Morgenausgabe
Nr. 497
A 250
47.Jahrgang
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Donnerstag
23. Oftober 1930
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231 Todesopfer.
Und immer noch Bergleute eingeschlossen!
Die Kafaffrophe von Alsdorf hat nach den letzten amflichen Feststellungen bisher 231 Todesopfer gefordert. Ueber das Schicksal einer Reihe von Vermißten, die sich in der untersten Sohle befinden, herrscht immer noch Ungewißheit.
Der Tod haf wieder reiche Ernte gehalten unter den Bergknappen, wieder wehen schwarze Fahnen über Fördertürmen, hat schwerstes Leid Frauen und Kinder getroffen wie in Neurode, schlimmer als in Neurode. Und viele junge Arbeiter sind unter den Token!
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Heldentaten der Kameradschaft und der Arbeitersolidarität sind bei den Reffungsarbeifen verrichtet worden. Mit den Reffern schlagen die Herzen der deutschen Arbeiter in kameradschaftlichem Mitfühlen, mit den Hinterbliebenen feilt die gesamte deutsche Arbeiterschaft schmerzliche Trauer.
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Einer der führenden Männer, der Schwerindustrie erflärte por turzem bei Tarifverhandlungen, die deutschen Löhne müßten herunter, et ma auf den Stand der Löhne in der Tschechoslowakei . Als ihm erwidert wurde, daß in der Tschechoslowakei die geringen Löhne nur ertragen werden könnten, weil die Preise der Waren des täglichen Bedarfs erheblich niedriger seien als in Deutschland , wo sie mit Hilfe der Unternehmerpreisfartelle weit über den Welt marktpreisen gehalten würden und man die Frage an ihn richtete, ob er auch für die schleunige Beseitigung dieser Preiskartelle sei, verneinte er letzteres in entschiedener Weise. Hier tritt das Ziel der Scharfmacher offen zutage.
In den Verhandlungen vor der Schlichterkammer haben die Vertreter des Deutschen Metallarbeiter- Berbandes nach gewiesen, daß die Gestehungskosten der Produkte der Ber liner Metallindustrie sich ganz erheblich vermindert haben. Die von dieser Industrie benötigten Rohstoffe meisen einen starten Preisabbau auf, dazu ist eine außer ordentliche Steigerung der Leistungsfähigkeit der menscha lichen und mechanischen Arbeitskräfte eingetreten. Die Belegschaftsziffern sind dauernd heruntergegangen, während die Produktionsziffern dauernd erhöht murden. Die Berliner Metallindustrie fann mit den gleichen Industriezweigen jedes an unid feine ruhige und nervofitätsfreie Entschlossenheit bürgt dafür, deren Landes ohne weiteres fonfurrieren, ihre Ausfuhrziffern daß die Staatsautorität in der richtigen Weise gewahrt wird, falls beweisen das zur Genüge. Die maßgebendsten Unterder Radikalismus rechts und links bei seiner Agitation den Boden nehmungen haben trotz der Wirtschaftsfrise große Divis der Verfassung verlassen sollte. Hinzu kommt, daß der neue dendensummen ausgeschüttet und durch Reserven dafür preußische Minister des Innern weit über die Grenzen gesorgt, daß auch eine vorübergehende weniger günstige Zeit jeiner Partei hinaus Achtung und Ansehen genießt, zu tragen ist. daß selbst seine Gegner ihm staatsmännische Fähigkeiten niemals abgesprochen haben."
Schutz der Republik - Kampf der Arbeitslosigkeit.
Frankfurt a. M., 22. Ottober.( Eigenbericht.)
Minister Severing sprach heute nachmittag in Offenbach in einer Bersammlung unter freien Himmel vor etwa 10.000 Besuchern und am Abend in der Frankfurter Festhalle vor mehr als 16 000 2- wesenden. Ueberall murde Severing stürmisch gefeiert, die Mitteilung, daß er zum preußischen Minister des Innern ernannt morden sei, murde mit stürmischen Beifallskundgebungen aufgenommen.
