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Gegenwartsarbeit und Zukunftsziel.

martsarbeit und Zukunftsziel längst zur Selbst schon weit über das hinausgehen, was der Barifer Arbeiter

Der Weg zur Macht. Dertänbfidfeit geworden. Wir ſehen nun viel flarer, als tongreß von 1889 als Forderungen aufftellte, ift bas tapita.

Von Fritz Tarnow

Vorsitzender des Deutschen Holzarbeiter- Verbandes .

Im Anfang der sozialistischen Arbeiterbewegung war noch nicht die gewertschaftliche, sondern nur erst die politische Idee. Für eine Gewerkschaftsbewegung fehlte nicht nur die einfachste Voraussetzung, das Koalitionsrecht, auch die Ideologie der im Entstehen begriffenen, politischen Arbeiterbewegung stand ihr zunächst entgegen.

Damals erschien noch jeder Versuch, sich den sozialökono­mischen Gesetzen des tapitalistischen Systems entgegenstemmen zu wollen, als von vornherein zum Scheitern verurteilt. Im Rahmen der kapitalistischen Gesellschaftsordnung, so nahm man an, sei eine Verbesserung in der Lage der Arbeiterklasse einfach unmöglich. Das kapitalistische System fönne nur be­seitigt, aber nicht in seiner sozialen Auswirkung geändert werden. Solange das System herrsche, werde die kapita­listische Klasse mit ihrer wachsenden ökonomischen Macht auch ihr soziales und politisches llebergewicht immer mehr stei­gern, und die unabänderliche Folge sei die zunehmende foziale Ohnmacht und Berelendung der Ar. beiterschaft. Für die Arbeiter gebe es danach über­haupt keine andere Hoffnung als die auf den Sturz des ganzen Systems. Ausschließlich darauf müßten alle Kräfte fonzentriert werden, und die Eroberung der politischen Macht war das Mittel dazu. Erst nach dem Sturz des Kapita­ lismus tönne der soziale Aufstieg der Arbeiter tlasse beginnen.

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Dieser düstere Pessimismus in bezug auf die Möglichkeit Sozialer Betbesserungen in der tapitalistischen Zeit hat sich glücklicherweise als unbegründet erwiesen. Zum Glück für die Arbeiter nicht nur, sondern auch für die Arbeiterbewe gung. So sehr die Zuversicht in die Verwirklichung des Endzieles auch die Bewegung befeuerte und ihr den herr­lichen Elan gegeben hat, ohne die ma chsenden Erfolge im Kampf um das tägliche Brot auch in der Gegen wart wäre es sicher nicht zu der grandiosen Massen­organisation des Proletariats gefommen.

das noch vor 40 Jahren mögliá) war, daß der politische und listische Ideal der absoluten Ausbeutungsfreiheit arg um­gewerkschaftliche Kampf für Gegenwartsforderungen nicht nur ein sozialer Notbehelf während der Dauer der tapita liftischen Epoche und auch nicht nur Borbereitung für die soziale Revolution der Zukunft ist, sondern daß sich dabei bereits die Umwandlung des kapitalisti fchen Systems vollzieht.

düstert. Die öffentliche Wirtschafts- und So­zialpolitit hat bereits in das reine prinatfapitalistische Wirtschaftssystem start Bresche geschlagen, und es hängt nur von dem Tempo ab, in dem die proletarische Klasse in ihrer Gesamtheit die Macht begreift, die sie im demokratischen Staate haben fann, um auf diesem Wege den gesellschaftlichen Einfluß auf die Wirtschaft weiterzutreiben.

Die politische Alleinherrschaft der kapitalistischen Klaffe ist bereits unter den Ansturm der Arbeiterbewegung Der Pariser Kongreß hat durch den Maifeierbeschluß die zerbrochen. Wenn sie immer noch über ein Maß von poli Sehnsucht nach dem sozialistischen Zukunftsideal mit dem tischer Macht verfügt, das ihr nach ihrer zahlenmäßigen Berlangen nach einem menschenwürdigen Dasein auch schon Stärke unter der demokratisch- parlamentarischen Staatsver- in der Gegenwart zu einer ideologischen Einheit verbunden. faffung längst nicht mehr zusteht, fo erkennen wir dari nicht Als er damals die gewerkschaftliche und politische Arbeiters unabänderliche Naturgeseze eines ökonomischen bewegung verpflichtete, sich alljährlich am 1. Mai in feier­Systems, sondern wir wissen, daß es nur an der unzulänglicher Kundgebung dieses Zusammenhanges bewußt zu sein, lichen politischen Schulung der proletarischen Klaffe liegt. hat er für die ideologische Vereinheitlichung Daß breite proletarische Schichten immer noch im politischen der beiden Formationen des Klassentampfes Understand verharren, ist eine Erscheinung, die zwar schmerz vielleicht mehr getan, als den Teilnehmern dieser dent­würdigen Tagung selbst zum Bewußtiein gekommen war. fich, aber doch nicht unüberwindbar ist.

