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Bn'and und Tardieu. Zwiespältigkeit hüben und drüben. Der tiefe innere Gegensatz zwischen den Reden, die Brian d und Tardieu nacheinander am Donnerstag im französischen Parlament gehalten haben, ist nicht nur in Deutschland , fandern auch in Frankreich selbst entpsunden worden. Kein Zweifel daran, daß, während B r i o n d sich unter dem Beifall der Linken bemühte, Perständnis für die Lage Deutschlands zu erwecken und den Wahlerfolg der Hakenkreuzler auf die deutsche Wirtschaftsnot und Arbeits- lofigkeit zurückzuführen, Tardieu umgekehrt bestrebt war, die rechte Seite der Kammer durch Erklärungen zu befrie- digcn, die mit dem Geiste einer wirklichen deutsch -französischen Verständigungspolitik kaum vereinbar sind. Der Außen- minister hatte die grundsätzliche Berechtigung Deutschlands anerkannt, die im Artikel 19 des Völkerbundstatuts ent- haltenen Revisionsmöglichkeiten öffentlich zu er- örtern: der Ministerpräsident hat den Reoisions- gedanken mit dunklen Drohungen zurückgewiesen. Am bedenklichsten ist jedoch die Behauptung Tardieus, daß Frank- reich keineswegs nach dem Friedensvertrag zur Abrüstung verpflichtet sei und daß es auf diesem Gebiete freiwillig schon mehr als nötig geleistet habe: eine These, die zwar im schroff- sten Gegensatz zu dem juristischen Bekenntnis steht, das seiner- zeit von Paul Boncour im Namen Frankreichs wiederholt in Genf abgelegt wurde, die allerdings gegenwärtig von seinem Nachfolger M a s s i g l i in der Vorbereitenden Ab- rüstungskommission hartnäckig vertreten wird. Darin liegt auch in unseren Augen ein Versagen B r i a n d s, der diese Haltung Massiglis deckt. Leider haben die Ergebnisse der Reichstagswahlen die Stellung derer in Frankreich sehr er- .schwert, die die moralische und juristische Verpflichtung aller Siegermächte zur Abrüstung anerkennen, während die an- deren mit dem billigen Argument operieren können, daß es angesichts des fabelhaften Aufschwunges der Hitlerschen Revanchepartei Wahnsinn und Selbstmord wäre, wenn Frankreich gerade jetzt abrüsten würde. Die Zwiespältigkeit der französischen Außenpolitik ist offenkundig. Aber darf man sich in Deutschland allzu laut darüber� entrüsten? Bietet denn die Zusammensetzung der gegenwärtigen Rcichsregierung gerade in der Außen- Politik ein Musterbeispiel an Homogenität? Sitzen nicht im gleichen Kabinett einerseits Brüning. Curtius und W i r t h, die sich zur Verständigungspolitik Stresemanns be- kennen und auf die außenpolitische Unterstützung durch die Sozialdemokratie rechnen, andererseits Treviranus, Schiele und B r e d t, deren Parteien Curtius lieber heute als morgen zum Teufel jagen möchten, die Locarno und den Poung-Plan abgelehnt haben, und die, wenn es inöglich wäre, mst Hugenberg und Hitler nur allzu gern regieren würden? Eine wirkliche deutsch -französifche Verständigungspolitik setzt h üben und drüben einen einheitlichen Willen der Regierenden voraus. Sie war schon lange vor dem 14. Sep- tember nicht leicht, sie ist seither schwieriger denn je zuvor. Und es ist relativ noch als ein Glück zu betrachten, daß in Frankreich ein Mann wie Briand trotz aller widrigen Um- stände als Außenminister kühlen Kopf behäll, sich bemüht, die Dinge in Deutschland nüchtern und objektiv zu begreifen und somit die nationalistischen Neigungen des Minister- Präsidenten einigermaßen neutralisiert. Ebenso wie es als ein Glück empfunden werden kann, daß bei uns in der bürgerlichen Mitte starke Kräfte vorhanden sind, die be- greifen, daß es ein Verhängnis wäre, wollte man die deutsche Außenpolitik dem Dilettantismus eines Treviranus und den ostekbisch-junkerlichen Ansichten eines Schiele ausliefern.

