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Rr. 445 47. Jahrgang

2. Beilage des Vorwärts

Gesundbeten hilft nichts!

Das Ausland bleibt mißtrauisch, die Börse schlecht, weil Brüning hilflos ist.

Der Vertrauensverluft hat sich auch kapitalmäßig außer­ordentlich fühlbar ausgewirkt.

Ende voriger Woche hat die Hugenberg- und Hitler- Presse den| Gründe, außer dem im Ausland erschütterten Vertrauen in die elementaren Ausbruch des ausländischen Mißtrauens gegenüber den wirtschaftliche Zukunft Deutschlands . deutschen Verhältnissen auf dunkle Absichten der deut­schen ints preffe" zurüdgeführt. Die preußische Regierung hat Herrn Brüning den Gefallen getan, offiziell zu erklären, daß eine Bedrohung der Ordnung" nicht vorliegt. De­nunziationen und Beruhigungen haben nichts geholfen.

Die politische Beunruhigung der Berliner Börse ift gestern noch nicht gewichen.

Das Ausland setzt vielmehr seine Verkäufe von deutschen Aktien und Rentenpapieren fort. Der Börsenverlauf war dementsprechend sehr flau und auf der ganzen Linie ergaben sich Kursrückgänge der Aktien, die freilich in engeren Grenzen blieben, als am Freitag und am Samstag. Auch festverzinsliche Ba­piere waren angeboten. Bei den Bankattien zeigte sich von neuem eine fühlbare Tendenz zur Schwäche.

Die Anspannung auf dem Geldmartt hat sich noch nicht verringert. Der Tagesgeldsatz liegt weiter zwischen und 5% Proz. Die Wechselantäufe der Banten gehen infolge höherer Zinsforderungen zurüd, so daß eine starte dirette Inanspruchnahme der Reichsbant wahrscheinlich ist. Die Reichsbant wird im übrigen auch durch Devisenabgaben in Anspruch genommen. Seit dem 15. Sep­tember schätzt man die Devisenabgabe der Reichsban? auf 120 bis 140 Millionen Mart. Für die Reichsbant selbst ist diese Entwicklung in gar feiner Weise gefährlich. Es wäre aber denkbar, daß die Reichsbant, um angesichts der bestehenden Unruhe ihre Stärke zu zeigen, eine Diskonterhöhung in Erwägung zieht.

Das liegt um so näher, als der sogenannte Brivat­distont gestern wieder um ein Adytel auf 3% Proz. hinauf­gesprungen ist, d. h. daß die Banken und großen Firmen sich gegen­seitig nur noch zu steigenden Zinssägen Gelb borgen. Wie zu er warten mar, find rebitfündigungen aus Frankreich , die wegen des meist indiretten Geschäftes über London , Zürich und Amsterdam erfolgen, am häufigsten gewesen. Die Nachfrage nach

Seit den Wahlen sind die deutschen Attienkurse auf deut­ schen Börsen mindestens um 10 bis 13 Broz. zurückgegangen, die festverzinslichen Papiere sind um einige Prozent gesunken( Alt­befizanleihe z. B. um 3 Proz., sechsprozentige Badische Staats­anleihe um 4% Proz., fiebenprozentige Berliner Goldanleihe um über 5 Broz, sechsprozentige Daimler- Benz - Obligationen um 5 Broz.). Sehr start sind die Kursrückgänge deutscher Anleihen auf ausländischen Börsen: In London ist die young Anleihe weiter auf 77 bis 78 Proz gegen noch 80% Broz. am legten Sonnabend gesunken. In New York sind siebenprozentige deutsche Dollaranleihen in der vergangenen Woche im Durchschnitt um 1% Broz, 6% prozentige im Durchschnitt um über 4 Broz. zurückgegangen. Eine 6% prozentige Preußenanleihe sant in New Vort von 92,25 auf 86,5 Proz, eine 6½prozentige Bayernanleihe Don 93,1 auf 89,1 Proz. Kursrückgänge von 3 bzw. 5 Broz werden auch von den prozentigen Berliner Bewag- und Hochbahnanleihen gemeldet. Interessant ist, daß die bürgerliche Roalition mit den Nationalsozialisten in Braunschweig die acht prozentige Braunschweiger Staatsanleihe fofort um annäherno 3 Proz. zurückgeworfen hat.

