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Tragödie im$(miergmnd Von Qerhari Jierrmann Wo/Iar

Ocirwitb sp!«ll BectFtoofii, und es ist sehr feierlich. Wcchrschein- lich rührt!>as daher, daß alle, die zuhören, zur Feierlichkeit kein 2alent haben wie sie ja auch weder Frack nach Schtrwrz- hemd Fiefißen; desholli überfällt sie das Festliche, das unerwartet kam. wie aus einer schönen Frenrde; olles Theater wird ja am tiefsten erlebt ntm her Galerie. lind Galerie, fünfter Rang ganz links ist dies Atelier wirklich: hundertundzwanzig Stufen tiefer liegt die Bühne der Strahe in der gleißenden Dekaratinn der Rächt. leuchten die Schaufenster wie stille, bunte Blumen, die unter dem Wir<de wachsen, indes drübenhin die Lichtreklamen wehen, eratrfche Blüten in einem unbekannten Sturm... hundertundzwanzig Stirfen tiefer. Hier oben, hinter vielen Gängen und Türen und Scheiben, ist all dos nicht; hier oben ist nur selten«in Jucken non Licht vor dem großen Fenster, und wenn es verlöscht, treten die weichen Sommersterne daraus hervor: hier oben ist mar selten der sanfte Hall einer ferner Hupe, und der nächst« Akkord deckt sie achtlas zu: hier oben ist eine jener Stunden, in denen man weiß, daß eigent- lich das alles nur geträumt ist: dos Klavier, die Spielende, die Klavierlompe. die bei lauten Tönen einen Herzschlag lang erlischt, die Gesichter ringsum, die so weiß sind. Und es gehen Luftstrmne aus vvn den vollen Akkorden, die wehen an die Wimpern und machen sie zittern, die wehen an eine Base und machen sie zirpen, die wehen endlich über das Wasser eines kleinen Aquariums und machen es leise schaukeln. Die Fische, die im Wasser stehen und schlafen, schaukeln mst. Rur einer von ihnen ist wach: einer van ihnen ist unglücklich, wenn Fische das sein können: ich glaube, man nimmt an, sie können es nicht. Niemand bemerkt ihn. das ganze Aquarmm bemerkt nie' mand: man würde es auch nicht beachten, daß der Fisch in erner Gcke des Glashosens verzweifelt umher jach: man hört Beethoven , man erlebt Dinge, mit deren Gewalt der lächerliche Zierfilch nicht das mindeste zu tun hat außer vielleicht dies: daß jene Musik, daß jene Gewost sein Rest zerstört. Es ist ja nicht einmal für ihn, das Rest. Es ist für die Brut. die noch gar nicht da ist. Di« erst kommen wird, wenn er sich ge- paart hat mit dem Weibchen, zu dem es ihn treibt seit einer Woche, um dessentwillen sich jetzt bunte, glühende Streifen über seine focht so blassen Schuppen ziehen, damit es gelockt werde. Sechs Tage hiTTdurch warb er, folgte der Gefährtin durch das Geschling der Wasserpflanzen, war neben ihr und um sie überall, ließ ihr dos beste Futter. Gestern abend hatte er begonnen, das Rest zu bauen. Heute nacht sollte es fertig sein. Es stich alles so lächerliche Maß«, in denen sich das abspielt, und Musik ist etwas so Gewalliges. Es sind alles so primitive Dinge, um die es hier geht, und dort geht es mns Ewige. Es ist hier die Länge und Breite des Gloslzafens, fünfzig und dreißig Aentimet«. und die Winzigkeit dieses indischen Jierfisches, der Gurami heißt, fünf Zentimeter, und es ist dort i)ic Weite des Traumes. Es ist dort ein Wogen von Welten, das an den Himmel rauscht, und hier ein Schaukeln