Im Dienste Kn'cks. Unfreiwillige Komik bei Hugenberg . Die Fraktion Hilgenbergs hat im Reichstag einen Antrag ein- gebracht, das Reich solle die Polizeigelder für Preußen sperren, weil ..die Zusammensetzung der preußischen Staatsregieruno. im besonderen die Person des Ministerpräsidenten und des Ministers des Innern keine Gewähr dafür bieten, daß die vom Reich für Polizeizwecks überwiesenen Mittel im Sinne der Verfassung und der Gesetze verwendet werden." Diese Gewähr bietet nur Herr F r i ck, der ebenso wie Hugenberg von innerer Begeisterung für die Weimarer Verfassung entflammt ist! H u g e n b e r g ist es mit dem Antrag übrigens t o t s r n st! In seinem Auftrag sprach Herr Quaatz bei denvaterländischen Verbänden": i daß der neue Borstoß Hugenbergs im Reichstag, nämlich die Sperrung der Polizeigelder für Preußen, ein Mißtrau« nsvoUim gegen die preußisch« Regierung darstell«, das, wenn es, wie man Höffe, durchkomme, die preußische Regierung -wingen sollt« die Fosaerungen zu ziehen. Quaatz hob fernerhin hervor, daß die Deutschnationale Partei weitestgehend alle wich- tigen poiitljchen Fragen mst der Partei Adolf Hitlers, , den man als große staatsmännische Führerperson achte, lösen werde." Nicht nur, daß Hugenberg den Antrag gestellt hat er will ihn sogar durchbringen! Vielleicht begründet Herr Quaatz im Reichstag den Antrag dann wird es erst heiter werden!

Kommunistische Korruption. Ein Prozeß vm die OriSkrankenkasse von Halle. Halle, 15. November.(Eigenbericht.) Am Montag beginnt vor dem Schöffengericht Holle ein auf- sehenerregender Prozeß gegen den ehemaligen kommunistischen Di- ketlor der Mgemeinen Ortstrankenkass« Halle. Karl Pfeiffer. und den ebenfalls kommunistischen, vom Bersicherungsamt seines Postens enthobenen Vorsitzenden der- Krankenkasse, Karl Klee- mann, und einen Hotelier. Die.Verhandlung wird mehrere Tage in Anspruch nehmen. Den Angeklagten wird zur Last gelegt, daß sie»n erheblichem Maß« Bestechungsgeld erangenommen und sonstige Betrügereien zuungunsten der Kasse begangen haben. Also«in Korruptionsprozeß, wie er im Buch» steht!

Proteststreik in Madrid . lieparationsforderunq gegen die Polizei. -.» Madrid , 15 November(Eigenbericht.) Wegen der Tötung von vier Arbeitern durch die Polizei hat der Verband der Madrider Bauarbeiter einen Proteststreik gegen die Brutalität der Polizei und deren Ehess beschlssten. deren Ab- setzung- gefordert wird. Weiter wird für die Familien der j Getöteten Pension, sür die Verwundeten Schadenersatz und sür die Verhafteten Straffreiheit gefordert.

Die höfliches? Herren..

�Gehen wir also mit gutem Beispiel voran l*

»Nach Ihnen, mein Herr!* Jpreisse nkunc

,O nein, nach Ihnen!"

Eine offene Tür ist das größte Hindernis. (Altdeutsche Weisheit.)'

Weltkongreß der Freidenker. Auszug der Kommunisten.