mehr

wirtschaft hat der Kapitalismus schon nicht mehr. Die Auch die un beschräntte Herrschaft über die Wirtschaft hat der Kapitalismus schon nicht mehr. Die Gewerkschaften haben die Diftatur der Unternehmer bei der Festsetzung der Arbeitsbedingungen längst zerschlagen. Durch ein ganzes Neg sozialer Gesetze, die zum Teil mmma

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Der internationale Gedanke.

Von Arthur Crispien ,

Mitglied der Exekutive der Sozialistischen Arbeiter- Internationale.

Freund und Feind sind sich über die Internationalität des Sozialismus einig. Doch schon über das Wie und Doch schon über das Wie und Barum gehen die Meinungen auseinander.

Nationalistische Demagogen beschimpfen Sozialdemokraten als vaterlandslose Gesellen in dem Sinne der Bereitschaft zum Bandes verrat. Andere sehen in der Betonung der Internationalität bestenfalls eine phantastische Ideologie, die sich menschenliebende Schwärmer zurechtgemacht haben.

Sind die Mittel der Gewalt wieder einmal erschöpft, dann werden friedlichere Mittel versucht: Böllerbund, Abrüstungs­konferenzen, Wirtschaftstagungen, internationale llebereinfommen und Bereinbarungen und dergleichen mehr. Nur fehlt hier der Mut zur Konsequenz. Darum gibt es mehr Mißerfolge als positive Resultate. Berträge kommen schwer zustande und werden desto leichter gebrochen, wenn das im Augenblicksintereffe eines Bartners zu liegen scheint.

Als der Internationale Arbeiterfongreß in Paris 1889 zusammentrat, waren in der Ideologie der deutschen Arbeiterbewegung die Zweifel an der Möglich teit sozialer Reformen im tapitalistischen System bereits start In Wirklichkeit ist die Internationalität längst Nicht minder lehrreich und beweisträftig für die Internatio zurückgedrängt. Die Notwendigkeit der gewerkschaftlichen vorhanden. Sie bestand schon, als es noch keine Sozial- nalität der Welt ist alles das, was mit der gegenwärtiger Agrar­Organisation neben der politischen war anerkannt, und der Demofratie gab. Sie wurde geschaffen von der wirtschaftlichen frise zusammenhängt. Die einzelnen Länder tun so, als könnten gewertschaftliche Kampf um die Verbefferung der Arbeits- Entwidlung. Die Kulturmenschen brauchen zur Aufrechterhaltung fie allein auf sich gestellt der Krise Herr werden. Und doch handelt verhältnisse wurde von der Partei durch den Kampf um ihres Lebens und ihres Fortschritts Rohstoffe und Fertig- es sich um eine Agrarfrife in den Bereinigten Staaten, in Kanada , eine soziale Gesezgebung tatkräftig unterstützt. Gerade in dieser Beziehung bestätigte sich aufs beste die Nüglichkeit des 3meifrantentampfes, des gewerkschaftlichen

Stamples gegen das Unternehmertum und bes politichen Frankreichs Maigruf.

Kampfes für soziale Gesetze. Ohne den unmittelbaren Drud der Arbeitstämpfe wäre der Widerstand der Bourgeoisie gegen die soziale Gesetzgebung nicht zu überwinden gewesen, während aber anderseits auch die Gewerkschaften bei weitem nicht start genug waren, um die sozialen Errungenschaften, die sie hier und da erfämpften, auf der ganzen Linie durch zuführen und auch in ungünstigen Zeiten zu halten.