voy Leitungswasser, das ein Rest zerstört. Natürlich wird die Kluft mir rein mechanisch überbrückt� durch die Luftströmungen, die das Spiel erzeugt, und die eins Schicht empfindlicher Schaumblosen auflösen: es ist, natürlich, eine rein phystkostsche Beziehung. Nur: es sind etwa dreißigtousend solcher Schauncklascn. Der Gurami hat dreißigtausend Mal den Kopf aus dein Wasser heben und Luft saugen müssen: hat wieder /untertauchen. die'Lust. mst Speichel umwickeln und das so entstehend« Schaumkügelchen an. die Oberfläche speien müssen. An schwimmende Blätter hat er int ersten ankleben, hat«inen Zwesten Stützpunkt am Futterring schassen müssen; und dann wieder saugen, kleben, speien, und wieder saugen, kleben, speien, drcißigtcuüend Mal. lind nicht nur das: da sind auch die zehn anderen Bewohner des Aquariums, Zwergborsche, Makropoden, Schwertfische, die müssen vom Neste weggebissen werden, in harten Kämpfen oft und manche sind sonst stärker als er. Selbst das Weibchen, um das er warb, hast« er wegknuffen wüsfen mit schnellen Bissen, daß es nicht misten durch das feine Gespinst schwamm. Das war das Schwerste gewesen: er hatte alles vollbracht. Nun war das weiße Schaumschiff fertig, zehn Zenti- meter lang und brest , anderthalb Zenlimetcr hoch. Im Morgen­grauen würden die letzten Ausbesserungen geschafft sein. Würden, würben gewiß. Wenn nicht feit einer Stunde diese unheimliche Macht am Werke wäre, die das Wasser bewegt. Die zuerst Schaumblasen von den Seiten gelöst, die dann Schaumblasen von der Decke des Nestes.zum <Ansturz gebracht hat. Er hat alle wieder zu ersetzen gesucht, gewiß: hat's zuerst auch geschafft. Dann aber ist das Schaukeln des Wasiers immer heftiger geworden, immer eiliger die Zerstörung. Seine hauchdünnen Flossen vibrierten, wenn er auffuhr und abtauchte, in rasender Hast drehte die Kehle die Kugeln aus Luft und Speichel, spie das Maul sie empor es half nicksts: er kam nicht mit. Die großen, schönen, roten Augen glommen feindselig olle anderen Fische nn Aquarium an: all« standen still, schaufelten leise, schliefen; keiner war der Feind, der das Nest zerstört«. Es war nichts, was sich bewegte, nicht zwischen den Scheiben, nicht vor ihnen. Nur das Wasier. Nur das Nest. In einer Ecke stand das Weibchen und sah ihm zu: langsam färbte die Erregung des Wartens und die Nähe der Erfüllung auch ihre Schuppen: nicht so bunt und glänzend wi« die seinen, ober doch warm und perlmuttern erglimmend. Dos irieb ihn an: er arbeitete so schnell, daß Saugen und Tauchen und Speien fast zum Rhythmus wurden. Feine Farben flammten. Noch bis zum Autgang der Sonne vor dem großen Fenster: dann wurde er das Weibchen unter das Nest treiben. Wurde sich eng um das Weibchen wi'tden und es longsam und sanft herumdrehen, so daß die silberne Brust unter den Schaumblosen lag. Die Erregung würde sie beide schütteln, Astern würden sie beide in gleichem, bebendem Ergriffensein: bis aus ihrem Leibe die taufend Eier sich lösen und in die Schaumkammern ge­schleudert sein würden, bis er sie fassen und die Samen zu den Eiern in die Kammern senden und endlich viele Tage lang des Nestes, des werdenden Fischlebens Hüter sein würde. Aber in das Biereck des Nestes hat