Beilage Dienstag, 15. Juli 1930
Unsere Ernährung
Grundsätzliches
Als ich vor einigen Jahren auf dem Dachboden unserer Wohmung die säuberlich aufgestapelten Zeitungen meines Vaters fand amd in ihnen blätterte, erregte mein besonderes Interesse der in den neunziger Jahren des abgelaufenen Jahrhunderts durch die Blätter gegangene Entrüstungssturm über die ,, unerhörte" Steigerung der Fleischpreise. Freilich war man damals nicht so großzügig wie heute, wo man Preissteigerungen bis zu 25 Prozent von beute auf morgen gewöhnt ist, aber die damals 2-3 Pfennige betragende Erhöhung des Fleischpreises genügte, um der Bevölkerung wie der Regierung das Gespenst der Hungersnot an die Wand zu malen. Vor dem siebziger Kriege war in Deutschland das Sprich wort gang und gäbe: Fleisch wat, Gemüse satt; aber der mit der aufblühenden Industrie in das Land gefehrte Reichtum verursachte eine gewaltige Bermehrung des Fleischverbrauches.
Erst die letzten zehn Jahre haben mit dem Bekanntwerden der Bitamine und der Wichtigkeit der Pflanzensalze für den Blutkreislauf dem reichen Fleischgenuß Einhalt geboten. Wir sind jetzt wieder auf dem Standpunkt angelangt, der bis in die Zeit vor sechzig Jahren galt, daß sich die Mahlzeit aus Gemüse, Kartoffeln oder gutem Brot und Butter oder Milch zusammenzusetzen habe; der gelegentliche Genuß von Fleisch und Eiern sei nicht notwendig, aber angenehm. Mangelfrankheiten infolge des Fehlens von Bita minen kannte die damalige Zeit nicht, weil Deutschland ein praktisch landwirtschaftlicher Staat war, bei dem auch der Bewohner der damals noch kleinen Städte nicht weniger vom Boden in den Mund lebte, wie heute noch der Bauer; im Gegenteil, eigentlich noch mehr als dieser heute, weil es ja damals noch feine Konserven gab, die auch heute der Bauer gebraucht und die bei ständigem| Gebrauch als eine absolut unzulängliche Nahrung anzusprechen sind. Der auch in den Zeiten gesteigerten Fleischverbrauchs ausgebreitete Der auch in den Zeiten gesteigerten Fleischverbrauchs ausgebreitete Genuß von Lagerbier, das im Gegensatz zu den leichten obergärigen Bieren einen verhältnismäßig starken Alkoholgehalt besitzt, trug dazu bei, das Verlangen nach Fleisch zu heben, weil der Genuß von Alkohol ohne vorausgegangene reichliche Fleischmahlzeit Biderwillen, wenn nicht gar Etel erzeugt.
Wie der Alkohol ist es der übermäßige Fleischgenus und der mit ihm fast zwangsmäßig verbundene starke Verbrauch an Kochsalz, der die Schuld an vielen sogenannten Kulturtranfheiten trägt, die man beffer Zivilisationskrankheiten nennen sollte. Fett und Waffersucht, Gicht, Herz- und Nierenleiden, Haut und Berdauungskrankheiten sind auf den reichlichen Gemuß dieser drei Schädlinge zurückzuführen. Niedrig und hoch, reich und arm leiden an den Folgen falscher Ernährung. Wenn der Arzt nun, um solche Schäden zu verhüten, den Patienten ermahnt, eine vernünftige, nicht von falscher Zivilisation angetränkelte Ernährung zu pflegen, die heute im allgemeinen unter dem Namen Rohkost bekannt ist, dann bekommt er so gut wie stets die Antwort: ,, Das fann ich nicht, Herr Doftor, das ist mir zu teuer." Ich habe deshalb für Berlin nach Breisen und Gewichtsverhältnissen eine Roft zusammengestellt, die den Anforderungen entspricht, wie sie der vernünftige Mensch an das Essen stellen muß; diese Kost ernährt ausreichend, enthält reich lich Bitamine und Salze, ist frei von jeder Konserve und bietet die Nahrungsmengen auf dem billigsten Wege an. Unzweckmäßig wäre es z. B., das Getreide an eine vierbeinige, grunzende Wärmefabrik zu verfüttern, die man gemeiniglich Schwein zu nennen pflegt, und später diese Fabrik zu verzehren; denn bis zu diesem Zeitpunkt will der Schornstein doch rauchen. Wovon soll aber der Schornstein der Meinen Wärmefabrik rauchen, wenn nicht ein Teil des Getreides, das eigentlich der menschlichen Ernährung zugeführt werden könnte, zum Betriebe der kleinen Wärmefabrik verwandt werden müßte, bis sie schlachtreif geworden ist? Ist es andererseits nicht auch eine Ersparnis, morgens fein Brot zu essen, an dem nicht nur der Müller und Bäder verdient, an dem auch die Badarbeit lebt und das viel Hitze zu seiner Zubereitung benötigt? Haferfloden dagegen, oder gewöhnliches gequollenes Getreide, wie Roggen oder Gerste sind an sich wertvoller, weil fie das volle Korn mit allen seinen Vorteilen darstellen.