Gerade, wo die Ausbeutung der Lohnarbeiter am schlimmsten war, bei den sozial Schwächsten, tamen die Ge­werkschaften mit ihren Machtmitteln nicht dicht genug heran. Hier mußte die Gesetzgebung mobilisiert werden, und die Forderung nach Arbeiterschußgefeßen, ins­besondere für Weibliche, Jugendliche und Kinder, stand im Bordergrund der öffentlichen Diskussionen. Der Pariser Kongreß stellte ein fonfretes Programm für eine Arbeiter schutzgesetzgebung auf, das uns heute allerdings seltsam be­scheiden anmutet, das aber nach den damaligen Verhältnissen schon recht revolutionär erschien: Berbot der Kinderarbeit, der Nachtarbeit, der Frauenarbeit in gesundheitsschädlichen Betrieben, Marimalarbeitstag von acht Stunden für Jugend­liche, eine ununterbrochene Ruhepause von 36 Stunden ein­mal in der Woche, Verbot der Lohnzahlung in Lebensmitteln und Waren, Berbot des Systems der Zwischenunternehmer und der privaten Arbeitsnachweise und die Forderung nach Einführung amtlicher Gewerbeinspektoren, das waren die wesentlichsten Punkte.

Die Forderung nach dem Achtstundentag für alle war in dieses Aktionsprogramm nicht mit aufge­nommen. Sie galt daneben als eine Prinzipien for derung, gleichsam als ein Symbol, in dem sich die Sehn­sucht der Arbeiterklasse nach Befreiung von der fapitalistischen Ausbeutung manifestierte. Diese Prinzipienforderung wurde in den Mittelpunkt der Maifeier gestellt, die alljährlich in allen Ländern zu begehen der Pariser Kongreß beschloß, als eine Rundgebung für den Achtstundentag und die übrigen Beschlüsse des Internationalen Kongresses von Paris".

Von Léon Blum - Paris

Führer der sozialistischen Kammerfraktion.

Ich übermittele unseren deutschen Genossen die brüderlichen Grüße des französischen Proletariats. Seit zehn Jahren bemühen wir uns mit derselben Glaubenskraft um dasselbe Wert: die Wiederannäherung unserer beiden Völker, jene notwendige Boraussetzung des Weltfriedens. Jnfofern haben wir wirffam für den internationalen Sozialismus gearbeitet, denn Sozialismus gearbeitet, denn die Eroberung des Friedens ist ein erfier Sieg für die Arbeiterklaffe und das Unterpfand ihres endgültigen Sieges.

Wir wollen hoffen, daß wir bis zum 1. Mai des nächsten Jahres neue Fortschritte auf diesem Wege erzielen werden. Wir wollen hoffen, daß wir bis dahin, in Deutschland wie in Frankreich , über alle Kräfte des Bösen, die uns den Weg zu versperren verfuchen, neue Erfolge errungen haben werden. wie hoffen insbesondere, daß ihr, deutsche Genoffen, endlich den entscheidenden Sieg über die nationalistische Reaktion und die kapitalistische Bedrückung erfochten haben werdet.

M

Das sind die Wünsche, die ich aus fiefstem Herzen an jenem Festtage ausspreche, der jeht der Festtag des kämpfenden Sozialismus ift und der einst der Festtag des siegreichen Sozialismus sein wird,

léon plum

fabritate aus allen Ländern. Das gilt auch für den verbohrtesten nationalisten. Und es fällt schmer, sich jemand vorzustellen, der so dumn wäre, das nicht zu wissen.

Der moderne Kapitalismus hat die Internationalität immer erfanut. Er bemüht fich, die Internationalität mit jeinen Brofit intereffen in Einklang zu bringen. Mit Mitteln von. furchtbaren Wirkungen, für die Menschheit. S

Die Kapitalistenklaffe jedes Landes, in dem sie die Macht befißt, möchte. die anderen Länder ebenfalls ihrer Macht unterwerfen. Nach der Entstehungsgeschichte der Maifeier haben also Das nennt man Eroberung des Weltmarties. Das bei ihrer Geburt sowohl die gewerkschaftliche wie die polis vornehmste Mittel ist die Gewalt, der Krieg. Der Krieg mit Minen tische Idee Bate gestanden. Die Maifeier ist dadurch auch zu werfern, und Maschinengewehren, mit Unterfeebooten und Flug einem Sinnbild der Unteilbarteit der polizeugen und Giftgasen. Solche Tobsuchtsorgien enden in wadyjendem tisch gewerkschaftlichen Gesamtbewegung Maße mit allgemeiner Erschöpfung. Die Schäden find für alle, geworden, sowohl für den Kampf um Gegenwartsforde ob Sieger oder Besiegte, so ungeheuerlich, daß sie den Einsatz rungen, wie für die Verwirklichung des Endzieles. Aber nicht mehr lohnen Hinter jedem Krieg lauert die auch die Unteilbarkeit der Gegenwartsaufgaben und der Ber- Revolution. Dadurch wird das Risiko für die Kriegstreiber wirklichung des Sozialismus fommt in der Maifeier bewußt vergrößert. Der verschleierte Krieg, mit wirtschaftlichen Mittein, zum Ausdruck. Für den sozialen Fortschritt im fapitalisti- wie Anleihen und Zöllen, steigert ebenfalls die Not und die schen System und für die leberwindung dieses Systems Empörung der Leidtragenden. jelbst wird an jedem 1. Mai von der klassenbewußten Ar- Die Anwendung aller dieser Mittel fördert nicht nur nicht die beiterschaft in der ganzen Welt in einem Atemzuge Lösung des Problems vom internationalen Zusammenleben der demonstriert. Menschen, sie macht die Lösung überhaupt unmöglich. Das Problem Heute ist uns dieser Zusammenhang zwischen Gegen- muß aber gelöst werden. Sonst geht alle Kultur zugrunde,