sich eine Bahn gejresien. Zwei Dahnen dann: von zwei Seiten. Eine schmale Schaumbrücke trennt sie noch. Wenn die zerreißt, dann ist zwischen den beiden Stützen, zwischen Blatt und Fusterring kein« Bindung mehr: dann ist umsonst gewesen, alles Hoffen und alles Tun Der Gurami arbeitet, um die Brücke zu stützen; arbeitet irr und vergeblich. Er stößt ein paar seiner Mitfische wach, zuckt auf sie zu. beißt sie, um sofort wieder zu bauen. Aber immerzu glesten die losgelösten Schaumperlen über das Wasser, winzig und schwächlich, stoßen ans Glas und zerplatzen. Immerzu, immer mehr, denn immer pausenloser schaukelt das Wasser. Er baut und beißt. Die Makro- poden widersetzen sich. In seine Schwanzflosse reißen sie ein' Loch. Er schafft weiter. Die Brücke ist noch schmaler geworden, aber sie hast noch,«ine dünne Verheißung reicher Zukunit. Es ist ihm ja nur in diesen kurzen Sommermonaten die Gab« des Liebenkönnens

geschenkt. Es müssen doch mehrer« Brüten sein in so karger Zeit, so will es dos Gesetz seiner Art, die aus dem Lande langer Sommer kommt. Und es ist doch so viel Arbeit um den flüchtigen, bebenden Rausch der Hingab«... Also saugen, speien, kämpfen, sich Wunden holen, saugen... Plätzlich, in schneUer Schwellung, wird aus dem Pochen des Unheimlichen ein Trommeln. Die Stöße folgen sich in pectfchender Eile, dos Wasier erzittert. Als der Gurami nach einem wirren Kampf zum Rest zurückkehrt, ist die Brücke zerrissen, ist d!« Stütze am Fusterring gslöst, treibt das Nest davon. Der Gurami taucht noch einmal auf und ab, speit ein Luft- kügelchen sinnlos irgendwohin und schnellt dann aus dem Wasier. Er stößt gegen die Deckscherbe und wird zurückgeschleudert. Er beißt nach dem Weibchen, formt noch zwei-, dreimal ostzuhastig Bläschen, die schon im Aufsteigen zerplatzen, und wirft sich nochmals in die Luft er hat einen Anlauf genommen durch die ganze Länge des Aquariums, er saust zwischen Glasrond und Deckscheibe hindurch und als silberner Streif durch? Dunkel und mit stummem Maul durch das Klingen ringsum und auf den Boden mit einem pochenden Klatschen und Zappeln, dos untergeht im Donnern der fremden Gewalt. ---- Das Fortiffimo bricht ab im Augenblick dröhnender Wucht, denn em Mädchen schrie leise auf. Einer macht Licht, hebt den Fisch vom Boden und setzt ihn wieder ins Wasier. Und das komm« öfter vor und das Tier werd« wohl nicht krepieren und«S sei unglaublich, was Fische aushalten. Und er bleibt am Aquarium stehen. Die andern suchen nach Scherben der zerbrochenen Feier und finden kein«: zerstörte Stimmungen haben etwas Gespenstisches. Das Deckenlicht«st kalt und übergrelst die Stern«, ein« Autohirpe kreisch! nahe wie ein Notschrei. Jemand sucht ein« Zigarette, jemand bittet, doch fertig zu spielen, und wird totgeschwiegen, jemand findet es schade, und jemand interessant, Aber der Mann am Aquarium hat inzwischen die Vorgänge begriffen und stellt sie kurz dar. Jemand spie.st die Notenreihen weiter und den Beethooen zu Ende, danist alle sehen können, wie der Rest des Nestes zerreißt. Der Gurami laßt es geschehen. Er steht verstört in einer Ecke und Hot olle Farben verloren. Das Weibchen trägt sie noch ein« Weile, dann verlöscht auch sie im Grau.

