Die Erdbebenkatastrophe.
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alleinstehender Gebäude im Gebirge Auskunft geben. Mehrere hundert Einwohner haben auch in der vergangenen Nacht in Neapel im Freien übernachtet. Große Autokolonnen fuhren auf das Land hinaus, deren Besitzer die Nacht ebenfalls im Freien verbrachten. Aus allen größeren Berkehrspunkten find Hilfszüge für die von dem Unglück betroffene Bevölkerung abgegangen. Decken, Kleider, Wasser, Medikamente und Instrumente aller Art, Aerzte und Sanitätspersonal sind mit Bahn und Auto in die am meisten heimgesuchten Gemeinden entsandt worden.
Aus dem Hauptbebengebiet werden Schreckenszenen berichtet. Nach diesen Meldungen trat das Beben von Anfang an so start auf, daß in unzähligen Fällen eine Flucht und ein Entkommen der schlaftrunkenen Bewohner auch aus den kleinen Häusern gar nicht möglich. Eine Frau war mühsam lebend aus den Trümmermassen befreit worden. Bevor sie jedoch weggetragen werden konnte, trat plötzlich ein Nachbeben ein, ein Quaderblock tam ins Rollen und zerschlug der Frau den Schä de 1. Auch unter dem Rettungspersonal, das unter Einsetzung des Lebens sich um die Verunglückten bemüht, find bereits Opfer zu verzeichnen. Die im Hauptbebengebiet fast völlig zerstörten Gemeinden bieten einen trostlosen, erschütternden Anblick. Auch der Schaden an den Kirchen ist sehr groß. Eine beträchtliche Anzahl von Kirchen ist in Stein- und Schutthaufen verwandelt. In einzelnen Gemeinden, wie Aquilonia und Villanova, in denen kein Haus mehr bewohnbar ist, gibt es feine einzige Familie, die nicht mindestens eines ihrer Mitglieder unter den Toten zu beklagen hat.
Die Strombauverwaltung hatte am Mittwoch vormittag einer Spezialfirma für Schiffshebe-, Taucher- und Sprengarbeiten in Köln Taucher für die weitere Suche nach Verunglückten angefordert. Ein Taucher ging daraufhin am Nachmittag in dem Eingang zum Sicherheitshafen von der Unfallstelle aus eine Strede von etwa 70 meter hafeneinwärts ab. Gegen 9 Uhr konnte der Taucher das 36. Todesopfer der Katastrophe aus dem Waffer bergen. Es handelt sich um ein etwa 16 Jahre altes mädchen, dessen Person noch nicht einwandfrei festgestellt werden konnte. Da mit Sicherheit angenommen wird, daß in dem schlammigen Grund noch mehr Leichen stecken, werden die Taucherarbeiten fortgesetzt. Am Mittwoch abend hat die Leitung einer Dresdener Reisegesellschaft, die sich in Koblenz aufhält, mitgeteilt, daß zwei Personen der Gesellschaft seit Dienslag abend vermißt werden.
Die Unglücksbrücke war nicht gesperrt.
Eine Berliner Zeitung wußte aus Koblenz zu melden, daß der eingestürzte Steg zur Zeit der Katastrophe durch eine Rette abgesperrt.und außerdem durch ein Schild das Be= treten des Steges verboten gewesen sei. Wie der T. von Koblenzer unterrichteter Seite mitgeteilt wird, ist diese Meldung .nicht richtig. Der eingestürzte Steg befand sich auf dem Ge lände des Wasserbauamtes. Die Erlaubnis zum Be= treten und zur Benutzung des Steges leitete sich aus der ständigen Gewohnheit her. Das Betreten war nicht ausdrücklich
durch Warnungs- oder Verbotstafeln untersagt. Der Steg murde täglich von Arbeitern einer Schiffsreparaturwerft auf den Wege zur und von der Arbeit und von Badegästen und Spazier. gängern benutzt.
Desterreich und Deutschland in Trauer verbunden. Wien , 24. Juli.