Aus diesem Grunde ist auch die morgendliche Roggenmehl suppe dem Gemuß von Brot, Brötchen oder Kuchen erheblich vorzuziehen. Eine einfache Borschrift für die Zubereitung ro her Haferfloden ist folgende: ein bis drei Eßlöffel Haferfloden werden eine halbe Stunde vor Gebrauch mit Milch angerührt, Zuder dazugesetzt und darüber der Saft von einer Viertelzitrone gedrückt. Getreide kann man abends zum Quellen falt, besser warm hinstellen, stehen lassen und morgens falt oder warm wie die Haferfloden effen. Zur Verbesserung des Geschmacks und zur Vervollständigung des Vitamingehalts ist Obst dazu zu essen., lleber Tage beträgt der Verbrauch von Brot im Durchschnitt eineinhalb Pfund und dazu ein Achtel Pfund Butter( es braucht nicht jede Scheibe Brot mit Butter gestrichen zu sein), abends eine warme, reichliche Mahlzeit von Gemüse und Kartoffeln. Diese Auf stellung ist absichtlich schematisch gehalten, damit aus ihr klar und deutlich hervorgeht, was der Mensch zum Leben benötigt und mit wie wenig Geld er sich gesund und arbeitsfähig erhalten fann.
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Also: 50 Gramm Haferflocken 30 Gramm Zucker. Saft einer Viertelzitrone. Ein Viertelliter Milch Eineinhalb Pfund Brot. Ein Achtel Pfund Butter Obst
Gemüse
2 Pfund Kartoffeln. Eineinehalbe Preßfohle
Summa
3,5 Pf.
227
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2,5
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25
"
25
223103
"
"
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120 Pf.
Für 120 Pfennig also fann ein armer Schwerarbeiter fatt werden und gesund bleiben bzw. fich gesund effen. Der persönlichen Eigenart und Geschmacksrichtung und der Größe des Geldbeutels find alle Aenderungen, die in den Rahmen der hauptsächlichen Pflanzenkost passen, erlaubt. Es ist also gestattet, statt zwei Pfund Kohl zu 10 Pfennig zwei Pfund Spargel für 1,50 Mark zu taufen, oder statt fünf Apfelfinen zusammen für 25 Pfennig fünf Jaffa - Apfelsinen jede zu 25 Pfennig zu essen; Bermehrungen dieses Speisezettels sind natürlich verboten. Jeder technisch Erfahrene weiß, daß eine Maschine in furzer Zeit zerstört wird, wenn sie mit zu viel Brennstoff betrieben wird, nur ausgerechnet beim Menschen, den, außer Kriegshehern, alle vernünftigen Menschen auf der Gibe als das Bertolite betrachten, glaubt man, daß be
Der Abend
Spalausgabe des Vorwȧrk
Auf dem Operationstisch
Man schreibt uns:
Erinnerungen aus einem Krankenhaus
Werte Redaktion!
Mit sehr großem Interesse habe auch ich den Artikel im Abend" vom 8. Juli des Herrn Georg Kaufmann über die Uebelstände in den städtischen Krankenhäusern gelesen. Ich kann Ihnen, da ich selbst sechs Wochen im Krantenhaus Friedrichshain verbringen mußte, einen fast schlimmeren Fall berichten. Für das, was ich Ihnen schreibe, bürge ich Ihnen voll und ganz.