Bodenbach , 15. November. (Eigenbericht.) Der bis zum 17. November in Bodenbach tagende 4. Jitternatio. nale Freidenker-Kongreß begann heute. Vertreter der Verbände in Deutschland , Rußland , Deutschösterreich, Polen , USA . und des Deutschen Freidenkerbundes iu der Tschechoslowakei sind anwesend. Den Vorsitz führt Genosse S i e o e r s- Berlin. Gleich zu Beginn der Tagung war klar, daß die Kommunisten, da sie nicht hoffen können, die Führung im Bunde zu erobern, es auf die Spaltung abgesehen haben. Die aus zwei Russen und achtzehn Reichsdeutschen bestehende kommunistisch» Delegation, beantragt Abänderung der Referate und der Referenten, da die Freidenkerbewegung unter der sozialdemokratischen Führung rein faschistisch wirk«! Dieser An- trag wird gleich weiteren Obstruktionsanträgen der Kommunisten abgelehnt. Hartwig- Tschechoslowakei widerlegt dann die kommu-

nistischen Vorwürfe wegen der Ausschließung der tschechischen. kommunistisch geführten Freidenkerorganisation und weist nach, daß dies« Ausschließung ganz zu Recht erfolgts, da dieser Verband(Svazi weder seinen ideellen, noch seinen materiellen Verpflichtungen gegen- über der Internationale nachkornmt. Der Russe Lukaschewsti verlas nun ein« längere Resolution, in der die Sozialdemokratie maßlos be- schimpft wird; der kommunistische Flügel habe allein das Recht, sich als die wahr« proletarische Freidenkcrschaft zu betrachten,. Dam» zogen di« Kommunisten aus dem Sitzungssaal. Der Vorsitzende erklärie darauf, nun sei die Spaltung der proletarischen Freidenker- bewegung vollzogen und jetzt könne die Arbeit der Freidenker- Internationale erst richtig beginnen, nachdem sie ihre Kinderkrankheit überwunden hat. Der Internationale Kongreß setzte dann unter Auf- rechterhaltung der Tagesordnung seine Beratungen fort.

Krach im Hause Bülow. Linie Glubenstein-Lichterfelde-Lerchel rückt von Bernhard ab In der Rechtspress« erläßt dertgl." pr. Major a. D. Kurt Ernst Gottstied von Bülow folgende Erklärung: Hierdurch erklare ich im Namen des Bülowschen Hauses Glubenstein- Lichterfel-de- Lerchel, daß wir von den in seinenDenkwürdigkeiten" niedergelegten Ausführungen des Fürsten Bülow über die Person Seiner Majestät des Kaisers in jedsr Beziehung abgerückt sind. Sie decken sich nicht mst uiiserem T r« u v e r h ä l t n i s zur Krone." Nichts liegt uns ferner als Sympathie für den aalglatten Höfling Bernhard von Bülow , der als Kanzler den Kaiser um- schmeichelt« und erst jetzt in seinen hinterlasienen Erinnerungen mst der Wahrheit über dengenialen" Monarchen herauskommt. Aber «ins ist- interessant: Als der ehemalige Haushofmeister des Kaisers, Graf Zedlitz- Trützschl er, in seinen Erinnerungen einige Streiflichter auf Wilhelms wahren Charakter warf, wurde er von der deutschnationalen Offiziersvereinigung ausgeschlossen und von seinen Standesgenosien geächtet. Vom toten� Bernhard von Bülow rückt seine eigene Familie, wenigsten» die Linie Glubenjtein-ästchlerfelde�Lerchel,' kraftvoll ab, weil er einige» von Wilhelms Schwäger» und Prahlernatur in seinen Erinnerungen hat durchblicken lassen. DasTreueoerhällnis" duldet kein« Wahrhest und Aufrichtigkeit. Aber ein Byzantinertum hat es unter Wilhelm nie gegeben!

