1930
Der Abend
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Nr. 225
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Heute Räumungsbefehl.
Die franzöfifche Regierung befiehlt den sabotierenden Generälen.
Paris , 15. Mai. ( Eigenbericht.)
Im Anschluß an die heutige Pariser Konferenz zwischen dem Aufsichtsrat der Internationalen Zahlungs. bank, den Vertretern der beteiligten Finanzministerien und der internationalen Großbanken, auf der die lehten Einzelheiten über die Auflegung der ersten Reparations. anleihe geregelt werden sollen, wird der offizielle Befehl für den Beginn der Räumung des Rheinlandes dem General Guillaumat erteilt werden.
Borbereitungen zur Räumung.
Wiesbaden , 15. Mai. ( Eigenbericht.) Die Vorbereitungen zur Räumung der dritten Zone machen sich bereits bemerkbar. In diesen Tagen sind einige Munitionsdepots, Pionierübungsplähe, der Egerzierplak bei Kehl und das Bekleidungsamt Mainz freigegeben worden. Die Räumung des Lagers Griesheim bei Darmstadt und des Baradenlagers Ludwigswickel stehen bevor.
Gegenoffensive Poincarés.
In dem Augenblid, in dem die französischen Militärs zum letzten Male gegen die Räumung anzufämpfen versuchen, stellt ber ehemalige Ministerpräsident Poincaré im ,, Excelsior" die Be hauptung auf, daß Deutschland innen und außenpolitisch jeber Bertrauenswürdigkeit ermangele. Deutschland habe es nicht nur perabfäumt, die notwendige Finanzfanierung, die Borbedin gung für die loyale Durchführung des Young- Planes, vorzunehmen, fondern es habe darüber hinaus seine Militärausgaben in ungerechtfertigter Weise und im flagranten Widerspruch mit den Bersailler Einschränkungsbestimmungen erhöht. Gegenüber den übertriebenen Kreditforderungen für Heer und Marine feien alle hypothesen erlaubt. Man fönne fich denken, daß die Reichswehr geheime Verbände unterstütze, daß sie fchwarze Organisationen unterhalte, daß sie ihr Material über das erlaubte Maß erhöhe. Nicht minder beunruhigend sei Deutschlands Politik gegenüber Rußland . Auch seine Haltung in den Saar verhandlungen ermangele jeder Loyalität. Wenn Deutschland in Genf wieder die Abrüftung zu verlangen wage, so sei das höchste Heuchelei.
D 2000
Aufstand in Transkautafien.
Bericht auf der Armeekonferenz: Ruhe noch nicht völlig wiederhergestellt.
Mostau, 15. Mai. ( Ost- Expreß.) Sowjetmacht gekommen. In vielen Bezirken sei„ die Ruhe noch immer nicht völlig wiederhergestellt". Die Mullahs, die in diesen Gebieten sehr großen Einfluß haben, schürten gegen die Sowjefregierung.
Auf der Konferenz der kommunistischen Parteiorganisation der franskautafifchen Rofen Armee in Tiflis berichtete der Regierungschef Transfautafiens Eliawa über die ernste Lage in Transtautafien: Bei der Durchführung der Kollettivifierung der Land- Erst vor kurzem find sämtliche Sefretäre der transfaukasischen wirtschaft im Kaufafus feien große Fehler begangen worden, Organisation der Kommunistischen Partei auf Beschluß des Mosvor allem jei teine Rüdsicht auf die nationalen tauer Zentralfomitees ihrer Poften enthoben worden. An ihre Eigentümlichkeiten der einzelnen Gebiete genommen Stelle find Cominadje, Tschaplin und Achundoff getreten, die bisher worden. Besonders fühlbar sei die Abirrung von der Generallinie in der Zentrale in Mostau gearbeitet haben und jetzt in Transin den rückständigen Bezirken mit halbnomadisierender Bevölkerung faufafien die Beseitigung der Abirrungen" bewirken für ihre Zwede auszunutzen. In Aserbeidshan und in der Republik Nadhiffchewan, wo
Das Tempo des Reichstags. vejen. Sowjetjeindliche Elemente hätten versucht, dieſe Fehler follen.
