trinkwasser. Dezimalwog« und Bogenlampe ist je eine Silbe zu entnehmen. Diese Silben ergeben aneinandergereiht ein schwedisches Sprichwort. hl. Auflösung der Rätsel aus voriger Nummer. Kreuz-Füllrätsel: 1. Lebertran: 2. Sternibild; 3. Bart- binde. Frühlingsproblem: Der Schlüssel zum Problem liegt in der Zahl aus dem Meilenstein im Bild«. Liest man danach erst von den Buchstabengruppen unten, dann von oben s« den 1., 3., 2. Luchstaben, so erhall man:„Wenn auch der Winter noch so droht. Es muß doch Frühling werden." Pyramidenrätsel: 1. n: 2. Ida; 3. Euhu: 4. Hermin«: 5. Rumaepien. Silbenrätsel: J. posaun«: 2 Rosetten: 3. Ovid : 4. Liane; 5 Esther: 6. Trialav: 7. Aphrodite : 8. Romadour: 9. Zsmene: 10. Entenei: 11. Remington: IL AUai: 13. Limburg : 14. Landral: IS. Endivie: 16. Rousseau : 17. Languedoc ; 18. Andernach. — „Proletarier aller Länder vereinig: euch!" Kettenrätsel: Hauswirt, Wirtschaff, Schostholz. Holzstück, Stückwerk, Werkstatt, statthaft, haftbar. Bargeld, Geldschrank, Schranktür, Türschloß, Schloßberg, Berglond. Landhaus.