Der Abend
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Spätausgabe des„ Vorwärts
10 Pf.
Nr. 266
B 132
47. Jahrgang
66 Anzeigenpreis: Die einspaltige Nonpareillezeile 80 Pf., Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Posscheck konto: Vorwärts- Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. 37 536. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 297
Lohnabbau verbindlich erklärt.
Eine folgenschwere Entscheidung des Reichsarbeitsministers.
Das Wolffbüro meldet: In dem Mantel. tarifstreit der Gruppe Nordwest der Eisenindustrie ist der Schiedsspruch vom 26. Mai d. J. für verbindlich erklärt worden.
Ueber die Gründe für diesen Schiedsspruch wird offiziös noch mitgeteilt:
In den Berhandlungen mit dem Reichsarbeitsminister hatten die Unternehmer bereits zugesagt, daß sie einen Preis abbau in der Höhe des Lohnabbaues vornehmen wollten. In den BerhandJungen am 5. d. M. ist diese Erklärung dahin abgeändert worden, daß nach dem Fortfall der Severing- lausel, betreffend die übertariflichen Verdienste nicht nur der Arbeiter, sondern auch der Gehaltsempfänger, die ohnersparnis nicht 10 Prozent, fondern 7% Prozent betragen foll. Die Eisenpreise sollen rüdwirkend ab 1. d. M. über das Ausmaß der Lohnersparnis hinaus abgebaut werden. In welchem Maße das geschieht, ist noch nicht bekannt, weil die Unternehmer darüber erst neue Borschläge machen und den zuständigen Wirtschaftsorganen vorlegen werden, die erst die Zustimmung zum Preisabbau geben müssen.
Die vom Reichsarbeitsminister geforderte Garantie der Preisherabsetzung liegt darin, daß der Reichsarbeitsminister sich vorbehält, durch Wirtschaftsfachverständige nachzuprüfen, ob der Preisabbau der Eisenindustrie im notwendigen Umfang erfolgt ist.
Für den Mansfelder Schiedsspruch liegt noch kein Anfrag auf Verbindlichkeitserklärung vor.
Mit dieser Berbindlichkeitserklärung hat der Reichsarbeitsminister Stegerwald vielleicht die folgenschwerste Entscheidung getroffen, die ein Reichsarbeitsminister seit der Revolution treffen konnte. Der Reichsarbeitsminister versucht damit, eine allgemeine Lohnsenkung herbeizuführen. Das muß unweigerlich zur Folge haben zunächst eine allgemeine Verschärfung der Wirtschaftskrise und, was noch schwerer ins Gewicht fällt, die Entfesselung schwerer und großer Arbeitskämpfe, da sich auf die Dauer Wirtschaftsgesetze nicht vergewaltigen lassen.
Es ist ganz ausgeschlossen, daß die Arbeiterschaft sich ihre schwer erkämpften Löhne durch Schiedssprüche einfach reduzieren läßt, auch wenn diesen Schiedssprüchen die Verbindlichkeitserklärung zu Hilfe kommt. Es ist nicht weniger sicher, daß die Gewerkschaften ihre ganzen Kräfte einsehen werden und jedermann weiß, daß diese Kräfte nicht gering find-, um ein derartiges Attentat auf die Lebenshaltung der Arbeiterschaft abzuwehren.
Auch wenn der Reichsarbeitsminister, wie er es nach Erklärungen vor der Presse von den Unternehmern verlangt hat, die Garantie erhalten haben würde, daß die Preisfentung größer sein muß als die Lohnfentung, so ist dieser Schiedsspruch und seine Berbindlichkeitserklärung deshalb nicht weniger wirtschafts- und arbeiterfeindlich. Denn der Reichsarbeitsminister hat keine Garantie dafür, daß der Senkung der Eisenpreise eine entsprechende Senkung der Lebenshaltungskosten folgen wird. Nur wenn und soweit sich die Preissenkung in den Kleinhandelspreisen auswirkt, fann von einer Preissenkung überhaupt gesprochen werden.
