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Nr. 226 47. Jahrgang

3. Beilage des Vorwärts

Mit Dietz Büchern auf die Fahrt.

Es bedarf keiner langen Einleitung und Vorrede: Die Reise­und Wanderzeit ist da, und jeder soll sie nach Kräften aus­nutzen. Dabei soll man nicht mißgünstig auf den blicken, der etwa ein Auto oder ein Motorrad hat. Zwei gesunde Beine helfen auch bei schmalem Geldbeutel zu mancherlei schönen und köstlichen Erleb­niffen. Man muß es nur richtig anfangen. Es ist nun wenig be­kannt, daß der Diez- Berlag neben seinen vielen ernsten wissen schaftlichen Werfen auch eine ganze Anzahl von Büchern und Schriften herausgebracht hat, die dem Reiser und Wandern der arbeitenden Klassen dienen, und die soll man zuerst zu Rate ziehen, wenn man auf große oder kleine Fahrt gehen will.

Zwei Bücher von klassischem Wert liegen vor; zu einer Zeit er­schienen, als die Sozialdemokratie in schärfstem Kampf gegen die Reaktion stand. Dennoch gab es damals Sozialisten, die die Fähig­feit hatten, in den Seelen der alten und jungen Kämpfer die Gemüts­faite anzuschlagen. Das eine ist von Jürgen Brand geschrieben, heißt lenbrook( geb. 2,80 M.), ist in vielfacher Auflage er­schienen und gibt all denen, die unbeholfen fragen: Was ist denn eigentlich draußen in der Natur los, die Antwort eines großen Natur­kenners und Naturfreundes. Das zweite, das unsere Parteigenossen schon vor 25 Jahren erfreute, ist so frisch und zeitlos geschrieben, daß auch die heutige Jugend nicht daran vorüber darf. Es ist das Buch des Mannes, der auf dem Dorffriedhof in Müggelheim ruht: Kurt Grottewig, Sonntage eines Großstädters in der Natur( geb. 1,90 m.) Was Grottewih in diesem herz­erfrischenden Buch seinen Herrn Tanzmann in allen zwölf Monaten des Sabres über das Erleben mit Tier, Pflanze und Mensch sagen läßt, das ist, als ob es erst gestern geschrieben wurde. Wenn Grotte­with einmal erklärt: ,, Eine Stimmung radikalster Friedfertigkeit breitete sich über Herrn Tanzmanns Gemüt", so kennzeichnet das wohl am besten die Tendenz des Buches. Herrscht hier ein behaglicher stiller Humor, so geht es in einem zweiten Buch von Grotte= wik, Unser Wald( geb. 6,75 M.), ernsthafter zu. Es könnte in der Tat als zwecklos erscheinen, Wälder überhaupt zu durchwandern, wenn man nicht vorher dieses prachtvolle Buch gelesen hat, in dem fie alle, die Kiefern, Fichten, Eichen, Buchen, Linden, Ulmen, Birken, Eschen, Erlen, Espen, Ahorn und Ebereschen, durch schöne Abbil­dungen erläutert, eindringlich und liebevoll geschildert worden sind. Dient das Baumbuch von Grottewiß der botanischen Aufklärung, so ist die Erwanderte Deutsche Geologie an dem Beispiel der Sächsischen Schweiz von Wilhelm Bölsche ( geb. 1,50 M.) die allerbeste Einführung in die Geologie. Zu Bölsches Lob braucht nichts mehr gesagt zu werden. Seine leicht verständliche Art gewinnt jeden, und eine Reise in die Sächsische Schweiz sollte nicht mehr ohne dieses hübsch zu lesende Büchlein angetreten werden. Nach Deutschland , wo es am schönsten ist, führt uns Josef Maria Frank in seinem Wanderbuch: Straße der Religien ( 1,50 M.), das in amüsantem Plauderton eine Reise von Nürn­ berg über Rothenburg nach Würzburg beschreibt. An jolchen Wanderplaudereien, die die trockenen Reiseführer lebendig er gänzen, fehlt es uns noch immer. Diesem Bedürfnis kommt auch Willi Möbus nach, der in seinem Büchlein Die östliche Insel in anziehender und fesselnder Weise über das ferne Ost­ preußen und seine vielen unbekannten Schönheiten und Eigen heiten plaudert. In der Nähe Berlins hält sich Walter Trojan mit seinen Streifzügen durch wendisches Land: Sonnentage in Reiherhorst( 0,70 M.) Von dem idyllischen, südlich von Königs: wusterhausen gelegenen Klein- Röris aus durchstreift er das noch