Senering forderte alle Arbeiter, Republikaner und Gewerkschaftler auf, den Plänen der Gegner der Republik und der Anbeter der Gewalt ein Ende zu machen. Den Kräften, die die Republik beseitigen und die Republikaner terrorisieren wollen, muß die Ent schloffenheit und die Kraft der Republikaner vor Augen geführt werden!
Die politische Hauptaufgabe dieses Winters ist: Arbeitsbeschaffung und Finanzreform. Die deutschen 23ähler haben diese Aufgabe gründlich perfannt, den Wahlerfolg der Partei, die vor den Wahlen am lautesten geschrien habe, hat das Ausland eine Quittung gegeben, indem es nach den Babien seine Kredite zurückgenommen hat. Wir haben alle den Fehler begangen, das deutsche Bolt für reifer zu halten als es ist. Die Sozialdemokratie will von heute ab den Abwehrfampf einleiten gegen diesen organisierten Unverstand der Massen, der sich das Revanchegeschrei nicht nur für den Friedensvertrag, sondern auch für das sogenannte Novembernerbrechen auf feine Fahne geschrieben hat.
An eine wirtschaftliche Gesundung ist nur in der 3usammenarbeit mit dem Ausland zu denken. Wir müffen erträgliche und verträgliche Verhältnisse zu unseren Nachbarn haben. Benn im Ausland durch gewisse Paraden der Eindruc entstanden ist, daß in Deutschland ein Revanchegeist herrsche, fo mollen wir hier erflären, daß wir gute Deutsche sein wollen, aber mir mollen auch gute Weltbürger werden! An die Arbeit Republifaner, für die deutsche Republit und das deutsche arbeitende Bolf!
Amtsantritt am Freitag.
Der am Mittwoch zum preußischen Innenminister ernannte Reichstagsabgeordnete und Abgeordnete des Preußischen Landtags, Severing, wird sein Amt a mt Freitag antreten. Sein Amtsvorgänger, Professor Dr. Waentig, wird sich am Donnerstag von den Beamten des Ministeriums verabschieden.
Garantie für Wahrung der Staate autorität. Köln, 22. Oktober .( Eigenbericht.) Die Kölnische Zeitung" schreibt zur Ernennung Severings zum preußischen Minister des Innern: ,, Wenn heute Dr. Waentig Herrn Severing Platz macht, so wird jeder, dem an Ordnung im größten Lande des Reiches gelegen ist, dies begrüßen fönnen. Es hätte feinen Sinn, diefen Wechsel vom parteigegnerischen Standpuntt aus anzugreifen. Minister Severing ist der Gründer und Organisator der preußischen Polizei
Oldenburg an Groener.
Der Ehrbegriff aus dem„ Rosenmontag". Herr von Oldenburg Januschau veröffentlicht folgende Antwort an den Reichswehrminister Groener: Sehr geehrter Herr Minister!
Thren in der Presse heute veröffentlichten Brief an mich will ich Ihnen ebenso offen beantworten.
Der Uhrenerlaß bleibt nach wie vor mißverständlich. Daß der Erlaß anders aufgefaßt werden konnte, und anders aufgefaßt worden ist, als Sie es in Ihrem Brief darstellen, beweist die Leipziger Berhandlung. Ein ehrliebender Soldat braucht keine Geschenke, um seine Pflicht zu tun.
Diese Beweisführung hat sicherlich auch auf den Sonderschlichter starken Eindruck gemacht. Wie wäre es sonst zu erklären, daß er seinen ungeheuerlichen Schiedsspruch, der vom Unternehmertum als Anfang einer über das ganze Reich gehenden Lohn- und Gehaltsabbaumelle gedacht ist, mit der die Massentaufkraft um Milliarden geschädigt würde, ganz drei Sätze der Begründung anfügt, von denen der erste Gätze auch noch im Widerspruch zu dem Schiedsspruch selbst steht. In der Begründung wird gesagt, daß mit der Lohnsenkung der immer mehr um sich greifenden Arbeitslosigkeit gesteuert werden soll, im Schiedsspruch wird dagegen mit weiteren Entlassungen gerechnet, denn es wird den Arbeitgebern empfohlen, durch Arbeitsstreckung Entlassungen größeren Umfanges zu vermeiden. Was von folchen Empfehlungen zu halten ist, zeigt ja die Schwerindustrie, die ihren Lohnabbau gleichfalls mit dem Wegfall meiterer Entlassungen zu beschönigen versuchte. Nachdem aber die Lohnsenkung erreicht war, sind die Entlassungen mie vorher in rücksichtsloser Weise vorgenommen worden, und zwar bis in die jüngste Zeit.