Am 3. März 1928 wurde ich ins Krankenhaus Friedrichs hain eingeliefert. Eine Nachfrage am anderen Tag bei meinem Stationsarzt, ob meine Krankheit schwerer Natur sei und ohne Operation eine Heilung möglich sei, wurde gar nicht beant wortet. Erst bei der Inspektion der Herren Professoren, die wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, stattfindet, erfuhr ich, wie Herr Professor Braun seinen Studenten erklärte, daß ein operativer Eingriff nötig sei. Nachdem ich eine qualpolle Nacht hinter mir hatte, bekam ich morgens um 8 Uhr früh statt Kaffee ein Etikett um den Hals mit meiner Namensauf schrift und durfte so 3% Stunden in banger Erwartung auf das Herannahen des Wagens warten. Als ich denselben bestiegen haite, eine Sprize bekommen hatte, ging die Fahrt zum Operationssaal los. Aber welch Schreck, als mein Pfleger mit mir dart anfam, waren nicht nur die Operationsfäle befeßt, sondern der ganze Flur war voll von Krankenwagen, die dasselbe Leid durchmachen mußten wie ich. Für mich war nicht einmal. Platz im Flur, sondern ich mußte bei bitterer Kälte draußen warten, bis ein Teil der inzwischen Operierten mit schmerzverzerrten Gefichtern an mir vorübergeschoben wurde, ehe mein Pfleger mit schreiben. Teils Kälte, zum größten Teil Aufregung, so daß die mir in den Flur konnte. Mein Zähneklappern fann ich nicht des Wirkung der Spritze, die doch zur Beruhigung der Nerven sein
follte, vollkommen ihren Zweck verfehlte.
Als ich nach langem Warten endlich im Operationssaal ange= langt war, dachte ich mir, nun hat die Quälerei bald ein Ende. Aber weit gefehlt! Nachdem man mich sofort auf den Operationstisch genoch legt und festgeschnallt hatte, mußte ich, sage und schreibe eine halbe Stunde warten, ehe der Professor mit seinem Stab vom anderen Operationstisch erschien. Nicht genug, daß man eine halbe Stunde angeschnallt auf die Operation warten muß
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sonders reidliche Ernährung besonders hohe Leistungen zeitigen müsse; welch ein Irrtum!
Das wir uns zum Essen immer das Frischste und Beste aussuchen, ist selbstverständlich. Der alte Spruch, daß man Hülsenfrüchte nicht mehr essen soll, wenn die jungen blühen, gewinnt im Lichte der Vitaminlehre eine neue Beleuchtung und Bedeutung. Mit wahrer Bollust werden wir uns deshalb im Frühjahr auf das junge Gemüse stürzen. Sind wir doch in unserem falten nordischen toten Winter fast bar jeder rohen Kost; nur zwei Gemüse gibt es, das eine teurer, das andere billiger, die uns allein zugänglich sind: der Rosenkohl und der Grünkohl. Sie werden auch im Winter erst turz vor Gebrauch geerntet und besitzen deshalb einen viele Male größeren Gehalt an Vitaminen bzw. Zusagnährstoffen als der ein halbes Jahr lang im Keller gelagerte Kohl; auch diesen tönnen wir in einer zweckmäßigeren Form genießen als bisher, wenn wir ihn nicht gefocht, sondern klein geschnitten und roh ge= stampft als Salat verzehren, weil ja durch das Kochen ein großer Teil wertvoller Nahrungsstoffe zerstört wird. Auch das Aschen brödel, der Sauerkohl, ist uns, weil er infolge der durch gemachten Gärung die allerwertvollsten Stoffe enthält, ein Helfer aus der Not des winterlichen Bitaminmangels.
Erwähnt sei, daß wir die Zitrone im Sommer durch hei mische Früchte ersetzen können, daß sie aber im Winter wegen ihres Bitamingehaltes unerfeglich ist. Das gleiche gilt von der Apfelfine, die im Winter trotz ihres Transportes über weite Meere als Nahrungsmittel wegen der hohen Gehaltes an Zusatznährstoffen preiswerter ist als unser deutscher Apfel.
Dr. Blumenthal- Barby.
Hygiene-
nein, im selben Saal, hinter einem Schirm verfstedt, liegt ein soeben Operierter, dessen qualvolles Wimmern( wahrschein lich wird er immer noch verbunden) den ganzen Saal erfüllt, was bestimmt nicht dazu beiträgt, die Nerven eines Schwerkranken, der bei vollem Bewußtsein auf seine Operation warten muß, zu beruhigen.