in Südamerika , In Europa , um eine internationale Agrar­frise. Es wädyft zuviel Brot. Anstatt einer internationalen plan. mäßigen Regelung der Brobuftion und des Berbrauchs miten einzelne national begrenzte Teile einer großen internationalen Wirtschaft mit Zöllen und Ausfuhrverboten gegeneinander. Mit dem Resultat, daß die Krise vertieft und verlängert wird.

Warum diese Konfufionen, dieses Umherrennen im Kreis? Die Bereinigten Staaten von Europa sind nicht zu bilden, wenn die einzelnen Staaten nicht bereit sind, auf Kosten ihrer Souveränität in eine größere Einheit aufzugeben. Die inter nationale Produktionsgesellschaft der Böller aller 2änder ist nicht möglich unter Aufrechterhaltung. Der tapita­listischen Privatwirtschaft. Die Herrschaft weniger Privatkapitalisten über zwei Milliarden Menschen wäre unerträglich. Sie wird schon immer unerträglicher in jedem einzelnen Lande. Immer offen­barer werden die Widersprüche der tapitalistischen Wirtschaft. Die wachsende Entwicklung der Produktivkräfte steigert die Ergiebigkeit der Produktion, erhöht den Reichtum. Zugleich steigen Arbeits­losigkeit und Massenelend. Ohne privatkapitalistische Profitinteressen wäre jede Berbesserung des Produktionsprozesses ein Segen für die Menschen. So wird sie zum Fluch für die breiten Massen.

Damit kommen wir zur geschichtlichen Aufgabe der Sozialdemokratie. Die Kapitalisten müßten sich selbst auf­geben, als dienendes Glied im Ganzen sich einfügen, wollten fie das friedliche Zusammenarbeiten der Menschen der Erde herbei. führen. Das ist nur außerhalb des Kapitalismus möglich. Im Sozialismus.

Bon Land zu Land müssen die Sozialdemokraten die Macht erobern. Wenigstens in den großen kapitalistischen Staaten. Die anderen werden dann rascher folgen fönnen. Die Aftionen in jedem Lande müssen als Teilhandlungen des intèr nationalen Klassenkampfes verstanden und geführt werden. Es ist nicht möglich, in einem Lande, sei es noch so groß, eine sozialistische Dase inmitten der tapitalistischen Weit zu bilden. Ein solches Land müßte im Innern an Stelle der privat beherrschten die gesellschaftlich geleitete Produktion, an Stelle des Kaufs und Berkaufs die Verteilung der Produfte durchführen und zugleich im unbedingt notwendigen Berkehr mit den anderen Ländern sich einer tapitalistisch orientierten Außen- und Wirtschafts­politit unterwerfen. Eine auf die Dauer unmögliche Berkoppelung sozialistischer Innen- und kapitalistischer Außenwirtschaft

Wer den Sozialismus will, muß ihn international wollen. Oder, beffer gefagt, er muß mit allen Kräften dafür wirken, daß die schon vorhandene Internationalität von ihren Hemmungen und Störungen befreit wird. Ohne Borbehalte.

Innerhalb der flassenfreien internationalen Gesellschaft wird

fein Anlaß und fein Raum mehr vorhanden sein für Auseinander­segungen mit Mitteln der Gewalt. Der Krieg wird tot sein. Der Bölferfrieg, der Rassentrieg, der Bürgerkrieg, der Krieg zwischen den Geschlechtern, der Krieg in jeder Form.

Daran denken mir, menn mir am 1. Mai für die Ver. brüderung der Völker demonstrieren!

Arthur Crispien