Schlangen als blinde&aff agiere Der Londoner Covent-Garden-- Markt Hot die Reptiliensommlung des Zoologischen Gartens neuerdings um ein« Lonz«nschlange ver- mehrt, die in einer Kiste aus Westindien eingetroffener Bananen ge­funden wurde. Der Fall ist an sich nicht bedeutsam. Em« jung« Eoa eonstrirtor gelangt, in Fruchtkörben verborgen, häufig genug nach England. Die Benvaltirng des Zoos war deshalb durchaus iricht überrascht, als sie die Nachricht erhielt, daß man ein« Schlange. die sich um ein Bananenbüschel geringelt hatte, entdeckt Hobe. Aber der Wärter, der nach Covent-Garden abgeschickt wurde,«nn das Reptil in Empfang zu nehmen, war doch nicht wenig erschrocken, als er in dem blinden Passagier eine Lan.zenfchlonge erkannte, eine der ge­furchtesten Giftnattern, deren Biß inibedingt tödlich ist. Glücklicher­weise war das Wetter kalt und das Reptil infolgedesien erstarrt, so daß der Wörter den gefährlichen Gast bequem wegschaffen konnte. Immerhin war es ein Glück, daß sich vor dem Eintreffen des Wärters niemand hott« einfallen lassen, die Schlang«.zu stöven, denn trotz seinem letharg ischsn Zustand hätte das Reptil in ungeschickten Händen recht gefährlich werden können. Die Lanzenschlangen waren seinerzeit in Trinidad eingeführt und in den dortigen Zuckerrohrpflanzungen ausgesetzt worden, in der Hoffnung, daß dadurch den Sklaven die Lust genommen würde, einen Fluchtversuch zu wagen. Aber die menschetifreundliche Absicht der Plaittagenbesitzer, sich einen billigen Wachdienst zu schaffen, röchle sich auf eine unvorhergesehene Weife. Di« Reptilien vermehrten sich so ungeheuerlich schnell, daß sie bald eine wahre Landplage wurden, und man sich genötigt iah, zu ihrer Dertilgung Schlangen- spevber einzuführen. Damit kam man aber aus dem Regen in die Traufe, denn auch die Sperber nermehrien sich so stark, daß«? bald unmöglich wurde, Hühner zu holten. Eine neue Expedition nach dem Urmenschen in der Mongolei . Der omevikanische Forschungsmsende und Entdecker Roy Ehopman Andrews hat in diesen Tagen Peking verlassen, um seine fünfte Expedition in die Mongolei zur Auftindung des.fetzlerhen Gliedes" auszuführen. Er reist mit 5 Automobilen und W Kamelen; 26 Ge­lehrte, Amerikaner. Franzosen und Chinesen nehmen an der For­schungsreise teil. Das Fvrschungsgelnet, dos er aufsuchen will, ist sehr reich an fossilen Uolierbleibse'n. Ihr Ziel ist zunächst ein auf der Karte nicht verzeichneter See imnitten non Sanddünen, einige Meisen nördlich von der Kolgan-Wüste. Andrews hofft, denBor- fahren des Peking-Menfchen" zu entdecken. Er hat Berichte van einem gehemirisvollen großen See, an dessen Küste sich groß« Fossilienlager befinden sollen. Andrews uiüernnnmt seine Reise im Auftrage des Amerikanischen Museums für Naturgeschichte in New Dork.

3)as£and der rechttoien grauen

So weit die Emmicklunz Japans zum modernen Kutturftaat nach europaisch-amerikanifchem Muster auch geschritten ist die Frauenfrage ist einer befriedigenden Lösung noch weltenfern. Es gibt wohl höchst aktive Japanerinnen, die politische Bersonnnlungen abhalten, um ihr« Forderungen. zu vertreten, und sich dabei der Unterstützung durch eitrige Zeitungen erfreuen. Alber on wirklich« Erfolg«, also etwa on eine Teilnahme am parianteittavischen Leben oder an der Berwalb/ng in Stadl und Staat, ist einstweilen noch nicht.zu henken. Aus diesem Gebiet wird es wohl in absehbarer Zeil - auch keine Aendertiirg. geben, denn Japan Höst gerode in bezug auf die. Frau starr an den Anschauungen früherer Jahrhunderte fest. Noch immer ist die Japanerin dem Mann völlig untergeordnet und iwr dazu da. Kinder zu gebären. Will sie mel)r als dos, sich also in einem Beruf betätigen, so muß sie sich damit abfinden, doß ihr« geringeren Leistungen, tjne si« ihren geringen körperlichen Kräften entsprechen, auch niedriger bewertet werden. Japan ist«in Ackerbauland: von der Bearbeitung des Bodens leben 48 Prozent der Bevölkerung, und daher»st auch die Frau in