Ich gebe nicht zu, daß die Verfehlungen der Offiziere nicht hätten disziplinarisch erledigt werden fönnen. Die ungeheure Aufregung in allen nationalen Kreisen und der für die Reichswehr selbst hervor gerufene Schaden mußten von Ihnen norausgesehen werden. Aber nicht diese Vorgänge, auch nicht Ihr eigenes Berhalten Der Schiedsspruch mußte wie ein Schlag dabei, waren der Grund für mein Auftreten im Reichstage: Ich ins Gesicht der Arbeiter mirten. Die Tarifmollte nachholen, was nach der vom Herrn Reichskanzler mir gegen löhne der Berliner Metallarbeiter stehen nicht über demt über betonten altpreußischen Tradition Sache der Regierung gewesen Durchschnitt der deutschen Tariflöhne, sondern darunter, zum wäre. Es ist un tragbar, daß, im Gegensatz zu Ihrer Darstellung, Teil jogar sehr erheblich. Sie sind absolut und auch in bezug Offiziere unter Berufung auf den Herrn Reichspräsidenten angesichts der Truppe durch Kriminalbeamte verhaftet auf ihre Kauffraft wesentlich niedriger als die Löhne der werden. Durch diesen Mißbrauch des Namens Hindenburgs wird gleichen Industrie des Auslandes, insbesondere Standidas verdunkelt, was als Inbegriff alles Soldatentums wir zu befizen so glücklich sind: die Autorität des Feldmarschalls. Diese Feststellung glaubte ich als ältester Offizier des Reichs tages dem Feldmarschall schuldig zu sein. Ich habe die Ehre zu sein
napiens, Englands, Amerikas, die als Hauptkonkurrenten in Frage kommen. Die Löhne müßten deshalb erhöht werden, um so mehr, als es sich im wesentlichen bei den Berliner Metallarbeitern um hochqualifizierte Arbeitskräfte handelt. Der Schiedsspruch hat auch in den Reihen der Unternehmer Ueberraschung hervorgerufen. Das hatten viele von ihnen wohl selbst nicht erwartet, waren sie doch bereit gewesen, einer Bertagung bis zum Januar zuzustimmen. Der letzte Absatz des Briefes macht alles verständlich. Manche von ihnen fühlten mit den Arbeitern, daß dieser Herr von Oldenburg lebt noch ganz in den Vorstellungen jener Lohnabbau gegen alle soziale und wirtschaftliche Vernunft guten alten Zeit, in der der Offiziersstand ,, er it er Stand" ist. Die Regierung fündigt für die Beamten des Reichs, der war. Damals war es undenkbar, daß ein Offizier vor ein Staaten und Gemeinden eine als vorübergehende Maßnahme bürgerliches Gericht tam oder von der Polizei verhaftet gedachte Gehaltsminderung von 6 Proz. für den 1. April wurde. Nach diesen Ehrbegriffen aus der Zeit des Rosen- nächsten Jahres an. Sie will bis dahin mit ihren montag" hätten die Ulmer Leutnants nur von einem Maßnahmen für die Warenpreissenkung eine Erhöhung militärischen Kommando verhaftet werden können. Der Kaufkraft der Gehälter wirksam machen, Einen Zivilisten, der sich ihnen mit einem Haftbefehl zu den Arbeitern aber soll eine sofortige nähern wagte, hätten sie einfach ,, in Ehrennotwehr" mit dem Degen totgeftochen. Das geht nun nicht mehr. Darum steht der Königlich Preußische Major a. D. und feufzt:
,, Ach, daß es nod) wie damals wär'! Doch fommt die schöne Zeit nicht wieder her!"
ohnsen tung aufgezwungen werden, obwohl sie, ganz besonders der hohe Prozentsatz der Kurzarbeiter. aber auch ein erheblicher Teil der Bollarbeiter, seit vielen Monaten bereits außerordentlich fühlbare Einbußen an ihren