Nicht nur die Behandlung durch die Aerzte in den städtischen Krankenhäusern läßt viel, sehr viel zu wünschen übrig, sondern auch die der Schwestern und Pfleger. Es mag nun sein, daß ich es vielleicht unglücklich getroffen hatte. Jedenfalls, als am Nachmittag( was ich Ihnen schreibe, ist nachweisbar) nach meiner Operation ich so heftige Schmerzen bekam, daß ich anfing zu meinen und nach einem Arzt verlangte, erklärte mir die Oberschwester, ich sollte nicht so wimmern, sonst käme ich in ein Extrazimmer. Damit meinte sie den Raum, der als Totentam. mer diente, für die Patienten, die nachts sterben und erst am an deren Morgen von der Station abgeholt werden. Als dann nach langem Hin und Her mir die barmherzige Oberschwester zwei verschiedene Arten von Tropfen und endlich eine Morphiumsprize gegeben hatte, ließen die Schmerzen etwas nach. Jedenfalls wurde der Arzt nicht. gerufen und ich mußte warten, bis derselbe zur Abendvisite fam.
Als ich einen Tag teinen Stuhlgang hatte, ordnete sie an, man sollte mir Rhizinusöl geben. Als ich ihr höflich erklärte, ich könnte dies nicht nehmen, da mir danach übel würde und ich mich gleich wieder übergeben müßte, erklärte sie mir hierauf, dann müßte es gewaltsam eingeflößt werden. Ein paar Stunden später sagte ich ihr, daß ich wieder Stuhlgang hätte, um mich hiervon zu befreien. Ich ließ mir schnell von Bekannten, die zu Besuch waren, Pillen für den Stuhlgang besorgen, obwohl ich genau weiß, daß außer Rhizinusöl auch Pillen im Krankenhaus vor
handen waren. Nur aus Schikane mir gegenüber bestand die Ober
schwester auf Rhizinusöl.
Ein Mensch ohne jedes Mitgefühl ist der Pfleger vorn in der Aufnahme, der die Kranken, die nachts eingeliefert werden, in die zutreffende Station zu bringen hat. Mehrmals habe ich somie Batienten in meiner Station beobachtet, wie roh er mit den Kran ten umging bei dem Transport vom Bett zur Bahre und umgetehrt, so daß ich ihm dieserhalb Vorwürfe machte, welche aber nutz los waren. Hans Dannebaum.
| auch erheblich beteiligt; leider wird man erst nach erfolgter Schlußabrechnung sehen können, in welchem Verhältnisse. Von den 46 700 Quadratmeter Gesamtfläche stehen den Ländern und Städten 4000 Quadratmeter zur Verfügung. Hier wäre Gelegenheit gemejen, zu zeigen, wieviel[ oziales Elend noch gutzumachen ist. Statt dessen erscheinen in ewiger Wiederholung, die den Besucher ermüdet, Leistungen der öffentlichen Gesundheitspflege oder Errungenschaften, über deren Durchführung in den Parlamenten ja noch gestritten wird! Die Halle ,, Arbeits- und Gewerbe hygiene" zeigt schon deutlicher, welche Gefahren chemischer, physikalischer oder anderer Art der Produktionsprozeß mit sich bringt. Wer Fabriken tennt, fann sehen, was heute noch fehlt. Auch diese Halle läßt manches vermiffen, z. B. Angaben über Frauen- und Kinderarbeit, Beschäftigung von Schwangeren.
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Das Hygiene museum selbst, der unsterbliche Kern der ganzen Ausstellung, wird vielen schon bei anderen Gelegenheiten befannt geworden sein, z. B. hier in Berlin auf der Ernährungsausstellung oder auf der Gesolei" in Düsseldorf oder als Wander schau, die abwechselnd im ganzen Reich veranstaltet wird. Ganz allgemein ist zu tadeln, daß nicht endlich einmal der Laienbesucher von der erdrückenden Fülle des Materials etwas befreit wird. Es wäre doch eine einfache Sache, bei jeder Frage die praktisch wichtige Schlußfolgerung ganz besonders auffällig hervorzuheben, etwa durch kurze, knappe Fassung in Befehlsform in nur zu diesem Zwecke veränderter Schrift in rot etwa oder auf dem entsprechend gefärbtem Hintergrund. Das Auge, des Beschauers würde so immer schnell einen Stüßpunkt finden. Die Dinge prägten sich leichter ein. Die übliche Ermüdung würde noch etwas hinausgeschoben. Die anderen, teils sehr guten Methoden( wie Bedienung von Apparaten usw.), brauchen deshalb nicht verlassen zu werden. Im einzelnen bleiben recht viele Fragen offen. Man sieht zmar, wie man durch Ueberfütterung frant werden kann. Wie