der Landwirisebaft tätiger, als dies in Europa der Fall ist. Ihre Bezahlung steht jedoch weit hinter der des Mannes zurück. Erhält dieser für den Tag einen Jen. so bekommt sie rrnr drei Fünftel dieser Summe. Sucht sich die Frau der Stadt außerhalb der Hauswirtschaft Be­schäftigung, so stehen ihr nicht viele Berufe atfen. Viele sind Arbette- rinnen in den Sechenfabriken, andere bekleiden auch schvn Posten in den Kauftnannsbüro?. Aber alle werden weitaus schlechter bezahlt als die Männer. Die Mädchen, die in den Büros tätig sind, haben eben viel.zu wenig in der Schotte gelernt und können nur in ganz untergeordneten Stellungen verwandt werden. Für die Modchen- bilbung ist nämlich in Inpon bis heute sehr wenig geschehen. Es gibt nur ganz wciög Mädchenschulen, die außerdem nur die elemen­tarsten Kenntnisse nennittein. An den Elementarschulen gibt es zwar ausgebildete Lehrerinnen: aber deren Arbeit wird nicht hoch eingeschätzt. Auch sie stehen bis fünfzig Prozent im GeHast dem Manne nach. Welche Roll« spiest die Frau im Hanse? Si« ist im Grunde noch dieselbe wie zu den Zeiten des Konfuzius . Eine Ehe aus Liebe gibt es nicht. Daß das Mädchen sich den Gatten selbst erwählte. wäre unerhört: auch der Gatte trifft kein« Auswahl. Die Ehe ist ein Gefchäft, mit dem sich die beiderseitigen Eltern zu befassen hoben. Die Ehescheidung hat sich der m den westlichen Ländern üblichen Form einigermaßen angepaßt; freilich ist sie in Japan auch nie auf solche Schwierigkeiten gestoßen wie bei uns. Da die japamiche Ehe keinen sakramentalen Charakter hat. sondern wir ein Kontrakt ist, und zwar ein Kontrakt nicht zwischen Mann und Frau, sondern zwischen Estern und Estern oder Mann und Eltern, könnten die Japaner immer ohne Müh« geschieden werden. Zu Haufe ist die Frau nur Dienerin. Der Mann herrscht, und nsben ihm feine Mutter. Der jungen Frau winkt also auch einmal die Macht, ober erst dann, wenn sie selbst Schwiegermutter geworden ist. So besitzt sie auch keinerlei Berfügunzsrecht über ihr Geld. Streng genommen. hat sie ja auch kems, denn dos von ihr in die Ehe smgebrachte Gut gehört nicht ihr. fondern den Estern, und im Fall der Scheidung fällt es an dtefe zurück. Ein Scheidungsgrund ist z. B. Respekt­losigkeit gegen die Schwiegerestern. Dos Vorhandensein eines illegitimen Kinde, tut dein Ruf der Frau keinen Abbruch. Es wird einfach von der Familie übernommen, wie überhaupt in Japan die Familie, nicht der einzelne im Bordergrund steht. Die Erziehung der Kinder besorgt neben dem Mann die Schwiegermutter. Die im Westen so häufig tdeafisime Grifha hat den Europäer ausgiebig mit der japanischen Prostitution bekannt gemacht. Zwar nehmen Geishas keine verachtete Stellung ein, aber auch vom Gegen­teil ist nicht die Rode. Do die japanische Ehcfrau keine Roll« im öfieMl'chen Leben spielt, kann natürlich auch die Geisha, keinen 'Anspruch auf besondere Achtung machen. Estern verkauften früher einfach ihre Mädchen an öffeniliche Häuser, und dann gab e? kein Zurück mehr für sie. Wenn eine Geisha dort ausriß, wurde sie von der Polizei wieder zurückgebracht. Diese Zustände sind seit einigen Jahrzehnten glücklich befestigt: heute darf die Ge ftjo fort

laufen, und es gibt sogar, noch westlichem Muster, wobttotige Ein- richtungen, die sich ihrer annehmen. Der Unterschied zwischen Geisha und lbizefrau ist ttcht sehr groß. Immer ist die Frau Dienerin. Wenn der Gatt« Gäste mit ins Haus bringt, darf sie diesen nur aufworten und die Speisen auftragen. An der Unterhaltung nimmt sie nicht teil. Uebrigens könnte si« es auch nicht, selbst wenn sie es wollte. Ebensowenig läßt sich die Japanerin mit ihrem Gatten in der Oeffentlichkeit sehen: sie begleitet ihn nicht einmal auf dem Spaziergang. Einstweilen findet der überwiegende Teil der Japan ?- rinnen an diesen Berhöttnissen'Genüge; aber es ist dockt zu er. worien, daß auch im Land der aufgihenden Sonne dr Ritt der Frauen nach Gleichberechtigung einmal gehört werden wird.