Während mitten in der schwersten Krise auf diese Weise Kapital­verlufte und Geldteuerungen in Deutschland entstanden, meldet die Schweiz als Folge der deutschen Kapitalflucht eine nicht mehr zu bewältigende Geldflüssigkeit.

Für Bantatzepte und Handelswechsel werden nur mehr 1% Bro& Distont abgezogen, die Flüssigkeit ist so groß, daß die Spartafsenzinsen von 4 auf 3% Broz und die Hypothefen infen von 5% auf 5 Broz ermäßigt werden mußten. Wie wir früher schon sagten, ist die Folge dieser ganzen Entwicklung eine unabsehbare verschärfte Wirtschaftstrise in Deutschland .

Frantenüberweisungen war in Deutschland enorm, Franken waren faum in ausreichendem Maße zu beschaffen, und die Reichsbant hat sich entschlossen, statt Devisen Gold nach Frankreich zu ver Inzwischen spielt Herr Brüning weiter den weisen, schiden. Für die Reichsbant ist es gleichgültig, ob fie Devisen abgibt indem er schweigt und Stärke mimt. Seine Fähigkeiten als oder Gold. Wir haben schon vorgestern gesagt, daß für die deutsche Staatsmann hat er schon einmal durch eine Politik bewiesen, die Währung die Entwidlung noch immer gänzlich unbedenklich ist und zwangsläufig zur Reichstagsauflösung führte. Das Ausland weiß, haben oben auf die Möglichkeit einer Distonterhöhung hin- daß hochindustrialisierte Staaten auf die Dauer keine sozial­gewiesen, durch die die Reichsbant, in einem sehr weitgehenden reaktionäre Politif machen können. Es sieht mun die Re­in Deutschland Umfang zu große Kreditansprüche durch Berteuerung des Zins gierungszügel a m Boden fages abweisen fann. Daß in einer außerordentlich schweren Wirtschleifen, meil Herr Brüning nicht die Entschlußtraft findet, fchaftstrife, wo das Geld sozusagen auf der Straße lag, und den Regierungskurs gegen die Sozialreaktion zu menden. Das find daß in der dritten Monats woche, die für den Geldmarkt die leßten Gründe, weshalb troß aller Beruhigungen über die sonst die schwächste ist, derartige Anspannungen eintrefen, nichtbedrohte Ordnung" das Mißtrauen des Auslandes nicht weicht hat ausschließlich politische, in gar feiner Hinsicht wirtschaftliche und der deutsche Kredit weiter schwer geschädigt wird.

Fortdauernder Eisenwucher.

Deutscher Eisenmarkt vollständig isoliert.- 3 Prozent gegen 20 Prozent.

Die französische Eisenindustrie hat soeben eine erneute Preisherabsetzung für die wichtigsten Walzwerkserzeugniffe vorgenommen. Die Preisabschläge für den Inlandsabsatz sind recht erheblich, sie betragen z. B. für Träger und Feinbleche mehr als 10 Proz. Seit Jahresfrist sind die französischen Inlandspreise für Stabeisen um insgesamt 25 m. pro Tonne oder etwa 20 Pro 3. herabgesetzt worden., Demgegenüber beträgt die seit Jahres frist in Deutschland eingetretene Preisermäßigung für Stab eisen nur 4 m. pro Tonne oder noch nicht 3 Proz. der Bor= jahrspreise.

Das Preisniveau auf dem deutschen Eisenmarkt steht also heute volltom men isoliert von der Preisentwicklung der euro­ päischen Eisenländer und der Tendenz des internationalen Preis­niveaus. Durch die bestehenden Gebietsschuhabtommen und Ausschließlichteitsverträge mit den Händlern ist es den Eisensyndikaten bisher gelungen, die Zufuhren von Aus­landseisen, das heute plus Zoll wesentlich billiger als das Inlands­eisen zu beschaffen ist, fernzuhalten.