ziemlich unbekannte Vorland des Spreewaldes und weiß allerlei Bemerkenswertes über Land und Leute, Wirtschafts- und Kultur­

geschichte der Gegend, über die Reiherhorste in der Dubrow und über die Märkische Riviera zu berichten. Dem Büchlein ist eine gute Wanderkarte beigegeben.

Wer dann aber in fernes Land reisen will, der nehme Jürgen Brands Reise nach Island ( geb. 1,20 m.) in die Hand, das zu ungeahnter Attualität gekommen ist. Bereits im Jahre 930, also vor rund 1000 Jahren, wurde in Island der Grund zu einer republikanischen Landesverfassung gelegt, und die große, berühmte

Parteigenossen!

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,, Schulaufbau"!

Thingvallebene, in der damals die fundigsten Männer zum Thing zusammenkamen, um gemeinsam über das Wohl des Landes zu beraten, wird in diesem Jahr eine große Erinnerungsfeier sehen wie Uhlenbrook ist auch das Islandbuch besonders für die Jugend geschrieben, die es mit Nutzen und mit Vergnügen lesen wird.

Die Bedeutung der Hochseefischerei.

Deutschland kann nach dem Kriege seine Lebensmittelversor gung nicht mehr aus dem Inland decken, es muß vielmehr Lebens­mittel aus dem Ausland einführen. Wenn man diese Tatsache berücksichtigt, läßt sich erkennen, welch großen Nutzen die Hochseefischerei durch das Heranschaffen großer Nahrungsmittelmengen bringt. Im Jahre 1928, in dem wie in den Vorkriegsjahren die sonst ertragreichen Sommermonate in­folge Absazstockungen wiederum nicht voll zum Fang ausgenußt werden konnten, wurden von deutschen Fischdampfern allein in Deutschland 341 Mill. Pfund= 3,41 Mill. Bentner Seefische ge­landet. Hierzu kommen 147 Mill. Pfund, die von Kuttern, d. h. fleinen Fahrzeugen mit Segeln oder Motor innerhalb und außer­halb der Küstengewässer gefangen waren und ferner die wertvolle Ausbeute der großen Heringsfischerei mit 256 000 Faß oder etwa 54 Mill. Pfund Salzheringen. Alle diese Mengen wurden zum größten Teil für die Ernährung des deutschen Volkes verwendet; nur etwa 20 mill. Pfund mußten anderweitig verwertet werden, und zwar wurden 5,4 Mill. Pfund Massenfische, die der deutsche Markt nicht aufnehmen konnte, getrocknet und ins Ausland aus­geführt, während 14,6 Mill. Pfund, die für den menschlichen Genuß nicht mehr geeignet waren, sowie die beim Versand oder bei der Verarbeitung entstehenden Abfälle zu Fischmehl verarbeitet wurden und als Kraftfutter unserer Landwirtschaft zugute famen. Weiterhin bringt der Seefischfang, der Versand und die Verarbeitung der Fische vielen Volksgenossen lohnende Beschäftigung. Schiffs- und Maschinenbau- und Reparaturwerkstätten, Draht- und Hanftauwert sowie Neßfabriken an der Küste und weit im Binnenlande arbeiten