Se, lUafeflMl zahlt Moplfleuer Als unter dem ersten Preußenkönige, Friedrich I., der ver. schwenderifche Hofhalt, die glänzenden Hoffejie und die Bauten des Königs ungeheure Dummen verschlungen hatten und mst den alten Steuern längst nicht mehr zu decken waren, verfiel man aus die so tider horsten Steuermethoden, tun den armen Bewohnern des durch Kriege und Seuche» entkräfteten Landes immer noch etwas abzu­pressen. Voran kam die Kopfsteuer: kein Stand war davon befreit. Sogar der König zahlte für sich 4»» Taler jährlich, für die Königin 2600 Taler, für den Kronprinzen 1000; da die Steuer wieder in seine eigene Tasche stoß, konnte er sich diese Pose des leuchtenden Borbildes schließlich leisten, llebler war die Sache für die anderen Preußen: Offiziere vom Geiterolfeldmarschtll bis zum Stabsoffizier mutzten jährlich ein Monatsgehalt opfern. Zwölf Groschen wurden jedem Handwerksgesellen, acht bis zwölt Groschen jedem Bauern, sogar jeder Tagelöhnerin vier Groschen Kopssteuer im Jahre abgenommen! Aber die Kopisteuer konnte im Berein mst den alten direkten Steuern Und den erhöhten indirekten Steuern, die in fünfzehn Jahren non 60 000 .ruf 170 000 Taler stiegen, die preußisch»» Hof- und Sioatskofsen noch nicht retten. Man verfiel noch auf andere Mittel. Das Recht, Gold und Silber was der Kleidung zu tragen, kostet« jährlich einen Tal«? Sondersteuer. Vor allem aber sollten die Perücken damals ein unentbehrliches Kleidungsstück des Mannes als Geldquell« dienen. Fünfundzwanzig Prozent des Wertes war für eine französische Perücke, sechs Prozent für«ine einheimisch« zu zahlen. Die Steuer- einnähme war an einen Franzosen verpochtet.' Wer feinen Steuer. quitwngsschein nicht bei sich hatte, war in Gefahr, aus der Straße seine Perücke vom Kopfe gerissen zu bekommen! Die Verpachtung wurde allerdings nach drei Jahren beseitigt und die Perückensteuer in unmittelbare staatlich« Verwoltueg geuommen: Hof. und Staats- beamte bis herab zum Generalmajor entrichteten 2�4 Taler jährlich für ihre Perücke, die anderen Untertanen je nach dem Stande bi, herunter zu den Handwerksgesellen und anderen Leutenniederen Standes", die immer noch einen halben Taler abgeben mußten. Der Kopkputz der Damen war wtt einer jährlichenflontangensteuer" von einem Taler belastet, während jeder Strumpf, Schuh, Stiefel, Pantoffel oder Hitt einen Groschen Steuer zu tragen hall«! Das Recht, Kaffee, Te« oder Schokolade zu trinken, mußte mit der erstaun- lich hohen Steuer von zwei Talern jährlich erkauft werden Indessen verblassen all« diese Schöpfungen erfindungsreicher Staatsfinanzretter vor der Iungfernsteuer. JedeJungfrau* muhte von ihrem zwanzigsten Lebensjahre an bis zum vierzigsten, sofern es ihr nicht vorher glückte, in den heiligen Stand der Ehe zu treten, einen Taler jährlich dem Steuermoloch opfern. Und welchen erhabenen Staats- «wecken diente all diese ungeheuerliche Steuerlast? Nur ein winziges Beispiel: im Jahr« 1606 kosteten allein die goldenen und silbernen Tressen für die Kleider der kurfürstlichen Trabanten und Dienerschaft 42 538 Taler! In Thüringen hat die Reaktion ollen Ernstes den Plan einer Kopfsteuer aus der Rumpelkammer der Dergangenheit Hervorgehott. Wenn das der Anfang einer Wiederbelebung historischer Steuer- Methoden sein soll, können wir osso noch erstaunliche Dinge eriebeni m.