Kriegssabotageprozeffe gewonnett. Echiedsgerichtsentscheidung erspart uns? 60 Millionen Mark In den zwei großen Sabotageprozessen, die fest mehreren Jahren vor der deutsch-amerikanischen Gemhchien Kommission schweben und in denen Schadenersatzansprüche gegen da» Deutsche Reich in der Höhe von etwa 49 Millionen Dollar geltend gemacht wurden, ist mmmehr die Entscheidung zugunsten Deutsch - londs gefallen." In den, ersten der beiden Prozesse, der unter dem Namen Black T o m, F a l l" bekannt ist, Handell es sich darum, daß am SO. Juli 1Ö16 aus dem Frachtbahnhof einer amerikanischen Eisen- bahngesellschaft im Hasen von New Hort, der den NamenBlack Tom Terminal" führt, ein« große Explosion zahlreicher, mst ver- schiffungsbereiter Munition belli dener Eisenbahnwagen stattfand. Der zweite Prozeß, der sogenannte.Lmgslnnd-Prozeß", bezog sich auf die Kerstöning einer Munitionsfabrik, di« am 11. Januar 1917 in dem nahe New 7)orf gelegenen Orte Kingsland erfolgte. In beiden Fällen wurde von den Geschädigten die Behauptung auf- gestellt, die Zerstörungen seien das Wert deutscher Agenten gewesen, die von deutschen ' amtlichen Stellen den Auftrag erhalten hätten, Sabotageakte in den Vereinigten Staaten auszuführen. Die Kommission, die aus dem amerikanischen Juristen Chandler

P. Andersen als amerikanischen Schiedsrichter, dein jetzigen Oberlondesgericlstspräsidenten am Hanseatischen Oberlandesgericht in Hamburg , Dr. Wilhelm Kiehelbach als deutschen - Schiedsrichter und dem früheren Beobachter der Vereinigten Staaten bei der Repa- rationstommission Roland W. B o y d e n als Unparteiischen besteht, hat nunmehr einstimmig festgestellt, daß Deutschland für die beiden Sabotagesälle nicht verantwortlich gemacht werden kann und hat daher die beiden Klagen zugunsten Deutschlands entschieden. In den Gründen der Entscheidung stellt die Kommission aus- drücklich fest, daß im Kingslandfall die Explosion nicht von deutschen Agenten verursacht worden ist, und daß im Vlack-Tom-Fall das ge- samt« von den Klägern beigebrachte Bcweismaterial bei weitem nicht ausreiche, die Richter zu überzeugen, daß die Explosion dcutsch-n Ägenten zur Last gelegt werden könne. Das Atieniat in Japan . Oer Täier ein Lleberpairiot! Tokio , IS. November.(TU.) Der Kaiser van Japan hat den Baron Schidehara zum vor- läufigen Ministerpräsidenten ernannt. Nach Blattermeldungen soll der Attentäter Sagosa erklärt haben, daß seine Tai nicht gegen den Ministerpräsidenten, sondern gegen die Politik des Kabmests, das durch die Unterzeichnung des F l o t t e n o b k o m m e n s die japanischen Interessen im Stillen Ozean freigegeben hab� gerichtet war. Einheitsfront gegen Gtalin. Sine Vereinbarung zwischen Rechts« und Linksopposition. Aus gut informierter Quell« wird der Grund der Verhaftung des Vorsitzenden des lowistrussischen obersten Wirtschaftsrats Syr- j o» bekannt: in seiner Wohnung fand die sensationelle Verein- barung zwischen den links- und r e chts o p p o s itio- nellen Kommunisten statt. Während die Linken sich bereit erklärten, das reale Wirtschaftsprogramm der Rechten zu akzep- tieren, nämlich die Rückkehr zum Nep, das heißt zur öko- nomischen'Politik, billigten die rechten das politische Programm der Linken. Sie erklärten sich einverstanden mst dem Grundsatz der Trotzkisten, daß die Wahlen zu den Sowjets aus Grund der all- gemeinen, geheimen Wahlen stattfinden und die Bauern den Ar- beitern angeglichen werden sollen. Dies« Einigung zwischen linken und rechten oppositionellen Kommunisten bedeutet eine neue Py'l» im Kamps« der svwjetrussischen Kommunisten untercinand"' llrigoyen bleibt in hast. Der Oberste Kriegshos von Argen- tinien hat den Hästentläfsün'gsänträg' des Exfräsidentsn Jngoy?» abschlägig beschieden, so daß also der frühere Präsident bis zur Gerichtsverhandlung in Hast bleiben dürfte.