Dieser Tage treten die fommunistischen Kongreffe Georgiens , Armeniens und Aferbeidshans zufammen, denen sich ein Kongres der franskaukasischen Gesamtorganisation anschließen wird. Auf diefen Kongreffen wird die ernfte Cage in Transfautajien natürlich
Der Etat foll bis Ende Juni verabschiedet sein. Der Aeltestenrat des Reichstags hielt am Donnerstagmittag eine Sigung ab, in der die Reihenfolge der Etatsberatung festgelegt wurde. Am Mittwoch, dem 28. Mai, wird der Reichstag in die worden felen, sei es zu einem„, offenen Aufstand gegen die im Mittelpunkt der Erörterungen flehen.
Pfingstferien gehen. Am 16. Juni wird der Reichstag feine Berhandlungen wieder aufnehmen, um dann in Sigungen, die be= reits vormittags beginnen sollen, die Etatsberatung bis Ende Juni zum Abschluß zu bringen.
Außer dem Etat find vor der Sommerpause an größeren Borlagen noch das Osthilfeprogramm und die Sanierung der Arbeitslosenversicherung zu erledigen. Mit dem Beginn der Sommerpause ist für Anfang Juli zu rechnen.
Der Weltestenrat befaßte fich weiter mit einem neuen Antrag der Funtstunde, die Reichstagsreden entweder direkt zur Beitergabe aber zur indirekten Weitergabe auf Schallplatten auf nehmen zu laffen.
Bräsident Lo be feßte sich start für den Antrag ein und erflärte, es sei für die Dauer unmöglich, daß fich der Reichstag der lleber. tragung der Reden entziehe. Da aber einige Mitglieder des Weltestenrates ihre früheren Bedenten aufrechterhielten, wurde die Angelegenheit nachmals den Frattionen zur Ent scheidung überwiesen. Die Bedenken bestehen hauptsächlich darin, daß, da man nicht alle Reichstagsverhandlungen übertragen Bann, bei der Auswahl keine Garantie für eine objektive Berteilung gegeben werden könne.
ungeheure Fehler gemacht
Unruhe in Nordwestindien. Britische Flugzeugangriffe auf die Bergflämme.
Die Flugzeugangriffe auf die Eingeborenen in der Nähe von Beschawar scheinen nicht den gewünschten Erfolg gehabt zu haben. Einer Erklärung des Indienministers Wedgewood Benn zufolge haben in den letzten Tagen 400 Bewaffnete einen englischen Vorposten angegriffen, wobei ein Soldat getötet wurde. Nach weiteren Flugzeugangriffen ist es nunmehr gelungen, die Ein. geborenen zu entwaffnen und mehrere ihrer Führer zu verhaften. In dem wichtigen Keiber- Paß, dem Tor nach Afghanistan , ist ein englisches Armeeflugzeug abgestürzt. Ein Pilot und ein Mechaniker wurden dabei getötet.
3u einem Jahr Gefängnis verurteilt und in die Strafhaft abgeführt wurde die prominente Kongreßanhängerin Latihmipati in, Madras, die an einem Ueberfall auf ein Salzlager der Regierung teilgenommen hatte.
In Kalkutta gab es anläßlich des Trauertages wegen der Verhaftung Tnabjes Zusammenstöße. Fünf Inder wurden durch Schläge mit dem Gummifnüppel verletzt. Die verschiedenen Organisationen
für die Durchführung der Gehorsamsverweigerung fowie die Kongreßausschüsse in Kalkutta wurden für ungefeßlich erflärt.
Gerichtsboykott.
Jalalpur, 15. Mai.( Eigenbericht.) Die Bauern von Bardoli( Indien ) haben beschlossen, die Widerstandsbewegung auf die Gerichtsbarkeit auszudehnen. In den nächsten Tagen werden in sämtlichen Orten, in denen britischindische Gerichte bestehen, unabhängige Gerichtshöfe zur Beis legung ziviler Straffachen errichtet werden. Die Bauern haben ferner beschloffen, die 3ahlung der Steuern zu ver weigern und alle Angestellten und Beamten der Regierung zu bontottieren. Zeitungsverbot.
Bombay, 15. Mai. des mitteilungsblattes des Die Regierung hat Maßnahmen ergriffen, um das Erscheinen Rongreffes von Bombay zu verhindern. Die Verleger des Blattes werden auf. gefordert, binnen zwei Monaten teine Zeitung irgendwelcher Art und feine Schriften zu veröffentlichen, die aufrührerischen Inhalt haben oder geeignet sein würden, Haß oder Berachtuna gegen die Regierung Britisch- Indiens hervorzurufen.