Die furchtbare Katastrophe in Koblenz , mit der die Befreiungsfeier am Dienstag ihren tragischen Abschluß fand, erweckt hier allenthalben ungemeines Mitgefühl, der die Blätter in tief empfundenen Worten Ausdruck geben. So schreibt die ,, Neue Freie Presse": Ueberall wo Deutsche wohnen, empfindet man aufrichtige Teilnahme und inniges Mitgefühl an dem Unglück, das sich in Koblenz ereignete. Wir in Desterreich haben gestern durch die Vermittlung des Radio sozusagen unmittelbar nicht bloß seelisch an den Freudenstunden am Deutschen Ed teilgenommen. Wir fühlen uns auch im Leib aufs engste mit dem RheinI and verbunden. Im ,, Neuen Wiener Abendblatt" heißt Wir fühlen mit dem deutschen Volte seinen Schmerz und seine
es:
Hand ein und über 40 Menschen fanden den Tod. Das ganze deutsche Volk im Reich wie in Desterreich wird ihr Andenken in
An der Unglücksstelle in Koblenz sucht man noch nach den noch nicht geborgenen Opfern des Brückeneinsturzes. Die Kreuze bezeichnen die Lager, von denen die leichte Brücke abglitt
Jerusalem , im Juli.( Eigenbericht.)
Die Verhandlungen vor der Untersuchungskommission des Völkerbundes über den Klagemauerstreit sind ebenso bedeutungslos wie unerfreulich. Obwohl der Streit um das Recht auf gottesdienstliche Handlungen an den Resten des Salomonischen Tempels seitens der Juden vor beinahe Jahresfrist den Anlaß zu dem blutigen Bürgerkrieg in Palästina gegeben hat, fräht heute weder bei der Mehrzahl der Araber noch der Juden ein Hahn nach der Angelegenheit. Der Fall ist zum Anlaß für eine Disputation von Kuttenträgern aller Konfessionen und Rassen geworden.
Der Sache der Religion, die im Orient immer noch höher im Kurs steht als im Abendlande, ist dieser Streit um spitzfindig zu welterschütternden Fragen aufgebauschten theologischen Baga tellen nichts weniger als nützlich. Aller Aufwand von juristischem und geistlichem Bathos vermag nicht darüber hinwegzutäuschen, daß sich der Kampf nicht um Gegenstände des wirklichen Lebens, sondern um
bereits gespenstisch gewordene Fiffionen aus Urväters Zeiten handelt. Das Aufgebot der Sachverständigen aus beiden Lagern ist ebenfalls nichts anderes als ein Bossenspiel. Täglich tauchen die unmöglichsten Persönlichkeiten mit Mandaten auf, die sie sich selbst verliehen oder von bisher gänzlich unbekannten Organisationen erhalten haben. Bei den Juden ist ein Heer bann von Rabbis zur Stelle, die mit den tühnsten theologischen Theorien operieren. Einer von ihnen hält die Verwendung von mosaischen Gesetzbüchern bei den Gottesdiensten an der Klagemauer für eine Gottes= lästerung in der höchsten Potenz. Andere Fachleute auf dem Gebiet der jüdischen Gottesgelehrtheit vertreten wieder mit der gleichen Entschiedenheit die völlig entgegengesetzte Anschauung. Groß ist hier zurzeit vor allem der Auftrieb an Delegationen aus allen Ländern der islamischen Weit. Es sind nicht nur Vertreter der Mohammedaner aus Palästina und seinen Nachbarländern erschienen, auch aus Indien , Persien , Marokko und aus europäischen Ländern sind Gläubige herbeigeeilt, um für die heilige Sache zu zeugen. Bei näherer Befragung solcher Vertreter kommt es mitunter zu belustigenden Ergebnissen. Ein Abgesandter Persiens muß zugeben, daß er Persien noch nie im Leben gesehen hat. Die perfische Regierung ist nämlich so vernünftig gewesen, die Ausreise einer Deputation nach Jerusalem zu verbieten, da sie im Prinzip gegen die Geldausfuhr für religiöse 3wecke ist, die sie für eine öfonomisch unproduktive Angelegenheit hält. Sogar die Existenz eines
Bergeßliches Primanerchen.