Dienstag, 23. Geptember 1930

foll an Stelle der bisherigen vielen Zwischenkreditträger( Rentena bankkreditanstalt, Heim- Bant A.-G., Neuland A.-G., Preußische Staatsbank ) der einzige 3 wischentreditträger für die reichs- und preußischen Zwischenkredite werden und damit ein ein heitliches Vorgehen von Reich und Preußen in allen grundsätzlichen Fragen der landwirtschaftlichen Siedlung sichern. Der Weg der Not­verordnung wird beschritten, da die sofortige Errichtung der Bant für die Entlastung der Reichsfinanzen und für die Sicherung der Osthilfe nötig erscheint, der 1. Oktober des Jahres den spätesten Termin für die Arbeitsaufnahme darstellt und eine Gesetzesvorlage frühestens Ende November zur Annahme gelangen würde.

Textilfartelle.

Gentlemenfartelle viel gefährlicher als Offizielle.

Soeben ist( bei E. S. Mittler u. Sohn, Berlin ) eine weitere die die Wandlungen in den wirtschaftlichen Organisationsformen" Untersuchung des Enquete- Ausschusses, und zwar der Arbeitsgruppe, bearbeitet, erschienen. Ueber a cht Kartelle der Textil. industrie wird aufschlußreiches Material vorgelegt; das Ergebnis liegt in der Feststellung, daß die spekulative Unternehmertätigkeit durch die Kartelle erlahme: Erstrebt wird die Ruhe des Marttes, gefämpft wird vielfach nur um einen höheren Rabatt." Natur aus ziemlich groß, da der Rohstoffanteil an den Ge­Nun ist das spefulative Element in der Textilindustrie von Natur aus ziemlich groß, da der Rohstoffanteil an den Ge­famtkosten hoch ist, der Preis dieser Rohstoffe aber von den ( schwankenden) Welternten abhängig ist. Sich gegen diese Unsicher heitsfattoren zu schüßen, begann die Textilindustrie schon gegen Ende des vorigen Jahrhunderts sich zu Verbänden zusammenzuschließen. Die Kriegswirtschaft und die immer stärker in Erscheinung tretende Ueberproduktion verstärkten die Tendenzen zur Kartellbildung.

Die Textilindustrie ist vor allem Beredlungsindustrie; vielfach bearbeitet sie gegen Lohn Halbfabrikate, die im Eigentum des Auftraggebers find. Diesen Veredlungslohn" durch Ab. sprachen über die Bedingungen zu firieren( Ron­bitionenfartell) ist der Zwed eines Teils der Kartelle. Die Gefahr der wachsenden Ronkurrenz infolge der Ueberproduktion zu bannen, hat& B. die Interessengemeinschaft deutscher Jute. Industrieller schon 1926 ein Verbot, den Maschinenbestand zu erhöhen, erlassen.

Ueberall hat sich eine Rartet! tonzentration durch gefeßt; so umfaßte die Deutsche Tuchkonvention 1924 690 Betriebe mit 25 000 Webstühlen, während ihr 1930 mur noch 476 Betriebe mit 26 000 Webstühlen angehörten. Die Betriebsgröße ist also start gestiegen. leber die Politit der Kartelle fonnte festgestellt werden, daß die Ziele weiter gesteckt werden konnten, je stärfer die Kartelle von Wo das ganze wenigen Großunternehmen beherrscht wurden. Kartell sich aus tapitalfräftigen Großbetrieben zu­fammensetzte, wurden nur Iose Abmachungen getroffen, die ebenso oder beffer eingeholfen wurden wie formell festgelegte B schlüffe. Gegen dieje moralischen Bindungen können sich sowohl die Abnehmer als auch die Behörden welt fchwerer durchsetzen als gegen Juristisch unterbaute Vereinbarungen" das ist ein Feststellung. die bei jeder Diskussion über die staatliche Kartellpolitik obenan ffehen follte.

Sofern ein Textilunternehmen nicht nur auf Lohn arbeitet, wird die Verdienstspanne beim Verkauf von größter Bedeutung, da der Produktionsgewinn bei den schwankenden Rohstoffpreisen oft ungewiß ist. Dann versucht man durch Rabattsysteme ver­schiedenster Art( feste und bewegliche Rabattsäge, Treurabatte, um­fagvergütungen) die Abnehmer in Abhängigkeit von den Kartellen bzw. ihren Syndikaten zu bringen. Ausbildung von Marken­artikeln und Bindung der Wiederverkaufspreise sind weitere Mittel der Kartellpolitit. Durch Vermittlung der Kartellvertreter werden sogar unter den Einzelhändlern Preisverein­barungen herbeigeführt. Der Großhandel wurde vielfach zurückgedrängt; 1926 wurden noch 73 Proz., 1929 nur 58 Proz. der Verkäufe der Jute- Industriellen durch den Großhandel getätigt.