aber, wenn man hungern muß? Wo bleiben die Statistiken über unsere unterernährten Kinder? Welche Folgen hat die Unterernährung? Nichts davon! Man sieht zwar sehr gute Darstellungen zur Frage der Geschlechtskrankheiten. In zwei Nischen wird auch einiges zur Verhütung und Aufklärung gesagt. In der Nische Hygiene der Fau" sind nicht die Folgen der Abtreibung durch Pfuscherhände vergessen worden. Warum aber so schüchtern in versteckten Nischen, die man fast übersieht? Warum nicht heraus ins Licht mit der ganzen gewaltigen Frage? Die In diesen Tagen erscheint für jeden ausgebeuteten Werftätigen Probleme der Abtreibung oder der Prävention sind vielseitig und die ganze Ausstellung in besonderem Lichte. In aller Munde sind haben wahrlich größere Bedeutung. Nichts davon! In der Ab die neuen Vorschläge zur Reform der Sozialversicheteilung„ Tuberkulose" steht geschrieben: Geht früh genug zum rung. In Dresden steht zu lesen: Geht früh genug zum Arzt Arzt!" Warum gleich zum Arzt? Warum nicht erst zur Tuber. treibt Prophylage! Wenn ihr erst schwer frant und elend tulose fürsorgestelle? Das ist doch heute bald eine Selbstseid, ist es zu spät! In Berlin wird zur gleichen Zeit eine ganz verständlichkeit. Nur über die Fürsorge geht der Weg zur Ausneuartige, dementsprechende Steuer ersonnen: Steuer auf Steuer auf rottung dieser Seuche. Der Arzt kann nichts tun, um meine UmRrantheit, besondere Gebühren für Krankenschein und Medifa gebung und Lebensweise zu ändern, die mich zwangsweise in immer mente, Kürzung des Krankengeldes usw. neue Gefahren bringt, in der ich selbst eine Gefahr für andere bin. Der einzelne tann zumeist nichts ändern. Hier liegt doch die Aufgabe der Fürsorge. Warum muß man das erst erraten?
oder: Geschichten ohne Politik Arbeiterorganisationen veranstalten Fahrten nach Dresden zur hygieneausstellung. Es ist eine lebenswichtige Angelegen heit. Ihre Bedeutung für den einzelnen ist größer als die anderer Ausstellungen. Deffentliche Gesundheitspflege bei alten Völkern heilige Kultangelegenheit, bei Griechen und Römern schon Staatsangelegenheit im Mittelalter vergessen, in der Gegenwart erst wieder aufgenommen, aber noch in den Anfängen.
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Wer schon in Dresden war, dem fallen sogleich Dinge ein, über die er dort vergeblich etwas zu erfahren hoffte. Dinge, die gerade eng verbunden sind mit der Sozialversicherung. Für den Ausgebeuteten hat eine solche Ausstellung eine ganz andere Bedeutung als für diejenigen Besucher, die nur sehen wollen, ob ihr Hausarzt auch wirklich ein moderner Arzt ist, und die sich bei der Gelegenheit vielleicht ein paar neue Möbel, einen Staubsauger und eine elettrische Kühlanlage bestellen.
Schon früher ist in diesen Spalten von Dr. Moses darauf hingewiesen worden, welche Aufgaben einer internationalen Hygiene ausstellung eigentlich zu stellen wären. Was damals im Januar anläßlich einer Borbesprechung zu bemängeln war, ist es auch heute.
Wenn man durch die vielen Hallen geht, sieht man deutlich, wer in Wirklichkeit diese Ausstellung veranstaltet: die Industrie und der Aerate stand. Das Reich und die Bänder sind zwar
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Die Beantwortung all dieser Fragen ist eine politische. Hier liegt der Mangel der ganzen Ausstellung. Hier ist der Einfluß jener Kräfte zu spüren, die heute im Reichstag die Sozialversicherung zernagen. Hier merken mir, daß im Staat, dem die Volksgesundheit erstes Gebot sein sollte, kapitalistische Interessen voranstehen. Selbft Dinge, die politisch längst für die Masse der Arbeitenden erkämpft sind( z. B. Tuberkulosefrage), muß sich der Beschauer selbst aus der Verschleierung des Materials von neuem erfämpfen.
Daß eine vernunftgemäße Lebensführung zur Gesundheit führt, fann man in Dresden lernen. Wie aber, wenn uns die Macht zu einer solchen Lebensführung genommen ist? Darauf gibt die Ausstellung keine Antwort. Diese Tatsache wollen wir uns merken. Heinz Adam
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