Die Schwerindustriellen sind nicht nur Hersteller von Eisen und Stahl, sowie Eisen- und Stahlwaren, sondern sie find auch große Handelsfirmen; was sie auf der einen Seite zu geben scheinen, fönnen sie sehr wohl auf der anderen Seite wieder nehmen. Es ist aber die größte Ungerechtigkeit, eine Arbeitergruppe herauszugreifen, für deren Lenshaltung es noch dazu fast gleichgültig ist, wie die Eisenpreise verlaufen, und der Lebenshaltung dieser Arbeiter und ihrer Familien die gesamten Lasten der Eisenpreissenkung mufzubürden
Der brennende Hafen.
Millionenschaden des Riefenfeuers in Nykjöbing.
Nykjoebing( Jufel Falster ), 10. Juni.
Der Ausgangspunkt des Feuers, das, wie bereits gemeldet, in der Nacht zum Sonntag hier ausbrach und sich zu einem Riesenbrand entwickelte, war der Betrieb der Holz großhandelsA.-G. Cuetten- Frigast u. Co. Die Flammen zerstörten zunächst das große Holzlager und die Kontorbaulichkeiten dieser Firma. haus der Getreidefirma Nilfen u. Co., das fieben Stodwerfe umfaßt, Bevor die Feuerwehr zur Stelle war, war auch schon das Kornpacvon den Flammen erfaßt worden. Die Bewohner der angrenzenden Straßen flüchteten in panischem Schrecken aus ihren Häusern. Die Feuerwehr war zunächst gegen das wütende Element völlig machtlos. Stärke. Gegen Morgen wurde das große Lagergebäude der dänischen Ueber 24 Stunden raste die Feuersbrunft mit unverminderter Zigarren- und Tabakfabriken von den Flammen erfaßt, die dann weiter auf die großen Geschäftshäuser in der Langgade übergriffen. Der Schaden beläuft sich auf viele mil. lionen. Die Brandursache konnte bisher noch nicht festgestellt Feuer ausgefommen war, einen schlafenden Wanderburschen, der im werden. Man fand aber in dem Stalle des Holzlagers, in dem das lehten Augenblick gerettet werden konnte, und es liegt die Bermutung nahe, daß der große Brand auf eine Fahrlässigkeit dieses Mannes zurückzuführen ist.
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barte Kultur ließen und lassen bei solchen Sprizfahrten eine fröhliche Feiertagsstimmung aufkommen. Von Nyfjoebing geht es westlich über den brückenüberspannten Guldborgsund in das fruchtbare Lolland zwischen Nykjoebing und Gjedjer liegt eine leine Station Beggerloese, die zum Seebad Marialgst- Falster führt. Man hat also Gelegenheit genug, die Stunden eines schönen Sommertages ,, im Ausland" ganz nach Wunsch zu verbringen.
Arbeitslos!
413 000 Arbeitsuchende in Berlin und Brandenburg .
Brandenburg ( Berlin- Brandenburg und Grenzmark) ist in der Die Zahl der Arbeitslosen im Bereich des Landesarbeitsamts zweiten Maihälfte etwas ft ärter zurüdgegangen als in den ersten beiden Maiwochen. So verringerte sich die Zahl der ArbeitMil- weiten Maihälfte etwas starter zurüd gegangen als in den suchenden um 8404 auf insgesamt 412 985 Personen, während die Zahl der Hauptunterstützungsbezieher um 6248 auf 239 050 Personen beitslosigkeit zeigt sich darin, daß Ende mai die Zahl der Arbeitzurüdging. Die tatastrophale Höhe der gegenwärtigen Arsuchenden im Revier des Landesarbeitsamtes Brandenburg noch um fast 15 000 Personen höher lag als zur Zeit der größten Arbeitslosigkeit im katastrophen winter vergangenen Jahres.
Die Arbeitsuchenden verteilen sich auf Groß- Berlin mif 314 057, auf die Provinz Brandenburg mit 93 097 und auf die Provinz Grenzmart mit 5 831 Personen. Die Zahl der auf 239 050 Personen, zu denen noch 55 137 Krisenunterstühte hinzutreten, zusammen also 294 187 von der Arbeitslosenversicherung unterstützte Personen ergeben.