läßt sich bei dieser Gelegenheit feststellen und man erfährt hierbei, daß Polen einen Großwürdenträger der mohammedanischen Kirche für das Seelenheil zahlreicher in der Umgegend von Wilna lebender Anhänger des Propheten benötigt. Bon dem Auftreten Seiner Eminenz, des Doktor Jakob Schwintowi h, hatten beide Teile Großes erwartet. Die Juden glaubten, daß er einen annehmbaren Vermittlungsvorschlag machen würde, während die Mohammedaner annahmen, daß eine Autorität mit europäischer Bildung und Kultur einen besonderen Eindruck auf die europäischen Richter hinterlassen würde. Weder die einen noch die anderen sind auf ihre Rechnung gekommen. Doktor Schwinfowitz hat sich mit einer nichtssagenden Erklärung begnügt, daß Zeitmangel ihn daran hindere, zugunsten eines jüdisch- arabischen Ausgleichs zu wirken und er verschwand nach einer furzen Gastrolle von der Bildfläche, nicht ohne sein Mandat an einen wegen seines, Fanatismus bekannten ägyptischen Scheich abgegeben zu haben. Auf welchem Niveau de Ton steht, in dem beide Parteien miteinander verkehren, mag ein 3wiegespräch zwischen dem arabischen Anwalt und einem jüdischen Zeugen illustrieren. Der arabische Advokat, Auni Abd el Hadi, der in den Bausen des Kampfes um die heilige Sache des Islam noch Zeit findet, den Rechtsvertreter bei Grundstüdsgeschäften mit den Juden zu spielen, nennt den jüdischen Gelehrten Dr. Brawer einen Lügner. Die Kommission, die ihre Sache mit großem Interesse und vielleicht etwas zu großer Rücksicht auf den beiderseitigen Belotismus führt, übersieht diesen Affront anscheinend geflisfentlich,
um teine Szenen zu provozieren. Dr. Brawer nimmt darauf für sich das Recht der Selbstverteidigung in Anspruch und wirſt ſeinem Gegner an den Kopf, daß ihn
ein Levantiner nicht beleidigen fönne.
Ein Riesenaufwand von Geld und Arbeit wird zwecklos an eine Nichtigkeit vertan. Das einzig Erfreuliche an dem unerquicklichen Schauspiel bleibt die Tatsache, daß sich der Völkerbund dazu ent schloffen hat, endlich ein selbständiges Urteil über eine um strittene Angelegenheit des Mandatslandes einzuholen. Leider hat er bei der geringsten der vielen Sorgen Palästinas den Anfang gemacht. Hoffentlich wird er recht bald dazu übergehen, sich auch einmal um wichtigere Fragen wie die der Reform der palästinensischen Verwaltung, die Siedlungs- und die Reform der palästinensischen Agrarverhältnisse zu befümmen, von denen die Existenz der lebenden und die Zukunft kommender Generationen in ganz anderem Maße abhängt, als von Steintrümmern, die für die Mehrheit der Menschen bestenfalls antiquarischen Wert besitzen.
hatte, erklärte er, er habe nur zu allem Ja und Amen gesagt. Damals habe er aber befundet, daß er nicht mitgegangen sei, da er ron den bevorstehenden Schlägereien gehört habe; es sei ihm so gewesen, als würde etwas passieren. Er sei zurückgeblieben, obgleich Trupps nach verschiedenen Richtungen geschickt und schließlich sei auch Bantrath gesagt habe, er solle mitkommen. Pankrath habe auch die gejagt worden, ob man warm angezogen sei.
Auch ein Retter Deutschlands im Röntgental- Prozeß. Trauer. Mitten in der Jubelfeier griff das Schicksal mit grausamer roseifes im Gerichtsjaal immer mehr einzubürgern. Bis jetzt Der Faschistengruß scheint sich während des Röntgentaler flogen die Faschistengrüße nur nach Schluß der Verhandlung zwischen Ehren halten. Die Wiener Allgemeine Beitung" fagt: ein 3euge beim Eintritt in den Gerichtsjaal die Angeklagten in der Angeklagten und Zuhörerraum hin und her. Heute begrüßte schon Der nächste Zeuge ist der Steinmeglehrling 3ioniti. Er mar es, der die Angeklagten mit dem Faschistengruß begrüßte. In Auch Wien trauert mit. Gestern ließen uns die Radiowellen Beugen der erhebenden Feier eines glücklichen Volkes am Rhein sein. Heute aufmerksam gemacht, der Vorsitzende, doch dürfte es wenig nutzen, Eindruck. Zwischen seinen jetzigen Aussagen und denen in der BorMussolinischen Weise. Zwar rügte das, vom Staatsanwalt zu den anderen Zeugen den besten lejen wir schaudernd die untersuchung bestehen auch nicht allzu viel Widersprüche. Er erzählt, wie im Lokal Edelweiß
abschluß eines durch lange, bange Jahre jehnten Freudentages berichten. Tiefstes menschliches Mitgefühl schwingt sich von der Donau zum Rhein .
Ein grimmer Sparerlaß.
Der französische Kriegsminister als sparsamer Hausvater. Paris , 24. Juli. ( Eigenbericht.)