Im Kampf zwischen Kariellen und Abnehmern ist weitgehend entscheidend die Konjuntturlage, wie der Verlauf des Kampfes gegen die Deutsche Tuchkonvention zeigte. Unter dem Druck der Markt­verhältnisse hat diese ihren Abnehmern schließlich die gewünschtert Bugeständnisse machen müssen.

Wir werden auf diesen lehrreichen Band bei anderer Gelegen­heit noch zurückommen.

J

Reine Enquete über das Glühlampenfariell. Wie im Borwort des neuen Enquete- Bandes( Textilindustrie) mitgeteilt wird, werden die Untersuchungen über das Internatio nate Glühlampenfartell, über die Organisation des

zwar infolge Kündigung der vom Reich zur Verfügung gestellten Mittel". Diese Sparsamkeitspolitit wird den deutschen Glühlampen­produzenten, insbesondere den Osram Werten, hochwillkommen sein!

Allmählich scheint jedoch auch dieser festgefügte Schuh panzer durchbrochen zu werden. Einige belgische Außenseiterwerte sind Obwohl sich Frankreich nicht wie Deutschland in einer in das Gebietsschutzabkommen nicht mit einbezogen, und von diesen schweren Wirtschaftstrise befindet, der Absatzrückgang der fran- Werken erfolgen in steigendem Umfange Lieferungen an deutsche zösischen Eiſenindustrie sich ferner in wesentlich engeren Grenzen Großverbraucher unter Ausschaltung des Handels. Die Syndikate hält als der deutsche, hat sich das inländische Preisniveau Frankreichs haben sich so gezwungen gesehen, hie und da unter den Verbands­wenigstens einigermaßen den verbilligten Rohstoffkoſten und der preiſen abzugeben. Hieraus ziehen aber naturgemäß nur wenige veränderten Weltmartilage angepaßt, während die deutschen Preise Großverbraucher Nuzen, während die mittlere und kleinere Induſtrie hartnädig auf einem weit überhöhten Preisniveau gehalten werden. weiter zu den übersteigerten Inlandspreisen die Werkstoffe bezahlen In England mußten gleichfalls erhebliche Preisherabseßungen muß. Angesichts dieser volkswirtschaftlich schädlichen Situation vorgenommen werden, zum Teil unter dem Drud der Vermehren sich auch in der bürgerlichen Handelspresse braucherschaft und des Handels, die sich mit billigerem die Stimmen, die eine Anpassung der deutschen Inlandspreise ver- Buchhändler- Börsenvereins und über die Schiff­belgischen und luxemburgischen Eisen eindeckten und somit die eng langen. Die offiziöse Industrie- und Handelszeitung" schrieb 3. B. fahrtstonferenzen nicht zu Ende geführt werden, und lischen Eisenindustriellen zur Preisherabsetzung zwangen. Der vor einigen Tagen: Inlandspreis für englisches Roheisen ist seit Jahresfrist um mehr als 9 M. pro Lonne oder rund 12% Proz, die Inlandspreise für Eisenhalbzeug find seit Jahresfrist um rund 14 M., das sind mehr als 10 Bro3. herabgesetzt worden. Die englische Eisenindustrie hat affo ihre Preise ungleich stärter senten müssen als die deutsche Industrie, ohne auch nur daran zu denken, diese Anpassung der Preise an verbilligte Rohstoffkosten und die veränderte wirt­schaftliche Weltlage von einer Lohnsenfung abhängig zu machen. Bewegen sich so die in den westlichen Eisenländern und in Eng - geschlossen sei! Indessen sind weitere Preissenkungen der west land eingetretenen Breisermäßigungen zwischen 10 und 20 Broz, so mußten auf den Ausfuhrmärkten noch wesentlich größere Preistongeffionen gemacht werden. Durch den Zusammenbruch der Rohstahlgemeinschaft und den starten Absatz­rückgang nach den Ausfuhrmärkten infolge der Weltkrise find die Weltmarktpreise für die nicht international syndizierten Walzwerks­erzeugnisse rapide und unaufhaltsam gesunken:

Seit Jahresfrist hat sich der Weltmarktpreis für Stabeijen von 114 m. pro Tonne auf 85 m. pro Tonne, alfo um faft 30 m. ermäßigt. Der deutsche Inlandspreis von 137 m. liegt um mehr als 60 Prog. über den gegenwärtigen Weltmarktnofierungen.