Das Feuer in Nytjoebing wedt jo schreibt nian uns wie alle Brände nordischer Städte in den Herzen vieler deutscher ,, Nordlandfahrer" aufrichtiges Bedauern. Gerade dieses troz seines Namens schon im dreizehnten Jahrhundert existiernde Stadtwesen auf der Insel Falster ist von Zehntausenden Kopenhagen - Reisenden nur im Fluge berührt worden, aber von manchem Warnemünder Badegast Hauptunterstühungsempfänger stellte sich Ende Mai eines Besuches gewürdigt worden. De tägliche Abfahrt der Gjedjer Fähre facht begreiflicherweise den Wunsch an, doch mal ,, auf einen Sprung" wenigstens in Dänemark gewesen zu sein, und mit einem Opfer von 6 Mart und ohne große Baßschikane konnte man diesen Wunsch erfüllen. In Nyfjoebing aß man dann pflichtschuldigst im ,, Haus des Zaren" zu Mittag in diesem. Fachwerkbau hatte der in diesem. Fachwerkbau hatte der reiselustige Bar Peter sich 1716 einige Zeit aufgehalten. Aber wer auch nur wenige Stunden auf Falster sich aufgehalten hat, wird die liebenswürdigen Charakterzüge unserer nördlichen Nachbarn kennengelernt haben: eine demokratische Grundstimmung, die sich im Reise, im Straßen- und Restaurationsverkehr bemerkbar macht, eine gefchmackvolle, auch schon in Kleinigkeiten, wie Blumenfultur, offen
Resonanz in Doorn
Hermine
S
Es we
GW.
Sermine:-- und du stehst hier herum und hackst ejal Kleinholz!"
Wie schwer die Arbeitslosigkeit auf den Maffen der werktätigen Bevölkerung laftet, zeigt ein Vergleich des Frühjahrsaufschwungs in diesem Jahre mit der entsprechenden Zeit des Vorjahres. Im vergangenen Jahre ging innerhalb des Landesarbeitsamtes Brandenburg die Zahl der Arbeitsuchenden von 398 457 auf rund 228 000 Personen, also um mehr als 42 Pro3. zurüd, während die Entlastung des Arbeitsmarktes von Ende Februar bis Ende mai dieses Jahres nur 18 Pro 3. betrug.
Besonders schwierig find die Verhältnisse auf dem Baumarkt, der Metallindustrie sowie dem Holz- und.Schnikstoffgewerbe geblieben. Jm Braunkohlenbergbau, der in den letzten Monaten starken Belegschaftsabbau vorgenommen hatte, ist allerdings eine wesentliche Besserung des Beschäftigungsgrades zu verzeichnen. Auch die Laufither Tuchindustrie welft ffeigenden Bedarf an Fachkräften aller Art auf.
Besorgniserregend ist die Lage in der Metallindustrie. Die Zahl der arbeitslofen Metallarbeiter hat einen Stand erreicht, wie er seit Jahren noch nie beobachtet wurde. Besonders kritisch ist die Lage für die Maschinenfchloffer geworden. Auch im Werkzeug und im allgemeinen Maschinenbau weist die Beschäftigung der Fachkräfte start sinkende Tendenz auf.
Bootskatastrophe in Gaßnitz.
Drei Personen durch Kentern ertrunken.
Ein schweres Bootsunglüd, dem drei Menschenleben zum Opfer gefallen find, hat sich am ersten Pfingsttag vor dem Hafen von Saßnitz auf Rügen ereignet. Erfrunken sind der 26jährige Bautechnifer Willi Haußmann aus Saßnih. deffen Bruder Walter Haußmann, von Beruf Schuhmacher, und der 19jährige Schuhmacher mag Kellermann aus Graz auf Rügen . Gerettet ist der Bautechniker Heidekrüger aus Stettin . Die Ertrunkenen waren die Ernährer ihrer Familie. Der einzig Ueberlebende, der Bautechniker Heidekrüger, schilderte das Bootsunglüc folgendermaßen.
• Ich war mit meinem Freunde, dem Bautechniker Willi Haußmann, der in Stettin beschäftigt ist, mit dem Motorrade nach Saßniz gefahren, um die in Saßniz' wohnenden Angehörigen meines Freundes zu besuchen. Der Bruder meines Freundes Haußmann, der ein eigenes etwa 6 Meter langes offenes Segelboot besaß. lud uns zu einer Segelfahrt ein, an der sich auch Mag Kellermann beteiligte. Der Wind war