Freitag, 16. Mai 1930

Allein

am

für die 352 deutschen Fischdampfer. Auf jedem Dampfer finden 12 Mann Besatzung Brot und Lohn, die Fänge aller Fischdampfer­reisen, die in deutschen Häfen gelöscht wurden, gaben vielen Hun­derten von Löschmannschaften Arbeitsgelegenheit. größten deutschen Seefischmarkt Wesermünde beschäftigten 18 Reedes reien etwa 150 Fischversandfirmen und etwa 60 Fischindustriebetriebe viele tausend Menschen. Dazu kommen die unzähligen Hilfsgewerbe und Industrien: Klippfischwerke zur künstlichen Trocknung von Massenfischen für den Export, Lebertranfabriken, Eisfabriken zur Herstellung von Kunsteis zur Konservierung der Seefische auf den Dampfern, während des Bahntransports usw.

Es liegt auf der Hand, daß dem Staat und den Gemeinden der Seefischmärkte aus der vielseitigen Wirtschaft der Hochseefischerei außerordentliche Einnahmen erwachsen. Fast sämtliche deutsche Fischereihäfen find staatliche oder städtische Anlagen. Von dem Erlös der hier gelandeten Seefische bekommen die Staaten bzw. die Städte einen erheblichen Anteil, die Gebühren und Mieten für Benugung der Häfen und Gebäude oder sonstigen Anlagen usw. verzinsen das darin angelegte Kapital der öffentlichen Hand.

In richtiger Erkenntnis der Wichtigkeit dieses Zweiges unserer Volkswirtschaft, der unser Wirtschaftsleben so vielseitig befruchtet, lassen Reich, Länder und Gemeinden der Hochseefischerei eine ziel­bewußte Pflege angedeihen. Ihre weitere Förderung liegt im öffent­lichen Interesse.

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Reichsbahn und Bema".

Zu den Mitteilungen über betrügerische machenschaften im Betriebe der Blankenburger Eisenbahnbedarfs- und Maschinen­fabrik G. m. b. H. Bema", schickt uns die Firma jetzt eine Richtigstellung, daß sie in den Jahren 1924 bis einschließlich 1929 bei der Reichsbahn einen Umsatz von nur rund 2 Millionen Mart für Wiederinstandsetzungen von Güterwagen gehabt hat. Die Bema" habe bei den Instandsetzungsarbeiten fein minderwertiges Material verwandt, sie habe auch nicht das Reichsbahnmaterial auf das eigene Lager genommen. Durchstechereien bei Wagen, die nicht reparaturbedürftig waren, seien nicht vorgekommen. Von brei Privatfirmen seien in sechs Jahren mur einige Hunderttausend Mark an Instandsetzungskosten bei Güterwagen von Privat firmen überwiesen. Auch seien nicht instandsetzungsbedürftige Wagen nicht mit sogenannten roten Reparaturzetteln versehen worden, Beamte der Reichsbahndirektion Dresden seien in keine unlautere Machenschaften verwickelt.

"

Wir geben dieser Berichtigung natürlich gern Raum. Die Hauptverwaltung der Reichsbahn teilt uns dazu mit, daß augenblicklich durch die Staatsanwaltschaft nachgeprüft wird, ob bei der Zuteilung von Wagen und bei der Inrechnungs­stellung durch das Werk Unregelmäßigkeiten vorgekommen sind. Wir bringen einen Saz aus der Berichtigung der Bema" wörtlich: Was den Oberingenieur Rosch veranlaßt hat, die an sich bes Deutungslosen Stücklisten zu verbrennen, ist uns unbekannt, denn wenn Unregelmäßigkeiten vorgekommen wären, würden diese auch aus anderen Unterlagen und Belegen noch nachzuweisen sein." Eine Erklärung gerade dieses Punktes wäre für uns von Interesse.

A

- wer ist nun besser dean?"

na­

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