Auch die Exportpreise für Roheisen haben eine starte Sentung erfahren. Die französisch- belgisch- luxemburgische Roheisenentente hat soeben eine erneute Senfung der Exportpreise um 5 m. pro Tonne vorgenommen. Auch für Roheisen hat sich die Differenz von deutschen Inlandspreisen und Weltmarktnotierungen weiterhin ganz beträchtlich erhöht und zu steigenden Roheisenzufuhren aus dem Ausland geführt.

Es darf wohl als ausgeschlossen bezeichnet werden, daß man weiterhin an den hohen Eisenpreisen in Deutschland festhält, die jest wieder einmal weit über den Weltmarktpreisen plus 3oll liegen."

Nun, in der deutschen Kartellpolitik ist, so lange die Regierung weiter wie bisher untätig bleibt, nichts ausgeschlossen. Der Stahl­mertsverband hat auch seinerseits vor den Wahlen prompt die Erklärung abgegeben, daß eine Preissentung für ihn aus=

Sabotage des Preisabbaus.

Der Deutsche Ausschuß für wirtschaftliches Bauen" veranstaltet demnächst seine 11. Tagung für mirt­schaftliches Bauen in Köln . Man wird dort viele nüßliche Vorträge europäischen Eisenländer und ein weiterer Fall der Weltmarktpreise von hervorragenden Fachleuten über Stahlstelettbau, Betonskelett­eingetreten. Da die Eisenverbände nicht selbst die Einsicht aufbau, Holzstelettbau, Massivdeden im Wohnungsbau, über die bringen, sich zu einer Revision ihrer frifenverschärfenden Möglichkeit und die Bedeutung der Winterarbeit im Baugewerbe absazmindernden Preispolitit 811 ent= und schließen, so solle die Regierung angesichts dieses unhalt baren Zustandes auf Grund ihrer Ermächtigung die notwendigen Schritte unverzüglich einleiten.

Deutsche Siedlungsbank.

Eine preußische Notverordnung über die Beteiligung.

Der Ständige Ausschuß des Preußischen Landtags wird heute zusammentreten, um den Entwurf einer Not verordnung über die Beteiligung des preußischen Staates bei der Deutschen Siedlungs­bank zu beraten. Die Deutsche Siedlungsbank, die am 1. Oktober ins Leben treten wird, soll vom Reich und dem preußischen Staat mit einem Grundkapital von 50 Millionen und einer Rüd­lage von gleichfalls 50 Millionen Mart ausgestattet werden. Sie

und vieles andere zu hören bekommen. Nur über eine Frage

darf nicht gesprochen werden: die Baustoff­preise. Dabei ist es ein offenes Geheimnis, daß alle technischest Berbesserungen und Verfeinerungen unvollkommen bleiben und die Krise in der Bauwirtschaft nicht beseitigen werden, solange es nicht gelingt, die Preise der Baustoffe weitgehend zu revidieren.

Alle Baustoffe sind nach sachkundigem Urteil zu teuer, Zement, Steine und Holz ebenso wie Linoleum und andere Stoffe. Die großen Kartelle und Synditate subventionieren einen großen Teil der Organisationen, und niemand wird es daher wagen, aggressiv zu werden. Nur der Fachmann weiß, wie schwer es ist, sogar von unabhängigen Professoren heute ein Gutachten über Preisbildungen in der Bauwirtschaft zu erhalten. Ein Dozent an einer technischen Hochschule zum Beispiel, der etwa von Zeit zu Zeit einige Ladungen 3ement für Versuchszwecke braucht, wird es taum wagen, das Zementfartell zu brūstieren.