Der Kriegsminister Maginot scheint plötzlich von dem Ehrgei besessen zu sein, den Steuerzahlern zu beweisen, daß er trotz seiner Milliardenausgaben für seine Rüstungen doch ein sparsamer Hauspater zu sein versteht. Er hat einen donnernden Erlaß an alle Regimenter und Intendanturen gerichtet, in dem er in echt militärischem Ton gegen jede Verschwendung und grobe Mißhandlung des Materials zu Felde zieht. Zunächst bemängelt er den übermäßigen Verbrauch an Papier und Tinte sowie die Verschwendung on elektrischem Licht. Vor allem aber scheint ihm der Mißbrauch der Eimer zu mißfallen, die den Unteroffizieren und Offizieren zur Verfügung stehen. Diese Eimer, so erklärt Maginot, hielten die ihnen angetane Behandlung nicht aus. Sie würden anscheinend nur mit Fußtritten behandelt. Außerdem benuze man sie dazu, auf offenem Feuer Waschwasser zu wärmen. Dazu seien sie aber nicht bestimmt. Es sei aufs sorgfältigste darüber zu machen, daß fünftig der Emailleüberzug dieser Eimer weder durch Fußtritte verletzt noch durch übermäßiges Erhitzen geschwärzt werde. Die Regiments: tommandeure werden für die strikte Innehaltung des Erlasses verentwortlich gemacht.
Man hat nicht den Eindrud, als wären die Angeklagten und ihre Gefinnungsgenoffen sich des Ernstes der Situation bewußt.
Eingeleitet wurde die heutige Verhandlung durch die Aus. sagen des Unterprimaners Mintewitsch, der als Schüler einer höheren Lehranstalt ein erstaunlich geringes geistiges Niveau zeigte. Er hat nichts gemertt, kann sich auf nichts befinnen und hat von dem, was er gehört, absolut nichts aufgefaßt. So u. a. auch nicht, daß im Lokal Edelweiß von Verstärkungen und von Drohungen gegen das Reichsbanner gesprochen worden ist. Der Borsitzende redet ihm ins Gewissen:
Sie sind doch Unterprimaner, find imftande, logisch zu denken. Junge Leute in Ihrem Alter faffen im allgemeinen gut auf. Es ist sehr auffallend, daß Sie nichts wissen. Verschweigen Sie etwas? Der Zeuge war an dem Abend Gast bei den Nationalsezialisten. Er will fortgegangen sein, ohne sich von jemand ver= abschiedet zu haben, will auch nicht bemerkt haben, wohin sich die anderen begaben. Der Vorsitzende wundert sich Sie kommen hin zu Leuten, bei denen Sie als Gast eingeladen sind. Ich nehme an, daß Sie als gebildeter junger Mensch sich beim Fortgehen vom Gastgeber verabschieden. Der Zeuge bleibt dabei, es nicht getan zu haben. Ob so viel Berlogenheit aus der Ruhe gebracht, wendet sich der Borsigende mit großer Schärfe an den Zeugen: Hat jemand auf Sie eingewirkt, hier etwas anderes zu sagen, als was richtig ist? Auch diese Antwort geht auf Ihren Eid. Sie sind ein junger Mensch und Sie besuchen die höhere Schule, machen Sie sich nicht unglücklich. Der Zeuge: Auf mich hat niemand eingewirkt. Als ihn dann seine Aussagen bei der Polizei und beim Unter suchungsrichter vorgehalten werden, wo er viel mehr gewußt
Köppner die Anwesenden gefragt habe, wer sich an einer Rauferei mit den Reichsbannerleuten beteiligen wolle, wie Bedenten geäußert worden seien, daß die NS. - Leute zu schwach feien und deshalb beschlossen worden sei, Verstärkung zu holen. Der 3euge Wildis soll seine Frau nach Hause geschickt haben mit den Worten: Ich weiß nicht, wie es heute noch kommt." Und so weiter. Rein angenehmer Zeuge für die Angeklagten, dieser Zionski.
Das 62. Todesopfer.
Lübec, 24. Juli. Nachdem in den letzten vier Tagen ein Stillstand in der Krankheits- und Sterblichkeitsziffer bei den mit dem Tuberkulosepräparat gefütterten Säuglingen eingetreten war, hat sich gestern wieder ein Todesfall ereignet. Die Zahl der Todesopfer beträgt nunmehr 62. Krant sind 57, gebessert 73, gesund bzw. in ärztlicher Beobachtung 59 Säuglinge.
Brünner Rotfallenbesuch beim Borwärts".
Die jungen Falken der Kinderfreunde aus Brünn , unsere Freunde as Datei, erfreuten uns durch ihren Besuch und ein schmetterndes Konzert, das den ganzen Betrieb an die Fenster lockte. Die Brünner Jungens und Mädels waren auf einer Durchreise zur Kinderrepublit. Vielen Dank und Freundschaft!